Archive for 2. Januar 2021

Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 10. Januar 2021

2. Januar 2021

10. Januar

C/2021 A1 (Leonard): erdnaher 1-mag.-Komet im Dezember?

Er wurde soeben mit Nummer und Namen versehen: der erste Komet des Jahres, am 3. Januar entdeckt von der Mt. Lemmon Survey mit etwa 19. Größe. Bereits mit der vorläufigen Bezeichnung C4AGJ62 hatte er – z.B. hier, hier und hier – für Aufsehen gesorgt, weil er ein Jahr später erst der Erde und dann der Sonne recht nahe kommen sollte. Inzwischen wurden Bilder bis April 2020 zurück gefunden, womit die Bahn gut bestimmt ist: Erdnähe am 12. Dezember in 0.23 au Abstand (bei 0.77 au Sonnenabstand), Venusnähe am 18. Dezember (nur 0.028 au!), Perihel am 3. Januar 2020 in 0.615 au Sonnenabstand. Mit optimistischer Formel gerechnet könnte Leonard am 2. Dezember 3.0 mag. erreicht haben, in 66° Elongation in den Jagdhunden, am 6. Dezember 2.0 mag. in 57° im Bootes und um den 10. Dezember 1.0 mag. in 35° Elongation im Kopf der Schlange. Vielleicht werden es sogar 0 mag. um dem 13. Dezember im Schlangenträger, aber dann ist die Elongation auf 15° abgestürzt.

Noch bis zum 10. Dezember steht Leonard in Deutschland vor Beginn der Morgendämmerung ~20° hoch am Himmel, rund um die Erdnähe (wenn die Sonne fast hinter dem Kometen dessen Staub extra hell strahlen lassen könnte) dann tief in der Abenddämmerung, während der Komet im Schützen nach Süden verschwindet. Wenn man sich dann nach Namibia beginnt, gibt es ab dem etwa 20. Dezember eine gute Abendsichtbarkeit, mit Leonard ~20° hoch nach Ende der Dämmerung, während die fallende Sonnen- der steigenden Erddistanz entgegenwirkt: Auf 2.0 mag. sollte der Komet erst um dem Periheltag, auf 3.0 mag. um den 12. Januar gefallen sein. Alle Angaben zur Helligkeit natürlich ohne Gewähr: Bei ’neuen‘ Kometen, die auf einer Parabelbahn anreisen, weiß man bekanntlich nie … [3:45 MEZ] Zu Leonard eine neue Info-Seite und mehr zur Sichtbarkeit – und es gibt auch die neuen Kometen C/2021 A2 (NEOWISE) (vormals N00ht7m; eine Info-Seite und Bilder vom 8.1., 7.1. hier, hier und hier, 6.1. und 5.1.), C/2020 X4 (Leonard) (ein Bild vom 15.12.) und C/2020 Y2 (ATLAS) (plus 156P bei M33 gestern).

Derweil wird das Planetendreieck aus Jupiter, Merkur und Saturn – Vorschauen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – heute für Europa praktisch gleichseitig: Bilder von heute (Asien), gestern (Amerikas; alt., mehr, mehr, mehr und mehr und früher) und vorgestern (mehr und früher). Auch die Planeten als Kette am 7.1. (in Brasilien) und eine Woche später mit der Mondsichel. [15:25 MEZ] Auch fotografisch nur mühsam nachweisbar war das Planeten-Dreieck heute Abend in Europa, wie Bilder aus Belgien und Deutschland (mehr, mehr und mehr) zeigen. Auch das Trio zuvor über Dubai, dem Iran und Russlands fernem Osten, Komet 156P/Russell-LINEAR bei Messier 33 heute und gestern, die Kometen C/2021 A2 (NEOWISE) heute und C/2021 A1 (Leonard) am 7.1. und 6.1., mehr Infos zu letzterem hier, hier und hier und viele Grafiken, die Papers „The internal structure and geodynamics of Mars inferred from a 4.2-Gyr zircon record“ und „Trajectory and orbit of the unique carbonaceous meteorite Flensburg„, eine 63 Stunden lang belichtete Aufnahme des Planetarischen Nebels Jacoby 1, ein Portrait eines UK-Amateurs, eine Show zum Abschied vom alten Planetarium in Münster, mehr Citizen Science in der Pandemie, Vorträge über den Hauptspiegel des GMT und Big Astronomy, vielleicht demnächst die erste negative Schaltsekunde, der Sonnenschein in Deutschland seit 1951 – und Wetterstatistiken für 2020 hier, hier und hier. [23:55 MEZ – Ende]


