Archive for the ‘Bilder-Galerie’ Category

Im Primärfokus des Radioteleskops Effelsberg

28. August 2015

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Selbst ausgewählte Besuchergruppen schaffen es beim Effelsberger 100-Meter-Teleskop meist nur bis auf die horizontal rotierende Plattform mit dem Elevationsmotor – aber im Rahmen von Dreharbeiten für die September-Sternstunde wurde unser Team gestern überraschend von PR-Chef Norbert Junkes zu einer Expedition (in strömendem Regen) bis in die Primärfokus-Kabine eingeladen: Die fast vertikale Parkposition der Schüssel machte es möglich! Hier ein Interview mit Junkes, der Beobachtungsplan, der gerade nichts vorsah, grünes Licht für die Extratour, viel Gestänge, ein Blick auf’s LOFAR-Feld, der Sekundär- und Primärfokus (mit 7-Beam-Empfänger für 21 cm), der Weg zu letzterem, das Innenleben der Fokuskabine, der Weg zurück, die untere Plattform und – unter einem MPG-Video zum 40-Jährigen des Teleskops – noch der Königszapfenraum.

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„Outer Space“ in Bonn: die ersten Eindrücke

2. Oktober 2014

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Heute Abend wird in der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD die neue Super-Show „Outer Space – Faszination Weltraum eröffnet, wobei die Vernissage – ungewöhnlich – eine öffentliche Veranstaltung ist, Anmeldung via FB genügt. Bereits auf dem Museumsplatz locken ein 1:5-Modell einer Ariane 5 und der bekannte Aufblas-Astronaut des EAC – unddieser Blogger hatte schon heute Mittag die Gelegenheit zu einer Vorbesichtigung der Ausstellung mit viel DLR-Unterstützung, während noch die letzten Schildchen geklebt wurden, passend mit Laser-Hilfe. Ein paar Impressionen aus den 12 Räumen, in denen sich wertvolle Weltraumartefakte und alte und neue Kunst begegnen; der Rundgang beginnt unten rechts:

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Begrüßt wird der Besucher – anfangs ist die Richtung vorgegeben, in der Mitte nicht mehr, am Ende wieder – vom größten Brocken des Meteoriten von Ensisheim vor Rubens‘ Erschaffung der Milchstraße. Und nach dem 8. Dezember auch von der „Bundesbiene“, einer auf natürliche Weise verstorbenen Bewohnerin eines Bienenstocks auf dem Dach der Kunsthalle – die zur Zeit auf der ISS ‚haust‘, dann aber von Alexander Gerst im Rahmen einer großen Party persönlich zurück gebracht werden wird.

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Verbeulte Spitze einer V2 vor alle 20 Minuten lautstark startender Soyuz mit der ISS-Expedition 38. In diesem Raum wird kurioserweise mehr über die Technik der V2 erzählt als derzeit im Museum in Peenemünde, aber die unmenschlichen Aspekte der Raketengeschichte bleiben natürlich auch in Bonn nicht unerwähnt.

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Diverse Raumanzüge mit Kurator und Ausstellungsleiter Stephan Andreae – und die Kapsel, mit der der Schimpanse Enos Ende 1961 als erster Primat von amerikanischem Boden aus in den Orbit gelangte – keine gute Erfahrung übrigens. [NACHTRAG: ein Bild …]

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Marsforschung im frühen 20. Jh. (oben, aus einer entlegenen französischen Sammlung) – und Zeichnungen von Antoniadi von 1896: Da sah auch er noch die Kanäle, zu deren Widerlegung erspäter maßgeblich beitrug.

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Das Highlight für Astrofans (ohne Platzangst): eine Kugel aus 4200 Holzstücken, in die 30’000 Glasfasern gesteckt sind – im Inneren schaffen sie einen bemerkenswert realistischen Sternenhimmel. Und zwar rund herum um den jeweils einen Besucher, hinter dem sich lichtdicht eine Klappe schließt! Ein außergewöhnliches Kunstwerk von Hiroyuki Masuyama aus dem Jahre 2010, eine Leighabe der Galerie Sfeir-Semler in Hamburg: Selbst Astronaut Reinhold Ewald sei „mit leuchtenden Augen“ wieder heraus gekommen, hieß es auf der PK (unten).

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Ein prächtiger Himmelsglobus von – natürlich mal wieder – Willem Blaeu aus Amsterdam, aus dem Jahre 1616.

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Ein Spiegelkreis von Edward Throughton aus London, um 1795.

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Ein Passage-Instrument von John Bird, ebenfalls aus London, um 1750.

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Das erste Bonner Universitätsfernrohr von Carl Dietrich Münchow, aus der Wende 18./19. Jh.; im Hintergrund eine der vom Fotokünstler Thomas Ruff bearbeiteten Himmelsaufnahmen der ESO.

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Gänse auf Mondmission – oder so ähnlich. Sehr bizarr …

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Socken des deutschen Astronauten Reinhold Ewald von seinem Mir-Flug 1997.

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Heute persönlich anwesend: Galina Balaschowa, hier vor dem von ihr entworfenen Farbdesign für die sowjetische Raumfahrt.

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Der Star der Ausstellung: die aus der Tiefsee geborgene Liberty Bell 7, deren Innenleben trotz Jahrzehnten auf dem Meeresgrund noch erstaunlich gut erhalten ist.

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Ein Sternensucher mit Nokturnal von Doppelmayr & Puschner aus Nürnberg von 1730.

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„The Still Expanding Universe“ von Björn Dahlem aus dem Jahre 2013 – so beeinflusst die moderne Kosmologie die moderne Kunst!

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„Star Projector“ von Oliver van den Berg, 2005: made from Birkenholz.

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Ein Kunstwerk – Acryl auf Masonit – von Ken Grimes von 2011, dessen kompletter Titel praktischerweise gleich drauf steht. Die darin gestellte Frage beantwortete der anwesende Pressesprecher des Teleskopbetreibers … nicht.

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SF-Movie-Props satt: z.B. eine Enterprise aus Star Trek: Generations, der Prototyp von Gigers Chest Burster aus Aliens und die beiden Roboter aus den Star Wars-Filmen.

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Ein Viking-5C-Haupttriebwerk einer Ariane 4.

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Ein Kometensucher von Jesse Ramsden aus London, um 1780.

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Der letzte von drei den zwölf Haupträumen zugeordneten Kunsträumen: die Installation „The Men Who Flew Into Space“ von Ilya Kabakow.

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Und das allerletzte Exponat vor dem Ausgang: die „Big Crunch Clock“ von Gianni Motti, die seit 1999 die letzten 5 Mrd. Jahre des Lebens der Sonne herunterzählt.

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Auf einer PK am Vormittag hatten Kunsthallen-Chef Wolfs, eine Sprecherin des DLR, die Kuratoren Claudia Dichter & Stephan Andreae und der Ausstellungsarchitekt das Konzept des „Outer Space“ – siehe auch Interviews hier, hier und hier – in Anwesenheit der gefeierten Balaschowa (u.) diskutiert: Derartige „Hybrid“-Ausstellungen von Wissenschaft, Technik und Kunst gibt es schon seit 95 Jahren (die allererste Dada-Schau 1919 war so angelegt), und hier werde die „transdisziplinäre“ Faszination für den Kosmos als „anthropologische Konstante“ gezeigt. Vier Jahre dauerten die Vorbereitungen, manches war verblüffend leicht zu bekommen (die Liberty Bell wurde den Kuratoren schon 20 Minuten nach ihrem Eintreffen in der Kansas Cosmosphere angeboten), anderes nicht. Am Ende sei ein „feines Gespinst aus Assoziationslinien“ zwischen Kunst und Wissenschaft (Dichter) enstanden – das nun bis zum 22. Februar bestaunt werden kann, umrahmt von allerlei eher Kunst-orientierten Veranstaltungen und ein paar ‚Satelliten‘, etwa einer kleinen Foto-Ausstellung im Kunstmuseum nebenan. Zu entdecken gibt es eine Menge, und Kunst- wie Astronomie- wie Raumfahrtfans werden gewiss auf ihre Kosten kommen. NACHTRÄGE: ein paar Bilder auch vom Abend, ein weiteres Exponat mit Sonnenfinsternis, mehr Artikel zur Eröffnung hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, spätere hier, hier und hier, ein Balaschowa-Interview und andere Galerien hier, hier, hier und hier nach und hier vor der Eröffnung.

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Die erste orbitale Pressekonferenz von Alex Gerst

5. Juni 2014

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Eine Bildqualität wie gleich aus einem Büro nebenan, mit nur ganz leichten Störungen, und ein Ton wie aus dem Studio: Der erste TV-Auftritt des 11. deutschen Astronauten Alexander Gerst eine Woche nach Start und Ankunft auf der ISS für die Presse im European Astronaut Centre in Köln geriet so perfekt, dass es manchem schon fast zu wenig nach Weltraumabenteuer aussah – hätte sich Gerst nicht zuweilen lässig im Raum gedreht.

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In den 19 heute Nachtmittag zur Verfügung stehenden Minuten ließ das EAC nur Fernsehanstalten, große Radiosender und die Lokalpresse je eine Frage stellen: Man erfuhr etwa (im Original [NACHTRAG: bessere Version] bzw. mit englischem VO), dass Gerst noch immer ständig Neues lernt und deswegen gar keine Zeit für Heimweh habe, während er zehn Stunden am Tag beschäftigt sei.

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Die frechste Frage kam natürlich aus Kindermund: Ob er sich denn mit den anderen fünf vertrage, und wohin er flüchten könne, wenn es mal Streit gäbe. Nein, sagt Gerst, man verstehe sich blendend und habe viel Spaß miteinander – und notfalls könne er ja in der Schlafkoje die Tür zu machen.

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Was in den nächsten 5 Monaten bis zu Gersts Rückkehr am 10. November noch an PR-Events geplant sei, konnte der EAC-Sprecher übrigens heute nicht beantworten. Hier noch ein Zeitraffer-Film, Bildergalerien hier und hier und Amateurfilme hier (nett geschnitten), hier, hier, hier und hier aus Baikonur rund um den Start sowie Jubel hier, hier und hier über orbitale Bilder-Tweets (wobei der Absender nicht immer auch der Fotograf ist).

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Auch eine Sichtung im EAC: ein Modell der Orion-Kapsel der NASA mit ESA-Antriebsteil. Beim ersten echten Modell der Kapsel, noch ohne es, wurde übrigens gerade der Hitzeschild installiert – und der Testflug ist weiterhin für diesen Dezember geplant.

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Und auch das steht in einer Ecke im EAC-Foyer: eine Mondbasis aus dem 3D-Drucker … Wie es mit der bemannten amerikanischen Raumfahrt weiter gehen solle, hat just gestern mal wieder ein Papier des NRC empfohlen, das zwar dem NASA-Fernziel Mars zustimmt, den derzeitigen Weg dahin aber für zu zögerlich erklärt: eine Video-Zusammenfassung, die erste Reaktion der NASA, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Rosetta hat auch ihren zweiten großen Burn absolviert

Erneut hat die Kometensonde gestern die Bahn weiter der des Kometen angepasst, das zweite derartige Manöver auf der langen Reise zu Komet 67P. Auch der Status von Dawn, der tatsächliche Bau von OSIRIS-REx, die aktuellen Aussichten vom Mars-Rover Opportunity am Pillinger Point, Erkenntnisse über Titan von Cassini, der Hitzeschild des Solar Orbiter, der immer noch gelegentlich sendende Sonnensegler IKAROS und der Status des LightSail, eine Flut von CubeSats (wobei sich einer von vieren, die Studenten bauen, nie meldet …), ein neuer Space-Fence-Vertrag (mehr, mehr, mehr und mehr Links) – und mysteriös taumelnde tote Satelliten.

Auf dem Satelliten Swift ist eins der Instrumente ausgefallen, aber auch ohne das XRT kann er noch GRBs detektieren. Auch die ersten Spektren von Gaia (mehr Grafiken) und seine Abdeckung des Himmels, die ersten Exoplaneten-Kandidaten (mehr und mehr) der neuen Kepler-Mission, die noch ein paar Jahre laufen könnte, die unsichere Zukunft des IR-Satelliten Spitzer, ein Weltraum-Laser für IceSat 2, die freie Daten-Politik von Copernicus – und Forschungs-Nutzlasten für das SpaceShipTwo von NASA und APL.

