Allgemeines Live-Blog vom 9.-11. Februar 2020


11. Februar

NASA Budget Request: Mondlandung 2024 für 35 Mrd. Dollar?

Der gestern vorgestellte NASA Fiscal Year 2021 Budget Request des Weißen Hauses – seine 817 Seiten herunter gebrochen in 36 Folien (oben ein Ausschnitt aus Nr. 9), 13 Seiten und eine Seite sowie Kommentare von Weißem Haus und NASA-Chef sowie noch mehr Dokumente – beharrt darauf, dass das Artemis-Programm mit Orion und SLS zu einer bemannt-befrauten Mondlandung bis Ende 2024 führen soll, und ist mit 25.25 Mrd.$ um satte 12% höher als die ca. 22.6 Mrd.$, die die NASA im laufenden Finanzjahr zur Verfügung hat. Aber es ist eben ein Budget Request, an dem beide Häuser des Kongresses noch jede Menge verändern werden – und das Abgeordnetenhaus hat erst kürzlich in einer neuen Authorization Bill für die NASA – die generelle Richtungen vor- aber kein konkretes Geld ausgibt – dem Crash-Programm 2024 eine klare Absage erteilt und wieder 2028 als Ziel für eine Mondlandung ausgegeben, der bald ein Aufbruch zum Mars folgen möge.

Das wird vom Weißen Haus einfach ignoriert, das wie in der Grafik oben voranpreschen will: Dem crewlosen Testflug Artemis I nächstes Jahr soll 2022 eine Reise mit Besatzung in Mondnähe folgen und mit Artemis III dann die Landung. Wie die zweite Grafik (aus Folie Nr. 8) zeigt, wird in der Kürze der Zeit nur ein rudimentäres ‚Gateway‘ im Mondorbit eingerichtet, das mit der einmal geplanten internationalen Mini-Raumstation im Mondorbit nur noch wenig gemein hat und eher eine Art Mutterschiff für den Lander darstellt. Dessen Bau steht im NASA-Request nun tatsächlich drin, zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert. Und erstmals tauchen in den Budget-Dokumenten konkrete Kosten auf, wobei das etwas nebulös als „Moon-to-Mars“ subsummierte Programm jenseits der ISS-Operation im LEO – die teuer genug ist – über allerlei Programmsegmente (inklusive einigem bei der ‚Wissenschaft‘) verteilt ist.

Bereits im laufenden Haushalt sind es demnach 8.8 Mrd.$, was im 2021-er Request auf 12.4 Mrd.$ steigt und in den Folgejahren zwischen 13.5 und 15.9 Mrd.$ liegen soll, bei Gesamtzahlen des Etats von 26 bis 28 Mrd.$. Man kann so rechnen, dass es bis zu einer Landung 2024 rund 35 Mrd.$ wären, anders addiert sind es bis Mitte der 2020-er Jahre über 70 Mrd.$. In der Tabelle hier vom Anfang des 13-Seiten-Papiers sind nur die Kosten für die Deep Space Exploration Systems in Mega-$$ aufgelistet (für FY22 bis FY25 sind es 10.3, 11.6, 11.9 und 9.0 Mrd.$) und für das FY21 auch aufgeschlüsselt: Es dominieren der Lander mit 3.4 und die Schwerlastrakete SLS mit 2.3 Mrd.$. Überhaupt soll das SLS-Programm jährlich rund 2 Mrd.$ kosten, mit im Schnitt nur einem Start pro Jahr (weshalb es glatt 1.5 Mrd.$ sparen würde, den Europa Clipper im FY24 statt mit einem SLS mit einer kommerziellen Großrakete zum Jupitermond zu schicken, wie die Budget-Dokumente explizit zu bedenken geben). Positiv in Sachen Weltraumforschung fällt die Unterstützung für die Mars Sample Return Mission zusammen mit der ESA auf, die zu Proben auf de Erde 2031 führen könnte, wie es aus dem JPL während der Vorstellung des Requests hieß – negativ ist, dass zum wiederholten Mal u.a. das Weltraumteleskop WFIRST gestrichen und die fliegende Sternwarte SOFIA eingemottet werden sollen, was der Kongress bisher jedes Mal rückgängig machte: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:15 MEZ] Und hier, hier, hier und hier sowie der Video-Einspieler zur MSRM nebst Transkript und die Bedeutung der ’35 Mrd.$‘, doch die erhoffte Steigerung des NASA-Etats insgesamt verfehlt frühere Ziele für Artemis. [17:45 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: spätere Artikel hier, hier, hier, hier und hier]


10. Februar

Solar Orbiter gesund & unterwegs: „We have a mission!“

Das darf man nun sagen, da die Solarzellen Strom liefern – das nächste erwartete Ereignis ist das Ausklappen der langen Ausleger für die In-Situ-Instrumemte. Hier ein weiteres ULA-Foto – und nochmal die ersten 2 1/2 Minuten des Starts. [6:30 MEZ] Ein Schnappschuss aus dem ESOC mit weiter einem starken Signal. [6:45 MEZ]

Eine Strichspur-Aufnahme von NASA und ULA, dazwischen ein Start-Foto der ESA – auch ein weiteres ESA-Bild, ESA, NASA und ULA Releases und eine ESA-PM. Sowie Amateurfilme mit Tele und Weitwinkel – und der Solar Orbiter hört auf Kommandos und hat sich korrekt zur Sonne ausgerichtet. [7:05 MEZ] Ein UCL Release, eine PM des DLR, ein Soundbite von Ferri, Start-Alben von ESA und ULA, noch mehr Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie aus dem ESOC und vom Cape, Aufzeichnungen der Webcasts von NASA und ESA, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und die ESA-Koronografen-Mission Proba 3 ist nunmehr für 2022 geplant. [16:35 MEZ] Die Präzision des Starts, eine PM des BMWi, ein Mini-Interview, Videos aus der Nähe hier und hier, Galerien hier und hier, weitere Artikel hier, hier, hier und hier, ein TV-Clip – und ein (eher lahmer) Scherz … [23:45 MEZ.

NACHTRÄGE: ein besonders gelungenes Start-Foto einer Remote-Kamera, das nach knapp 24 Stunden ins Album von ULA kam, ein Album des KSC, der Start aus einem Flugzeug erwischt, nach der Aquisition of Signal des Solar Orbiter hoch die Tassen am Cape, der Solar-Orbiter am Himmel 20 Stunden später mit 21 mag. gesichtet und auch die Centaur hier und hier, die Bahn von der Erde weg, SolO und Centaur im Orbit-Simulator, ein 17-Minuten-Interview mit Paolo Ferri und das Magnetometer schon in Betrieb sowie auch andere frühe Fortschritte mit dem Spacecraft.

Das übliche Musik-Video von ULA, diesmal mit besonders erlesenen Videoschnipseln, die es nicht im Webcast gab, vor allem vom Aussetzen des Solar Orbiter von der Centaur. Auch gleich 8 Minuten Rocketcam-Material, eine Kompilation anderer Start-Videos, ein weiteres sehr nah dran, ein Teleskop-Video, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Podcast – und Highlights aus 10 Jahren SDO und kuriose Artefakte durch Kleinkram für die LASCOs von SOHO]

Der Solar Orbiter ist von der Centaur-Oberstufe ausgesetzt worden! Was bei ULA kräftig gefeiert wurde, von der auch dieses Startfoto aus der Nähe stammt – auch ein ferneres Foto vom Start, weitere Weitwinkel-Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Strichspuren hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Amateur-Film und Artikel hier, hier und hier. [6:00 MEZ]

Und der nächste Meilenstein: Der Solar Orbiter hat sich gemeldet! [6:05 MEZ] Und die Solarzellen haben sich entfaltet und sind power-positive – der nächste sehr wichtige Schritt. Jetzt wird auch am ESOC in der Missionskontrolle gefeiert. [6:25 MEZ. NACHTRÄGE: zur Cygnus-Verschiebung eine NASA-Blog-Story (Start jetzt am 14.2. um 21:43 MEZ) und Artikel hier und hier, zum Iran-Fehlstart Fotos vom Start, ein Video von Bord-Kameras und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und zum Japan-Start Artikel hier und hier]

Start, Fehlstart, Start-Abort – und ein Start in 5 Stunden?

