Archive for the ‘Beobachtungen’ Category

Fast wie ein Märchen aus dem Orient …

5. September 2015

Ein Jahrtausend ist es nun her, dass mit der Supernova von 1006 eine außergewöhnlich helle Sternexplosion im Lupus für Aufsehen sorgte (hier ein Röntgenbild Chandras des Überrests): Das schlug sich in Chroniken auf mehreren Kontinenten nieder, aber noch immer sind nicht alle Schätze geborgen. Denn auch im Jemen wurde über den neuen Stern geschrieben, doch erst vor einigen Jahren durchsuchte ein arabischer Physiker und Astronomiegeschichtler die dortigen Bibliotheken und machte gar machen Fund. Das Jahr 2000, in einem von Wasserpfeifen verqualmten Café in der jordanischem Hauptstadt Amman: Nach einer Konferenz in Israel zum Leoniden-Sturm des Vorjahres ist dieser Blogger zu den Gastgebern seiner Beobachtungen desselben von der Jordanian Astronomical Society zurück gekehrt – und wird unversehens nämlichem Manuskripten-Forscher vorgestellt, der eine Menge zu erzählen hat.

Wafig Rada heißt er, war mal Spezialist für Detektoren der Kosmischen Strahlung, hat über Meteorschauer in arabischen Chroniken publiziert, in Libyen über Sonnenaktivität geforscht (wo die Ergebnisse dann zur Geheimsache erklärt wurden) und war gerade im Sudan aktiv. Eine erstaunliche Persönlichkeit – die sich Jahre später plötzlich mit dem Entwurf eines Papers meldet: In besagten jeminitischen Bibliotheken habe er Hinweise auf mehrere Supernovae vergangener Jahrhunderte gefunden, die der Forschung bislang unbekannt gewesen seien. Dieser Blogger vermittelt daraufhin einen Kontakt zu Bonner Orientalisten, die Erfahrung mit arabischen astronomischen Handschriften (aus Timbuktu) haben; es gibt aber Meinungsverschiedenheiten über den wissenschaftlich formal korrekten Umgang mit solchem Material, und das Paper erscheint nicht. Rada ist inzwischen an der University of Babylon im Irak in Hilla südlich von Baghdad: Korrespondenz mit einem babylonischen Astronomen!

2013: Auf der Tagung des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft in Tübingen lernt dieser Blogger Ralph Neuhäuser von der FSU Jena kennen, der über Historische Beobachtungen als Schlüssel für das Verständnis von Radiocarbon-Schwankungen vorträgt und dabei alte Quellen und aktuelle Astrophysik in Verbindung bringt – die Spezialität seiner Arbeitsgruppe. Man kommt in’s Gespräch, und dieser Blogger macht Neuhäuser auf Radas weiter unpublizierte Forschungen aufmerksam. 2014: Bei der nächsten Tagung der Reihe trägt Neuhäuser wieder vor, nunmehr über genau dieses Thema: Arabische Beobachtungen historischer Supernovae! Er hatte tatsächlich mit Rada zusammen neue Quellen erschlossen (etwa in der Mitte der Seite), wenn ihm auch nur die bereits bekannten Supernovae und nicht die vermeintlichen neuen Fälle als glaubwürdig erschienen.

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2015: Im Frühjahr kommt ein gemeinsames Paper der beiden über die SN 1006 heraus, allerdings hinter einer Paywall versteckt. Und vor wenigen Tagen ist das Paper nun Open Access erschienen: eine außerordentlich akribische Analyse zweier jeminitischer Texte, Wort für Wort und quasi zwischen den Zeilen. Der ältere der Texte, bisher der Forschung gänzlich unbekannt, ist detaillierter und scheint zuverlässiger – und er vermeldet den neuen Stern bereits anderthalb Wochen vor jeder anderen bisher gefundenen Quelle zur SN 1006! Offenbar hatte man im gebirgigen Jemen einfach einen klareren Blick auf die sehr tief stehende Supernova als z.B. in Kairo. Auch über ihre Helligkeit, Lichtkurve usw. lassen sich neue Informationen extrahieren. Und so hat zumindest dieser Teil der Saga, 1009 Jahre nach der Sternexplosion und 15 Jahre nach der ersten Begegnung von Rada und Blogger, ein Happy End gefunden:

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Kosmische Begegnung: PANSTARRS bei Messier 51

2. Mai 2014

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Mit freundlicher Genehmigung von Rolando Ligustri die Begegnung des Kometen C/2012 K1 mit der Spiralgalaxie heute remote mit einem 106-mm-Refraktor und einer FLI ProLine PL11002M in New Mexico! [NACHTRÄGE: nur die Luminanz ganz tief – und ein weiteres Bild mit selbem Gerät von wem anders.] Auch die Konjunktion in kleiner, Aufnahmen etlicher weiterer Kometen, der Abschluss der Wiederinbetriebnahme der Instrumente von und ein skandinavischer Info-Truck über Rosetta – und Protest gegen Panikmache mit NEOs, zwar nicht so detailliert wie hier und mit einem Denkfehler, aber trotzdem ein erfreulicher Kontrapunkt.

Mal ein Zeitraffer-Video ganz anderer Art als die üblichen aus finsteren Gegenden – hier hat einer (aus Taiwan) Ansichten aus 30 europäischen Ländern, darunter oft Großstädten, in Bewegung gesetzt, mit immer noch reichlich Astro-Content. Plus ein „Supernova“-Video ungewöhnlicher Art, wobei die Lyrics moderat astro-angehaucht sind und auch das ganze Album so heißt.

radio-sofi

Die australische Partiell-SoFi mal ganz anders: im Radio

Nämlich bei 145 MHz Frequenz mit dem Murchison Widefield Array aufgenommen, einem Radio-Interferometer in West-Australien, dessen Themenfeld von Sonnenforschung bis zur Kosmologie reicht und das als Vorgänger des SKA gilt. Was man manchmal auch schon über Europas LOFAR sagt, das immer größer geworden ist. NACHTRAG: auch noch ein paar kurzwelligere Bilder der SoFi aus Adelaide hier und – bei Sonnenuntergang – hier.

Zwei Asteroiden-Erdbesuche heute und morgen

5. März 2014

sorgen mal wieder für Aufsehen, auch wenn beide frisch entdeckten Himmelskörper nur klein sind, die Erde weit verfehlen und am Himmel sehr schwach bleiben werden. 2014 DX110 steht derzeit mit 15. Größe in der Giraffe und damit über 60° hoch am deutschen Himmel: Wenn um Mitternacht der Mond untergeht, wird er noch 30° hoch (in der Cassiopeia) stehen, aber schon auf 16.5 mag. gefallen. Die größte Erdnähe des etwa 30 m großen Brocken ist gegen 22:00 MEZ mit etwa 340’000 km: ein Bild, noch eins, eine Menge Fotometrie, aus der sich diese Lichtkurve und diese Perioden ergeben, warum es keine Radar-Beobachtungen gibt, eine Live-Sendung jetzt und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: Aufzeichnungen der Webcasts vom Virtual Telescope Project (Asteroid ab 10:20) und Slooh (Asteroid von 13:15; Screenshot).]

2014 EC wurde erst heute entdeckt, der Bahnbogen ist entsprechend winzig und die Ungenauigkeit der Bahn groß – trotzdem hat man ihn sogleich auf die Risk-Liste gesetzt, was man hinterfragen kann (mehr). In der kommenden Nacht sollte 2014 EC im Leo mit 18. bis 17. Größe im Leo bis zu 50° hoch steigen, die Erdnähe morgen Abend gegen 22:30 MEZ in 60’000 km und mit 13.-14. Größe bleibt leider unbeobachtbar, da er dann durch Vel, Car, Vol, Hyi und Hor zieht (in den Stunden davor kommt er mit ähnlicher Helligkeit keine 10° über den Horizont): eine weitere geplante Live-Sendung und ein Artikel [NACHTRÄGE: eine späte NASA-Notiz und ein weiterer Artikel; der Webcast war clouded out] – und gleich noch ein dritter erdnaher Asteroid, der in der kommenden Nacht nahe kommt [NACHTRAG: Der heißt jetzt 2014 EF, auch ein Artikel].

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Ein Raketenstart in ein Polarlicht vorgestern in Alaska (mehr und mehr). Auch ein neuer US-Bolide (mehr), die erstaunlich stabile Bahn des Mondes von Hector (mehr), die Kometen Siding Spring heute, C/2012 K1 (PANSTARRS) am 2.3., 1.3. (dito) und 27.2., Lovejoy am 1.3. und 28.2. und LINEAR am 1.3., Original-Videos von BBC-Sendungen der Giotto-Encounter mit Grigg-Skjellerup 1992 und Halley 1986, der Mars am 2.3., auch mit Phobos & Deimos, der Jupiter am 4.3., 26.2. und 15.2. – und die Sonnenflecken-Gruppe (1)1990 bei ihrer 3. Runde (mehr).

Die frühe Lichtkurve der SN 2014J war extrem steil

und knickte dann ab: Das hat die Analyse zweier Serien Prediscovery-Aufnahmen ergeben, wobei dies womöglich sogar der Regelfall bei Ia-Supernovae ist – „a little weird“ (mehr [NACHTRAG: und mehr]) ist sie damit eher nicht. Auch Beobachtungen mit SOFIA (mehr) und kein Vorgänger auf Tautenburg-Bildern, die SN 2014L in Messier 99, neue Fragen zur Natur der Ia-SNe, eine mögliche Zwergnova im Orion, das neue Instrument MUSE am VLT, Radioastronomie für den islamischen Kalender, das größte selbstgebaute Planetarium, mal wieder ein indischer Artikel über Amateur-Astrofotografen, ein neuer IAU Outreach Newsletter – und warum man keine Marskrater ‚kaufen‘ kann und warum das gut ist.

