Archive for Januar 2022

Allgemeines Live-Blog vom 31. 1. bis 8. 2. 2022

31. Januar 2022

8. Februar

Der Schutz des Himmels kommt vor die Vereinten Nationen

Schnell geht bei der UN wenig, aber ein vielleicht einmal als historisch bewerteter Schritt steht am 14. Februar bevor: Dann wird auf der 59. Sitzung des Scientific and Technical Subcommittee des United Nations Committee on Peaceful Uses of Outer Space (COPUOS) über das Working Paper „Protection of dark and quiet skies“ beraten, das drei Länder, die IAU, die ESO und der SKA gestern eingebracht haben – es ist das erste Mal überhaupt, dass dunkler Nacht- und ruhiger Radiohimmel formell als Forderung bei den Vereinten Nationen erscheinen. Dabei kommt das altbekannte Problem des Artificial Light at Night fast nur am Rande vor: Der argumentative Schwerpunkt liegt bei der erst seit 3 Jahren realisierten Gefährdung der Astronomie durch Satelliten-Megakonstellationen. Wenn das Papier verabschiedet wird, könnte das zu legislativen Konsequenzen führen. Auch der erste Dark-Sky-Park in Lateinamerika, auch Millevaches in Frankreich auf der IDA-Liste angekommen (mehr), noch energischere Ziele in Neuseeland und Dark Sky im U.K. ganz groß. [3:25 MEZ]

Nachdem sie mehrere Tage lang am Sonnenrand H-Alpha-Beobachter erfreute, hat heute eine riesige Protuberanz abgehoben: hier ein SDO-AIA-EUV-Bild bei 30 nm um 7:38 MEZ, im Insert ein folgender koronaler Massenauswurf mit SDO-LASCO-C2 um 9:36 MEZ. Auch Amateur-Bilder der Protuberanz hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein schwacher Halo-CME vorgestern (mehr), die weiße Sonne heute, gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern, am 5.2. und 4.2. (mehr, mehr und mehr) – und eine Animation von SDO-HMI-Bildern vom 25.1.-4.2. [18:55 MEZ] Nochmal die Sonne heute – und wie man auf dieser Seite mit GOES-UV-Bildern der Sonne sehen konnte, war die zuvor bei 30 nm noch schwach präsente Protuberanz gegen 18:30 MEZ verschwunden.

Eine gerade im Web erschienene 20-Minuten-Doku über die letztens wieder errichtete Kreisgrabenanlage von Pömmelte in Sachsen-Anhalt (mehr und mehr), die nach Ansicht der dortigen Landesarchäologen mit ihren Hauptzugängen auf die Sonnenauf- und untergänge an den Mittvierteljahresfesten ausgerichtet ist (Seite 6): Zu diesen Daten mitten im Quartal gehört übrigens auch der ‚Groundhog Day‘ 2. Februar. Die aktuelle Astronomie in Sachsen-Anhalt hat indes Probleme, denn die Eröffnung des neuen Planetariums in Halle verschiebt sich auf 2023. Auch die gerade verkündete Taufe etlicher Asteroiden nach Amateur-Astronomen, darunter den Teleskop-Spezialisten Wolfgang Busch (Seite 9 unten; mehr), die Citizen Science mit dem eVscope 2021 – und viele Kometen heute und am 2. Februar sowie C-G vorgestern (mehr und mehr) und am 4.2. und eine lange Serie Leonard. [23:00 MEZ – Ende]


6. Februar

Der Batura-Gletscher in Pakistan, gesehen von Sentinel 2 im NIR, so dass Vegetation rot erscheint – auch zu wenig Schneel in der Po-Ebene und den Alpen und Ionosphären-Wellen durch die Tonga-Explosion. Ferner die Wiederkehr von InSight nach dem Mars-Sturm, noch mehr MEPAG-Threads hier, hier, hier, hier und hier und die Rohbilder von Junos 39. Perijovium bereit. Und ein ARISS-Kontakt vorgestern mit Maurer, dieser als Gegenstand von Weltraum-Archäologie, die Untersuchung des Dragon-Fallschirm-Problems (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und Versenkung der ISS 2021 (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), SpaceX-Reentries heute über Kalifornien und am 31.1. über Brasilien – und Ideen für Debris-Removal und ein konkreter Plan. [22:35 MEZ. NACHTRÄGE: ein weiteres Video und Artikel hier, hier und hier zum Reentry heute]


4. Februar

Fielen am 22. Januar Meteoriten beiderseits der Oder?

Das legt jedenfalls diese Analyse einer Feuerkugel nahe, die zwar wegen meist schlechten Wetters kaum visuelle Beobachtungen aber ein paar Aufnahmen gibt: Das potenzielle Streufeld befindet sich rund 30 km nördlich von Frankfurt Oder. Auch die Kometen Leonard gestern und C-G am 30.1. sowie diverse am 29.1. und viele am 24.1., die dunkle Seite der Venus im IR am 28.1., die Sonne gestern (mehr), vorgestern (mehr und mehr) und am 1.2., eine Lichtkurve des Bedeckungs-Veränderlichen NY Vir mit einfacher Technik, Vorschauen auf den Februar-Himmel hier, hier und hier, ein H-Alpha-Weitwinkel-Nightscape-Zeitraffer, ein neues Tool für Lichtverschmutzungs-Trends, das auf diesem Paper basiert, ein Brainstorming-Padlet nach dieser Veranstaltung zum Thema, das Paper „Supernova Host Galaxy Association and Photometric Classification of over 10,000 Light Curves from the Zwicky Transient Facility“ mit dem Autor diskutiert, ein Vortrag über Time-Domain-Astronomie – und die Sternwarte Stuttgart wird 100: ein Vortrag zur Vorgeschichte, und heute um 20:00 MEZ wird der nächste übertragen. [1:50 MEZ]


3. Februar

IAU hat nun Zentrum gegen Satelliten-Megakonstellationen

Welch eine Ironie! Genau während am Cape die nächsten 49 Starlink-Satelliten gestartet wurden (der ganze Webcast; Kunde vom Aussetzen gibt’s erst später), veranstaltet die Internationale Astronomische Union gerade eine Pressekonferenz zur gestrigen Gründung des „IAU Centre for the Protection of the Dark and Quiet Sky from Satellite Constellation Interference“, das gemeinsam vom NOIRLab (also der amerikanischen NSF) und dem Square Kilometer Array betrieben wird, mit der Aufgabe „to help mitigate the negative impact of satellite constellations on ground-based optical and radio astronomy observations as well as humanity’s enjoyment of the night sky.“ Die Grafik in der Mitte verdeutlicht das Problem: Heute gibt es 5000 aktive Satelliten (vor Mai 2019 waren es 2200), zzgl. 3000 inaktiven und allein 41’000 Stück verfolgbaren Raumschrotts. Das IAU-Zentrum will nun zwischen allen Beteiligten vermitteln, Lösungen finden und kommunizieren. [19:55 MEZ]

Außer mit SpaceX gibt es bereits Gespräche mit OneWeb und Amazon (Kuiper; noch keine Starts) – alle drei Unternehmen sind „quite strongly“ zu Maßnahmen bereit, um den Impakt auf die Astronomie durch ihre Satelliten zu minimieren, auf andere wird man zugehen. Und auf große Umwelt-Gruppen, deren politischen Einfluss die Astronomen gerne anzapfen wollen – dass der Himmel auch zur Umwelt gehöre, setzte sich allmählich durch. Derweil sind die 49 neuen Starlinks ausgesetzt worden: Fotos vom Start oben und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Videos aus der Ferne hier und hier, vom letzten Starlink-Start die Falcon vor dem Mond (auch animiert und als Collage), ein Starlink-Reentry gefilmt (mehr und mehr), alle zehn von ‚Transporter 1‘ entsorgt, Press Releases von LeoLabs und OneWeb und Artikel von heute (mehr, mehr und mehr), gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern, dem 26.1. (mehr), 25.1. (mehr und mehr), 24.1., 23.1. (mehr), 21.1., 20.1. (mehr und mehr) und 19.1. (mehr). [20:50 MEZ]

Der Anak Krakatau in Indonesien qualmt mal wieder, auf einem Sentinel-2-Bild von heute [NACHTRAG: mehr Details zum Bild und Artikel hier und hier] – zum Tonga-Ausbruch gibt es derweil neue Erkenntnisse für die Tsunami-Forschung, eine 3D-Rekonstruktion der Wolke nach der Explosion (wie das gemacht wurde), viele Clips aus Tonga hier und hier, ein Asche-Feld auf dem Meer und Fragen zu Klima-Folgen. Auch der Start von Indiens nächster Mondmission nund für August geplant, der CME-CubeSat SUNCet, die ersten Aufnahmen mit der NIRCam von Webb, um die Spiegelsegmente zu justieren, die Bedeutung der Fine Guidance Sensors, eine Webb-Show speziell für Schüler, weitere indische Raumfahrt-Prioritäten 2022 – und grünes Licht für die erste kommerzielle ISS-Mission von Axiom. [21:20 MEZ]


2. Februar

Chinas Marsorbiter hat sich selbst vor dem Mars gefilmt

und die Welt mal wieder mit unerwartetem Bildmaterial von einem anderen Planeten in Erstaunen versetzt: weitere Videos hier, hier und hier, eine Beschriftung und Artikel hier, hier und hier. [2:35 MEZ] Und hier – auch die Kontroverse um die Radarechos vom Pol, der Vorschlag für Radar mit Mars-Helikoptern und mögliche elektrische Effekte an den Rotoren. Derweil werden auf dem JWST die Instrumente ein- und ihre Heizer ausgeschaltet: auch Threads zu den letzteren, den Temperaturen und den Spiegel-Segmenten, was Webb in Sachen Exoplaneten plant und Artikel von gestern (mehr) und dem 30.1. und 29.1. – und Gaia wird zum Exoplaneten-Beobachter.

Wie man Chandras Röntgenbilder mit anderen Wellenlängen kombinieren kann – auch eine neue Zeitbestimmung am ESOC, das Aussetzen von STORK-1 aus ION Elysian Eleonora, ein nordkoreanischer Raketenflug in große Höhe mit Aufnahmen der Erde, zwei ESA-Videos über Raumschrott für Erwachsene und Kinder, die Vision von Winterschlaf für Mars-Flüge, mal wieder Verspätungen beim SLS mit dem Start im April oder Mai, wozu hier in 1/2 Stunde eine Telecon streamen soll, der NASA-Plan für die ISS bis 2030 (auch Artikel hier, hier [NACHTRAG: und hier und hier] und hier), Maurer-Eperimente zu Biopflastern aus dem 3D-Drucker und Herstellung von Beton [NACHTRÄGE: auch ein Video, eine PM und ein Thread des DLR] sowie eine Mikrofon-Überraschung, die Crew 4 im Training, ein Interview mit einem von der Crew 1, erwähnt auch hier und hier – und während der 2. verschoben wurde, bleibt der 1. Falcon-Start für heute geplant: 21:18 MEZ, Nutzlast „NROL-87“ geheim. [17:30 MEZ]

Während wir auf den heutigen Falcon-Start warten – die Webcasts von SpaceX und von anderen – hier nochmals der gestrige Start mit der ersten Stufe stabilisiert, dito das Staging. Oh, und es wird untersucht, warum beim Dragon manchmal ein Fallschirm zu spät kommt. [19:45 MEZ] Artikel zur SLS-Verspätung hier, hier und hier – und hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier, hier, hier und hier] zahllose Slides vom laufenden MEPAG-Meeting: zu aktuellen Mars-Missionen, v.a. Percy & Ingy, und kommenden Attraktionen.

Ein außergewöhnlich klarer Blick auf einen Start in Vandenberg, wo sonst oft Nebel alle Sicht nimmt – 8 Minuten später landete dann die Unterstufe, die zum ersten Mal flog, in der Nähe der Startrampe. Der Webcast endete damit ebenso abrupt wie angekündigt – die weitere Verfolgung des geheimnisvollen Satelliten ‚obliegt‘ nun der Amateurbeobachter-Community. [21:40 MEZ] Er ist jedenfalls im Orbit – auch unabhängige Videoclips hier, hier und hier, ein fernes Foto, die Statistik zum Flug und Artikel hier, hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier und hier sowie ein nichtssagender NRO Release, ein Drohnen-Video, andere Videos hier, hier, hier und hier und Fotos hier, hier, hier, hier und hier]


1. Februar

Sensationelle Teleaufnahmen von der Stufentrennung einer Falcon 9 in 75±5 km Höhe nach dem Start vor einer halben Stunde aus dem noch laufenden Webcast (die Szene hier, hier, hier, hier und hier sowie aus Fan-Perspektive, auch die Fairing Separation und die Landung der 1. Stufe am Cape); die Oberstufe und die Nutzlast, ein italienischer COSMO-SKyMed-Radarsatellit, sind derzeit in einer Park-Bahn. Der Start war Tag um Tag verschoben worden, erst wegen schlechten Wetters und gestern wegen eines Kreuzfahrt-Schiffs in der Verbotszone, was einen Abbruch bei t-33 Sekunden erzwang: Artikel hier (früher und noch früher), hier, hier, hier und hier. [0:40 MEZ]

Da zieht er von dannen, der Dual-Use-Radarsatellit – auch Fotos von Start, Staging und Stufenlandung hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Videoclips von Start (auch ein ferner Zeitraffer), Staging und Deployment – und was man in Puerto Rico sehen konnte. [1:20 MEZ]

Ein fernes Video des Starts mit einer tollen weiten Ansicht des Stagings ab der 2. Minute – auch gute Videos vom Start und nach dem Staging, ein weiteres aus der Ferne, mehr Fotos hier, hier, hier, hier, hier und hier und noch ein Bild aus Puerto Rico, während es anderswo am Himmel eine Spirale bzw. ein diffuses Wölkchen gab: z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [2:15 MEZ]

Der Anblick Sekunden nach dem Staging vom Boden aus – auch die Stufentrennung aus dem Webcast stabiliiert und heraus vergrößert und in Amateur-Videos in ziemlich groß, etwas kleiner und noch kleiner zu sehen, ein Foto der Fairing Separation und der Start und die Stufenlandung trotz Dämmerung in einem Strichspur-Stack vereint.

Ein bemerkenswertes Video aus Puerto Rico vom ersten Burn der zweiten Stufe, weitere Fotos von dort und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [3:15 MEZ] Und hier, hier und hier zu der Spirale vom Fuel Dump über Nordamerika (falsche BU!) sowie hier, hier, hier, hier und hier, ein ASI Release, mehr Videos rund ums Staging hier, hier, hier (viel Action mit der 1. Stufe in Minute 2), hier und hier, der komplette Flug der 1. Stufe, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Bild aus 800 km Entfernung, der erste Burn über Turks & Caicos, die Spirale hier, hier, hier, hier und hier – und morgen könnten gleich zwei Falcon 9 starten, innerhalb von 93 Minuten: erst an der West-, dann an der Ostküste. [16:45 MEZ. NACHTRÄGE: ein Artikel dazu, die Starts Nr. 1 und Nr. 2 – und vom heutigen weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


31. Januar

MeerKAT, 1.28 GHz: neues Mosaik des Galaktischen Zentrums

In einer solchen Detailfülle sah man das Zentrum der Milchstraße noch nie: 144 Stunden Integration von 20 Feldern mit den gut 60 Radioschüsseln des südafrikanischen Interferometers MeerKAT, 6.5 Quadratgrad Radiohimmel mit im originalen Bild 4 Bogensekunden Auflösung. Sternentstehungsgebiete, Supernova-Überreste und Gasströmungen tragen zu der Vielfalt von Strukturen bei: oben eine Übersicht, darunter ein Versuch, des extremen Dynamik-Bereichs der Emission durch Verwendung zweier Farbkeile gerecht zu werden, und unten eine hochpassgefilterte Version, bei der vor allem die mysteriösen langen und schmalen Filamente hervor treten, deren Zahl sich gegenüber früheren Kartierungen glatt verzehnfacht hat.

Ein paar Details aus dem Mosaik, nämlich der Radio Arc & Sgr A (in dem mit Sgr A* das mutmaßliche supermassereiche Schwarze Loch steckt), der Supernova-Rest-Kandidat G0.33+0.04 und die Strukturen Mouse (links) & Snake: Was hier passiert, steht in den detaillierten Papers „The 1.28 GHz MeerKAT Galactic Center Mosaic“ und „Statistical Properties of the Population of the Galactic Center Filaments: The Spectral Index and Equipartition Magnetic Field“, auch Press Releases zum ersten und zweiten, ein Zoom-Tool ins Mosaik, Weiterverarbeitungen hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier].

Der aktuelle Vortrag „Magnetic fields in the Central Molecular Zone of the Galactic Center“ liefert eine detaillierte Einführung in all die erstaunlichen Phänomene rund um das Zentrum der Milchstraße bei zahlreichen Wellenlängen und diskutiert auch das neue MeerKAT-Mosaik. Auch ein Grant für die University of Southern Queensland, um mit speziellen Photometrie-Kameras kleine Exoplaneten mit dem MINERVA-Australis telescope array zu jagen, das Paper „Light Deflection under the Gravitational Field of Jupiter—Testing General Relativity“ und der Bau von drei Neutrino-Detektoren tief im Ozean. [0:00 MEZ]

Der Bau des Extremely Large Telescope in Chile kommt voran: Seit Mitte letzten Jahres kann wieder auf dem Cerro Armazones gearbeitet werden, und das Bild von diesem Januar zeigt bereits die Fundamente. Auch das erste ATLAS-Teleskop in Südafrika [NACHTRAG: ein NASA Release dazu], Slides von einer Untersuchung des Arecibo-Einsturzes (mehr), wie mit dem Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward bei Recklinghausen binnen 10 Jahren die Präzession der Erdachse nachgewiesen werden konnte, ein Interview mit dem Direktor des Griffith Observator seit bald 1/2 Jahrhundert, Dark-Sky-Tourismus-Promotion im U.K. und auf den Kanaren, ein Paper über Lichtverschmutzung generell – und noch eine Jahresvorschau 2022.

Die Aktivitätsregion (1)2936 auf der Sonne vorgestern, gestern und heute (die ganze Scheibe vom SDO HMI jeweils dahinter plus hier, hier und hier SDO-Zeitraffer über mehrere Tage) sowie heute das Magnetfeld und eine 3D-Rekonstruktion: auch ein M-Flare darin gestern mit möglicher geomagnetischer Wirkung (mehr und mehr) und die Sonne von Amateuren und zuweilen auch SDO heute (mehr), gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr), am 28.1. (mehr und mehr) und 27.1. [16:25 MEZ] Weitere Sonnen von heute hier und hier, und da kommt was nach: Derzeit sind drei Gruppen interessant. Auch ausgeprägte Aurora letzte Nacht über Nordamerika aus dem Orbit, die BAA Jupiter Reports 2021/22 Nr. sieben und acht, eine gelungene Sternbedeckung durch Asteroid (554) Peraga, eine Erinnerung an die Sternbedeckung durch 2002 TC302, die Lichtkurve von 2022 AB in rasanter Rotation, eine Feuerkugel mit Meteoriten-Regen über Marokko, eine beachtliche Feuerkugel über dem U.K. vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr]), eine über Norwegen gestern und ein Vortrag über Phaeton und die Geminiden (und noch mehr Astro-Vorträge), die CAMS-Ausbeute 2021 im BeNeLux. Sowie doch keine Spaltung von Komet 108Ü/Ciffreo (es das ‚Fragment‘ war nur eine Verdichtung im Staubschweif), Erinnerungen an C/2014 C2 (STEREO), viele aktuelle Kometen visuell beobachtet heute (es gewann 19P/Borrelly mit 8.8 mag.) und fotografisch am 27./28.1. und 25.1. plus ihre Produktions-Raten, 67P/C-G auch heute und am 26.1. – und ein Vortrag über die Kometen 2022, unter denen C/2021 O3 (PANSTARRS) und C/2017 K2 (PANSTARRS) noch die interessantesten sind. [23:55 MEZ]

Live-Blog zur Raumfahrt vom 24. bis 30. 1. 2022

24. Januar 2022

30. Januar

Ein kleiner sonnennaher Komet aus der Marsden-Gruppe gestern vom SOHO-Koronographen LASCO C2 erwischt: Diese Kometen gehören zum Komplex um 96P/Machholz wie etwa auch die Arietiden und haben 5-6 Jahre Umlaufszeit.

Ein 6-km-Krater auf dem Mars, der am Abend bereits halb im Schatten liegt: ein Bild von CaSSIS auf dem ExoMars TGO, von dem auch ein Bild eines anderen Kraters mit ringartigen Strukturen stammt, die aus einer feuchteren Zeit herrühren dürften.

Zwei heftig wechselwirkende Galaxien auf einer Hubble-Aufnahme mit der ACS im V-Band, der andere Farben vom 4-Meter-Teleskop auf dem Cerro Tololo beigemischt wurden: Sie gehören zu NGC 7764A, zusammen mit einer dritten Galaxie u.l. außerhalb des Ausschnitts hier. Ansonsten noch weitere Satelliten-Beobachtungen zur pazifischen Vulkan-Explosion vor zwei Wochen: wie die Druckwelle von den Anden teilweise reflektiert wurde, weitere AIM-Beobachtungen starker südlicher NLC, die etwas mit der Vulkan-Explosion vor zwei Wochen zu tun haben könnten, und wie es den Inseln erging; auch ein Artikel und ein News-Clip. Ferner eine neue Analyse der Konsequenzen des ASAT-Tests vor 2 1/2 Monaten und eine Animation. Und es gibt weitere Details zum Impakt der Raketen-Stufe auf den Mond am 4. März auf dessen Rückseite, der inzwischen als sicher gilt – auch Artikel kommen weiter reichlich, so hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier . [22:05 MEZ – Ende]


28. Januar

So kalt sind inzwischen die Spiegelsegmente des JWST und der Sekundärspiegel (o.r.) – aus einem Slide einer JWST Townhall des STScI gerade (weitere hier und hier) zur Inbetriebnahme und den nächsten Schritten: Dort war auch zu erfahren, dass der Treibstoff mindestens 20 Jahre reichen sollte. Und dass die kuriosen Helligkeits-Spitzen die Folge eines speziellen Rotations-Zustands mit 6 Stunden Periode war, der die spekularen Lichtkegel über die Erde streifen ließ und nun im L2 nur selten vorkommen wird. Die aktuelle Helligkeit dort sind jedenfalls konstante 18 mag. – auch eine JWST-Beobachtung mit Keck, seine Bahn im Raum und am Himmel, eine ESA-Education-Aktion, ein Blick zurück auf die Deployments und ein OpEd vom NASA-Wissenschafts-Chef. [19:30 MEZ]

Die 3D-Struktur des Homunculus-Nebels um Eta Carinae, erzeugt aus Daten mehrerer Satelliten-Teleskope bei ganz verschiedenen Brennweiten. Auch erste Hardware für die Mars Sample Return Mission, Instrumenten-Tests für Indiens nächste Mond-Mission, der Vortrag „Observing interplanetary spacecraft with radio telescopes“, wie die GLM-Instrumente auf Erdsatelliten Feuerkugeln statt Gewitter finden, Gletscher-Schmelze mit TanDEM-X & COSMO-SkyMed beobachtet – und es gibt das White Paper „China’s Space Program: A 2021 Perspective“: Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [19:45 MEZ. NACHTRAG: und hier, hier und hier]

Erstmals ist mit Laurie Leshin eine Frau als Direktorin des JPL berufen worden: ein weiterer Release und Artikel hier, hier und hier. Auch eine Verschiebung eines Space-Debris-Experiments mit ELSA-D (auch Artikel hier und hier), die Politik von Satellit vs. Satellit, die aktuelle chinesische Operation im geostationären Gürtel [NACHTRAG: noch ein Artikel], Europas Raumfahrt-Strategie, die Arbeit an der Ariane 6, vielleicht 52 SpaceX-Starts im laufenden Jahr, schon wieder neuer SLS-Ärger, ein Maurer-Auftritt im Video eines Spielzeug-Herstellers, wie ein Inspiration4-Passagier zu seinem Ticket kam, ein chinesischer Plan für ein suborbitales Weltraum-Flugzeug für Transport und Tourismus – und der letzte New-Shepard-Flug komplett. [19:55 MEZ]


26. Januar

Der Mars-Vulkan Jovis Tholus, aufgenommen vom Orbiter Mars Express, der auch im 19. Jahr immer noch interessante Perspektiven findet: Die markante Aufwölbung hat einen Durchmesser von 58 km, vergleichbar mit der Insel Gran Canaria, und seine 29 km große Caldera besteht aus insgesamt fünf Kratern, was auf eine lange vulkanische Aktivität schließen lässt. Auch das Paper „Solar Rotation Effects in Martian Thermospheric Density as Revealed by Five Years of MAVEN Observations“, die Identifikation des Problems mit einer der Solarzellen der Sonde Lucy, ein Start in China im Zusammenhang mit Asteroiden-Plänen, der 23. Juli als bester Start-Tag für Luna 25 – und der Vertrag über eine gemeinsame Mondstation Russlands und Chinas ist nun unterschriftsreif: Es „sollen zunächst unbemannte Flüge durchgeführt werden, erst um 2035 soll mit der Errichtung der eigentlichen Mondstation begonnen werden.“ [17:50 MEZ]

So voll ist der geostationäre Gürtel bereits, mit arbeitenden Satelliten (orange, in einem scharfen Ring) und schon viel Schrott: erstellt heute mit dem Satellite Dashboard, das bei einem Webinar über enge Begegnungen im GEO vorgestellt wurde. Wo auch – nach optischen Beobachtungen – mit diesem Videoclip berichtet wurde, dass ein chinesischer Satellit einen anderen fing und offenbar entsorgte. Auch eine Datenbank über Raumschrott, die Situation in Baikonur, die Sicherheitslage im All, ein Interview mit Anna Christmann, ein Preis für Isar Aerospace von der EU (mehr) – und Chinas Start von L-SAR 01A heute: Visuals hier, hier und hier und ein Artikel. [20:35 MEZ]

Ein Rückblick der NOAA auf die Vulkanexplosion und ihre vielfältigen Folgen – auch die (Lamb-)Druckwelle, wie sie der Gravitationswellen-Detektor VIRGO in Italien sah, eine neue Simulation dieser Welle, von der nach mehreren Läufen um die Erde zumindest in der Schweiz nichts mehr zu messen ist, Artikel hier, hier und hier und ein Podcast.

Ein Foto der Abreise des Cargo Dragon („Jede Menge …“) – auch das heutige Aussetzen von fünf Mini-Satelliten aus der ISS, darunter TARGIT (mehr) und DAILI, Fotos von Korallenriffen der Bahamas, das heutige Event in der Uni des Saarlands, das außer dem Live-Call mit Maurer (ein Teil-Transkript und Artikel hier, hier und hier) auch interessante Vorträge bot, und ein Schüler-Call mit zwei anderen Crew-Mitgliedern vorgestern – und Chuba hat doch ein Visum für die USA bekommen. [23:55 MEZ. NACHTRAG: ein Artikel dazu]


25. Januar

Was der Solar Orbiter alles mit dem Kometen Leonard anfangen konnte, dem die ESA-Sonde recht nahe kam, ist nun hier detailliert beschrieben: Neben Fernerkundung durch das Instrument METIS – hier Bilder im Visuellen – kamen auch In-Situ-Messungen des Schweifs zustande, auf die britische Forscher aufmerksam gemacht hatten. Auch die VAE-Mondmission im Plan für einen Oktober-Start, die Flut von Mars-Bildern von Hope (weitere Amateur-Verarbeitungen hier und hier), die schwierige Interpretation der MARSIS-Radarechos vom Mars Express – und vor 36 Jahren flog Voyager 2 am Uranus vorbei (der erste Erst-Besuch bei einem Planeten seit gut 6 Jahren): damals live aus dem JPL eine PK vorab, ein Update und lange Sondersendungen Nr. eins, zwei, drei und vier. [17:35 MEZ]

Ein netter Zeitraffer über die Start-Kampagne des JWST, die mit etlichen neuen Kamera-Perspektiven auf das Abheben endet – auch ein Berkeley Release zur weiteren Inbetriebnahme, ein Glückwunsch von Ministerin Stark-Watzinger, der erste Übungs-Stern für Webbs Spiegel-Justage, ein weiterer MIRI-Thread, das JWST jetzt am Himmel, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und morgen gibt’s um 18:00 MEZ ein Q&A auf Twitter und um 21:00 MEZ und um 4:00 MEZ Online-Shows zu Webb vs. Planeten und Exoplaneten. [20:45 MEZ]

Eine mysteriöse Struktur auf der Meeresoberfläche direkt bei den Überresten der Inseln zwischen denen der Vulkan explodierte, beobachtet von einem Capella-Satelliten per Radar sechs Tage später: Macht sich hier die Topografie unter der Oberfläche – insbesondere die riesige Caldera, die ungefähr dort ist – bemerkbar, sind es kuriose Strömungen, ist es Rest-Wärme? Auch Sat-Bilder der Schäden auf bewohnten Inseln, die große Troposphären-Welle tagelang unterwegs, einer PM des FZ Jülich zu den Schwerewellen, Sat-Messungen der Wolke vom Ausbruch, möglicherweise Asche schon bis Südamerika geweht, unerwartet starke NLC in Argentinien, die was mit dem Ausbruch zu tun haben könnten, und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Ferner die Pläne mit GOES-T (der nach dem Start am 1. März GOES-18 heißen wird), ein großer Gesundheits-Check der 52 Beidou-Navsats Chinas, Probleme mit der H3 Japans. die Sonne am Horizont von der ISS, die Wasserung des Cargo Dragon, ein Hörtest Maurers unter Experimenten auf der ISS – und die Crew von Chinas Station ist 100 Tage an Bord. [23:35 MEZ]


24. Januar

Das JWST ist jetzt im Halo-Orbit um den Lagrange-Punkt 2!

Mit einer 297-Sekunden-Zündung ab 20:00 MEZ hat der Satellit 1.6 m/s Geschwindigkeit hinzugefügt und damit den gewünschten Orbit um L2 des Erde-Sonne-Systems eingenommen, eine vor 40 Jahren entdeckte Konfiguration, die auch die Grafiken von dieser und das Video von dieser Seite zeigen – auch der Kontrollraum während des Manövers, die Rückkehr von Webbs Ariane-Oberstufe in Erdnähe 2047, Threads hier und hier zu MIRI und ein weiterer zu NIRSpec und wie Webbs Instrumente einst getestet wurden. [20:25 MEZ] Den Demokraten gefällt’s im L2 – auch ein ESA Release und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [21:15 MEZ] Und nun noch eine NASA-Telecon um 22:00 MEZ. [21:55 MEZ] Da ist zu hören, dass das Insertion-Manöver heute 30 Tage statt wie früher mal angekündigt 29 Tage nach dem Start durchgeführt wurde, weil ein Montag logistisch einfacher war – mehr Treibstoff wurde deswegen nicht gebraucht. Das kühlste Teil des Satelliten ist jetzt der Sekundärspiegel mit 35 Kelvin, alle Aktuatoren der Optik – ein Drei-Spiegel-Anastigmat – sind bereit, und die Justage an einem hellen Stern beginnt bald: Da muss noch viel passieren, bis es was zu sehen gibt. [22:15 MEZ] Nächste Woche sind die Instrumente kalt genug zum Einschalten (das Ziel ist 40 K, nur MIRI wird mit einem Cryocooler auf 7 K gebracht): Dann wird ein 6-mag.-Stern im UMa angepeilt, und das Justieren der Spiegelsegmente beginnt. Ihre Temperatur – z.Z. 60-80, Ziel 50-60 K – fällt genau nach Plan, der Sonnenschild funktioniert also perfekt. [22:40 MEZ]

Mal ein neuer Blick auf die ISS, aus einem Fenster des letztes Jahr angekommenen großen russischen Nauka-Moduls, der u.a. die Cupola zeigt – und umgekehrt ein Zeitraffer von Nauka bei der EVA vor 5 Tagen. Derweil gibt es Stress zwischen Russland und den USA, weil letztere dem Kosmonauten Nikolay Chub ein Visum verweigern, so dass er vor seiner ISS-Reise nicht im NASA-Mockup am JSC trainieren kann (mehr und mehr) und hat gerade die Präsidentin der EC bei Maurer angerufen [alt.], während der nächste Live-Call mit der Uni des Saarlandes schon übermorgen folgt: ein Live-Stream mit viel Rahmenprogramm am 26.1. ab 14:00 MEZ.

Hier wird ab 21:00 heute live zum Eintritt des JWST in den L2-Orbit informiert: eine Animation und Threads zum Manöver hier, hier und hier, die fallende Temperatur und steigende Datenrate des Satelliten und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch ein ESA-Weltraum-Gipfel am 16. Februar und der mögliche Raketen-Stufen-Einschlag auf dem Mond im März. [19:25 MEZ. NACHTRAG: weitere Artikel dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – ist aber „not a big deal“ …]

Jede Menge Optikreflexe im Gegenlicht und ein Cargo Dragon auf der Flucht nach dem Abdocken von der ISS gestern um 16:40 MEZ: auch ein Videoclip, weitere Screenshots hier, hier und hier, ein NASA Update (früher), ein NASA Release zur Nutzlast und Artikel hier, hier und hier. Sowie ein 6-Minuten-Video aus der Kapsel (wo das Ganze wie eine Fahrt in einem Vergnügungspark rüber kommt) und ein Interview mit einem Passagier (der das alles viel bedeutsamer findet) des New Shepard-Flugs Nr. 19 vom Dezember. [0:05 MEZ]

Der Start einer Atlas V vor 3 Tagen („Pünktlicher Start einer …“) in ungewöhnlicher Konfiguration mit einem einzelnen seitlichen Booster: Press Releases von ULA Launch und Northrop Grummany, viele Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, am Himmel die ausgasende Oberstufe hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch ein japanischer Artikel zur Analyse der Ryugu-Proben von Hayabusa 2, ein Vortrag über Raumfahrtmissionen im Sonnensystem – und der Satellit IXPE bei der Arbeit. [0:20 MEZ]

Noch ein Weltraumbild der traurigen Überreste der beiden Tonga-Inseln nach der Explosion des Vulkans dazwischen („Nicht mehr viel übrig …“): diesmal von einem Satelliten der russischen Kanopus-V-Serie, gestrichelt der Umriss des Ex-Trios davor, mit dem Kreuz am Ort des Ex-Vulkans. Auch die Inseln vom Radar-Satelliten Capella gesehen und aus der Nähe fotografiert. Ferner eine besonders klare Animation der Druckwelle beim Zusammenlaufen Nr. 1 am Antipoden-Punkt, bei der es sich um eine Lamb-Welle gehandelt haben dürfte (dazu ein Skript von 2002 und ein Paper von 1971) und Themen des Tages vom DWD zu der Welle und zu anderen Aspekten des Ausbruchs. [0:35 MEZ] Eine Analyse der dramatischen Veränderungen am Ort des Vulkans, ein Experte zu dieser befragt und Wissenschafts-Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:30 MEZ]

Allgemeines Live-Blog vom 15. – 23. Januar 2022

15. Januar 2022

23. Januar



Dreimal (Amateur-)Astronomie live in den letzten drei Tagen: das January Meeting der BAA gestern, bei dem es u.a. um die sieben größten Sonnenfleckengruppen ging (eine von diesem Blogger 2014 abgelichtete steht auf Platz 6), eine Vorschau auf das 1. Halbjahr 2022 u.a. des Physikalischen Vereins Frankfurt vorgestern und „The Sky: Why it Matters and How We Might Lose It“ für die Astronomical Society of Glasgow vor drei Tagen. Auch der 100-Zöller auf dem Mt. Wilson 1930 (einige Minuten Filmschnipsel), die Idee für einen „Astronomischen Rundweg“, der die heimische Kultur von Zemmin „mit deren Entwicklung über das Bindeglied Astronomie ins Licht“ rücken soll, gleich drei Beiträge über Aurora-Beobachter hier, hier (am Ende) und hier, ein großes Lichter-Löschen in Franeker in Friesland im November 2021 (eine Projekt-Seite, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und ein astro-lastiger Reisebericht aus der generellen Gegend) und ein tiefschürfendes Paper über Citizen Science und ihre Typen. Plus die Sonne heute, eine Lichtkurve von 1994 PC1 in Erdnähe, NEA 2022 AE1 weg aus allen Risiko-Listen [NACHTRAG: ein Artikel dazu] – und die Kometen 109P/Ciffreo gestern, 19P/Borrelly gestern und vorgestern und Leonard gestern und vorgestern: auch hier und hier und eine lange Serie bis dann. [17:20 MEZ] Und noch ein 67P/Chury von heute und ATLAS vom 8.1. [21:45 MEZ – Ende]


21. Januar

Die Vulkan-Explosion könnte 50+ Mt Energie gehabt haben

Also die Energie von mindestens 50 Megatonnen Masse hochbrisantem TNT-Sprengstoffs, in der im Explosionswesen gerne gerechnet wird: Diese noch ziemlich vage Abschätzung aus dem weltweit gemessenen Infraschall würde das Ereignis in der Dimension der größten Wasserstoffbombe der Geschichte ansiedeln, aber selbst diese ‚Zar-Bomba‘ produzierte eine deutlich geringere Amplitude der Druckwelle in der Atmosphäre als der Vulkan-Ausbruch. Oben ein Standbild aus einer Animation von Aufnahmen des Advanced Baseline Imager auf GOES-17 (die hinter dem Bild liegt), darunter ein Airmass RGB-Bild von Hiwamari-8, das die wohl erstaunlich hohe Wolke in der Stratosphäre und einen spontan sublimierten Ring aus Wasserdampf zeigt, und unten ein Foto von der ISS vom nächsten Tag mit reichlich Asche über dem Pazifik: Zahlreiche Satelliten-Bilder rund um den Ausbruch gibt es in kommentierten Sammlungen von EUMETSAT, NASA und JAXA, dazu die Vulkan-Insel vorher und nachher von Pléiades und Sentinel 2, die Druckwelle aus geostationärer Sicht animiert, ein globales Differenz-Bild, ihre Geschwindigkeit langsamer als der Schall (aus vielen Barometer-Daten), eine schöne Animation vs. Druckmessungen an verschiedenen Orten, wie sie zuerst Davos erreichte, die Ausbreitung der Schwefeldioxid-Schwaden bereits über Australien hinweg und vor Madagaskar, die Küste Tongas nach dem Tsunami und weitere Artikel zu wissenschaftlichen Aspekten hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier, hier und hier]. Auch das gestrige Meeting des President’s Council of Advisors on Science and Technology (PCAST) über Satelliten-Messungen von CO2 und CH4 [NACHTRAG: ein später ESA Release dazu], MeckPomm aus dem Weltraum von Sentinel 2 und Datenverarbeitung von Erdbildern mit neuen Methoden. [17:25 MEZ]

Noch eins von weiteren Pretty Pictures der russischen EVA and Prichal und Nauka vorgestern (s. 2-mal u.): auch Artikel hier und hier und Clips in Space2Ground. Sowie ein Zeitraffer eines Europa-Überflugs im Vollmond-Licht am 17.1., ein Anruf bei Maurer aus Davos gestern, die morgige Rückkehr des Cargo Dragon, die Übergabe des Aufblas-Moduls an die NASA, der seltsame Plan eines „Space Arena Module“ 2024 (Artikel hier, hier, hier, hier und hier und mehr Merkwürdiges im Kontext) und das archäologische Projekt (auch ein Press Release und ein Artikel) auf der noch lange betriebenen Station. Auch ein Video vom Robot-Arm von Chinas Station, der aktuelle Zeitplan von Artemis mit längeren Lücken, Artemis I vor dem Roll-Out für ein Wet Dress Rehearsal auf der Rampe – und der Sonnensegler zu einem Asteroiden als eine der Beigaben.

Pünktlicher Start einer Atlas V am Cape mit zwei Satelliten des Geosynchronous Space Situational Awareness Program für die Space Force vor einer halben Stunde: der Webcast, der 15 Minuten nach dem Start endete (wo es noch viele Stunden dauern wird, bis die Orbits erreicht sind), Fotos hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [20:30 MEZ] Und hier und hier und weitere Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch eine enge Begegnung von ASAT-Schrott mit einem chinesischen Satelliten (auch ein Artikel, ein Gabbard-Diagramm mit 1200+ Fragmenten, eine Visualisierung, ein Grundsatz-Artikel über ASAT-Folgen und die Forderung nach einem Moratorium durch die USA), die Core Stage der Ariane 6 nun vor Tests in Kourou, ein Raketen-Testunfall in Mojave (mehr Bilder), eine Erdkamera für alle im Orbit – und wieder viele Menschen gerettet durch COSPAS-SarSat.

Ein Transit des Mondes vor der Erde aus Sicht des Satelliten DSCOVR im Februar 2021, auch animiert – der Einschlag der Raketenstufe, die den Satelliten startete, auf den Mond am 4. März wird immer wahrscheinlicher, auch eine Animation. Ferner das Paper „A 2-year locomotive exploration and scientific investigation of the lunar farside by the Yutu-2 rover“ (Artikel hier, hier und hier), neue Bilder von Hope aus dem Marsorbit (ein Artikel), eine Flug-Verschiebung von Ingenuity wegen schlechten Wetters (Artikel hier, hier und hier), Percys Stress mit den Kieseln, das Ende des Safe Mode von Ingenuity und der ExoMars-Rover im Plan. Derweil ist der Astro-Satellit Swift in einem Safe Mode (Artikel hier und hier), hat TESS schon 5000 Exoplaneten-Kandidaten und soll Webb am 24.1. in den L2-Orbit eintreten, was mit zwei TV-Events begangen wird: auch der Abschluss des Ausfahrens der Spiegelsegmente (Artikel hier und hier), ein wissenschaftlicher Ausblick, Threads zu NIRSpec hier und hier, mal wieder ein Flare des Satelliten, neue ESA-Fotos vom Start [alt., alt.] – und wie der ESA-DG gerade erzählt hat, hatte das 30-Minuten-Startfenster mehrere Lücken gehabt … wegen Überflügen von Starlink-Satelliten. [23:55 MEZ]


20. Januar

Der junge stellare Jet MHO 2147 gesehen von Gemini Süd mit Adaptiver Optik, ein Objekt – das andere – aus dem Paper „High-resolution images of two wiggling stellar jets, MHO 1502 and MHO 2147, obtained with GSAOI+GeMS“, das auch hier beschrieben wird. Auch die Rückkehr von RS Oph nach der Sonnenkonjunktion mit Fortsetzung der Lichtkurve – und ein M-Flare nahe des Sonnenrands heute früh: Visuals hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Der erste bekannte Asteroid mit drei Monden ist (130) Elektra, deren dritter Begleiter nun mit dem VLT-Instrument SPHERE entdeckt wurde, mit der Bezeichnung S/2014 (130) 2, weil die Daten schon gut 7 Jahre alt sind – die Bahnverhältnisse in dem Quadrupel-System werden durch die vorliegenden Zeitschritte aber noch nicht gut bestimmt. Auch Komet Leonard heute mit einem kleinen Ausbruch (mehr und mehr), ein Vergleich von Meteorbeobachtungen mit Video und visuell im Hinblick auf den Populations-Index, riskante Beobachtungen der Venus mit SOFIA – und ein Kinderbuch über „Forgotten Astronomers“.

