Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 26. 9. 2020


26. September

„Big Astronomy“: Weltpremiere einer Planetariumsshow

Eine neue 25-Minuten-Show der California Academy of Sciences über die Großsternwarten in Chile hatte heute Abend Premiere – wegen der aktuellen COVID-Schließung des produzierenden Planetariums und auch vieler anderer online in 360°-VR, was zwar nicht die visuelle Brillanz einer Fulldome-Projektion erreicht aber einen guten Eindruck gibt. Es kommen das Blanco-Teleskop auf dem Cerro Tololo (oben und Mitte), der Cerro Pachon mit Gemini South und Vera Rubin Observatory (unten in CGI) und ALMA vor. Nach der Premiere wurde auch ausgiebig auf die Filmtechnik eingegangen (so wurde bei ALMA z.T. freihändig gedreht, mit einer neuartigen leichten Stabilisierungs-Plattform) – und es gab nächtliche Zeitraffer zu sehen, während denen es zu einem starken Erdbeben kam. Die Show – auf deren Webseite einiges Bonus-Material erscheint – ist die nächste Zeit jeden Mittwoch um 20:30 MESZ bei der Academy zu sehen und läuft auch vereinzelt in deutschen Planetarien. Auch ein Video über den aktuellen Umbau des Planetariums in Bochum, ein über 3 Stunden langer Astro-Chat – und wie ein Teleskop aus Schokolade entsteht. [22:40 MESZ]

Magnet-Karten des Sterns Ioto Horologii, erstellt mittels Zeeman Doppler Imaging (ZDI) – und aus solchen Karten über rund 140 Sternrotationen über drei Jahre hinweg die ersten Schmetterlings-Diagramme eines anderen Sterns als der Sonne mit der Breitenwanderung magnetisch aktiver Zonen (für das radiale bzw. azimuthale Feld): ein besonders spannendes Ergebnis von der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft. Dort auch interessant die Entdeckung vieler seltener Sterne mit der Zwicky Transient Facility, drei Items von der historischen Session und die Astronomers for Earth. Die rein virtuelle Tagung hatte doppelt so viele Teilnehmer wie tyische normale. [23:10 MESZ]

Zeitgleich fand (bzw. findet noch) die gleichfalls virtuelle European Planetary Science Conference statt, von der bereits Unmengen Aufzeichnungen online sind, z.B. in Sachen Amateur-Beiträge zur Forschung oben eine Zusamenfassung und die meisten Vorträge dieser Session oder zwei Stunden Jupiter im Juno-Kontext. Auch der Jupiter gestern, der Mars gestern hier, hier und hier und am 23., 22. und 20. September sowie als rotierender Globus aus Bildern der letzten Wochen, ein Grundsatz-Artikel über Kometenschweife von Alan Hale, Radioastronomie im Süden Afrikas, 18 Minuten Aurora live über Island vorgestern – und ein NASA-Event zur Int’l Observe the Moon Night. [23:40 MESZ – Ende. NACHTRAG: noch eine NASA-Show dazu]


24. September

Die Probenentnahme von OSIRIS-REx auf Bennu am 20. 10.

in der Region Nightingale hat die NASA gerade auf einer Pressekonferenz im Detail beschrieben (alle Visuals und ein Press Release hier = hier): Sie geht von einer Wahrscheinlichkeit von 70% aus, dass der abgestiegene Orbiter mittels optischer autonomer Navigation eine der blauen Stellen in der oberen Karte trifft, wo genügend Regolith-Partikel von höchstens 2 cm Größe herum liegen sollten, dass der Sampler bei seinem 5 bis 10 Sekunden langen Bodenkontakt mindestens 60 Gramm per Stickstoff-Blasen in seine Kammer schaffen sollte; in den rosa Zonen liegen zu weniger dieser Partikel. Die Landezone konnte durch die Umplanung der Navigation auf einen 8 Meter großen Kreis verkleinert werden (im 2. Bild mit einem Parkplatz als Größenvergleich) – aber es bleibt ein 6%-Risiko, dass sich OSIRIS-REx einem der gelben oder roten Gebiete auf der Gefahren-Karte unten nähert und der Anflug in 5 m Höhe automatisch abgebrochen wird.

