Australien will ein bisschen ESO-Mitgliedschaft

Nach monatelangen Geheimverhandlungen, von denen auch die meisten australischen Astronomen nichts wussten, wurde heute mit dem Haushalt 2017 die Katze aus dem Sack gelassen: Australien will ab 2018 ein „strategischer Partner“ der Europäischen Südsternwarte in Chile werden. Das soll zunächst 10 Jahre so bleiben, mit der Option auf eine anschließende Voll-Mitgliedschaft. Bis dahin haben Australiens Astronomen – die insgesamt 12 Mio. Aussie-Dollars jährlich erwarten dürfen – Zugang zu den Teleskopen auf dem Cerro Paranal und La Silla aber nicht ALMA und E-ELT: An der Stelle des letzteren Großteleskops ist Australien am Giant Magellan Telescope beteiligt, das ebenfalls um 2024 First Light haben soll. (Und radioteleskopisch ist Australien ein wesentlicher Gastgeber des SKA.) Die ESO freut sich über den neuen Partner, der in einigen Sektoren der Instrumententechnik Spitze ist, der ESO-Rat muss aber noch zustimmen [NACHTRAG: ein ANU Release]. Auch 125 Jahre Astronomical Society of South Australia , ein neues 1-m-Teleskop in Südafrika, eine Galerie von Großteleskopen – und das frühe Ende des Ballon-Fluges EUSO-SPB.

Ein nah-infrarotes Spektrum des Asteroiden 2014 JO25 mit der IRTF während seiner Erdnähe im April gewonnen: Zwei breite Absorptionsfeatures bei 1 und 2 µm weisen ihn als S-Typ aus, wie Toutatis und Itokawa, die von chinesischen bzw. japanischen Raumsonden besuchten Kleinplaneten. Und die Auswertung der Radar-‚Aufnahmen‘ [NACHTRÄGE: hier und hier eine weitere Animation] hat inzwischen ergeben, dass der NEO 1 km lang und an der dicksten Stelle 600 m breit ist und aus zwei Komponenten besteht, von denen eine 60% größer als die andere ist – eine genaue Rekonstruktion der dreidimensionalen Gestalt dauert aber noch, da Delay-Doppler-Daten ja keine richtigen Bilder sind. Die Rotationsperiode von 4.5 Stunden ist für einen solchen Kontakt-Doppelkörper übrigens sehr schnell: Noch etwas mehr, und er würde zerrissen. Auch die Plausibilität von Meteoriten von den Marsmonden, deren geringe Schwerkraft den Abflug erleichtern würde, die Kometen PANSTARRS (G. Rhemann) und 73P heute und Johnson [NACHTRAG: wo er lang fliegt] am 5. Mai – und Radioechos von den Eta-Aquariden, wie sie in Radebeul aufgezeichnet wurden.

Bürgerforscher haben ihren ersten Braunen Zwerg gefunden

Bei dem Zooniverse-Projekt „Backyard Worlds: Planet 9“ werden den Betrachtern – bisher waren es über 75’000! – speziell aufbereitete Videoschnipsel vorgeführt, die aus Bildern der erweiterten infraroten Himmelsdurchmusterung mit dem Satelliten WISE erzeugt wurden: Gesucht werden in den extrem verrauschten Filmchen sich langsam bewegende Objekte, die große Körper am Rand des Sonnensystems oder aber (sub)stellare kleine Körper in der Nähe der Sonne sein könnten. Vergangene Nacht wurde das erste formelle Paper mit einer Entdeckung verbreitet: ein Brauner Zwerg des wahrscheinlichen Spektraltyps T5.5 in 110 Lichtjahren Entfernung und ansonsten ohne Besonderheiten. Bemerkenswert ist hingegen seine geringe Helligkeit am Himmel: deutlich unterhalb der Schwellen, die bisher zwei automatische Suchprogramme erreichten. Des Bürgers Auge konnte also wieder einmal mehr als der Computer, und die Hochrechnung ist günstig: Backyard Worlds sollte insgesamt rund 100 L-Zwerge (davon 40 neue), 200 T-Zwerge (75 neue) und 20 Y-Zwerge (jeder 3. neu) einfahren. Auch eine Art Zwischenbilanz der „Planet Neun“-Propheten, deren Optimismus noch gestiegen ist, wie Amateurastronomen hochauflösende Sonnenfotos schaffen, die Modellierung ‚getarnter‘ CMEs, Venus-Beobachtung mit dem Arecibo-Radar, ein hoch vergrößertes Video einer Bedeckung des Doppelsterns Porrima durch den Mond, eine Art Mini-Doku über den neuseeländischen Aurora-Flug vom März – und warum der Übergang zu komplettem Open Access im wissenschaftlichen Publizieren immer noch hakt, wo doch alles technisch so einfach wäre. NACHTRAG: ein später NASA Release und ein früherer vom AMNH sowie ein Backyard Worlds Blog-Artikel zum Braunen Zwerg.

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2 Antworten to “Australien will ein bisschen ESO-Mitgliedschaft”

  1. nemo Says:

    Gespräche über eine strategische Kooperation mit Australien wurden bereits im ESO Magazine The Messenger 166 (December 2016) kurz erwähnt. Interessant wäre, ob diese zusätzlichen Einnahmen (im Ernstfall) eine zeitgerechte Umsetzung der ELT Phase 2 (110 MEUR, ebda.) oder zumindest von Teilen davon ermöglichen.

    • skyweek Says:

      Genau das habe ich mich auch gefragt: Kann die ESO australisches Geld für das E-ELT abzweigen, wo die Australier das Teleskop doch explizit nicht benutzen dürfen? Vielleicht dreht’s man’s ja so, dass die Aussie-$$ in einen allgemeinen ESO-Topf kommen, während stattdessen mehr von den echten Mitgliedern in das E-ELT fließt, um die zögerlichen Brasilianer zu ersetzen. Mag sein, dann man’s irgendwann erfährt.

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