Gestern waren gleich drei Starts in den Orbit angesetzt, in Japan, dem Iran und den USA … aber die Ergebnisse hätten unterschiedlicher nicht sein können: ein voller Erfolg, ein suborbitaler Fehlstart und ein Startabbruch weniger als 3 Minuten vor dem Abheben:

  • Die japanische H2A No. F41 (oben) brachte um 2:34 MEZ 情報収集衛星光学7号機 (Joho shushu eisei kogaku 7 goki alias Intelligence Gathering Satellite Optical -7 für CSICE, das Japanese Cabinet Satellite Intelligence Centre, in den Orbit – weitere Fotos hier, hier und hier, ein Webcast, mehr Visuals und Artikel hier, hier und hier.

  • Eine iranische Simorgh-Rakete startete um 16:45 MEZ (Video-Clip hinter dem zweiten Bild, aus einer TV-Sendung) und erreichte auch 540 km Höhe, doch die für einen Orbit notwendige Geschwindigkeit wurde nicht erreicht, und sie stürzte in den Indischen Ozean: Artikel hier (in Farsi), hier, hier, hier und hier. Und schon eine weitere iranische Ankündigung eines Satellitenstarts.

  • Wegen „off-nominal data“ von Boden-Equipment wurde der Start einer Antares mit dem 13. Cygnus zur ISS – zur Nutzlast Listen hier und hier und ein 1-1/2-Stunden-Briefing vorgestern, im 3. Bild die Rakete samt ‚Supermond‘ – keine drei Minuten vor Ende des Startfensters um 23:44 MEZ angebrochen, einen neuen Startermin gibt es noch nicht: ein Webcast, Updates und Vorschau-Artikel hier, hier, hier, hier und hier.

Ansonsten noch ein Video – und noch eins – zu v.a. ISS-Action vergangene Woche, ESA-Fotos von der Rückkehr der Soyuz-Crew und die Aufzeichung einer PK von Parmitano im Kölner EAC vorgestern. Und unten drei Bilder der Atlas V mit dem Solar Orbiter auf der Rampe am Cape (noch mehr hier und hier), die weiterhin um 5:03 MEZ starten soll: Updates hier und hier, Threads hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [0:00 MEZ]

Eigentlich könnte es die Antares nach 24 Stunden wieder versuchen, doch die Wetteraussichten auf Wallops die kommenden Tage sind extrem schlecht – man wird sehen … [0:15 MEZ] … mehr wissen auch dieses Posting und dieser Tweet der NASA nicht – und ein weiterer Artikel zu Irans Fehlstart, während der japanische Satellit im Orbit aufgespürt ist. Und die Wetter-Chance für den Solar Orbiter ist auf 90% gestiegen. [0:30 MEZ]

„We are working no issues in the countdown here in the Atlas Spaceflight Operations Center (ASOC) or at the Space Launch Complex-41 pad“, heißt es in den ULA-Updates – das hört man gern! Am Cape ist die Sonne bereits untergegangen. [1:25 MEZ] Während die Wetterprognose bestens bleibt. [2:30 MEZ] Nach dem Abbruch – Artikel hier und hier – ist der Cygnus-Start jetzt für frühestens den 13. Februar 22:06 MEZ geplant. [3:10 MEZ] Ein Amateur-Webcast vom Cape hat bereits begonnen. [4:00 MEZ] Und die offiziellen sind live, von der NASA hier bzw. hier und von der ESA. [4:30 MEZ]

