Allgemeines Live-Blog ab dem 25.11.2021


29. November

Wird so die Korona bei der Finsternis in 5 Tagen aussehen?

Das ist die letzte Prognose ihrer Gestalt in drei verschiedenen Darstellungen (mehr und mehr), ein Update gegenüber Mitte November. Leider liegt der Totalitätsstreifen am 4. Dezember nur über der Antarktis und ihren Gewässern, so dass nur wenige Expeditionen – z.B. Press Releases hier (ein Artikel dazu) und hier – unterwegs sind. Ein indirekter Nachweis über Radio-Effekte sollte möglich sein, aber mit Webcasts – wie es sie zahlreich von den drei Pandemie-betroffenen SoFis 2020 (ringförmig und total) und 2021 (ringförmig, aber live nur partiell) gab – sind nur ganz wenige zu erwarten: Bisher gibt es genau eine seriöse Ankündigung, aber hier wird gesammelt.

Schwächelt Komet C/2021 A1 (Leonard) jetzt? Die Schätzungen der Helligkeit liegen seit inzwischen zehn Tagen ziemlich konstant bei etwa 7.9 mag., die Absolut-Helligkeit scheint leicht zu sinken und es gibt vage Anzeichen eines möglichen Zerfalls seines Kerns. Noch zeigt die Lichtkurve aber Richtung 4. Größe, zzgl. möglicher Aufhellung durch Vorwärtsstreuung im Quasi-Gegenlicht Mitte Dezember: Fotos von gestern hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, vorgestern, dem 26.11. und 24.+25.11. sowie seine Bahn am Morgen Richtung Horizont und dann am Abend parallel zu diesem, ein paar detailliertere Karten und ein Video aus Hof. [1:25 MEZ]

Und so sieht Leonard heute früh mit minimalem Equipment aus (größeres Feld dahinter): Bridgekamera auf einer Fensterbank, mittlere Zoom-Brennweite, 5 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 3200, nicht wirklich klarer (Stadt-)Himmel durch den abnehmenden Mond immer noch so aufgehellt, dass Cor Caroli in der Nähe mit bloßem Auge nur mit Mühe zu sehen ist (also Grenzgröße etwa 3.0 mag.), Komet etwa 25° hoch. Der markierte Stern 37 Comae Berenices hat 5.0 mag. [3:30 MEZ]


27. November

Ein Hubble-Bild des Herbig-Haro-Objekts 45 in NGC 1977 im „Running Man Nebula“ Sharpless 279, einer H-II-Region im Orion: Schocks und Ionisationsfronten durch die Ausflüsse junger Sterne treten durch Emission von O II und Mg II hervor. Auch ein weiterer Jet im NGC 1977 sowie die Diskussion „Hubble’s legacy: A journey into the Universe“, der indisch-japanische Mondlander LUPEX – und die vielfältigen Anwendungen von CubeSats heute.

Startvorbereitungen für die Galileo-Satelliten Nr. 27 und 28, die am 2. Dezember mit einer Союз-СТ-Б starten sollen und hier auf die Fregat-Oberstufe montiert werden: auch die zugehörige Soyuz und das Missions-Ende von GIOVE-A, einem Galileo-Pathfinder, sowie Bilder der Start-Kampagne für die Nutzlast STP-3, die am 5. Dezember mit einer Atlas V starten soll – und in der 1. Hälfte 2022 will Rocket Lab die Unterstufe einer Electron in der Luft fangen.

Noch exakt drei Stunden, dann rast der Solar Orbiter dicht an der Erde vorbei (Links ganz oben & ganz unten auf der Seite) und durchschießt sowohl den geostationären wie den niedrigen Erdorbit voller Satelliten: Die Aussage, dass keine gefährlichen Annäherungen an bekannte Objekte drohen, wurde nicht ergänzt, und jetzt wäre es eh schon zu spät für eine Bahnkorrektur. Eine Animation aus Sicht der Sonnensonde zeigt die kritischen Minuten wie auch diese Grafik mit Zeiten in UTC; mit der erneuten Kontaktaufnahme danach wird gegen 8:30 MEZ gerechnet. [2:30 MEZ] Der Solar Orbiter hat den Erdbesuch heil überstanden sich mit starkem Signal zurück gemeldet – und trotz widriger Umstände erfolgreiche Nachweise am Himmel hier (auch als Strichspur dargestellt), hier und hier. [18:15 MEZ]


