Infrarot-Astronomen sehen kein Venus-Phosphan

Radioastronomen haben eine (einsame) Absorptionslinie gesehen, die auf 20 ppb des potenziellen Biomarkers Monophosphan (PH3) in den Venus-Wolken hinweist, und neu ausgewertete alte In-Situ-Daten könnten das bestätigen (woran gleich Zweifel geäußert wurden – aber nun verkünden Infrarot-Astronomen (mit mehreren der o.g. Radioastronomen als Co-Autoren!) eine Obergrenze von 5 ppb dieses Moleküls in Archiv-Daten der IR Telescope Facility (IRTF) auf dem Mauna Kea von 2015, was zumindest für die Oberseite der Venus-Wolken gilt. In der Grafik sind das Spektrum vom Texas Echelon Cross
Echelle Spectrograph und Modelle für verschiedene PH3-Anteile für den Wellenlängen-Bereich 10.4690 bis 10.4673 µm eingezeichnet (bei IR-Astronomen nimmt die Wellenlänge nach rechts ab). Das Fehlen irgendeiner Absorption an der richtigen Stelle kann dreierlei bedeuten: Das Phosphan ist nicht gleichmäßig in der Atmosphäre vermischt, seine Menge ist zeitlich variabel – oder es existiert gar nicht, und die Radio-Linie bedeutet doch etwas anderes. Die Suche nach einer zweiten Spektralsignatur zusätzlich zur Radio-Linie geht weiter: Ohne sie darf man die Existenz von PH3 auf der Venus nicht als bewiesen betrachten, das sehen die Radioastronomen ganz genau so.

Womit wir bei dieser Absorptionslinie in einem Venus-Spektrum wären, nun wiederum mit dem Radio-Interferometer ALMA gewonnen: Sie wird als die einfachste Aminosäure Glycin interpretiert (woran aber bereits Zweifel geäußert wurden), und die indischen Beobachter spekulieren über eine protobiologische Chemie in den Venus-Wolken, die der irdischen vor vielen Jahrmilliarden ähnle. Auch ein Artikel dazu und ältere zum Phosphan und den Folgen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Interview, ein Astronomy on Tap – und ein unverschämter Angriff auf die Radioastronomen, der auf der Webseite der IAU-Komission für Astrobiologie erschien und heftige Proteste und Disussionen auslöste (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr); die IAU-Zentrale ließ den unsignierten Text rasch verschwinden und entschuldigte sich für den Vorfall.

BepiColombo hat mittels der Venus erfolgreich „abgebremst“

und dabei nahe der größten Annäherung diese Bilder des Planeten hinter Teilen des künftigen Merkur-Orbiters mit einer technischen Kamera aufgenommen: Es sind Einzelbilder aus dieser Animation (auch kleiner und mit Musik unterlegt). Da die Kamera über keinerlei Filter verfügt, erscheinen die Venus-Wolken strahlend weiß und ohne jede signifikante Struktur: auch ein Press Release über den Swing-By vorletzte Nacht, frühere Visuals hier, hier und hier, ein langer Chat mit zwei Projekt-Managern, parallele Venus-Beobachtungen von der Erde aus, ein langer Thread und Artikel hier, hier, hier und hier.

Der Mars zwischen Erdnähe und Opposition mit einem 20-Zoll-Newton aufgenommen von Thomas Winterer am 11. Oktober (Effektiv-Brennweite 8600 mm, ASI290 MM, Astronomik RRGB, WinJupos-Derotation). Auch eine Mars-Karte als rotierender Globus, Aufnahmen von gestern (mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr), dem 13. Oktober (mehr, mehr und mehr), 12. Oktober, 11. Oktober (mehr, mehr und mehr), 10. Oktober (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und ein Vergleich mit 2000), 9. Oktober (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 8. Oktober (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) – und was ein Smartphone und 65 mm Öffnung schaffen können.

Die Oppositionsnacht wurde von zahlreichen Organisationen für Webcasts genutzt, hier der RASC mit einem tollen Einleitungs-Vortrag über die Geschichte des Mars und seiner Habitabilität, der sich v.a. auf dieses neue Paper bezog, dem Adler Planetarium und dem Lowell Observatory, Live-Streams des Planeten gab es auch hier (wohl das beste rohe Bild) und hier, wobei die Rohdaten frei verfügbar sind. Auch eine PM des DLR, eine Blog-Story der NASA und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Das ist das „Sternbild“ Terabird, bestehend aus fernen Blazaren, die im TeV-Bereich strahlen – mit rechts ein energiereiches Neutrino-Ereignis von IceCube am Südpol, das aber zu keiner bekannten Hochenergie-Quelle passt. Auch der größte 3D-Galaxien-Katalog von Pan-STARRS, das Hochfahren von La Silla, weiter keine Besuche auf den Sternwarten der NSF, der Komet C/2020 M3 (ATLAS) gestern, die schlechte Geometrie des neuen Kometen C/2020 S3 (Erasmus), ein französischer Bolide am 11. Oktober (Bild), Radio-Meteor-Beobachtungen diesen Monat, eine Feuerkugel-Bild-Verwechselung, die Sonnen-Aktivitäts-Region 2776, Aurora aus einer U2 gesehen, LED-Ärger in Neuseeland – und ein Paper zum globalen CO2-Rückgang im Lockdown: auch eine PM und ein Artikel.

Eine NightSchool der CalACademy zu Astronomie in Chile, mit besonderer Berücksichtigung des Making of der neuen Planetariums-Show „Big Astronomy“ – auch die kommende 200-Jahr-Feier des South African Astronomical Observatory (mehr und mehr), eine lange Online-Feier von 40 Jahren Very Large Array (mehr und mehr), ein Update vom 12. August zur Reparatur von Arecibo, australische Fortschritte beim SKA, ein Zeitraffer vom Mauna Kea mit dem Galaktischen Zentrum unter Laser-Beschuss, ein virtueller Rundgang durch das Observatorium Lustbühel in Graz, wie der Mount Wilson dem Bobcat Fire entkam, das aber noch lange Folgen haben wird, ein Webinar heute zum Projekt REINFORCE (Research Infrastructures FOR citizens in Europe), das Bürgerforschung mit Gravitationswellen und mehr organisieren will, Fortschritte beim Umbau des Planetariums in Bochum mit u.a. neuen Projektoren – und ein Planetariums-Projekt in einem underground Victorian reservoir in Nottingham.

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