So war’s auf Deutschlands erstem Polarlicht-Flug

3. März 2014

 

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Keine alltägliche Flugroute hat in der Nacht vom 1. zum 2. März der Flug AB 1000 zurückgelegt, knapp 5000 km in 6 1/4 Stunden von Köln zu den Shetlands und Färöer und wieder zurück, mit mehreren Strecken entlang des Breitengrads und wieder zurück bei den beiden Inselgruppen: Das war der erste Polarlicht-Beobachtungsflug aus Deutschland, organisiert von Polarlicht-Reisen mit Air Partner und Air Berlin – und es gab einiges zu sehen. Oben ein Video von Wilfried Bongartz, auf der linken Seite, Aurora ab 1:35, Fotos auch hier und hier, und unten ein Video von Peter Oden auf der rechten Seite, Aurora ab 7:07, Fotos auch hier und hier; es gibt auch ein großes Bilder-Album des Autors, eine Diskussion des Fluges und ein Album von Bongartz und Oden mit weiteren Einzelbildern.

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Beim Check-In und am Gate; Stefan Krause brieft die Passagiere der komplett ausgebuchten Boeing 737-800 – noch sieht die geomagnetische Datenlage nicht besonders vielversprechend aus, aber immerhin hat das interplanetare Magnetfeld (obere Kurve) gerade nach Süden gedreht: Das steigert die Reaktionsfreude des Erdmagnetfelds schon für kleinste interplanetare Trigger …

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22:59 MEZ

Auf der Reise zu einem „fiktiven Punkt“ … Oden mit der Fernsteuerung der auf einem Stativ hinter dem Fenster und einem schwarzen Tuch montierten Weitwinkel-Kamera und einem Notebook mit dem Live-Bild; inzwischen ist die Kabinenbeleuchtung weitestmöglich gedimmt. Und auf seiner rechten Seite ist auf dem Flug nach NO bereits das Polarlichtoval knapp über dem Horizont erschienen: Das ist schon mal beruhigend – und führt zu der spontanen Entscheidung, den eigentlich gleich bis zu den Färöer geplanten Flug bei den Shetlands zu unterbrechen und nordwestlich von ihnen je einmal west- und ostwärts zu fliegen.

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23:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:10 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:11 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

Just beim Drehen von der Ost-West- zu der die West-Ost-Strecke flammt das Polarlicht plötzlich hell auf, und die linke Flugzeugseite, wo auch der Autor sitzt, kommt gerade noch in den Genuss des abklingenden Substurms mit besonders hellen Stellen (im ersten Bild überbelichtet!) und Beamern senkrecht nach oben. Die hellsten Sterne sind immer Deneb und ganz rechts Vega.

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23:18 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Alle Aufnahmen hier sind mit der seit 2011 und zuletzt Ende Januar in Norwegen eingesetzten Bridge-Kamera mit maximalem Weitwinkelzoom, das 25 mm Kleinbild entspricht, und offener Blende 2.8 entstanden, wobei das Bildfeld aber meist etwas beschnitten ist, um Reflexe in der Scheibe weg zu lassen.

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0:08 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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0:33 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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0:59 MEZ

Nach dem überraschenden Einstieg ging die Reise zu den Färöer, eigentlich Føroyar, weiter, auf 62°N 7°W: Etliche Male wurde jetzt west- und ostwärts geflogen, während leider das Polarlicht arg die Kraft verlassen hatte: Mehr und mehr Passagiere knubbelten sich schließlich um Odens Live-Display, das deutlich mehr Strukturen im Aurora-Band offenbarte als der Blick aus dem Fenster.

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1:05 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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1:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:12 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Auf dem Weg zurück nach Köln – zwar war die Boeing randvoll getankt, aber irgendwann muss halt Schluss sein – wird ein Bogen nach Südosten geschlagen, so dass der Blick von der linken Seite auf das östliche Ende des Aurorabogens fällt: die gleiche geometrische Situation wie auf den Bildern 1, 3, 4, 7 und 8 von Sommarøy, nur 8° weiter südlich, weil das Auroraoval im Nordwesten Europas deutlich weiter nach Süden kommt als im Nordosten. Und siehe da: Die Aurora nimmt noch einmal mächtig Fahrt auf!

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1:15 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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1:19 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:20 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 800

Zu erkennen insbesonders an der extrem hellen Stelle im mittleren Bild und den reduzierten Belichtungen. Alle Aufnahmen entstanden übrigens freihändig mit dem Objektiv an die Scheibe gepresst – leider manchmal zu energisch, was die unscharfen Sterne erklärt. Sollte man mit den Objektiven von Bridgekameras eben nicht machen: wieder was gelernt …

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1:31 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Danach verblasst das Polarlicht erneut, aber es bleibt als diffuser Schimmer sichtbar, mit helleren Strukturen dicht über dem Horizont, die schließlich dahinter verschwinden. Diesmal stimmt auch der Fokus – und man beachte den Schatten des Winglets auf der Tragfläche im Licht der Aurora!

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1:44 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Sekunden von dem Wiedereinschalten der Kabinenbeleuchtung und 1 1/2 Stunden vor der Landung in Köln das letzte Bild: immer noch Aurora am Himmel. Gut drei Stunden war sie permanent zu sehen gewesen, in zig verschiedenen – mitunter auch sehr subtilen und nur fotografisch klar zu erkennenden – Spielarten. Und dank der Flughöhe und perfekten Transparenz unter ungewöhnlicher Geometrie bis in rund 1000 km Entfernung.

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Der Stackplot nordeuropäischer Magnetometer – von 9:00 MEZ am 1. bis 9:00 MEZ am 2. März – zeigt, dass pünktlich zum Flug doch einiges in Unordnung geraten war, etwa ab 23:30 MEZ: Auch die weniger aktive Phase nach Mitternacht und die erneute Zunahme nach 1:00 MEZ sind zu erkennen. Insgesamt ist die Erfahrung Aurora aus dem Flugzeug mit dem Erlebnis in der Wildnis oder auch an Deck eines Schiffes nicht zu vergleichen: Es fehlt der „All-Sky-Effekt“, der bei einem ordentlichen Substurm die Aurora über den ganzen Himmel huschen lässt. Dafür birgt die Kombination des Naturereignisses mit der High-Tech-Umgebung eines modernen Passagierflugzeugs und von High-End-Kameras mit Live-Display einen ganz eigenen Reiz. Von der Wettergarantie über dem Großteil der Troposphäre und flexibler Routenanpassung natürlich ganz zu schweigen … NACHTRAG: noch ein Artikel.

Vermutlich die stärkste Europa-Aurora des Zyklus

27. Februar 2014

findet diese Nacht statt: Die Sichtungen reichen bis nach Mitteleuropa und sind die Auswirkung eines geomagnetischen Sturms der Stärke G2, den der koronanale Massenauswurf nach dem X4.9-Flare vor drei Tagen bei seinem streifenden Erd-Treffer heute Nachmittag ausgelöst hat. Meldungen und Berichte aus (Nord-)Deutschland sammeln sich hier in rascher Folge an (oben eine Animation von Willem R, entstanden 70 km SÖ von Hamburg), ausgewählte Bilder der ersten Stunden des Ausbruchs von anderswo, v.a. den britischen Inseln (wo sich viele nicht an so viel Action am Himmel erinnern können), hat es hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und die BBC berichtet auch schon.

NACHTRAG: die geomagnetischen Daten bis Mitternacht MEZ, ein Bild aus Seth (Schleswig-Holstein), weitere Bilder aus dem U.K. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und Hoffnung auch in Nordamerika. NACHTRAG 2: die deutschen Sichtungen bis etwa Mitternacht, der Bildbericht eines Beobachters, Bilder aus Island, Norwegen und den Niederlanden hier und hier und mehr aus dem U.K. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: die Aurora auch in Australien, aus Deutschland dies und ein wolkiges Video sowie einiges mehr hier und das Polarlicht-Archiv und aus dem U.K. immer noch mehr Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und noch allerlei mehr, während der geomagnetiche Sturm bereits abebbt. NACHTRAG 4: eine schnelle Analyse der Aurora, ein Storify von Tweets und weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG 5: das beste bisher bekannt gewordene deutsche Zeitraffervideo, in Kiel aufgenommen, auch hier als Nr. 5 oder langsamer, ein weiteres Video, zahlreiche Bilderlinks bereits im Polarlicht-Archiv und weitere Bilder der Nacht hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

issauronow

NACHTRAG 6: das Südlicht am 27. Februar aus der ISS – und ein leider verbreiteter Fake sowie Artikel hier (mehr), hier und hier. Und der offensichtliche Grund, warum so viele Beobachtungen zustande kamen. NACHTRAG 7: weitere schöne Bilder aus und bei Kiel hier und hier, eine neue Version des deutschen wolkigen Videos, ein sehr buntes schottisches Album, ein weniger buntes, ein buntes irisches, ein britisches von 51°N, ein ziemlich wolkiges nord-britisches und ein ein All-Sky aus den Niederlanden, ein Bericht aus Manchester sowie weitere Artikel hier, hier, hier, hier (Bilder) und hier.

Weitere größere Artikel – und SN-2014J-Updates

24. Januar 2014

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Supernova 11. Größe in M 82: Inzwischen steht die V-Helligkeit bei 11.2 mag., und dieser Blogger (mehr) wie jetzt auch ein anderer gehen von ca. 10.5 mag. Maximalhelligkeit aus. Oben animierte Pre- und Post-Discovery-Aufnahmen vom KAIT- und LOSS-Projekt, auch Bestätigungen der Ia-Natur und der starken Staub-Rötung (durch Swift; auch ein NASA Release dazu), weitere Spektren, zusätzliche Pre-Discovery-Daten aus China und keine Pre-Discovery aus Russland, Limits für Röntgen-Emission und optische Variabilität vor dem Ausbruch und Radiostrahlung jetzt weder hier noch hier – und die SN 2014J ist nur die erdnächste seit 5 Jahren, als es in M 82 das letzte Mal krachte. Plus ein gutes Amateur-Spektrum, Bilder von gestern (mehr) und vorgestern (mehr, mehr und mehr) und noch mehr, während hier die arme Supernova in der Galaxie ertrinkt. Ferner ein visueller Bericht, ein Aufruf an Schulen, ein Video, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links hier und hier.

Balkengalaxien nehmen seit dem Urknall zu, haben Citizen Scientists heraus gefunden – auch eine weitere Zusammenfassung der Ergebnisse.

Von diesem Blogger im Web-Fernsehen

ISONs Ende: Rückblick und wissenschaftliche Bedeutung – Interview mit Daniel Fischer. Und vorher News zum neuen Mondkrater, den Lichtechos in RS Pup, der Landung von Chang’e-3 und Junos Erdbesuch.