26. November

Drei nächtliche Starts in rascher Folge hat es in China, Russland und wieder China gegeben: gestern früh kurz nacheinander von einer Kuaizhou-1a mit Shiyan-11 inklusive himmlischer Nachwirkungen (Videos hier, hier und hier, Fotos hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier) und einer Soyuz 2.1b mit Tundra 15L (andere Namen, die Bahn, ein weiterer Roskosmos Release, Videos hier und hier und Artikel hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier]) und heute früh von einer Langer Marsch 3B mit Zhongxing-1D alias ChinaSat-1D, Chinas 47. Start dieses Jahr und der 399. einer Langer Marsch (Visuals hier, hier und hier und ein Artikel). [23:05 MEZ]

Die Ankunft von Progress M-UM mit dem Andockadapter Prichal an der ISS heute – ohne Probleme und etwas vor der Zeit – um 16:19 MEZ (oben und unten TV-Bilder, dazwischen Fotos der Crew), womit der russische Teil der ISS fertig ist, nach 23 Jahren: ein Webcast [alt., Ausschnitte hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein Zeitraffer, ein Zusammenschnitt und weitere Standbilder hier, hier, hier, hier und hier, gestern vom Abflug von Progress MS-17, der planmäßig verglühte (mehr), ein Webcast [alt.], Standbilder hier, hier, hier und hier und Fotos (und weil’s dazu passt, das Verglügen von Pirs aus der Station gefilmt), die Konfiguration der ISS jetzt und Artikel hier, hier, hier und hier. Auch erste Erdaufnahmen von Maurer (auch Auszüge und noch mehr ISS-Bilder der Gegend), Herr Pesquet hat Post – und ein kanadischer Astronaut erzählte gerade was. [21:55 MEZ. NACHTRÄGE: Artikel zu Prichals Ankunft hier, hier und hier]


25. November

Dieter B. Herrmann, ein deutscher Astronom, 1939-2021

Das Understatement in der Überschrift ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass die vielfältigen Verdienste des heute im Alter von 82 Jahren verstorbenen Astronom Dieter B. Herrmann auch in zwei Zeilen nicht unterzubringen gewesen wären: Astronomie-Historiker, Direktor zweier bedeutender Häuser der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit, Autor von rund 45 Büchern und 150 wissenschaftlichen und 2000 populärwissenschaftlichen Publikationen, Fernseh-Star in der DDR und noch so manches mehr. Wissenschaftlich tätig war Herrmann zeitlebens vor allem in der Geschichte der Astronomie, schon seine Promotion 1969 hatte das Thema „Die Entstehung der astronomischen Fachzeitschriften in Deutschland (1798–1821)“. Einer immer breiteren Öffentlichkeit aber wurde er bekannt als Direktor erst der Archenhold-Sternwarte ab 1976 und dann Gründungsdirektor des neuen Großplanetariums in Ostberlin ab 1987 und vor allem als Moderator der beliebten DDR-Wissenschaftssendung »AHA« ab 1977. „Das Ziel des Astrophysikers, Pädagogen und Moderators Herrmann war es stets, breitesten interessierten Kreisen der Bevölkerung das moderne Weltbild der Wissenschaft begeisternd zu vermitteln“, heißt es im Nachruf der Stiftung Planetarium Berlin: „Wie kaum einem anderen gelang es Dieter B. Herrmann, Wissenschaft, Kunst und Pädagogik wirkungsvoll zu vereinen und damit generationenübergreifend Millionen von Menschen zu erreichen“ – weitere Nachrufe sind hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zu finden. [19:15 MEZ]

Komet Leonard bei zwei Galaxien heute früh, aufgenommen von Michael Jäger mit einem 11-Zöller – weitere Bilder von heute hier, hier, hier und hier, gestern hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und in Bewegung, vorgestern hier, hier und hier, dem 22.11. hier und hier, 21.11. hier, hier und hier, 20.11., 16.11. und 15.11., eine Aufsuchkarte bis zum 1.12., die Schätzungen der Helligkeit inzwischen bei ~7.9 mag., eine Konjunktion mit M 3 am 3.12. und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Ferner die Kometen 19P am 22.11. (mehr und mehr) und 5.11. und 29P am 24.11. und ein Ausbruch der Andromediden – und am 22.11. der Jupiter und der Uranus aus Gelsenkirchen und Recklinghausen.

