Allgemeines Live-Blog vom 12. bis 16. Mai 2018


16. Mai

Vertrag ist signiert: Startschuss für ESERO in Deutschland

Die Bildungs-Initiative der ESA ist nun auch in einem 15. Mitgliedsland vertreten: viele Bilder eines Festakts heute in Bochum, ein Artikel dieses Bloggers, Pressemitteilungen von RUB (kurz und vorher: Echos hier, hier und hier), Uni Bonn und DLR (früher und noch früher zu Columbus Eye) und Tweets hier, hier und hier. [21:05 MESZ – Ende]


15. Mai

Erde und Mond, aufgenommen von MarCO-B alias Wall-E am 9. Mai aus über 1 Mio. km Entfernung mit einer Mini-Kamera an Bord des InSight-Begleiters, die das Entfalten von dessen High-Gain-Antenne (rechts angeschnitten) überwacht. Auch ein ESA-Video zum Arbeitsbeginn des ExoMars TGO, die erste globale Karte von Eis-Wolken vom Mini-Satelliten IceCube, was in der Datenflut diverser Astro-Satelliten (und irdischer Teleskope) stecken könnte, ein NASA-Tech-Experiment für den New Shepard, wie man Raketenstarts mit Remote-Kameras fotografiert, ein Zeitraffer und hier, hier, hier, hier und hier Fotos der Rückkehr des ersten geflogenen Block 5 einer Falcon 9 – und vage Überlegungen zu einer reduzierten Crew der ISS, weil sich Commercial Crew zu verspäten droht. [23:45 MESZ]

Freie Bahn für die Primär- und Ersatz-Crews von Союз МС-09

hat es heute formell gegeben: hier Сергей ПРОКОПЬЕВ, Александр ГЕРСТ und Серина АУНЬЁН-ЧЭНСЕЛЛОР von der Primärcrew, die am 6. Juni um 13:12:41 MESZ abheben soll, auch Artikel hier, hier, hier und hier und früher hier, hier, hier, hier und hier. Plus neuerlicher Ärger mit dem SLS, zwei Educational CubeSats der NASA, die Milchstraße von Planck & APEX – und eine kuriose Jupiter-„Karte“ aus Cassini- und Juno-Bildern, viele Jahre auseinander. [2:30 MESZ] Der Start des Relais-Satelliten für Chang’e-4 soll am 21. Mai sein (wobei seine Radioastronomie-Nutzlast erst viel später zum Einsatz kommen soll). Und heute vor 60 Jahren startete mit Спутнику-3 der erste große Forschungssatellit – während heute vor 400 Jahren Kepler in einem bestimmten Haus in Linz sein Drittes Gesetz der Planetenbewegung fand. [13:15 MESZ]

Auch der Star Tracker der Asteroiden-Sample-Return-Mission Hayabusa 2 hat – Mitte Mai – das Ziel Ryugu bestens erfasst (dessen bisher bekannte Eigenschaften ein dickes Paper und eine detaillierte Webseite beschreiben): Zuvor war er bereits im Blick der Optical Navigation Camera – Telescopic gewesen. Was auch Gegenstand des ersten Manga zur Mission war – die (und v.a. den deutschen Asteroiden-Hüpfer MASCOT) letztens ein Vortrag bei Geeks@Cologne 2017 erläuterte, der auch hier geschildert wird. [14:45 MESZ]

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Kommt ein Asteroid …

… an der Erde vorbei geflogen, mit praktisch denselben Parametern wie 2018 GE3 vor einem Monat (Absoluthelligkeit +23.5, Minimaldistanz vom Erdzentrum 0.0012566 au um 0:04 MESZ am 16. Mai) – und die Sichtgeometrie zumindest für Europa ist unterirdisch. Buchstäblich: Zwar sollte 2010 WC9 aus deutscher Sicht eine Maximalhelligkeit von +10.8 mag. erreichen, gegen 21:45 MESZ – aber bereits heute gegen 9:25 MESZ verschwindet der Asteroid (mit dann erst +13.2 mag.) unter dem Horizont, und da bleibt er dann auch permament, bis er Richtung Sonne davon eilt und im Gegenlicht für alle unsichtbar wird. Kurios ist höchstens, dass der Asteroid seit kurz nach der Entdeckung Ende 2010 verloren war und erst am 8. Mai wieder gefunden wurde – die Beobachtungen überdecken damit 7.5 Jahre: ein paar frühere Bilder hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Und der Jupiter am 12. Mai. [0:05 MESZ] Ein Live-Feed von 2010 WC9 – und eine Wetteranalyse für die Ring-SoFi in Juni 2020: viel festes Land, viel Sonne – vielleicht zu viel davon … [1:25 MESZ] Eine Fortsetzung und jetzt live ein anderer Live-Feed vom Asteroidchen. [2:00 MESZ] Ein Screenshot daraus. [2:25 MESZ. NACHTRÄGE: eine Lichtkurve mit starker Amplitude und kurzer Periode (früher), ein getracktes Bild und Video, ungetrackte Videos hier und hier und eine getrackte Animation des mal wieder übertrieben angepriesenen Besuchers]