Im Falle einer durchgeführten Probenentnahme beim Touch and Go (TAG) am 20. Oktober wird an den folgenden Tagen anhand von Bildern während der Operation (wurde den rosa Zonen ausgewichen?), Aufnahmen des Samplers unter verschiedener Beleuchtung (was hängt wo dran?) und direkter Messung der Probenmasse über die leichte Änderung des gemeinsamen Trägheitsmoments von Sonde plus ausgestrecktem Sampler-Arm bestimmt, ob die mindestens seitens der Wissenschaft geforderten 60 Gramm an Bord sind: Das Ziel sind 150 Gramm, möglich wäre sogar über 1 kg. Am 30. Oktober wird entschieden, ob ein zweites Sampling – dann im Januar und von der pristinen Back-Up-Site Osprey – nötig ist; für drei Versuche insgesamt stehen Stickstoff-Kartuschen zur Verfügung. Die Abreise von Bennu ist jedenfalls im März 2021 – und auf der Erde ist die Probe in exakt 3 Jahren, am 24. September 2023. [22:40 MESZ]

So fett sieht die Point Spread Function des Teleskops des Photometrie-Satelliten CHEOPS aus – und die Verteilung des Sternlichts auf ganz viele Pixel führt zu enormer Präzision der Helligkeitsmessung, wie gestern in den Exoplaneten-Sessions der virtuellen AG-Tagung verraten wurde: Die Spezifikationen werden sogar übertroffen [NACHTRAG: in der übernächsten Nacht ein dickes Paper dazu], und es gibt auch schon erste Entdeckungen, die aber noch nicht verraten werden. Auch eine aufschlussreiche Lichtkurve des Sterns AU Mic vom Satelliten TESS, die Wiederaufnahme der Wissenschaft von Chandra, was Gaia schon alles entdeckt hat – und Verzögerungen bei der Astrophysik der NASA wegen COVID-19. Und im Sonnensystem die Frage nach dem wissenschaftlichen Ertrag des indischen Mars-Orbiters, ein Chat über New Horizons‘ Parallaxen-Bilder, das Ende des 22. Mondtages von Chang’e-4, ein kommendes chinesisches Experiment zum Space Mining – und eine mögliche Rolle privater Firmen im Sonnensystem. [23:25 MESZ]

Ein Schritt weiter in den Mondorbit ist die erste Orion-Kapsel (oben), die inzwischen mit dem Service-Modul der ESA (Mitte) und nun auch dem Adapter (unten) für die SLS-Rakete verbunden ist: Als nächstes werden dieser Tage die Solarzellen angeschraubt. Derweil hat die NASA einen umfangreichen Plan für das Artemis-Programm vorgelegt, der immer noch von der Landung einer Crew 2024 träumt – und 28 Mrd.$ extra erfordern würde, die aber erstmal nicht in Sicht sind: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, hier sowie eine verstärkte Kollaboration mit dem DoD u.a. in diesem Zusammenhang. Derweil musste die ISS recht kurzfristig Raumschrott ausweichen: was es war, der NASA-Boss genervt, die Verschiebung im Raum (5 km bei der Begegnung) und Artikel hier, hier, hier, hier; ein früheres Ausweichmanöver fiel dann doch aus (mehr). Auch was auf der Station im Oktober geplant ist, nächstes Jahr wohl Besuch von einem Crew Dragon mit Pilot und drei Touristen, eine vierteilige Doku zum Challenger-Disaster jetzt auf Netflix, chinesische Starts am 21. September (mehr) und 15. September mit 9 Satelliten von einem Boot (mehr und mehr), der mysteriöse chinesische Satellit vom ‚Space Plane‘ ausgesetzt unter Beobachtung, ein deutscher Raketen-Startup – und der baldige Start von SEOSAT-Ingenio auf einer Vega. [23:55 MESZ. NACHTRAG: Der Satellit ist in Kourou angekommen]


23. September

Immer mehr erstklassige Amateur-Mars-Bilder in großer Zahl

hat der wachsende Winkeldurchmesser mit näher rückender Erdnähe und Opposition im Oktober möglich gemacht: hier eine Aufnahme vom Thomas Winterer von gestern morgen mit einem 20″-Newton – weitere Bilder von heute hier, hier, hier und hier, gestern hier, hier, hier, hier, hier und hier und vorgestern hier, hier (das fertige Bild), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Ein Mars-Video vom 20. September, aus dem dies heraus zu holen war – weitere Bilder vom 20. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, dem 19. hier, hier, hier und hier, dem 18. hier, hier, hier und hier, 17. hier, 16. hier, hier, hier und hier, 15. hier, 14. hier, hier und hier, 13. hier und 12. hier.

