Nur mit Sternbildern durch die Eifel navigieren?

Den Menschen – v.a. im dicht besiedelten NRW – den realen Sternenhimmel wieder näher zu bringen: Das war die Grundidee für die Sendung „Der Himmel über uns“ aus der Reihe „Quarks“ des WDR-Fernsehens, die im Laufe des Tages in der Mediathek erscheinen und heute um 21:00 MEZ (und am 23. Februar um 11:00 MEZ) ausgestrahlt werden soll. Den Rahmen der 45 Minuten bilden dabei drei längere aktionsreiche Segmente (hier einige Standbilder, freundlicherweise vom WDR zur Verfügung gestellt), an deren Vorbereitung und Umsetzung dieser Blogger einigen Anteil hatte. Und das kam so …

„Immer weniger Menschen sind in der Lage, selbständig ohne technische Hilfsmittel ihren Weg zu finden“, hatte es im Exposé für „Das Sternenexperiment“ (Arbeitstitel) geheißen: „Vor allem nachts sind die meisten von uns nahezu hilflos.“ Um zu demonstrieren, dass es trotzdem geht, sollten mehrere Schüler-Gruppen mitten im Nirgendwo in der Eifel ausgesetzt werden: „Ohne Handys, ohne Navigations-App, ohne Kompass, nur mit Hilfe ihrer Sternenkarten und einer kurzen Einweisung durch den Astronomen“ mussten sie in mondloser Nacht von verschiedenen Punkten aus zu einem etwa 3 km entfernten Ziel finden, Kaiser Karls Bettstatt bei Mützenich an der belgischen Grenze. Während der WDR zusammen mit Eifel-Rangern drei Routen entwarf, hier Nr. 1, wurde dieser Blogger mal eben als nämlicher Astronom gecastet – der auch noch binnen Tagen eine zur Aufgabe passende Navigationsmethode erfinden durfte.

Die zu gehenden Routen über Seitenstraßen, Feld- und Waldwege konnte man sich als eine Abfolge von geraden Linien bestimmter Länge in bestimmte Himmelsrichtungen vorstellen: Der Weg zu Karl führte also gewissermaßen über eine Abart der Koppelnavigation, wie sie sonst in der See- und Luftfahrt üblich ist. Aber eine finstere Eifel-Landschaft ohne Landmarken und ohne Wanderkarte war ja auch so eine Art unbekannter Ozean. Im Zentrum der Aufgabe stand es nun, an allen Wegekreuzungen entlang der vorgegebenen Routen allein anhand von Sternbildern, Asterismen oder hellen Planeten an bekannten Himmelsorten über die als nächstes einzuschlagende Richtung zu entscheiden! Und das, ohne dass irgendeiner der Teilnehmer sich vorher nennenswert am Himmel auskannte oder gar schon mal konkrete Orientierung daran trainiert hätte (auch dieser Blogger eher nicht) – konnte der Plan überhaupt funktionieren?

Bei einer Simulation des Eifelhimmels für den betreffenden Abend – des 2. November 2018 – im Bochumer Planetarium ließen sich für fast alle der insgesamt neun notwendigen Himmelsrichtungen passende himmlische Wegweiser finden, mit dem damals noch sehr auffälligen Mars als idealem Lückenbüßer in einer an auffälligen Sternbildern armen Himmelsgegend. Da die gesamte Wanderung nur eine gute Stunde dauern sollte, blieb die Zuordnung fix, und auf Uhren konnte verzichtet werden: Da eh keine präzisen Messgeräte verwendet werden durften, spielte das Bisschen Himmelsdrehung in der Zeit keine Rolle. Und nach Kartenlage waren die Richtungs-Unterschiede bei Wegegabeln jeweils so groß, dass immer eine klare Entscheidung möglich sein sollte. So weit die Theorie, die den Sternenwanderern am Spätnachmittag in einem Lokal in Mützenich anhand einer extra-großen drehbaren Sternkarte erläutert wurde.

Zur ersten Begegnung mit dem echten Sternenhimmel kam es dann auf einer feuchten und schon angefrorenen Wiese – die Nacht war weitgehend klar und bitterkalt: Würden die Schüler (und ein paar Lehrer, die auch mitmachten) die ‚lebenswichtigen‘ Konstellationen in der Realität erkennen und für die Orientierung nutzen können? So viel sei schon verraten: Das Erlernen der – für diese sehr spezielle Aufgabenstellung – wesentlichen Sternbilder und Asterismen im eisigen Taschenlampen-Crashkurs klappte verblüffend schnell!

Aber würden die kleinen Gruppen sodann allein anhand der drei Listen mit den Richtungsangaben und den ungefähr zu gehenden Strecken-Stücken sowie der „Umrechnungs-Tabelle“ von Himmelsrichtung zu Mustern am Sternhimmel (und einer kleinen drehbaren Sternkarte als einzigem grafischem Rettungsanker) wirklich den Weg zu Karl finden? Oder hatte sie dieser Blogger – der eine Gruppe begleitete aber praktisch nicht eingreifen durfte – ins Verderben geschickt, so dass sie heute noch im deutsch-belgischen Grenzgebiet umher irren? Das wird hier noch nicht verraten …

NACHTRAG: Die Sendung ist nun auch in der Mediathek zu finden – und siehe da, alle drei Gruppen haben Karls Bettstatt erreicht, die vom Blogger begleiteten Mädchen übrigens als erste. Wie gut klar wird, war die Bestimmung der Himmelsrichtung am Sternenhimmel meist das kleinere Problem: Abzuschätzen, wie weit man seit dem letzten Entscheidungspunkt gegangen war, um den nächsten auf der Liste sicher identifizieren zu können, das war eine Herausforderung. Genau deswegen waren die Mädchen auch anfangs in den Eingang eines Hofs abgebogen, der als Wegmarke gar nicht vorgesehen war. Künftige Nachtwanderer sollten doch besser Kompass und Karte mitnehmen, von einem GPS-Gerät ganz zu schweigen. Aber als Fazit der anstrengenden Nacht – der Blogger war für den Dreh rund zehn Stunden auf den Beinen – bleibt die so erfreuliche wie überraschende Feststellung, dass die groben Muster am realen Sternenhimmel mit ein bisschen Unterstützung in kürzester Zeit verinnerlicht werden können.

3 Antworten to “Nur mit Sternbildern durch die Eifel navigieren?”

  1. Wolle Says:

    Ich seh da viel zu viele Lampen! So etwas macht man mit absolutem Lichtquellenverbot.
    PS: https://skyweek.files.wordpress.com/2019/01/ichwaypoints.jpg
    Ich bin die Borg? 😉 SCNR!

    • skyweek Says:

      Die Lampen dienten zum Zeigen der Sternbilder und Asterismen am realen Himmel bei der Übungssession auf der Wiese am Dorfrand – der rasante Lernerfolg dank dieses Hilfsmittels war ausgesprochen faszinierend. Während des Marsches selbst wurde sehr viel weniger Licht gemacht: Die drei (!) Kamera-Teams drehten mit Sony-Alpha7s-Kameras.

  2. Volker Kasten Says:

    Diejenigen Passagen der Sendung, die sich mit der Orientierung der verschiedenen Teilnehmergruppen nach Sternbildern befassten, waren nett und interessant. Damit hätte man die gesamte Sendung bestreiten sollen. Leider erwiesen sich die übrigen Teile der Sendung als ein schlimmes, teils albernes Konglomerat aus oberflächlich angerissenen und unzusammenhängenden Themen wie Raumkrümmung, Astrologie und Lichtverschmutzung. Schade!

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