54 Seiten Arbeitspapiere aus der Entstehungszeit der Allgemeinen Relativitätstheorie, in denen Albert Einstein und Michele Besso von June 1913 bis Anfang 1914 vergeblich versuchten, die Periheldrehung des Merkur zu verstehen, weil sie mehrere Fehler machten, haben in Paris mit 11.66 Millionen Euro Erlös bei einer Auktion die Erwartungen weit übertroffen: auch Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Ferner gut 30 Jahre ArXiv, allerlei internationale Perspektiven der neuen Decadal Survey der US-Astronomie, Tests mit dem Kühlsystems der Kamera für das Rubin Observator, der Commensal Open Source Multimode Interferometer Cluster für das VLA, was ein Jahr nach dem Einsturz aus dem Radioobservatorium Arecibo geworden ist – und „Besonderes in der Zeit der langen Winternächte“ von der WAA. [23:45 MEZ]

2 Antworten to “Allgemeines Live-Blog ab dem 25.11.2021”

  1. algol Says:

    „Was passiert in den nächsten 20 Jahren im Weltraum? …“

    Das Diagramm ist vor allem deswegen interessant, weil es das riesige Bildungsproblem in der Raumfahrt aufzeigt, indem die Öffentlichkeit und sogar (oder vor allem) sogenannte Raumfahrtfans in hohem Maße Raumfahrt mit bemannter Raumfahrt gleichsetzt, obwohl deren wissenschaftliche und sozio-ökonomische Bedeutung minimal ist (seltsamerweise im Gegensatz zum Aufwand der dafür betrieben wird) und das (aufgrund einfacher Überlegungen) auch in Zukunft so bleiben wird. Ein Mißkonzept sicherlich zum Teil durch die SF-Subkultur genährt aber auch die Raumfahrtagenturen betreiben leider alles andere als Aufklärung (das Gegenteil ist der Fall, betrachtet man die öffentlichen Kommentare hochrangiger Funktionäre), Raumfahrt-Wissenschaftsjournalisten wiederholen hauptsächlich Pressemeldungen (also auch von dieser Seite ist kaum aktive Reflexion zu erwarten) und die Wissenschaft selbst erscheint zunehmend opportunistisch (wenn ohne stichhaltige Argumentation behauptet wird Astronauten spielten eine wichtige Rolle in der Erforschung von Mars & Mond oder sogar in Suborbitalflügen). Aufklärung und Reflexion in Sachen Raumfahrt ist leider nicht in Sicht.

    • skyweek Says:

      Die Konzentration auf markante Ereignisse der astronautischen Raumfahrt bei den Antworten dürfte ihren mythologischen Wurzeln in der globalen Enthusiasmus-Welle vor rund 100 Jahren geschuldet sein: Da war dies nun mal der einzige und selbstverständliche Weg zur ‚Eroberung des Kosmos‘, Und auch der Space Race 40 Jahre später wurde noch in der öffentlichen Wahrnehmung vom Menschen im/jenseits des LEO befeuert – auch wenn die Fachwelt längst eine viel breitere Perspektive hatte, selbst Kennedys legendäre Rede vor 60½ Jahren war erstaunlich weitsichtig, wenn man sie ganz liest.

      Welche Bedeutung die astronautische Raumfahrt heute bzgl. praktischen ‚Nutzens‘ hat, hängt eminent von der Definition dieses Begriffs ab – die ist selbst unter ihren Befürwortern, ja selbst Raumfahrtmedizinern, extrem unterschiedlich und war es auch schon vor Jahrzehnten, als ich mal (bei einigen Anhörungen der damals noch Bonner Bundespolitik) tiefer einstieg. Damals lernte ich den Begriff Transutilitarismus als Rechtfertigung für deutsche Milliarden-Investitionen in Raumstationen kennen …

      Und heute, in der Weltraum-Öffentlichkeitsarbeit tätig, muss ich sagen: Die Leute hatten recht, die astronautische Raumfahrt fasziniert wie vor 100 Jahren als solche immens (o.k., alle außer einem …) und hat dadurch eine positive Wirkung auf vielfache Weise, von internationaler Politik bis zu MINT-Förderung. Wenn die Balance stimmt (Hallo, Ampel!), kann man’s machen. Nur Astronautik als wissenschaftlich notwendig beschreien, das sollte man nicht. Und auch das wissen wir schon seit Jahrzehnten, als µg-Forscher (!) mal in einer Studie betonten, sie bräuchten die Raumstation eigentlich nicht …

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