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In MS: „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“

18. April 2019

Am Ende stand passend der Vollmond über dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster, wo heute Abend eine Wanderausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (vom LWL-Museumsamt für Westfalen) anlässlich von 50 Jahren Apollo 11 eröffnet wurde: Es ist die erste ihrer acht Stationen in Westfalen, bis sie am 29. November 2020 (in Dortmund) endet.

Die dicht gepackte Ausstellung wird von großformatigen Schrifttafeln dominiert, die die wichtigsten Stationen der Monderkundung wie -faszination von den Anfängen der Raumfahrt bis zu den vorletzten US-Visionen (die plötzliche Hektik der letzten Wochen konnte natürlich nicht mehr abgebildet werden) streift. Aber da ist mehr: Kurator Felix Banzhaf war nach einem öffentlichen Aufruf Anfang 2018 mit persönlichen Apollo-Memorabilia aus der Region überflutet worden, so dass am Ende 60 Leihgebern gedankt werden konnte.

Das bedeutendste Original ist ein Röhrchen Mondstaub von der Apollo-15-Mission aus einer bekannten deutschen Privatsammlung

… und an tatsächlich zum Mond zurück geflogener ‚Hardware‘ gibt es von Apollo 12 eine Mondkarte und ein Stück eines Sauerstoffschlauchs, jeweils von einem anonymen Sammler.

Auch echt dieser Telex – hier konstrastgesteigert – mit der ersten AP-Meldung von der gelungenen Landung von Apollo 11 (bei Zeitmarke 102:45:40 des Transkripts) …

… und auch im Original ein paar Aggregat-4-Fragmente: ein zerborstener Mischkopf von der Oberseite der Brennkammer, ein Sauerstoff-Zerstäuber (kennen wir schon aus Peenemünde), ein Ruderzahnrad mit Kette (ebenfalls bekannt, aus Morgenröthe-Rautenkranz) und eine Raketenspitze.

Der Bezug zu Westfalen blitzt immer wieder auf: So wurden etwa Komponenten des A4 in dieser Region gefertigt, und von dort wurde sie als V2 auf Antwerpen abgefeuert. Der Astronaut Ulrich Walter stammt aus Iserlohn. Faksimiles von Lokalzeitungen zeugen von der flächendeckenden Faszination von Apollo 11. Vor allem aber wird gezeigt, wie die Wurzeln von Neil Armstrong im westfälischen Ladbergen zu verorten sind: Der erste Mensch auf dem Mond hätte auch Kötter oder Engel heißen können, wäre da nicht ein schottischer Zweig dazu gekommen …

Rare oder gar einmalige Kuriosa gibt es dank der freigiebigen Leihgeber in der Ausstellung reichlich zu sehen: etwa ein japanisches Modell der Apollo-11-Landefähre Eagle mit 7 Funktionen durch kleine Elektromotoren, ein von Thomas Felder als Kind gebautes Diorama einer Landestelle – oder das Geldspielgerät „Sputnik“ von 1960, das allerdings ein Flop war.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden im Museums-Planetarium auch mehrere Simulationen der Apollo-11-Landung gezeigt – inklusive Ausschnitten aus einem neuen Programm (der Häuser in Münster und Berlin) mit raumgreifender CGI dazu, das Ende Juni Premiere hat … und in dem Armstrongs „kleiner Schritt“ zu einem ausgesprochen großen wird: