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Highlights von der 234. AAS-Tagung diese Woche

16. Juni 2019

in St. Louis vom 9. bis 13. Juni – überwiegend von den sechs Pressekonferenzen, von denen es auch wieder komplette Aufzeichnungen gibt:

In der ersten – ein Sprecher hatte kurzfristig abgesagt, weil er seine eigenen Ergebnisse inzwischen anzweifelt – ging es um den jungen Hot Jupiter CI Tauri b, die Habitable Zone für komplexes Leben, die schmaler als für mikrobielles sein dürfte, und …

… die Häufigkeit von Super-Flares auf sonnenähnlichen Sternen, die aus dem Daten-Fundus von Kepler und Gaia abgeschätzt werden kann: Flares bis zu 5 x 10^34 erg, 500-mal so stark wie die stärksten bekannten Sonnenflares, sind dort (und mithin auch hier?) möglich.

In der zweiten PK stand die Sonne im Mittelpunkt, zuerst von der EUV-Raketen-Kamera Hi-C 2.1, die in der Sonnenkorona eine Auflösung von 0.2 bis 0.3 Bogensekunden schafft:

Andere Präsentationen befassten sich u.a. mit Dynamo-Wellenmustern im Inneren der Sonne, die sich durch Torsions-Schwingungen verraten (einige Visuals dazu, und der Sonifikation von Helioseismologie, die sogar Musiker inspirieren soll.

PK Nr. 3 war ganz Spiralgalaxien gewidmet – hier eine Visualisierung von Daten des Instruments HAWC+ der fliegenden Sternwarte SOFIA, die zeigen, wie Magnetfelder interstellarem Gas beim Strömen in Richtung Sgr A* helfen:

Andere Referenten fanden neue Belege für die klassische Dichtewellen-Theorie der Entstehung der Spiralarme – und es wurde für das Zooniverse-Projekt „Spiral Graph“ geworben, bei dem es die Krümmung von Spiralarmen zu bestimmen gilt: siehe auch ein früheres Paper nebst Press Release zu Bürgerforschung vs. Spiralstruktur.

In der vierten PK ging es um Simulationen des Sonnen-Inneren, die auf zwei Sonnenzyklen gleichzeitig hindeuten, um Mechanismen zur Schaffung von C60-Molekülen im USM und wie der Sternenstrom GD-1 auf eine dunkle Substruktur im Halo der Milchstraße hinweist.

In Nr. 5 wurde abermals der Sonnenzyklus behandelt: ein möglicher Zusammengang mit El-Nino-Ereignissen (nebst Erklärung des letzten tiefen Minimums und Prognose des nächsten Maximums als so wie das letzte) und eine weitere Vorhersage-Methode (die ein Rekord-niedriges kommendes Maximum voraussagt – in 10 Jahren wissen wir, wer Recht hatte). Sodann wurde der Erfolg von Citizen Scientists beim Finden von Yellow Balls thematisiert – und die Rolle der Zwerggalaxie Antlia 2 beim Erzeugen von Rippeln am Rand der Milchstraße: ein paar Slides und Artikel hier und hier.

Die letzte PK schließloch stellte die Entdeckung von „Cold Quasars“ vor (eine seltene und kurzlebige Population), und die ‚tension‘ bei der Hubble-Konstanten wurde von zwei Seiten beleuchtet: lokale Dichte-Effekte sind es nicht, die die auf 20 Sigma gewachsene Diskrepanz erklären können – während ein quantenkosmologischer Ansatz vielleicht zu neuer Physik führt. Auch Tagesberichte aus St. Louis Nr. eins, zwei und drei und Artikel zur Decadal Survey 2020 und erhoffter Erhöhung der Produktivität von SOFIA.