Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 6. Oktober 2017


6. Oktober

Die Nacht ist da: Neptuns Mond Triton bedeckt einen Stern

Diverse Augen in mehreren Ländern und wohl auch auf der fliegenden Sternwarte SOFIA auf Kurs zum Kreuzungspunkt mit der Zentrallinie starren derzeit auf ein Bild genau wie dieses (hier vom University of Hertfordshire Observatory in Bayfordbury): links der Neptun, dann sein Mond Triton und rechts der eine Größenklasse hellere Stern, den er in Kürze bedecken wird und dem er sich nun zügig nähert – mehr zum warum und wie siehe unten („Derweil wird eine …“). [0:50 MESZ] Mehr Bilder aus Bayfordbury – und was von den Kanaren; diverse andere Beobachter melden dagegen Wetter-Ärger. Auch frühere Bilder mit großen und kleinen Teleskopen – und eine Webseite zum Sammeln von Beobachtungen. [1:20 MESZ] Auf dem Calar Alto gucken sie auch – nur noch etwa 3 Minuten, bis es in Europa passieren wird. [1:45 MESZ]

Vorher und während der Bedeckung, von den Kanaren – und da ist der Stern wieder! Und Wolfgang Beisker berichtet auf Mailing-Listen, er habe möglicherweise in Portugal einen Central Flash gesehen, während erwartungsgemäß ein anderer Beobachter bei Mainz keinen sah. [2:00 MESZ] Bilder während und nach der Bedeckung in Bayfordbury, ein Erfolg auch in Georgia – und auf den Kanaren haben sich Triton und Stern wieder getrennt. [2:10 MESZ] Ein Zeitraffer aus Bayfordbury! Und in Calern in Südfrankreich haben sie möglicherweise auch den Central Flash gesehen – aber viele andere Beobachter in Europa waren clouded out. [2:20 MESZ] Das Ganze mal in einem Posting – auf den Kanaren sahen sie mit dem Nordic Telescope übrigens keinen Flash. [2:35 MESZ]

Eine rohe Lichtkurve aus Bayfordbury – dass die in England einen Central Flash sahen, ist reichlich unwahrscheinlich, dafür wird aber eine Sichtung desselben aus Bologna berichtet. Und eine weitere Lichtkurve aus upstate New York. [2:55 MESZ] Auch SOFIA sah die Bedeckung – aber keine Erwähnung des Flashs. [3:10 MESZ] Im Ast. Obs. C.C.V. Constancia in Portugal gab es in der Nähe der Zentrallinie einen geradezu dramatischen Central Flash, wie eine rohe Lichtkurve zeigt, die diesem Blog vorliegt – wow! Eine andere schöne Lichtkurve mit Flash kommt aus Südwest-Frankreich, auf dem Pic du Midi gab es hingegen keinen. Insgesamt liegen eine Menge Beobachtungen aus Südeuropa vor: Wolkenpech gab es v.a. weiter nördlich, während England wieder Glück hatte. [14:15 MESZ] Eine Zusammenfassung der Ergebnisse bisher – mit einer sauberen Lichtkurve mit Central Flash! Dagegen eine Lichtkurve aus New York, nahe dem Nordrand – und ein Video von den Kanaren (mehr und mehr) … [17:00 MESZ] … wo jede Menge Teleskope Daten aufnahmen. Auch der Flug von SOFIA animiert – aber was zu den Beobachtungen? Fehlanzeige. [18:35 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: SOFIA hat den Central Flash ausgiebig aufgezeichnet – auch R. Ewald an Bord beim Flug, weitere Lichtkurven mit Central Flash und wohl ohne, mehr Zeitraffer-Clips hier, hier und hier, ein Vorher/Währenddessen-Blink und eine Sequenz vom Austritt]