14. Mai

Schon wieder 25 Papers mit Daten aus dem 2. Gaia-Katalog

sind seit der letzten Bestandsaufnahme erschienen! Zum Beispiel über die genaueren Umstände des ‚Besuchs‘ von Gliese 710 bei der Sonne in 1.3 Mio. Jahren: Bis auf etwa 4000 au sollte der Stern heran kommen. Es gibt einen L-Zwerg in nur 11 Parsec Entfernung (ein Brauner Zwerg von 30-80 Jupitermassen), der sich in der Milchstraße ‚versteckte‘ und bisher nur im IR gesehen worden war, einen Katalog von 151’761 langperiodischen Veränderlichen mit G-Amplituden über 0.2 mag. (jeder 5. ein Kandidat für einen Mira-Stern), Entfernungen, Alter und Masse von über 3,5 Mio. Sternen durch Kombination von spektrophotometrischen Daten mit Gaia-Parallaxen, die Distanzen von Luminous Blue Variables (9 bestätige und 14 Kandidaten), weite Doppelsterne, 30 Sterne mit extremen Raumgeschwindigkeiten > 480 km/s (bis zu 3 kamen wohl aus der LMC, 1-2 aus dem Zentrum der Milchstraße, wie auch hier diskutiert wird), 9575 Cepheiden und 140’784 RR-Lyrae-Sterne, eine Korrelation von Metallizität und Farbe von Red Clump Stars durch Einbeziehung externer Fotometrie u.a. vom GALEX-Satelliten und die Eigenschaften von sdA-Sternen zwischen Hauptreihe und Weißen Zwergen.

Es wurden automatisch neue offene Sternhaufen entdeckt (mit einem Artificial Neural Network) und reichlich Substruktur in der Galaktischen Scheibe im Wirkungs-Raum (physikalisch betrachtet), es gelangen der Nachweis der Verbiegung der Scheibe – ein Mini-Thread dazu – und Messungen der Sterndynamik im Halo der Milchstraße und der Anisotropie desselben sowie von die Eigenbewegungen von 7 Ultra-Faint Dwarf Galaxies und Bewegungen und Rotation der Galaxien M 31 und 33. Erfolglos war dagegen die Suche nach Zwerggalaxien in Richtung von Gamma-Quellen des Fermi-Satelliten, was gegen zerstrahlende Dunkle Materie als Erklärung letzterer spricht, am vielleicht interessantesten in der Woche dagegen die Entdeckung des leuchtkräftigsten Quasars im Kosmos durch Kombination von Gaias und anderen Daten, mit einer absoluten UV-Helligkeit um -30 [NACHTRAG: ein australischer Press Release dazu, ein ungeschickt verkürzter Tweet darüber – und die Folgen, etwa hier aber nicht hier, hier oder hier].

Recht zuverlässig gelingt die automatische Identifikation von Quasaren durch ihre Unbeweglichkeit, während Astrometrie von Quasaren den bekannten Offset der Gaia-Parallaxen von etwa 30 µas bestätigt, eine Analyse von Sternen im Kepler-Feld via Asteroseismologie derweil aber eher auf ~50 µas Offset und eine mit Doppelsternen auf 80 µas (für große Parallaxen) kommt. Und Gaia hat sogar bei der Bestimmung der Bahn des zweiten Ziels von New Horizons (486958) 2014 MU69 geholfen, zusammen mit dem HST! Das Bild oben ist eine Karte heißer Sterne und H-II-Regionen, mit Entfernungen aus dem DR2 – auch Animationen von HRDs aus Gaia-Daten (interaktiv: wahlweise für 47 meist Offene Sternhaufen gleichzeitig oder für einzelne, ein gelungenes didaktisches Tool!) und der Gaia-Karte mit Sternen nach Entfernungen sortiert, die Rotation der LMC farblich codiert, Artikel hier, hier und hier und ein Radio-Beitrag. [21:55 MESZ]


13. Mai

Allerlei Entwicklungen in Sachen optische Großteleskope: oben die ‚Wendelstein Laser Guide Star Unit‘ bei Experimenten mit dem William Herschel Telescope auf La Palma für die Adaptive Optik des Extremely Large Telescope der ESO, in der Mitte die Baustelle des letzteren auf dem Cerro Armazones in Chile und unten die Ankunft des Auxiliary Telescope für das large Synoptic Survey Telescope auf dem Cerro Pachón. Auch öffentliche Mittel für GMT und TMT in Aussicht, moderate Schadensmeldungen von Subaru (früher) und Keck nach dem Hawaii-Erdbeben vom 4. Mai, das 1000. ALMA-basierte Paper, ein Science Center in Pokhara, Nepal mit Planetarium und Freibad (um die Jugend zu locken), der Mars heute, der Saturn gestern, eine Sternbedeckung durch den Jupitermond Himalia in einer Woche, die Nova Per 2018 vor einer Woche (auch ein Spektrum), ein Röntgen-Pulsar mit Rekord-schnellem Orbit entdeckt von NICER auf der ISS, eine AAVSO-Lichtkurve von Tabbys Stern – und wie Bahnänderungen der Erde das Klima beeinflussen (Artikel hier und hier). [23:40 MESZ]

Ein wolkenfreies Nordeuropa aus Sicht des neuen Satelliten Sentinel-3B mit der 21-Kanal-Farbkamera (Ausschnitt) – auch der neue chinesische Erdbeobacher Gaofen-5 (mehr und mehr) und Experimente zu optischen Freistrahl-Übertragung. Und die Rückkehr des jüngsten Dragon, wie eine ISS-EVA vorbereitet wird, was ein Cold Atom Lab auf der Station soll, Gersts letzte Prüfung und die Zertifizierung von Maurer sowie zwei ‚visionäre‘ Bridenstine-Reden hier (Artikel hier, hier und hier) und hier (Artikel hier und hier), Updates zum SLS hier und hier und ein Geldregen vom Kongress für die NASA hier und hier in Aussicht. [12:25 MESZ]

Es gibt jetzt 100 ‚Dark Sky Places‘ mit Siegel der IDA, der International Dark Sky Association, nachdem ein Dark Sky Park in Arizona abgesegnet wurde – auch der Forschungsstand zu Lichtverschmutzung und Brustkrebs. Sowie ein Schiefspiegler-Kongress im Juni in Biberach & Laupheim (mehr und mehr), ein Artikel über den Astro-Tourismus-Unternehmer Alain Maury in Chile an unerwartetem Ort, das Snøhetta-Observatorium/Planetarium in Norwegen, ein kommendes Planetarium mit 30-m-Kuppel in Austalien, das sich mit 2 anderen den 3. Platz nach Kuppelgröße weltweit teilen wird (das ganz neue in St. Petersburg liegt mit 37 m vorn), immer noch Verwirrung um den Planetariums-Abriss in Halle, ein Paper über Astronomers‘ and Physicists‘ Attitudes Towards Education & Public Outreach an Hand der Dark Energy Survey – und ein bemerkenswertes Milchstraßen-Bild … mit einem Handy. [1:35 MESZ]


12. Mai

Ein weiterer Fan-Jupiter aus JunoCam-Daten vom 1. April, den Seán Doran aus 5 re-prozijierten Bildern vom 12. Periojovium Junos montierte – auch JunoCam-Bilder der Perijovien 1 bis 12, ein flauer GRF und Artikel hier und hier. Sowie weiter gute Karten für den Europa Clipper (nebst geleaktem Europa-Paper), Aachener Studenten-Forschung an Eismond-Bohrern, ein RocketCam-Video vom InSight-Start mit dem Aussetzen der Mars-Sonde bei 7:20 plus ihre Technologie aus der Schweiz und ein Deimos-Sonnentransit vom ollen Opportunity. Und ein Video über Arbeiten an CHEOPS, erwartete GW-Quellen für LISA in vielen Kugelsternhaufen, drei ESA-Finalisten für die Mission M5 der Cosmic Vision – und Widerstand gegen eine Verschiebung der nächsten Astrophysik-Decadal Survey der USA. [23:30 MESZ]