Komet ISON: Die spannendsten Wochen – Interview mit Daniel Fischer. Und vorher News zu einem künstlichen LRO-Mond, einem Gasnebel um Riesenstern, der letzten Antenne für ALMA und Cassinis Saturn von oben.

Komet ISON im Anflug: Interview mit Daniel Fische. Und vorher News zur Nova Del 2013, einer Begegnung der Marsmonde, der Gaswolke am Zentrum der Milchstraße und globalen Folgen des Einschlags von Chelyabinsk.

Kürzere Artikel

Kleinplanet bedeckte gleich zwei verschiedene Sterne – fast gleichzeitig für verschiedene Beobachter.

Zwei Feuerkugeln über Mitteleuropa mit unterschiedlicher Wirkung.

Rosetta wieder zum Leben erwacht – und gleichzeitig ist eine koordinierte Kampagne für Parallelbeobachtungen online gegangen, während die NASA an ihre Beiträge erinnern zu müssen glaubte (Visuals).

Exo-Jupiter in Offenen Sternhaufen auch nicht seltener als im Feld.

Amateur-Astrofotografen entdeckten drei Zwerggalaxien – und zwar deutsche, aber in russischem Auftrag.

Supernova 11. Größe in Messier 82 – schon seit einer Woche da – aber von automatischen Profi-Suchprogrammen verworfen, weil zu hell …

22. Januar 2014

Eine Supernova des Typs Ia in Messier 82 ist letzte Nacht von einem Amateur entdeckt worden (Details sind noch unklar) – aber aufgeleuchtet ist sie schon am 14./15. Januar, wie diese Bilderserie aus Japan (eine Lichtkurve daraus) zeigt. Doch weil die SN so hell war, hatten sie automatische Suchprogramme verworfen, und ohne Amateurastronomen wäre die wissenschaftlich hochinteressante Sternexplosion – die erdnächste seit über 20 Jahren! – womöglich nie entdeckt worden. Weitere frühe Beobachtungen (die Helligkeit liegt jetzt bei 11.3 bis 11.4 mag. im Visuellen), erste Alarmmeldungen & Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, M 82 vorher/nachher blinkend und als Bildpaar, Einzelaufnahmen der Galaxie mit SN hier, hier und hier – und warum keine Neutrino-Sichtungen zu erwarten sind. [NACHTRÄGE: der Bericht der Entdecker (es waren ein Astronomie-Dozent und seine Studenten) der erdnächsten Ia-Supernova seit fast 150 Jahren und der nächstgelegenen im Ausbruch beobachteten überhaupt (denn SN 1972E war wohl weiter weg und von der anderen ist nur der Remnant bekannt, während Jahrhunderte frühere Supernovae nicht als solche verstanden wurden), keinerlei Progenitor beim HST, die gesamte frühe und aktuelle Fotometrie, weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (neu), hier, hier und hier (pre-discovery) und hier (während einer ‚Starparty‘ im Web, und niemand fiel was auf …) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (reichlich übertrieben), hier (erstmal komplett falsch, wird aber korrigiert …), hier, hier und hier. Und zu SN-Ia-Lichtkurven eine Einführung und Papers hier und hier – plus ein eher finsterer geratener eigener Gedanke dazu, dem ein Experte bereits halbwegs zustimmt …]

Das war die untere Konjunktion der Venus in der ersten Januar-Hälfte: eine saubere Animation der vielen Aufnahmen eines Astrofotografen aus Malaysia, die auch die ungleichmäßige Helligkeit der Sichel verdeutlicht, die Beobachtern auffiel. Auch Videos mit spektakulären Nebensonnen tief über Moskau [NACHTRAG: auch viele Standbilder!] und einem zweistündigen Vortrag über Amateure und Exoplaneten – und ein Nachruf auf Wilfried Tost, der nur 61 Jahre alt wurde.

Ein Asteroid bedeckte gleich zwei verschiedene Sterne

Am 17. Januar zog der Kleinplanet (56) Melete über ein schwaches aber enges Sternpaar hinweg, wobei die Schattenzone quer über Europa zog – nicht viele Beobachter waren erfolgreich, aber wie die einlaufenden Berichte zeigen, wurde die Bedeckung beider Sterne je mindestens einmal registriert. Nicht erwähnt ist eine Negativ-Beobachtung aus Radebeul, von wo es aber dieses hochauflösende Video gibt, das die Situation am Himmel verdeutlicht. Auch neue Beobachtungen von 2009 FD, der noch eine minimale Impakt-Wahrscheinlichkeit in ferner Zukunft hat – und der Komet Siding Spring gestern, der in 9 Monaten sehr nahe am Mars vorbei fliegen wird, und C/2012 X1 (LINEAR) heute bei NGC 6384, auch ein Rohbild.

