Citizen Science zu Lichtverschmutzungs-Quellen

Dieser Tage beginnt in mehreren deutschen Städten ein selbst für Citizen Science – engagierte Laien mindestens als Datensammler für die Wissenschaft – einmaliges Projekt: Kleine Gruppen ziehen für das Projekt „Nachtlichter“ mit einer speziell entwickelten Web-App auf dem Smartphone durch nächtliche Straßenzüge und zählen systematisch alle Quellen künstlichen Lichts. Solche Totalerfassungen öffentlicher wie privater Leuchtmittel gab es noch nie, und es gilt – wie in dem obigen Webinar motiviert – zu bestimmen, was eigentlich in welchem Maße zu dem letztendlich nach oben entweichenden ALAN (Artificial Light at Night) beiträgt, das den Nachthimmel aufhellt. Und von Satelliten gemessen wird, namentlich Suomi NPP, auf dessen Daten auch die beste Karte der Lichtverschmutzung weltweit basiert. Die viel geziehene öffentliche Straßenbeleuchtung dominiert ALAN mitunter gar nicht, wie letztens das Tucson-Experiment aus dem nächsten Kapitel demonstriert hat. Nachtlichter liefert zwar nur die Zahlen der diversen Lichtquellen-Typen und grobe Helligkeits-Abschätzungen, aber andere Citizen-Science-Experimente gerade auch in Sachen Lichtverschmutzung haben gezeigt, dass trotzdem relevante Schlussfolgerungen möglich sein sollten: eine PM vom GFZ, Artikel hier, hier, hier und hier und ein TV-Beitrag (von 0:29 bis 0:32).

Sechs Stunden Vorträge von einem Online-Workshop über Lichtverschmutzung, der am 19. Februar abgehalten wurde – und in dem von 2:25 bis 2:46 ein wichtiges Experiment diskutiert wird, das in Tucson, Arizona, durchgeführt wurde: Dort durften Forscher die Stadtbeleuchtung insgesamt aktiv kontrollieren, um ihren Beitrag zum ALAN direkt zu erforschen. Das Ergebnis – das Paper, ein NASA Release, eine PM der GFZ und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie eine verwandte Arbeit – war verblüffend: Er liegt dort nur bei etwa 20%! Was in Threads hier, hier, hier und hier eingeordnet wird.

Pellworm und Spiekeroog sind nun deutsche „Sterneninseln“

Konkret sind die beiden Inseln in den Nationalparks Schleswig-Holsteinisches bzw. Niedersächsiches Wattenmeer heute von der IDA zu International Dark Sky Communities erklärt worden, für die (in Deutschland bisher: die Stadt Fulda) nicht ganz so harte Regeln gelten wie für Dark Sky Parks (Eifel und Winkelmoosalm) und Dark Sky Reserves (Westhavelland und Rhön), wo aber starkes Bemühen um sinnvolle Beleuchtung nachgewiesen wird. Die neuen Titel von Pellworm und Spiekeroog als „Star Islands“ sind dabei eher als Werbegags zu verstehen – aber insbesondere die Dunkelheit des ostfriesischen Spiekeroog soll auch als Musterbeispiel für die Erfüllung von Forderung 24 auf Seite 90 der Leeuwarden Declaration zum Schutz des Wattenmeers von 2018 dienen.

Aus dem Dark Sky Reserve Rhön kommt dieser aktuelle TV-Beitrag: Hier wurden für Vergleichsbeobachtungen in einigen Gemeinden des Dunkel-Reservats die Straßenlampen ausgeschaltet – was in dörflichem Umfeld einen erheblichen Effekt ausmacht.

Ein Trailer für die Dark Sky Commmunity Fulda nebenan – auch Artikel zu den wirtschaftlichen Folgen der IDA-Zertifikate und die Verdunklung von Bushaltestellen dort sowie LV-Vermeidung in einem TV-Beitrag über Smart Cities, speziell Darmstadt.

Eine bekannte TV-Doku über Fragen der Lichtverschmutzung vom letzten Jahr, auch das Bundesverdienstkreuz für Andreas Hänel, Podcasts hier und hier, der 279-Seiten-Report „Dark and Quiet Skies for Science and Society – Report and recommendations“ der IAU, die 19-seitigen „Recommendations to Keep Dark and Quiet Skies for Science and Society“ an die UN, das deutsche Insektenschutzgesetz und eine PM des BMU und eine Rede dazu (mit der hinein genommenen LV im 3. Item) und ein Dark-Sky-Flyer für’s Baltikum.

Und drei Vorträge und Diskussionen zum Thema aus diesem Jahr. Es gibt auch 10 neue Sternenbeobachtungsplätze im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, ein paar Unterrichts-Materialien „Sterne in der Nacht“, die Online-Umfrage „Künstliches Licht in der Nacht – Was bedeutet das für unser Wohlbefinden?“, den Final Report 2019 des schwedischen Star-Spotting Experiments, ALAN als Gefahr für Papageitaucher – und eine Fülle von neuen Papers, z.B.

Und noch 12 Seiten zu „Nachhaltigkeit und Ökologie in der Außenbeleuchtung“, eine PM des BUND zu ALAN und Schmetterlingen (auch ein Artikel) und Artikel etc. zu Lichtverschmutzung und (lokaler) Politik aus Deutschland hier und hier und den USA, Kanada, Australien und Südafrika sowie zu Dark-Sky-Tourismus hier, hier, hier und allgemein zu den Problemen der ALAN hier, hier und hier.

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