Noch drei Tage bis zum Milliarden-Sterne-Katalog

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Am 14. September wird er hier online gehen und sofort der ganzen Welt zur Verfügung stehen: Der Data Release 1 der ESA-Astrometrie-Mission Gaia, ein erster Katalog, der in erster Linie ein Appetizer für die folgenden gewaltigen Datenpools sein wird. Der DR1 besteht aus drei Teilen: Der gewaltigste ist eine Liste von 1’142’679’769 Sternen bis zur Helligkeit 20.6 im breitbandigen „G“-Band mit diesen Helligkeiten (die mit Kenntnis des Farbindex ganz gut in gewohntere Systeme umgerechnet werden können) und ihren Koordinaten am Himmel auf typischerweise 10 mas (Milli-Bogensekunden) genau. Für diejenigen 2’057’050 dieser Sterne bis 12. Größe hinab, die bereits der Hipparcos-Satellit vor gut 25 Jahren vermessen hatte (davon wiederum 93’635 superpräzise und weitere 1’963’415 mit seiner Tycho-Kamera), wird es durch Kombination der Daten zusätzlich auch Parallaxen mit 0.3 mas und Eigenbewegungen mit 0.3 mas/Jahr Genauigkeit geben: Das ist dreimal genauer als was Hipparcos damals alleine konnte – und steht für 20-mal mehr Sterne zur Verfügung! (Der zweite Gaia-Katalog DR2 im dritten Trimester 2017 wird dann noch genauere Angaben zu den Orten und deren zeitlichen Änderungen – und damit Entfernungen – aller über eine Milliarde Sterne allein aus Gaias eigenen Messungen enthalten: erneut ein Sprung um einen Faktor von über 500.) Der 3. Teil des DR1 schließlich werden Lichtkurven einiger tausend Veränderlicher sein, von 599 Cepheiden und 2595 RR-Lyrae-Sternen: ein ESA Press Release, Pressemitteilungen der Uni Heidelberg und der TU Dresden und ein CNES Release zu PR-Events am 14. September, ein ESA-Feature zur Datenanalyse und Artikel hier und hier. Es gibt auch ein Portal zur Visualisierung der Datenflut, die dort am 14. September eingespielt wird – und wer gleich komplett in die 3D-Welt der 2 Mio. Sterne mit Gaia-vs.-Hipparcos-Entfernungen eindringen möchte, hat dazu am 15. September im Planetarium Bochum eine exklusive Möglichkeit, sogar bei freiem Eintritt: Weltweit erstmals werden dort im Rahmen eines Vortrags simulierte Flüge durch die so lokalisierte Sternenwolke (in einem kleinen Bereich der Milchstraße) in Fulldome-Projektion gezeigt. Dieser Blogger hat erste Versionen dieser Animationen bereits gesehen: wow …

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Keine drei Wochen mehr bis zum Ende der Mission Rosettas

Die Bestätigung des Missionsabschlusses wird im Hauptkontrollraum der ESA am 30. September für 13:20 MESZ ±20 Minuten erwartet: Der kontrollierte Abstieg Richtung Oberfläche wird zuvor auf eine Region mit aktiven „Gruben“ in der Ma’at-Regon gezielt haben, von denen einer Deir el Medina getauft wurde. Oben ein OSIRIS-Telebild mit vielen Staubteilchen (z.T. durch die Nähe zur Kamera unscharf) vom 5. September aus 5.0 km Abstand, unten ein Ausschnitt aus einer Weitwinkel-Aufnahme vom selben Datum aus 4.1 km – auch Frequently Asked Questions zum Missionsende und Artikel hier, hier, hier und hier.

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Fein geschichteter Sandstein auf dem Mars, wie ihn am 8. September Curiosity betrachtet hat – während der Rover unverhoffte Planetary-Protection-Probleme bekommen hat. Auch der offenbar bevorstehende Wiedereinstieg der NASA bei LISA, der ESA-Satelliten für Gravitationswellen-Jagd, die auch früher als 2034 kommen könnten, das Aussetzen von BEESAT-4 aus BIROS (womit nun wirklich klar ist, dass tatsächlich 21 Satelliten auf der indischen Rakete waren), Probleme mit der Stromversorgung des RapidScat auf der ISS, der Start kommende Woche der chinesischen Raumstation Tiangong-2 (mehr, mehr und mehr), ein NASA-Ruf für Nutzlasten für die Asteroid Redirect Mission – und erste Ergebnisse der Citizens‘ Debate der ESA.

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SpaceX ist ziemlich ratlos, warum die Falcon 9 explodierte

Und deswegen wird sogar die Öffentlichkeit um Hilfe gerufen, um dem Disaster am 1. September – im Bild ein Blick aus einem Einsatzfahrzeug des Incident Management Teams des 45th Space Wing – auf die Spur zu kommen: das offenbar einzige Video extrem verlangsamt und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und von früher ein Bericht über die ersten Maßnahmen am Cape nach dem Unfall – danach war OSIRIS-REx (ein Video seiner Abtrennung von der Centaur) auf der benachbarten Rampe 41 doch in größerer Gefahr gewesen als es damals hieß [NACHTRAG: hier näher diskutiert] – und Artikel hier, hier und hier.

Derweil hat das zweite Modell des SpaceShipTwo („Unity“) von Virgin Galactic seinen ersten Testflug erlebt, natürlich noch fest mit dem Trägerflugzeug verbunden: Bilder der Operation und Artikel hier, hier, hier, hier und hier – der Wettlauf zwischen Blue Origin und Virgin Galactic (sonstige ernsthafte Bewerber sind derzeit nicht erkennbar) um die ersten suborbitalen Touristen-Flüge wird nun wieder spannender.

Eine Antwort to “Noch drei Tage bis zum Milliarden-Sterne-Katalog”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 12. 9. 2016 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Alles übers All … von Daniel Fischer … seit 1985 – und jetzt online im klassischen Blog-Format « Noch drei Tage bis zum Milliarden-Sterne-Katalog […]

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