Die Druckwelle der Vulkanexplosion in Tonga vor 5 Tagen läuft weiter um die Erde … oben sieben Nachweise aus der Schweiz (in Florida könnten sogar acht gelungen sein), darunter sechs sehr klare (jeweils ein Paar aus der Welle vorwärts und vom Antipoden-Algerien zurück) aus Island – und unten das erste Paar mit einem Mikrobarometer in Oberpfaffenhofen gemessen: Diese Technik bedarf einer besonderen Erklärung, den ’normale‘ Barometer-Daten sehen so aus. Auch ein angeblicher optischer Nachweis der Wellen am Himmel (Interpretation unklar, vielleicht zufällige Schwerewellen in Airglow) – und Lehren für die Mars-Forschung aus der Explosion sowie das Paper „Radiative thermal conductivity of single-crystal bridgmanite at the core-mantle boundary with implications for thermal evolution of the Earth“ nebst einem Press Release, eine weitere Analyse und bunte Visualisierung der steigenden Erdtemperatur – und ein Eisberg hat 152 Mrd. Tonnen Süßwasser freigelassen. [21:25 MEZ]


19. Januar

Bemerkenswertes IR-Live-Video vom Nachtstart einer Falcon

gab es gerade im Webcast zu sehen: oben Sekunden nach der Trennung der 1. Stufe, die sich gerade nach links davon macht (um auf einem Schiff zu landen, auch davon war das Live-Video ungewohnt Aussetzer-arm), darunter das Entschwinden von ihr und auch der beiden Hälften der Nutzlastverkleidung. An der Bord der 2. Stufe rechts waren die nächsten 49 Startlink-Satelliten … deren Impakt auf die Astronomie gerade wieder Gegenstand zweier Papers war: „Impact of the SpaceX Starlink Satellites on the Zwicky Transient Facility Survey Observations“ (auch ein Press Release, Threads hier, hier und hier und Artikel hier und hier) und „Analytical simulations of the effect of satellite constellations on optical and near-infrared observations“ (auch Threads hier und hier). Ferner eine Erwähnung des Nutzens systematischer astronomischer Beobachtung der Störenfriede in der Neujahrs-Botschaft des Chefs der japanischen National-Sternwarte, seltene offizielle Start-Statistiken (1469 Starlinks sind demnach aktiv und – mit den heutigen 49 – weitere 321 auf dem Weg nach oben), tiefe Fragen zur Start-Rate [unrolled], eine wohl besonders schlechte Satelliten-Charge letztes Jahr, ein unabhängiges Video vom letzten Start – und was der Konkurrent OneWeb bisher erreichte, 280 von 396 Satelliten sind in operationellen Orbits. [3:25 MEZ]

Die startende Rakete vor dem Vollmond, weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [4:35 MEZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein OneWeb Release Artikel zu allen MegaCons von heute (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), gestern (mehr und mehr), vorgestern, dem 16.1., 15.1., 13.1., 12.1., 11.1. (mehr), 10.1. (mehr, mehr und mehr), 8.1. und 6.1. und ein 6-Minuten-Video. [17:55 MEZ]

Ein Schnappschuss von der gerade laufenden EVA zweier Kosmonauten, hier auf Prichal am Werke: aus dem TV-Stream Clips hier, hier und hier und Screenshots hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch Bakterien-Forschung auf der ISS (und was da so wohnt), ein kurioses ‚archäologisches‘ Experiment auf der Station, wie dort ein Papierflugzeug fliegt, die Verdopplung des Impakt-Risikos (2. Slide unten) für die ISS durch die ASAT-Trümmer-Wolke, morgen schon wieder Maurer live (und nächste Woche mindestens zweimal), ein alter Booster für die Crew 4, der aktuelle Plan für den OFT-2 von Boeings Starliner vor dem Erstflug mit Crew, die nächste Phase der ESA-Astronauten-Auswahl, warum Maurer nicht Raumfahrer Nr. 600 ist, zu wenig NASA-Astronauten und Ende März immer noch offizielles Ziel für Artemis I. Sowie Ariane-6-Hardware in Kourou, die letzte Proton nach 6 Dekaden, wie sich die NASA nach einem Jahr Biden selbst sieht, eine neue Weltraum-Politik der NATO – und die Aufzeichnung der Jahres-PK des ESA-DG gestern: alle seine Slides (Aliens auf Enceladus: Folie 16), eine Auswahl davon, seine eigene Zusammenfassung und Artikel hier, hier und hier. [18:40 MEZ. NACHTRAG: und hier]

Was von Hunga Tonga-Hunga Ha’apai übrig blieb auf dem Bild eines Planet-Satelliten von gestern (oben) und einer Aufnahme von Sentinel 2 vorgestern (auch die Animation einer Zeitreihe) sowie unten die weiter westwärts vorgerückten Schwefeldioxid-Schwaden (mehr, mehr und mehr. Ferner ein IR-Sat-Video der Explosion, eine Visualisierung des DWD, zwei verschiedene seismische Effekte durch die Druckwelle in CA, ihr erneutes Eintreffen in den NL und im U.K. und was ein Ring-Laser in Bayern sah, eine unerwartete Beobachtung atmosphärischer Schwerewellen, weitere Satelliten-Bilder zur Lage hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel zu Geophysik und mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:55 MEZ]

Die russische ISS-EVA – s.o., hier ein später Screenshot – ist nach 7 Stunden und 11½ Minuten zuende gegangen, Prichal ist bereit für die erste Soyuz im März: von dieser 246. ISS-EVA insgesamt weitere Video-Clips hier, hier und hier und Screenshots hier, hier, hier, hier und hier, auch die Vulkan-Asche von der ISS aus gesehen – und selten gehörte Astronauten-Worte hier und hier zur Lichtverschmutzung (sonst betiteln viele ihre ISS-Nachtaufnahmen heller Städte jubilant). Beim JWST sind nun alle Spiegel-Segmente ausgefahren, auch die letzten zwei, während die himmlische Helligkeit des Satelliten konstant geworden ist (auch die ESA Webb Challenges, Threads zu den Spiegel-Aktuatoren und IR-Sensorem und ein Artikel zur Rolle Canberras), InSight ist nicht mehr im Safe Mode, nachdem sich die Licht-Situation gebessert hat, Curiosity hat etwas zum Kohlenstoff auf dem Mars entdeckt (mehr, mehr und mehr) – und man kann Satelliten auch im Erdschatten nachweisen, beleuchtet von Stadtlicht. [21:15 MEZ]


18. Januar

SoFi 2021 – Druckmüller hat fertig: Der internationale Star der Korona-Bildverarbeitung Miloslav Druckmüller hat sich hier einer deutschen Belichtungsreihe der Sonnenfinsternis vom 4. 12. 2021 über dem Union Glacier in der Antarktis angenommen, wo auch dieses Video entstand, während sich dieser Artikel mit einem Schiff beschäftigt. Rechts unten ein koronaler Massenauswurf, auch die Sonne gestern – und der blasse Leonard heute. [16:55 MEZ]

Wie die Druckwelle der Vulkan-Explosion in Tonga – offizielle Lageberichte hier, hier und hier – mehrmals um die Erde lief: eine Erklärung der Grafik (Abstand von Tonga in Grad gegen die Tage 15.-17.1.), eine gute Meteosat-Animation der Welle und einzelne Messungen hier, hier, hier und hier. Auch die Temperatur der Erde im Jahr 2021, die Entwicklung seit 1880, eine Feuerkugel über Indien, der berühmte kanadische Meteorit analysiert – und eine Live-Beobachtung aus Italien des Asteroiden (7482) 1994 PC1 gerade in Erdnähe: Um 21:00 MEZ soll’s hier mehr geben. [19:25 MEZ]

Und schon isser vorbei … Bilder und Videos des Asteroiden in Erdnähe gibt’s z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – ein paar Sterne bedecken wird er auch noch. Derweil hat auf der Sonne einen M-Flare gegeben: mehr Visuals hier, hier und hier. [22:55 MEZ. NACHTRÄGE: eine CME im Zusammenhang hier und hier – und mehr Videos und Bilder von 1994 PC1 hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Der war auch Aufmacher von Colberts Monolog … wobei die Hochhäuser als schräge Größenvergleiche bereits diesem Blogger aufgefallen waren]


17. Januar

So lief die Druckwelle der Explosion zweimal um die Erde

Drei Einzelbilder aus jeweils dahinter liegenden faszinierenden Animationen durch japanische Spezialisten hoch-verarbeiteter Bilder von Wettersatelliten, die den Lauf der Wellen der Vulkan-Explosion von Tonga fort gegen 8:30 MEZ und das Zusammenlaufen der Hauptwelle über Europa und Afrika gegen 20:00 MEZ vorgestern (die minimale Ausdehnung wurde gegen 23:00 MEZ über Algerien erreicht) und ihr erneutes Zusammenlaufen im Pazifik gegen 14:30 MEZ gestern zeigen – die minimale Ausdehnung nun wieder bei Tonga wurde dann gegen 17:00 MEZ erreicht, ziemlich genau 36 Stunden nach der Explosion.

Diese Grafik des Deutschen Wetterdienstes – Zeit vorgestern von 19:00 bis 22:00 MEZ – zeigt das Fortschreiten der ersten Welle von Norden nach Süden über Deutschland, gemessen von Wetterstationen von Helgoland bis Hohenpeissenberg. Im Dokument hinter dem Bild gibt’s auch die zweite Welle, die Hohenpeissenberg zuerst und Helgoland zuletzt erreichte, auch die 1. Welle im Detail aus Göttingen und Teneriffa (mehr), die 1. und 2. aus Heidelberg, der Lauf der 2. über die USA und ein erneutes Signal im U.K. heute hier und hier.

Die bei der Eruption freigesetzte Wolke aus Schwefeldioxid heute nach Erreichen Australiens, andere Karten hier, hier, hier und hier: Nach ersten Abschätzungen der Menge ist mit keinem klima-relevanten Effekt zu rechnen. Auch die Asche-Wolke auf demselben Kurs nach Oz – ihr Eintreffen dort könnte der Auslöser einer peinlichen Falschmeldung von AFP über eine neue große Eruption gewesen sein.

Nicht mehr viel übrig ist von den beiden Inseln Hunga Tonga und Hunga Ha’apai, zwischen denen der junge Vulkan gewachsen war (oben ein Bild von Sentinel 2 vom 8. Dezember 2021): unten ein Pléiades-Bild von gestern Abend MEZ, das innerhalb der ehemaligen Umrisse fast nur noch Wasser zeigt. Die Bilder sind aus einer ersten Analyse der Situation (eine Zusammenfassung, es gibt auch erste Bilder bewohnter Inseln). Sie und auch andere Satelliten-Fotos bestätigen die Erkenntnisse von Sentinel 1 über das Verschwinden des Vulkans (Animationen der Radar-Entwicklung hier und hier): Dabei ist aber zu beachten, was für eine gewaltige Struktur unter der Wasseroberfläche verborgen liegt! Auch Daten von Aeolus zur Wolke, weitere Satelliten-Bilder von Tonga hier, hier und hier (Vorsicht, Asche auf Gebäuden!), ein leider reißerischer und schlecht dokumentierter Thread weiterer Visuals und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:55 MEZ] Und hier und hier sowie die Welle per Temperatur-Anomalie, eine vierte in Schottland, Nr. 1 & 2 in Moskau, 3D-Messungen per Seismografie, die Explosion in hoher Auflösung, die Inseln vorher & nachher mit Pléiades und Sentinel, noch früher und geologisch untersucht und weiteres Satelliten-Material hier und hier. Und in anderen Raumfahrt-News der Status von Sentinel 1b, das Paper „First measurements of low-energy cosmic rays on the surface of the lunar farside from Chang’E-4 mission“, der ExoMars-Rover im Test, weiter Bemühen um die Solarzellen der Asteroiden-Mission Lucy, die Inbetriebnahme des „Columbus Ka-Band Terminal“ auf der ISS [NACHTRAG: noch eine PM], das erste SLS repariert – und der Start von Shiyan-13 in China: Bilder hier, hier und hier, hier, hier und hier und Artikel hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRAG: und hier und hier]


16. Januar

Die Vulkan-Druckwelle aus Tonga kam zweimal in Europa an

In dieser Messung aus Hannover z.B. (hPa vs. UTC) erst gestern um 20:12 MEZ auf kürzerem Weg über den Norden (!), dann heute um 2:37 eine andere Stelle von Süden: Andere Barometrie-Plots mit beiden Durchgängen gibt's z.B. auch aus Berlin, München und Essen, der Schweiz hier und hier, England hier und hier, Schottland, Island, Südtirol, Moldau oder auch Alaska – und die erste Welle (ihr Lauf von Nord nach Süd über Mitteleuropa) im Detail aus Göttingen, Vechta, dem U.K., Algerien (nahe dem Antipoden-Punkt) und Indien. Die Abreise der Welle nach der Vulkan-Explosion – eigentlich eine Abfolge mehrerer Maxima – zeigt spektakulär ein Zeitraffer eines japanischen Wettersatelliten, der IR-Emission von Wasserdampf in der oberen Troposphäre betont, und auch ein amerikanischer sah was: Da gibt es offensichtliche Parallelen zu dem Impakten der Fragmente von SL-9 auf dem Jupiter 1994. Ferner Lidar-Messungen von heute, nach denen die Wolke (die über Europa so aussähe) immer noch > 20.5 km hoch ist, die Ausdehnung des Schwefeldioxids, die Radar-Daten von Sentinel der explodierten Insel prozessiert und animiert, der Tsunami simuliert – und all die Physik im Spiel. [20:25 MEZ]

Die beiden Passagen der Druckwelle über Präzisionsbarometer auf drei Vulkanen im Pazifischen Nordwesten der USA, die Zeit geht 30 Stunden von 13:00 MEZ gestern bis 19:00 MEZ heute, die lang anhaltenden Schwingungen des Luftdrucks sind jeweils farblich hinterlegt. Den Lauf beider Wellenteile über Deutschland – erst in eine, dann die Gegenrichtung – ist hier beeindruckend animiert. Auch ein weiterer Artikel zu Details der Explosion – und die Hilfe für Tonga läuft an. Anderswo im Sonnensystem Komet Leonard gestern über Australien, am 13.1. von NEOSSat, sein Plasmaschweif animiert vom 18.12.2021 bis 7.1.2022 und animiertes Detail. Auch der Asteroiden-Besuch übermorgen, die Venus gestern, der Uranus am 13.1., die Sonne heute (mehr), Action am Rand vorgestern (mehr und mehr), ein Versuch der Prognose der solaren Radiostrahlung mit KI, mal wieder Spekulation über ein kommendes großes Maximum der Aktivität, ein Amateur-Spektrum von Beteigeuze, Videos mit einer Himmels(vor)schau 2022 der VSW München und über Extreme Adaptive Optik für die Philosophical Society of Washington – und die multiplen Synergien mit dem Cherenkov Telescope Array. [23:25 MEZ]


15. Januar

Die Explosion des Hunga-Tonga Hunga-Ha’apai aus dem Orbit

heute früh MEZ gesehen von den Wettersatelliten Himawari 8 und GOES-17 und der Vulkan nur Stunden vorher (aber nachdem eine kleinere Explosion gestern den Kegel eingeebnet hatte) von einem Satelliten der Planet Labs, die die Inseln schon eine Weile überwachen, wo der junge Vulkan erst vor sieben Jahren entstanden war: ein Übersichts-Bild, weitere Videoclips aus Satelliten-Daten hier [alt.], hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine Animation der Druckwelle, wie sie in Japan ankam, Nachweise auch in Alaska und Oregon, ein Tsunami auf Tonga, ein Thread, ein News-Clip und Artikel hier, hier, hier und hier. [20:00 MEZ]

Die Druckwelle der Explosion hat kurz nach 20 Uhr MEZ Mitteleuropa erreicht: hier Live-Messungen einer Wetterstation in Essen, weitere deutsche Zacken hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie Daten aus den Niederlanden hier, hier, hier, hier und hier, dem U.K. hier, hier und hier, Frankreich und Slowenien. Der Knall wurde in Alaska gehört, eine 1-Meter-Tsunami-Welle hat gerade Chile erreicht [NACHTRAG: wie es weiterging], das ausgestoßene Gas dürfte hingegen keinen Klima-Effekt haben, eine Analyse des Vulkans, seine Explosion von chinesischen Satelliten und einigen mehr gesehen – und ein Überflug des Radar-Satelliten Sentinel 1 danach. [21:45 MEZ. NACHTRAG: dieses Bild im Daten-Viewer sowie Satelliten-Video-Kompilationen hier und hier] Die Himawari-Bilder in voller Auflösung in einem Viewer (mehr und mehr), warum es gerade da passierte, ein Meteotsunami auf Puerto Rico, die Druckwelle über den USA – und noch jede Menge mehr Druckspitzen aus Europa, registriert etwa in Deutschland (mehr und mehr), der Schweiz (mehr), den Niederlanden [NACHTRAG: mehr] und dem U.K. [NACHTRAG: und Moldau – und Australien].

Ein Hubble-WFC3-Bild der Spiralgalaxie NGC 976 – auch Threads zu Spiegel-Justierung (mehr und mehr) und IR-Sensoren des JWST, ein weiteres Start-Video, Artikel von vorgestern hier, hier und hier und ein langes Interview mit Hasinger. Ansonsten Verarbeitung von Hope-Bildern aus dem Mars-Orbit, Schritte gegen die Verstopfung von Perseverance, der mögliche Crash einer Falcon-Oberstufe auf den Mond am 4. März (vom DSCOVR-Start 2015) – und das Paper „Hemolysis contributes to anemia during long-duration space flight“: auch ein Press Release und Artikel hier, hier und hier. [23:55 MEZ]

Virtuelle Astronomie von der AAS: 239 (und 238)

15. Januar 2022

Dieses Jahr ist die große Wintertagung der American Astronomical Society kurzfristig abgesagt worden: Sie hatte eigentlich erstmals wieder in Präsenz stattfinden sollen, was dann doch nicht ging, und die Zeit reichte nicht für die Organisation einer kompletten virtuellen Tagung. Aber immerhin gab es ein paar Online-Events und insbesondere acht Pressekonferenzen (Aufzeichnungen jeweils hinter der Überschrift, Links zu allen Slides hinter Datum & Zeit):

Galaxies & Quasars

Hier ging es am 10. Januar 2022 um 18:15 MEZ u.a. um
A Map of the Molecular Ring and Arms of a Spiral Galaxy,
Uncovering a Hidden Mini-Monster: A Heavily Obscured Active Galactic Nucleus in a Dwarf Star-Forming Galaxy und das
• Paper „A Sample of Massive Black Holes in Dwarf Galaxies Detected via [Fe X] Coronal Line Emission: Active Galactic Nuclei and/or Tidal Disruption Events (auch ein Press Release dazu).

Black Holes & Transient Phenomena

Der 10. Januar um 22:15 MEZ behandelte u.a. die Papers
„FIRST J153350.8+272729: the radio afterglow of a decades-old tidal disruption event“ (auch ein Press Release) und

„The X-ray and Radio Loud Fast Blue Optical Transient AT2020mrf: Implications for an Emerging Class of Engine-Driven Massive Star Explosions“ (auch ein Press Release [NACHTRAG: auch einer von Roskosmos] und ein paar Slides).

SDSS: Passing the Torch to Phase 5

Am 11. Januar um 20:15 MEZ ging es um den Data Release 17 der SDSS, beschrieben in dem Paper „The Seventeenth Data Release of the Sloan Digital Sky Surveys: Complete Release of MaNGA, MaStar and APOGEE-2 Data“, und den nächsten Schritt (auch Press Releases hier, hier und hier und ein paar Slides).

Stellar Nurseries, Clusters & Streams

Der 11. Januar um 22:15 MEZ brachte
A New Window on Star Formation History at the Galactic Center,

Giant Molecular Clouds: Storytellers of the Galactic Center’s History in the Past Few Hundred Years (auch ein Paper im Kontext und ein paar Slides), das
• Paper „NGC 5128 Globular Cluster Candidates Out to 150 kpc: A Comprehensive Catalog from Gaia and Ground-based Data“ (auch ein Press Release und ein paar Slides) und das

• Paper „S5 : The Orbital and Chemical Properties of One Dozen Stellar Streams“ (auch ein interaktives Tool, eine Animation, Press Releases hier, hier, hier und hier und ein paar Slides).

Evolving Stars & Their Activity

Am 12. Januar um 18:15 MEZ ging es um
Detection of White Dwarf Companions to Blue Lurkers in Star Cluster M67 und die Papers
4FGL J1120.0-2204: A Unique Gamma-ray Bright Neutron Star Binary with an Extremely Low Mass Proto-White Dwarf (auch ein Press Release und ein paar Slides) und

„Discovery of Extreme, Roughly-Daily Superflares on the Recurrent Nova V2487 Oph“ (auch ein Press Release und ein paar Slides).

Mapping Local Structure & More Evolving Stars

Der 12. Januar um 22:15 MEZ behandelte das
• Paper „Star formation near the Sun is driven by expansion of the Local Bubble“ (auch hier sowie mehr Material, Threads hier und hier, eine Gaia-Story, Press Releases hier, hier und hier, Artikel hier, hier, hier und hier und im Kontext das Paper „The Per-Tau Shell: A Giant Star-forming Spherical Shell Revealed by 3D Dust Observations“ nebst Press Release dazu),
Mapping the Interstellar Medium in Our Rear-View Mirror: The Million Year History of the Heliosphere (auch ein paar Slides) und die Papers
„A WC/WO star exploding within an expanding carbon-oxygen-neon nebula“ (auch Press Releases hier und hier, ein paar Slides und zum Kontext die Notiz „Introducing a new Supernova classification type: SN Icn“) und
„The Type Icn SN 2021csp: Implications for the Origins of the Fastest Supernovae and the Fates of Wolf-Rayet Stars“ (auch ein Press Release und ein paar Slides).

Exoplanets & Their Atmospheres

Am 13. Januar um 18:15 MEZ ging es um
Revealing the Stormy, Turbulent Nature of Giant Exoplanet Analogs (auch ein Thread und ein paar Slides) und die Papers
„Thermal Phase Curves of XO-3b: An Eccentric Hot Jupiter at the Deuterium Burning Limit“ (auch Press Releases hier, hier und hier),
„TESS Giants Transiting Giants II: The hottest Jupiters orbiting evolved stars“ (auch Press Releases hier und hier und ein paar Slides) und
„A Mirage or an Oasis? Water Vapor in the Atmosphere of the Warm Neptune TOI-674 b“ (auch ein Press Release) und
Discovery of Debris Disks in Kepler Habitable Small Planet Candidates (auch ein paar Slides).

Intriguing Stars & Citizen Discoveries

Der 13. Januar um 22:15 MEZ schließlich befasste sich u.a. mit
Betelgeuse, the Great Dimming: Before and After, dem Paper

„The TESS-Keck Survey. VIII. Confirmation of a Transiting Giant Planet on an Eccentric 261 Day Orbit with the Automated Planet Finder Telescope“ (auch Press Releases hier, hier und hier, ein Thread und ein paar Slides),
Discovery of the Widest Known Brown Dwarf Binary (auch ein paar Slides) und

Galaxy Zoo: Clump Scout: Surveying the local Universe for giant, star-forming clumps (auch ein paar Slides).

Teile der Nicht-Tagung Nr. 239 waren z.a. auch eine ‚Townhall‘ zu SOFIA (ein Artikel dazu), eine NASA Townhall (auch ein Artikel dazu) und eine NSF Townhall (man arbeitet inzwischen mit mehreren Megaconstellation-Unternehmen zusammen), während es Berichte über die Tage eins [alt.], zwei [alt.], drei [alt.] und vier und fünf [alt.] gibt. Die vorangegangene AAS-Tagung 238 war letzten Juni komplett aber virtuell durchgeführt worden, damals mit sechs PKs:

Stars & Clusters

Die erste am 7. Juni 2021 um 18:15 MESZ behandelte die Papers
„Laboratory measurements of the physics of auroral electron acceleration by Alfvén waves“ (auch Press Releases hier, hier und hier und mehr Material),

„An Observational Study of a ‚Rosetta-Stone‘ Solar Eruption“ (auch Press Releases hier, hier und hier) und

„Confirmation of a Second Propeller: A High-Inclination Twin of AE~Aquarii“ (auch ein Press Release und ein weiteres Video) sowie
Eta Carinae’s Change of State as Seen by Hubble from 1998 to 2021 (auch mehr Material, eine Webseite zu Eta Car und ein früheres Paper) und das Paper
„Rotation and Lithium Confirmation of a 500 Parsec Halo for the Open Cluster NGC 2516“ (auch ein Press Release und mehr Material).

Black Holes & Active Galactic Nuclei

Die PK am 7. Juni um 22:30 MESZ befasste sich mit
A Giant Arc [aus fernen Galaxien] on the Sky, den Papers
„Discovery of Dying Active Galactic Nucleus in Arp 187: Experience of Drastic Luminosity Decline within 10^4 yr“ und „BAT AGN Spectroscopic Survey. XI. The Covering Factor of Dust and Gas in Swift/BAT Active Galactic Nuclei“ (auch ein Press Release),
A Sensitive X-Ray Survey of the Rubin/LSST Deep-Drilling Fields,

A Merging Galaxy Triple Hosting a Potential Dual Active Galactic Nucleus und dem Paper
„Maximum black hole mass across cosmic time“ (auch ein Press Release).

Molecules in Strange Places / Get Ready for Webb

Am 8. Juni ging es um 18:15 MESZ um
Clues About Dying Stars and Outskirts of the Milky Way von ALMA (drei Präsentationen) und

The Giant Molecular Cloud Population of the Local Universe (auch ein weiterer Press Release), während um 22:15 MEZ in Erwartung des baldigen Starts Werbung für das JWST gemacht wurde.

Fast Radio Bursts / Exoplanets & Brown Dwarfs I

Die vorletzte PK am 9. Juni um 18:15 MESZ befasste sich mit dem
CHIME-Instrument zur Jagd nach FRBs und den Papers „First CHIME/FRB Fast Radio Burst Catalog“, „No Evidence for Galactic Latitude Dependence“, „Cross-correlations with large-scale structure“ und „Fast Radio Burst Morphology“ (auch Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier), dem Paper

„Statistics of the Chemical Composition of Solar Analog Stars and Links to Planet Formation“ (auch ein Press Release) und
Using Proper Motions from CatWISE2020 to Uncover New Objects in the Solar Neighborhood.

Exoplanets & Brown Dwarfs II

Und bei der letzten PK am 9. Juni um 22:15 MESZ ging es u.a. um
Revealing the Vertical Cloud Structure of a Beta Pictoris b Analog und
How Two Old, Unrelated Exoplanet Systems Turned Out to Be 400-Million-Year-Old Siblings

Aus den Konferenz-Sessions selbst Slides aus Session 105 zu Venus-Forschung und DAVINCI+, zur Session 117 (NASA Townhall) die Slides, ein ausgewähltes und ein Artikel, aus Session 133 (Betel Prize Talk) Gedanken zu Beteigeuze (auch ein ähnlicher älterer Talk über „The Weirdest Stars in the Universe“), aus Session 300 die offenen Fragen zu Coronal Mass Ejections), zur Session 335 (AAS Policy Town Hall) Slides hier und hier und ein Artikel – und noch Berichte zu den Konferenz-Tagen eins, zwei und drei und insgesamt. Und von anderen größeren virtuellen Tagungen 2021 gibt es Berichte vom DPS Meeting hier bzw. hier und hier, von der EAS-Tagung einen Thread zur Session über Megaconstellations – und von der CAP-Tagung sind alle Videos hier bzw. hier zu finden.

