Mitmachen bei einem Stereo-Bild des Himmels!

Für die kommenden Tage gibt es vom New-Horizons-Projekt einen noch nie da gewesenen Aufruf an Amateurastronomen mit etwas größerem Gerät und/oder einiger Erfahrung in Sternfeld-Fotografie mit einiger Vergrößerung. Denn am 22. und 23. April wird die bekannte Raumsonde, die mit Pluto und Arrokoth bereits zwei Körper des Kuipergürtels besucht hat und sich immer weiter von der Sonne entfernt, die nahen Sterne Proxima Centauri (4,2 Lichtjahre Entfernung) und Wolf 359 (im Süden des Sternbilds Löwe; 7,8 Lichtjahre) vor dem Hintergrund vieler weiter entfernter Sterne der Milchstraße aufnehmen. Und es wird eingeladen, zeitgleich ± eine halbe Woche dieselben Sternfelder von der Erde aus zu fotografieren: Kombiniert mit den Bildern von New Horizons mit der schwarzweißen Telekamera LORRI lassen sich dann Stereo-Paare herstellen, auf denen die nahen Sterne auf den ersten Blick sichtbar vor den ferneren schweben. New Horizons wird im April nämlich mehr als 46-mal weiter von der Sonne entfernt sein als die Erde, rund 8 Milliarden Kilometer – die Parallaxe zwischen der Sondenkamera und irdischen Amateurteleskopen ist mithin 23-mal größer als was bei Aufnahmen von der Erde auf ihrem Orbit in einem halben Jahr Abstand erreicht werden kann. Selbst bei den nächstgelegenen Sternen ist die Verschiebung gegenüber dem Hintergrund subtil, und just auf der letztjährigen Bochumer Herbsttagung wurde darüber berichtet, wie sich mehrere große Remote-Teleskope trotz jahrelanger Messungen an Barnards Pfeilstern (6,0 Lichtjahre) die Zähne ausbissen.

Bei dem New-Horizons-Projekt wird dagegen die Parallaxe buchstäblich ins Auge springen, und da die Aufnahmen zeitgleich entstehen, spielt auch die Eigenbewegung der Sterne keine Rolle, die sonst dem winzigen Parallaxeneffekt oft unglücklich überlagert ist. Wolf 359 zum Beispiel wandert mit 4,7 Bogensekunden pro Jahr über den Himmel /während die seine Position durch die Erdbahn um die Sonne nur um 0,8 Bogensekunden schwankt): Das wird in dem Bild hier anhand einer irdischen Aufnahme von Ende 2019 demomnstriert. Bis jetzt wird sich Wolf 359 ein wenig weiter nach rechts bewegt haben, aber weniger als einen Scheibchendurchmesser hier, der grüne Kreis zeigt dagegen, wo ihn New Horizons relativ zu den anderen Sternen – das markante senkrechte Paar hat 22 Bogensekunden Abstand – sehen wird: Die Parallaxe zwischen New Horizons und der Erde wird ihn um sagenhafte 15 Bogensekunden gegen den Sternhintergrund verschieben! Das einzige Ärgernis: Der Zwergstern des Spektraltyps M6.5 hat trotz seiner Nähe nur 13,5 mag. Helligkeit, weil er nur ein Tausendstel der Leuchtkraft der Sonne hat; das New-Horizons-Projekt empfiehlt daher Teleskope von mindestens 6“ Öffnung für ein klares Bild. Und warum wurde aus dem Katalog der sonnennächsten Sterne nicht ein hellerer für Beobachter auf der Nordhalbkugel ausgesucht?

Das hat Michael Buckley vom Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory diesem Blog Ende Februar erklärt: Es liegt an der Flugrichtung von New Horizons aus dem Planetensystem hinaus, die nur für einige der Sterne eine große Parallaxe produziert, die größte für Proxima und die drittgrößte für Wolf. Ferner stehen die beiden ausgewählten Sterne am Himmel günstig zueinander: je einer für Norden und Süden, und zugleich erlauben sie auch noch – was ein weiteres Teilprojekt ist – zusammen eine Navigationslösung für die Raumsonde erlauben (mit UV Ceti, eh nur unwesentlich heller als Wolf, wäre das schlechter gegangen). Der naheliegende Kandidat Barnards Stern schließlich wäre durchaus für den Norden geeignet gewesen, hätte das Projekt ein paar Monate früher stattgefunden. Und so schlecht, sagt Buckley, seit Wolf 359 trotz seiner geringen Helligkeit ja nicht, angesichts seiner beachtlichen Rolle in … der Science Fiction. Einen wissenschaftlichen Wert hat das Projekt natürlich nicht, aber es wird eine fundamentale Methode der Astronomie plakativ demonstriert – und auch, wie weit New Horizons schon gekommen ist.

Separate Bahnen für vier Fragmente von Komet ATLAS (oben ein Bild der Gesamterscheinung vorgestern von Michael Jäger) hat das Minor Planet Center berechnet, wobei aber andere Auswerter die Zuordnungen unten nicht mögen – jedenfalls lässt sich nun plotten, wie sich drei gegenüber dem nun „a“ genannten Hauptfragment (gelb) in den letzten Tagen bewegten. Auch Bilder von gestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr und 17. vs. 14.4.), dem 16. April (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 15. April (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 14. April, Press Releases von SETI und Unistellar und Artikel hier, hier und hier.

Der Himmelsanblick am Abend des 24. Mai – aber wie hell dann wohl SWAN sein wird? Wenn der neue Komet sich ordentlich entwickelt, dann ginge da was: viele simulierte Himmelsansichten für 54°N von Stu Atkinson, die Frage der hyperbolischen Bahn und Bilder von heute, gestern (mehr), vorgestern (mehr und dem 16. April (mehr und mehr). Sowie eine Art Ausbruch des anderen ATLAS, die Kometen PANSTARRS, NEOWISE und Pimentel (mehr) und ein Radarbild des Asteroiden 1998 OR2, der zur Zeit der Erde nahe kommt und ein visuelles Maximum um 12.0 mag. am 22. April erreichen sollte.

Ein kurioser Sonnenuntergang gestern über Bochum vom Balkon dieses Bloggers … wo inzwischen die fünfte weitgehend wolkenlose Woche in Folge begonnen hat, wovon hier schon schon früher Gebrauch gemacht wurde: zahlreiche Bilder allein seit dem 9. April in diesem noch wachsenden Album ungefähr von unten nach oben. Auch das Visible Spectro-Polarimeter (ViSP) für das DKIST, das große Sonnenteleskop, Durchblick zum Himalaya ohne Beispiel, die Venus heute (mehr), vorgestern und am 15. April (mehr), 9. April und 7. April, der Jupiter gestern (mehr) und am 16. April, der Mars vorgestern (mehr), der Saturn gestern und vorgestern, die neue Dark-Sky-Insel Niue – und es gibt nun jeden Tag mehrere neue Videos und Live-Events als Online-Version der International Dark Sky Week vom 19. bis 26. April, zwei sind schon da.

Das erste Video der neuen Reihe KulturKuppel @ home im Rahmen der immer weiter wachsenden Online-Aktivitäten des Planetariums Bochum mit dem Pianisten Matthias Dymke, und von den „Streifzügen“ gibt’s die Nummer sieben über das Frühjahrs-Dreieck – während die VR-Version der Planeten-Show (auch hier und hier und sogar in diesem COVID-Ticker am 12.4. um 13:00 erwähnt) heute 5000 Views erreicht hat und überraschend auch die ursprüngliche 50-min-Version online aufgetaucht ist. Auch Aufzeichnungen der Himmels-Live-Shows aus den Planetarien Luzern, Berlin und Hamburg sowie der Webcast STARGAZE in April von Central Coast Astronomy, die Sauerland-Folge 6 und die Mauna-Kea-Folge 13 über Color Perception.

Eine Antwort to “Mitmachen bei einem Stereo-Bild des Himmels!”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 10. Juni 2020 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] sehen sie aus, die Ergebnisse des beispiellosen Parallaxen-Experiments mit New Horizons im Kuiper-Gürtel und Teleskopen auf der Erde Ende April: jetzt vorgelegt wurden Blink-, […]

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