Jede Menge spektakulär deutliche Bilder des STEVE-Phänomens südlich des Aurora-Ovals sind in den letzten Tagen in Kanada und dem Norden der USA entstanden: eine VR-Aufnahme, eine Bilder-Serie, eine Animation und noch viel mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – auch ein normales Polarlichtchen über Deutschland und extremer Airglow in Chile. [21:10 MESZ. NACHTRAG: ein weiterer Zeitraffer eines (2016-er) STEVE]

NASA beschließt: Mini-Helikopter begleitet Mars-Rover 2020!

Gerade ist die Entscheidung bekannt gegeben worden: Die 2015 erstmals erwähnte Möglichkeit, dem nächsten Marsrover der NASA einen kleinen Hubschrauber mit zu geben, wird Realität! Der Helikopter, seit 2013 in der Entwicklung, wird eine Masse von 1.8 kg haben – und zwei Paar Rotoren, die sich gegenläufig mit 3000 U/m drehen, um mit der dünnen Marsatmosphäre klar zu kommen: 10-mal schneller als auf der Erde üblich. Wenn ihn der Rover ausgesetzt hat, erfährt der Helikopter quasi eine Erdatmosphäre wie in 30 km Höhe – nie flog ein Hubschrauber höher als 12 km. Das Ganze – auch Artikel hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links] – ist eine Technologie-Demonstration, mit 5 Aufstiegen in 30 Tagen: Geht was schief, ist es für die Mission des Rovers selbst egal, der im Februar 2021 landen soll. Auch ein simulierter Flug über den Mars-Krater Neukum aus Bildern des Mars Express, neue Verarbeitung alter Bilder der Viking-Orbiter, die Ankunft von BepiColombo in Französisch-Guyana, Press Releases hier, hier, hier und hier zur Beobachtungen turbulenter magnetischer Rekonnektion in Erdnähe durch die MMS-Satelliten – und der alte IMAGE hat sich wieder gemeldet und reagiert mitunter auch auf Kommandos. [1:55 MESZ]

Ein Trans-Neptun auf einer völlig verrückten Bahn ist 2015 BP519, von dem es zwar Beobachtungen seit 2014 gibt, der aber erst vorgestern publik wurde: Seine Bahnelemente sind extrem, mit einer Großen Halbachse von 430 au (bei einer Periheldistanz von 35 au), einer Umlaufsperiode von 9000 Jahren, einer Exzentrizität von 0.92 (macht ein Aphel von 825 au) und einer Bahnneigung von 54°. Noch ist das Objekt 55 au von der Sonne entfernt und hat 22 mag.: Das Perihel wird Ende 2058 erreicht. Zwar gibt es unter den endgültig und v.a. vorläufig numerierten Transneptunen Exemplare mit größeren Halbachsen und Periheldistanzen (namentlich Sedna), Exzentrizitäten und Bahnneigungen, aber die Kombination bei 2015 BP519 ist schon ziemlich ungewöhnlich. Eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Objekt soll in ein paar Tagen folgen. [1:35 MESZ]

Das war der 55. (und 53. erfolgreiche) Start einer Falcon 9

vor drei Stunden, der zugleich der erste mit der neuen „Block 5“-Unterstufe war, die noch erheblich besser wieder zu verwenden sein soll – und schon mal die 25. weiche Landung einer 1. Stufe absolvierte: die Aufzeichnung des Webcasts, ein Video aus der Ferne, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die gelandete Stufe, das Aussetzen der Satelliten-Fracht aus Bangladesh und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. So wie die Aufzeichnung einer Medien-Telecon mit Musk vom Vortag (Notizen, ein problematisches Auto-Transkript und Artikel hier, hier, hier und hier), frühere Artikel zum Abbruch des Starts bei t-58 Sekunden danach (mehr, mehr und mehr) und Vorberichte hier, hier und hier. Der zweite Start einer Falcon Heavy ist derweil auf den Oktober gerutscht, womit auch das LightSail2 länger warten muss. [1:15 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Bilder vom Falcon-Start hier und auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein späterer Effekt am Himmel über Australien, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links – und ein Transkript der Telecon mit Musk vor dem ersten Startversuch]

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