Archive for April 2019

Allgemeines Live-Blog vom 29.April – 3.Mai 2019

29. April 2019

3. Mai

So sieht das Australiens ASKAP die Radiogalaxie Fornax A

alias NGC 1316 in polarisierter Strahlung, um Magnetfelder zu untersuchen: eine weitere Demonstration während der schrittweisen Inbetriebnahme des Interferometers aus 36 Antennen à 12 Metern. Auch eine aktuelle Supernova in Messier 100 (15 mag.), eine weitere in NGC 3254, der langsam verblassende SN-Impostor in M 51 und Action auf der ‚Rückseite‘ der Sonne, die übrigens auch helioseismologisch überwacht wird, von SDO und GONG: Die Aktivitätsregionen kommen bald wieder auf die Vorderseite. Und schließlich von der Planetary Defense Conference wie das eVscope beim NEO-Follow-Up helfen könnte [NACHTRAG: wie das gehen soll], noch ein Chat, vom Rollenspiel zum Impakt-Szenario die Tage vier (ein 60-m-Brocken weiter auf sicherem Erdkurs nach nur halb erfolgreicher Abwehr) und fünf (die Zerstörung von New York City steht bevor; gerade läuft die Abschluss-Debatte) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:55 MESZ. NACHTRAG: und später hier] Das PDC-Rollenspiel wird aufregend: New Yorker Wutbürger beklagen sich, dass keiner sagt, was los ist … [18:05 MESZ] Interessante Frage aus dem Publikum: Jetzt habt Ihr Denver gerettet – und New York zerstört. Wer bezahlt? Vage Antwort: Die Entscheidung für den Abwehr-Versuch wurde international getroffen. [18:30 MESZ] Auch ’ne gute Frage: Sollte man New York überhaupt wieder aufbauen – oder in einen Krater-Park verwandeln? [18:40 MESZ] Und siehe da: Alles schon mal da gewesen … [18:50 MESZ] Das Buch ist von 1954. Und bei der Abschluss-Diskussion der Tagung wird um mehr Interaktivität, mehr Chaos und mehr Vorlauf beim Planspiel gebeten. [20:40 MESZ] Am Schluss noch drei verabschiedete Statements, zum Apophis-Besuch in 10 Jahren und den Sonden-Vorschlägen HERA und NEOCam. [20:55 MESZ – Ende]

Der Ries-Krater aus Sicht eines Sentinel-Satelliten: Der Rand des vor 15 Mio. Jahren entstandenen Astroblems ist durch Waldgebiete grob umrissen, während der Kraterboden voller Felder (und der Stadt Nördlingen) ist. Auch die weiter üblen Folgen des indischen ASAT-Tests hier, hier und hier visualisiert, das Versagen eines Nonsense-Satelliten, der direkt zu Raumschrott wurde – und die heutige Verschiebung eines Cargo-Dragon-Starts um knapp 24 Stunden wegen v.a. Problemen mit einem Drohnen-Boot: Artikel hier, hier und hier. [17:30 MESZ]

Beide Gravitationswellen-Exoten leider ohne Gegenstücke

Eine Woche nach den zwei LIGO/Virgo-Ereignissen mit Neutronen-Stern-Beteiligung sind es leider nur Kandidaten geblieben: In den Zonen am Himmel, wo die mutmaßlichen Quellen der Gravitationswellen saßen (hier eine neue Darstellung zum Event am 26. April, bei dem wegen seiner Schwäche die Wahrscheinlichkeit für ein Nicht-Ereignis höher ist, die Zone aber nur 3% des Himmels umfasst; auch die entsprechende Karte für den 25. April von der vielversprechenderen der zwei möglichen Zonen), wurde trotz enormer Investition von Teleskopzeit in beiden Fällen kein Gegenstück gefunden. Der Erfolg vom August 2017 hat sich damit nicht wiederholt, aber wenigstens konnte die Öffentlichkeit diesmal live zuschauen. Wie auf einer Telecon für Wissenschafts-Journalisten gestern berichtet wurde, wird man die Ereignisse nun allein anhand der Gravitationswellen bewerten und publizieren, was besonders beim verrauschten zweiten dauern kann. Erwartet wurden für den Run O3 zwischen einem Neutronen-Stern-Event im Jahr und einem pro Monat: Da die Detektoren jetzt praktisch die volle erhoffte Empfindlichkeit haben, gilt nun die letztere Prognose, und zumindest ein Treffer im Monat #1 – dem noch 11 folgen sollen – würde statistisch schön passen. In den nächsten 5 Jahren soll die Empfindlichkeit um einen weiteren Faktor 2 bis 3 hoch getrieben werden, was ein Fenster zu sogar noch weiteren Klassen kosmischer Objekte öffnen könnte: ein aktueller Vortrag des LIGO-Chefs, dessen vorletztes Slide und zu den April-Kandidaten Press Releases hier [alt., alt., alt.], hier und hier, eine Pressemitteilung und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:55 MESZ] Und hier, hier, hier und hier. [10:50 MESZ. NACHTRÄGE: und hier und hier]


2. Mai

Und wieder ein perfekter Flug des New Shepard heute, der nach ersten Berechnungen bis in 105.6 km Höhe und damit nach allen Definitionen in den Weltraum führte: die Aufzeichnung des Webcasts, Ausschnitte hier und hier, Screenshots hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier und hier]. Nach erfolgreicher Reparatur der ISS-Elektrik ist der Start des nächsten Cargo Dragon nun für morgen um 9:11 MESZ geplant. Und von der Pre-Launch-PK ein knapper Update [NACHTRÄGE: ein längeres Video und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier] zum Test-Unfall mit dem ersten Crew Dragon: Die Explosion, die ihn zerstörte, erfolgte unmittelbar vor der Zündung der Abbruch-Raketen.

Sonnenaufgang auf dem Mars am 24. April, gesehen von der Instrument Deployment Camera (IDC) von InSight am Beginn seines 145. Marstages: Beide Kameras haben den Tagesgang der Sonne verfolgt. Auch ein offizielles neues Startfenster für Chandrayaan-2 (9.-16. Juli, Mondlandung 6. September; Artikel hier und hier und zuvor hier und hier, das Hubble Legacy Field mit rund 265’000 Galaxien (mehr und mehr) – und wie Beobachtungen Gaias von der Erde aus wiederum dessen Sternkatalog verbessern. [17:20 MESZ]

Ein Schägblick von Süden auf den Äquator von Norden von Asteroid Bennu am 28. März, Breite des Bildfelds etwa 50 Meter, Größe des Felsens oben links etwa 14.5 Meter. Die Veröffentlichungs-Strategie und Sortierung der Bilder in der OSIRIS-REx-Galerie will sich nicht recht erschließen; weitere sehenswerte Neueingänge sind jedenfalls dieses, dieses und dieses Bild, alle ebenfalls vom 28. März mit der PolyCam. Ein Größenvergleich mit dem Orbiter und einem Astronauten zeigt, wie schwierig das Terrain ist! Außerdem Erkenntnisse über die Rolle von Staub auf dem Mars und den großen Staubsturm von 2018. [23:15 MESZ]


1. Mai

Die Galaxie Messier 100 im nahen IR und mm-Bereich (VLT HAWC bzw. ALMA bei 1.2 mm, in rot) aus dem Programm „Physics at High Angular resolution in Nearby GalaxieS“ (PHANGS) – auch Oral History zu Keck (den Anfängen) und ein Alarm-Ruf in Sachen astronomische Daten und Notwendigkeit ihrer Digitalisierung. Ferner Gault gestern, Jupiter heute, gestern und am 28., 27., 20., 12. und 8. April, ein Vortrag zum Nutzen von SoFis, ein schöner ISS-Transit der Sonne und mal eine Reportage von Aurora-Jagd. Und von der Planetary Defence Conference (alle Vorträge) ein Poster, die Impakt-Simulation am Tag 2 (P_Impakt=10%) und Tag 3 (Denver im Visier), Artikel hier und hier, ein weiterer Chat – und wieder keinerlei MASCOT-Bilder von der Ryugu-Oberfläche … [23:55 MESZ]

Das war die gesamte Reise des Mars-Rovers Opportunity 2004 bis 2018, insgesamt 45.16 km. Auch der Ärger mit dem Europa Clipper, ein Eis-Feature auf Titan, eine chinesische Sample-Return-Mission zu 2016 HO3, der die Erde begleitet, Erkenntnisse von Swarm zum Erdmagnetfeld, die Ursache zweier NASA-Fehlstarts vor Jahren von zwei kleinen Wissenschafts-Missionen [NACHTRAG: mehr, mehr und mehr], die Suche nach der Ursache des Intelsat-Disasters, warum Indiens ASAT-Test rücksichtslos war (mehr), 60 Jahre GSFC, die Probleme mit ICARUS auf der ISS und die Verschiebung des nächsten Cargo Dragon auf frühestens den 3. Mai, weil es elektrische Probleme auf der ISS gibt: Artikel hier, hier, hier (früher), hier und hier (früher). Und die NASA hat einen vagen Plan in Sachen Mond-Landung schon 2024: weitere Artikel im Kontext vom 28., 27., 26. (mehr), 25. (mehr und mehr), 23., 19., 17., 16., 15., 14. und 11. April (mehr) und 27. März. [15:05 MESZ] Eine detaillierte (düstere) Einschätzung der wirren Lunar-Lage – und was das kosten soll, sagen sie nicht. [22:55 MESZ. NACHTRAG: hier und hier mehr dazu]


29. April

Der Stand der NEA-Statistik ist ausgesprochen stabil

Das wurde gerade bei einem Vortrag von Alan Harris auf der heute gestarteten 6. Planetary Defence Conference der IAA deutlich, denn die Zahlen und Kurven haben sich gegenüber dem Status vor zwei Jahren praktisch nicht geändert. In seiner Grafik sind in bewährter Weise in der X-Achse die Absoluthelligkeit H sowie in Grün der Durchmesser D in km und oben die entsprechende Impaktenergie in Mt TNT aufgetragen und in der y-Achse links die kumulative Anzahl der Objekte D sowie rechts das mittlere Intervall zwischen zwei Impakten in Jahren. Der Katalog der erdnahen Asteroiden ist bis 1 km hinab (nun 890 Objekte konkret bekannt) zu ~95% komplett, bis 140 m hinab (H < 22.0) liegt der Wert bei 38%. Die allerletzten großen und potenziell gefährlichen (PHAs) sollten wir bis etwa 2030 kennen: Sie ‚verstecken‘ sich quasi hinter der Sonne in resonanten Orbits und schleichen sich daher auch nur langsam an.

Auch eine interessante Grafik von Tim Spahr: alle heute bekannten Asteroiden, x-Achse = mittlerer Abstand von der Sonne, y-Achsen = Exzentrizität bzw. Bahnneigung: Diverse Familien treten nun sehr klar hervor. Auf dem Meeting – das heute den ganzen Tag hier live gestreamt wird – fiel ein weiterer Vortrag über das NEar real-time MOnitoring system (NEMO) für Feuerkugeln dadurch auf, dass er praktisch identisch bereits letztes Jahr auf einer IMC gehalten wurde, also einer Amateur-Konferenz: Wenn es um systematische Meteor-Beobachtung und -Analyse geht, gibt es kaum mehr einen Unterschied zwischen Profis und Amateuren. Bei der Abwehr eines eventuell bedrohlichen NEA dann wohl doch: Wie hier, hier und hier beschrieben, wird es im Rahmen der Tagung wieder eine Asteroid Impact Exercise geben, die diesmal besonders stark in die Öffentlichkeit gepuscht werden soll. Bereits gestern hatte einen Online-Chat mit dem zuständigen ESA-Manager gegeben, bei dem dieser Blogger die letzte Frage und danach per E-Mail eine Antwort bekam: Die ESA bereitet keine Nuklear-Option vor sondern möchte lieber einen bedenklichen NEA so früh entdecken, dass ein kinetischer Impaktor zur Bahnänderung ausreicht. Auch die öffentlichen Pan-STARSS-Daten zu NEOs – und eine Feuerkugel mit Meteoriten-Fall in Costa Rica. [19:05 MESZ] Wie schon letztes Jahr („Gonzalo Tancredi listete 76 Meteoritenfälle“) weiter keine speziellen Tage für Meteoriten-Fälle – und Freuen auf Apophis in Erdnähe in 10 Jahren. [21:10 MESZ. NACHTRAG: eine Art Gegendarstellung zu Tancredi] Weitere Erkenntnis von der Tagung (Simulationen von Naidu): Das LSST sollte 1-2 Impaktoren von > 1.5 m Durchmesser pro Jahr entdecken, mit einer typischen Vorwarnzeit von > 1 Tag. [22:15 MESZ] Warum die infrarote Mission NEOWISE so wichtig ist: 1/3 aller NEOs, Größe egal, hat sehr geringe Albedo. [22:35 MESZ] Und wie die Riesen-Radars von Arecibo und Goldstone interessante Asteroiden sehen. [22:55 MESZ] Und die Simulation beginnt … [23:15 MESZ]

Hier kommt tatsächlich der russische Astro-Satellit Spektr-RG in Baikonur an, um im Juni zu starten – mit u.a. dem Röntgenteleskop eROSITA aus München. Auch der Kugelhaufen Messier 75 von Hubble, der 1000. Umlauf der MMS-Satelliten, das Erwachen von Yutu II für seinen 5. Mond-Tag und die lange Lebensdauer von Queqiao, dem Relais-Satelliten, der letzte ellenlange Artikel zu den Mars-Rovern, die neueste Ausgabe des AMSAT-Journals open access zur Feier des 50-Jährigen, ein interview zu Es’hail-2, Beobachtungen von rotierendem Raumschrott – und ein seltsamer Artikel über deutsche Industrie-Visionen im Weltraum. [1:15 MESZ] Auch Chang’e-4 ist wach geworden. [10:15 MESZ] Ein Artikel dazu. [14:45 MESZ]

Apollo 11 scheitert: was ARD & ZDF getan hätten

28. April 2019

Aus der Ausstellung „Raumschiff Wohnzimmer. Die Mondlandung als Medienereignis“ im Museum für Kommunikation in Nürnberg sind diesem Blog zwei ungewöhnliche Exponate zugespielt worden: oben ein Fernschreiben des Bayerischen Rundfunks „an die Herren Programmdirektoren und Sendeleiter aller ARD-Anstalten“ …

… mit zur Diskussion gestellten Empfehlungen für den Hörfunk im Falle eines Fehlschlags von Apollo 11 – und hier die detaillierten internen Planungen des ZDF für einen Katastrophenfall während des Mond-Aufenthalts oder beim Rückstart am 21. Juli 1969 (gefischt aus den Archiven des WDR in Köln bzw. des Unternehmens):

Allgemeines Live-Blog vom 19. bis 27. April 2019

19. April 2019

27. April

Erneut Gravitationswellen nicht von 2 Schwarzen Löchern

in Verschmelzung sind nur einen Tag nach dem Event LIGO/Virgo S190425z („Sah ein LIGO gerade zwei Neutronensterne verschmelzen?“) registriert worden, diesmal zwar von beiden LIGOs und Virgo, dafür aber schwächer und weniger sicher: Das Ereignis LIGO/Virgo S190426c – hier eine verbesserte „Aufsuchkarte“ – hat zwar formell die höchste Wahrscheinlichkeit, zwei verschmelzende Neutronensterne gewesen zu sein, wobei eine Verstärkung per Gravitationslinse eine Rolle gespielt haben könnte. Oder aber es fiel ein Neutronenstern in ein Schwarzes Loch, was hier diskutiert wird. Wieder gibt es in den GCN-Zirkularen zu dem Ereignis zahlreiche Follow-Up-Beobachtungen, wobei ein erst interessant scheinender roter Lichtpunkt leider nicht das Gegenstück war. Auch vom Event vom 25. April gibt es eine verbesserte Karte – und einen neuen Kandidaten, den gerade eifrig auch andere suchen: in der neuen Ära der offenen Alerts alles live zu verfolgen. Und noch drei Papers: zu einem möglicherweise gesehenen Signal verschmelzender Neutronensterne schon in LIGO-Daten vom Oktober 2015, angeblichen weiteren Schwarz-Loch-Verschmelzungen in LIGO/VIRGO-Daten vom Run O2 – und zu theoretischen langlebigen Nach-Effekten von Gravitationswellen nach ihrem Durchgang, die mit neuen Methoden sogar beobachtbar sein könnten. [23:50 MESZ – Ende. NACHTRAG: ein später Press Release zu letzterem Paper]


26. April

Ein Blues über das Schwarze Loch in Messier 87 von einer niederländischen Band aus Physik- & Astronomie-Studenten (mehr Titel) an der Radbout-Universität, die beim Event Horizon Telescope eine wichtige Rolle spielte. Im Zusammenhang mit der ersten Veröffentlichung („Wie es mit dem Event Horizon Telescope weiter …“) weitere PR-Seiten hier, hier, hier und hier, eine TV-Doku des Smithsonian Channel (vermutlich recht SAO-lastig) ab heute auch im deutschen Fernsehen, weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier und ein 45-Minuten-Chat. [0:20 MESZ]

Die „Rettungs“-Raketen verursachten das Dragon-Disaster

Denn die normalen Dragon-Raketen brannten problemlos, aber bei der Zündung des SuperDraco-Systems kam es zur Explosion: Zumindest dieses wichtige Detail zum Unfall am Cape ist inzwischen offiziell geworden, aber mehr weiter nicht – während klar wurde, dass danach eine giftige Wolke aufstieg und die Folgen für die US-Raumfahrt gravierend sein könnten. Auch ISS-Experimente mit dem RAVEN, die chinesische Raumstation Tiahe bei Tests am Boden und das kommende Ende einer historischen Startrampe in Baikonur. Sowie Tests mit dem 2020-er Mars-Rover der NASA und kaum Zeitreserven beim ExoMars-Rover, ein neuartiges Instrument für Uranus & Neptun, ein Video zum 29. Start-Jubiläum von Hubble, wie die Hochatmosphäre Satelliten bremst, ein japanischer Satellit im GEO auf Abwegen, eine zerbrochene Raketen-Stufe – und was eigentlich aus dem roten Auto geworden ist, das mit der 1. Falcon Heavy startete. [0:10 MESZ]


25. April

Hayabusa hat den letztens selbstgemachten Krater auf Ryugu gefunden, bei dem Abstieg auf 1.7 km Abstand zu Ryugu letzte Nacht (siehe unten): Das zeigt dieses Vorher/Nachher-Bildpaar aus einem gerade veröffentlichten japanischen PDF und meldet dieser Press Release. Es gibt auch eine Animation – und die Aussage, dass die Krater-Größe noch unklar aber das Terrain großflächiger verändert als erwartet ist. [12:40 MESZ] Die Tweets zur Animation und Analyse auch Englisch – und CRA2 ist abgeschlossen, es geht wieder in Parkposition. [14:05 MESZ] Artikel hier, hier und hier. [19:10 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier und hier sowie der JAXA Release englisch]

Sah ein LIGO gerade zwei Neutronensterne verschmelzen?

Ein Gravitationswellen-Ereignis heute um 10:18 MESZ, das mal nicht die ‚übliche‘ Verschmelzung Schwarzer Löcher verursacht haben dürfte, haben leider nur der LIGO-Detektor in Louisiana (der in Washington lief nicht) und ziemlich verrauscht VIRGO in Italien registiert: Deswegen ist die Unsicherheits-Region am Himmel auch gewaltig. Der Auslöser war entweder eine Verschmelzung zweier Neutronensterne oder aber eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch, denn die Distanz von grob 500 Mio. Lichtjahren ist enorm. In den GCN-Zirkularen ist kein klares synchrones Gammastrahlen-Ereignis wie bei der legendären Kilonova 2017 gemeldet worden (wobei der Satellit INTEGRAL vielleicht etwas Verdächtiges sah), dafür aber bereits Jagd nach einem Gegenstück bei anderen Wellenlängen: Es liegen leider rund 45’000 Galaxien in der Zone … Dies war übrigens schon das 4. GW-Event des Runs O3: Die Nr. 3 war auch wieder eine Schwarz-Loch-Fusion gewesen. [12:35 MESZ. NACHTRÄGE: was dieses Mal INTEGRAL gesehen hat … Sie glauben’s aber selbst kaum. Die ZTF hat zwei Kandidaten-Transients im Optischen (die bereits andere beobachten … und sich als Supernovae erwiesen), und Swift sucht > 700 Galaxien ab, aber insgesamt gibt es bislang kein vielversprechendes Gegenstück, allen globalen Bemühungen zum Trotz. Und es wird – ganz generell – über koordinierten Follow-Up derartiger Events nachgedacht]

Der „Asteroid“ Gault mit einem Schweif – aber schon 2013

aufgenommen mit der Dark Energy Camera am 4-m-Blanco-Teleskop auf dem Cerro Tololo, in dessen Bilderarchiv jetzt aktive Phasen überall im Orbit zwischen Perihel und Aphel entdeckt wurden, so wie hier auf halbem Weg dazwischen (was auch für die aktuelle Aktivität gilt) und ebenfalls 2016 im Peri- und 2017 im Aphel. Wenn Gaults Ausbildung von Staubschweifen die Folge von allmählicher Selbstzerstörung durch zu schnelle Rotation ist, dann wäre er – mit diesem Prozess immer wieder präsent, über Jahre hinweg – ein neuer Typ aktiver Asteroiden.