Allgemeines Live-Blog vom 13. – 15. Januar 2022

13. Januar 2022

15. Januar

Ringen um die Hubble-Konstante: Klarheit dieses Jahrzehnt

Der ewige Streit um die wahre aktuelle Expansionsgeschwindigkeit des Universums ist zuende, wenn drei unabhängige Methoden ein Ergebnis mit 1% Genauigkeit liefern – und diese drei Werte auch übereinstimmen: Das sagt Wendy Freedman, die vor zwei Jahrzehnten jene Hubble-Konstante H0 mit einem großen Projekt des Hubble Space Telescope auf 10% genau bestimmte und die gestern Abend in der „Golden Webinars“-Serie den Stand der Forschung u.a. mit diesen drei Grafiken zusammen fasste, von ihrem „Key Project“ bis heute. Oben in Braun Methoden, die mit Ia-Supernovae arbeiten, und in Grau die Ableitung von H0 aus der kosmischen Hintergrundstrahlung: Seit Planck (letzte vier Punkte) überlagern sich die Fehlerbalken nicht mehr, die ‚tension‘ beträgt 3 bis 6 Sigma. In der Mitte die Wahrscheinlichkeitsdichte einer ganzen Reihe Methoden, mit auffällig in der Mitte dem Tip of the Red Giant Branch (TRGB), mit dem als Weg zur Entfernungsmessung Freedman selbst auf 70±1 km/s/Mpc kommt. Mit so viel Überlapp mit Planck (auch in der unteren Grafik), dass Freedman ätzt, ohne die Supernovae & Cepheiden würde es schlicht keine Tension geben … und vermutet, dass v.a. in der Eichung letzterer ein übersehener systematischer Fehler stecke und ihre Genauigkeit zumindest deutlich geringer sei als bisher gedacht.

Das sehen die großen Cepheiden- und Supernova-Projekte natürlich völlig anders: Vor einem Monat erschien das Paper „A Comprehensive Measurement of the Local Value of the Hubble Constant with 1 km/s/Mpc Uncertainty from the Hubble Space Telescope and the SH0ES Team“, das ebenfalls in einem Webinar (die wichtigsten Folien, ein Thread und ein Gag) und einem langen Interview präsentiert wurde und auf 73±1 km/s/Mpc kommt – auch eine Material-Sammlung und Artikel hier und hier. Und was ist mit den Gravitationslinsen, die hier 2019 als dritte starke Methode neben Cepheiden/Supernovae und Hintergrundstrahlung diskutiert wurden? Von der hält Freedman wenig, was wiederum diese Community völlig anders sieht. Freedmans Vortrag – der bald in dieser Playlist erscheinen wird – endete jedenfalls optimistisch: Gaia, Hubble und das JWST würden es noch in diesem Jahrzehnt richten, wobei Gaia mehrere Methoden in der Milchstraße supergenau eichen kann und das JWST dank IR besonders gut geeignet ist, die TRGB-Methode auf ferne Galaxien anzuwenden. Und am Ende werden wir wissen, ob es die inzwischen bald 10 Jahre alte H0-Tension wirklich gibt – die einen Weg zu neuer Physik weisen könnte. Und wenn nicht: auch gut, denn das Standardmodell der Kosmologie alias ΛCDM lässt ansonsten kaum etwas zu wünschen übrig. [0:35 MEZ – Ende]


14. Januar

Donald Gurnett, Pionier der Astro-Sonifikation, 1940-2022

Gestern ist der Weltraum-Plasmaphysiker Donald „Don“ Alfred Gurnett im Alter von 81 Jahren gestorben: Diesen Blogger hatte er 1989 im JPL während des Encounters von Voyager 2 mit Neptun mächtig beeindruckt, denn er spielte auf einer Pressekonferenz die Messungen seines Plasma Wave Systems als Audiofiles vor … die er danach auf Musikkassetten an uns Berichterstatter verteilte! Dabei erzählte Gurnett Erstaunliches über das Thema seines Lebens, Plasmen im Weltraum: Er hörte sich deren Wellen in Töne umgesetzt auch selbst intensiv an, nahm dabei z.B. Parallelen zu den Geräuschen von Wasser in einem Bach wahr und zog dann daraus Schlüsse über Vorgänge in den Magnetosphären anderer Planeten. Auch das neue Paper „A source of very energetic oxygen located in Jupiter’s inner radiation belts“ – in dem Gurnett 3-mal zitiert wird (Ref. 36-38) – nebst einer PM des MPI für Sonnensystemforschung dazu und ein weiteres über Messungen von InSight während EDL von Zhurong auf dem Mars, die keinen Effekt nachweisen konnten. [1:55 MEZ]

Ein Abhang auf dem Mars, von dem mehrere Steine herunter gekullert sind: ein Stück aus einem Bildstreifen dem CaSSIS-Kamera auf ExoMars TGO von 2020. Auch Überlegungen hier, hier und hier zum mutmaßlichen neuen Orbit des Mutterschiffs von Chang’e-5 (distant retrograde um den Mond) und ein Falschfarbenbild des Kangerlussuaq-Gletschers von Sentinel 1. Und die Exoplaneten-Mission PLATO hat eine weitere Hürde genommen mit einer umfangreichen Critical Milestone Review, während das Paper „Beating the Lyth bound by parametric resonance during inflation“ Hoffnung auf mehr Ausbeute mit dem Kosmologie-Satelliten LiteBIRD macht – und sich die kuriose Lichtkurve des JWST am Himmel, auf dem derzeit nur ganz kleine Bewegungen an den Spiegelsegmenten stattfinden, exakt wiederholt [NACHTRAG: ein Zeitraffer dazu].

Raumfahrt gestern ganz im Gegenlicht … hier der Start einer Falcon 9 mit „Transporter 3“ = je nach Zählweise etwa 105 Kleinsatelliten und die Rückkehr der Unterstufe zum Cape mit ihrer 10. Landung (wobei sie ein Video aus dem Orbit danach zeigt): der Webcast, daraus Start, Staging, Landung (Detail), ein Deployment und Screenshots, ein anderer Webcast, mehr Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die 44 SuperDoves (mehr), Sich-2-30 und Artikel hier, hier, hier, hier (früher), hier (früher), hier, hier, hier, hier und hier.

Und das Trägerflugzeug und der Abwurf der Rakete von Virgin Orbit mit sieben weiteren Kleinsatelliten: das Flug-Profil, der Webcast, in dem es aber wenig zu sehen gab, Press Releases von NASA, U.K. Gov’t und Spaceforce, Artikel hier, hier, hier und hier – und ein Kuriosum bei Virgin Galactic und der Abwurf-Prozedur. Heute gab es den vielleicht unterhaltsamsten Live-Auftritt von Matthias Maurer während seiner bisher zwei Monate auf der ISS, diesmal gleich mit sieben deutschen Schulen verbunden – und nach dem Inflight Call ist vor dem Inflight Call: Am 26. Januar gibt’s hier den nächsten, diesmal mit der Uni Stuttgart. Derweil wird in Köln die Mond-Simulation LUNA gebaut, hofft die NASA noch auf einen SLS-Erststart noch im März (während Beobachter eher auf den Sommer tippen), legt die neue Chef-Wissenschaftlerin der NASA mehr Wert auf Klima – und lässt die ESA in Sachen Solar Power aus dem Orbit forschen. [17:35 MEZ]


13. Januar

Leonard gibt nicht auf: noch einiger Schweif – und ~6 mag.

Zwar ist der Plasmaschweif von Komet C/2021 A1 inzwischen arg verblasst, aber der Staubschweif sieht noch gut aus (oben ein 12-ZollBild von Gerald Rhemann vom 10. Januar) – und die Helligkeit ist gar am 8. Januar noch einmal von 6.5 auf 5.5 mag. gesprungen (mehr), wobei sich das Aussehen des Kometen deutlich veränderte, und liegt jetzt um 6.0 mag. Oben noch zwei Videos von Beobachtern auf Hakos in Namibia und auf La Palma – neue Fotos sind inzwischen rar geworden, aber es gibt noch welche von gestern, vorgestern, dem 10.1. (mehr und mehr), 9.1. (mehr) und 8.1. (mehr und mehr) sowie einen Nachzügler vom 2.1. [2:55 MEZ] Soeben wurde Leonard übrigens auf nur noch 6.8 mag. geschätzt – ist nun wirklich Schluss? Auch der vermutlich fragmentierte 108P/Ciffreo am 9.1. (mehr und mehr), 8.1. (mehr, mehr und mehr) und 7.1., C/2022 A1 (Sarneczky) am 9.1., 8.1. und 7.1., 67P/C-G gestern, am 10.1., 8.1. (Zeichnung), 7.1. und 6.1., C/2019 L3 (ATLAS) gestern, 4P/Faye am 9.1. und 6.1., der Fern-Komet „Bern-Bern“ am 4.1. – und das Paper „Cometary Activity beyond the Planets“ über u.a. C/2017 K2 und diesen.

Eine bemerkenswerte eruptive Protuberanz mit einem koronalen Massenauswurf hat sich gestern früh am Sonnenrand ereignet: diverse Animationen im XUV sowie die Sonne vorgestern (mehr), am 10.1., 9.1. (mehr, mehr, mehr und mehr) und 8.1., der Anstieg des neuen Zyklus, Korrelationen von Röntgen- und Radio-Emission mit der Fleckenzahl, geomagnetische Effekte der arktischen SoFi vom Juni 2021 und drei Sonnenfinsternisse durch die Erde bei Mondmissionen 1967-2009. Ferner die Venus-Sichel heute, vom 8.-10.1. und am 9.1. (wegen der Unflachheit des Sonnensystems weit nördlich der Sonne und daher als Morgenstern noch am Abend zu sehen; mehr [roh], mehr, mehr und mehr), 8.1. (mehr, mehr, mehr und mehr) und 7.1. (mehr, mehr und mehr), die Geminiden 2021, Feuerkugel-Meldungen aus Heilbronn und Uruguay, der Asteroid 2022 AE1 mit heute einer Impakt-Wahrscheinlichkeit von 1:2800 (gestern waren’s noch 1:1500 gewesen), Palermo -1.15 und Torino 1 – und in 5 Tagen kommt (7482) 1994 PC1 recht nahe und sollte 10 mag. erreichen: Grafiken hier, hier und hier und Artikel hier und hier. [15:15 MEZ] 2021 war das sechst-wärmste Jahr, trotz La Nina, hat die NASA heute auf einer Telecon verkündet: auch Grafiken, ein Press Release und mehr dazu, eine weitere Kurve, noch mehr Daten und ein Artikel.

Der Chamaeleon Infrared Nebula, ein Outflow in der Dunkelwolke Chamaeleon I, aufgenommen mit Gemini South und dem Instrument GMOS-South – auch die größte 3D-Karte des Kosmos vom Dark Energy Spectroscopic Instrument (auch ein Thread [NACHTRAG: und ein Artikel]), wann das Rubin Observatory fertig sein soll (Mitte 2024), 50 Jahre Rothney Astrophysical Observatory in Kanada und Weltraum-Wetter-Forschung mit LOFAR. Sowie ein Nachruf auf Eric Elst, ein Vortrag über einen indischen Astronomie-Text in Kanaresisch von 1604, eine Bilanz der letzte Sonderausstellung zur Himmelsscheibe in Halle, die jetzt ein Gastspiel in England hat, Erfahrungen mit einem Aufblas-Planetarium in Österreich, das 292-seitige „Technical Document: Dark and Quiet Skies II Working Group Reports“, ein Keogramm von 2021 aus den Niederlanden – und das Paper „The International Pulsar Timing Array second data release: Search for an isotropic Gravitational Wave Background“ mit eventuell Hinweisen auf ein Signal: Press Releases hier, hier, hier und hier. [23:25 MEZ. NACHTRAG: und ein langer Artikel]

Raumfahrt-Live-Blog, u.a. zur JWST-Entfaltung

8. Januar 2022

12. Januar

Helligkeitsschwankungen des JWST über 6 Stunden hinweg

mit der bereits (siehe 2-mal unten) bekannten Peak-to-Valley-Amplitude von drei Größenklassen: Da deutet sich eine gewisse Symmetrie an. Und das könnte – so das Ergebnis energischer Online-Diskussionen – bedeuten, dass der Satellit ruhig im Raum liegt und mit seinem Sonnenschild und anderen sonnenseitigen Komponenten mehrere ziemlich spekulare (also quasi gebündelte) Reflexionen des Sonnenlichts produziert. Und der Beobachter bewegt sich auf der rotierenden Erde durch dieses Muster an Strahlenkegeln und erlebt immer wieder scharfe Flares, wenn er durch einen hindurch geht. Aktive Änderungen der Lage des JWST würden das Bild natürlich noch weiter verkomplizieren, aber mit dem 4-Zöller eVs ist der Satellit erneut erwischt worden. Auf seiner dunklen Seite hat gerade die Aktivierung der Spiegel-Segmente begonnen, was sich nun über Monate hin ziehen wird – auch Erwartungen einer Forscherin mit JWST-Plänen, ein paar Soundbites, was das JWST mit der Venus anfangen kann und ein langer Thread über MIRIs Filterrad. Ferner die bisherige Ausbeute von TESS, eine Vorschau zum Data Release 3 von Gaia – und zum Beginn der Arbeit des Röntgensatelliten IXPE ein Press Release und Artikel hier und hier.

Der 18. Flug von Ingenuity über den Mars interpoliert, die Aktivität von ‚Megaripples‘ auf dem Mars (von dort auch ein bunter HiRISE-Krater und InSights Sturm-Probleme und Safe Mode) 43 Hours of Saturn & Moons (Voyager 2, June 1981). Auch die Störung von Sentinel-1B, eine Vega C für FLEX & Altius, das Zerbrechen von Yunhai 1-02 nach einer Kollision, der morgige Flug von Virgin Orbit, der erste kommerzielle Forschungsflug vom StarShipTwo, ein Portrait der neuen Raumfahrt-Koordinatorin Anna Christmann, allerlei Antworten von Matthias Maurer auf Fragen (am 14.1. wird es auch wieder ein großes Live-Event online geben), der Robot-Arm der ISS in Action – und in Russland wird der 115. Geburtstag von Sergey Korolev gefeiert: mehr zu der Persönlichkeit der frühen sowjetischen Raumfahrt auch hier, hier, hier, hier und hier. [23:25 MEZ – Ende]


11. Januar

Die ISS aus einem abreisenden Crew Dragon aufgenommen am 8. November 2021: Diese Bilder sind erst heute veröffentlicht worden [NACHTRAG: ein Artikel dazu]. Auch die Beobachtung eines Magnetars durch das gestern verpflanzte (s.u.) ISS-Instrument ASIM, weiter gespannte Ruhe in Baikonur – und eine enorme Karte mit 80 (!) Startplätzen für orbitale und suborbitale Flüge in aller Welt.

Der Vesuv schaut aus einem Wolkenmeer, auf einer Aufnahme des Operational Land Imager (OLI) auf Landsat 8 vom 2. Januar – auch Gewitter-Überwachung aus dem Weltraum mit mehreren Instrumenten, der Mars-Lander InSight im Safe Mode, weil ihm ein regionaler Staubsturm den Strom raubt, Animationen der Ingenuity-Flüge Nr. 17 und Nr. 18 – und das Paper „Moist convection drives an upscale energy transfer at Jovian high latitudes“ über die Entstehung von Zyklonen auf dem Jupiter.

So kalt sind bereits die Spiegel-Segmente des James Webb Space Telescope geworden: Messwerte von gestern, gezeigt auf Folie 17 diese Präsentation bei einer NASA Town Hall im Rahmen der ausgefallen AAS-Tagung 239. Dort wurde auch – Folie 18 – eine genaue Timeline der nächsten Monate gezeigt – und die Ankündigung gemacht, dass es in spätestens zwei Wochen genauere Erkenntnisse darüber geben sollte, wie viele Jahre über die nominellen 10 hinaus Lebensdauer das JWST durch die Treibstoff-Einsparung dank des perfekten Ariane-Starts gewonnen hat und ob die vage Schätzung von 10 Extra-Jahren zutrifft. Und es gibt diese originelle Animation des JWST … korrekt (un-)beleuchtet und ein Scherzchen. [23:55 MEZ]


10. Januar

Patagonien aus der ISS bei schrägem Sonnenstand: Die südamerikanische Landschaft aus Bergen, Gletschern und Seen ist stets ein beliebtes Fotomotiv für Astronauten am Fenster, so auch für Matthias Maurer. Auch ein 360°-Video mit den Astrobee-Freeflyern in der Station vor dem Experiment ReSWARM, ein offizieller Podcast zu Maurers Mission mit nunmehr 6 Folgen, der erfolgreiche Umzug per Robotarm des Atmosphere-Space Interactions Monitor (ASIM) an eine andere Stelle auf dem Columbus-Modul der Station – und ein Artikel über internationale ISS-Planungen nach der US-Ankündigung, die Station bis 2030 halten zu wollen.

Eine weitere optische Lichtkurve des JWST (s.a. unten), das über 4 Stunden hinweg zwischen 16.5 und 13.2 mag. schwankte, teilweise sehr schnell: Die reflektierenden Flächen haben offenbar nicht-triviale Formen. Auch wie das finstere Teleskop (auf der anderen Seite des Sonnen-Schilds) dem menschlichen Auge erschiene, was den Hauptspiegel ausmacht, wie sich SOFIA und das JWST ergänzen könnten, wie der saubere Ariane-Start mehr Lebenszeit ermöglicht, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und ein TV-News-Clip aus Australien. [20:05 MEZ] Ein Update zu den nächsten Schritten bei Webb, über das es morgen 19:00 MEZ einen Vortrag gibt. Derweil wurde gerade auf einer Pressekonferenz der AAS verkündet, dass der am 9.12.2021 gestartete („2 Kontinente, …“) Röntgensatellit IXPE erfolgreich in Betrieb genommen worden ist. Auch wurden eine IR-Kamera des Europa Clipper getestet und der für Juli geplante Start von Luna 25 als Höhepunkt des Raumfahrt-Jahres 2022 in Russland erklärt – und der Erdbeobachter Sentinel-1B ist schwer gestört, die Stromversorgung des Radars streikt. [22:30 MEZ]


9. Januar

Der Start eines Detektors für Röntgen-Astronomie letzte Nacht (6:00 MEZ bzw. Mitternacht Ortszeit in Wallops) auf einer Black Brant IX: Diffuse X-rays from the Local galaxy (DXL) erreichte 267 km und lieferte gute Daten – der Webcast, der rasante Start und Screenshots daraus, ein fernes Foto, ferne Videos hier und hier, Strichspuren hier, hier, hier und hier und Artikel hier und hier. [16:25 MEZ]


8. Januar

Das Entfalten des JWST ist erfolgreich beendet!

Knapp drei Stunden nach dem Schwenken des letzten Flügels war dieser um 19:17 MEZ erfolgreich festgeschraubt: Der letzte Schritt wurde in 1000-er-Schritten eines Motors laut herunter gezählt, gefolgt von Doppel-High-Fives (mit beiden Händen gleichzeitig) und Festreden im Kontrollraum am STScI in Baltimore. Haken drunter, genau zwei Wochen nach dem Start und nur einen Tag später als auf dieser Checkliste mit Stand vom 29.12. vorgesehen! Jetzt folgen noch zahlreiche weitere Operationen, auch reichlich mit bewegten Teilen wie beim Justieren der Spiegelsegmente aber keine großen ‚Deployments‘ mehr – auch erste Artikel hier und hier und ein Thread aus China. [19:45 MEZ] Press Releases von NASA und ESA – und eine Pressekonferenz zum Erfolg hat begonnen. [20:30 MEZ] Dort ist zu hören, dass von den ursprünglichen 344 möglichen Single Point Failures nun noch 49 übrig sind – aber die bleiben nun bis zum Ende der Mission. Und 15 davon betreffen einzelne Instrumente: Die würden dann verloren gehen, aber die Mission ginge weiter. [20:40 MEZ] Der Insertion Burn in den L2-Orbit wird jedenfalls als völlig harmlos eingeschätzt. [20:55 MEZ] Es sollen keine hässlichen Bilder während der Spiegeljustage vorgezeigt werden, erst „Wow“-Bilder aller vier Instrumente ganz am Ende, die die Fähigkeiten des JWST demonstrieren. [21:20 MEZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [22:10 MEZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie die topozentrische JWST-Bahn am Himmel animiert, ein poetischer Thread, ein passender Kuchen zum fertigen Spiegel und weitere Szenen aus dem STScI hier, hier, hier und hier]

Die Live-Show zum Abschluss der Entfaltung des JWST beginnt nach derzeitiger Planung um 15:30 MEZ. [6:45 MEZ] In other news: ein Problem beim Verstauen von Percys 6. Mars-Probe durch eine Obstruktion im System, ein manuelles Rendezvous- und Andock-Experiment mit Tianzhou-2 an Chinas Station, was die Expedition 66 im Dezember trieb – und eine transatlantische Kontroverse um Regularien für den Mond. [15:15 MEZ] Die Sendung läuft – auch Threads zum Spiegel und zur WinkelAuflösung und ein langer Artikel. [15:50 MEZ] Die Verankerungen sind gelöst, die letzten vier von 178 insgesamt, von denen jede aufgehen musste! Gegen 16:25 MEZ sollte sich der Flügel bewegen: Das dauert nur vier Minuten, es folgen danach aber noch Stunden der Arretierung. [16:10 MEZ]

Der Hauptspiegel ist komplett!!! Hier ein Blick in den Kontrollraum am STScI in Baltimore unmittelbar vor dem Beginn des Schwenkens, dessen Abschluss mit Applaus bedacht wurde. Die Live-Show geht noch Stunden weiter, während das Latching läuft; es werden Gäste erwartet. [16:30 MEZ] Der NASA-Science-Chef freut sich, nachdem der Spiegel komplett ist – aber es muss noch viel passieren in den kommenden Monaten. [16:35 MEZ]

Insbesondere das Alignment der 18 Spiegelsegmente, wie der Webb Optics Manager gerade im Webcast erzählte: ‚Befreit‘ werden sie voraussichtlich ab dem 11.1., später werden sie – mit der NIRCam anhand eines helles Sterns – so ausgerichtet, dass sie, vermutlich bis März, nicht mehr 18 sondern 1 Bild liefern. Und nach diesem sog. Stacking kommt das Phasing: Dazu werden im Wesentlichen dieselben Algorithmen benutzt, mit denen einst der Spiegelfehler des HST charakterisiert wurde, anhand von Out-of-Focus-Aufnahmen. Bild: Fistbumps nach Komplettierung des Spiegels, aus einem neuen Album der NASA. [17:45 MEZ]

Nur noch ein Schritt, dann ist das JWST komplett entfaltet!

Nachdem gestern die erste Hälfte der Hauptspiegel-Flügel ausgeklappt wurde (wobei die eigentliche Bewegung nur 5 Minuten dauert; die Grafik oben zeigt den jetzigen Zustand) und vorgestern ein Radiator für die Instrumente, steht für heute mit dem anderen Spiegel-Flügel bereits das letzte Entfaltungs-Manöver des James Webb Space Telescope an, was die NASA groß zu zelebrieren gedenkt, beginnend mit der dritten Live-Show ab frühestens 15:00 MEZ. In der Mitte ein neues Video zum Start vor keinen drei Wochen – und unten eine bemerkenswerte Lichtkurve des Satelliten vom Abend des 5. Januar (Helligkeit gegen UTC): Was da zwischen dem Ausklappen des Sekundärspiegels und der Radiatoren mit der Lageregelung geschah, harrt der Erklärung, aber es gibt Parallel-Beobachtungen. Auch in der folgenden Nacht schwankte die Helligkeit erneut ausgeprägt – zeitweise zumindest ist das JWST auch mit sehr kleinem Gerät zu erreichen. Ferner warum es keine Mini-Kameras an Bord gibt, Threads zu den Meilensteinen bisher, den Radiatoren, dem Hauptspiegel und IR-Strahlung und Artikel von gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr und mehr) und dem 5.1. [0:25 MEZ]

Von Kohlendioxid-Eis bedeckte und daher hell strahlende Terrassen in einem Mars-Krater, gesehen vom ExoMars TGO mit CaSSIS – der Krater hat 11 km Durchmesser und liegt auf 55° Nord. Auch die Papers „On the trail of a comet’s tail: A particle tracking algorithm for comet 67P/Churyumov-Gerasimenko (für Rosetta-Bilder des Kometen) und „In situ detection of water on the Moon by the Chang’E-5 lander“ [NACHTRÄGE: zu letzterem ein CAS Release und Artikel hier, hier, hier und hier], die enthüllte Natur der ‚Hütte auf dem Mond‘ von Yutu 2, die ein Stein am Rand eines Kraters ist – und große Hoffnungen des Raumfahrt-Sektors in Neuseeland vor dem Start von CAPSTONE.

Eine Karte der Lava-Dicke nach dem Vulkanausbruch auf La Palma, erstellt aus Bildern der Pléiades-Satelliten, aus denen durch Stereo-Paar-Bildung ein 3D-Geländemodell erstellt wurde, von dem dann eins von vor dem Ausbruch subtrahiert wurde: Die Dicke erreicht, gelb dargestellt, bis zu 50 Meter, rot ist 10 m. Auch der erste Einsatz eines Robotarms auf Chinas Raumstation (mehr, mehr und mehr), der für deren Weiter-Bau 2022 wichtig ist, das Erkennen gefälschter Satelliten-Bilder – und bisher wenig Auswirkungen der Kasachstan-Krise auf Baikonur: weitere Artikel hier und hier. [0:45 MEZ]

49 weitere Starlink-Satelliten sind vorgestern gestartet worden, so dass nun rund 1840 im Orbit sind: der Webcast, ein Ausschnitt, ein Standbild, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ferner endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Starlink-Schüsseln, eine weitere Analyse der LEO-Problematik, ein absurdes Musk-Statement dazu widerlegt und Artikel zu dieser und anderen Megakonstellationen und Kollisionen von gestern (mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr, dem 4.1. (mehr), 3.1. (mehr), 2.1. und 29.12. [0:55 MEZ]

Allgemeines Live-Blog vom 1. bis 7. Januar 2022

1. Januar 2022

7. Januar

Leonard auf 6.5 mag. gefallen, Plasmaschweif schwindet

Der Abschied vom unterhaltsamen Kometen C/2021 A1 rückt näher – die Helligkeit fällt jetzt steil, und einen schönen Plasmaschweif gab es zuletzt vorgestern zu sehen wie hier auf diesem Bild von Michael Jäger und Lukas Demetz mit 8 Zoll aus Namibia: Aufnahmen von gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 4.1. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 3.1. (mehr, mehr und mehr) und 2.1. (mehr und mehr), ein Artikel, ein Gemälde (!) und ein Instrumental-Stück. [22:35 MEZ] Das Jahr hat mit C/2022 A1 (Sarneczky) seinen ersten Kometen, der aber nicht heller als die 17 mag. bei der aktuellen Erdnähe wird: Bilder hier und hier sowie 67P/C-G gestern hier und hier, C/2019 L3 (ATLAS) heute und am 4.1. und 108P/Ciffreo am 4.1. – und die Feuerkugeln am 1.1. über den USA hinter Wolken und am 20. Oktober 2021 über dem Plattensee.

