Heute vor 30 Jahren: die ersten Exoplaneten

Na, feiert jemand? Heute jährt sich zum 30. Mal die Bekanntgabe der Entdeckung der ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems, die sich tatsächlich später als echt erwiesen haben. Nun weiß doch jeder, dass die ersten realen Exoplaneten 1992 bei einem Neutronenstern und dann 1995 beim normalen Stern 51 Pegasi präsentiert wurden – aber diese Version der Astronomiegeschichte ist falsch, umso erstaunlicher als die Ereignisse des 18. Juni 1987 seinerzeit für erhebliches Aufsehen gesorgt hatten. Und dann wurden sie kollektiv – von Öffentlichkeit, Journalisten und selbst den meisten Planetenforschern – wieder vergessen. Zu den seltenen Ausnahmen gehören die detaillierten 2008-er „Memoiren“ des leitenden Astronomen von damals, ein davon inspirierter großer kanadischer Zeitungsartikel ein Jahr später – oder auch ein Interview mit besagtem Astronomen in der aktuellen Ausgabe von Abenteuer Astronomie.

Der Schauplatz damals: Vancouver in Kanada. Hier hält die American Astronomical Society ihre Sommertagung ab, und traditionell präsentieren Astronomen der gastgebenden Stadt eine medienwirksame Entdeckung aus ihren Reihen auf einer Pressekonferenz. Die Wahl fällt – nachdem der erste Kandidat nicht mag – auf die Arbeitsgruppe von Gordon Walker, der die Ehre auch nur widerwillig annimmt: Das Abstract ihres regulären Konferenzbeitrages (Bild) ist schließlich aus gutem Grund betont vage gehalten. Wenn der Titel einer astronomischen Arbeit mit „A Search for …“ beginnt, ist eigentlich jedem klar, dass von einem eindeutigen Fund noch lange keine Rede sein kann. So auch hier: Von wenig signifikanten Hinweisen auf Sternbegleiter mit ein paar Jupitermassen ist da die Rede, die eine neue Messtechnik gefunden hat und die interessant sein könnten. Man hatte mit trickreichen – und gefährlichen – Apparaturen (Bilder unten, mit zwei der drei Astronomen) die Messung minimaler Schwankungen der Radialgeschwindigkeit wesentlich verbessern können.

Auf der großen Bühne aber, wo einen jungen Mitarbeiter die Begeisterung packt, wird de facto die erste Entdeckung von Planeten anderer Sterne daraus: Associated Press schreibt von „starker Evidenz“ für fremde Planeten und dass anderen Astronomen die „Daten vielversprechend erschienen“, und die Los Angeles Times feiert „einen gewaltigen Durchbruch bei der Suche nach Leben anderswo im Universum“ – weitere zeitgenössische Artikel sind auch hier, hier und hier erhalten. Schon damals werden aber auch abwartende Stimmen von Kollegen zitiert, und die Stimmung in der Fachwelt ist von Anfang an gegen die Kanadier, deren erste detaillierte Veröffentlichung ein Jahr später (Abstract unten, ganzes Paper dahinter) immerhin von „kleinen aber statistisch signifikanten Langzeittrends“ in den Daten spricht.

Eine allgemein ablehnende Haltung gegenüber angeblichen Exoplaneten (es hatte zu viele vermeintliche Entdeckungen gegeben, die sich als Messfehler entpuppten), die man sich heute kaum mehr vorstellen mag, das daraus folgende Desinteresse anderer Astronomen, die schwierigen Messungen zu wiederholen, und wachsende Krisen im Team (ein wesentlicher Mitarbeiter schied mangels Stelle aus und sabotierte vorher noch die gemeinsamen Arbeiten, sein Nachfolger war eher ein Planeten-Skeptiker) taten ein Übriges: Im Sommer 1995 widerriefen die Kanadier in einer großen Arbeit praktisch ihre Entdeckungen der 1980-er Jahre. Wenige Monate nur bevor ein Schweizer Team mit 51 Pegasi b dann einen „heißen Jupiter“ präsentierte, der die moderne Exoplanetologie begründete! Aber Jahre später dann das Erstaunliche: 2000, 2003 und 2006 bestätigte eine andere Exoplaneten-Gruppe um Artie Hatzes die Planeten von Epsilon Eridani, Gamma Cephei und Beta Geminorum, die bereits die Kanadier in ihren verrauschten Daten gesehen hatten (wobei der komplexe Fall Gamma Cephei schon immer Sorgen gemacht hatte)! Ein kurioses wenn auch allzu spätes Happy End einer tragischen Wissenschafts-Saga, die hier, hier, hier, hier und hier zumindest erwähnt wird.

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Eine Antwort to “Heute vor 30 Jahren: die ersten Exoplaneten”

  1. Augenspiegel 25-17: Anruf aus der Antarktis - Augenspiegel Says:

    […] dachte ja bis diese Woche, die ersten Exoplaneten seien 1995 entdeckt worden. Aber wie man bei Daniel Fischer nachlesen kann, war das schon vor 30 Jahren der Fall – also 1987. Ebenfalls aus dem Dunstkreis […]

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