Allgemeines Live-Blog vom 29.April – 3.Mai 2019


3. Mai

So sieht das Australiens ASKAP die Radiogalaxie Fornax A

alias NGC 1316 in polarisierter Strahlung, um Magnetfelder zu untersuchen: eine weitere Demonstration während der schrittweisen Inbetriebnahme des Interferometers aus 36 Antennen à 12 Metern. Auch eine aktuelle Supernova in Messier 100 (15 mag.), eine weitere in NGC 3254, der langsam verblassende SN-Impostor in M 51 und Action auf der ‚Rückseite‘ der Sonne, die übrigens auch helioseismologisch überwacht wird, von SDO und GONG: Die Aktivitätsregionen kommen bald wieder auf die Vorderseite. Und schließlich von der Planetary Defense Conference wie das eVscope beim NEO-Follow-Up helfen könnte [NACHTRAG: wie das gehen soll], noch ein Chat, vom Rollenspiel zum Impakt-Szenario die Tage vier (ein 60-m-Brocken weiter auf sicherem Erdkurs nach nur halb erfolgreicher Abwehr) und fünf (die Zerstörung von New York City steht bevor; gerade läuft die Abschluss-Debatte) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:55 MESZ. NACHTRAG: und später hier] Das PDC-Rollenspiel wird aufregend: New Yorker Wutbürger beklagen sich, dass keiner sagt, was los ist … [18:05 MESZ] Interessante Frage aus dem Publikum: Jetzt habt Ihr Denver gerettet – und New York zerstört. Wer bezahlt? Vage Antwort: Die Entscheidung für den Abwehr-Versuch wurde international getroffen. [18:30 MESZ] Auch ’ne gute Frage: Sollte man New York überhaupt wieder aufbauen – oder in einen Krater-Park verwandeln? [18:40 MESZ] Und siehe da: Alles schon mal da gewesen … [18:50 MESZ] Das Buch ist von 1954. Und bei der Abschluss-Diskussion der Tagung wird um mehr Interaktivität, mehr Chaos und mehr Vorlauf beim Planspiel gebeten. [20:40 MESZ] Am Schluss noch drei verabschiedete Statements, zum Apophis-Besuch in 10 Jahren und den Sonden-Vorschlägen HERA und NEOCam. [20:55 MESZ – Ende]

Der Ries-Krater aus Sicht eines Sentinel-Satelliten: Der Rand des vor 15 Mio. Jahren entstandenen Astroblems ist durch Waldgebiete grob umrissen, während der Kraterboden voller Felder (und der Stadt Nördlingen) ist. Auch die weiter üblen Folgen des indischen ASAT-Tests hier, hier und hier visualisiert, das Versagen eines Nonsense-Satelliten, der direkt zu Raumschrott wurde – und die heutige Verschiebung eines Cargo-Dragon-Starts um knapp 24 Stunden wegen v.a. Problemen mit einem Drohnen-Boot: Artikel hier, hier und hier. [17:30 MESZ]

Beide Gravitationswellen-Exoten leider ohne Gegenstücke

Eine Woche nach den zwei LIGO/Virgo-Ereignissen mit Neutronen-Stern-Beteiligung sind es leider nur Kandidaten geblieben: In den Zonen am Himmel, wo die mutmaßlichen Quellen der Gravitationswellen saßen (hier eine neue Darstellung zum Event am 26. April, bei dem wegen seiner Schwäche die Wahrscheinlichkeit für ein Nicht-Ereignis höher ist, die Zone aber nur 3% des Himmels umfasst; auch die entsprechende Karte für den 25. April von der vielversprechenderen der zwei möglichen Zonen), wurde trotz enormer Investition von Teleskopzeit in beiden Fällen kein Gegenstück gefunden. Der Erfolg vom August 2017 hat sich damit nicht wiederholt, aber wenigstens konnte die Öffentlichkeit diesmal live zuschauen. Wie auf einer Telecon für Wissenschafts-Journalisten gestern berichtet wurde, wird man die Ereignisse nun allein anhand der Gravitationswellen bewerten und publizieren, was besonders beim verrauschten zweiten dauern kann. Erwartet wurden für den Run O3 zwischen einem Neutronen-Stern-Event im Jahr und einem pro Monat: Da die Detektoren jetzt praktisch die volle erhoffte Empfindlichkeit haben, gilt nun die letztere Prognose, und zumindest ein Treffer im Monat #1 – dem noch 11 folgen sollen – würde statistisch schön passen. In den nächsten 5 Jahren soll die Empfindlichkeit um einen weiteren Faktor 2 bis 3 hoch getrieben werden, was ein Fenster zu sogar noch weiteren Klassen kosmischer Objekte öffnen könnte: ein aktueller Vortrag des LIGO-Chefs, dessen vorletztes Slide und zu den April-Kandidaten Press Releases hier [alt., alt., alt.], hier und hier, eine Pressemitteilung und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:55 MESZ] Und hier, hier, hier und hier. [10:50 MESZ. NACHTRÄGE: und hier und hier]


2. Mai

Und wieder ein perfekter Flug des New Shepard heute, der nach ersten Berechnungen bis in 105.6 km Höhe und damit nach allen Definitionen in den Weltraum führte: die Aufzeichnung des Webcasts, Ausschnitte hier und hier, Screenshots hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier und hier]. Nach erfolgreicher Reparatur der ISS-Elektrik ist der Start des nächsten Cargo Dragon nun für morgen um 9:11 MESZ geplant. Und von der Pre-Launch-PK ein knapper Update [NACHTRÄGE: ein längeres Video und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier] zum Test-Unfall mit dem ersten Crew Dragon: Die Explosion, die ihn zerstörte, erfolgte unmittelbar vor der Zündung der Abbruch-Raketen.

Sonnenaufgang auf dem Mars am 24. April, gesehen von der Instrument Deployment Camera (IDC) von InSight am Beginn seines 145. Marstages: Beide Kameras haben den Tagesgang der Sonne verfolgt. Auch ein offizielles neues Startfenster für Chandrayaan-2 (9.-16. Juli, Mondlandung 6. September; Artikel hier und hier und zuvor hier und hier, das Hubble Legacy Field mit rund 265’000 Galaxien (mehr und mehr) – und wie Beobachtungen Gaias von der Erde aus wiederum dessen Sternkatalog verbessern. [17:20 MESZ]

Ein Schägblick von Süden auf den Äquator von Norden von Asteroid Bennu am 28. März, Breite des Bildfelds etwa 50 Meter, Größe des Felsens oben links etwa 14.5 Meter. Die Veröffentlichungs-Strategie und Sortierung der Bilder in der OSIRIS-REx-Galerie will sich nicht recht erschließen; weitere sehenswerte Neueingänge sind jedenfalls dieses, dieses und dieses Bild, alle ebenfalls vom 28. März mit der PolyCam. Ein Größenvergleich mit dem Orbiter und einem Astronauten zeigt, wie schwierig das Terrain ist! Außerdem Erkenntnisse über die Rolle von Staub auf dem Mars und den großen Staubsturm von 2018. [23:15 MESZ]


1. Mai

Die Galaxie Messier 100 im nahen IR und mm-Bereich (VLT HAWC bzw. ALMA bei 1.2 mm, in rot) aus dem Programm „Physics at High Angular resolution in Nearby GalaxieS“ (PHANGS) – auch Oral History zu Keck (den Anfängen) und ein Alarm-Ruf in Sachen astronomische Daten und Notwendigkeit ihrer Digitalisierung. Ferner Gault gestern, Jupiter heute, gestern und am 28., 27., 20., 12. und 8. April, ein Vortrag zum Nutzen von SoFis, ein schöner ISS-Transit der Sonne und mal eine Reportage von Aurora-Jagd. Und von der Planetary Defence Conference (alle Vorträge) ein Poster, die Impakt-Simulation am Tag 2 (P_Impakt=10%) und Tag 3 (Denver im Visier), Artikel hier und hier, ein weiterer Chat – und wieder keinerlei MASCOT-Bilder von der Ryugu-Oberfläche … [23:55 MESZ]

Das war die gesamte Reise des Mars-Rovers Opportunity 2004 bis 2018, insgesamt 45.16 km. Auch der Ärger mit dem Europa Clipper, ein Eis-Feature auf Titan, eine chinesische Sample-Return-Mission zu 2016 HO3, der die Erde begleitet, Erkenntnisse von Swarm zum Erdmagnetfeld, die Ursache zweier NASA-Fehlstarts vor Jahren von zwei kleinen Wissenschafts-Missionen [NACHTRAG: mehr, mehr und mehr], die Suche nach der Ursache des Intelsat-Disasters, warum Indiens ASAT-Test rücksichtslos war (mehr), 60 Jahre GSFC, die Probleme mit ICARUS auf der ISS und die Verschiebung des nächsten Cargo Dragon auf frühestens den 3. Mai, weil es elektrische Probleme auf der ISS gibt: Artikel hier, hier, hier (früher), hier und hier (früher). Und die NASA hat einen vagen Plan in Sachen Mond-Landung schon 2024: weitere Artikel im Kontext vom 28., 27., 26. (mehr), 25. (mehr und mehr), 23., 19., 17., 16., 15., 14. und 11. April (mehr) und 27. März. [15:05 MESZ] Eine detaillierte (düstere) Einschätzung der wirren Lunar-Lage – und was das kosten soll, sagen sie nicht. [22:55 MESZ. NACHTRAG: hier und hier mehr dazu]


