Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Allgemeines Live-Blog ab dem 16. September

16. September 2020

26. September

„Big Astronomy“: Weltpremiere einer Planetariumsshow

Eine neue 25-Minuten-Show der California Academy of Sciences über die Großsternwarten in Chile hatte heute Abend Premiere – wegen der aktuellen COVID-Schließung des produzierenden Planetariums und auch vieler anderer online in 360°-VR, was zwar nicht die visuelle Brillanz einer Fulldome-Projektion erreicht aber einen guten Eindruck gibt. Es kommen das Blanco-Teleskop auf dem Cerro Tololo (oben und Mitte), der Cerro Pachon mit Gemini South und Vera Rubin Observatory (unten in CGI) und ALMA vor. Nach der Premiere wurde auch ausgiebig auf die Filmtechnik eingegangen (so wurde bei ALMA z.T. freihändig gedreht, mit einer neuartigen leichten Stabilisierungs-Plattform) – und es gab nächtliche Zeitraffer zu sehen, während denen es zu einem starken Erdbeben kam. Die Show – auf deren Webseite einiges Bonus-Material erscheint – ist die nächste Zeit jeden Mittwoch um 20:30 MESZ bei der Academy zu sehen und läuft auch vereinzelt in deutschen Planetarien. Auch ein Video über den aktuellen Umbau des Planetariums in Bochum, ein über 3 Stunden langer Astro-Chat – und wie ein Teleskop aus Schokolade entsteht. [22:40 MESZ]

Magnet-Karten des Sterns Ioto Horologii, erstellt mittels Zeeman Doppler Imaging (ZDI) – und aus solchen Karten über rund 140 Sternrotationen über drei Jahre hinweg die ersten Schmetterlings-Diagramme eines anderen Sterns als der Sonne mit der Breitenwanderung magnetisch aktiver Zonen (für das radiale bzw. azimuthale Feld): ein besonders spannendes Ergebnis von der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft. Dort auch interessant die Entdeckung vieler seltener Sterne mit der Zwicky Transient Facility, drei Items von der historischen Session und die Astronomers for Earth. Die rein virtuelle Tagung hatte doppelt so viele Teilnehmer wie tyische normale. [23:10 MESZ]

Zeitgleich fand (bzw. findet noch) die gleichfalls virtuelle European Planetary Science Conference statt, von der bereits Unmengen Aufzeichnungen online sind, z.B. in Sachen Amateur-Beiträge zur Forschung oben eine Zusamenfassung und die meisten Vorträge dieser Session oder zwei Stunden Jupiter im Juno-Kontext. Auch der Jupiter gestern, der Mars gestern hier, hier und hier und am 23., 22. und 20. September sowie als rotierender Globus aus Bildern der letzten Wochen, ein Grundsatz-Artikel über Kometenschweife von Alan Hale, Radioastronomie im Süden Afrikas, 18 Minuten Aurora live über Island vorgestern – und ein NASA-Event zur Int’l Observe the Moon Night. [23:40 MESZ. NACHTRAG: noch eine NASA-Show dazu]


24. September

Die Probenentnahme von OSIRIS-REx auf Bennu am 20. 10.

in der Region Nightingale hat die NASA gerade auf einer Pressekonferenz im Detail beschrieben (alle Visuals und ein Press Release hier = hier): Sie geht von einer Wahrscheinlichkeit von 70% aus, dass der abgestiegene Orbiter mittels optischer autonomer Navigation eine der blauen Stellen in der oberen Karte trifft, wo genügend Regolith-Partikel von höchstens 2 cm Größe herum liegen sollten, dass der Sampler bei seinem 5 bis 10 Sekunden langen Bodenkontakt mindestens 60 Gramm per Stickstoff-Blasen in seine Kammer schaffen sollte; in den rosa Zonen liegen zu weniger dieser Partikel. Die Landezone konnte durch die Umplanung der Navigation auf einen 8 Meter großen Kreis verkleinert werden (im 2. Bild mit einem Parkplatz als Größenvergleich) – aber es bleibt ein 6%-Risiko, dass sich OSIRIS-REx einem der gelben oder roten Gebiete auf der Gefahren-Karte unten nähert und der Anflug in 5 m Höhe automatisch abgebrochen wird.

Im Falle einer durchgeführten Probenentnahme beim Touch and Go (TAG) am 20. Oktober wird an den folgenden Tagen anhand von Bildern während der Operation (wurde den rosa Zonen ausgewichen?), Aufnahmen des Samplers unter verschiedener Beleuchtung (was hängt wo dran?) und direkter Messung der Probenmasse über die leichte Änderung des gemeinsamen Trägheitsmoments von Sonde plus ausgestrecktem Sampler-Arm bestimmt, ob die mindestens seitens der Wissenschaft geforderten 60 Gramm an Bord sind: Das Ziel sind 150 Gramm, möglich wäre sogar über 1 kg. Am 30. Oktober wird entschieden, ob ein zweites Sampling – dann im Januar und von der pristinen Back-Up-Site Osprey – nötig ist; für drei Versuche insgesamt stehen Stickstoff-Kartuschen zur Verfügung. Die Abreise von Bennu ist jedenfalls im März 2021 – und auf der Erde ist die Probe in exakt 3 Jahren, am 24. September 2023. [22:40 MESZ]

So fett sieht die Point Spread Function des Teleskops des Photometrie-Satelliten CHEOPS aus – und die Verteilung des Sternlichts auf ganz viele Pixel führt zu enormer Präzision der Helligkeitsmessung, wie gestern in den Exoplaneten-Sessions der virtuellen AG-Tagung verraten wurde: Die Spezifikationen werden sogar übertroffen [NACHTRAG: in der übernächsten Nacht ein dickes Paper dazu], und es gibt auch schon erste Entdeckungen, die aber noch nicht verraten werden. Auch eine aufschlussreiche Lichtkurve des Sterns AU Mic vom Satelliten TESS, die Wiederaufnahme der Wissenschaft von Chandra, was Gaia schon alles entdeckt hat – und Verzögerungen bei der Astrophysik der NASA wegen COVID-19. Und im Sonnensystem die Frage nach dem wissenschaftlichen Ertrag des indischen Mars-Orbiters, ein Chat über New Horizons‘ Parallaxen-Bilder, das Ende des 22. Mondtages von Chang’e-4, ein kommendes chinesisches Experiment zum Space Mining – und eine mögliche Rolle privater Firmen im Sonnensystem. [23:25 MESZ]

Ein Schritt weiter in den Mondorbit ist die erste Orion-Kapsel (oben), die inzwischen mit dem Service-Modul der ESA (Mitte) und nun auch dem Adapter (unten) für die SLS-Rakete verbunden ist: Als nächstes werden dieser Tage die Solarzellen angeschraubt. Derweil hat die NASA einen umfangreichen Plan für das Artemis-Programm vorgelegt, der immer noch von der Landung einer Crew 2024 träumt – und 28 Mrd.$ extra erfordern würde, die aber erstmal nicht in Sicht sind: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, hier sowie eine verstärkte Kollaboration mit dem DoD u.a. in diesem Zusammenhang. Derweil musste die ISS recht kurzfristig Raumschrott ausweichen: was es war, der NASA-Boss genervt, die Verschiebung im Raum (5 km bei der Begegnung) und Artikel hier, hier, hier, hier; ein früheres Ausweichmanöver fiel dann doch aus (mehr). Auch was auf der Station im Oktober geplant ist, nächstes Jahr wohl Besuch von einem Crew Dragon mit Pilot und drei Touristen, eine vierteilige Doku zum Challenger-Disaster jetzt auf Netflix, chinesische Starts am 21. September (mehr) und 15. September mit 9 Satelliten von einem Boot (mehr und mehr), der mysteriöse chinesische Satellit vom ‚Space Plane‘ ausgesetzt unter Beobachtung, ein deutscher Raketen-Startup – und der baldige Start von SEOSAT-Ingenio auf einer Vega. [23:55 MESZ. NACHTRAG: Der Satellit ist in Kourou angekommen]


23. September

Immer mehr erstklassige Amateur-Mars-Bilder in großer Zahl

hat der wachsende Winkeldurchmesser mit näher rückender Erdnähe und Opposition im Oktober möglich gemacht: hier eine Aufnahme vom Thomas Winterer von gestern morgen mit einem 20″-Newton – weitere Bilder von heute hier, hier, hier und hier, gestern hier, hier, hier, hier, hier und hier und vorgestern hier, hier (das fertige Bild), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Ein Mars-Video vom 20. September, aus dem dies heraus zu holen war – weitere Bilder vom 20. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, dem 19. hier, hier, hier und hier, dem 18. hier, hier, hier und hier, 17. hier, 16. hier, hier, hier und hier, 15. hier, 14. hier, hier und hier, 13. hier und 12. hier.

Ein ISS-Transit vor dem Mars-Scheibchen … auch der Jupiter am 20.9. (mehr), 19.9., 17.9. und 16.9., die Bedeutung von Venus-Aufnahmen von der Erde durch Filter im Kontext der Planeten-Besuche durch die Parker Solar Probe und von Akatsuki im Orbit, der Zerfall des Kometen C/2018 F4 im Detail beschrieben, das BAA Weekly Webinar zur NEOWISE-Erfahrung – und mal wieder ein völlig irrelevanter Besuch eines Mini-Asteroiden bei der Erde, 2020 SW: Der erreicht morgen Mittag MESZ maximal 12 mag. (und wenn es in Europa hell wird, dürften es erst 15 mag. geworden sein). [NACHTRAG: Der Asteroid hat eine ausgeprägte Lichtkurve und ist ein schneller Rotator – ein SW-Tag ist mit 28 Sekunden der neunt-kürzeste bekannte.]

Weit interessanter war dagegen ein richtig erdnaher Kleinst-Asteroid, der gestern früh über Deutschland in die Erdatmosphäre eintrat, der Oberfläche bis auf 92 km nahe kam – und dann wieder in den Weltraum entschwand! Die Grafik trägt Höhe gegen geografische Breite auf, mit der Bahn von rechts nach links: eine erste Analyse aufgrund von Kameradaten der seeehr langsamen Feuerkugel während der Atmosphären-Passage, die sich für die Beobachter – Visuals z.B. hier, hier, hier und hier – quer über den Himmel bzw. hunderte Kilometer über den Boden erstreckte [NACHTRAG: eine ESA-Notiz dazu. NACHTRAG 2: noch mehr Analyse]. Und noch Online-„Poster“ zu den Lyriden dieses Jahr und Videokameras für schwache Meteore von der virtuellen International Meteor Conference 2020.

Die Aufregung um das Bobcat Fire am Mount Wilson Observatory – hier ein Webcam-Bild von vorgestern Nachmittag Ortszeit – ist derweil immer weiter gegangen: Zwar erklärte das Management am 19. September, man sei „sicher“, aber dann musste doch weiter gerungen werden. Zeitraffer vom Nachmittag und Abend des 17. und Abend des 22. September, Bilder und Updates vom 16. bis 23. September hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein weiter Blick und Artikel hier, hier und hier. Auch das vorsichtige Hochfahren des Paranal Observatory und der NSF-Sternwarten, ein Herschel-400-Projekt mit dem eVscope, die Finsternisse 2021 (darunter die erste partielle SoFi in Deutschland seit 2015), ein bisschen Tag-und-Nacht-Gleiche, Versuche, Deep Sky in 3D darzustellen (der Mini-Player-Modus erleichtert Parallel-Stereopsis), Notizen vom Outreach-Meeting während der AG-Tagung – und ein Besuch im Wendland, wie erwartet besonders dunkel. [23:35 MESZ]


22. September

Ein Hubble-Jupiter vom 25. August in ungefähr echten Farben, erzeugt von Christopher Go aus Rohbildern durch passende Filter: Was die NASA veröffentlicht hatte (mehr und mehr und Artikel hier und hier), war dagegen falschfarbig – und das kann Go auch. Ferner der letzte Betrieb des Ionen-Triebwerks und die Auswahl von 1998 KY26 als neues, zweites Ziel des Hayabusa-2-Mutterschiffs (Artikel hier, hier und hier), die geringe Dichte von Ryugu (mehr), Spuren von Vesta und der große Felsen auf Bennu, der Beginn der Industrie-Arbeit an Hera (mehr, mehr, mehr und mehr), wie weit die Mars-Flotte inzwischen kam (z.B. Tianwen-1 137 Mio. km weit), die lautlosen Start-Vorbereitungen für Chang’e-5 im November, die mögliche Rückkehr der Centaur von Surveyor 2 von 1966 als ‚Asteroid‘ 2020 SO – und ein neuer Bericht des NASA-IG zeichnet ein trübes Bild des wissenschaftlichen Werts von SOFIA … [20:15 MESZ]


16. September

Bobcat Fire 150 Meter vor dem Mount Wilson Observatory

Die Lage für die große – und ebenso historische wie aktive – Sternwarte bei Los Angeles ist 9 Tage nach dem Ausbruch des Waldbrandes kritischer denn je: Weniger als 500 Fuß liegen noch dazwischen, aber es sind starke Feuerwehrkräfte vorbereitet: ein dramatisches Rundschreiben, ein Lageplan, ein Blick von der Seite vorgestern, Artikel von gestern (früher, noch früher) und vorgestern, oben Bilder von ostwärts und südwärts schauenden Webcams von vorgestern früh (mit Mond & Venus) und abends, mit weiteren Bildern vom Abend des 12. bis Morgen des 15. September Ortszeit hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, und Animationen von vorgestern hier, hier, hier, hier und hier. [NACHTRAG: Das Feuer konnte erfolgreich abgewehrt werden! Artikel hier, hier und hier, Postings hier, hier, hier und hier und frühere Artikel hier, hier, hier, hier.] Auch das Griffith Observatory im Rauch, die Lage aus Satelliten-Sicht, ein Update zum Arecibo-Schaden und Reparatur-Plänen (Artikel hier und hier), ein Parlaments-Auftritt von Martin Rees zum SKA, ein Interview zum VLTI-Instrument GRAVITY, ein virtueller Besuch beim Very Large Telescope mit diesem Tool, das Gravitationswellen-Teleskop VIRGO als Meeres- und Erosions-Forscher, eine Planeten-Party in Kanada, das Goldene Zeitalter der Astrofotografie, wofür sie nützlich sein kann – und morgen ist die erste Earth Night in Deutschland.

Der Mars am 12. September – mit den Vulkanen und den Wolken bei Arsia Mons, aufgenommen von Torsten Hansen mit einem 11″-SCT: auch Bilder von gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 13. September (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 12. September (mehr, mehr, mehr und mehr), 11. September (mehr und mehr), 10. September (mehr), 9. September (mehr und mehr), 7. September und 2. September und mit einem 1-m-Teleskop sowie gezeichnet hier und hier. Ferner der Jupiter am 13. September (mehr, mehr und mehr), 12. September, 11. September, 10. September, 9. September (mehr) und 8. September, die drei Ausbrüche dort (mehr, mehr und mehr), der Saturn am 13. September und 10. September (mehr), die drei Planeten im C11, der Uranus vorgestern – und die „Streifzüge“ Nr. 29 über den Stern Fomalhaut und seine staubigen Begleiterscheinungen.

Oben: So sah der kanadische Kleinsatellit NEOSSat den Kometen NEOWISE – auch Bilder vom 10. September, 9. September und 6. September (sowie ein Preis für einen Amateur, der einen km-großen NEO fand, und die Wiederentdeckung von 2011 ES4, dessen Bahn nun gut bekannt ist). Mitte: ein hervorragendes Video einer streifenden Bedeckung eines hellen Sterns durch den Mond gestern – auch drei weitere Videos zusammen [NACHTRAG: und weitere Einzel-Videos hier und hier.] Unten: die aktuelle „Konsens-Prognose“ für den 25. Sonnenzyklus von einem internationalen Panel, der gemäß gleitenden Mittels der Fleckenzahl im Dezember 2019 begonnen hat – demnach sollte der 25. Zyklus mit maximal 115 Flecken etwa so schlapp ausfallen wie der 24., mit dem Maximum sehr grob im Juli 2025. Es kann aber auch ganz anders kommen, etwa wenn die Aktivität jetzt steiler ansteigen sollte als nach dem vorletzten Mininum, wurde gestern in einer Telecon (viele Visuals dazu) und einer folgenden Sendung des NASA-TV klargestellt: auch ein NASA Release, ein Artikel und ein NASA-Blog zum Cycle 25. [1:00 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel zum Zyklus 25 hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Phosphan: ein starker Biomarker auf der Venus?

14. September 2020

Das ebenso giftige wie instabile Molekül Monophosphan PH3 – auch einfach Phosphan bzw. Englisch phosphane oder phosphine – gilt neuerdings als idealer Indikator für Leben auf einem terrestrischen Exoplaneten, weil es durch abiotische Prozesse praktisch nicht entsteht, von anaeroben Mikroorganismen aber produziert werden kann. Und heute wurde (nach allerlei Leaks schon vorgestern) der offenbar überzeugende Nachweis eben dieses Moleküls in der Venusatmosphäre mit zwei Radioteleskopen präsentiert: hier die Absorption, wie sie – nach jeder Menge Korrekturen – das Radiointerferometer ALMA in 2019-er Messungen sieht. Stark ist sie wahrlich nicht, denn die y-Achse ist das Verhältnis Linie zu Kontinuum, und letzteres ist bei einem nahen Planeten reichlich stark.

Zum Vergleich „rohere“ ALMA-Spektren und zwar – von oben – für polare Regionen, mittlere Breiten (nur dort ist das Signal, der Rotations-Übergang 1-0, deutlich) und den Äquatorbereich: Polynome 12. Ordnung werden empirisch angepasst und subtrahiert, um instrumentelle Effekte (den verbreiteten „Ripple“) zu entfernen. Interessanterweise wären die atmosphärischen Bedingungen just in mittleren Breiten noch am „lebensfreundlichsten“: Dort gibt es stabile Hadley-Zellen, in denen sich hypothetische Venus-Mikroben vermehren könnten, zu denen wir später kommen.

Das Phosphan hat nicht nur ALMA gesehen (in diesem Spektrum rot), sondern – mit geringerem Signal-zu-Rausch-Verhältnis – auch das Radioteleskop JCMT auf Hawaii (grün; hier war es 2017 erstmals aufgefallen): Rote senkrechte Linien zeigen jeweils die Differenz, und nur das mutmaßliche PH3-Feature bei ~0 km/s ist im betrachteten Bereich beiden gemein und zugleich breit genug, um signifikant zu sein. 20 parts per billion Monophosphan in einer stark oxidierenden Atmosphäre, wo es absolut keins geben dürfte; „erlaubt“ und auch gesehen wird das Molekül nur auf den Riesenplaneten, in deren Tiefe es entsteht und dann nach oben gespült wird.

Leider ist das Signal aber zu schwach, um seine Variation mit hoher Ortsauflösung auf der Venusscheibe zu kartieren: Hier sieht man die ALMA-Spektren für jedes 1.1-Bogensekunden-„Pixel“ auf dem Planeten, jeweils für ±25 km/s – da ist nichts Signifikantes mehr zu erkennen, das nur beim Addieren über Breitenzonen (2. Grafik) bzw. den ganzen Planeten (1. Grafik) erscheint. Soviel zum Nachweis des Phosphans …

… während dies die Bedeutung der Entdeckung in einer Grafik zusammen fasst: Aufgetragen sind die photochemische Produktion von PH3 (rot) und seine Zerstörung (blau; zwei verschiedene Annahmen) in Molekülen pro Sekunde (x-Achse) gegen die Höhe in km – und die Produktionsrate ist um 4 Zehnerpotenzen zu klein, um die nachgewiesene Phosphan-Menge zu erklären.

In dieser Tabelle sind noch weitere denkbare Quellen des PH3 aufgelistet – und Gründe, warum sie nicht funktionieren. Und genau dieses Ausschließen aller Alternativen ist der Grund, warum die spekulative Hypothese, dass Mikroorganismen die Quelle sind, gewissermaßen übrig bleibt, neben unbekannter Photo- oder Geochemie natürlich, und vom Wesen der Venuswolken ist immer noch vieles unverstanden. Die Schlussfolgerungen des Papers („Extended Data Fig. 10“ ist die obige Tabelle) sind mithin:

Die nächsten Aufgaben sind also der Nachweis weiterer spektraler Signaturen von PH3 (was leider neue Flugzeug- oder Satelliten-Observatorien erfordern würde) – und die Suche nach den Quellen, am besten gleich mit Sondenmissionen vor Ort oder Aerosol-Holen aus der Atmosphäre. Auf die mögliche Bedeutung von Monophosphan als planetare Biosignatur hatte Ende 2019 das Paper „Phosphine as a Biosignature Gas in Exoplanet Atmospheres“ hingewiesen, gut zusammengefasst in diesem Press Release (und Artikeln z.B. hier und hier) und letztens erst von einer Coautorin in diesem Exoplaneten-Vortrag in den Minuten 55 bis 59 diskutiert. Dieselbe – auch Coautorin des Venus-Phosphin-Papers – war just vor einem Monat zudem die Erstautorin eines Papers mit einem „Proposed Life Cycle for Persistence of the Venusian Aerial Biosphere“ gewesen (auch Artikel z.B. hier, hier und hier), auf das wiederum (im allerletzten Satz der Anhänge) das heutige Venus-Phosphin-Paper hinweist.

In dem August-Paper wird eine lebensfreundliche Zone in der Venusatmosphäre zwischen 48 und 60 km Höhe postuliert (gestrichelte Linien), in der die Temperatur zwischen 80°C unten und 0°C oben liegt, bei Drücken um 1 bar. Getrocknete Sporen (1) in einer „Depot-Zone“ in der Venus-Dunstschicht zwischen 33 und 48 km werden dabei von Aufwärtsströmungen (2) in die günstige Zone (wo sich die dichten Venus-Wolken befinden) getragen, wo sie als Kondensationskeime (3) Schwefelsäure und etwas Wasser aufnehmen, mit Stoffwechsel beginnen, sich teilen (4) und große Tropfen bilden (5), die die Schwerkraft wieder in die heiße Tiefe zieht – der Kreislauf schließt sich. Ursprünglich entstanden sind diese Mikroben dabei vor langer Zeit auf der Venus-Oberfläche, als sie noch lebensfreundlich war, und später in die Wolken geflohen.

Auch das Paper „Venus‘ Spectral Signatures and the Potential for Life in the Clouds“ hatte 2018 ein detailliertes Szenario präsentiert, diesmal in 47.5 bis 50.5 km Höhe: „terrestrial-type biology can survive within and contribute to the spectral signatures of Venus‘ clouds“ – wobei letztere z.B. Gegenstand des ebenfalls 2018-er Papers „Venus upper clouds and the UV-absorber from MESSENGER/MASCS observations“ sind, das sich für S2O und S2O2 als Absorber ausspricht. Phosphan dagegen spielt in dem erst einen Monat alten Whitepaper „Deep Atmosphere of Venus Probe as a Mission Priority for the Upcoming Decade“ mit, das sich wiederum u.a. auf das 2019-er PH3-Paper und das das 2018-er zu „Life in the Clouds“ bezieht: Die Phosphan-, Venus-Leben- und Venus-Missionsideen-Szene ist mächtig in Bewegung geraten.

In diesen Minuten beginnt auch eine Pressekonferenz der Royal Astronomical Society zum neuen Paper – die sollte eigentlich ein geschlossenes Zoom-Meeting werden, aber dank (!) der ganzen Leaks wird sie nun öffentlich gestreamt. NACHTRAG:

Drei Visuals aus der Pressekonferenz – auf der Sara Seager erzählte, dass ihre Phosphan-als-Biomarker-Forschung und die Phosphan-Suche der Radioastronomen gar nichts miteinander zu tun hatten und man erst spät und zufällig voneinander erfuhr. Und insgesamt wird sehr deutlich gemacht, dass man keine Entdeckung von Leben auf der Venus verkündet sondern einfach selber keine abiotische Erklärung hat – aber „there might be something we don’t know“.

Hier auch das (in Bruchstücken längst geleakte) MIT-Erklärvideo komplett, es gibt auch ein Factsheet mit Kurzvideo der RAA und Press Releases von MIT und RAS. NACHTRAG 2: das neue Paper komplett, ein zweites viel längeres zur Schwierigkeit, PH3 in dieser Menge auf der Venus zu erzeugen, eine PH3-Fanseite und ein Artikel zweier Co-Autorinnen, Press Releases von Mauna Kea Obs., Uni Manchester, ESO, Imperial College, ALMA, Cambridge Univ., ALMA JP und NAO, detaillierte Threads hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: das publizierte und das zweite Paper im ArXiv, Podcasts mit Beteiligten hier und hier, ein längeres Buch-Kapitel über Venus-Biologie, eine 222-seitige Konzept-Studie für eine große NASA-Venus-Mission im Kontext des Finalisten DAVINCI+ für die nächste Discovery-Mission, Statements vom NASA-Chef, der NASA an sich und Rocket Lab zur Venus-Raumfahrt, Einordnungen des Phosphans von Kevin Zahnle (der ein Gutachter war), Seth Shostak und David Grinspoon, ein Video-Statement von Frank Marchis, weitere Threads mehr oder weniger Involvierter hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Tagesschau-Clip, Scherzchen hier, hier, hier, hier und hier und eine Sammlung solcher. NACHTRAG 4: Erklärungen von Breakthrough Init. und Roskosmos sowie dem NASA-Chef, Video-Experten-Chats hier und hier, ein Scoop, Threads hier (mehr), hier, hier, hier, hier und hier, und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG 5: Schlug Heinz Haber als erster Mikroben in den Venuswolken vor … im Jahr 1951? Der später als populärer Autor und „Fernsehprofessor“ bekannt gewordene deutsche Physiker hatte vor 70 Jahren in den USA für den umstrittenen Luftfahrtmediziner Hubertus Strughold gearbeitet – und diesen bei der Abfassung eines Aufsatzes über Leben auf dem Mars beraten, der im November 1951 im Technical Data Digest des Central Air Documents Office der Luftwaffe erschienen war: In einer Fußnote stehen dabei Habers Venus-Überlegungen zu möglichem Venusleben, die in den folgenden Jahren (und insbesondere 1967 in einem Paper von Carl Sagan) immer wieder in der Literatur auftauchten – jetzt auf deutlich seriöserer Basis als viel frühere Spekulationen. Auch die ersten vier Post-Phospan-Papers A Precursor Balloon Mission for Venusian Astrobiology, Transfer of Life Between Earth and Venus with Planet-Grazing Asteroids, Feasibility Analysis and Preliminary Design of ChipSat Entry for In-situ Investigation of the Atmosphere of Venus und On The Biomass Required To Produce Phosphine Detected In The Cloud Decks Of Venus, eine ESO-Blog-Story, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein längerer Chat und ein kurzer Clip.

Allgemeines Live-Blog vom 4. bis 12. 9. 2020

4. September 2020

12. September

Astra, Kuaizhou: Zwei Fehlstarts binnen weniger Stunden

hat es heute morgen MESZ gegeben. Hier in Alaska Modell Nr. 3.1 der Astra-Rakete, die aber wie alle Vorgänger rasch versagte: ein ferner Amateurfilm und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Kurz darauf scheiterte eine Kuaizhou-1A in China, wobei ein Erderkunder verloren ging: weitere Artikel hier, hier und hier. Dafür ist die Ursache des Delta-IV-Startabbruchs gefunden, ein neuer Versuch wohl bald möglich. [20:35 MESZ]

Das neueste verfügbare Bild von EPIC auf dem Satelliten DSCOVR, das die riesige Rauchwolke über dem Nordostpazifik von den verheerenden Waldbränden an der US-Westküste gut zeigt, von gestern 22:15 MESZ: mehr Satelliten-Bilder & -Animationen hier, hier, hier, hier und hier sowie der Blick vom Mt. Wilson gestern Nachmittag und Abend und heute früh Ortszeit (später) – und der Qualm hat auch schon Deutschland erreicht. Ferner ein aufgegebener Wettersatellit mit neuer Aufgabe, jetzt auch Microsoft mit Satelliten-Experimenten – und eine Simulation zur Frage „How High Do You Have To Be To See The Curvature of The Earth“ in 360°/VR. [20:45 MESZ]

Mit einer Pilot-Phase von Icarus hat der wissenschaftliche Betrieb des ISS-basierten Experiments begonnen, bei dem Zugvögel mit Sendern verfolgt werden sollen – auch ein kommendes Ausweichmanöver für die Raumstation und die Frage, wie lange noch ihr Betrieb sinnvoll ist. Ferner die Folien und eine Aufzeichnung der jüngsten virtuellen Townhall der NASA zur Weltraumforschung, wie PR-Bilder für die NASA hergestellt werden, 30 Jahre ESA-Bodenstation Kiruna, Satelliten-Hoffnungen für die Sonnenforschung, ein langer Vortrag über die ersten eROSITA-Ergebnisse, der Wunsch nach einer Juno Extended Mission am Jupiter, superscharfe Kameras für Japans Mars-Mond-Mission MMX, alles bestens auf Tianwen-1, der 22. Mond-Tag für Chang’e-4 auf der Rückseite des Mondes und Entdeckungen daselbst (mehr), immer noch Kontakt mit Chang’e-3, Chinas Träume einer Forschungs-Station auf dem Mond – und heute vor 50 Jahren startete Luna 16 zum Mond: Es wurde die erste erfolgreiche robotische Sample Return Mission von einer anderen Welt. [20:55 MESZ – Ende]


11. September

Die gigantischen Waldbrände an der US-Westküste aus dem Weltraum gesehen gestern von Sentinel 3: Im Norden schaut gerade noch die Olympic Peninsula aus der Qualmwolke heraus. Auch weitere Satelliten-Perspektiven hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, weitere Webcam-Bilder vom Mount Wilson von gestern Morgen, Nachmittag und Abend und heute früh Ortszeit, Karten des Bobcat Fire hier und hier – und der (wie überall) trübe Himmel über Lick. [18:35 MESZ]

Das größere Bild: eine Satelliten-Aufnahme von heute um 19:20 MESZ, auf der sich der Rauch über dem Pazifik zu einer Art Zyklon formt. Auch eine Mount-Wilson-Animation von heute morgen, Lick völlig verqualmt und das abgebrannte Haus von Richard Berry. Und im Klima-Kontext ein neues Fakten-Papier zum Klima der Helmholtz-Klima-Initiative, eine genauere Rekonstruktion der letzten 66 Mio. Jahre Klima-Geschichte (mehr hier, hier, hier, hier und hier) und das Paper „Setting the tree-ring record straight“ speziell zum Klima im Mittelalter: auch eine PM und ein Artikel. [22:55 MESZ. NACHTRAG: ein Rauch-Zeitraffer vom 7. bis 11. 9. von GOES 17]


10. September

Jetzt bedroht ein Waldbrand das Mount Wilson Observatory

Bilder einer Webcam mit der Sternwarte bei Los Angeles im Vorder- und dem „Bobcat Fire“ östlich davon im Hintergrund, am Abend des 6. und Morgen und Abend des 7. September Ortszeit: die ganze Entwicklung bis jetzt in Standbildern vom Nachmittag des 6. bis zum Mittag des 9. September hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Animationen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Die enormen Brände entlang der gesamten Westküste der USA (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, hier, hier und mehr) haben bereits in Oregon die Wohnung von Richard Berry zerstört, einem prominenten Astrofotografen; die Sternwarte überlebte. [1:15 MESZ]

Die 3.2-Gigapixel-Kamera für das Very Rubin Observatory ist fertig und hat ihre ersten Testaufnahmen gemacht – im Labor und u.a. von Broccoli: auch Artikel hier, hier und hier. Auch ein Vortrag über Speckle-Interferometrie bei Gemini, ein Nachruf auf Govind Swarup, den „Vater der indischen Radio-Astronomie“, ein altes japanisches 6-Meter-Radioteleskop als Astronomical Heritage registiert, eine tiefe SETI mit dem Murchison Widefield Array aber, Überraschung, ohne ein einziges Alien (ein passender Gag dazu) – und der Vortrag „The story of the 3 largest telescopes in the world“. [1:35 MESZ]

Das Minimum der Sonnenaktivität wurde im Herbst 2019 durchschritten, deutet dieses Histogramm der Fleckengruppen pro Monat an, die aufgrund ihrer Magnet-Polarität dem alten und dem neuen Zyklus zugeteilt wurden – der neue (25.) hat v.a. im August spürbar Gas gegeben, mit mindestens einer sichtbaren Gruppe an fast allen Tagen. Auch ein verblasster NEOWISE am 6. September, ein Meteoriten-Regen in Brasilien im August, ein Vortrag über Meteoriten aus der Wiener Sammlung, die Grundlagen der Keogramme von Aurora-Aktivität, das jüngste Astronomy off Tap aus Edinburgh mit zwei Vorträgen zu Supermassive Black Holes, COVID-19-gerechte Sidewalk-Astronomie in Wien – und ein Interview mit Kelly Beatty v.a. über Astro-Zeitschriften und Lichtverschmutzung. [1:50 MESZ]


9. September

Der Mars heute früh – mit einer neuen weißen Wolke über dem Vulkan Arsia Mons, die seit ein paar Tagen für Aufsehen sorgt: dieses Bild ist von Thomas Winterer, gut zu sehen war die Wolke auf auf Bildern anderer vom 4.9. (eine der ersten Sichtungen), 6.9., 7.9. und 8.9. aus dem Archiv der JALPO (das jüngste Bild der Gegend von der VMC auf dem Mars Express ist leider vom Juli): noch mehr Märse von heute (mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr und mehr), dem 6.9. (mehr, mehr, mehr und mehr), 5.9. (mehr), 4.9., 3.9., 2.9. und 1.9. (mehr) sowie von mehreren Tagen. Und der Jupiter (mit noch einem neuen Sturm) heute, gestern (mehr, auch erläutert, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr und mehr) und dem 6.9. (mehr). [23:45 MESZ]


8. September

Die Nereidum-Berge auf dem Mars vor 5 Jahren mit der High Resolution Stereo Camera des Mars Express aufgenommen und hier in ungefähr echten Farben dargestellt: mehrere geologische Prozesse haben sich hier verewigt – auch der Nachweis von Marsmond-Transits durch InSight auf überraschenden Wegen und das Gegenstück von Perseverance auf der Erde. Ferner allmählich zunehmende Orientierungsprobleme des HST, der nächste Data Release der Gaia-Mission diesen Dezember, der Stand der Exoplaneten-Atmosphären-Forschung und was künftige Missionen bringen sollen, und beklagte regulatorische Lücken im Weltraum: dazu passend die schockierende ‚Rückkehr‘ einer Raketenstufe nach einem weiteren Gaofen-Start in China. Kontrolliert gelandet ist dagegen das chinesische wiederverwendbare Raumschiff (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), nachdem es etwas im Orbit ausgesetzt hatte (mehr und mehr). Ferner der gefilmte Reentry des Starlink Nr. 40: Bis jetzt sind 17 vom Start 1 und 4 von den folgenden nicht mehr im Orbit, die Konstellation hat derzeit 692 Satelliten – keineswegs alle gesund, just vom letzten Start geht’s mit einem abwärts. Schließlich ein Vortrag über Mega-Konstellationen, ein Talk über Weltraum-Waffen, der 2014-er Artikel, der die Serie „Away“ auf Netflix inspirierte – und im 1. Quartal 2021 soll Richard Branson (nach zwei weiteren Testflügen im Herbst) mit dem SpaceShipTwo beinahe ins All fliegen: Ganz 100 km schafft es ja nicht. [0:25 MESZ] Chang’e-3 tut’s immer noch auf dem Mond, seit 2013. Die chinesische Stufen-‚Landung‘ macht Sorgen. Der Test des wiederverwendbaren Raumschiffs bleibt mysteriös. Und der sinkende frische Starlink scheint gerettet … [18:15 MESZ]


6. September

Jede Menge Detail auf dem Mars gestern früh gegen 4 Uhr MESZ auf einem Bild von Thomas Winterer mit einem 20″-Newton und einer ASI290MM. Weitere Aufnahmen von gestern hier, hier, hier, hier und hier, vorgestern hier, hier und hier, dem 3. September hier und hier, 2. September hier, hier und hier, 1. September, 30. August hier, hier und hier und 27. August – und der Jupiter (mit einem weiteren kompakten weißen Sturm) vorgestern hier und hier, am 3. September hier, hier, hier, hier, 2.Juli hier (Erklärung) und hier, 1. September hier, hier, hier und hier, 31. August hier und hier und 30. August hier, hier und hier sowie in den Streifzügen durch das Universum Nr. 27. [1:55 MESZ]

Der Mond beim Mars kurz vor 3 Uhr: Bis in die Morgendämmerung werden sich die beiden noch deutlich näher kommen. Auch der Mars am 31.8. und vorgestern, die Kometen NEOWISE & Co. vorgestern, ein völlig irrelevanter NEO mit kaum bekannter Bahn, ein neuer großer Impaktkrater in Westaustralien, die historische Bedeutung des nochmal davon gekommenen Lick Obs., ein Vortrag über Astronomical Discoveries of the Ancient Greeks, das Potenzial des Iran für Astro-Tourismus – und Astronomie im Biergarten in Essen. [3:20 MESZ]

Knapp 2½ Stunden nach dem Bild oben waren sich Mond und Mars schon näher gekommen (mehr in diesem Album): auch der Anblick am Morgen – und aus der Zone, wo der Mond den Mars bedeckte, ein Zeitraffer-Video und Bilder etc. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch der Mars im Detail heute, gestern (mehr) und am 3. September sowie gezeichnet, der Jupiter heute und gestern (mehr) – und eine Analyse der Perseiden 2020, insbesondere der Radio-Echos. [20:30 MESZ. NACHTRÄGE: mehr Mond über oder beim Mars – mit Details auf letzterem – hier (!), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


4. September

Zwei Raketen, keine 11 Stunden, 113 (oder 125) Satelliten

Vermutlich ist es ein Rekord: Gestern sind um 3:51 und 14:46 MESZ eine Vega in Französisch-Guyana – der Return to Flight nach über einem Jahr – mit 7 kleinen Satelliten (inklusive 12 Subsatelliten) und 46 CubeSats und eine Falcon 9 am Cape mit 60 Starlink-Satelliten gestartet: zum Vega-Start allgemeine Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, der Webcast und daraus der Start, Details zu den Satelliten Simba, PICASSO, FSSCat F, ESAIL (mehr), Hämarik, CICERO, Iris, IOD-5 TARS und den 26 Doves und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und schon bald der nächste KI-Satellit der ESA – und ein chinesischer Start einer Art Weltraum-Flugzeug: Gedanken zum Orbit hier und hier.

Vom Falcon-Start weitere Fotos hier und hier, der Webcast und das Aussetzen der Starlinks daraus als Clip und Screenshots, ein offizielles Wort zu ersten Tests der Konstellation und Artikel zu Start wie Status hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Derweil hat es den ersten unkontrollierten Reentry eines früh ausgefallenen Starlinks gegeben, die Versagensrate wirft Fragen auf, es gab einen Vortrag zu Megakonstellationen und astronomischen Folgen – und jetzt will auch das Pentagon hunderte Satelliten haben. Ein weiterer ‚Starship‘-Protoprototyp hat ebenfalls gestern einen Hüpfer getan: ein Screenshot aus diesem Webcast, weitere Bilder hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier. Und beim letzten Electron-Start war noch ein firmeneigener Satellit an Bord: Artikel hier, hier, hier und hier.

Zwar ein Uralt-Bild des Hubble Space Telescope, noch mit der Kamera WFPC2 aufgenommen, aber trotzdem schön: ein kleiner Ausschnitt aus dem 10- bis 20’000 Jahre alten Supernova-Überrest Cirrus-Nebel. Auch die Fertigstellung des Hauptspiegel für’s Roman ST, geb. WFIRST, die Wiederaufnahme der Starts von Forschungsraketen und Flügen von SOFIA, die ruhige Cruise von Hope zum Mars, Fortschritte bei ExoMars mit dem Rover, der Einsatz von KI für’s Weltraumwetter, DNA Damage and Survival Time Course of Deinococcal Cell Pellets During 3 Years of Exposure to Outer Space auf der ISS als Beitrag zur Panspermie-Forschung, was letztens sonst auf der ISS geforscht wurde (u.a. zu Meteoren), die weiterhin ergebnislose Suche nach dem kleinen Leck, ein weiterer Booster-Test für das SLS, ein Talk über Apollo und die Medien, ein eventuelles juristisches Kuriosum um die Apollo-Steine (es ist jedenfalls schwierig mit dem Mond-Recht) – und ein Astronautical Glossary. [20:30 MESZ]

Ungewöhnliche Gravitationwelle – mit Leuchten?

2. September 2020

Das Signal ist stark, die Interpretation der Daten der drei aktiven Gravitationswellen-Detektoren (2 x LIGO + VIRGO) aber nicht ganz so eindeutig wie bei den bisher publizierten Ereignissen: GW190521, dessen vorläufige Bezeichnung S190521g war, hatte am 21. Mai 2019 – während des ersten Teils des Detektor-Laufs O3 – nur 1/10 Sekunde gedauert und nur 4 Schwingungen mit 30-80 Hertz umfasst (oben vom LIGO-Livingston-Detektor, x-Achse mit 0.05-Sekunden-Raster). Dazu könnten im Prinzip eine ganze Reihe exotischer Deutungen passen, aber wahrscheinlichsten scheint den Auswertern wie bei den meisten Gravitationswellen-Ereignissen zuvor die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher in einer sehr fernen Galaxie (Leuchtkraftdistanz diesmal grob 5 Gigaparsec, Rotverschiebing 0.8±0.3) – allerdings mit deutlich höheren Massen als bisher gesehen, was sind dem kürzeren Signal und der niedrigeren Frequenz niederschlägt:

Die beiden Schwarzen Löcher hatten nämlich der Analyse zufolge 85(+21/-14) bzw. 66(+17/-18) Sonnenmassen (oben: Wahrscheinlichkeiten für das größere in der x- und das kleinere in der y-Achse), und heraus kam ein neues Schwarzes Loch von 142(+28/-16) Sonnenmassen, während rund 8 Sonnenmassen in Energie umgewandelt wurden: ein deutlich dickerer Fall als alle zuvor vom Projekt selbst publizierten (unten), auch wenn andere Auswertergruppen in den Runs O1 und O2 ebenfalls extra-fette Verschmelzungen gesehen zu haben glauben. Das resultierende Schwarze Loch wäre der erste quasi direkt nachgewiesene Vertreter der hypothetischen Intermediate Masse Black Holes (IMBH) mit 100 bis 100’000 Sonnenmassen zwischen den stellaren und den supermassiven in Galaxienzentren, für deren Existenz es bisher nur kontroverse Röntgenbeobachtungen gab. Und mindestens das schwerere der beiden Verschmolzenen hätte schon zuvor eine unerwartet große Masse besessen. Denn schwerer als 60 bis 65 Sonnenmassen dürfte kein durch Stellarevolution – Stichwort: Paar-Instabilität – entstandenes Schwarzes Loch sein (erst ab grob 120 Sonnenmassen wären sie dann wieder ‚erlaubt‘), und die Wahrscheinlichkeit, dass das schwerere Schwarze Loch weniger als 65 Sonnenmassen hatte, beträgt nur 3.2 Promille. Da müssen also alternative Entstehungswege untersucht werden, z.B. dass es selbst das Produkt einer früheren Verschmelzung war.

Und dann war da noch eine mysteriöse Beobachtung der Zwicky Transient Facility gewesen (Press Releases hier, hier und hier), die 34 Tage nach S190521g ein Aufleuchten in einer fernen Galaxie registriert hatte: hier die Lichtkurven im g- und r-Band, x-Achse in 100 Tages-Raster, y-Achse in 0.2 mag. Die ZTF-Beobachter halten einen Zusammenhang mit der Gravitationswelle für wahrscheinlich (deren LIGO/VIRGO-Analyse sie nicht kannten, aber aus den wenigen in Echtzeit publizierten Informationen über das Ereignis waren auch sie auf insgesamt involvierte 150 Sonnenmassen gekommen) und denken dabei an das vor einem Jahr postulierte Ram-pressure Stripping of a Kicked Hill Sphere in der Akkretionsscheibe eines Aktiven Galaktischen Kerns als Emissionsprozess. Die LIGO/VIRGO-Autoren nehmen das erst vor zwei Monaten publizerte ZTF-Paper unkommentiert zur Kenntnis, weisen aber darauf hin, dass elektromagnetische Strahlung überhaupt nur dann zu erwarten wäre, wenn die Schwarzloch-Verschmelzung in solch einer AGN-Scheibe stattgefunden hätte – die überdies eine gute Umgebung für hierarchisches Schwarzloch-Wachstum wäre.

„The LIGO results are very exciting,“ schreibt dazu der erste Autor des ZTF-Papers Matthew Graham diesem Blog: „they agree with our mass estimate as well as our prediction that there was a high likelihood of significant spin as required for a merger in an AGN accretion disk. The LIGO results suggest that we are looking at a 2g + 2g merger so the two black holes were the results of previous mergers and this scenario really requires an AGN accretion disk environment.“ Allerdings hatte die ZTF-Quelle eine Rotverschiebung von 0.44, während LIGO die Schwarzen Löcher bei grob 0.8 sieht. Graham: „As you note the spatial localization has been revised so that the distance has increased somewhat and that places our quasar just outside the new 90% confidence limits so the likelihood of association is reduced. However, until the full data is released by LIGO I cannot say by how much. This is a stunning result, though, and raises as many questions as it answers.“ NACHTRÄGE: jede Menge weitere Links inkl. zweier Papers, auf denen dieser Artikel basiert, ein detaillierter Hintergrund (mit Erwähnung der ZTF), eine Zusammenfassung in Deutsch, die Frage der Distanz, Press Releases in vielen Sprachen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und schon früher hier – und ein Webinar, ein Mini-Video und das Ganze in 13 Minuten erzählt („Streifzüge durch das Universum“ Nr. 28).

Allgemeines Live-Blog vom 29. – 31. August 2020

29. August 2020

31. August

Der erste Start von Cape Canaveral seit 1969 nach Süden

auf eine polare Umlaufbahn ist vergangene Nacht von einer Falcon 9 mit dem argentinischen SAOCOM 1B (mehr und mehr durchgeführt worden: weitere Fotos von Start und Landung der 1. Stufe am Cape hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die hohe Rakete über Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, die Live-Übertragung des Starts (auch Clips von Lift-Off, Landung und Aussetzen der Haupt-Nutzlast sowie ein Thread mit Screenshots), ein vertikaler Zeitraffer, Amateurfilme hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Keine vier Stunden später schon der nächste Start, diesmal in Neuseeland eine Electron – der Return to Flight nach deren erstem Fehlstart und die 14. Mission – mit ebenfalls einem Radarsatelliten: die Live-Übertragung, Clips von Start und Staging (das Aussetzen des Sequoia-Satelliten zu zeigen hatte der Kunde verboten, ungewöhnlich in der zivilen Raumfahrt) und Artikel hier, hier, hier und hier. Derweil gibt es grünes Licht für die Vega und deren Return to Flight (über ein Jahr nach ihrem ersten Fehlstart) mit gleich 53 Mini-Satelliten am 2. September um 3:51 MESZ, der nächste Starlink-Start ist nun am 3. September um 14:46 MESZ geplant (während die bisherigen Satelliten nicht überzeugend arbeiten sollen), der Starliner soll wieder fliegen, vermutlich sind nur Russen auf Soyuz MS-18 – und Chang’e-4 arbeitet nun schon 600 Tage auf der Mond-Rückseite. [21:50 MESZ – Ende. NACHTRAG: Der Vega-Start wird verschoben – wegen eines Taifuns]


30. August

Das war knapp: So nah kam der Waldbrand an das Lick Observatory heran früher in diesem Monat – eine Aufnahme vom Kepler Peak aus. Auch die lamgsame Rückkehr der Sternwarten der ESO, die Bedeutung von MAGIC für die Erforschung von GRBs, ein toller Vortrag von Jocelyn Bell über die Entdeckung der Pulsare, A Walking Tour of Optical History (ein Vortrag über das Astronomical Lyceum in Magdalena) und das bedenkliche Paper Open is not forever: a study of vanished open access journals. Ferner die Supernovae 2020rcq und 2020nlb, eim mögliches Ende des neuerlichen Einbruchs von Beteigeuze [NACHTRAG: den weitere DSLR-Photometrie von Vollmann in der Tat bestätigt] – und beachtliche Green Flashes hier und hier sowie eine Video-Vorschau auf den September.

Komet C/2020 Q1 (Borisov) bei NGC 1907 am 25. August von Michael Jäger mit 12″ aufgenommen – auch der neue Komet C/2020 M3 (ATLAS) vorgestern deutlicher heller als erwartet, NEOWISE in den letzten Tagen hier, hier, hier, hier und hier sowie Juli-Zeitraffer und Artikel hier, hier (vermittelt durch diesen Blogger) und hier. Und der Jupiter gestern, vorgestern, am 26.8. mehr) und 25.8. sowie jede Menge Bilder des neuen weißen Sturms, der Saturn am 27.8. und mit Oppositionseffekt der Ringe, der Mars heute (mehr), gestern, vorgestern (mehr), am 27.9. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 25.3. und 20.8. (mehr) – plus ein Nachweis der Uranus-Ringe?? [21:55 MESZ]


29. August

‚Hot Fire Abort‘ einer Delta IV – vier andere Starts bis 1.9.?

„And Liftoff!“ hatte der Startkommentator – im Webcast in Minute 1:44 – schon gerufen, aber über den Pre-Burn der Radially Outward Firing Initiators war die Delta IV (mit einem NRO-Satelliten) letzte Nacht nicht hinaus gekommen: Etwa drei Sekunden vor dem Start kam es zu einem automatischen Abbruch, und bis zum nächsten Versuch dauert es mindestens 7 Tage (weitere Artikel hier, hier, hier und hier und zuvor hier und hier). Damit wird es schon mal nichts mit drei Starts vom Cape an einem Wochenende in drei verschiedene Richtungen, und es blieb zunächst unklar, was aus den geplanten zwei Falcon-9-Starts innerhalb von 9 Stunden morgen wird: Bei ersten sind 60 weitere Starlinks an Bord (es wurde übrigens schon wieder ein alter versenkt), beim zweiten ein Satellit aus Argentinien, der auf eine polare Bahn soll. Weiter sind noch für die Nacht 30./31. August der nächste Start einer Electron und für die Nacht 1./2. September der nächste einer Vega geplant.

Ein seltenes wolkenloses Bild von Island von Copernicus Sentinel-3 vom 14. August – auch wie Satelliten die Folgen des Hurrikans Laura beobachen, fünf Konzeptstudien für NASA-Missionen im erdnahen Raum, weitere Fortschritte beim Mars-Maulwurf und ein weiterer Meilenstein für Lucy zu den Jupiter-Trojanern. Und kommende Nacht stürzt der Satellit OGO-1 in den Pazifik, der 1964 gestartet und seit 1971 aufgegeben worden war: Erst vor Tagen war er auf seiner elliptischen Bahn zufällig entdeckt (und kurz für einen Asteroiden auf Kollisionskurs gehalten) worden – auch ein U. Hawaii Release, ein weiteres Bild per Teleskop, frühere und aktuelle Berechnungen und Artikel hier und hier. [16:45 MESZ] Laut der SpaceX-Starts-Seite sind weiterhin beide Falcon-9-Starts morgen geplant, obwohl die Delta IV auch noch da ist. [21:30 MESZ. NACHTRAG: vermutlich ein Video vom Reentry von OGO-1 aus Polynesien. NACHTRAG 2: Wetterhalber ist der Starlink-Start abgesagt worden: frühestens 1.9. Auf den 2. Start wird weiter gehofft. NACHTRAG 3: die letzten Amateur-Beobachtungen von OGO-1 vor dem Reentry]

Megakonstellationen vs. Astronomie: viele Fragen

28. August 2020

Vor 15 Monaten brach das Problem der Megakonstellationen von Satellitenschwärmen im niedrigen Erdorbit mit dem Start der ersten 60 Starlink-Satelliten über die herzlich unvorbereitete Astronomenwelt hinein, aber erst seit diesem (Früh-)Jahr wird die Problematik allmählich systematisch verstanden, wie in Artikeln vom Mai, Juni, Juli und August anhand von Dokumenten und zwei großen Tagungen bereits ausführlich dargestellt wurde.

Am 25. August nun wurde das Papier Impact of Satellite Constellations on Optical Astronomy and Recommendations Toward Mitigations vorgelegt und auf einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt, das aus einem virtuellen Workshop der National Science Foundation der USA und der American Astronomical Society vor zwei Monaten hervorgegangen war, in den wiederum Papiere von vier Arbeitsgruppen im Vorfeld eingeflossen waren. Die wesentlichen Erkenntnisse gehen nicht über das hinaus, was bereits auf den o.g. Tagungen präsentiert worden war, aber manch interessantes Detail ist hinzu gekommen. Andererseits sind auch erhebliche Mängel bzw. Desiderata unübersehbar: So lagen den Autoren verblüffend wenig handfeste Daten zu den Helligkeiten der Starlinks unter verschiedenen geometrischen Bedingungen (und insbesondere seit Einleitung der offenbar erfolgreichen Maßnahmen zur Reduktion ihrer Helligkeit) vor, für Simulationen wurden gern besonders krasse Szenarien mit zehntausenden Satelliten mehrerer Unternehmen angenommen, an deren Realismus es einige Zweifel gibt, und die Wirkung von Satellitenspuren auf astronomische Sensoren und die Konsequenzen daraus für die Forschung sind meist bestenfalls qualitativ verstanden.

Dies jedenfalls sind die zentralen Forderungen der Autoren, eins von 43 Slides der Pressekonferenz, wobei Option 1 natürlich ironisch gemeint ist. Und man ist sich zugleich sicher, dass keine Kombination realistischer Gegenmaßnahmen – auf Seiten der Satelliten-Betreiber wie der Sternwarten – „den Impakt von Satelliten-Konstellationen auf die optische und IR-Astronomie eliminieren“ kann. (Wobei allerdings zu fragen wäre, um welchen Faktor der Schaden in unterschiedlichen Szenarien des Aufbaus der Megakonstellationen gegenüber dem Ist-Zustand vor dem Beginn der Starlink- und OneWeb-Starts steigt, denn seit 1957 ist ja auch schon so einiges im Orbit platziert worden. Oder wie sich die Aussichten ändern, wenn zwar zehntausende Satelliten starten aber allesamt aktiv verdunkelt werden können.)

Entscheidend für die Verringerung der Folgen ist eine enge Zusammenarbeit mit den Betreibern der Satelliten: Die mögen deren Gestalt und Bahnen im Hinblick auf die Astronomie optimieren und immer genau sagen, wo jeder Satellit ist, so dass die Sternwarten umgekehrt ihr Erscheinen im Gesichtsfeld vorhersagen und sie in den Daten maskieren können. Wenn die Satelliten nicht heller als 7 mag. sind, ist letzteres auch beim am schwersten betroffenen Vera Rubin Observatory (mit Riesengesichtsfeld bei extremer Empfindlichkeit) möglich, da dann zumindest keine Geisterbilder der Satelliten-Trails in der Optik mehr auftreten. Aber die von den Trails selbst betroffenen Pixel sind natürlich für diese Aufnahme verloren, und das läppert sich!

Es folgten noch 10 spezifische Empfehlungen, von der Entwicklung an alle Sternwarten zu verteilender Software zur Optimierung von Beobachtungsplänen zwecks aktiver Vermeidung von Satelliten im Feld und zur kontrollierten Entfernung von Satelliten-Trails über bessere Simulationen der durch solche Maskierung entstehenden Probleme für die Datenanalyse, die Forderung an alle Satelliten-Betreiber, die Grundhelligkeit auf 7 mag. zu drücken, Flares zu vermeiden und kontinuierlich hochpräzise Bahninformationen zur Verfügung zu stellen, bis zum Aufbau eines Beobachtungsnetzwerks für die Satelliten, um endlich die Datengrundlage zu verbessern.

Dass die Helligkeit von Satelliten von einer Vielzahl von Faktoren abhängt, zeigt dieses Histogramm von 281 V-Helligkeitsmessungen von Starlinks Ende Mai und Anfang Juni 2020 mit einem automatisch agierenden 18-cm-Astrografen in Arizona (Anzahl der Satelliten pro Bin gegen die Helligkeit in mag.): Der Mittelwert ist 5.5 mag., es sind ja alles noch Visor-lose, aber die Standardabweichung beträgt immerhin 1.0 mag. und die gesamte Streubreite ist noch viel größer.

