Raumfahrt-Liveblog vom 30. 11. bis 2. 12. 2021


2. Dezember

Etwas Forschung während des Erdbesuchs des Solar Orbiter

am 27. November („Noch exakt drei Stunden …“) zeigt dieser Plot des Magnetometers auf der ESA-Sonde in Nanotesla, während sie verschiedene Bereiche der Magnetosphäre durchschoss – auch ein weiteres Video der Sonde am Himmel. Ferner der Nachweis eines Dynamos in der Ionosphäre durch den Satelliten ICON, besonders präzise Messungen des Meeresspiegels durch den Satelliten Sentinel 6, die Radar-Beobachtung des Mondes durch Chang’e-3, kuriose Ventifakte auf dem Mars von Curiosity (mehr und mehr), allerlei Mars-Geologie vom Rover Zhurong, der Mars Express als Relais für dessen Daten, der 16. Flug von Ingenuity und Ryugu-Proben von Hayabusa 2 auf dem Weg zu. Und 3 der 4 Instrumente von Hubble arbeiten wieder, während es grünes Licht für die Betankung des JWST gab und das Ariane-Fairing bereits dekoriert wird. [2:55 MEZ]

Ein kurioses Raketenkonzept hat heute Rocket Lab vorgestellt, die mit den Electron-Raketen in Neuseeland – extreme Wiederverwendbarkeit ist das Mantra für die Neutron, inklusive der „Hungry Hippo“-Nutzlastverkleidung: ein flottes ‚Enthüllungs‘-Video, Artikel hier, hier, hier und hier und ein Thread. Auch Indiens Probleme mit dem SSLV, ein verrücktes Falcon-Start-Video, der nächste Start am 3.12. um 0:12 MEZ mit 48 Starlinks u.a., gefolgt von einer Soyuz mit zwei Galileos am 4.12. um 1:23 MEZ und einer Atlas V mit diversen Satelliten am 5.12. um 10:04 MEZ, wofür das Wetter gut ist. Ansonsten gelang heute die ISS-EVA (ein Videoclip, ein Thread und Artikel hier und hier), gab es frische Tacos an Bord, investiert die NASA in drei kommerzielle Raumstationsprojekte, darunter Orbital Reef (auch eine Telecon dazu und Artikel hier und hier) – und liegen nun die Orbits von 207 Kosmos-1408-Trümmern vor: ihr Gabbard-Diagramm, wie sich sowas mit der Zeit verändert (am Beispiel von Chinas ASAT-Test 2007) und die Bahn-Histogramme. [23:25 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: mehr Analysen hier und hier, auch kurz gefasst. Und zu den Privat-Stationen ein Sierra Release und Artikel hier, hier, hier, hier und hier, zur ISS-EVA eine DLR-Blog-Story und Artikel hier, hier, hier und hier und zur Neutron hier, hier, hier und hier]


1. Dezember

Drei Fotos von der Umfliegung der ISS durch die Crew-2 nach dem Abdocken (mehr Bilder, eine ESA-Notizund ein Artikel dazu), eine Szene aus dem 2. Video eines flotten ISS-Video-Blogs des aktuellen Kommandanten, und nochmal die Ankunft von Prichal, zu der es auch dieses Video gibt. Die verschobene EVA ist nun für morgen geplant, es gibt die Aufzeichnung (ab 2:34) eines ARISS-Calls mit der ISS, ein OIG-Paper zur Zukunft der Station, einen Artikel über alternative Stationen, eine mögliche Anklage in Sachen Soyuz-Loch – und den 60. Jahrestag des Fluge von Enos: der erste und einzige Schimpanse (und dritte Hominid nach Gagarin und Titov) im Erdorbit. [1:00 MEZ]

Inzwischen sind 185 Bahnelemente von Trümmern von Kosmos 1408 öffentlich bekannt, worauf die Grafiken oben und unten von Celetrak basieren. Die Histogramme der Apogäums- und Perigäums-Höhen von Marco Langbroek beinhalten 169 Objekte: Das Perihel von 56 davon liegt unter der Bahnhöhe der ISS und von 33 auch unter der Bahnhöhe der chinesischen Raumstation. Und das Gabbard-Diagramm in der Mitte von Jonathan McDowell zeigt jeweils Perihel- und Aphel-Höhen sowie die Umlaufszeiten von 187 Objekten mit bekannten Elementen. Nach dem chinesischen ASAT-Test 2007 dauerte es sechs Monate, bis der Großteil der Fragmente katalogisiert war: Die 187 Stück zwei Wochen nach der Satelliten-Zerstörung dürften also nur ein kleiner Teil aller derzeit vom Radar verfolgten Objekte sein – und in der Tat spricht die 18th Space Control Squadron weiter von 1500 insgesamt, an denen man dran ist. [4:45 MEZ]

