Von den Pressekonferenzen der 230. AAS-Tagung

Ein paar Erkenntnisse aus – und Visuals und natürlich Links zu – den fünf Pressekonferenzen während der 230. Tagung der American Astronomical Society in Austin, Texas, vom 5. bis 7. Juni (während die Tagung vom 4. bis 8. Juni ging); die kompletten Aufzeichnungen sind hier unter „AAS 230“ zu finden und hier die Viewgraphs hinter den Headlines sowie teilweise auch Press Releases:

• Chandra-Beobachtungen (blau; rot = optisch) des Systems R Aquarii, einem symbiotischen Stern aus einem Weißen Zwerg und einem Mira-Stern, über 17 Jahre verdeutlichen deren Interaktion der beiden zeigen Veränderungen des Jets – alle 20 bis 40 Jahre scheint eine neue Komponente dazu zu kommen, wohl immer dann, wenn die Interaktion stärker wird.

• Der prä-kataklysmische Stern mit der kürzesten Periode von 71 Minuten wurde in der Photometrie des Kepler-Satelliten während der K2-Mission gefunden – und das unabhängig auch von einer zweiten Gruppe: Der Begleiter des Weißen Zwergs ist vermutlich ein Brauner Zwerg, eine Rarität, den er aber im Laufe der weiteren Entwicklung verschlingen dürfte.

• Die erste Massenbestimmung eines Weißen Zwergs durch Lichtablenkung eines Hintergrundsterns an ihm ist mit Hubble gelungen: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers, die erst danach aufgetauchte Originalarbeit, aus der diese Astrometrie der Verschiebung des ferneren Sterns stammt, Press Releases hier, hier und hier, ein Video dazu und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

• Im Archiv des UV-Satelliten GALEX sind zahlreiche Flares auf M-Sternen gefunden worden, darunter zahlreiche sehr schwache – die aber für hypothetische Bewohner von Planeten dieser besonders häufigen Sternkategorie trotzdem ein Problem darstellen könnten. Und sie (noch) weniger „habitabel“ machen würden.

• Ein Exoplanet, der mit 4600 K heißer als die meisten Sterne ist, wurde vom KELT-Programm entdeckt: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers zu KELT-9b, dazu Press Releases hier, hier, hier, hier und hier und andere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

• Überraschende Unterschiede zwischen den Wolken der Exoplaneten WASP-67 und HAT-P-38 b haben sich bei spektralen Beobachtungen mit Hubbles WFC3 gezeigt: vielleicht ein Hinweis auf eine unterschiedliche Entstehung.

• Die Grenze zwischen Braunen Zwergen und Sternen liegt bei 70 Jupitermassen, haben zeitaufwändige Bestimmungen etlicher Braunzwerg-Massen durch Astrometrie von Doppelsystemen ergeben (mehr und mehr): In der Grafik sind die Massen gegen den Spektraltyp aufgetragen, nach rechts wird’s wärmer.

• Ein „Tritt bei der Geburt“ könnte nötig sein, um die nicht parallelen Achsen der beiden Schwarzen Löcher hinter GW151226 zu erklären, für die es bei dem Gravitationswellen-Ereignis eine Signatur gegeben zu haben scheint – ein so großer Effekt durch eine Supernova ist allerdings schwer zu erklären.

• Möglicherweise verstecken viele Galaxien zentrale Schwarze Löcher in rotierenden Ringen aus Gas und Staub, die so undurchsichtig sind, dass sie die restliche Galaxie gut abschirmen: „obscured AGN“ wie hier NGC7582, wo das MUSE-Instrument am VLT (in grünen) einen starken Wind aus dem Zentrum nachweisen konnte.

• Der Wind aus Schwarzen Löchern aller Größenskalen – jedes akkretierende Schwarze Loch hat offenbar einen ähnlich gearteten Plasma-Ausfluss – scheint eine universale magnetische Struktur zu haben, den Felder in der Scheibe hervorrufen, die ihn antreiben: v.a. Beobachtungen an GRO J1655-40 stützen dieses Bild.

• Das Projekt GOALS hat rund 200 infrarot-helle Galaxien ‚in der Nähe‘ – LIRGs und ULIRGs – katalogisiert, die überwiegend das Ergebnis von Galaxienverschmelzungen sind: Von allen gibt es gut aufgelöste Bilder des Satelliten Herschel.

• Ausnahmslos alle solchen IR-Monster im fernen Kosmos sind durch Gravitationslinsen noch heller gemacht, hat eine noch laufende Hubble-Durchmusterung ergeben: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers und Press Releases hier und hier.

• Eine unerwartete heiße Region im Galaxienhaufen Abell 115 könnte durch turbulente Effekte der Verschmelzung von Sub-Clustern erklärt werden, zu der komplexe Temperatur-Muster wie Bögen und Ringe passen; eine Schockstruktur liegt jedenfalls nicht vor.

• Die immer wieder auftauchende Hypothese, dass ‚lokale‘ Messungen der Hubble-Konstanten zu groß ausfallen, weil wir uns in einer Void befinden, wurde auch hier vertreten, da das die ‚Spannung‘ zu H0 < 70 aus den Planck-Daten mildern würde: auch Artikel hier, hier und hier.

Ansonsten wurde noch Werbung für das Visualisierungs-Tool Blender gemacht – und zu den Pressekonferenzen und anderen Tagungsereignissen gibt es Artikel zum 5. Juni hier, hier und hier, zum 6. Juni hier, hier und hier und zum 7. Juni hier und hier. NACHTRAG: und hier und zum 8. Juni hier und hier.

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