Hier sind 26 V-Messungen von Starlinks an einem Abend gegen die Sonnen-Elongation aufgetragen: Sie ist nur einer von einer ganzen Reihe Faktoren, die die Helligkeit eines Satelliten am Himmel bestimmen – weshalb für genaue Modellierungen und Maßnahmen-Planung wesentlich mehr Messungen unter allen erdenklichen Umständen benötigt werden. Da können und sollen sich natürlich auch Amateurastronomen einbringen (ein paar aktuelle Datenpunkte aus der Satelliten-Szene), wobei es bislang aber weder vereinheitlichte Messprotokolle noch eine zentrale Datensammelstelle gibt.

Da die Satelliten auf ihren niedrigen Bahnen rasant am Himmel unterwegs sind, bis 0.8°/Sek, schnell, wird ihr auf den Detektor projiziertes Licht natürlich dramatisch „verdünnt“: Diesen Effekt versucht dieses Diagramm zu demonstrieren, für das ein unverdunkelter Starlink – mit angenommenen 5.5 mag. in 550 km Höhe – mit einer Bogensekunde Auflösung betrachtet wird. Je nach Belichtungszeit (4 Kurven) und Bahnhöhe (x-Achse in km) erscheint dieser Satellit um 10 bis 15 Größenklassen schwächer als wenn er fest am Himmel stände. Diesen enorm für die Astronomie arbeitenden Effekt für eine konkrete Optik und Aufnahme-Situation zu berechnen, ist allerdings nicht trivial. (Aber der Impakt für Nightscape-Fotografen durch 7-mag.-Satelliten dürfte minimal sein, auch wenn es viele sind.)

Mit diesen enormen Satellitenzahlen wurde in den Simulationen für den Workshop operiert: Wie realistisch insbesondere die fast 50’000 von OneWeb sind (die zwar bei der FCC beantragt worden sind, aber auf der Webseite des Herstellers der Satelliten ist nur von „up to 900 low-earth orbit satellites“ die Rede), die wegen ihrer höheren Bahnen besonders lange im Sonnenlicht blieben und so den Schaden vergrößern würden, ist nicht zuletzt angesichts der Turbulenzen um die Firma kaum zu sagen.

Aber man kann ja mal los rechnen: Hier sind 47’844 One-Web-Satelliten in 1200 km Höhe auf drei Bahnneigungen angenommen, 88° (ganz unten), 55° (orange) und 40° (blau), wobei letzere zur Summe (gelb) am meisten beisteuern. Aufgetragen ist hier die Zahl der Satelliten gleichzeitig am Himmel höher als 30° über dem Vera Rubin Observatory in einer chilenischen Sommernacht, wobei die roten Linien Ende bzw. Anfang der astronomischen Dämmerung markieren: Auch um Mitternacht zögen noch 500, näher an der Dämmerung gar 1000 Satelliten über den Himmel, zwar für’s bloße Auge wohl nicht sichtbar, dafür aber für das VRO um so mehr. Nahe und in der Dämmerung wären LEO-Satelliten aller Konstellationen überall und immer ‚bestens‘ von der Sonne beleuchtet, so dass Beobachtungen, die aus Gründen in Sonnennähe stattfinden müssen, besonders betroffen sind: zu den Papieren auch Press Releases von NSF, ESO und IDA (die die schnelle Bewegung der Satelliten übersehen zu haben scheint) und gute bis grottenschlechte Zusammenfassungen der Pressekonferenz hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier]. Derweil hat OneWeb gestern eine FCC-Lizenz für noch mehr Satelliten bekommen, nämlich 1280 Stück in 8500 km Höhe (mehr, mehr und mehr) – und noch drei frühere Artikel zu Amazon/Kuiper, OneWeb und SpaceX, die in den kommenden Tagen das 12. Satellitenpaket (mit jetzt wieder 60 Stück und keinen Co-Passagieren) starten wollen. Während übrigens die Versenkung der V0.9-Satelliten des ersten Starts munter voran schreitet, wobei sie offenbar nochmal ganz besonders hell leuchten können …

Allgemeines Live-Blog vom 17. – 27. August 2020

17. August 2020

27. August

Heute stürzte mal wieder ein (moderat heller) Kreutz-Komet in Sonne, und der betagte SOHO-Satellit schaute mit seinen LASCO-Koronographen zu: mit C3 um 9:18 MESZ (da war die Koma am hellsten) und 12:42 MESZ und mit C2 um 14:36 MESZ – da war der Kometenkopf von der Sonnenhitze schon weitgehend aufgelöst und in eine Trümmerschleppe verwandelt worden. Ob gegen 18:00 MESZ noch etwas das Perihel einen Sonnenradius über der Photosphäre erreicht hat? Auch der Eintritt in C2 animiert (auch in Differenz-Bildern, weitere Zeitschritte hier, hier, hier und hier und der Komet auch beim SDO in der Beacon-Vorschau.

So weit waren die drei im Juli gestarteten Marssonden (und ihre ihnen noch nahen Oberstufen) bis vorgestern gekommen: Hope und Tianwen-1 voran, Mars 2020 etwas zurück – und gerade wurde Hope als vermeintlicher Asteroid ‚entdeckt‘. Auch Artikel zur Cruise von Hope (mehr) und Tianwen, der Ausfall von Wetter-Sensoren auf InSight, eine Verschiebung der Kruste des Jupitermonds Europa, jede Menge Bilder von Chinas Mond-Landern, ein Euro-Instrument für Luna 27, drei neue Namen für Krater auf Pluto – und eine Störung einer Kamera auf Chandra, die aus und wieder eingeschaltet werden soll.

Ein Stück Svalbard, gesehen vom experimentellen ESA-Satelliten OPS-SAT bei seinen ersten Beobachtungen im Juli: mehr, mehr und mehr. Auch Chinas Start von Gaofen 9-05 (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), das Ende der Isolation der ISS-Crew im russischen Segment (Artikel hier, hier, hier, hier, hier und früher), der nächste Starliner-Testflug zum Jahreswechsel und später Jeanette Eps doch noch an Bord (mehr, mehr, mehr und mehr), das JSC vor Hurrikan Laura, der Tod eines Skylab-Astronauten – und ein riesiger Raumfahrt-Katalog und seine Geschichte. [23:15 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die letzten Stunden des Kreutz-Kometen – und noch viel mehr Animationen und Bilder von SOHO und STEREO]


25. August

So sah Gemini Nord die Spirale in der Koma von NEOWISE

am 1. August: vier von einer Reihe Aufnahmen mit dem 8-m-Teleskop und dem Gemini Multi-Object Spectrograph (GMOS) im Licht des einfach ionisierten Heliums, die bisher nur in einer heftig prozessierten Form publiziert wurden; das Bildfeld ist 2 Bogenminuten groß. Die Spirale – aus deren Drehung mit der Zeit eine Rotations-Periode des Kerns von 7½ Stunden folgte – ist auch bestens in Aufnahmen von Bernd Gährken aus dieser Zeit zu erkennen: auch Zeitraffer vom Juli, relativ aktuelle Bilder des auf 8. Größe gefallenen Kometen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier und hier. Plus Radio-Beobachtungen der Delta-Aquariden und Perseiden 2020.

Eine kuriose Grafik – zur großen Bedeutung des Ozons für das Spektrum des Dämmerungshimmels – aus dem ungewöhnlichen Webinar „How the Sun paints the Sky“ (wo sie ab 53:35 erläutert wird) des Ex-ESO-Astronomen Bob Fosbury, der eine Menge kuriose Dinge treibt. Auch der Jupiter gestern, vorgestern (mehr und Details) und am 21. August (mehr, mehr und mehr), 20. August (Details und mehr, mehr, mehr und mehr), 19. August und 18. August, der Saturn am 20. August und der Mars gestern, vorgestern (mehr und bis dann), am 22. August (mehr, mehr und mehr), 21. August (mehr und bis dann), 20. August (mehr und mehr) und 18. August und eine Vorschau auf die Opposition, eine CME auf unerwarteten Wegen (früher), weitere Satelliten-Aufnahmen von Arecibo mit Loch hier und hier – und die Bedeutung der Astronomie für Afrika. [1:55 MESZ]

Ein ungewöhnliches Selfie mit dem Zentrum der Milchstraße ist hier – dank der optischen Eigenschaften eines Rückspiegels – Mehmet Ergün in dieser Einzelaufnahme gelungen, für die er 30 Sekunden stillhalten musste (vgl. ein altes Bild dieses Bloggers mit 40 Sekunden Belichtungszeit). Auch wie nahe das Feuer dem Lick Observatory kam, der Jupiter heute (mehr) und gestern, der Saturn vorgestern, der Mars heute (mehr und mehr) und am 22. August – und die Kometen NEOWISE jetzt und in einer originellen Montage (sowie der Nachweis starker 18-cm-Emission des OH-Radikals mit Arecibo vor dem Unfall) und der neue Borisov heute (mehr). [23:35 MESZ. NACHTRAG: ein Briefing über das große Feuer beim Lick Observatory, wo nur ein ungenutztes Wohn-Gebäude verloren ging. NACHTRAG 2: ein Artikel]


