Live-Blog zu ExoMars, DPS und mehr Kosmischem


24. Oktober

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Software-Bug des Radar-Höhenmessers crashte Schiaparelli

Wie schon bald vermutet, hat offenbar ein Software-Problem zum Absturz des ExoMars-Landedemonstrators Schiaparelli geführt – und zwar bei der Kommunikation des Rechners im Radar Doppler Altimeter, das mit vier Flachantennen (Abb.) die Höhe über dem Marsboden melden sollte, mit dem zentralen Bordrechner. Das hat der ESA-Direktor für Missionsbetrieb und ESOC-Chef heute dem Deutschlandfunk erzählt: „Soweit wir das bisher rekonstruieren können, hat die Software aus einem Radar-Höhenmessgerät mit der allgemeinen Navigations-Software nicht richtig gesprochen. Es hat einen Timeout gegeben, der dazu geführt hat, dass der Fallschirm etwas zu früh abgesprengt wurde, und der dazu geführt hat, dass das Gerät in dem Glauben war, es wäre bereits auf der Oberfläche, so dass es die Bremsraketen abgeschaltet hat. Und jetzt gehen wir davon aus, dass die Sonde aus ca. 2 bis 4 km im freien Fall abgestürzt ist. Wir hätten gerne gesehen, dass die Bremstriebwerke, dass die 60 Sekunden etwa gezündet hätten, tatsächlich haben sie aber nur drei Sekunden gezündet. Also das Bild fügt sich eigentlich nahtlos ineinander; es ist noch ein kleines bisschen spekulativ, wir erwarten aber in den nächsten zwei Wochen sehr genaue Aufschlüsse und Klarheit darüber, was passiert ist.“ Die Erkenntnisse werden auch in die Landung 2020 einfließen, und ein voller Erfolg des EDM wäre da natürlich erfreulich gewesen – „ich glaube aber, dass wir alles zusammen haben, um die Mission im Jahr 2020 zu einem Erfolg zu führen.“ Schriftliches zu den neuen Erkenntnissen gibt es von der ESA auch am Abend noch nicht, nicht mal einen Pieps (also Tweet) – derweil Beschreibungen der normalen Funktion des Radar-Altimeters in diesem Paper und diesem Artikel (im Kapitel „Guidance, Navigation & Control“) und von seinen Tests in diesem Paper und dieser ESA-Notiz. Sowie Artikel ohne die Aufklärung hier, hier, hier, hier, hier und hier nebst einem 8-Minuten-TV-Bericht – und ein weiterer Cartoon, der’s nicht ganz traf … [23:15 MESZ – Ende]

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Ankunft des 7. Cygnus an der ISS gestern: eine NASA-Blog-Notiz, mehr Bilder (Obacht, es sind auch falsche im Umlauf, die ein frühere Cygnus-Ankunft im alten Design zeigen und selbst von der NASA verbreitet wurden) und Artikel hier, hier und hier – derweil hat Tiangong 2 einen Mini-Satelliten ausgesetzt, der die Station von außen aufnehmen soll, und Chang’e-5 ist im Plan für eine Sample-Return-Mission vom Mond 2017. [0:55 MESZ] Ein Bild des besagten Satelliten von Tiangong & Shenzhou plus ein weiterer Artikel zum Cygnus. [6:25 MESZ] Ein NASA Release dazu und ein weiteres Bild des Mini-Satelliten, der von Tiangong ausgesetzt worden war. [22:50 MESZ]


23. Oktober

Ein nettes Kurz-Video über den Meteoriten-Schauer von Sikhote-Alin in der Sowjetunion 1947 aus einer neuen wöchentlichen Web-TV-Serie – auch die Venus im Anflug auf Antares – und ein schlecht gefälschtes Feuerkugel-Video (mit dem angeblichen Boliden vor den Wolken), auf das viele reinfielen (dieser Blogger nicht …) und das die ‚Werbeaktion‘ eines „Künstlers“ ohne Skrupel war – pfui! [23:55 MESZ]


22. Oktober

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Die Ankunft von Soyuz MS-02 an der ISS gestern mit drei Passagieren: Berichte hier, hier und hier im NASA-Blog, viele Screenshots, Videos vom Anflug und Einsteigen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Derweil bloggt(!) die Crew von Tiangong 2: Postings eins und zwei – auch ein unkommentierter Video-Clip und eine Amateur-Aufnahme von Station & Shenzhou.