Sanddünen in einem namenlosen 48-km-Krater auf dem Mars, aufgenommen vom Mars Express diesen Mai auf seinem 16’934. Orbit. Auch Phobos in IR von Themis auf Odyssey, die erstaunlichen Kameras von Chinas Mars-Orbiter 2020, der Erdmond von OSIRIS-REx gesehen, mal wieder ein neues Dawn Journal, eine Anhörung zum Plutonium-Produktions-Problem für Raumsonden, ein Besuch von Parker bei Parker, nämlich dem Sonnenforscher bei der nach ihm benannten Sonde, deren Start im Juli 2018 geplant ist – und wie das JWST junge Galaxien beobachten soll. [0:40 MESZ]

Besonders strukturreiche Aurora letztens von der ISS aus im Zeitraffer aufgenommen – auch eine EVA gestern (Artikel hier und hier) und das vermutlich erste 360°-Video einer EVA zuvor. Sowie die unklare Zukunft der ISS, die mögliche Verlängerung des BEAM-Tests mit dem Aufblas-Modul (Artikel hier, hier und hier), die erste Sitzung des Nat’l Space Council mit Mond-Visionen (Artikel hier, hier, hier und hier und gesammelte Tweets), ein Interview mit Thomas Reiter zu ESA & Mond – und der suborbitale ASPIRE-Test. [0:30 MESZ]


4. Oktober

Langzeitaufnahme des ‚persistent trains‘ eines Meteors, während die selbstleuchtende Spur vom Winde verweht wird: ein Zufallstreffer des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert Systems, das sich eigentlich um erdnahe Asteroidchen auf Kollisionskurs kümmert; auch etliche Videos einer hellen Feuerkugel über China. Derweil wird eine sehr große Beobachtungskampagne für eine Sternbedeckung durch den Neptun-Mond Triton in der Nacht 5./6. Oktober vorbereitet, bei der es v.a. um die Untersuchung seiner dünnen Atmosphäre geht – von der fliegenden Sternwarte SOFIA bis zu etlichen Amateurastronomen wollen viele mitmachen (der Stern hat 12.7, Triton 13.5 V-mag.): Mitteilungen von Gaia (man half mit Sternkoordinaten), NASA und ESA. Auch ein kurioser Doppel-Sonnen-Transit der ISS und eines Vogels, der Wert historischer Sonnen-Beobachtungen und die Analyse eines starken Sonnensturms, der im 18. Jh. Polarlicht über Japan erzeugte, wie stark Vögel von New Yorker „Tribute in Light“ abgelenkt werden, vor dem Pariser Observatorium wurde eine neue Statue von F. Arago enthüllt (Bilder und Artikel hier und hier) – und das Zeiss-Großplanetarium in Berlin feiert 30. Geburtstag. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: ein Artikel und ein Video-Clip zum China-Boliden und ein Gaia-Update, ein weiterer Aufruf, eine 1/2-h-Live-Sendung, ein Thread und ein Tumblr zum Triton-Event]

Ein schräger Astro-Bezug auch beim Chemie-Nobelpreis

ist diesem Blogger durch Zufall untergekommen: Einer der drei Preisträger für Kryo-Elektronenmikroskopie ist der deutsch-amerikanische Biophysiker Joachim Frank – der nebenher Fiktion schreibt und darüber bloggt. Dort findet sich der Hinweis auf seinen unveröffentlichten Roman „The Observatory“, von den in Web immerhin den Prolog „Downpour“ nebst Interview dazu gibt. Die Handlung spielt rund um die Alte Sternwarte in Bonn – die nach dem Auszug der Astronomen von einem zwielichtigen Investor in ein dubioses Etablissement verwandelt wird, worauf sich ein eskalierender Bonner Gesellschafts-Skandal entwickelt. Das sei „inspired by a real story at that location“, schreibt Frank – na ja, die Astronomen haben das Gebäude tatsächlich 1973 verlassen, aber der Rest der Geschichte … [23:05 MESZ. NACHTRAG: Die Story wird auch hier am Ende erwähnt]