Eine weitere Nahaufnahme des Asteroiden Bennu vom 21. März mit 50 m Feldgröße, diesmal in der Nähe des Südpols in schräger Sicht, da sich OSIRIS-REx damals gerade (3.5 km hoch) über dem Äquator befand. Und unter sich dies sah.

Asteroid Ryugu vergangene Nacht aus 2.6 km Abstand, das letzte publizierte Bild (mit dem großen Krater Urashima links; eine noch krasser verarbeitete Version) während eines Abstiegs auf 1.7 km zwecks Suche nach dem Krater, den der Small Carry-on Impactor geschlagen hat. Eine Stunde wurden Nahaufnahmen der Zielregion gemacht, inzwischen entfernt sich Hayabusa 2 wieder vom Asteroiden: weitere Bilder der Navigationskamera und ein paar Updates zu dieser Operation „CRA2“. [10:45 MESZ]


23. April

Ein knapp 50 Meter großes Stück des Asteroiden Bennu

am 21. März von OSIRIS-REx aufgenommen – auch die Erwartungen an den neuen Krater auf Ryugu, was letztens auf der Mondrückseite passierte (mehr und mehr) und der weit gediehene Mars-Orbiter der UAE (mehr, mehr, mehr und mehr). Während das chinesische 2-m-Weltraumteleskop weiter 2024 starten soll und die letztes Jahr dargelegten Pläne unverändert zu sein scheinen. [13:05 MESZ] Laut dieser Nachricht wird der russische Astro-Satellit Spektr-RG (mit eROSITA an Bord) morgen nach Baikonur verfrachtet – und InSights SEISmometer hat sein erstes Mars-Beben registriert. [19:05 MESZ] Dazu JPL, CNES und NASA Releases. [23:55 MESZ. NACHTRAG: und von UK.gov sowie eine PM des MPS und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


21. April

Da explodiert der geflogene Crew Dragon bei einem Test

seiner Start-Abbruchsrakete – die er eigentlich bei einem Flug im Juni demonstrieren sollte – gestern am Cape: Eine große Rauchwolke war weithin zu sehen, und der NASA-Chef reagierte prompt. Auch das geleakte Video, aus dem die Bilder sind, und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – während in China ein Start gelungen ist: Artikel hier, hier, hier und hier. [12:35 MESZ. NACHTRAG: und hier] Die Folgen der Explosion des Dragon. [23:45 MESZ. NACHTRÄGE: hier und hier was zwei Tage danach bekannt ist (nichts Neues zu Ursache wie Konsequenzen) – der nächste Cargo Dragon ist nicht betroffen und soll am 30. starten]


20. April

Geht bei dem Wetter: Wintersterne über einem Osterfeuer

heute Abend in Witten-Herbede-Vormholz – mehr Bilder hier und in diesem Album. Auch die Sonne heute (der Fleck ist weg), gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 17. April (mehr und mehr) und an sieben und drei Tagen, der Saturn am 17. April und 7. April, der Merkur am 8. April, ein südlicher Meteor-Ausbruch, absurder Lyriden-Hype, eine Höhen-Triangulation des Aurora-Phänomens STEVE, ein Astro-Test eines 15-mm-Objektivs, eine ganz gute Erklärung des aktuellen Oster-Paradoxons – und möglicherweise Unmengen Sahara-Staub im Anmarsch. [23:55 MESZ. NACHTRAG: ein Update dazu drei Tage und ein Bild 4 Tage später plus die Hintergründe]


19. April

Wie der Galaxie ESO 137-001 ihr Gas geklaut wurde: Der blaue Overlay von Chandra-Daten macht den Verlust sichtbar, der aber auch auf dem HST-Bild angedeutet ist. Auch ein HST-Bild vom Southern Crab zum 29. Geburtstag, ein Jahr TESS in Aktion, der Komet Iwamoto aus NEOWISE-Sicht, wie MESSENGER den inneren Kern Merkurs fand, Arbeiten am 2020-er Mars-Rover der NASA, ein Video des Abstiegs des Impaktors von Hayabusa 2 [NACHTRAG: eine langsamere Version], hier und hier weitere Bennu-Nahaufnahmen von OSIRIS-REx – und hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier] diverse chinesische Pläne von Mond bis Jupiter.

Der Vulkan Mount Erebus in der Antarktis, inklusive Hotspot vom Satelliten Sentinel 2 aufgenommen – auch hier und hier Satelliten-Bilder von Notre Dame nach dem Brand, ein Paper zur Bestätigung von Global-Warming-Trends durch Aqua und die Copernicus-Satelliten auf süßer Mission. Sowie der Total-Ausfall von Intelsat 29e (mehr und mehr) – und was vom Falcon-Heavy-Core zurück kam, nachdem die Rakete auf dem Boot gestürzt war: jede Menge Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Der Einfang des jüngsten Cygnus, der nun mit der ISS verbunden ist: ein Videoclip und Artikel hier, hier, hier und hier – während der nächste Dragon auf den 30. April verschoben wurde. Auch die bevorstehende Rekord-Mission auf der ISS (Artikel hier und hier), ein sehr scharfer ISS-Transit vor dem Mond – und eine Studie hat ergeben, dass Menschen auf dem Mars 2033 nicht machbar ist. [21:35 MESZ]

In MS: „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“

18. April 2019

Am Ende stand passend der Vollmond über dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster, wo heute Abend eine Wanderausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (vom LWL-Museumsamt für Westfalen) anlässlich von 50 Jahren Apollo 11 eröffnet wurde: Es ist die erste ihrer acht Stationen in Westfalen, bis sie am 29. November 2020 (in Dortmund) endet.

Die dicht gepackte Ausstellung wird von großformatigen Schrifttafeln dominiert, die die wichtigsten Stationen der Monderkundung wie -faszination von den Anfängen der Raumfahrt bis zu den vorletzten US-Visionen (die plötzliche Hektik der letzten Wochen konnte natürlich nicht mehr abgebildet werden) streift. Aber da ist mehr: Kurator Felix Banzhaf war nach einem öffentlichen Aufruf Anfang 2018 mit persönlichen Apollo-Memorabilia aus der Region überflutet worden, so dass am Ende 60 Leihgebern gedankt werden konnte.

Das bedeutendste Original ist ein Röhrchen Mondstaub von der Apollo-15-Mission aus einer bekannten deutschen Privatsammlung

… und an tatsächlich zum Mond zurück geflogener ‚Hardware‘ gibt es von Apollo 12 eine Mondkarte und ein Stück eines Sauerstoffschlauchs, jeweils von einem anonymen Sammler.

Auch echt dieser Telex – hier konstrastgesteigert – mit der ersten AP-Meldung von der gelungenen Landung von Apollo 11 (bei Zeitmarke 102:45:40 des Transkripts) …

… und auch im Original ein paar Aggregat-4-Fragmente: ein zerborstener Mischkopf von der Oberseite der Brennkammer, ein Sauerstoff-Zerstäuber (kennen wir schon aus Peenemünde), ein Ruderzahnrad mit Kette (ebenfalls bekannt, aus Morgenröthe-Rautenkranz) und eine Raketenspitze.

Der Bezug zu Westfalen blitzt immer wieder auf: So wurden etwa Komponenten des A4 in dieser Region gefertigt, und von dort wurde sie als V2 auf Antwerpen abgefeuert. Der Astronaut Ulrich Walter stammt aus Iserlohn. Faksimiles von Lokalzeitungen zeugen von der flächendeckenden Faszination von Apollo 11. Vor allem aber wird gezeigt, wie die Wurzeln von Neil Armstrong im westfälischen Ladbergen zu verorten sind: Der erste Mensch auf dem Mond hätte auch Kötter oder Engel heißen können, wäre da nicht ein schottischer Zweig dazu gekommen …

Rare oder gar einmalige Kuriosa gibt es dank der freigiebigen Leihgeber in der Ausstellung reichlich zu sehen: etwa ein japanisches Modell der Apollo-11-Landefähre Eagle mit 7 Funktionen durch kleine Elektromotoren, ein von Thomas Felder als Kind gebautes Diorama einer Landestelle – oder das Geldspielgerät „Sputnik“ von 1960, das allerdings ein Flop war.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden im Museums-Planetarium auch mehrere Simulationen der Apollo-11-Landung gezeigt – inklusive Ausschnitten aus einem neuen Programm (der Häuser in Münster und Berlin) mit raumgreifender CGI dazu, das Ende Juni Premiere hat … und in dem Armstrongs „kleiner Schritt“ zu einem ausgesprochen großen wird:

Allgemeines Live-Blog vom 15. – 17. April 2019

15. April 2019

17. April

Noch eine Dreiviertelstunde bis zum Start der Antares mit dem Cygnus – hier heute früh – auf Wallops Island (mehr siehe weiter unten): eine NASA-Notiz, die Timeline, der Status, Artikel hier, hier und hier, und ein sehr langer Thread und ein Artikel zu zahlreichen Mini-Satelliten mit an Bord. [22:00 MESZ]

Und die Antares ist gut weggekommen – die erste Stufe hat gearbeitet, und es wird ein bisschen gecoastet, bis die zweite Stufe zündet. [22:50 MESZ] Auch das hat geklappt, und der Cygnus wurde soeben ausgesetzt – keine Live-Bilder. [22:55 MESZ] Und über den Verbleib der 61 (!) Mini-Satelliten, die nach dem Cygnus ausgesetzt werden sollten, erfährt man nichts. [23:00 MESZ]

Das erste echte Foto des Starts. [23:05 MESZ] Ein Video aus der Ferne, weitere Fotos hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier. [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Der Orbit ist gut, die Solarzellen sind draußen und auch die kleinen alle ausgesetzt – von der NASA ein Release, Features hier und hier und ein Album mit neuen Bildern, Press Releases von Northrop Grumman und zu einem der Mini-Satelliten sowie weitere Alben hier, hier, hier, hier und hier, noch mehr Fotos hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier und hier]

Wie es mit dem Event Horizon Telescope weiter geht, wurde gerade auf einem Vortrag in Heidelberg gezeigt – wo auch zu erfahren war, dass die vermeintlichen Unterschiede der M87*-Bilder von den vier Tagen im April 2017 nicht real sind, weshalb man den Mittelwert aus allen verwenden möge. Auch weiteres PR-Material hier, hier, hier, hier und hier, ein Explainer-Thread zum Spin, ein Paper von 1973 mit dem es irgendwie anfing, ein VLBI-Simulator zur Erzeugung von Bildern, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Frontpages hier und hier, ein Erklär-Stück aus Bochum und ein langer Talk auf Hawaii.

Zwei bemerkenswerte Feuerkugeln letzte Nacht hat es über dem Osten Deutschlands um 23:51 MESZ (oben ein Bild einer Feuerkugel-Kamera bei Berlin, unten eine vage 3D-Bahn-Rekonstruktion aus vielen visuellen Meldungen, auch ein Video und ein Artikel) und über Delware in den USA gegeben. Und über den sibirischen Fall vom 6. April („Eine Feuerkugel gestern über Russland …“) wird zunehmend berichtet, so etwa hier, hier und hier. [16:45 MESZ] Ein Artikel zum deutschen Fall und ein weiteres Video aus Maryland. [21:05 MESZ]

Weitere Aufnahmen des Asteroiden Bennu von OSIRIS-REx

vom März sind in den letzten Tagen veröffentlicht worden: oben zwei PolyCam-Aufnahmen mit jeweils etwa 57 Meter Breite (in der Mitte der größte Einzelfelsen auf dem Himmelskörper), unten ein MapCam-Bild eines rund 200 m breiten Feldes nahe des Südpols. Auch 5 Jahre Asteroiden mit NEOWISE, alte LADEE-Daten zu Wasser auf dem Mond, das bei Meteorschauern frei wird (nebst Artikeln hier, hier und hier), wie Daten von GRACE zum Erdschwerefeld für die Klima-Forschung nützlich sind – und Interesse von Kosmologen an einem kommerziellen Teleskop-Satelliten, der aus einem 12-fach-CubeSat besteht, mit 21 cm Öffnung gleichzeitig Himmels- und Erdbeobachtung leisten und Ende 2020 starten soll.

Eine Antares mit dem nächsten Cygnus zur ISS, der heute um 22:46 MESZ in Wallops starten soll (Wetter-Wahrscheinlichkeit 95%), beim gestrigen Sonnenaufgang: auch weitere Bilder, ein Video-Clip zur Nutzlast, was gerade auf der ISS so geforscht wird, der Tod des Astronauten Owen Garriott (ein altes Interview), der Verlust des Cores der 2. Falcon Heavy, der vom Schiff fiel (Artikel hier, hier, hier und hier), wie die ESA CubeSat-Projekte unterstützt – und mal wieder ein ‚Plan‘ für orbitale Werbetafeln abgesagt, so er denn je real war … [0:15 MESZ] Die Mond-Landung von Beresheet wurde durch ein falsches Kommando während des Abstiegs verursacht, mit dem eine Störung der inertialen Messeinheit (IMU) behandelt werden sollte, das aber in einer Kettenreaktion zur Abschaltung des Haupttriebwerks führte – auch das allerletzte Bild Beresheets (ein anderes als bisher verbreitet) und frühere Artikel hier, hier, hier und hier. [14:35 MESZ. NACHTRÄGE: ein nur etwas längeres SpaceIL-Statement und auch hier kaum Neues] Der lang ersehnte Tag ist da: Nun sind alle knapp 70’000 Aufnahmen von OSIRIS auf Rosetta über das OSIRIS Image Archive bequem zu finden. [16:20 MESZ]


16. April

Der dicke Sonnenfleck hat sich gut gehalten und kaum verändert, während des Marsches der Aktivitätsregion (1)2738 über die Sonnenscheibe, hier gesehen vom SDO-HMI heute um 1:41 MESZ: Bilder in Weißlicht, H-Alpha und Kalzium von gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr), dem 13. April (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 12. April und 11. April (mehr). Sowie eine 1000-Stunden-Amateuraufnahme der LMC, neue Verwirrung um die Lichtkurve von Gault, ein Kometen-Fragment in einem Meteoriten (mehr, mehr und mehr) – und der Wert alter Foto-Platten in der Astronomie. [2:20 MESZ]

Auf den neuesten Bildern – hier vom NOT, aber auch hier – hat sich der Komet spielende Asteroid Gault einen dritten schwachen Schweif zugelegt: Dieser Staub wurde um den 10. Februar frei gesetzt, mit deutlich geringerer Rate als bei den ersten beiden Ausbrüchen. Auch ein nettes Video einer Feuerkugel über Brasilien am 12. April, der Sonnenfleck heute hier, hier, hier und hier und im in der Bildebene des 150-Fuß-Teleskops auf dem Mount Wilson aufgenommen – und eine Rolle der IAU beim Shaw-Preis für Astronomie. [22:25 MESZ]


15. April

Der 2. Start einer Falcon Heavy – und der 1. mit Nutzlast

(und nicht nur einem roten Auto auf Mars-Kurs) – ist wie schon kurz gemeldet am Abend des 11. April Ortszeit am Cape geglückt, inklusive der intakten Landung der Core-Stufe auf einem Schiff und der beiden seitlichen an Land: Clips aus der Live-Übertragung von Start, Staging, Fins Deployment, Booster-Landung und Aussetzen des Satelliten, zahlreiche Screenshots & mehr (auch hier, hier, hier und hier), weitere Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, von ferne Start-Videos hier und hier und Lande-Videos hier, hier, hier und hier, der Start von einem Wetter-Satelliten aus (mehr), ein NASA Release, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Die Trümmerwolke einer zehn Jahre alten Raketen-Oberstufe, die letztens zerbrochen ist [NACHTRAG: eine deutsche Fassung] – und auch der aktuelle Ausfall eines Intelsat-Satelliten ging mit der Bildung einer Trümmer-Wolke einher. Ferner der Empfang einiger Sprites aus dem KickSat-2, der erste Flug des Stratolaunch-Trägerflugzeugs (auch ein Video, Fotos, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links), Press Releases hier und hier und Artikel hier, hier, hier und hier zum 1-Jahr-ISS/Zwillings-Experiment – und Yuri’s Night in Nigeria.

Der Marsrover Curiosity hat an seinem 2370. Sol den Stein ‚Aberlady‘ angebohrt. Auch eine Animation älterer Bilder von DSLWP-B im Mondorbit, der Status von Yutu II und Chang’e-4, ein neuer Versuch mit Beresheet, während die Ursache des Versagens gesucht wird (mehr und mehr), ein Q&A dazu und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und Klima-Forschung mit Satelliten-Daten von Erdbeobachter-Startups. [1:00 MESZ]

Auf dem ersten Amateur Astronomy Day der IAU

13. April 2019

Die Internationale Astronomische Union hatte geladen: in denselben Palais des Academies in Brüssel, wo sie vor 100 Jahren gegründet worden war. Und das hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar in jenem (ehemaligen Thron-)Saal stattfgefunden, in dem heute der IAU100 Amateur Astronomy Day abgehalten wurde, als Abschluss mehrtägiger Feierlichkeiten zum Jubiläum: über 100 Bilder dieses Bloggers, auch eine Auswahl und Bilder & Notizen anderer hier, hier, hier, hier, hier, hier (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und hier [NACHTRAG: und ein kurzer Bericht des Veranstalters].

Dass die IAU die Bedeutung von Amateurastronomen für Forschung wie Outreach zunehmend anerkennt, war schon auf der letzten Hauptversammlung 2018 angeklungen („Strategischer Plan der IAU nennt auch Amateurastronomen“), aber auch diesmal wurde nicht wirklich klar, was das für praktische Folgen haben würde. Zwar war die IAU-Präsidentin Ewine van Dishoeck zu Beginn wie Ende des inhaltsreichen Tages – der zeitweise in zwei Parallel-Sessions ablief – des Lobes voll, deutete aber nur an, dass vielleicht in 10 Jahren konkrete Pro-Am-Strukturen etabliert sein könnten. (Sie nahm immerhin den Vorschlag dieses Bloggers wohlwollend zur Kenntnis, verdienten Amateuren bei den sündhaft hohen Tagungsgebüren der Vollversammlungen entgegen zu kommen.)

Ein Running Gag des Tages wurde diese Amateur-Astronomen-Pyramide aus einem Vortrag der AAVSO-Direktorin Stella Kafka: Sie sind schon ein Völkchen mit großer Variationsbreite. In Brüssel standen sowohl Spitzenleistungen auf dem Programm als auch cleveres Crowd-Sourcing, um astronomisch relevante Ergebnisse zu erzielen. (Die AAVSO, einst zur Koordinationen von Amateur-Beobachtungen zur Unterstützung des Harvard Observatory gegründet, hat übrigens schon über 38 Millionen Messungen in ihrer Datenbank.)

Den erstaunlichen technischen Stand der amateurastronomischen Technik verdeutlichte Johan Knapen mit diesem Vergleich von Serien von Spektren – vor 1/4 Jahrhundert mit einem Teleskop der 4-Meter-Klasse und letztens mit einem Celestron 11. Als bedeutenden Amateur-Beitrag zu einem bekannten Stern nannte er die Pulsationen von AR Sco. Knapen verwies auch auf Dwarf Galaxy Survey with Amateur Telescopes, die besonders flächenschwache Strukturen erfassen – und die genaue Bahnbestimmung des Chelyabinsk-Boliden aus zahlreichen Dashcam-Videos: Deren Betreiber waren nun sogar Amateurastronomen ohne eigenes Zutun.

Indem er Zufallsbeobachtungen einer ganzen Reihe von Video- und Fotografen zusammentrug, konnte Jorge Zuluaga aus Kolumbien eine Fülle von Erkenntnissen über den Impakt während der letzten Mondfinsternis gewinnen, die z.T. bereits in diesem Paper stehen. Den Krater-Durchmesser berechnet er jetzt zu 8 Metern – und die Position ist ziemlich genau abgeleitet worden. Zuluaga wusste zu berichten, dass sie der Lunar Reconnaissance Orbiter nun auf der Zielliste hat. Es war nicht sein erster Erfolg mit Crowdsourcing: Vor ein paar Jahren hatte er so die Lichtgeschwindigkeit und Entfernung des Mondes bei einer Mars-Bedeckung durch denselben bestimmen können.

Im Rahmen der Tagung traten auch ein paar Fachastronomen mit aktueller Forschung auf – von denen ausgerechnet Martin Hendry vom LIGO-Projekt wohl den direktesten Bezug zur Amateurastronomie herstellen konnte, dank der nun offenen Datenpolitik des Runs O3. Nach dem ersten Ereignis am 8. April hat es gestern das nächste gegeben, erneut ein verschmolzenes Schwarz-Loch-Paar. Solcherlei Ereignisse werden jetzt etwa 1-mal pro Woche erwartet (passt), die viel interessanteren von verschmelzenden Neutronensternen etwa einmal im Jahr. Clevere Wege müssen noch gefunden werden, für das Dutzend Quadratgrad am Himmel, wo die Quelle irgendwo saß, sofort eine Liste vielversprechender Kandidaten-Galaxien zu erstellen, die dann Amateure mit größerem Gerät systematisch nach der schnell verblassenden Kilonova absuchen könnten.