In diesem Wochenvideo der NASA (das mit der Soyuz-Ankunft beginnt) werden auch die Probleme mit Juno diskutiert und der Safe Mode erklärt – auch Planeten-Entdeckungen um kühle Zwerge durch Kepler K2 und kleine Satelliten als Thema des Weißen Hauses und der NASA: ein WH-Blog-Report und Artikel hier, hier und hier. [3:05 MESZ]


21. Oktober

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So endete Schiaparelli – nach Versagen des Bordcomputers?

Die Context-Kamera des Mars Reconnaissance Orbiters hat die Absturzstelle des ESA-Landedemonstrators gestern zufällig aufgenommen und dort – mit 6 m Auflösung – einen 15 x 40 m großen dunklen Fleck nahe der Mitte der Landeellipse sowie 1 km südlich einen hellen Punkt entdeckt: mutmaßlich die Explosionsspuren des EDM und sein vorher abgeworfener Fallschirm. Unabhängig von dieser Sichtung (der bald hochauflösende HiRISE-Bilder folgen sollen) formt sich bereits ein immer deutlicheres Bild der Ereigniskette, das dieser Artikel dieses Bloggers zusammen fasst: Es sieht danach aus, dass der Bordcomputer einen ungebremsten Absturz – aus 2 bis 4 km Höhe, mit zum Schluss über 300 km/h – auslöste, nachdem er Daten über den Zustand des Landers falsch interpretierte. Durch Simulationen am Boden sollte sich bald Klarheit schaffen lassen: frühere Press Releases von Thales, BDLI und INAF, ein Blog-Artikel des ESA-Chefs, der einen bislang 96%igen Erfolg von ExoMars 2016 ausrechnet, Interviews mit Ferri und Accomazzo, die das Bild abrunden, eine Sammlung von Erkenntnissen und Gerüchten und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und: Die erste Bahn des TGO ist perfekt, mit 4.2 Tagen Periode und 101’000 x 3691 km. [20:40 MESZ] Ein JPL Release, die ESA-PM auf Deutsch, die Nähe der Impaktstelle zum Ort von Opportunity, weitere Artikel hier (auch tiefe Gedanken zu den Folgen), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und subtile Scherze eines schrägen DLR-Feeds. [21:35 MESZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: eine mögliche Sichtung auch des Hitzeschilds auf dem CTX-Bild, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (mit heutigem ESA-Statement in Video) und ein Video-Report]

cerillen

Erstaunliche Rillen auf dem Zwergplaneten Ceres auf einer Dawn-Aufnahme vom Juni aus 385 km Höhe – die Folge einer Expansion vor einer Weile (es gibt sowohl ältere als auch jüngere Krater)? Auch die Veröffentlichung der letzten NavCam-Bilder Rosettas, ein Citizen-Science-Projekt zur Suche nach ‚Spiders‘ auf dem Mars – und was Indiens neuer Satellit INSAT-3DR für die Wetterüberwachung bringt. [1:30 MESZ]


20. Oktober

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Drei Jahre, 100 Nächte, 50 verschiedene Vulkane auf Io

In einem außergewöhnlich umfangreichen Beobachtungsprogramm überwachen Astronomen mit 8-bis-10-Meter-Teleskopen den Vulkanismus auf dem Jupitermond Io (hier eine kleine Auswahl verschiedener Daten und IR-Wellenlängen): Von 2013 bis 2015 – und das Programm geht noch weiter – sind so 100 Beobachtungsnächte zusammen gekommen, in denen 50 verschiedene Aktivitätsgebiete verfolgt werden können. Die Vulkane werden stärker und schwächer, gehören zu verschiedenen Typen, und manchmal „wandern“ sie scheinbar langsam in einer Richtung über die Mondoberfläche, wurde heute auf der letzten DPS-Pressekonferenz berichtet (mehr, mehr und mehr): Vielleicht triggert ein Vulkan den nächsten. Und auch innerhalb größerer Vulkangebiete wie Loki Patera wandert das Maximum der Aktivität auf wundersame Weise herum. Anderen Themen waren starke saisonale Veränderungen in der Atmosphäre des Saturnmonds Titan (Slides hier, hier, hier, hier und hier), das bereits laufende letzte Jahr Cassinis (Slides hier, hier und hier) und IR-Beobachtungen am „Metall-Asteroiden“ Psyche: ein Press Release, ein Artikel und Slides hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ]