Es geschah vor 65 Jahren: Mysterium um die Luft-Aufnahmen des letzten „Finsterniskometen“

26. Dezember 2013

Wie dieses Jahr, so war auch 65 Jahre zuvor Anfang November eine kurze Totale Sonnenfinsternis über Ostafrika zu sehen – aber viel berühmter wurde der Komet 1948 V1, der während der Totalität am 1.11.1948 in nur 2° Abstand und etwa -2 mag. hell neben der Korona erschien: Weil ihn dabei viele gleichzeitig entdeckten, wurde er einfach „Eclipse Comet“ getauft, das letzte Mal übrigens, dass ein Komet keinen richtigen Namen nach Entdeckern oder Sternwarten etc. erhalten hat. Und 1948 V1 (damals noch als 1948 l und später 1948 XI katalogisiert) blieb auch der letzte Komet, der zum ersten Mal während einer Sonnenfinsternis gesichtet wurde – doch wie steht es um Fotos, die Korona & Komet zusammen zeigen? Gary Kronk schreibt in seiner epochalen Cometography 4 311 dass „numerous photographs of the eclipse were taken, which, despite the short exposures, plainly showed the comet.“

Da verwundert es schon, dass eine Google-Suche nach nämlichen Fotos nicht ein einziges zutage fördert, und auch energisches Forschen in der Literatur nur eine einzige angebliche Aufnahme in einem tschechischen Paper von 1999. Die Bildunterschrift dort behauptet, das Bild habe R. d’E. Atkinson in Nairobi gemacht, während wiederum bei Kronk zu lesen ist: „Some of the best photographs were taken by a team of astronomers from the Royal Observatory (Greenwich, England) that had set up in Mombasa (Kenya)“ – wo die Finsternis aber überhaupt nicht total war! Die nämliche britische Expedition unter Leitung von des Astronomen Robert d’Escourt Atkinson war tatsächlich gezielt in Mombasa deutlich außerhalb der Umbra geblieben, um die umschwenkende Sonnensichel mit Filmkameras aufzunehmen, was zur verbesserten Bahnbestimmung des Mondes dienen sollte, wie einem Vorbericht in Sky & Telescope VIII (December 1948) 38, einem riesigen Paper zu den Ergebnissen – Teile eins, zwei und drei – sowie diesem langen Interview zu entnehmen ist!

Atkinson beschrieb sein kenianisches Abenteuer, das auch die Begegnung mit 16 Löwen gleichzeitig umfasste, bereits am 24. November 1948 auf einem Ordinary General Meeting der British Astronomical Association, dessen Protokoll im Journal of the BAA 59 #2 (January 1949) 57 zu finden ist: Er war „conscious of a great sense of self-denial, in that although he had travelled about 10,000 miles he had deliberately gone where he would just fail to see the total phase of the eclipse“ – und den Kometen natürlich auch, denn er erlebte nur eine 98%ige Sonnenfinsternis. Es irren also Kronk wie der Tscheche wie auch P. Poitevin, bei dem Atkinson den Kometen ebenfalls in Nairobi fotografierte, wobei sein „picture can be seen in many publications“. Aber auch davon kann nach dem Stand der Recherche keine Rede sein: Zwar gibt es viele Fotos des ‚Finsterniskometen‘, der zu den hellsten des 20. Jh. zählte, z.B. in Sky & Telescope 68 #4 (October 1984) 378, aber sie entstanden alle in den Wochen nach der SoFi.

Wie Atkinson zu dem unverdienten Ruf des SoFi-Kometen-Fotografen gekommen ist, lässt sich jedoch leicht nachvollziehen: Er war der erste, der tatsächlich Fotos von Sonne und Komet ausmaß! Und wie er an diese kam, beschrieb er auf dem BAA-Meeting und ist auch in aktuellen Comet Notes in The Observatory sowie Sky & Telescope VIII (January 1949) 59 zu finden: SoFi & Komet waren aus einem Flugzeug der Royal Air Force – Kenia war damals und noch für 15 Jahre britische Kolonie – heraus fotografiert worden, aus 13’000 Fuss Höhe, mit 200 mm Brennweite, Blende 5.6 und 1/300 Sekunde Belichtungszeit. Drei solche Negative konnte Atkinson ausmessen und Abstand und Position des Kometen relativ zur Sonne bestimmen, was bei der frühen Bahnbestimmung half, und zum Meeting nach London hatte er offenbar auch Abzüge mitgebracht – doch dann verliert sich die Spur der Bilder.

Aber wie war Atkinson überhaupt an die Negative gekommen? Auch das erzählte er in London: Zunächst hatte er von der Kometenentdeckung während der Finsternis nur aus der Presse erfahren und es nicht geglaubt, dann aber in Nairobi bei einem britischen Amateurastronomen gewohnt – und der hatte ihn mit den SoFi/Kometen-Beobachtern aus der Luft zusammen gebracht! Der Komet war auf vier Negativen der nicht nur in diesem Bericht namenlosen „R.A.F. officers“ zu erkennen, und Position und Schweif stimmten mit den visuellen Berichten anderer überein. Drei Bilder waren kurz belichtet und wie erwähnt astrometrisch leidlich auszuwerten (Atkinson klagte vor der BAA, die technischen Daten der Kamera nur ungenügend zu kennen), das vierte mit einer anderen (Hand-)Kamera länger belichtet worden und zeigte mehr Schweif – ist dies womöglich das in dem tschechischen Paper 51 Jahre später reproduzierte? Und wieso und in wessen Auftrag war die SoFi überhaupt aus der Luft beobachtet worden?