29. April

Der Stand der NEA-Statistik ist ausgesprochen stabil

Das wurde gerade bei einem Vortrag von Alan Harris auf der heute gestarteten 6. Planetary Defence Conference der IAA deutlich, denn die Zahlen und Kurven haben sich gegenüber dem Status vor zwei Jahren praktisch nicht geändert. In seiner Grafik sind in bewährter Weise in der X-Achse die Absoluthelligkeit H sowie in Grün der Durchmesser D in km und oben die entsprechende Impaktenergie in Mt TNT aufgetragen und in der y-Achse links die kumulative Anzahl der Objekte D sowie rechts das mittlere Intervall zwischen zwei Impakten in Jahren. Der Katalog der erdnahen Asteroiden ist bis 1 km hinab (nun 890 Objekte konkret bekannt) zu ~95% komplett, bis 140 m hinab (H < 22.0) liegt der Wert bei 38%. Die allerletzten großen und potenziell gefährlichen (PHAs) sollten wir bis etwa 2030 kennen: Sie ‚verstecken‘ sich quasi hinter der Sonne in resonanten Orbits und schleichen sich daher auch nur langsam an.

Auch eine interessante Grafik von Tim Spahr: alle heute bekannten Asteroiden, x-Achse = mittlerer Abstand von der Sonne, y-Achsen = Exzentrizität bzw. Bahnneigung: Diverse Familien treten nun sehr klar hervor. Auf dem Meeting – das heute den ganzen Tag hier live gestreamt wird – fiel ein weiterer Vortrag über das NEar real-time MOnitoring system (NEMO) für Feuerkugeln dadurch auf, dass er praktisch identisch bereits letztes Jahr auf einer IMC gehalten wurde, also einer Amateur-Konferenz: Wenn es um systematische Meteor-Beobachtung und -Analyse geht, gibt es kaum mehr einen Unterschied zwischen Profis und Amateuren. Bei der Abwehr eines eventuell bedrohlichen NEA dann wohl doch: Wie hier, hier und hier beschrieben, wird es im Rahmen der Tagung wieder eine Asteroid Impact Exercise geben, die diesmal besonders stark in die Öffentlichkeit gepuscht werden soll. Bereits gestern hatte einen Online-Chat mit dem zuständigen ESA-Manager gegeben, bei dem dieser Blogger die letzte Frage und danach per E-Mail eine Antwort bekam: Die ESA bereitet keine Nuklear-Option vor sondern möchte lieber einen bedenklichen NEA so früh entdecken, dass ein kinetischer Impaktor zur Bahnänderung ausreicht. Auch die öffentlichen Pan-STARSS-Daten zu NEOs – und eine Feuerkugel mit Meteoriten-Fall in Costa Rica. [19:05 MESZ] Wie schon letztes Jahr („Gonzalo Tancredi listete 76 Meteoritenfälle“) weiter keine speziellen Tage für Meteoriten-Fälle – und Freuen auf Apophis in Erdnähe in 10 Jahren. [21:10 MESZ. NACHTRAG: eine Art Gegendarstellung zu Tancredi] Weitere Erkenntnis von der Tagung (Simulationen von Naidu): Das LSST sollte 1-2 Impaktoren von > 1.5 m Durchmesser pro Jahr entdecken, mit einer typischen Vorwarnzeit von > 1 Tag. [22:15 MESZ] Warum die infrarote Mission NEOWISE so wichtig ist: 1/3 aller NEOs, Größe egal, hat sehr geringe Albedo. [22:35 MESZ] Und wie die Riesen-Radars von Arecibo und Goldstone interessante Asteroiden sehen. [22:55 MESZ] Und die Simulation beginnt … [23:15 MESZ]

Hier kommt tatsächlich der russische Astro-Satellit Spektr-RG in Baikonur an, um im Juni zu starten – mit u.a. dem Röntgenteleskop eROSITA aus München. Auch der Kugelhaufen Messier 75 von Hubble, der 1000. Umlauf der MMS-Satelliten, das Erwachen von Yutu II für seinen 5. Mond-Tag und die lange Lebensdauer von Queqiao, dem Relais-Satelliten, der letzte ellenlange Artikel zu den Mars-Rovern, die neueste Ausgabe des AMSAT-Journals open access zur Feier des 50-Jährigen, ein interview zu Es’hail-2, Beobachtungen von rotierendem Raumschrott – und ein seltsamer Artikel über deutsche Industrie-Visionen im Weltraum. [1:15 MESZ] Auch Chang’e-4 ist wach geworden. [10:15 MESZ] Ein Artikel dazu. [14:45 MESZ]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 29.April – 3.Mai 2019”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 5. Mai 2019 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] zu sein. [17:20 MESZ] Und die Gruppe macht C-Flares! Derweil ist die Wahrscheinlichkeit, dass das G-W-Ereignis am 26. April („Beide Gravitationswellen-Exoten …“) ein Neutronenstern war, der in ein […]

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