Die – geglättete – Verteilung der gewonnenen Geschwindigkeiten der Trümmerstücke (Delta-V in m/s) nach den drei ASAT-Experimenten dieses Jahrhunderts, berechnet von Marco Langbroek. Der darauf hinweist, wie wenig der Fragmente von vor zwei Wochen bisher Orbitbestimmungen haben und dass es wahrscheinlich ist, dass diese Verteilungskurve in Zukunft noch nach rechts fließen dürfte – aber sie scheint doch klar niedrigere Geschwindigkeiten insgesamt anzudeuten. Das dürfte damit zu tun haben, dass die Rakete „von hinten“ kam und es keine Kollision mit sehr hoher Energie war: vielleicht Absicht, um die Trümmerverteilung klein zu halten … aber das wäre – siehe das Gabbard-Diagramm und die Histogramme oben – gründlich schiefgegangen. Derweil mussten offenbar schon ein paar Starlink-Satelliten den Trümmern von Kosmos 1408 ausweichen (und warnt jetzt Roskosmos vor der Annäherung einer alten Pegasus-Stufe an die ISS, ein Manöver ist aber nicht geplant). Und in einer Viertelstunde wird das National Space Council der USA einberufen, was hier gestreamt werden soll – und im dazu vorgelegten Space Priorities Framework spielt die Sicherheit im Orbit eine größere Rolle: auch Artikel hier, hier und hier. [19:15 MEZ. NACHTRÄGE: zu der Sitzung des Nat’l Space Council ein NASA Release, Tweets vom DoD und Space Command, ein Thread und Artikel hier, hier, hier, hier und hier sowie zum OIG-Papier zur ISS, die Details zum Pegasus-Besuch derselben, die Vorbereitungen der verschobenen EVA aus ihr und eine Animation des Kosmos-Trümmer-Bandes um die Erde]


30. November

Die Lage im Orbit nach der Zerstörung von Kosmos 1408

in neuen Grafiken, die auf endlich öffentlich verfügbar gewordenen Bahnelementen basieren (oben und Mitte) bzw. weiteren getrackten Objekten: oben und unten das durch das ASAT-Experiment vor zwei Wochen entstandene Schrott-Band um die Erde, die sich darunter natürlich weiter dreht, erstellt von Jim Shell bzw. EUSST, dazwischen ein Gabbard-Diagramm von Jonathan McDowell mit den Peri- und Apogeen von rund 100 katalogisierten Fragmenten in km gegen ihre Umlaufszeiten in Minuten, wie es auch hier aus den Elementen erstellt wurde. Bei einer PK gestern vor einer für heute geplanten EVA wurden die ASAT-Folgen nicht von der NASA selbst, wohl aber in Q&A immer wieder angesprochen: Die Aussagen dabei waren, dass 1700 Trümmerstücke verfolgt würden, die zu katalogisieren aber noch Monate dauern werde, und dass sich das Impaktrisiko für die ISS nun verdoppelt habe, dasjenige für durch besondere kleine Teilchen gefährdeten Spacewalker aber nur um 7%, was im Rahmen üblicher Schwankungen läge. Die Wahrscheinlichkeit liege normal bei 1:2700, dass ein Astronautenanzug während einer 6½-stündigen EVA punktiert werde, was aber keinesfalls gleich fatal sei, da die Systeme mit gewissem Luftverlust klar kämen. Also habe man für die EVA grünes Licht gegeben (auch Artikel hier und hier) – die jedoch heute abrupt wieder abgesagt wurde (auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier): wegen einer nicht näher beschriebenen Raumschrott-Situation, die man nicht schnell genug habe beurteilen können. In Sachen ASAT und v.a. dem aktuellen Fall ferner ein Statement der EU, Briefe an die Vizepräsidentin und Handelsministerin von mehreren US-Senatoren, ein informativer Chat mit McDowell, das Paper „Investigating the risks of debris-generating ASAT tests in the presence of megaconstellations“ und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zu Raumschrott-Fragen Press Releases von Purdue und ESA und Artikel hier und hier und zu geheimen Satelliten ein Artikel und ein Vortrag über Amateur-Beobachtungen derselben. [17:35 MEZ]

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