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Zwei große weiße Wolken im North Temperate Belt Jupiters sind kürzlich ausgebrochen und sollen beobachtet werden, denn solch eine North Temperate Belt Disturbance (NTBD) gilt als „very important event in the planet“ – diese Bilder entstanden gestern mit der 3-Meter-IRTF auf dem Mauna Kea im Infraroten. Auch Labor-Experimente zu Coronal Mass Ejections, kuriose Wellen in Sonnenflecken, eine Karte besonders gefährdeter Gebiete in den USA, ein chinesisches Meteoriten-Streufeld, der Riesen-Meteorit aus Argentinien ausgestellt (früher, mehr, mehr, mehr und mehr), der 2. Dark Sky Park der NL, ein US-Instrument für Mexikos großes Radioteleskop LMT (mehr und mehr) – und die Suche nach neuen Standorten für das TMT, das sich zugleich verspätet. [21:00 MESZ]

edm

Schiaparelli: Anomalie am Ende der Fallschirm-Phase

Die Telemetrie des ExoMars-EDM, die der -TGO empfangen hat, zeigt nach der ersten Analyse ein völlig nominales Bild des Atmosphären-Eintritts bis zum Abwurf der Backshell mit dem Fallschirm (der eigentlich schwierigste Teil von Entry, Descent & Landing, der enorme Abbau von Geschwindigkeit, hatte also funktioniert, insbesondere der Hitzeschild und der Fallschirm), doch ab dann stimmen die Daten von Schiaparelli nicht mehr mit den Erwartungen überein. Die Landetriebwerke haben noch 3 bis 4 Sekunden gebrannt, und das Boden-Radar war aktiv, aber etwa 50 Sekunden vor dem erwarteten Landezeitpunkt riss der Funkkontakt ab – und bei inzwischen zwei Überflügen hat der Mars Reconnaissance Orbiter nichts von Schiaparelli gehört, dessen Zustand mithin völlig unklar ist. Die meisten dieser Details musste die Presse am ESOC den Verantwortlichen regelrecht aus der Nase ziehen, die zunächst kaum mehr Schlüsse aus der Telemetrie ziehen wollten als was man schon gestern ohnehin schon aus dem Verhalten des reinen Trägers gelernt hatte.

Technisch gesehen ist das Experiment EDM eigentlich schon fast vorüber (und insbesondere die Atmosphärenforscher dürften aus der Abbremsphase manches Nützliche gelernt haben), und die Restlebensdauer beträgt nur noch ein paar Tage. In denen werden weiter Orbiter (der TGO kann da nicht mitmachen) nach dem EDM lauschen und auch noch einmal das indische Radioteleskop, aber blinde Kommandos zu schicken macht nur wenig Sinn. Die EDM-Telemetrie wird derweil weiter analysiert, um ein Gesamtbild des Abstiegs, bei dem alle Sensoren planmäßig arbeiteten, und dann der Anomalie am Schluss zu gewinnen, aber das kann Wochen dauern. Über politische Folgen des nur teilweisen Erfolgs der Landedemonstration für die Realisierung des immer noch unterfinanzierten ExoMars 2020 mit seinem Marsrover wollte sich auf dem Panel niemand konkret äußern, aber immerhin konnte versprochen werden, dass der TGO – mit dem es rein gar keine Probleme gibt – planmäßig als Funkrelais zur Verfügung stehen wird. [10:50 MESZ]