Der „Flammennebel“ NGC 2024, der Reflexions- und Emissionsnebel NGC 2023 und der Pferdekopfnebel (rechts oben) bei 867 µm Wellenlänge oder 346 GHz Frequenz im Radio-Licht des 3-2-Übergangs des Kohlenmonoxids im Rahmen der APEX Large CO Heterodyne Orion Legacy Survey (ALCOHOLS) mit dem chilenischen Radioteleskop APEX aufgenommen. Auch eine Aufzeichnung der vierstündigen „Global Star Party 79“ mit mehreren Vorträgen zum Thema ‚Cosmic Dust‘ – aber auch (von 0:20 bis 0:45) über die SoFi vor einem Monat tief in der Antarktis. [23:15 MEZ]

Die Aktivitätsregion (1)2924 hat sich rasant zu einer fetten Gruppe entwickelt, die sich – hier heute 22:53 MEZ – bereits der Mitte der Scheibe nähert: mehr Bilder der Sonne von heute (auch H-Alpha) und gestern. Auch auf der Rückseite tut sich was, ferner die Papers „Prediction of Sunspot and Plage Coverage for Solar Cycle 25 und „The Great Aurora of 4 February 1872 observed by Angelo Secchi in Rome“, der DWD-Bericht zum Jahr 2021 und ein niederländisches Himmels-Keogramm des ganzen Jahres, der Mond mit 1, 2 oder gar 3 Planeten gestern (mehr, mehr und mehr) – und die Venus-Sichel kurz vor der unteren Konjunktion heute (mehr, mehr und mehr), gestern mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr). [23:50 MEZ – Ende]


5. Januar

Stetig sinkende Temperaturen auf der dunklen Seite des JWST zeigt die Grafik in der Mitte in Kelvin gegen Tage nach dem Start – und bereits gestern war das Straffen aller 5 Lagen des Sonnenschirms fertig geworden: Nachdem es auch mit Nr. 2 und Nr. 3 flott geklappt hatte, wagte die NASA eine 2½-stündige Live-Übertragung, aus der auch die Standbilder oben von Erläuterungen des Sonnenschilds und unten von Jubel nach dem Straffen auch der letzten Lage stammen. Auch eine Medien-Telecon direkt danach, neue optische Astrometrie & Bahnanalyse für das JWST und seinen alten Booster, ein weiteres Video, Bilder und visuelle Beobachtungen, Artikel von gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und vorgestern (mehr) – und hoher Besuch in einer Kunstausstellung zum JWST sowie Scherzchen hier, hier und hier. [2:05 MEZ] Ohne Pause geht es weiter: Schon heute wird der Sekundärspiegel ausgeklappt, wieder live übertragen ab ca. 15:45 MEZ! [5:35 MEZ] In Visualization Tool ist jetzt – auf der Basis von Sensor-Daten – klar zu sehen, wie sich die Arme des Sekundärspiegels bewegen. [17:20 MEZ] Der Sekundärspiegel ist ausgeklappt! [17:35 MEZ] „We actually have a telescope“, hat gerade der Programm-Manager im Live-Stream gesagt. [17:55 MEZ] Was verspätet auch die schriftliche Bestätigung, dass der Sekundärspiegel ausgeklappt und fest eingerastet ist. Auch ein erster Schritt für MIRI, ein weiteres Mal das JWST am Himmel und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [19:50 MEZ] Und hier und hier plus ein Fan.

Die Lava-Massen auf La Palma Anfang Januar nach Ende des Vulkan-Ausbruchs, basierend auf Daten des Satelliten Sentinel 2: auch Bilder während des Ausbruchs und ein Video und eine Einschätzung desselben. Derweil sind wie erwartet der erste SLS-Start in den Sommer gerutscht, die ersten Stufen der Ariane 6 unterwegs nach Kourou, die kaputte Angara-Oberstufe abgestürzt (heute um 22:08±1 MEZ, auch die letzten Vorhersagen hier, hier und hier und Artikel hier und hier), das Versagen einer koreanischen Rakete erklärt, das einer iranischen nicht unerwartet und das Zerbrechen des Satelliten YunHai 1-03 als Folge einer Kollision verstanden (Seite 1). Und Ingenuity steht vor dem 19. Flug über den Mars, China hat weitere Mond-Missionen abgesegnet – und Deutschland hat eine neue Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt von den Grünen. [23:55 MEZ]


4. Januar

Just zum Perihel: Leonards Staubschweif immer auffälliger

Bereits seit Ende 2021 tritt neben dem strukturreichen Plasmaschweif des Kometen (unten vorgestern von Michael Jäger heraus gearbeitet) zunehmend auch ein diffuser Staubschweif auf, mal dahinter, mal – wie im oberen Bild von Gerald Rhemann von gestern – daneben und heute sogar beiderseits zu sehen. Auch visuelle Berichte von gestern (mehr und vorgestern), eine Zeichnung vom 1.1., Schweif-Vergleiche vom 21.12.-3.1., 29.12.-4.1. und 1.-3.1. und Bilder von heute (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 1.1. (mehr, mehr, mehr und mehr), 31.12. (mehr) und 30.12. sowie eine mögliche Fragmentation von 108P/Ciffreo (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und periodische Koma-Stukturen von C/2017 K2 (PANSTARRS). Ferner ein großer Knall über den USA, der von einer Feuerkugel über dichten Wolken stammte (auch Artikel hier, hier, hier und hier), die Venus-Sichel heute (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr und mehr) und vorgestern, die Rekonstruktion der Aurora in 3D – und der datenreiche Vortrag von Stefan Rahmstorf „Die unterschätzte Klimakrise“. [23:55 MEZ]


3. Januar

Kaum Probleme: Gute Stimmung unter den JWST-Managern

machte sich gerade bei der ersten Medien-Telecon seit dem Start des komplexen Weltraum-Teleskops (oben eine weitere Variante des Aussetz-Videos, auch ein Vergleich mit Hubble) vor 9 Tagen breit. Das 2 oder 3 Tage dauernde Straffen des großen Sonnenschirms hat vor wenigen Stunden begonnen, schon am Wochenende könnte das Ausklappen der Teleskop-Spiegel folgen – und der Betrieb könnte nach derzeitiger Einschätzung „a lot more“ als 10 Jahre währen. Die Straffungs-Operation war gestern um einen weiteren Tag verschoben worden, um das Verhalten des JWST im Weltraum besser zu verstehen. Ein etwas anderes thermisches Verhalten von ein paar Komponenten als auf der Erde – prinzipiell auch zu erwarten – war aber bisher die einzige Abweichung: Mit den Solarzellen muss etwas anders als nach den ‚Fabrik-Einstellungen‘ gearbeitet werden, und die Motoren, die jetzt an den 5 Lagen des Sonnenschirms ziehen, werden etwas zu warm und müssen ggf. Pausen zum Abkühlen einlegen, auch wurde die Orientierung des Satelliten zur Sonne geändert, der danach wieder die alte einnehmen soll. Die nicht vorhersagbare Notwendigkeit solcher Manöver erlaubt vor dem Abschluss der Inbetriebnahme auch keine verlässliche Abschätzung, wieviel von dem durch den präzisen Ariane-Start eingesparten Treibstoff übrig bleiben wird. Auch weitere Beobachtungen des JWST von der Erde aus – die Helligkeit schwankt wohl klar mit der Orientierung des Satelliten – hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Threads zum Sonnenschirm und Signal-zu-Rausch-Verhältnis und Artikel von heute (mehr), gestern (mehr, mehr und mehr) und vorgestern (mehr und mehr). [20:55 MEZ] Und die größte der fünf Lagen des Sonnenschirms, Richtung Sonne, ist erfolgreich straff gezogen! Weitere Artikel hier, hier und hier – und eine neue Liste zum Abhaken. [23:20 MEZ]

Immer mehr enge Begegnungen von Satelliten und Weltraumschrott miteinander zeigt die Analyse von SOCRATES: hier für die letzten zwei Jahre die Wochenzahlen in 1000-er-Schritten für weniger als 1 km Abstand für alle (oben) und nur die Starlinks (unten). Sie sind in der ersten Januar-Woche 2022 für 57% aller Konjunktionen < 1 km (und 35% aller < 5 km) verantwortlich – und Trümmer von Kosmos 1408 für 8% bzw. 13%. Wegen ihnen – inzwischen sind 903 Teile katalogisiert – hat wiederum die Zahl der nötigen Ausweichmanöver von Starlink-Satelliten zugenommen; auch eine weitere Analyse der Folgen des ASAT-Experiments. Und auf der erfreulicheren Seite die Reise von Zhurong auf dem Mars bisher und was China 2022 so alles vor hat. [23:55 MEZ]


2. Januar

Komet Leonard gesund und gut beschweift vor dem Perihel

Wie oft wurden dem Kometen C/2021 A1 in den letzten Monaten ein Einbruch der Helligkeitsentwicklung oder ein Zerbrechen des Kerns angedichtet – aber er hat es allen gezeigt: Dank nicht zuletzt mehrerer Helligkeits-Ausbrüche ist er nicht etwa seit der Erdnähe Mitte Dezember um zwei Größenklassen von 4 auf 6 gefallen, wie Anfang Dezember vorausgesagt, sondern hat weiter mindestens 5.0 mag., ist am Himmel im Süden auch mit bloßem Auge noch zu finden, und hat weiter einen strukturreichen Plasmaschweif, wie hier gestern über Namibia von Gerald Rhemann mit dem 12-Zöller auf Tivoli festgehalten. Visuelle Impressionen von heute und gestern, viele Bilder aus Chile nebst Schweif-Animationen, der Schweif vom 18. bis 31. Dezember, Bilder vom 2. Januar (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 1. Januar (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 31. Dezember (mehr), auch C-G heute (mehr) und Borrelly gestern sowie die Venus in Sichel-Gestalt Tage vor der unteren Konjunktion heute (mehr), gestern und vorgestern (mehr und mehr), der Merkur vorgestern bei der Venus – und starke Radiostrahlung von der Nova Cas 2021, eine Seltenheit. [20:25 MEZ]


1. Januar

Der große Sonnenschirm des JWST ist komplett ausgefahren!

Heute sieht das James Webb Space Telescope schon fast so aus wie in dieser 3D-Simulation (in einer Planetariumskuppel): Zwischen 19:30 MEZ gestern und 4:13 MEZ heute sind beide Seiten des riesigen Sonnenschilds entfaltet worden, indem zwei Teleskop-Stangen ausfuhren. Der Beginn der Operation hatte sich gegenüber der Timeline um mehrere Stunden verzögert, weil die klare Bestätigung fehlte, dass sich eine Abdeckung ganz zurück gezogen hatte – die erste größere Abweichung seit dem Start, durch die es so spät wurde, dass man heute einen ungeplanten Ruhetag eingelegt hat: Updates von heute, gestern (mehr), vorgestern (mehr) und dem 29.12. (mehr). Mit dem Schirm ist der Satellit am Himmel wieder deutlich heller geworden (mehr, mehr, mehr und mehr, frühere Beobachtungen hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), aber nun muss – nunmehr erst ab morgen – das Material noch in Form gebracht werden, bevor die komplexe Prozedur (mehr und mehr) abgeschlossen ist. Auch eine Checkliste zum Ausdrucken und Abhaken, eine Visualisierung des Ziel-Orbits, was der geringere Treibstoff-Verbrauch nach dem präzisen Ariane-Start (ein Video-Clip dazu) tatsächlich für die Betriebsdauer des JWST bedeutet, warum die ‚momentum flap‘ signifikant Treibstoff spart, das erste Licht im System, eine neue ESA-Webseite und Artikel von heute (mehr und mehr), gestern, vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und dem 29.12. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) – und gestern war Hubble eine Millarde Sekunden im Einsatz.

Das ist ein echtes Foto von Chinas Tianwen-1 im Mars-Orbit, aufgenommen von einer kleinen ausgeworfenen kleinen Kamera, die auch noch mehr schickte: auch ein Artikel [NACHTRAG: noch einer]. Letztes Jahr hat China 55 Starts durchgeführt, ein Rekord mit den letzten beiden am 29.12., für die Satelliten Tongxin Jishu Shiyan Weixing 9 (mehr und mehr) und zuvor Tianhui-4 (mehr und mehr) – auch Chinas Pläne für 2022 und das weitere Mond-Programm in diesem Jahrzehnt.

So geht es abwärts mit den Hinterlassenschaften des missglückten Angara-Starts („Während Roskosmos …“): der Bahnverfall der ausgefallenen Persei-Oberstufe (oben) und mehrerer Schrott-Stücke (mit hohem Luftwiderstand, eins sollte schon verglüht sein) gegen UTC, auch Artikel hier, hier, hier, hier und hier, das russische Raumfahrt-Jahr 2021 (in der Startbilanz wieder nur der 3. Platz), ein iranischer Fehllstart (Videoclips hier und hier und Artikel hier, hier, hier und hier), der Beinahe-Verlust einer Falcon-Stufe nach der Bergung, der US-Wunsch nach einem ISS-Betrieb bis 2030 (auch eine Reaktion der ESA und Artikel hier und hier), ein besonders langes Interview mit Maurer daselbst – und ein Nachruf auf Rich Clifford. [19:15 MEZ]

Leonard mit ~5.0 mag. und noch viel Schweif ins neue Jahr

Oben nimmt er Abschied von 2021 (Aufnahmen von Michael Jäger und Lukas Demetz vom 31. und 30.12., letzteres auch weiter prozessiert), und auch die ersten Bilder von heute zeigen weiter einen ordentlichen Schweif bei einer Helligkeit der Koma um 5.0 mag.: Schweif-Sequenzen vom 19.-30. und 20.-29. Dezember, visuelle Eindrücke vom 31., 30. und 29. Dezember, Bilder von heute (mehr, mehr, mehr, , mehr und mehr), 31.12. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 30.12. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 29.12. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 28.12. (mehr, mehr, mehr und mehr) sowie Nachträge vom 26.12. (mehr und mehr), 25.12., 22.12. und 21.12. und Artikel hier und hier.

Die Fleckengruppe 2916 nähert sich dem Rand (ein SDO-HMI-Bild von 13:29 MEZ), die 2918 hat noch einen M-Flare vom Sonnenrand geschickt, aber erstmal kommt nichts nach: Bilder von heute, gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern und dem 29.12., ferner die Wanderung des magnetischen Nordpols der Erde, die Statistik der NEO-Entdeckungen (die jetzt von Catalina und Pan-STARRS dominiert werden), das Paper „New Evidence for Wet Accretion of Inner Solar System Planetesimals from Meteorit Chelyabinsk and Benenitra“), Auswertungen der Ursiden und Kappa-Cygniden 2021, Artikel über Lichtverschmutzungs-Aktivisten in Deutschland und Frankreich – und alle Flüge von SOFIA 2021, wobei die Zukunft der fliegenden Sternwarte weiter offen ist. [16:35 MEZ]