Notizen von der IAU General Assembly (+ mehr)

Eröffnungs-Pressekonferenz gestern der 30. IAU-Tagung in Wien mit President Elect Ewine F. van Dishoeck, …

… die den Strategic Plan 2020 – 2030 und andere Aktionen anlässlich des 100. Geburtstags nächstes Jahr bewarb (etwa eine Webseite, die gerade online ging, oder eine Ausstellung), …

… Generalsekretär Piero Benvenuti, auf dessen Initiative die Resolution zur Umbenennung des Hubble-Gesetzes zurück geht (über das zwar heute beraten und am 30.8. abgestimmt wird, aber gefolgt von einem elektronischen Votum aller Mitglieder, und es soll auch nur eine Empfehlung sein), …

… und Präsidentin Silvia Torres-Peimbert, die etwas über 3000 Teilnehmer erwartet.

Im Focus Meeting 13 u.a. Thomas Zurbuchen von der NASA (später noch exklusiv interviewt), Günther Hasinger von der ESA und Hu Zhan – und auch dieser heutige Gastartikel spielte eine Rolle. Aber besonders intensiv wurde über die Datenfrage gestritten: Fast alle waren der Meinung, gar keine Frist für die Freigabe sei besser, und bei Hubble ist sie tatsächlich praktisch abgeschafft. Dass es Doktoranden demotiviere, wenn sich sogleich andere auf „ihre“ Daten stürzen würden, wurde bestritten.

Im Focus Meeting 5 „Understanding historical observations to study transient phenomena“ schlossen mehrere Referenten wie hier Rainer Arlt, dass das Maunder-Minimum war nicht ganz so schlapp WAR; wie viele meinen: Der Zyklus lief auf Sparflamme weiter, und die – wenigen – Sonnenflecken sahen auch nicht anders aus als zu anderen Zeiten. Aber harte Zahlen gibt’s nicht: Die historischen Quellen sind trotz aller Bemühungen einfach zu unscharf.

In einem Plenar-Vortrag zum kürzlichen Peribothron von S2 wird seitens der GRAVITY-Gruppe (die Amerikaner hatten die Einladung ausgeschlagen) nach weiteren Messungen konstatiert, dass Einstein inzwischen mit 14 statt im Paper 10 Sigma gegenüber Newton gewinnt. Und noch Ende 2019 erwartet man, die Periheldrehung der Bahn zu sehen.

Bei der feierlichen Eröffnung Grußworte vom österreichischen Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (der sogar auf S2 direkt Bezug nimmt) und dem Präsidenten der österr. Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik Manuel Gündel, die Verleihung des Gruber-Kosmologie-Preises an zwei Planck-Forscher durch Frau Gruber und Statements zum Int’l Council of Science und vom LOC-Chef Gerhard Henseler – viel mehr Bilder hat’s in diesem Album und mehr Tagungs-Facetten in einer Online-Zeitung. [1:10 MESZ am 21. August]

Genau ein Jahr ist seit der SoFi in den USA vergangen, die laut der finalen Version der Soziologie-Studie die Amerikaner für Wissenschaft interessiert hat (Artikel hier und hier). Auch Radio– und Wetter-Effekte, ein kurioses Video, ein NASA-Event heute um 16:30 MESZ, mehr Fundstücke hier, hier, hier, hier, hier und hier – und letztens wurde von der ISS aus der entlegene australische Schauplatz der SoFi 2023 aufgenommen … [1:55 MESZ. NACHTRÄGE: das NASA-Event, allerlei Moments und noch ein Artikel]