Ein ISS-Transit vor dem Mars-Scheibchen … auch der Jupiter am 20.9. (mehr), 19.9., 17.9. und 16.9., die Bedeutung von Venus-Aufnahmen von der Erde durch Filter im Kontext der Planeten-Besuche durch die Parker Solar Probe und von Akatsuki im Orbit, der Zerfall des Kometen C/2018 F4 im Detail beschrieben, das BAA Weekly Webinar zur NEOWISE-Erfahrung – und mal wieder ein völlig irrelevanter Besuch eines Mini-Asteroiden bei der Erde, 2020 SW: Der erreicht morgen Mittag MESZ maximal 12 mag. (und wenn es in Europa hell wird, dürften es erst 15 mag. geworden sein). [NACHTRAG: Der Asteroid hat eine ausgeprägte Lichtkurve und ist ein schneller Rotator – ein SW-Tag ist mit 28 Sekunden der neunt-kürzeste bekannte.]

Weit interessanter war dagegen ein richtig erdnaher Kleinst-Asteroid, der gestern früh über Deutschland in die Erdatmosphäre eintrat, der Oberfläche bis auf 92 km nahe kam – und dann wieder in den Weltraum entschwand! Die Grafik trägt Höhe gegen geografische Breite auf, mit der Bahn von rechts nach links: eine erste Analyse aufgrund von Kameradaten der seeehr langsamen Feuerkugel während der Atmosphären-Passage, die sich für die Beobachter – Visuals z.B. hier, hier, hier und hier – quer über den Himmel bzw. hunderte Kilometer über den Boden erstreckte [NACHTRÄGE weitere Analysen des Falls hier und vor allem hier und hier]. Und noch Online-„Poster“ zu den Lyriden dieses Jahr und Videokameras für schwache Meteore von der virtuellen International Meteor Conference 2020.

Die Aufregung um das Bobcat Fire am Mount Wilson Observatory – hier ein Webcam-Bild von vorgestern Nachmittag Ortszeit – ist derweil immer weiter gegangen: Zwar erklärte das Management am 19. September, man sei „sicher“, aber dann musste doch weiter gerungen werden. Zeitraffer vom Nachmittag und Abend des 17. und Abend des 22. September, Bilder und Updates vom 16. bis 23. September hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein weiter Blick und Artikel hier, hier und hier. Auch das vorsichtige Hochfahren des Paranal Observatory und der NSF-Sternwarten, ein Herschel-400-Projekt mit dem eVscope, die Finsternisse 2021 (darunter die erste partielle SoFi in Deutschland seit 2015), ein bisschen Tag-und-Nacht-Gleiche, Versuche, Deep Sky in 3D darzustellen (der Mini-Player-Modus erleichtert Parallel-Stereopsis), Notizen vom Outreach-Meeting während der AG-Tagung – und ein Besuch im Wendland, wie erwartet besonders dunkel. [23:35 MESZ]


22. September

Ein Hubble-Jupiter vom 25. August in ungefähr echten Farben, erzeugt von Christopher Go aus Rohbildern durch passende Filter: Was die NASA veröffentlicht hatte (mehr und mehr und Artikel hier und hier), war dagegen falschfarbig – und das kann Go auch. Ferner der letzte Betrieb des Ionen-Triebwerks und die Auswahl von 1998 KY26 als neues, zweites Ziel des Hayabusa-2-Mutterschiffs (Artikel hier, hier und hier), die Kollisions-Geschichte von Ryugu (mehr und mehr), Spuren von Vesta und der große Felsen auf Bennu, der Beginn der Industrie-Arbeit an Hera (mehr, mehr, mehr und mehr), wie weit die Mars-Flotte inzwischen kam (z.B. Tianwen-1 137 Mio. km weit), die lautlosen Start-Vorbereitungen für Chang’e-5 im November, die mögliche Rückkehr der Centaur von Surveyor 2 von 1966 als ‚Asteroid‘ 2020 SO – und ein neuer Bericht des NASA-IG zeichnet ein trübes Bild des wissenschaftlichen Werts von SOFIA … [20:15 MESZ]


16. September

Bobcat Fire 150 Meter vor dem Mount Wilson Observatory

Die Lage für die große – und ebenso historische wie aktive – Sternwarte bei Los Angeles ist 9 Tage nach dem Ausbruch des Waldbrandes kritischer denn je: Weniger als 500 Fuß liegen noch dazwischen, aber es sind starke Feuerwehrkräfte vorbereitet: ein dramatisches Rundschreiben, ein Lageplan, ein Blick von der Seite vorgestern, Artikel von gestern (früher, noch früher) und vorgestern, oben Bilder von ostwärts und südwärts schauenden Webcams von vorgestern früh (mit Mond & Venus) und abends, mit weiteren Bildern vom Abend des 12. bis Morgen des 15. September Ortszeit hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, und Animationen von vorgestern hier, hier, hier, hier und hier. [NACHTRAG: Das Feuer konnte erfolgreich abgewehrt werden! Artikel hier, hier und hier, Postings hier, hier, hier und hier und frühere Artikel hier, hier, hier, hier.] Auch das Griffith Observatory im Rauch, die Lage aus Satelliten-Sicht, ein Update zum Arecibo-Schaden und Reparatur-Plänen (Artikel hier und hier), ein Parlaments-Auftritt von Martin Rees zum SKA, ein Interview zum VLTI-Instrument GRAVITY, ein virtueller Besuch beim Very Large Telescope mit diesem Tool, das Gravitationswellen-Teleskop VIRGO als Meeres- und Erosions-Forscher, eine Planeten-Party in Kanada, das Goldene Zeitalter der Astrofotografie, wofür sie nützlich sein kann – und morgen ist die erste Earth Night in Deutschland.

Der Mars am 12. September – mit den Vulkanen und den Wolken bei Arsia Mons, aufgenommen von Torsten Hansen mit einem 11″-SCT: auch Bilder von gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 13. September (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 12. September (mehr, mehr, mehr und mehr), 11. September (mehr und mehr), 10. September (mehr), 9. September (mehr und mehr), 7. September und 2. September und mit einem 1-m-Teleskop sowie gezeichnet hier und hier. Ferner der Jupiter am 13. September (mehr, mehr und mehr), 12. September, 11. September, 10. September, 9. September (mehr) und 8. September, die drei Ausbrüche dort (mehr, mehr und mehr), der Saturn am 13. September und 10. September (mehr), die drei Planeten im C11, der Uranus vorgestern – und die „Streifzüge“ Nr. 29 über den Stern Fomalhaut und seine staubigen Begleiterscheinungen.

Oben: So sah der kanadische Kleinsatellit NEOSSat den Kometen NEOWISE – auch Bilder vom 10. September, 9. September und 6. September (sowie ein Preis für einen Amateur, der einen km-großen NEO fand, und die Wiederentdeckung von 2011 ES4, dessen Bahn nun gut bekannt ist). Mitte: ein hervorragendes Video einer streifenden Bedeckung eines hellen Sterns durch den Mond gestern – auch drei weitere Videos zusammen [NACHTRAG: und weitere Einzel-Videos hier und hier.] Unten: die aktuelle „Konsens-Prognose“ für den 25. Sonnenzyklus von einem internationalen Panel, der gemäß gleitenden Mittels der Fleckenzahl im Dezember 2019 begonnen hat – demnach sollte der 25. Zyklus mit maximal 115 Flecken etwa so schlapp ausfallen wie der 24., mit dem Maximum sehr grob im Juli 2025. Es kann aber auch ganz anders kommen, etwa wenn die Aktivität jetzt steiler ansteigen sollte als nach dem vorletzten Mininum, wurde gestern in einer Telecon (viele Visuals dazu) und einer folgenden Sendung des NASA-TV klargestellt: auch ein NASA Release, ein Artikel und ein NASA-Blog zum Cycle 25. [1:00 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel zum Zyklus 25 hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 26. 9. 2020”

  1. Infrarot-Astronomen sehen kein Venus-Phoshan | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] der CalACademy zu Astronomie in Chile, mit besonderer Berücksichtigung des Making of der neuen Planetariums-Show „Big Astronomy“ – auch die kommende 200-Jahr-Feier des South African Astronomical Observatory (mehr und […]

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