„Die ehrgeizigste Simulation des Universums“

8. Mai 2014

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bis jetzt ist soeben publiziert worden: Dem Illustris-Projekt, das mehrere Jahre gedauert hatte und Ende 2013 fertig war, gelang eine Kombination von hoher räumlicher Auflösung, betrachtetem Volumen – immer noch nur ein kleiner Ausschnitt des ganzen Kosmos, aber ein repräsentativer – und vor allem auch physikalischer Treue, wie es sie noch nie gegeben hat.

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Im Gegensatz zu früheren Groß-Simulationen des Kosmos spielen diesmal nicht nur die – für die Ausbildung großräumiger Strukturen dominante – Dunkle Materie sondern auch die Baryonen mit, aus denen in der hydrodynamischen Rechnung „echte“ Galaxien entstehen. Und auch die chemische Entwicklung des Gases wird berücksichtigt.

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Die sind so realistisch geraten, dass man sie problemlos in das klassische Hubble-Diagramm der Galaxien-Typen einsortieren kann. (Und auch simulierte Ansichten von Hubble Deep Fields mit Galaxien in einem früheren Entwicklungsstadium sind vom Original kaum zu unterscheiden.)

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Und auf den ganz großen Skalen wird der Kosmos genau so gut getroffen: hier – dargestellt für den massereichsten entstandenen Galaxienhaufen – die Dichteverteilung der Dunklen Materie in Blau und die Geschwindigkeit des Gases in rötlich. Besonders interessant sind allerdings jene Detailaspekte, bei denen sich Simulation und kosmische Wirklichkeit noch widerprechen, v.a. bei der Entwicklung kleiner Galaxien: Hier locken neue Einsichten. Viele weitere Visuals gibt es hier zu bestaunen, auch in Bewegung – das Video hier fasst eine Reihe Visualisierungen zusammen:

Die enorm umfangreichen Rechnungen liefen auf Rechnern in Frankreich, Deutschland und den USA und benutzten ein “moving, unstructured mesh”, ein Mittelding aus smoothed particle hydrodynamics und adaptive mesh refinement: Die Simulation begann 12 Mio. Jahre nach dem Urknall und verfolgte 12 Milliarden Auflösungselemente 13 Mrd. Jahre lang, in einem 107 Mpc großen Kubus, in dem am Ende 41’416 Galaxien entstanden waren. In die Simulation kann man mit diesem Zoom-Tool eintauchen – auch ein Press Release, eine Pressemitteilung und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRÄGE: Das erste Illustris-Paper als Preprint, ein weiterer Press Release, ein Mini-Vortrag, weitere Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Kosmische Begegnung: PANSTARRS bei Messier 51

2. Mai 2014

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Mit freundlicher Genehmigung von Rolando Ligustri die Begegnung des Kometen C/2012 K1 mit der Spiralgalaxie heute remote mit einem 106-mm-Refraktor und einer FLI ProLine PL11002M in New Mexico! [NACHTRÄGE: nur die Luminanz ganz tief – und ein weiteres Bild mit selbem Gerät von wem anders.] Auch die Konjunktion in kleiner, Aufnahmen etlicher weiterer Kometen, der Abschluss der Wiederinbetriebnahme der Instrumente von und ein skandinavischer Info-Truck über Rosetta – und Protest gegen Panikmache mit NEOs, zwar nicht so detailliert wie hier und mit einem Denkfehler, aber trotzdem ein erfreulicher Kontrapunkt.

Mal ein Zeitraffer-Video ganz anderer Art als die üblichen aus finsteren Gegenden – hier hat einer (aus Taiwan) Ansichten aus 30 europäischen Ländern, darunter oft Großstädten, in Bewegung gesetzt, mit immer noch reichlich Astro-Content. Plus ein „Supernova“-Video ungewöhnlicher Art, wobei die Lyrics moderat astro-angehaucht sind und auch das ganze Album so heißt.

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Die australische Partiell-SoFi mal ganz anders: im Radio

Nämlich bei 145 MHz Frequenz mit dem Murchison Widefield Array aufgenommen, einem Radio-Interferometer in West-Australien, dessen Themenfeld von Sonnenforschung bis zur Kosmologie reicht und das als Vorgänger des SKA gilt. Was man manchmal auch schon über Europas LOFAR sagt, das immer größer geworden ist. NACHTRAG: auch noch ein paar kurzwelligere Bilder der SoFi aus Adelaide hier und – bei Sonnenuntergang – hier.