Heute vor 60 Jahren startete Sputnik 1, der erste künstliche Erdsatellit – mitten in der Nacht Ortszeit, d.h. die vermeintlichen Aufnahmen des historischen Starts bei Tageslicht, die man allerorten findet, zeigen ein anderes Abheben der R7-Rakete: Artikel zur Geschichte des Satelliten, dem Start und wie der Flug von Deutschland aus verfolgt wurde, der Wahrnehmung in der SU und in den USA hier und hier, eine detaillierte Timeline der Raumfahrt vom Anfang bis Sputnik plus 5 Jahre, weitere Artikel zum Jahrestag hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Video-Clips hier und hier. [1:35 MESZ] Und noch einer, über Sputnik-Beobachtungen in Jodrell Bank. [3:30 MESZ] Ein indonesischer Artikel – mit noch verrückterem falschem Start-Bild. [4:15 MESZ. NACHTRAG: entfernt, ist aber auch das Slide 6 hier …]

Ein Video und ein Artikel von Roskosmos, ein weiteres Video und ein Radio-Beitrag. [11:45 MESZ] Weitere Artikel hier, hier und hier. [13:20 MESZ] Ui, auch von der NASA eine Gedenkseite, eine alte Frontpage heute noch mal, noch mehr davon, weitere Artikel hier, hier und hier und noch ein TV-Clip. [14:50 MESZ] Lange Artikel hier, hier und hier, ein Statement der NSF – und ein Artikel von damals. [16:35 MESZ] Und noch zwei hier und hier und weitere heutige Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:55 MESZ] Die ersten Orbits neu visualisiert und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [22:35 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier und hier – plus das kanadische Radio damals]


3. Oktober

Natürlich LIGO: Nobelpreis für die Gravitationswellen

Als zu Beginn der Pressekonferenz in Stockholm von einer „Entdeckung, die die Welt erschütterte“, die Rede war, gab es schon keinen Zweifel mehr, und dann erschien auch schon die Folie: Der Physik-Nobelpreis 2017 geht „für entscheidende Beiträge zum LIGO-Detektor und die Beobachtung von Gravitationswellen“ an Rainer Weiss (1/2) und Barry C. Barish und Kip S. Thorne (je 1/4). Weiss wurde zwar in Deutschland geboren, aber die Familie floh bereits Monate später vor den Nazis erst nach Prag und dann in die USA: zweifelsohne ein amerikanischer und kein deutscher Physiker. [12:05 MESZ] Gratulationen von MPG, CERN und AEI, ein Live-Blog und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [12:45 MESZ]

Rainer Weiss Ende der 1970-er Jahre in einem MIT-Labor: Damals arbeitete er an kryogenen Detektoren für die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung. Auch eine LIGO-Seite zum Preis mit (unten) der Ankündigung von PKs an MIT und Caltech, ein Kommentar aus Sheffield, ein Interview mit dem DPG-Präsidenten und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [13:50 MESZ] Das Paper von Weiss von 1972, mit dem alles begann, MIT und Caltech Releases, eine PM der DPG, ein STFC Release, Forscher-Soundbites vom AEI und der Univ. of Birmingham und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [14:55 MESZ]

Kip Thorne heute früh um 3:15 Uhr kalifornischer Ortszeit, nicht lang nach Erhalt der Kunde – ein offizielles Foto seiner Frau im Auftrag des Nobel-Komitees … auch Telefon-Interviews mit Weiss, Barish und Thorne, Jubel am MIT, Press Releases von NSF, IOP, CNRS, APPEC, ANU und In2P3, ein weiteres Soundbite, Artikel hier, hier und hier – und hier streamt in 15 Minuten eine MIT-PK mit Weiss. [16:15 MESZ]

Während der PK hat Weiss (Screenshot) mehrmals ziemlich deutlich angedeutet, dass Gerüchte letztens über eine LIGO-Beobachtung verschmelzender Neutronensterne – siehe z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – zu stimmen scheinen, mit der Verkündung am 16. Oktober. Und er erzählt, dass der deutsche Detektor GEO 600 eigentlich größer werden sollte, wegen der deutschen Einheit aber so klein ausfiel, dass es jetzt nicht direkt mitspielen kann: auch ein Statement zum Feiertag … [16:55 MESZ] Weitere Press Releases von Perimeter, LSU und Northwestern, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die ganze Sendung des DLF – und in 15 Minuten treten hier die anderen beiden Laureaten auf. [18:45 MESZ]