In einem keine halbe Stunde nach der PK herausgegeben ESA Press Release wird das Szenario der Anomalie plötzlich viel deutlicher als auf der Bühne vorgetragen worden war: Danach sieht es ganz so aus, als hätten sich Backshell und Fallschirm früher als geplant abgetrennt, die Triebwerke brannten zwar aber schalteten sich zu früh selbst ab (davon war auf der PK definitiv nicht die Rede gewesen, wo nur die Brenndauer genannt worden war), und es kam in der Folge zu einer Bruchlandung. Auch die offensichtliche Zerstörung des EDM – in welcher Höhe der offensichtliche freie Fall begann, ist noch unklar – war so deutlich nicht benannt worden, im Gegenteil … [11:15 MESZ] Eine weitere Schlüsselinformation wurde nur so am Rande gegeben: Der Funk riss erst 19 Sekunden(!) nach dem verfrühten Abschalten der Düsen ab. Ein paar Post-PK-Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [12:25 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [13:05 MESZ] Der ESA Release auf Deutsch, das detaillierteste Szenario, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein EuroPlanet Hangout, ein Newsclip und Cartoons hier, hier und hier. [20:45 MESZ]

7 Antworten to “Live-Blog zu ExoMars, DPS und mehr Kosmischem”

  1. nemo Says:

    Vielleicht sollte man sie einmal kräftig an den Ohren ziehen um ihnen nicht alles aus der Nase ziehen zu müssen.😉

  2. herschel400 Says:

    Mmh, ich muss mal ein wenig Luft über die Öffentlichkeitspolitik der ESA ablassen:

    Ich finde die Art und Weise, wie die ESA die ganze Landeaktion verkauft hat und für die steuerzahlende Öffentlichkeit übertrug, richtig schlecht. Wenn man sich mal die Leserkommentare der großen Tageszeitungen bzw. ihren Onlinevertretungen (FAZ.net etc.) durchliest, so hat man viele Interessierte vergrault und für viel Unverständnis für weitere Weltraumaktionen gesorgt.
    Das kann letztendlich nur dazu führen, dass es immer schwerer wird, den Sinn solcher steuerfinanzierter Projekte zu vermitteln.
    Man darf scheitern (aber natürlich auch erfolgreich sein), aber bitte alle Zusehenden und Interessierte hautnah mitnehmen.

    Eine übertrieben „lächerliche“Präsentation mit Fremdschämcharakter, wie bei der NASA im Fall New Horizons im Juli letzten Jahres, darf es bitte auch nicht sein.

    Daniel hat hingegen hat hier wie immer sein Bestes gegeben. Es war spannend und sehr unterhaltsam, alle 20-30 Minuten neue Informationen zu bekommen.

    LG, Tobias

  3. Marte: Schiaparelli è precipitato a causa di un problema all'altimetro Says:

    […] Schiaparelli è caduto su Marte a causa di un problema all’altimetro. Questo ha causato una serie di inconvenienti tecnici che hanno portato allo schianto della sonda. Questa è la versione riferita da Rolf Densing, direttore dell’European Space Operations Centre di Darmstad, centro di controllo della missione Exomars. Non si è trattato quindi di un problema tecnico ma di un guaio al software, almeno secondo quanto riferito da Densing in un’intervista rilasciata alla radio di stato tedesca, Deutschland Rundfunk. […]

  4. La sonda Schiaparelli parece haberse estrellado debido a un error de software | obiKuo Says:

    […] esta información la he sacado de un tuit de Susanne Auer y de lo que ha escrito Daniel Fischer en Software-Bug des Radar-Höhenmessers crashte Schiaparelli convenientemente traducido por Google. Las declaraciones de Densing están en línea [en alemán] […]

  5. La sonda Schiaparelli parece haberse estrellado debido a un error de software | Ykaly Says:

    […] esta información la he sacado de un tuit de Susanne Auer y de lo que ha escrito Daniel Fischer en Software-Bug des Radar-Höhenmessers crashte Schiaparelli convenientemente traducido por Google. Las declaraciones de Densing están en línea [en alemán] […]

  6. Allgemeines Live-Blog ab dem 25. Oktober 2016 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] des Absturzes morgen beginnt und es bis zu offiziellen Aussagen noch dauern kann. Die sehr klare Beschreibung des wahrscheinlichen Szenarios gestern in einem Radio-Interview hat die ESA inzwischen auf ihren Social-Media-Kanälen verbreitet, […]

  7. La sonda Schiaparelli parece haberse estrellado debido a un error de software Says:

    […] esta información la he sacado de un tuit de Susanne Auer y de lo que ha escrito Daniel Fischer en Software-Bug des Radar-Höhenmessers crashte Schiaparelli convenientemente traducido por Google. Las declaraciones de Densing están en línea [en alemán] […]

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