Einige Prominente hatte die Sprecherliste zu bieten: etwa den Fünffach-Shuttle-Flieger und Hubble-Pfleger John Grunsfeld, der an die letzte Servicing Mission vor 10 Jahren erinnerte – und auf einer Folie eine Deorbit- Mission ca. 2035 aufführte. (Dem Vernehmen nach will er danach Überreste aus dem Meer fischen.)

Guillem Anglada berichtete über die Exoplaneten-Suche bei sonnennahen Roten Zwergen, bestätigte die mögliche Entdeckung eines 2. Planeten von Proxima Centauri (die am Tag zuvor kurios geleakt worden war, während eines offenen Live-Streams von einer anderen Tagung), deutete einen neuen Planeten eines nicht identifizierten Zwergs unter den 15 nächsten an – und wusste auch zu berichten, dass an dieser Charakterisierung von Barnards Pfeilstern etwa 10 Amateurastronomen beteiligt waren.

Und der bekannte Astro- und Nightscape-Fotograf Babak Tafreshi stellte klar, dass nichts über ein gutes Einzelbild geht – und wenn man unbedingt Bilder stacken muss, dann ausschließlich solche von exakt demselben Ort und mit derselben Brennweite. Da es allerdings selbst innerhalb The World at Night unterschiedliche Meinungen gibt, was ’noch geht‘, hat man die internen Regeln bisher nicht öffentlich gemacht.

Am Rande der Tagung präsentierte das National Astronomical Observatory of Japan ein IAU100 Telescope Kit, das im Juli für etwa 35 Euro in den Handel kommen soll: ein Mini-Refraktor mit 50 mm Öffnung und 396 mm Brennweite, das die Nachfolge des vergriffenen Galileoscope antreten soll und ebenfalls eines Extra-Stativs bedarf. Zumindest unter den ‚Laborbedingungen‘ des Saals für’s Catering machte die Optik einen guten Eindruck. Am Abend gab es übrigens noch Teleskope satt – bei einer von der Volkssternwarte MIRA organisierten Starparty auf dem Agoraplein in der innersten Innenstadt, wo natürlich nur der Halbmond ging:

Allgemeines Live-Blog vom 11. April 2019

11. April 2019

In 1/2 Stunde sollte Beresheet auf der Mondoberfläche sein

Der Webcast hat begonnen, Updates, ein ISU Press Release und weitere Vorschau-Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:55 MESZ] Die Bremszündung zum Abstieg steht bevor. [21:10 MESZ] Der Point of no Return ist passiert, die Bremsung läuft genau nach Plan. [21:15 MESZ]

Ein „Selfie“ aus 22 km Höhe über der Mondrückseite ist – mit NASA-Hilfe – soeben eingetroffen. [21:20 MESZ] Ein Problem mit dem Haupttriebwerk, Kommunikation unterbrochen … [21:25 MESZ] Die Mission ist gescheitert – offenbar ein Versagen des Haupttriebwerks, aber zumindest ist Beresheet definitiv auf der Mondoberfläche aufgeschlagen, und die Überschrift bleibt korrekt. [21:30 MESZ] Eine Eilmeldung … und der NASA-Wissenschafts-Chef kündigt an, persönlich vorbei zu schauen. [21:45 MESZ]

Das allerletzte Bild, das empfangen wurde (technische Daten fehlen) – und ein weiterer Amateurfunk-Plot der letzten Minuten, während es trotz Bruchlandung 1 Mio. $ zum Trost gibt. [21:55 MESZ] Ein Statement des NASA-Chefs und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [22:15 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und die NASA hat SpaceX beauftragt, DART zu starten, eine Raumsonde zum Asteroiden–Rammen: Die Falcon 9 soll nur 69 Mio.$ kosten. [23:30 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: hier und hier Artikel dazu sowie in Sachen Beresheet Berechnungen zum erzeugten Krater, laufende Updates des fatalen Finales und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Ein beachtlicher Brocken, der aktuelle Sonnenfleck, hier auf einem SDO-HMI-Bild von 15:23 MESZ, auch weitere Bilder von heute hier, hier und hier und gestern hier, hier und hier, ein britischer Mars von gestern mit erstaunlich viel Detail – und die starke Reaktion des Jupiter auf den Sonnenwind, von Subaru mit COMICS beobachtet. [16:10 MESZ]

Der 2. Flug und der erste mit Nutzlast der Falcon Heavy

soll heute um 2:32 MESZ beginnen: Wegen starken Höhenwinds ist das eigentlich lange Startfenster auf seine letzte Minute geschrumpft, und es sieht nicht gut aus. Ja, es gibt tatsächlich noch andere Weltraum-Themen im Augenblick: Updates und Artikel hier, hier und hier – und ein Intelsat in Not.

Eine Nahaufnahme von Bennu (der gespaltene Felsen oben ist 21 m groß), auch die ersten Papers eyes only und ein Artikel. Plus weitere aktuelle JunoCam-Verarbeitungen, eine Pressekonferenz, Press Releases hier und hier, ein Thread und ein Artikel zu ersten Ergebnissen des ExoMars TGO (namentlich keinerlei Methan-Nachweis), der israelische Mond-Lander nach einem letzten Bahnmanöver (mehr und mehr) vor der Landung heute Abend – und Artikel hier, hier, hier und hier zum amerikanischem Bemühen und eine beschleunigte Mondlandung. [1:00 MESZ] Und der Falcon-Heavy-Start ist verschoben, um einen Tag – dafür hat Dawn einen Orden gewonnen. [1:30 MESZ] Eine detaillierte Privat-Analyse des indischen Videos vom trümmerreichen ASAT-Test. [3:30 MESZ]

Ein neues Bild vom Impakt des Projektils auf Ryugu ist heute auf einer weiteren Pressekonferenz zum SCI gezeigt worden, zusammen mit ein paar anderen neuen Visuals. Auch der Kampf des DLR um den Mars-Maulwurf, mit Experimenten im Sandkasten (und heute im Missions-Blog viele Details), die ersten Detektoren für PLATO, die übernächste Exoplaneten-Mission der ESA – und auf dem Satelliten EuCROPIS werden jetzt Pflanzen unter simulierter Mond-Schwerkraft beobachtet. Derweil wird auf den zweiten Start-Versuch der 2. Falcon Heavy ab 0:35 MESZ gewartet – aber vorher kommen die Landung von Beresheet mit der Live-Sendung ab 20:45 MESZ, dem Abstieg ab 21:05 MESZ mit der Landung um 21:25 MESZ (auch Bemerkungen eines deutschen RF-Managers und Artikel hier, hier, hier und hier) und um 20:00 MESZ eine PK zum Ein-Jahres-Flug auf der ISS. [15:10 MESZ. NACHTRÄGE: dazu ein Press Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie nochmal PLATO – und der Flug der Falcon Heavy hat perfekt funktioniert, wie der Webcast und Screenshots daraus hier und hier (mit Links auch zu echten Fotos) belegen]

Live-Blog zum Event Horizon Telescope Reveal

10. April 2019

Beobachtungen, Bild-Rekonstruktionen und Simulationen zuhauf gibt es in sechs laaangen Papers, die jetzt Open Access verfügbar sind – hier eine Auswahl der interessantesten Visuals. Hier Bilder, die jeweils den Mittelwert von drei verschiedenen Rekonstruktionsverfahren darstellen (Kreis = reale Auflösung) und zeigen, dass die Strukturen stabil sind, weil mit Daten verschiedener Tage immer wieder sehr ähnliche Strukturen erscheinen. Ob kleine Unterschiede von Tag zu Tag real sind, kann man aber nicht sagen.

Frühe Rekonstruktions-Experimente an den Daten vom 11. April durch vier Teams, die gänzlich unabhängig voneinander arbeiteten und schließlich im Sommer 2018 die Ergebnisse verglichen. Wie auf der PK in Brüssel zu hören war, hat man sich sehr schnell entschlossen, alle Arbeit in die M-87-Daten zu investieren, weil darin „der Schatten“ so klar erkennbar war, während das bei Sgr A* nicht der Fall war: Auch weil bei diesem viel kleineren Schwarzen Loch die Gasbewegungen weit hektischer sind, ist die Analyse (noch) komplizierter.

Links ein Modell, das dann mit einem Gauß-Weichzeichner mit 20 µas FWHM auf EHT-Auflösung verschmiert wurde: Das tatsächlich beobachtete Bild erscheint, die feinen Detais verschwinden. In der Asymmetrie des Bildes steckt die Information, dass da etwas rotiert – ob es allerdings das Schwarze Loch selbst oder nur das Gas in seiner Nähe ist, das geben die Daten (noch) nicht her.

Die EHT-Beobachtungen passen zwar im Prinzip gut zu den Simulationen, aber in den drei Rechnungen eben stecken ziemlich unterschiedliche Rotations- und Akkretions-Parameter, während die resultierenden Bilder (unten jeweils auf EHT-Auflösung reduziert) sehr ähnlich aussehen: Aus den EHT-Daten direkt wesentliche Angaben über den Zustand des Schwarzen Lochs in M 87 zu machen, ist also nicht möglich.

Ein Single Snapshot Model-Fit zu den EHT-Daten vom 6. April 2017: „Halbmonde“ von 42±3 μas Durchmesser passen immer am besten – und es folgt auch eine Masse des SMBH von 6.5±0.7 Mrd. Sonnenmassen, was mit anderen Methoden überein stimmt. Auch weitere Press Releases von European Commission, Chandra, Amherst, Waterloo, NASA und Perimeter, eine PM der Goethe Univ., ein 17-Minuten-Video, die Momente des Reveals, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, clevere wie derbe Scherzchen hier, hier und hier – und um 17:00 MESZ hier ein weiterer Webcast zum Thema. [16:30 MESZ]

Ein Paket der NSF, weitere Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine Astronomin bei der ersten Ansicht des rekonstruierten Bildes, ein Größenvergleich (aber beachten, dass das Bild von M87* durch des SMBH eigene Schwerkraft gewaltig verzerrt erscheint), ein weiterer Webcast mit Zuschauerfragen (von Kann man das nutzen? bis Will das Universum schön sein?), eine Sammlung von Videoclips (Vorsicht: alles Simulationen, kein Sgr A* vom EHT), ein EHT-Manga, perfekt passende Memes und Gags hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine bekloppte Petition, ein Dreifach-Blackout bei der BBC und noch viel mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [21:15 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie spezielle Titelseiten hier und hier (und ein trefflicher Artikel im Kontext) und normale hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Videoclip über die frühe Verarbeitung der Daten, noch ein Clip, ein TV-Interview samt Transkript, noch mehr Video-Clips, Soundbites, das SL in der Daily Show (ab 1:40), ein bizarrer Skandal in China, ein Google Dodle, Reaktionen von Bridenstine und Rather, ein Thread, die Frage wer wieviel zur EHT-VLBI-Software beitrug (und eine sehr lange Antwort, halbwegs nüchterne Artikel hier und hier sowie ein alter Press Release dazu), die Bedeutung der chilenischen Teleskope, die geschätzte Größe anderer SL, warum „Schatten“ sagen o.k. ist, wie M 87 ins Spiel kam und dass Sgr A* das große Ziel bleibt]

Hallo, Messier 87! So sieht das EHT Dein Schwarzes Loch

mit etwa 6,5 Milliarden Sonnenmassen – trotz rund 55 Millionen Lichtjahren Distanz zu der Aktiven Galaxie von den ‚gekoppelten‘ Radioteleskopen erstaunlich gut räumlich aufgelöst, die bei 1.3 mm Wellenlänge eine Winkelauflösung von besser als 20 Mikrobogensekunden geschafft haben. Heute wird nur dieses Ergebnis des Event Horizon Telescope präsentiert, denn das Bild von Sgr A* blieb zu unscharf: zu viel geladenes Gas in der Sichtlinie, aber man arbeitet weiter dran. Aber M 87 alias Virgo A ist eine perfekte Alternative: klarerer Blick, zwar 2000-mal weiter entfernt, dafür aber auch gut 1000-mal massereicher als Sgr A* im Milchstraßen-Zentrum – dadurch ist die effektive Auflösung der Strukturen vergleichbar. Ob man das schwarze Etwas vor dem leuchtenden Gas in unmittelbarer Umgebung des Galaxienzentrums nun als „Schatten“ oder „Silhouette“ bezeichnen mag, sei dahin gestellt: Die Lichtstrahlen sind so nah an einer derartigen Masse eh extrem gekrümmt und das (Radio-)Bild zwar echt aber auch gravierend verzerrt. Und es entspricht geradezu verblüffend den Simulationsrechnungen für M 87 im Vorfeld. Die Beobachtungen gehen derweil schon weiter: Seit Ende 2018 ist auch NOEMA in den französischen Alpen Teil des weltweiten Verbundes und wird mit seinen zwölf hochempfindlichen Antennen das leistungsfähigste Observatorium des EHT auf der nördlichen Hemisphäre sein. [15:07 MESZ] Press Releases von ESO, NRAO, MPIfR, NSF, MIT, CfA und Aalto, der Moment in Brüssel und erste Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [15:15 MESZ]

Hier wird jetzt die Pressekonferenz aus Washington, DC, übertragen, die aus Brüssel beginnt gleich auf diesem Kanal und noch mehr Pressekonferenzen zum ersten Bild eines Schwarzen Lochs sind hier zu finden. Bei der Brüsseler ist jede Menge Prominenz im Saal: Morgen beginnen dort die Feierlichkeiten zum 100-Jährigen der IAU. [14:55 MESZ. NACHTRAG: In der Übertragung aus DC blitzte übrigens bereits gegen 14:27 MESZ für Sekunden das echte Bild auf – dieser Vorspann wurde aus der Aufzeichung aber nach ein paar Stunden rausgeschnitten]

Zwei Jahre nach den Messungen: Das EHT liefert heute

Zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass diese Computersimulationen in dem Paper „Viewing the Shadow of the Black Hole at the Galactic Center“ erschienen sind: zu sehen das mutmaßliche Schwarze Loch Sgr A* im Zentrum der Milchstraße, bei 0.6 mm (links) und 1.3 mm Wellenlänge rechts), für den Fall schneller Rotation (oben) bzw. keiner Rotation (unten), unter Berücksichtigung der leider ziemlich gravierenden Streuung derart kurzer Radiowellen im interstellaren Medium. Anfang 2000 hatte das MPI für Radioastronomie ob dieses Papers die Hoffnung ausgesprochen, dass „die Weiterentwicklung bereits vorhandener astronomischer Beobachtungsmethoden es Astronomen bald erlauben könnte, die verworrenen Wege von Photonen zu verfolgen, die nur um Haaresbreite den Fängen eines Schwarzen Lochs entkommen sind“: Die entscheidende Entdeckung war nämlich gewesen, dass der ‚Schatten‘ des Schwarzen Lochs vor umgebendem strahlendem Gas durch die Lichtablenkung in seinem eigenen extremen Schwerefeld winkelmäßig deutlich vergrößert wird, wenn auch nur auf etwa 50 Mikrobogensekunden.

Kommende Fortschritte in der Radiointerferometrie könnten gleichwohl in absehbarer Zeit in der Lage sein, davon tatsächlich ein echtes Bild zu machen, hoffte man damals: Dabei werden die von Teleskopen auf der ganzen Welt empfangene Radiostrahlung wellengenau aufgezeichnet und die Daten am Ende zentral zusammengeführt, wobei ein Teleskop fast von der Größe der Erde synthetisiert wird. Vor genau zwei Jahren hatte dann mit dem Event Horizon Telescope aus 8 Teleskopen der erste ernsthafte Versuch stattgefunden, den „Schatten“ tatsächlich abzubilden. Das Primärziel der koordinierten Beobachtungen bei 1.3 mm Wellenlänge war Sgr A* („Sagittarius A Stern“), wo etwa 4.5 Millionen Sonnenmassen auf kleinstem Raum vereinigt sind: Zu einem Supermassereichen Schwarzen Loch – von einer eher ruhigen Sorte – gibt es kaum eine Alternative. Aber auch das Zentrum der Galaxie Messier 87 wurde angepeilt, wo ein noch wesentlich größeres Schwarzes Loch ähnlich gut auflösbar sein könnte, und mehrere andere Galaxien standen für Vergleiche auf dem Programm. Neben am Limit arbeitender Messtechnik war auch gutes Wetter an den Teleskopstandorten für den Erfolg entscheidend – das sich tatsächlich einstellte: Rund 20 Mikrobogensekunden Auflösung waren zu erhoffen.

Und nach genau zwei Jahren sehr mühsamer Analyse-Arbeit wird nun heute um Punkt 15:07 MESZ ein erstes Resultat der 2017-er Beobachtungen enthüllt, in zahlreichen parallelen Pressekonferenzen und online: Im Prinzip sollte der Anblick ähnlich sein wie bei dem wissenschaftlich weitgehend akkurat modellierten (und Oscar-prämierten) Schwarzen Loch in dem Spielfilm ‚Interstellar‘, wenn auch natürlich bei weitem nicht so deutlich. Und es ist auch umstritten, ob die Qualität der EHT-Bilder der Kampagne 2017 (bei einer zweiten 2018 waren die Bedingungen leider deutlich schlechter) jetzt schon ausreichen wird, um eindeutig die Anwesenheit Schwarzer Löcher nachzuweisen und alle verbliebenen Alternativen auszuschließen – aber es wäre ein erster ganz großer Schritt: weitere Papers zur Abbildung Schwarzer Löcher, zum EHT und den Erwartungen hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, noch mehr Simulationen, Ankündigungen von NSF, ESO (früher), MPIfR und ALMA, Videos sehr lang, ziemlich kurz und mehr, Artikel von gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr), dem 7. April, 6. April (mehr), 4. April (mehr und mehr), 3. April, 2. April (mehr), 1. April, 29. März, 27. Januar und 11. Januar 2019, 4. Oktober, 24. März, 22. März und 14. März 2018 und 28. Dezember, 12. Oktober und 17. April 2017 – und (wann gab’s das schon mal vor einer Astro-Veröffentlichung?) Cartoons hier und hier. [1:15 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 5. bis 9. April 2019

5. April 2019

9. April

Noch mehr Spuren von Dust Devils auf dem Mars, wie auf dem Bild letztens vom Mars Express („Zahlreiche Spuren …“), aber das hier ist vom ExoMars TGO: Wo die Mini-Tornados – die sich wenig um die Topografie scheren – durchgezogen sind, ist der Staub weg, und dunklerer Boden tritt hervor. Auch die Fahrleistung von Yutu II, der erneut erwacht ist, ein weiterer Burn von Beresheet kurz vor dem Versuch der 1. Privat-Landung auf dem Mond, der Jupiter bei Junos 19. Perijovium, was das Experiment Plasma F auf Spektr R fand, das SDO und der Korona-Regen, eine neue Version von GaiaSky, medizinische Spin-Offs der Weltraum-Forschungd hier und hier und ein Jahr Gewitter-Forschung auf der ISS. Sowie ein Paper über Bakterien & Pilze auf der ISS (auch ein Press Release und ein Artikel), eine weitere EVA gestern (Artikel hier und hier), der Wettlauf bei Commercial Crew, ein weiterer Anti-SLS-Artikel (und einer zu Tests der Software der Rakete) – und die schwierige Zusammenarbeit der USA mit China und Indien in der Raumfahrt. [23:35 MESZ – Ende]

Ein fetter Einzelfleck und viele Fackeln aber wenig sonst: So präsentiert sich die Aktivitätsregion (1)2738 jetzt (ein SDO-HMI-Bild von 16:41 MESZ) – auch Amateur-Bilder von heute und gestern hier, hier, hier (vorher live übertragen), hier und hier, die Magnet-Struktur und H-Alpha-Beobachtungen hier, hier, hier und hier. Sowie eine Grafik zur Zyklus-25-Progniose, das Wetter 5 Jahre vor der SoFi 2024 hier, hier und hier (der Statistik entsprechend mit Mexiko weit vor den USA) – und scharfe Jupiters von gestern und der vor 3 Tagen aus Australien. [17:25 MESZ]


8. April

Zum 1. Mal ein Gravitationswellen-Event live für alle Welt

hat es heute Abend gegeben, der erste Eintrag in der neuen Tabelle „GraceDB“, der Gravitational Wave Candidate Event Database des LIGO-Projekts: Die ist öffentlich sichtbar, seit vor genau einer Woche der dritte Beobachtungs-Run von 2 x LIGO + VIRGO begann (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr und Artikel hier, hier, hier, hier und hier), mit der zuletzt kontraproduktiven Geheimnistuerei ist es endlich wie versprochen vorbei. Der heutige Treffer geht nach Instant-Analyse auf die Fusion zweier Schwarzer Löcher zurück (Neutronensterne passen nicht): Das war auch zu erwarten, da dies die am häufigsten erwartete Quelle für den Run „O3“ ist. Und die ersten fünf Follow-Up-Meldungen bei diversen elektromagnetischen Wellenlängen – von AGILE, J-GEM, FERMI, Integral und HAWK – sowie eine Meldung vom Neutrino-Detektor IceCube sind schon da, erwartungsgemäß alle negativ. Von vor O3 noch ein Artikel zum GWTC-1, dem Katalog aller Ereignisse von O1 und O2, ein aktuelles Paper zum „US Program in Ground-Based Gravitational Wave Science: Contribution from the LIGO Laboratory“, eine PM der GSI, Press Releases von LSU, LIGO, UKRI und NSF und Artikel hier, hier und hier. [23:15 MESZ] Der erste detailliertere LIGO-Bericht zum Event: Wahrscheinlichkeit für Schwarz-Loch-Paar > 99%, Distanz 1.5±0.4 Gpc. [23:50 MESZ]


7. April

Beachtliche Sonnenfleckengruppe vom März wieder sichtbar

Was erst kurz vor dem Verlassen der Sichtbaren Scheibe als Aktivitätsregion (1)2736 entstanden war (ganz unten), ist nun als AR (1)2738 wieder da: Hier ein SDO-HMI-Bild der Gruppe von 23:29 MESZ, auch eine Amateur-Aufnahme. Die Flare-Aktivität ist nur mäßig, aber Effekte sind messbar. Unterdessen gibt es eine ‚amtliche‘ Prognose für den nächsten Zyklus (langes Minimum, dann so hoch wie der letzte), während die Aktivität der letzten 400 Jahre immer besser rekonstruiert wird. Und in Messier 51 treibt seit Monaten ein Supernova-Impostor sein Unwesen (mehr und mehr), der öfters mal auf’s Neue entdeckt wird (ein weiterer Fall).

Eine Feuerkugel gestern über Russland, von der es ein beeindruckendes Video gibt (hier ein Ausschnitt aus einem Standbild) – auch bildreiche Feuerkugeln über den USA am 4. April (mehr) und in der Nacht 30./31. März (mehr und mehr) sowie Gault gestern, der Jupiter am 25. und 24. März, Sonne, Mond und Meer als Teil einer „seismischen Sonde“ für die Erde, alte aber schöne All-Sky-Bilder eines STEVE, NLC-Beobachtung mit einem Stratosphären-Ballon, positive Reaktionen in Sachen Lichtverschmutzung, eine diesbezügliche Initiative in Massachussets und Zoff im US-Amateur-Teleskophandel … mit China. Plus First Light für DESI-Linsen, Fortschritte beim LSST, die ESO mal wieder vorn – und der österreichische Astronom Thomas Posch ist mit nur 45 Jahren verstorben: das letzte Foto dieses Bloggers von ihm, aus diesem Album. [23:10 MESZ]


6. April

Eine irre Show über Nordeuropa durch NASA-Raketen

ist heute Nacht von einem großen Gebiet in Nordnorwegen und -schweden aus beobachtet worden, und nur die wenigsten hatten die Ankündigung der Experimente vom März auf dem Schirm – oder beim norwegischen Andøya Space Center bei Andenes auf Vesterålen die konkreten Zeitangaben (inzwischen gelöscht) entdeckt. Entsprechend verwirrt waren die ersten Berichte und Online-Threads hier, hier oder hier, aber binnen vielleicht 1/2 Stunde schaffte die ‚Schwarm-Intelligenz‘ der sozialen Medien Klarheit, und inzwischen hat auch die NASA selbst den Zusammenhang bestätigt. In other news gibt es am heutigen Tag um 23:59:42 UTC einen „GPS 1024 Week Rollover“, erst den zweiten seit 1980: Artikel hier, hier und hier. Und in Sachen Nachthimmel haben Fulda sein Zertifikat als International Dark Sky Community und die Eifel die endgültige Anerkennung als International Dark Sky Park erhalten – auch weitere Dark-Sky-Artikel hier und hier und das Paper „Lighting Professionals versus Light Pollution Experts?“ [2:10 MESZ] Bilder vom Start der Raketen, die für die Lichtshow sorgten – von der in diesem Artikel ein Echtzeit-Video enthalten ist. [3:10 MESZ] Und ein Zeitraffer der Show. [4:15 MESZ] Weitere Bilder hier, hier und hier. [9:35 MESZ] Mehr Funde hier, hier, hier, hier und hier. [16:05 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier (Video vom Start), hier (u.a. gefilmt von einem Schiff), hier (Interpretation der Erscheinungen), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und der GPS-Rollover hat z.B. 15 Boeing 787 in China und auch andere Flieger erwischt …]

Beachtliche Aufnahmen einer Kamera auf EgyptSat-A nach seinem problematischen Soyuz-Start am 21. Februar – auch das Static Fire der nächsten Falcon Heavy, ein weiterer SLS-Triebwerks-Test (und tiefe Gedanken zur Mond-Vision), die nächste ISS-EVA am 8.3 – und mit Vorliegen konkreter Orbits eine verfeinerte Prognose des Schicksals der Trümmerwolke nach der indischen Satelliten-Zerstörung, die ein spürbares Risiko darstellt: auch als Threads hier und hier [NACHTRAG: und ein Propaganda-Video der Inder, schon hier und hier analysiert].

Auch von Bennu gibt’s nun ein neues Bild, aufgenommen von OSIRIS-REx am 29. März – plus die Bahnabsenkung von MAVEN als künftiger Mars-Relais-Satellit, Fortschritte beim ExoMars-Rover, BepiColombo bereit für Cruise-Science, ein NASA-Blog-Eintrag und ein Artikel zum Perihel der Parker Solar Probe, die Sonnen-Korona-Bilder von GOES 16, die das SDO ergänzen, die Rolle von Aeolus für Vorhersagen und die Bewahrung des Daten-Schatzes bei der ESA. [1:15 MESZ]


5. April

So sah die DCAM3 den Impakt des Projektils auf Ryugu!

Die Ankunft des Bildes – oben ein Ausschnitt – wurde im Kontrollzentrum frenetisch gefeiert: Zu sehen sind Ejekta unmittelbar nach dem Einschlag. Die Kamera, ist nun abgeschaltet, hat aber noch mehr geliefert. Unten der abfliegende SCI aus Sicht der Weitwinkel-Navigationskamera; es ist alles genau nach Plan verlaufen. [13:55 MESZ] Wie einem langen japanischen Artikel zu entnehmen ist, entstand das Bild 1-2 Sekunden nach dem Impakt, die asymmetrischen Ejekta flogen da 70-80 m hoch, und der neue Krater sollte mehrere Meter groß sein. Auch JAXA Releases in Englisch hier, hier und hier und auf Japanisch, eine Pressekonferenz, weitere/frühere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und beim Eintritt Beresheets in den Orbit um den Mond sind Bilder seiner Rückseite entstanden, auch mit der Erde. [15:15 MESZ. NACHTRÄGE: eins davon ordentlich bearbeitet. Der Mond-Orbit ist exzellent nach dem Einschuss, während ein schwedisches Bodensegment lauscht – und weitere Artikel zu Hayabusa 2 hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Das mutmaßlich letzte Bild im „Live“-Stream von Hayabusa 2, das bereits den Schatten der Raumsonde im direkten Oppositionsbereich links zeigt und um 3:21 MESZ empfangen wurde. In Sondenzeit sollte der SCI bereits unterwegs sein, aber die Signallaufzeit beträgt 17 Minuten. Auch ein Slide aus dem Webcast zur Sicherheit des Sprengstoffs an Bord … [4:05 MESZ] Ein Tweet klingt nach erfolgreichem Abwurf und Rückzug Hayabusas, aber die Gesichter im Kontrollraum bleiben angespannt. [4:30 MESZ] Nach diesem Newsflash hat die Abtrennung geklappt, und im Webcast ist von der korrekten „Flucht“ Hayabusas danach die Rede. Man guckt jetzt was zufriedener … [4:35 MESZ] Auch die Kamera ist unterwegs. [4:40 MESZ] So ist es – und die Explosion müsste bereits passiert sein. [4:45 MESZ] Der Kamera-Satellit hat gearbeitet, das weiß man schon – aber ein Bild gibt’s so schnell nicht. [4:55 MESZ] Auch Hayabusa 2 geht es gut (viel Applaus), aber weiter keine Bestätigung des Impakts. [5:00 MESZ] Der Webcast endete um 5:30 MESZ ohne Erkenntnisse, dito im Hayabusa-Twitter-Feed. [5:45 MESZ]

Hayabusa 2 schlägt zu: Ryugu bekommt einen neuen Krater

heute Nacht. Die entscheidende Phase der Manöver – die Grafiken aus Briefing-Unterlagen mögen seine Komplexität andeuten – findet nach dem Zeitplan ab 3:56 MESZ (Sonden-Zeit, entspricht 4:13 MESZ Erd-Empfangs-Zeit) mit der Abtrennung des Small Carry-on Impactor (SCI) in 500 m Höhe statt. Um 4:14 (4:31) MESZ wird noch eine kleine Kamera-Sonde, DCAM3, abgeworfen (wobei selbst wieder eine Mini-Kamera zuschaut), und Hayabusa 2 zieht sich sicherheitshalber auf die andere Seite Ryugus zurück. Und um 4:36 (4:53) MESZ explodiert der SCI (es sind 9.5 kg Plastik-Sprengstoff an Bord!) und schießt dabei eine 2-kg-Kupferplatte mit 2 km/s in den Asteroiden. Das Zielgebiet war bereits vor zwei Wochen aus 1.7 km Höhe ausgiebig inspiziert worden, so dass der frische Krater bei der nächsten Inspektion in drei Wochen auch erkannt werden kann (die Zielgenauigkeit des SCI beträgt nur etwa 200 m) – ob dort dann allerdings später auch eine Landung und erneute Proben-Aufnahme erfolgt, entscheidet sich erst nach weiterer Beurteilung der Sicherheit dort. Auch Aufnahmen während des Abstiegs zum SCI-Aussetzen, die Bilder zu einem Hayabusa-Paper in voller Qualität verfügbar (was bei OSIRIS-REx nicht der Fall ist) und Artikel hier, hier und hier. [1:15 MESZ] Während der SCI-Operationen wird über Canberra statt Usuda kommuniziert: Zu viel Wind in Japan! [1:35 MESZ] Das aktuelle Bild der Navigationskamera, stark verarbeitet, der SCI ist scharf – und hier läuft der JAXA-Webcast, noch ohne englischen Kommentar. [3:05 MESZ] Nun hat er begonnen – und das nächste Bild. [3:30 MEZ] Ein Modell von DCAM3 im Maßstab 1:1 aus dem Webcast. [3:50 MESZ]

Das dreidimensionale Bild des Asteroiden Bennu (Anklicken -> Er rotiert) aus 11 Millionen Messungen mit dem OSIRIS-REx Laser Altimeter (OLA) vom Februar aus weniger als 2 km Höhe: So niedrig wurde ein anderer Himmelskörper noch nie umkreist. Der Unterschied zwischen hoch (rot) und tief beträgt 60 Meter; es gibt noch Lücken.