Die grell beleuchtete Atlas auf der Rampe – und das Wetter ist einwandfrei für einen Start, lediglich Bodenwind könnte Ärger machen. Auch die Launch Party in ESOC in Darmstadt. [4:40 MEZ] Der Start ist „Go!“ Nach der Final Poll laufen die letzten 4 Minuten des Countdowns, der zuvor in einem geplanten 15-Minuten-Hold gewesen war. [5:00 MEZ] Und die Atlas ist gestartet! So grell, dass keine vernünftigen Screenshots aus dem Webcast möglich waren … [5:05 MEZ] Video-Clips von Start und Abwurf des einen Boosters – und schon die erste Strichspur am Nachthimmel und ein Weitwinkel-Bild des Starts im Mondschein. [5:10 MEZ] Der Start durch ein Teleskop gefilmt. Und der Stack ist im Orbit, nach dem ersten Cut-Off der Centaur-Oberstufe – es folgt 1/2 Stunde Coasting, und um 5:55 MEZ wird der Solar Orbiter frei gelassen. [5:25 MEZ]


9. Februar

Ein Stern rast alle 9.9 Jahre ums Zentrum der Milchstraße

Er wurde bereits 2009 von der Garchinger Arbeitsgruppe entdeckt, die mit Adaptiver Optik seit einem Vierteljahrhundert massereichen Sternen bei ihren Ellipsenbahnen um Sgr A*, das mutmaßliche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, zuschaut – aber erst jetzt ist die Bahn von ‚S62‘ genauer bestimmt worden (Grafik oben, Breite ca. 0.35 Bogensekunden): Mit 9.9 Jahren ist es der Stern mit der kürzesten Umlaufszeit, und in der Nähe von Sgr A* erreicht er 10% der Lichtgeschwindigkeit, was ihn für den Nachweis relativistischer Effekte prädestiniert. Seine Bahnellipse müsste sich jedes Mal um 9.9° verdrehen: Das geben die bisherigen Messungen (mit 3 Kameras an 2 Teleskopen) nicht her, aber das VLTI-Instrument GRAVITY sollte das packen. Das Video stammt von der konkurrierenden amerikanischen Arbeitsgruppe, die dieselben Sterne seit Jahren mit Keck beobachtet und hier mal die Origialdaten bis 2018 zeigt. Und darunter das Schlussbild einer Animation bearbeiteter Keck-Daten bis Ende 2019, wo S62 allerdings fehlt, dafür wird der hier Stern verfolgt, den die Garchinger S2 nennen.

Beteigeuze hat sich offenbar bei 1.6 mag. häuslich eingerichtet, wo er Ende Januar angekommen war (ganz unten), wie hier der Plot aller AAVSO-Daten der vergangenen drei Wochen (schwarz visuell, rot 3-Tages-Mittel daraus, grün chaotisch geeichte V-Messungen; y-Achse 2.0 bis 1.1 mag.) zeigt – eine Suche nach Trends bringt kein klares Ergebnis; nach der Hypothese sich überlagernder Zyklen wäre am 21. Februar ± eine Woche mit dem Minimum zu rechnen. Derweil bemühen sich Profi-Astronomen um räumlich aufgelöste Daten und Bilder des faszinierenden Überriesen, der vielen aber schlicht zu hell ist. Einen Datenpunkt des damals noch ’normal‘ hellen Beteigeuze vom Juli 2019 aus Sonnennähe könnten übrigens Weitwinkel-Bilder der totalen SoFi beisteuern, die freilich sorgfältig analysiert werden müssten – und es gibt Überlegungen, wie hell eine Supernova am Himmel strahlen würde, wenn’s ihn denn erwischte. Auch ein neuer Gravitationswellen-Kandidat von zwei Schwarzen Löchern, eine schwache Nova im Schützen, ein koronales Loch, der Mars am 6. und die Venus am 5. Februar, der erste von 3 ‚Supermonden‘ 2020, der neue Komet C/2020 B3 (Rankin) – und was die Dark Energy Survey gefunden hat. [15:00 MEZ] Ein neuer Kreutz-Komet in LASCO C3 könnte kurz hell werden. [21:15 MEZ] Und eine erstaunliche Amateur-UV/IR-Falschfarben-Venus von vorgestern, auch animierte ultraviolette Wolken von gestern. [23:05 MEZ]

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