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AKM e.V.: Hier wohnt der Rest des Universums

2. April 2017

Für alles vom äußeren Rand der Erdatmosphäre bis zum Ende des Universums sind in Deutschland eine Vielzahl von amateurastronomischen Organisationen zuständig, meist als Fachgruppen der Vereinigung der Sternfreunde, gelegentlich auch unabhängig – aber um alle Vorgänge in der Erdatmosphäre, von Polarlicht und Meteoren über Leuchtende Nachtwolken bis Halos und Regenbögen, kümmert sich der Arbeitskreis Meteore e.V. (AKM), der 1978 in der DDR innerhalb des Kulturbunds gegründet wurde und bald nach der deutschen Einheit alle entsprechenden (und weniger aktiven) West-Gruppen absorbierte. Dieses Wochenende tagte der AKM zum 37. Mal, in einer edlen Jugendherberge in Oberwesel am Mittelrhein mit Blick auf denselben – sehr passend, denn im AKM befasst man sich inzwischen auch mit sehr irdischen (und meist ziemlich kuriosen) Naturerscheinungen, allerdings mit High-Tech. So gilt eine Präsentation genialer 3D-Aufnahmen von Haareis auf Totholz durch R. Nitze auf einem High-End-3D-Flachbild-Fernseher mit zirkularer Polarisation vielen als das Highlight des Meetings.

Für das Bild des Jahres einer atmosphärischen Erscheinung wurde A. Haußmann für diesen Dreiviertel-Regenbogen vom Mai 2016 über dem Großen Zschirnstein in der Sächsischen Schweiz ausgezeichnet, der auch über Simulationen von Halos an nahen Lichtquellen (mit divergentem Licht) vortrug: oben das Gesamtbild, darunter nur die Wirkung beobachternaher Eiskristalle, was zu Haloeffekten ähnlich wie um die ferne Sonne führt. Überhaupt sind „Lampenhalos“ mehr und mehr ein Thema – experimenteller – Forschung: Manches komplexe Phänomen wird daran klarer.

Zum dritten Ehrenmitglied des AKM wurde W. Hinz ernannt (hier mit improvisiertem Blumenstrauß), der über die Geschichte der Halo-Beobachtung im AKM seit den Anfängen referierte: Inzwischen sind 30 Jahre Daten von 1986 bis 2015 elektronisch erfasst und können statistisch analysiert werden. Was das alles bedeutet, erschließt sich vielfach aber noch nicht: So mag der Jahresgang der Halo-Meldungen durch meteorologische und geometrische Effekte erklärlich sein, die Schwankungen über Jahrzehnte geben dagegen Rätsel auf.

Natürlich kamen auch die namensgebenden Meteore nicht zu kurz: Der Münchner Film- und Fernsehprofesser P. Slansky berichtete über den testweisen Einsatz von HD-Kameras bei der Meteorbeobachtung, insbesondere während der Perseiden 2016 zusammen mit B. Gährken: Verglichen wurden zwei High-End-TV-Kameras der 10- bis 20-Kilo-Euro-Klasse mit der 2000-Euro-Alpha7s und einer empfindlichen Überwachungskamera für ein paar hundert Euro. Die Qualität der Farb-HD-Bilder mit extrem hohen ISO-Einstellungen überzeugt auf der Leinwand, aber der quantitative Vergleich der Ausbeute – wenn man sich nur für Fallraten interessiert – krankt noch an der Schwierigkeit präziser automatischer Auswertung mit gleicher Technik. Die ist nämlich perfekt auf analoge TV-Kameras zugeschnitten und liegt auch dem IMO Video Meteor Network zugrunde, das der AKM betreibt.

Über die interessantesten Ergebnisse dieses stark auf Europa konzentrierten Kamera-Netzwerks berichtete S. Molau: oben die Bestätigung eines erstmals in Radarechos identifizierten Meteorstroms, der Kappa-Cancriden, die das Canadian Meteor Orbit Radar am 9./10. Januar 2015 registriert hatte und dessen 2015-er Ausbruch – mit einer Halbwertsbreite von nur 40 Minuten – auch in den Videodaten gefunden wurde. Und auch in Daten früherer Jahre. Darunter ein Ausbruch der Gamma-Draconiden am 28. Juli 2016, den ein anderes Kameranetzwerk und CMOR zuerst gemeldet hatten und von dem die IMO-Kameras ca. 500 Meteore aufzeichneten. Bei den Perseiden 2016 stimmten die Videodaten mit parallelen visuellen Beobachtungen gut überein (3. Grafik), und im Vergleich mit früheren Aktivitätsverläufen (4. Grafik) fällt ein starker früher Zusatz-Peak auf: Der war vorhergesagt gewesen und lässt sich (untere Grafik) durch zwei kurze aber heftige Zusatzkomponenten auf dem generellen Anstieg modellieren.

Eine Exkursion führte zum privaten Meteoriten-Museum im Ort selbst, das das einzige weltweit nur für Meteoriten zu sein scheint – und auch beim weltweiten Handel mit exotischen Stücken (wie Almahata Sitta vom Asteroiden 2008 TC3, von denen AKM’ler exklusiv besonders große Brocken inspizieren durften) mitspielt.

E. Schmidt diskutierte die Mathematik des „Supermonds“ von 2016 (s.a. hier, hier und hier) und dabei insbesondere die Frage, wann eigentlich der Vollmond am hellsten ist: Dabei dominiert nämlich der Oppositionseffekt über alle Entfernungsveränderungen, und der ist kurioserweise während einer Halbschatten-MoFi am größten. Andere Vorträge handelten z.B. von Sprites über der Nordsee 2015, einer Aurora-Kurzreise nach Island und zahlreichen weiteren Beobachtungen der hohen und niedrigen Erdatmosphäre 2016 wie z.B. grünen Strahlen vom Fichtelberg (mehr und mehr), von Regenbögen höherer Ordnung (inzwischen wird bis zur 5. beobachtet) und von den Techniken des Stormchasing, dessen Interessen sich mit denen des AKM mehrfach überschneiden. Das nächste AKM-Treffen findet im März 2017 in Lauterbach statt – hier das obligatorische Gruppenbild von diesem Jahr und sein Making-Of: