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Globales Online-Event zur Sonnenwende heute

21. Juni 2021

Am Ende hat es gut drei Stunden gedauert, ein außergewöhnliches internationales Online-Event gerade anlässlich der Sonnenwende (heute früh um 5:32 MESZ), gehostet auf Zoom, organisiert von der Iranian Teacher’s Astronomy Union (nebst einem Student’s International Network for Astronomy) und unterstützt auch von der Internationalen Astronomischen Union, der der Iran seit kurzem angehört.

Das vielfältige Vortragsprogramm aus mehreren Kontinenten – in Englisch, in keinem der beteiligten Länder Amtssprache – bot ein Feuerwerk aus kulturellen Aspekten des Zeitraums um die Sonnenwende und Berichten über angewandte Astronomie-Didaktik. Der Begriff Tirgan bezieht sich dabei auf ein uraltes persisches (Regen-)Fest Anfang Juli, das zu Beginn mit einem Video einer gleichnamigen Werbe-Agentur gefeiert wurde.

In den vielen Vorträgen in rascher Folge – die Aufzeichnung der drei Stunden wird demnächst zu einem Video zusammengeschnitten – wurden einerseits vielfältige Traditionen rund um den nördlichsten Sonnenstand vorgestellt, wobei vor allem aus Bugarien auch ziemlich schräge Vorstellungen berichtet wurden, über kosmische Kräfte etwa, die Heilkräuter mit Extra-Energie aufladen, oder finstere Mächte unterwegs, wobei das Ganze auch noch auf komplexe Weise mit dem Johannistag verwoben ist.

Da konnte der Nachbar Rumänien natürlich nicht nachstehen, wo der Mittsommer gleichfalls mit reichlich Ritualen und Aberglauben aufgeladen ist.

Wiederum Anfang Juli wird in Japan das Tanabata-Fest begangen, als populärstes Sternen-Event, während die Sonnewende keine nennenswerte Rolle spielt. Auch die Vorträge zur astronomischen Öffentichkeits-Arbeit waren vielfältig:

Da ist z.B. ein Platz an der Küste im südwest-iranischen Bushehr – wo es mehr als nur ein kaputtes AKW gibt – zu einem Horizont-Observatorium umfunktioniert, wo von einer bestimmten Bank aus die Wanderung des Sonnenuntergangs-Punktes über’s Jahr verfolgt werden kann.

Eine andere iranische Initiative „pflastert“ Städte buchstäblich mit Sonnenuhren. Während in Brasilien eine Android-App entwickelt wurde, die detailliert zum Bau einer Analemma-Sonnenuhr – mit dem Nutzer als Gnomon – anleitet.

Beim Herschel-Experiment zum Nachweis der IR-Strahlung werden einfache Thermometer eingesetzt, eine so beliebte Nachstellung der historischen Entdeckung, dass es dazu immer wieder Aktionen gibt …

… während sich auch die Bestimmung des Erddurchmessers mit Hilfe der Sonne nach Eratosthenes als didaktisches Massen-Experiment eignet, wie hier (2016) in Katar. In anderen Vorträgen – etwa über Scientix und EUN, zwei europäische Bildungs-Initiativen – wurden so viele Projekte präsentiert, dass man mit dem notieren kaum mit kam. Ingesamt ein sehr anregenendes internationales Online-Event, dem weitere folgen dürften.

Eine ganze Reihe Videos von der CAP-Konferenz letzten Monat, die eine ganz ähnliche Atmosphäre verbreitet hatte („Auf der Sonne ist …“ -> „… und es ist gerade Halbzeit“), sind inzwischen online – wenn auch nach wie noch nicht auf dem offiziellen Kanal sondern bei diversen Sprechern selbst: Allein die Uni Leiden hat gleich 12 ihrer Beiträge veröffentlicht. Und es gibt einen Artikel auf Nepali, mit dem Google Translate ganz gut zurecht kommt.

Ein enormer Kometen-Kern aus der Oort-Wolke ist im Anflug

auf das – leider – nur äußere Sonnensystem, denn nach der jüngsten Bahnanalyse des Objekts 2014 UN271, das in den Daten der Dark Energy Survey gefunden wurde, mit einem Bahnbogen von 2014 bis 2018 im heutigen CBET #4983 wird das Perihel in zehn Jahren mit 11 a.u. noch außerhalb der Saturnbahn (9 bis 10 a.u.) befinden. Zwar ist die (um 95° zur Ekliptik geneigte) Bahn ganz leicht hyperbolisch, aber ein Ursprung in der fernen Kometenwolke rund um’s Sonnensystem ist wahrscheinlich: Wenn sich der wohl über 100 km große 2014 UN271 – der bislang keinerlei Koma zeigt – fürderhin wie ein Komet benimmt, sollte seine Helligkeit aber noch von 22.-21. Größe 2014-18 auf grob 17. um 2031 steigen. Auch angeregte Diskussion und Threads hier, hier und hier sowie die Sonne gestern (mehr) und vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr) – und der steile Helligkeits-Abfall der Nova Herculis 2021 ist nach Meldungen an die AAVSO bereits bei 11.0 mag. angekommen!

Leuchtende Nachtwolken gibt’s inzwischen satt jede Nacht, aber immer irgendwo anders besonders gut zu sehen: hier eine Animation aus der Nacht 18./19. Juni, in der dieser Blogger am Morgen erneut fünig geworden war, auch ein Bericht, ein weiterer Zeitraffer und mehr Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Bilder aus der Nacht 19./20. Juni gibt es hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und aus der Nacht 20./21. Juni, als sie in Europa wie Nordamerika ungewohnt weit nach Süden vordrangen, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und noch eine generelle Galerie und Bilder aus einem Flugzeug heraus.