Barish und Thorne beim Caltech-Auftritt – ersterer hatte tatsächlich den Wecker gestellt, es rief aber erst keiner an, und er guckte schon den Webcast aus Stockholm, um zu sehen, wer stattdessen – dann klingelte sein Handy, trotz streng geheimer Nummer … Auch AAAS, GA Tech und JPL Releases und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [19:35 MESZ] Barish auf der PK: Richtige Rückschläge bei der LIGO-Entwicklung gab es nicht, bei jedem Run lernte man dazu und erreichte wieder neue Limits – bloss bis zur ersten Detektion dauerte es am Ende doppelt so lange wie gedacht. [19:50 MESZ] Noch drei Artikel in Deutsch hier (von diesem Blogger), hier und hier. [23:55 MESZ]


2. Oktober

Ein neuer Flug durch die Sternwolken des Gaia-Satelliten aus dem ersten Data Release von vor einem Jahr – in dem sind letztens sogar mehrere Gravitationslinsen nachgewiesen worden. Auch ein 12-Minuten-Beitrag über das Hubble Space Telescope aus dem bekannten CBS-Nachrichten-Magazin „60 Minutes“ letzte Nacht und wie es dem JWST zuarbeitet, das auch die CBS-Soundbites hier und hier diskutieren, die Vorbereitungen des Wettersatelliten JPSS-1, die Ankunft weiterer Galileo-Satelliten in Französisch-Guyana, die Russland-Premiere (und kurze Ausschnitte) des Spielfilms „Salut 7“ – und Tests für den „Stratolliten“ von World View. [23:40 MESZ]

Zwei kleine Astro-Bezüge des Medizin-Nobelpreises 2017

Er wurde heute vergeben „für Entdeckungen von molekularen Mechanismen, die den zirkadianen Rhythmus steuern“, also die innere Uhr des Menschen – und die kurze wie die lange Erläuterung des Nobel-Komitees verweisen auf den (u.a.) Astronomen Jean-Jacques d’Ortous de Mairan, der 1729 mit Experimenten die innere Uhr von Pflanzen nachwies (und ansonsten u.a. den Nebel Messier 43 entdeckte und eine Monografie über die Physik der Polarlichter veröffentlichte, die wie viele andere frühere Ideen auch freilich reichlich daneben war). Und heute berühren sich Chronobiologie und Astronomie erneut, beim Studium der Lichtverschmutzung und ihrer Folgen: Sie kann die Ausschüttung des Hormons Melatonin stören und in den den ausgeklügelten Tagesrhythmus des Menschen eingreifen, mit diversen Konsequenzen. [14:05 MESZ. NACHTRAG: diesbezüglich später eine Reaktion der Int’l Dark-Sky Association: „Elevation of circadian biology to Nobel-worthy science affirms many of the concerns IDA has raised since 2010 regarding known and suspected hazards to human health and wellbeing. […] The potential for circadian rhythm disruption to cause or contribute to human disease should be evaluated cautiously and skeptically. IDA urges further research into artificial light exposure and its effects on biology.“]

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3 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 6. Oktober 2017”

  1. Dieser Tage … vor 250, 100, 50 (2x) & 25 Jahren | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] den 75 Jahren A 4 und 60 Jahren Sputnik 1 („Heute vor 60 Jahren …“) gibt es diesen Oktober noch jede Menge […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 12. Oktober | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] spektakuläre Lichtkurve der Sternbedeckung durch den Neptunmond nahmen Rui Goncalves und Maximo Ferreira in Portugal in der Nähe der Zentrallinie auf: Der Central […]

  3. Ein Saal voller Gravitationswellen … – Daniels Dies & Das Says:

    […] bei einem Vortrag von Michael Kramer im Paul-Hörsaal in Bonn über den Physik-Nobelpreis 2017 – auch die ‚geheimnisvolle‘ PK am folgenden Montag wurde bestens […]

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