Eine kleine Reise durch’s aktuelle Sonnensystem

27. März 2014

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Die Mond-Venus-Konjunktion heute im Morgengrauen von diesem Blogger aufgenommen: zu sehen u.a. auch hier, hier und hier; Vorschauen hier und hier. Auch Mars vorgestern (mehr) und am 23.3., der Jupiter vor einer Woche (mehr) und am 5. und 4. März – und die kommende Tetrade von Mondfinsternissen.

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Der Komet Siding Spring mit Koma-Jets, von Hubble gesehen und unten jeweils heraus gearbeitet – diese Details seiner Entwicklung sind von großem Interesse für das Mars-Encounter im Oktober. [NACHTRÄGE: ein Paper zum Betragen des Kometen – und der Startschuss einer neuen Beobachtungs-/Outreach-Kampagne zur Mars-Begegnung] Auch neue Sichtungen von Komet C-G durch Rosetta und wie der Kometenkern erscheinen wird, wenn der Abstand schrumpft, ein überraschender Staubschweif (7 au von der Sonne) des Kometen C/2006 S3 (LONEOS), der Komet C/2012 X1 (LINEAR) am 24.3. – und ein (noch laufender und bald archivierter) detailreicher Hangout zu 2012 VP113 und Chariklos Ringen.

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Das Magnetfeld der Sonne auf einem SDO-Bild eingezeichnet – so hängen die Aktivitätsgebiete miteinander zusammen. Auch ein Transient 11. Größe im Skorpion, der wohl eine Nova ist, aber sicher ist’s noch nicht, die erste von 64 Antennen des MeerKAT-Teleskops in Südafrika wurde feierlich der Bestimmung übergeben – und warum es Krach auf dem Calar Alto gibt.

So war’s auf Deutschlands erstem Polarlicht-Flug

3. März 2014

 

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Keine alltägliche Flugroute hat in der Nacht vom 1. zum 2. März der Flug AB 1000 zurückgelegt, knapp 5000 km in 6 1/4 Stunden von Köln zu den Shetlands und Färöer und wieder zurück, mit mehreren Strecken entlang des Breitengrads und wieder zurück bei den beiden Inselgruppen: Das war der erste Polarlicht-Beobachtungsflug aus Deutschland, organisiert von Polarlicht-Reisen mit Air Partner und Air Berlin – und es gab einiges zu sehen. Oben ein Video von Wilfried Bongartz, auf der linken Seite, Aurora ab 1:35, Fotos auch hier und hier, und unten ein Video von Peter Oden auf der rechten Seite, Aurora ab 7:07, Fotos auch hier und hier; es gibt auch ein großes Bilder-Album des Autors, eine Diskussion des Fluges und ein Album von Bongartz und Oden mit weiteren Einzelbildern.

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Beim Check-In und am Gate; Stefan Krause brieft die Passagiere der komplett ausgebuchten Boeing 737-800 – noch sieht die geomagnetische Datenlage nicht besonders vielversprechend aus, aber immerhin hat das interplanetare Magnetfeld (obere Kurve) gerade nach Süden gedreht: Das steigert die Reaktionsfreude des Erdmagnetfelds schon für kleinste interplanetare Trigger …

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Auf der Reise zu einem „fiktiven Punkt“ … Oden mit der Fernsteuerung der auf einem Stativ hinter dem Fenster und einem schwarzen Tuch montierten Weitwinkel-Kamera und einem Notebook mit dem Live-Bild; inzwischen ist die Kabinenbeleuchtung weitestmöglich gedimmt. Und auf seiner rechten Seite ist auf dem Flug nach NO bereits das Polarlichtoval knapp über dem Horizont erschienen: Das ist schon mal beruhigend – und führt zu der spontanen Entscheidung, den eigentlich gleich bis zu den Färöer geplanten Flug bei den Shetlands zu unterbrechen und nordwestlich von ihnen je einmal west- und ostwärts zu fliegen.

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Just beim Drehen von der Ost-West- zu der die West-Ost-Strecke flammt das Polarlicht plötzlich hell auf, und die linke Flugzeugseite, wo auch der Autor sitzt, kommt gerade noch in den Genuss des abklingenden Substurms mit besonders hellen Stellen (im ersten Bild überbelichtet!) und Beamern senkrecht nach oben. Die hellsten Sterne sind immer Deneb und ganz rechts Vega.

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23:18 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Alle Aufnahmen hier sind mit der seit 2011 und zuletzt Ende Januar in Norwegen eingesetzten Bridge-Kamera mit maximalem Weitwinkelzoom, das 25 mm Kleinbild entspricht, und offener Blende 2.8 entstanden, wobei das Bildfeld aber meist etwas beschnitten ist, um Reflexe in der Scheibe weg zu lassen.

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Nach dem überraschenden Einstieg ging die Reise zu den Färöer, eigentlich Føroyar, weiter, auf 62°N 7°W: Etliche Male wurde jetzt west- und ostwärts geflogen, während leider das Polarlicht arg die Kraft verlassen hatte: Mehr und mehr Passagiere knubbelten sich schließlich um Odens Live-Display, das deutlich mehr Strukturen im Aurora-Band offenbarte als der Blick aus dem Fenster.

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1:05 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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1:12 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Auf dem Weg zurück nach Köln – zwar war die Boeing randvoll getankt, aber irgendwann muss halt Schluss sein – wird ein Bogen nach Südosten geschlagen, so dass der Blick von der linken Seite auf das östliche Ende des Aurorabogens fällt: die gleiche geometrische Situation wie auf den Bildern 1, 3, 4, 7 und 8 von Sommarøy, nur 8° weiter südlich, weil das Auroraoval im Nordwesten Europas deutlich weiter nach Süden kommt als im Nordosten. Und siehe da: Die Aurora nimmt noch einmal mächtig Fahrt auf!

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1:15 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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1:20 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 800

Zu erkennen insbesonders an der extrem hellen Stelle im mittleren Bild und den reduzierten Belichtungen. Alle Aufnahmen entstanden übrigens freihändig mit dem Objektiv an die Scheibe gepresst – leider manchmal zu energisch, was die unscharfen Sterne erklärt. Sollte man mit den Objektiven von Bridgekameras eben nicht machen: wieder was gelernt …

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1:31 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Danach verblasst das Polarlicht erneut, aber es bleibt als diffuser Schimmer sichtbar, mit helleren Strukturen dicht über dem Horizont, die schließlich dahinter verschwinden. Diesmal stimmt auch der Fokus – und man beachte den Schatten des Winglets auf der Tragfläche im Licht der Aurora!

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Sekunden von dem Wiedereinschalten der Kabinenbeleuchtung und 1 1/2 Stunden vor der Landung in Köln das letzte Bild: immer noch Aurora am Himmel. Gut drei Stunden war sie permanent zu sehen gewesen, in zig verschiedenen – mitunter auch sehr subtilen und nur fotografisch klar zu erkennenden – Spielarten. Und dank der Flughöhe und perfekten Transparenz unter ungewöhnlicher Geometrie bis in rund 1000 km Entfernung.

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Der Stackplot nordeuropäischer Magnetometer – von 9:00 MEZ am 1. bis 9:00 MEZ am 2. März – zeigt, dass pünktlich zum Flug doch einiges in Unordnung geraten war, etwa ab 23:30 MEZ: Auch die weniger aktive Phase nach Mitternacht und die erneute Zunahme nach 1:00 MEZ sind zu erkennen. Insgesamt ist die Erfahrung Aurora aus dem Flugzeug mit dem Erlebnis in der Wildnis oder auch an Deck eines Schiffes nicht zu vergleichen: Es fehlt der „All-Sky-Effekt“, der bei einem ordentlichen Substurm die Aurora über den ganzen Himmel huschen lässt. Dafür birgt die Kombination des Naturereignisses mit der High-Tech-Umgebung eines modernen Passagierflugzeugs und von High-End-Kameras mit Live-Display einen ganz eigenen Reiz. Von der Wettergarantie über dem Großteil der Troposphäre und flexibler Routenanpassung natürlich ganz zu schweigen … NACHTRAG: noch ein Artikel.

(Astro)optische Effekte – aus der Luft genossen

26. Mai 2013

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Auf dem Flug LH 2920 heute Morgen von Düsseldorf nach Stockholm zu einem Science Writers Workshop gab es – von Sitz 8A des ausnehmend schlanken Regional Jets CRJ-900 aus – schon mal Science satt, atmosphärische und andere optische Phänomene rund um den Flugzeugschatten nämlich: erst eine Glorie in den Wolken, im 1. Bild extrem kontrastverstärkt, im 2. in Auflösung vor südschwedischer Landschaft. Und dann einen Oppositionseffekt in der Vegetation: Das Shadow-Hiding rund um den Schatten ist gut zu erkennen, während die Bäume rund herum erkennbare Schatten werfen (hinter dem ersten Bild liegt eine größere Version, die das besonders deutlich zeigt). Eigentlich banal, sollte man meinen – aber gerade in der Astronomie sind, wie z.B. aktuell hier und hier nach zu lesen, die Detailprobleme mit dem Phänomen erstaunlich hartnäckig. Nicht dass diese Aufnahmen hier etwas zur Klärung beitragen würden …

Der Pferdekopfnebel im nahen & fernen Infrarot

19. April 2013

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aufgenommen von Hubbles WFC3 (oben) im J- und H-Band (1.1 bzw. 1.6 µm), denen blau und rot zugeordnet wurden, und von Herschel mit PACS und SPIRE (Mitte) bei 70 und 160 bzw. 250 µm (B,G,R): Im fernen IR ist von der charakteristischen Form nichts mehr zu sehen. Wie das alles zusammenhängt in den großen Gaswolken des Orion, ist in einem 3-Minuten-Video zu sehen, in dem zusätzlich zwei erdgebundene Teleskope mitspielen.

Ein Supernovarest, der wie eine Seekuh aussieht?

19. Januar 2013

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Erinnert der Supernovarest W50 (oben in Blau ein Radiobild vom VLA, auf in Rot Sternen und Staub im IR von WISE) an einen ausruhenden Florida-Manati (Florida manatee, Trichechus manatus latirostris; Foto von Tracy Colson)? Na ja, irgendwie schon – und dewegen wird das Astro-Bild heute auf dem Florida Manatee Festival enthüllt und der SNR „Manatee Nebula“ getauft [NACHTRAG: wie es zu der Aktion gekommen ist].

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Der gesamte Cygnus Loop auf einem Bild-Mosaik des 90-cm-WIYN-Teleskops mit im Original 24’000 Pixeln Kantenlänge, die 3° am Himmel entsprechen – die rund 1 GB große Datei in voller Auflösung gibt’s hier. Die 3 x 3 engbandigen Bilder mit der NOAO-Kamera Mosaic 1 waren bereits vor 10 Jahren gemacht worden, aber damals gab es noch gar nicht die Rechner, um daraus ein Gesamtmosaik des Supernovarests zu erstellen …

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Ein Herschel/XMM-Bild des Supernovarests W44 bei 70 – 250 µm Wellenlänge bzw. 1.2 – 8 keV Energie (blau eingefärbt): Im Röntgenlicht verrät sich mehrere Mio. Grad heißes Gas im Inneren der Schale, die schon stark mit dem interstellaren Medium wechselwirkt.

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Auch ein Stück Supernovarest: der Pencil Nebula NGC 2736 – der hellste Teil des großen Vela-SNR – auf einer Aufnahme des 2.2-m-Teleskops auf La Silla. Auch bekannt als Herschel’s Ray, da John Herschel den Nebel 1835 in Südafrika visuell entdeckte.

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Der Helix-Nebel im kombinierter GALEX-/Spitzer-/WISE-Sicht: Die Falschfarbendarstellung umfasst Wellenlängen von 150 nm bis 24 µm – und der Planetarische Nebel NGC 7293 sieht in allen Farben ungefähr gleich aus, was bei Deep-Sky-Objekten kaum je der Fall ist.

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Der Planetarische Nebel NGC 7354 aus Hubble-Sicht: Zwei verschachtelte Schalen, Knoten und Jets sind zu erkennen. Hinter der ganzen Symmetrie steckt vermutlich ein Begleiter des Zentralsterns, auf den aber noch kein direkter Hinweis gefunden wurde.