Der von Atkinson besuchte Amateurastronom und seine Wahlheimat Nairobi könnten der Schlüssel zu der ganzen Geschichte sein. Der Mann hieß Herbert Kay „Pop“ Binks und muss nach allen auffindbaren Quellen eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein: unter anderem Profi-Fotograf mit speziellem Interesse an Luftbild-Aufnahmen und Astronomie, der auch gerne astronomischen Expeditionen half (eine Anekdote auf S. 293). Und in einem Vorort von Nairobi befand sich mit der R.A.F.-Basis Eastleigh – heute Moi Air Base – die Zentrale der gesamten britischen Militärluftfahrt für Ostafrika. Die sich, wie einer kenianischen Chronik zu entnehmen ist, in jenen relativ friedlichen Jahren vor allem mit intensiver fotografischer Kartierung Afrikas aus der Luft beschäftigte! Flugzeuge mit passenden Kameras gab es also und viel Erfahrung – und nebenan in Nairobi einen Experten für Luftbildfotografie, der Kontakte zur R.A.F. pflegte und gleichzeitig Astrofan war.

So weit die mit vertretbarem Aufwand im Internet recherchierbaren Fakten (mit dankenswerter Unterstützung durch Sheridan Williams, Randall Rosenfeld, Mike Frost, Jay Pasachoff und Rick Fienberg). Und nun eine kühne Spekulation: Könnte es sein, dass Binks einige Piloten-Freunde in Eastleigh dazu anstiftete, bei einem Luftbildflug „zufällig“ nach oben in Richtung dunkle Sonne zu fotografieren? Und dass diese dann nicht namentlich genannt werden wollten, weil sie auf gar keiner offiziellen Mission gewesen waren (auch wenn Atkinson einen der Beteiligten als Air Commodore bezeichnet, ein mittlerer Dienstrang)? Leider starben Binks – der wenig Astronomisches publiziert zu haben scheint – 1971 und Atkinson (von den über den Finsterniskometen bis auf die Astrometrie nichts zu finden war) 1982, wobei sein wissenschaftlicher Nachlass in Indiana blieb, wohin er 1964 gegangen war: Die Suche nach den Hintergründen des Finsternisfluges und die Jagd nach den Negativen, guten Abzügen oder wenigstens ordentlichen Reproduktionen mit klarer Provenienz geht weiter …

NACHTRAG: Dieser Artikel über Finsterniskometen machte noch auf einen Bericht über ein Referat Atkinsons bereits am 12. November auf einem Meeting der Royal Astronomical Society (Seiten 220-221) aufmerksam: Dort zeigte er mindestens zwei Dias von Bildern aus dem R.A.F.-Flieger. Eins war die Reproduktion eines freihändigen und lang belichteten, das deutlich den Schweif zeigt, ein anderes stammt von einer von mehreren kurz belichteten mit längerer Brennweite und besserer Schärfe, die Atkinson als „offiziell“ (in Anführungszeichen) tituliert. Sie wurden mit Blende 5.6 und 1/300 Sekunde Belichtungszeit innerhalb und auch außerhalb der Totalität aufgenommen und zeigen den Kometenkopf – offenbar heller als die Venus – noch 5 bis 10 Sekunden nach dem 3. Kontakt. Es waren drei dieser Negative gewesen, die ihm der auch nicht namentlich genannte Air Commodore zur astrometrischen Auswertung überlassen hatte.

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NACHTRAG 2: Während eines Besuches in der VSW Urania in Hove in Belgien hatte dieser Blogger im Mai 2015 endlich Gelegenheit, in der dortigen Bibliothek einem der letzten noch nicht überprüften Literaturzitate nach zu gehen. Und siehe da: In Beekman, Kometen als Prooi van de Zon (Kometen als Beute der Sonne), Zenit 10 [Mai 1983] 192-7, findet sich auf Seite 194 doch tatsächlich diese bessere Reproduktion des Bildes aus dem tschechischen Paper! Das konnte dem Vortrag des Autors zum nämlichen Thema als Opener des 10. Duisteren Dags daselbst gerade noch hinzu gefügt werden. Auch in der niederländischen Zeitschrift hat das Bild eine unmögliche BU (als Aufnahme von Atkinson in Nairobi) und wird im Artikel selbst gar nicht angesprochen: In dem geht es um Sungrazer, zu denen der Eclipse Comet aber gar nicht gehörte. Doch das Bild hat die bisher nicht aufgetauchte Quellenangabe Royal Greenwich Observatory, die womöglich weiter weist: Kann es sein, dass die Negative oder gute Kopien heute im Archiv der Royal Museums Greenwich gelandet sind, dem die Sternwarte später zufiel? Auf einer Kometentagung in Leipzig im Juni 2014 war jedenfalls nach Halten desselben Vortrags sogleich mit einer dort ebenfalls vorgestellten Software der Anblick des Schweifs während der SoFi simuliert worden: Alles passt – in dessen besserer Fassung erst recht – zu dem Foto, bei dem es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die eine lang belichtete Aufnahme aus dem RAF-Flugzeug handelt!

Der Mondblitz 4. Größe schlug 18-Meter-Krater!