Noch mehr Gravitationswellen als bisher bekannt gegeben

haben die LIGO-Gravitationswellen-Detektoren während ihrer ersten beiden Beobachtungsläufe gesehen, allesamt von verschmelzenden Schwarzen Löchern: Das hat dieses Blog auf der IAU-Tagung von einem Projektsprecher erfahren. Im November wird demnach ein Gesamtkatalog aller als bestätigt angesehenen Gravitationswellen-Ereignisse erscheinen, mit neuen Einträgen (über die bisher allenfalls gerüchteweise gesprochen wurde) und neuen Berechnungen zu den bekannten Fällen. Bevor im Februar 2019 der dritte Run beginnt, wollte man die alten Daten fertig publizieren – denn nun geht es vermutlich so richtig los! Mit gesteigerter Empfindlichkeit dürfte es alle paar Wochen eine neue Schwarzloch-Fusion geben – und ein paar Neutronenstern-Fusionen pro Jahr. Nur eine solche wurde bisher gesehen, vor genau einem Jahr – aber ab Run 3 wird nichts mehr geheimgehalten: An der besten Kommunikationsstruktur für Events wird noch getüftelt. An der Positionsgenauigkeit am Himmel könnte es zumindest anfangs aber hapern: Es ist nicht sicher, dass der dritte Detektor VIRGO in Italien ebenfalls ab Februar 2019 bereit ist – und Japans KAGRA läuft erst Ende 2019 oder 2020 an und dann mit noch ziemlich geringer Empfindlichkeit. [20:20 MESZ]

Bei den heutigen Gruber-Vorträgen der Preis-Träger vom Planck-Projekt (s.o.) hat die High-End-Projektionsanlage andere Vorstellungen von Lambda-CDM – und die Forscher erkennen zwar die 3.8-Sigma-‚Tension‘ zwischen ihrer Mini-Hubblekonstanten und den Bestimmungen mit der Distanzleiter an, sehen aber keine Chance, bei sich was zu drehen (wieder mehr Bilder & Screenshots). Mit Planck habe sich die beobachtende Kosmologie insgesamt auf ein derart hohes Niveau geschwungen, dass der nächste Schritt noch viel schwieriger würde. [21:55 MESZ]

Große Geo-Stürme vergangener Jahrhunderte rekonstruiert

anhand von Polarlicht-Meldungen aber auch Strukturen der verantwortlichen Sonnenflecken: Beim Focus Meetig 5 „Understanding Historical Observations to Study Transient Phenomena“ wurden heute interessante Wege aufgezeigt. So wurde in Korea künstliche Intelligenz mit SDO-Magnetogrammen trainiert, die Feldstruktur visuell aufgezeichneter großer Fleckengruppen zu erraten: Das entsprechende Bild für den Monster-Fleck, der mit dem Carrington-Ereignis 1859 einen der großem geomagnetischen Stürme der Geschichte auslöste, wurde dann für die Vorhersage von dessen Stärke verwendet – und ein heftiger gemessener Magnetometer-Ausschlag in Bombay passt perfekt. Japanische Aurora-Berichte von damals zeigen, dass das Oval bis auf 23° magnetische Nordbreite herunter kam (passend zu Meldungen aus der westlichen Hemiphäre; eine komplexe Rekonstruktion aus vielen Dutzend Berichten weltweit liefert übrigens 21.4°). Bei einem enormen Magnetsturm 1770 waren es jedoch 19°, und er dauerte wohl auch länger und war mindestens so stark wie Carrington. Dazu passend zeigen iberische Chroniken eine starke Häufung von Polarlichtern kurz vor dem Jahr 1800, wobei auch die damals förderlichere Lage des Magnetpols half. Andere Beiträge des Meetings behandelten mögliche Beobachtungen veränderlicher Sterne durch Australien Ureinwohner (keine eindeutigen Supernova-Überlieferungen aber wohl Schwankungen von Eta Carinae, Betelgeuze und Antares) und die Rekonstruktion der Verlangsamung der Erdrotation durch den Mond mit Hilfe von Sonnenfinsternis-Berichten seit der Antike: Der Effekt ist deutlich geringer als durch die Gezeitenwirkung zu erwarten wäre. Langsame Verformungen des Erdkörpers – vermutlich Nachwirkungen des Endes der letzten Eiszeit – halten kräftig dagegen und sorgen für ein kleineres „Delta-T“. [22:25 MESZ – Ende]

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Eine Antwort to “Notizen von der IAU General Assembly (+ mehr)”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 30. August 2018 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] folgenden elektronischen Abstimmung ist herzlich unklar. Wie auch immer: Das ist das Paper, mit dem die Resolution begründet („Generalsekretär …“) wurde, und zum Beispiel so war darüber diskutiert worden. […]

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