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Die erste tiefere Wissenschaft zu 2014 MU69

20. März 2019

war am 18. März Gegenstand einer Pressekonferenz in Texas, von der es hier alle Slides und hier die einzelnen Visuals gibt (aus denen alle folgenden Bilder stammen), dazu Press Releases hier und hier, Tweets hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und ein großes Event des SETI Institute zum Stand der Forschung mit einigen anderen Visuals als in der PK.

Zumindest das New-Horizons-Team hat keine Zweifel, dass der 35 km lange 2014 MU69 ein Contact Binary aus der Urzeit des Sonnensystems ist, dessen beide Hälften auf einer Spiralbahn sanft zueinander gefunden haben und dann verschmolzen sind. Dass keine heftige Kollision stattgefunden habe, erkenne man am Fehlen von Stress-Brüchen und ähnlichen Zeugnissen – und unter allen ähnlich aussehenden Doppelkörpern im Sonnensystem gäbe es keinen anderen , bei dem man sicher sei, dass die Form nicht erst später entstanden ist. Die mittlere Albedo ist 7%, aber es gibt (bis zu doppelt so) helle Gebiete: kompakte, vielleicht Impaktkrater, lange krumme – namentlich den besonders hellen „Hals“ – und größere Flecken.

Das schärfste echte Farbbild, das überhaupt aufgenommen wurde, ist inzwischen auf der Erde: entstanden aus 17’300 km Abstand, 15 Minuten vor der größen Annäherung mit 300 Metern pro Pixel Auflösung (links) und hier mit dem besten LORRI-s/w-Bild zum Komposit rechts verschmolzen. Allerdings sind die Farben auch in der Originalversion bereits verstärkt, sonst würde man wenig sehen.

Der Vergleich von Farbe und Geologie zeigt, dass der Hals am wenigsten rot ist und ebenso die hellen Flecken, während das Zentrum des Kopfes am rotesten ist.

Verglichen mit anderen Körper im Sonnensystem ist die spektrale Steilheit – ein Maß für den Anstieg des Spektrums zum Roten hin – am ehesten mit der ‚kalter klassischer‘ Kuiper-Gürtel-Objekte zu vergleichen: Damit dürfte 2014 MU69 ein recht typischer Vertreter dieser besonders ursprünglichen Objekte im äußeren Sonnensystem mit wenig geneigten und kaum veränderten Kreisbahnen sein, von denen noch nie eins räumlich aufgelöst wurde.

Ihre starke Rotfärbung kommt dadurch zustande, dass organisches Material Jahrmilliarden lang der harten Sonnenstrahlung ausgesetzt und nicht weiter modifiziert wurde: 2014 MU69 dürfte damit der „primitivste“ besuchte Körper des Sonnensystems sein. Hier ein kombiniertes Spektrum mit 4 Datenpunkten von MVIC links und dem LEISA-Instrument, dazu ein Spektrum des Centauren (5145) Pholus, das perfekt passt und bei der Interpretation hilft. Die steile rote Steigung links können am besten Tholine erklären, und auch das Methanol-Signal im IR passt zu primitiver Chemie.

Für 2014 MU69 gibt es bereits eine ‚geo-morphologische‘ Karte, für die Gebiete mit ähnlichen Mustern und Geländeformen als Einheiten definiert werden. Die „m“-Einheiten könnten dabei kleineren Bausteinen des Körpers entsprechen. Der Krater „Maryland“ erinnert an den großen Impaktkrater Stickney auf dem Marsmond Phobos, gewisse Mulden könnten tektonischen Ursprungs sein, Grubenkrater wiederum könnten durch unterirdische Einbrüche entstanden sein – und andere Senken durch Sublimation. Und trotz der geringen Schwerkraft kann Material von Hügeln in Senken rutschen (‚Streaks‘) und sich dort ansammeln.

Wie erst später erkannt wurde („2014 MU69 im Gegenlicht …“), sind beide Hälften stark abgeflacht, wobei ihre genauen Formen immer noch nicht klar sind: Es kommen weiter Daten herunter, die eingearbeitet werden. Auf jeden Fall sind sie unterschiedlich flach – und nicht verkantet zu einander: Die Hauptachsen liegen fast exakt parallel, wofür gegenseitige Gezeiten-Effekte gesorgt haben dürften. Was wiederum ein Modell der Entstehung des Doppelkörpers motiviert, mit einer Fusion mit vielleicht 2 m/s: