Phosphan schon 1978 auf der Venus gemessen?

Die Daten sind bald 42 Jahre alt, aber die Entdeckung von Phosphan per Radioastronomie in der Venus-Atmosphäre (nur eine einsame Linie, aber alternative Interpretationen schein es nicht zu geben) hat zu einem neuen Blick darauf Anlass gegeben – und siehe da: Das Large Probe Neutral Mass Spectrometer (LNMS) auf der großen der vier Kapseln der Mission Pioneer Venus, die am 9. Dezember 1978 durch die Venus-Atmospäre abstiegen, scheint PH3 und Abbauprodukte direkt gemessen zu haben.

Hier die aktuelle Interpretation eines Teil der Massenspektren: in der linken Spalte die atomic mass units, jetzt die Daten, darüber die Auswertung (auf der rechten Seite sind noch NO, S, O2, HS, H2S und die Isotope 35Cl und 37 Cl markiert; bei geringeren amu-Werten von 15 bis 17 kommen noch CH3, O, CH4, OH und ein Gemisch aus 13CH4 und CH3D vor). „We find that LMNS data support the presence of phosphine“ in der relevanten Zone in 50 bis 60 km Höhe“ sagen die Auswerter jetzt, „although, the origins of phosphine remain unknown.“ Konkret „the spectra show a tantalizing possibility for the presence of PH3, along with its associated fragments, and singly deuterated parent ion. While intensities of the peaks are low, they are perhaps consistent with the ~20 ppb abundances reported by Greaves et al. Together, the tentative assignments suggest that the reported abundances of H2S (from mass spectra) across Venus’ atmosphere may actually be PH3; and that atomic sulfur is derived from SO2.“ Und es gäbe „an indication of chemistries not yet discovered, and/or chemistries potentially favorable for life“ – aber auch ein skeptischer Thread dazu, ein trefflicher Kommentar zu der Vulkan-Spekulation über die PH3-Quelle, an der es reichlich Grund zu zweifeln gibt, auch wenn sie ein Autor verteidigt, eine Sammlung weiterer Experten-Meinungen, das Paper „Could the Migration of Jupiter Have Accelerated the Atmospheric Evolution of Venus?“ (das hier zusammengefasst wird), Artikel hier, hier, hier und hier, noch ein Video – und eine indisch-französische Venus-Mission 2025.

24 Exoplaneten, die noch lebensfreundlicher als die Erde sein sollten oder „hyperhabitabel“, hat ein umfangreiches Paper unter den über 4000 v.a. vom Kepler-Satelliten gefundenen Objekten benannt. Besonders lebenfreundlich wäre z.B., wenn die ‚Sonne‘ ein K-Stern geringer Masse wäre: längeres Leben (also mehr Zeit für biologische Evolution) und weniger UV-Strahlung als bei einem G-Stern wie unserer Sonne. Etwa 50% mehr Masse als die Erde (hält mehr Atmosphäre), etwa 5° höhere Temperatur und bei paar weitere Faktoren wären für Leben auf einem Planeten auch besonders förderlich – die meisten Größen lassen sich allerdings nicht direkt beobachten. Gleichwohl sind in diesem Diagramm ein paar K-Stern-Planeten hervor gehoben: Aufgetragen ist die Sternmasse (0.5 bis 1.0 Sonnenmassen) gegen die große Bahnhalbachse des Planeten (0.5 bis 1.0 au), mit der Habitablen Zone markiert. Von den zwei Dutzend Kepler-Kandidaten (KOIs) darin sind allerdings nur zwei auch validiert (Kepler 1126 b und Kepler-69c), und auch diese sind selbst für das JWST oder LUVOIR nicht attraktiv: Es geht mehr um die Feststellung, dass unter den bisher gefundenen Planeten bereits ein paar hyperhabitable sein dürften.

Die ersten Lichtkurven des Exoplaneten-Satelliten CHEOPS

sind jetzt publiziert worden: Sie zeigen, wie der bekannte Planet WASP-189 b (dieser Satellit beobachtet ja nur bereits entdeckte Exoplaneten, dafür aber mit 20 ppm Genauigkeit) vor seinem Stern her zieht (oben) bzw. hinter ihm verschwindet – wobei die gemeinsame Helligkeit von Stern + Planet nur um 88±4 ppm abnimmt, was CHEOPS mit seinem 30-cm-Teleskop aber problemlos messen konnte. Gegenüber den Messungen bei der Entdeckung des Planeten vor zwei Jahren ändert sich durch die CHEOPS-Daten eine Menge, so ist der Transit 25% tiefer als gedacht (Probleme mit Vergleichssternen bei 6.6 mag.V?), und die Asymmetrie der Lichtkurve verrät gravity darkening durch die schnelle Rotation des Sterns. WASP-189 b mit einer Umlaufszeit von nur 2.7 Tagen, 1.6 Jupiterradien und 2.0 Jupitermassen hat eine Temperatur auf der Tagseite von 3440 Kelvin, was die CHEOPS-Beobachter in Bern über „einen der extremsten Planeten im Universum“ schwärmen lässt; weitere Press Releases hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier. Auch schön: ein Paper über Beobachtungen des Satelliten TESS von 55 Cancri e – da fällt die Gesamthelligkeit, wenn er hinter dem Stern verschwindet, sogar nur um 15±5 ppm, „a staggeringly small change in brightness, yet one detected by TESS in just a single sector of data.“ Und — v.a. im TESS-Kontext – ein neues Exoplaneten-Portal der NASA, das inbesondere Citizen Science fördern möchte.

Wieder ein neuer Annäherungs-Rekord an die Sonne ist am 27. September von der Parker Solar Probe aufgestellt worden: Sie näherte sich der Sonnenoberfläche bis auf 13.5 Mio. km (die Grafik zeigt die Oberflächen-Distanz in Sonnenradien gegen die Tage seit dem Start). Derweil sind Tonnen von Papers mit ersten Messungen des Solar Orbiter erschienen, die zugleich – ungewöhnlich schnell – auch frei in einem Archiv verfügbar wurden: Press Releases hier, hier und hier. Auch der Start-Vertrag für die Interstellar Mapping and Acceleration Probe der NASA, die 2024 auf einer Falcon 9 fliegen soll, eine Verschiebung des Starts von Dragonfly, dem Hubschrauber für den Titan, auf 2027 – und in Cassini-Daten wurden Hinweise auf frisches Eis auf dem Saturnmond Enceladus gefunden.

So sah der Marslander InSight einen Staubsturm kurz nach der Landung im November 2018 als Zunahme der Opazität der Atmosphäre von ~0.7 auf ~1.9 im Januar 2019 (x-Achse: Sol), während der Rover Curiosity zeitgleich denselben Effekt maß – auch die Wetterdaten an beiden Orten, Elysium Planum bzw. Krater Gale, reagierten deutlich. Auch der Nachweis von mehr unterirdischem Wasser unter den Polkappen durch den Mars Express (Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier, mit einem Link zum Paper, komplett aber read only], die Frage nach Leben bei niedrigem Druck und der Bewohnbarkeit (und Planetary Protection) des Mars, der allmähliche Bau des ExoMars-Landers, Freifall-Tests des Phobos-Landers von MMX, der Zoo der Kometen-Ionen von ROSINA auf Rosetta, ein klarerer Blick auf die Hydration der Mond-Oberfläche – und eine Verlängerung der Mission von Indiens AstroSat nach dem Ende der 5-jährigen Primärmission.

Die Zahl der Objekte in diversen Erdorbits steigt rapide an, wie diese Grafik aus einem Webinar der Fraunhofer-Gesellschaft gestern [NACHTRAG: alle Slides] mit der Zahl aller von den USA getrackten Objekte ab 5 bis 10 cm Durchmesser gegen die Zeit zeigt (s.a. Notizen von einem anderen Vortrag vor 8 Jahren oder dieser aktuelle Plot nur vom LEO): Das erfordert erhöhte Wachsamkeit, und so kümmert sich die USAF jetzt direkter und die Vermeidung von Kollisionen, während auch im UK mehr für die Space Situational Awareness getan wird.

Und auch in Deutschland, was der Anlass für das Webinar im Rahmen einer Serie zu Radar-Fragen aller Art war: Es kam direkt vom neuen Standort bei Koblenz des German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar (GESTRA), das gerade in Betrieb geht – oben ein Standbild aus einem Drohnen-Video, darunter ein Blick auf die Vorderseite einer der Antennen und unten ein Stück ihrer Technik. Auch schon wieder Satelliten von der ISS aus gefilmt, was das UK in Sachen Galileo vorhat – und deutsche Raketenstarts demnächst in Norwegen … und vielleicht eines Tages in Rostock?

Ein Vortrag über die Rolle von Satelliten bei der Erdbeben-Forschung – auch Sentinel 6 in Kalifornien angekommen (mehr und mehr), der nach dem jüngst verstorbenen Michael Freilich benannt ist und die Beobachtung von Pinguin-Kolonien, Wäldern und den aktuellen Waldbränden in den West-USA (mehr und mehr) aus dem Orbit. Ferner ein Start in Russland mit 22 Satelliten (3 großen und 22 kleinen; mehr, mehr, mehr und mehr, Videos hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) und einer in China mit 2 (mehr, mehr und mehr). Auf der ISS wurde das Leck auf Zvezda eingegrenzt aber noch nicht gefunden (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), der Dragon-Start von Crew 1 ist jetzt für den 31. Oktober geplant (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), Maurer hofft auf Crew 3, die Pläne für eine kommerzielle Nutzung der ISS werden konkreter – und Italien will groß in Artemis investieren (mehr und mehr), sowie als Artemos-Co-Passagiere DAPPER für Radioastronomie hinter dem Mond und das Cislunar Autonomous Positioning System Technology Operations and Navigation Experiment.

Eine Antwort to “Phosphan schon 1978 auf der Venus gemessen?”

  1. Infrarot-Astronomen sehen kein Venus-Phoshan | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] die auf 20 ppb des potenziellen Biomarkers Monophosphan (PH3) in den Venus-Wolken hinweist, und neu ausgewertete alte In-Situ-Daten könnten das bestätigen (woran gleich Zweifel geäußert wurden – aber nun verkünden […]

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