Besuch an der Grenze von Kreide und Paläogen

Vier Jahrzehnte ist es her, dass vier US-Geologen (darunter Vater und Sohn Alvarez) auf eine weltweite starke Anreicherung einer dünnen Sedimentschicht an der Grenze von Erdmittelalter und Erdneuzeit mit dem seltenen Element Iridium hinwiesen, die einen kosmischen Impakt als Auslöser des großen Artensterbens vor 66 Mio. Jahren ins Spiel brachte – und den entscheidenden Fund hatten sie genau hier in Stevns Klint an der dänischen Ostküste gemacht, wo diese Fischton genannte Schicht besonders reich an Iridium ist. Die entscheidende Probe hatten sie nahe dieser Stelle unterhalb der Kirche von Højerup genommen …

… wo sich auch jene Tafel befindet, die die gesamte 15 km lange Steilküste seit 2014 zum Welt-Naturerbe erklärt. Diese Auszeichnung hat in der gesamten Gegend – in welche dieser Blogger heute nach 29 Jahren (damals auf dem Weg zur Sonnenfinsternis in Finnland) zum ersten Mal zurückkehrte – einiges in Bewegung gesetzt: Besserer Zugang zur Fischton-Schicht, die heute nur mit Mühe erreichbar ist, soll geschaffen werden und ein großes Besucherzentrum entstehen.

Heute führt der populärste Weg über eine steile Treppe von der Højeruper Kirche an den Strand, wo die Schichten-Folge besonders gut aufgeschlossen ist (der Fischton allerdings mehrere Meter hoch über Grund liegt) – hier der Blick nach Norden:

Unten ist weiche Kreide aus der Kreidezeit zu erkennen, die besonders stark erodiert und deshalb weiter angefressen ist als die Schichten darüber. Es folgen der Fischton und dann harter Bryozoen-Kalk aus dem Danium, der ältesten Stufe der Erdneuzeit (in der Serie Paläozän und dem System Paläogen, weshalb die Grenze in der geologischen Zeitskala heute „Kreide-Paläogen-Grenze“ und nicht mehr „Kreide-Tertiär-Grenze“ wie zu Alvarez‘ Zeiten heißt) – die scharfe Abbruchkante entspricht also genau der Grenze und der Fischton-Schicht.

Ein Aufschluss auf der anderen Südseite der Treppe bietet leider ebenfalls keinen direkten Zugang zu ihr, dafür sind in den Bryozoen-Kalk eingelagerte Schichten aus Feuerstein zu sehen (die man von Ferne leicht mit der Fischton-Schicht verwechseln könnte).

Ein Blick von etwas weiter südlich über die Kirche und den Aufschluss – der mit einem fest montierten ziemlich edlen 15×80-Fernglas inspiziert werden kann:

Drei Aufnahmen der K/Pg-Grenze durch nämliches Gerät (wie übrigens alle Bilder dieser Seite mit einem Mobiltelefon) …

… und die 1928 teilweise abgestürzte aber danach stabilisierte Kirche von Højerup von der Seite, von unten – und über den gut gefüllten Parkplatz hinweg.

Die Zukunftspläne der Region für mehrere Stellen entlang der Klippe verkünden inzwischen Info-Tafeln allerorten – und dem Vernehmen nach soll die Finanzierung tatsächlich stehen. Während in Højerup nur geringe Veränderungen geplant sind …

… steht dem 1978 aufgegeben Kalksteinbruch Boesdal Großes ins Haus: Ab Ende 2020 soll hier ein großes Besucherzentrum gebaut werden! Hier liegt die Fischton-Schicht mehrere Meter unter dem Meeresspiegel, und nur der Danium-Kalkstein ist – dafür um so schöner – aufgeschlossen, inklusive des reichlich vorhandenen Feuersteins, der auch für das Ende des Abbaus gesorgt hatte. Es wird aber erwogen, bis in die K/Pg-Schicht zu hinab zu bauen, um den Fischton direkt greifbar zu machen.

An den zwei Leuchttürmen – Stevns Fyr – liegt er zwar über dem Meeresspiegel, ist aber derzeit unerreichbar: Auch das soll sich durch die Konstruktion einer Treppe an der Klippe ändern.

Eine weitere Stelle, wo die entscheidende Schicht – mit gewisser Mühe – zu sehen ist, liegt übrigens ganz im Süden der Klippen beim Fischerdorf Rødvig.

Und was schon jetzt auffällt: Mehrere gesichtete Info-Tafeln zur Bedeutung des kosmischen Impakts für das Massensterben verweisen stets auf den zeitgleichen starken Vulkanismus in Indien als zumindest einen Co-Faktor. Mehr und größere Bilder gibt es hier – und noch fünf besonders umfangreiche Quellen:

NACHTRAG: Auch im zwei Tage später besuchten Geomuseum Faxe – mit dem Stevs-Klint-‚Anfänger‘ beginnen sollten – wird der indische Vulkanismus prägnant dargestellt, sogar größer als der Impakt und ihm von der Rolle beim Massensterben ebenbürtig (zahlreiche Bilder in diesem Album, auch von den vielen gezeigten Fossilien von vorher & nachher). Und es gibt ein Stück Fischton im Original und geologischen Kontext zu sehen sowie diesen am Aufschluss Højerup erläutert:

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