Ein Transit von Phobos vor der Sonne am 26. März von Curiosity auf dem Mars gefilmt (eine Animation dahiner) – und auch ein Deimos-Transit, plus Erkenntnisse zum Methan auf dem Mars.

Ein kurioser Zyklon auf dem Jupiter auf einer JunoCam-Aufnahme vom 12. Februar, natürlich in energischer Amateur-Verarbeitung (im letzten Schritt auch durch diesen Blogger) – und die Parker Solar Probe vor dem 2. Perihel, auch im Kontext der Helios-Missionen vor über 40 Jahren sowie GPX für MMS in Rekordhöhe. [1:15 MESZ]

Beresheet im Orbit um den Mond – Landung in einer Woche

Problemlos hat sich die israelische Mondsonde gestern in eine Ellipsen-Bahn um den Mond gebremst: die Szene im Kontrollzentrum, ein Press Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und frühere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und der Schaden an Chandrayaan-2, der den Start verschieben wird.

Der Start von Прогресс МС11 zur ISS gestern: ein Bild von derselben aus, ein Roskosmos-Film und eine bemerkenswerte Aufnahme aus einem Roskosmos-Album – auch weitere Video-Clips, der Aufstieg aus Perspektive der Rakete, Phasen des Andockens hier und hier nur zwei Orbits später, weitere Screenshots aus der russischen Übertragung (die amerikanische war Käse) und Artikel hier, hier und hier.

Sechs Stunden später schon der nächste Soyuz-Start, diesmal in Französisch-Guyana mit 4 Satelliten: ein Ausschnitt und Screenshots aus dem Webcast und Artikel hier und hier – auch hier, hier und hier über ein Static Fire des Raptor. [1:15 MESZ. NACHTRAG: eine NASA-Notiz und Fotos von der ISS zum Progress-Flug]

Wie die zwei Schweife von Gault funktionieren

4. April 2019

Letztens haben sich, wie bereits kurz erwähnt, drei Papers der kuriosen Staubschweife angenommen, die sich der grob 4 km große und ansonsten völlig normale Hauptgürtel-Asteroid (6478) Gault zugelegt hat: hier Bilder vom 10-Meter-GranTeCan auf La Palma vom 14. Januar und 15. Februar, vom Hubble Space Telescope vom 5. Februar und von der 1-Meter-Optical Ground Station der ESA auf Teneriffa vom 8. Februar und 7. März.

Die drei Papers sind sich einig, dass Gault kein durchgehend aktiver Komet geworden ist, sondern dass beide Schweife aus Staub bestehen, der bei zwei zeitlich begrenzten Ereignissen frei gesetzt: Das passt auch zu der besten Langzeit-Lichtkurve Gaults hier von der Zwicky Transient Facility, mit zwei deutlichen Maxima um den 18. Oktober und 24. Dezember 2018 (in zwei Farben; x = Tage relativ zum 1. Januar) weit über dem Trend (gestrichelte Linien), der sich aus der Helligkeitsentwicklung davor ergeben hätte.

Die zwei impulsiven Staubfreisetzungen (rund 20’000 Tonnen Ende Oktober / Anfang November 2018 und 1000 Tonnen Ende Dezember / Anfang Januar 2019) folgen genau so aus der Anwendung der klassischen Theorie der Staubschweife nach Finson & Probstein auf ausgewählte Bilder des Neu-Kometen: Hier sind die Synchronen und Syndynen (Linien zur gleichen Zeit abgesonderten Staubs bzw. von Teilchen mit demselben Verhältnis β von Strahlungsdruck und Gravitations) auf das Hubble-Bild vom 5. Februar und ein Bild der Zwicky Transient Facility von 8. Februar gelegt. Wir haben es demnach mit ziemlich großen Teilchen zu tun, die sich von Gault ohne nennenswerte Anfangsgeschwindigkeit getrennt haben, und die dann der Strahlungsdruck langsam von ihm fort drückte.

Und hier exklusiv von einem der Autoren – Fernando Moreno – für Skyweek gerechnete Modelle für den stark veränderten Anblick Gaults auf dem Hubble-Bild vom 22. März, für den die inzwischen veränderte Sicht-Geometrie gesorgt hat: oben für isotrope Freisetzung des Staubs, unten für dessen Abstoßung vornehmlich in der Äquatorebene eine senkrecht zur Bahnebene rotierenden Objekts, was besser passt. Das spricht für eine Erklärung der Staubfreisetzung aufgrund allmählichen Zerfalls des durch den YORP-Effekt zu schnell rotierenden Asteroiden …

… für die sich auch die Autoren eines anderen Papers stark machen: Sie sehen in der Fotometrie Gaults (oben vom William Herschel Telescope, dem Himalayan Chandra Telescope und dem ESA-Teleskop; y-Achse = detrendete Helligkeit, x-Achse = 6 Stunden) ein deutliches Ein-Stunden-Signal (unten die entsprechenden Lomb-Periodogramme), was sie als Rotation mit 2 Stunden Periode und zwei Maxima interpretieren. Das wäre in der Tat an der Grenze des Zerbrechens (3 Stunden für einen Kometenkern dieser Größe, 2 Stunden für einen Asteroiden), mit „Erdrutschen“ und dem sanften Abflug von kleinen Bruchstücken. Die anderen beiden Papers finden allerdings keinerlei Periodizität in ihren Fotometrie-Serien. Und in einem wird – rein statistisch – argumentiert, dass ein YORP-Zerbrechen weniger wahrscheinlich sei als ein alternatives Szenario: Danach fusioniert hier gerade ein Doppelkörper, dessen Hälften sich bereits berühren, und dabei wird der Staub frei. Aktuelle Bilder Gaults mit kleinen Geräten gibt’s von heute, vom 1. April, 31. März (mehr), 30. März (mehr und mehr) und 29. März.

Ein weiterer aktiver Asteroid aus der Theobalda-Familie ist P/2017 S5 (ATLAS), den eine Analyse letztes Jahr dieser 7 Mio. Jahre alten Asteroiden-Familie zuschreibt, zu der auch der aktiv gewordene Asteroid P/2016 J1 (PANSTARRS) gehört: Damit gibt es bereits drei Asteroiden-Familien mit mehr als einem aktiven Asteroiden unter den Mitgliedern. • Der Komet mit der sonnenfernsten bekannten Aktivität ist C/2010 U3 (Boattini), der bereits in 25.8 au Sonnenabstand eine Koma hatte, für die superflüchtige Eise gesorgt haben dürften (denn er war das letzte Mal vor ~2 Mio. Jahren im Perihel). 2009 und 2017 gab es Ausbrüche. • Alle ~2 Milliarden Jahre im Schnitt trifft ein 12-km-Centaur aus dem äußeren Sonnensystem Venus und Erde, was über 100 km große Krater gibt (und alle ~15 Mio. Jahre ein 1-km-Centaur), so eine Berechnung letztes Jahr (eine PM dazu): Der Großteil der Centauren verlässt aber rasch das Sonnensystem.

Drei Alien-lose Interpretationen der Natur von ʻOumuamua

ohne die provokative wie extreme Deutung als Raumschrott oder Sonnensegel Außerirdischer (zur frühen Diskussion dazu mehr Links; „Von Astronomen und Aliens …“) sind in den letzten Monaten veröffentlicht worden: Bewiesen werden kann leider mangels hinreichender Beobachtungs-Daten auch davon keine, aber der erste kurz beobachtete extrasolare Gast des Sonnensystems wäre jeweils ein noch vergleichweise natürlicher Himmelskörper:

Seligman & Laughlin (auch ein Press Release) erklären die Beschleunigung weg von der Sonne durch einen Raketeneffekt mittels einer ‚Düse‘, die auf dem länglichen Körper dem Subsolar-Punkt folgte, während dieser hin und her pendelte, was wiederum die Lichtkurve fittet – während seines kurzen Aufenthalts im inneren Sonnensystem verlor ʻOumuamua in diesem Szenario 1/10 seiner Masse.

Moro-Martín sieht in ʻOumuamua einen fraktalen Körper, der im Außenbereich eines anderen Sonnensystems durch sanftes Wachstum aus eisigen Staubpartikeln entstand: Das würde eine extrem geringe Dichte (10^-5 g/cm³) zur Folge haben, und der Strahlungsdruck der Sonne würde wie in der Sonnensegel-Spekulation ausreichen, um die beobachtete Beschleunigung zu erklären.

Sekanina wiederum lässt zwar ebenfalls den Strahlungsdruck die Beschleunigung besorgen, hält ʻOumuamua aber gar nicht für einen festen Körper sondern für ein „monstrous fluffy dust aggregate“, entstanden durch katastrophalen Zerfall des Körpers im Anflug auf’s Perihel – dies habe er nämlich auf seiner Bahn gar nicht überstehen können. Was das Sonnensystem verließ, wäre dann etwas ganz anderes gewesen als was herein kam.

Noch zwei weitere kürzliche ʻOumuamua-Papers vom Interesse: Pfalzner & Bannister sehen das interstellare Medium voller vergleichbarer Himmelskörper – die mithin auch (zu Millionen!) in protoplanetaren Scheiben schon vorhanden sein müssten und bei der Planetenbildung eine gewichtige Rolle spielen könnten. Abgesehen von den ersten Scheiben natürlich, die ja als Quellen gebraucht werden, um die Brocken in Massen (wie Löwenzahn, wie es poetisch in dem Paper heißt) in den Raum zu schleudern. Und Eubanks sieht, zur Sonnensegel-artigen Spekulation zurückkehrend, die Möglichkeit, dass derartige Objekte im ISM den fünf großen galaktischen Strömungen per Reibung eingefangen würden: Dann hätten wir einen Hinweis, aus welchen Richtungen mehr als als anderen Richtung Sonnensystem unterwegs sind und systematischer suchen. Auch ein seltsames Paper von Siraj & Loeb zur Gestalt ʻOumuamuas und Artikel von gestern, dem 1. April, 24., 20., 12. und 7. März, 27. und 4. Februar, 26., 25., 17., 16., 15. (mehr), 10. und 7. Januar 2019 und 19. Dezember 2018.