17. Dezember 2013

Die Vorhersage nach dem Ereignis („Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond“) am 17. März hat perfekt gesessen: Jetzt hat der Lunar Reconnaissance Orbiter an der Stelle des bisher hellsten gefilmten Impaktblitzes auf dem Mond tatsächlich einen frischen 18 Meter großen Krater gefunden – mit 20 Metern war gerechnet worden. Hoffentlich kracht es in den nächsten Monaten ein weiters Mal – denn der Orbiter LADEE misst bereits den Mondstaub im niedrigen Orbit: Immer wieder geht es durch dichtere Wolken, vermutlich von frischen Impakten erzeugt. Zu diesem Thema gibt’s auch die Aufzeichnung eines Webinars zu LADEE und den Mondimpakten.

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Die schönsten Lovejoy-Schweife der letzten sieben Tage

Nur Hardcore-Astrofotografen trotzen dem aktuellen Vollmond und liefern weiter spektakuläre Aufnahmen des über 11° langen Plasmaschweifs des Kometen Lovejoy, was in den Morgenstunden der Tage davor noch einfacher war: Bilder vom 17. Dezember, 16. Dezember (mehr, mehr und mehr), 15. Dezember, 14. Dezember (mehr und mehr), 13. Dezember (mehr und das Bild von Michael Jäger oben), 12. Dezember und 11. Dezember. Plus noch ein Artikel über den Lovejoy-Flug, ein weiterer ISON-Nachruf, ein eher zurückhaltendes Geminiden-Komposit, der Jupiter am 10.12. und die Helligkeit der Nova Cen 2013 im steilen Fall.

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Das Advanced Technology Solar Telescope hat einen neuen Namen: Das bis voraussichtlich 2019 auf dem Haleakalâ auf Maui entstehende 4-m-Instrument heißt nun „Daniel K. Inouye Solar Telescope“, um das Interesse des verstorbenen Senators an Astronomie zu würdigen. Auch 14 Mio. Euro für das „Event Horizon Telescope“ (mehr, mehr und mehr), mit dem Sgr A* schärfer denn je abgebildet werden soll, ein neuartiges Instrument zur Abbildung von Exoplaneten im Vortest, der Status der Astronomie in der Antarktis, in Afrika und China – und ein Buch über den Mt. Stromlo in Australien.

AGU 2013: Chelyabinsk aus Videos rekonstruiert

12. Dezember 2013

Zum Abschluss der AGU-Fall-Meeting-2013-Session zum Chelyabinsker Airburst („Und die AGU-Tagung geht weiter …) präsentierte J. Borovicka – in Ergänzung zu einem kürzlich erschienenen Paper (zu dem es bereits hier [Kurzmeldung unter „Ein Asteroid zerstört sich …“] einige Links gab) – eine detaillierte Analyse des Ereignisses auf der Basis dutzender Videos.

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Diese Höhen in Kilometern entsprechen z.B. bestimmten Punkten der Spur, die noch lange am Himmel hing, 2-3 km Durchmesser entwickelte und rund 600 km^3 Volumen besaß: Insgesamt konnte der Bolide – Anfangsdurchmesser 19 m, Anfangsmasse 12’000 Tonnen – von 95.1 bis 12.6 km Höhe verfolgt werden, wobei die Anfangsgeschwindigkeit 19.0±0.1 km/s betrug und der Winkel zur Erdoberfläche von 18.5° auf 17° abnahm. In etwa 70 km Höhe begann der Bolide massiv Staub (von nahe seiner Oberfläche) zu verlieren, in 45 km Höhe begann er zu fragmentieren, und in 39 bis 30 km Höhe verlor er 95% seiner Masse.

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In 29 km Höhe bestand der Ex-Asteroid nur noch aus 10 bis 20 Brocken von 1 bis 3 m Größe von jeweils rund 10 Tonnen Masse, die in 26 bis 22 km Höhe weiter zerbrachen: Obwohl allesamt nur durch puren Zufall entstanden, waren die Videos gut genug, um die Bahnen einzelber Fragmente durch die Atmosphäre zu verfolgen – inklusive einer Endmasse von 1/2 Tonne, deren berechnetes Bahnende tatsächlich mit dem Chebarkul-See übereinstimmt, aus dem sie Monate später gefischt („Ist das die Hauptmasse …“) wurde.

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Die Schockwelle, die den Boden traf und dort Schäden anrichtete, ging nicht von einem Explosionspunkt sondern einem langen Zylinder aus, bevor die Fragmentation erfolgt war: Das hat sich im Detail zurück verfolgen lassen. Spätere, schwächere Schocks gingen von einzelnen Fragmentationsereignissen aus – wäre der Asteroid in einem Stück weiter durch die tiefere Atmosphäre geflogen, wären die Schäden größer gewesen. Da dank der Videos die Bahn des Chelyabinsker Asteroiden im Weltraum ziemlich gut bekannt ist, fand sich mit dem Asteroiden Nr. 86039 ein viel versprechender Mutterkörper. Mit dem dürfte vor weniger als 100’000 Jahren ein anderer Asteroid zusammengestoßen sein: Das Ergebnis waren neben dem Chelyabinsker Brocken noch etliche weitere Trümmer der 10-Meter-Klasse – vielleicht die Erklärung für eine erhöhe Impaktrate von sehr kleinen Asteroiden, auf die gewisse Daten hinweisen.