Antikythera-Mechanismus: Stand der Forschung

Der über 2100 Jahre alte Bronzeapparat, der 1900 vor der griechischen Insel Antikythera in einem Schiffswrack gefunden wurde, ist neuerdings wieder Gegenstand intensiver Forschung (siehe z.B. ISAN 28-3 oder auch hier, „Schon wieder eine neue Antikythera-Hypothese …“) – und den neuesten Stand präsentierte heute Ιωάννης-Χιου Σειραδάκης von der Universität Θεσσαλονίκη, ein führendes Mitglied im Antikythera Mechanism Research Project, in einem anderthalbstündigen Vortrag im Deutschen Museum Bonn: Viele Slides gibt es hier, und unter den Thumbnails hier liegt jeweils eine größere Version.

Der in 82 Fragmenten geborgene Apparat bestand aus über drei Dutzend Zahnrädern, und wenn man einen Drehknopf – nach neuester Analyse vorne drauf und nicht an der Seite – bediente, drehten sich Zeiger auf Skalen auf Vorder- wie Rückseite, die parallel eine ganze Reihe von astronomischen Angaben lieferten. Wieviele insgesamt, ist immer noch nicht klar, es werden immer neue Untermechanismen entdeckt.

Besonders clever sind dabei die – möglicherweise erst später hinzu gefügten – Anzeigen auf der Rückseite, mit denen Sonnen- und Mondfinsternisse mit ziemlicher Präzision vorhergesagt werden können. Selbst dass sich SoFis erst nach drei Saros-Zyklen à 18 Jahren wieder ungefähr am selben Ort wiederholen, wurde eingebaut …

… und mit einem cleveren Stift-Mechanismus zwischen zwei Zahnrädern übereinander der ungleichmäßige Lauf des Mondes am Himmel realisiert.

Die aktuelle Rekonstruktion des Zahnradsystems von der Seite: Die meisten wurden zumindest in Fragmenten tatsächlich gefunden, die Anwesenheit von ein paar weiteren ergibt sich zwingend aus dem Kontext, etwa vorhandenen Zeigern. Das hier – vielleicht für ein Didaktik-Werkzeug – umgesetzte astronomische Wissen ist alles in der damaligen Literatur belegt und auch, dass die Technik der Metallverarbeitung weit genug entwickelt war. Trotzdem ist der Antikythera-Mechanismus weiter ein absolutes Unikat – aber Seiradakis ist sich praktisch sicher, dass noch mehr Exemplare in anderen Wracks der Hebung harren. Und hier noch die neueste Entdeckung in einem Röntgenbild, eine mutmaßliche Kurvenscheibe – mit der offensichtlich ziemlich exakt für ein weiteres (verschollenes) Anzeigesystem die Zeitgleichung dargestellt wurde:

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Eine Antwort to “Antikythera-Mechanismus: Stand der Forschung”

  1. Antikythera im Deutschen Museum | Daniels Dies & Das Says:

    […] einem Riesen-Fisch aus der verlängerten Meeres-Ausstellung präsentierte heute John Seiradakis den Stand der Forschung zum Mechanismus von Antikythera im Deutschen Museum […]

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