8. Januar

Der erste Start des Jahres vergangene Nacht von einer Falcon 9 am Cape mit Turksat 5a: der Webcast, daraus Standbilder hier, hier und hier, Clips hier, hier, hier, hier und hier, Start-Foto-Galerien hier, hier, hier, hier, hier und hier, weitere Strichspuren hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Videos aus der Ferne hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:15 MEZ]

So kann man einen Magnetar ins Bild setzen, der Chandra nur als Punktquelle mit leichtem Halo durch Streuung an Staub (hier rosa eingefärbt) erscheint: den infraroten Hintergrund dazu mischen. Der erst kürzlich entdeckte Magnetar Swift J1818.0-1607 ist keine 500 Jahre alt, wie aus seiner Spin-Down-Helligkeit folgt. Auch 6 Galaxien-Fusionen vin Hubble, die NASA-Auswahl von Konzeptstudien für vier kleine Astro-Missionen [NACHTRAG: ein Artikel], die EUV-Sonne jeden Tag 2020, SoFis inklusive, Missions-Verlängerungen für Juno und Insight bis 2025 oder Ausfall bzw. Dezember 2022 und der 26. Mond-Tag für Chang’e-5. Sowie der Baubeginn der chinesischen Raumstation dieses Jahr, ein Auftrag der ESA für eine Komponente des Gateway – und der scheidende ESA-Chef geht noch früher als gedacht. [23:20 MEZ. NACHTRAG: Artikel hier und hier und ein Aschbacher-Portrait]


6. Januar

So zeichnet die Gaia-Mission die Spiralarme der Milchstraße nach: Aus Parallaxen-Daten des Early Data Release 3 wurden hier rund 1000 der besonders hellen O-Sterne mit ihren Entfernungen in der Scheibe verteilt (grüne Punkte mit Fehlerbalken) – und sie zeichnen drei etablierte Spiralarme streckenweise recht gut nach. Diese sind farblich unterschieden, und als Dreiecke sind auch ihnen zugeordnete Maser markiert. Gaias O-Sterne liefern ein insgesamt kompletteres Bild, fallen aber auch durch ihre Klumpung auf: Eine „schöne“ Spirale ist die Milchstraße wohl nicht. Auch Gaia-Erkenntnisse (noch aus dem Data Release 2) zu Veränderlichen in der Milchstraße und den Bahnen von Transneptunen (unter Ausnutzung von Sternbedeckungen), die Phase C für das NASA-Observatorium SPHEREx, was für Spectro-Photometer for the History of the Universe, Epoch of Reionization and Ices Explorer steht, und der Atmosphären-Eintritt des NASA-Mini-Observatoriums HaloSat.

Eine kleines Video über den Erfolg von Hayabusa 2, der inzwischen den Ionenantrieb wieder einschaltet, um zum nächsten Asteroiden zu kommen – aus das nächste Instrument in Lucy, ein dickes Paper zur „Rosetta Mission Amateur Observing Campaign and Lessons for the Future“, die jüngsten Bilder von Curiosity, die Messung des Chandler Wobble des Mars mit drei NASA-Orbitern, ein Sonder-Direktorat für Mondmissionen in Russland, eine 112-Seiten-Bilanz der Raumfahrt 2020 (auch Artikel hier und hier – und weitere Raumfahrt-Vorschauen auf 2021 hier, hier und bzgl. zahlreicher Starts eher pessimistisch hier sowie speziell zu China, der ESA und dem Mars. Die nächsten geplanten Attraktionen sind jedenfalls das Experiment Sharksat nach dem heutigen Ablegen des Cygnus von der ISS und der Mitflug zahlreicher Kleinsatelliten beim nächsten Startversuch von Virgin Orbit am 10. Januar – und nachdem der Schrott von SN8 weggeräumt ist, steht mit der SN9 der nächste Höhenflug eines ‚Starship‘-Prototypen bevor, vielleicht am 8., 9. oder 10. Januar. [0:00 MEZ]

Der Cygnus hat um 16:11 MEZ von der ISS abgedockt und entfernt sich nun – auch das Experiment GRASP auf derselben, die ersten SAR-Bilder von SpaceTy, ein Auftrag für drei Frühwarn-Satelliten für 5 Mrd.$, ein frostiger Bildstreifen vom ExoMars – und Yutu 2 ist zwei Jahre unterwegs auf der Rückseite des Mondes. [16:20 MEZ] Eine Grafik aller Planeten-Passagen durch das LASCO-Gesichtsfeld dieses Jahr – auch ein Teleskop auf GOES U als eine Art Nachfolger 2024, aber vielleicht wird’s ja endlich was mit Proba-3 schon vorher. Und zum Cygnus Artikel hier, hier und hier. [23:45 MEZ]


4. Januar

Die Sonnenkorona, die Coronal Mass Ejection und Komet C/2020 X3 (SOHO) in weiterer Verarbeitung der Aufnahmen von Andras Möller von der totalen Sonnenfinsternis am 14. Dezember durch Miloslav Druckmüller und nochmals bearbeitet durch diesen Blogger. Auch eine andere Verarbeitung der Korona, die Sonne heute fleckenlos und am 1. Januar (mehr), Jupiter und Saturn gestern, die Deutschland-Temperatur 2020 und das Jahrzehnt in Vergleichen (meist Nr. 2 oder Nr. 1 seit 1881), Komet 156P am 1. Januar, ein Paper über „Comet 12P/Pons-Brooks: Identification with Comets C/1385 U1 and C/1457“, der gestrige Peak der Quadrantiden per Radio-Echos verfolgt (mehr Daten und gestackte Videobilder aus New Mexico und Russland), Spektren eines Ursiden und einer Feuerkugel – und Chinas großes neues Radioteleskop FAST wird zugänglich für Ausländer, ab Mitte dieses Jahres. [18:55 MEZ]


2. Januar

Alle Raketen, denen 2020 mehr als ein Start gelang, zeigt dieses Histogramm – in Blau sind Fehlstarts markiert, dazu kamen noch 14 Raketen mit je einem Starterfolg (darunter 5 weitere Langer-Marsch-Modelle) und 5 im letzten Jahr erfolglose Raketen (darunter eine Langer Marsch). Auch eine Statistik, eine Tabelle aller Starts, große Raumschrott-Ereignisse 2020, Artikel hier, hier, hier, hier und hier, wie Amateure den Orbit überwachen und es jetzt im U.K. weiter geht. Ferner grünes Licht für zwei Heliophysik-Missionen der NASA, darunter den Electrojet Zeeman Imaging Explorer, was China mit den Mondproben von Chang’e-5 vorhat (auch Artikel hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier] und des Mutterschiffs Kurs auf den Lagrange-Punkt 1 nun bestätigt), ein Gag über den Hayabusa-2-Lander MASCOT (und weitere Bilder der Asteroiden-Samples, ein Dankschreiben an Subaru und Glückwünsche aus aller Welt), eine Animation von VMC-Bildern vom Mars, die Planetary Protection-Strategie der USA, scheinbar geringes Interesse am JWST durch Astronomen (diskutiert hier, hier und hier), ein chinesischer Raketentest (mehr und ein Video) – und letztens hat ein französisches Paper den ersten Countdown in der SF-Literatur bestätigt: 1897 in der Kurzgeschichte „The Great Crellin Comet“ von George Griffith. [20:55 MEZ]