21. August

Hubble kam reichlich spät zur NEOWISE-Show und hat erst am 8. August wenig aufregende kernnahe Staubstrukturen aufnehmen können, die immerhin noch die Kern-Rotation verraten: Press Releases hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: sowie Hintergründe zur Beobachtung]. Auch eine weitere Animation von Nahaufnahmen Bennus während der Generalprobe der Sample Collection von OSIRIS-REx, die Asteroiden-Missionen Lucy & DART, diverse Kurskorrekturen der Mars-Missionen, wie Perseverance verfolgt werden kann, ein schwedisches Instrument für JUICE, ein Jahre Chandrayaan 2 im Mondorbit (Artikel hier und hier), ein Paper auf der Basis der GRACE-FO-Satelliten zur „Return to rapid ice loss in Greenland and record loss in 2019“ (Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier und hier), wie Radio-Okkultation der Wettervorhersage hilft und die Optical Ground Station 2 (OGS-2) für die Laser Communications Relay Demonstration. Sowie ein kleines Leck in der ISS (mehr und mehr), das russische Forschungs-Modul in Baikonur, das Verglühen des 9. HTV (mehr und mehr) – und ein wohl leicht zu klärender „UFO-Fall“ auf der ISS: ein ebenfalls ahnendes Video und ahnungslose Artikel hier und hier. [23:55 MESZ]


20. August

Lick Observatory knapp großem Waldbrand entkommen

Dramatische Bilder der vergangenen Nacht – um 19:02, 21:12, 23:49 PDT am 19. und 2:03 und 5:28 PDT am 20. August – aus diesem dramatischen Zeitraffer einer der Webcams vom Mt. Hamilton in Kalifornien: weitere Zeitraffer hier, hier und hier, Einzelbilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier bzw. hier, hier und hier, ein erster Press Release der UCSC und Artikel hier, hier und hier, aus denen hervorgeht, dass das Feuer zwar das Gelände der Sternwarte erreichte aber kaum Schäden angerichtet hat, die Gefahr aber auch noch nicht vorüber ist. Auch die kalifornischen Brände aus dem Weltraum hier und hier, NEOWISE hier, hier und in einer Slideshow, ein neuer Borisov, der aber nur 15 mag. erreichen soll (ein Bild), neue Shoemaker Grants, der Antarktis-Meteorit Asuka 12236 für die Astrobiologie relevant, der Jupiter gestern mit dem Ausbruch, der Mars heute, gestern und vorgestern – und drei Videos: Guided by the Night: Can Animals See the Stars?, Light Pollution Project: Interview with John Hearnshaw und Visualizing Gemini: Turnig images into a virtual experience. [22:35 MESZ. NACHTRAG: Fotos der Feuerwehr im Einsatz beim Lick. NACHTRAG 2: die Brände bei Nacht aus dem Orbit gesehen. NACHTRAG 3: Es bleibt gefährlich. NACHTRAG 4: weitere Updates hier, hier und hier. NACHTRAG 5: und hier, hier und hier]


19. August

645 Starlink-Satelliten sind nunmehr im Orbit – und die zwei Methoden zur Verdunklung der neuen funktionieren: hier (von unten) der 11. Start eines Pakets gestern, das Aussetzen dreier SkySats von Planet, bevor 1/2 Stunde später auch die 58 neuen Starlinks entlassen wurden, und der Einfang einer der Hälften der Nutzlastverkleidung durch „Mrs Tree“, während die andere saft wasserte. Die neue Kette wurde zwar in Australien beobachtet, aber wie einem Hinweis auf einer Vorhersageseite zu entnehmen ist, ‚verschwinden‘ die Satelliten nun bald (durch Kantenstellung der Solarzellen zur Sonne) – und es gibt eine detaillierte Beobachtung, nach der ein operationeller Starlink mit Visor nur 7 mag. hell ist, was das erklärte Ziel war. Die 645 im Orbit ergeben sich übrigens nach dem Abzug inzwischen 8 versenkter der Starts 1 bis 11 (L0 bis L10): auch die Live-Übertragung des Starts, weitere Fotos desselben hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, wieder aus dem Webcast die sechste (!) Landung derselben 1. Stufe, der Fairing-Fang und das Aussetzen der Starlinks, ein versuchter Amateurfilm, ein Press Release von Planet und Artie zum Start hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, zu Starlink allgemein hier, hier und hier und zum Konkurrenten von Amazon hier und hier.

Heute vor 60 Jahren flogen die Hunde Белка und Стрелка in den Orbit und kehrten am nächsten Tag wohlbehalten zur Erde zurück: mehr zum ersten Raumflug von Tieren mit Rückreise hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier]. Auch ein Nachruf auf Jürg Meister von der Uni Bern, der am Sonnenwind-Fänger von Apollo 11 beteiligt war, die Abreis des 9. HTV von der ISS und die deutsche Raketen-Idee HyImpulse vor dem Test 2022. Die Kapsel von Hayabusa 2 darf nun offiziell in Australien landen, was das Seismometer auf InSight sieht, die erste Kurskorrektur von Hope, unabhängige Übersicht der Mars Sample Return Mission, eine JunoCam-Slideshow, weiter Ärger mit dem Europa Clipper, eine mögliche private Venus-Mission, lange Papers über das Instrument SIMBIO-SYS, das Spectrometer and Imaging for MPO BepiColombo Integrated Observatory SYStem, und das Instrumenten-Konzept ORIGIN (a novel and compact Laser Desorption – Mass Spectrometry system for sensitive in situ detection of amino acids on extraterrestrial surfaces; mehr und mehr) und ein Interview mit dem ESA-Wissenschaftschef G. Hasinger. [22:45 MESZ]


18. August

Mit noch ~7.5 mag. wieder ein südlicher Komet geworden

ist NEOWISE inzwischen – und mit großem Gerät macht er immer noch einiges her, so wie auf diesem Bild von Gerld Rhemann remote aus Namibia vom 9. August (ASA Astrograph 12″ f/3.6, FLI ML 6200, LRGB 8/3/3/3 min.), als die Koma noch etwa eine Größenklasse heller war. Auch eine spektakuläre Schweif-Galerie vom Juli, die Gewinner eines Foto-Wettbewerbs in Indien, ein schier endloser Artikel eines einzelnen Beobachters, noch mehr NEOWISE hier, hier, hier, hier, hier und hier, die Rotation des Kometen-Kerns aus der bekannten Spirale in der Koma abgeleitet – und ein neues Bild des ‚anderen‘ NEOWISE, der nach allgemeiner Auffassung sein Perihel im Oktober nicht überstehen sollte. Auch Sprites und Perseiden auf einem Bild, Sprites und Starlinks auf einem Nachtsicht-Video, die bald erscheinende nächste Decadal Survey der US-Astronomie, ein großer Waldbrand („Ranch Fire“) vom Mount Wilson aus gesehen (mehr und mehr) – und eine Video-Reihe „Astro in the Home“ mit Experimenten.

Ein Riesenerfolg geworden ist die umfassende Beobachtung einer Sternbedeckung durch den sehr großen Transneptun (307261) 2002 MS4 in Südeuropa am 8. August: In die Auswertung hier geht erst ein Bruchteil der bis gestern bekannt gewordenen fast 60 gemessenen ‚Sehnen‘ ein, die einen absoluten Rekord für eine TNO-Bedeckung darstellen – der Durchmesser des Transneptuns wird sich bald genauer angeben lassen. Auch der sehr nahe Erdbesuch eines Mini-Asteroiden vorgestern, der 2020 QG heißt, 3-6 m groß ist und dem Erdzentrum bis auf 9300 km nahe kam oder der Oberfläche auf 2900 km, der Jupiter am 15.8. (mehr), 14.8. (mehr) und 13.8. sowie eine farbige Foto-Karte von 1950 (jetzt erstellt), der Mars gestern, vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr), dem 15.8. (roh und mehr) und 13.8., eine mögliche neue Rekord-Temperatur auf der Erde von 54.4°C (mehr, mehr und mehr), die Erforschung der South Atlantic Anomaly, die Venus vorgestern und zuvor die Nachtseite im IR – und auf der Sonne ein C-Flare am 15.8. und ein B-Flare vorgestern mit ggf. leichter Wirkung auf die Erde. [0:10 MESZ]

Der Umbau des Bochumer Planetariums schreitet voran, mit der Entfernung der alten Bestuhlung und Tests der neuen Projektoren. Auch die Reparatur-Pläne für das Arecibo-Teleskop, der Jupiter gestern, der Mars heute (mehr), gestern und vorgestern, übertrieben viel Text zum Mini-Asteroiden in Erdnähe – und mehr NEOWISE hier, hier (nebst anderen Kometen), hier, hier, hier, hier und hier. [18:45 MESZ] Und hier, hier, hier und hier sowie 29P heute nach dem Ausbruch, was Meteoriten-Jäger so treiben, noch mehr Rummel hier und hier um den Besuch des Mini-Asteroiden, der Mars heute hier, hier und hier, etwas los auf der Sonne – und die Abschaltung unnötiger Lampen im Sternenpark Rhön. [23:40 MESZ. NACHTRÄGE: am Ende auch noch Caltech und JPL Releases (und Artikel hier, hier und hier) zu 2020 QG – dabei war eigentlich die Tages-Feuerkugel von 1972 der erdnächste Asteroid, der wieder ging. Und ein heller kompakter Ausbruch auf dem Jupiter nebst einem Thread dazu und weiteren Bildern hier und hier]


17. August

Der erste Start einer Ariane 5 seit genau einem halben Jahr

ist in der Nacht 15./16. August – nach Verschiebungen durch COVID-19, einem Startabbruch im Juli und zuletzt Wettersorgen – problemlos verlaufen, und gleich drei Satelliten gelangten in den Orbit: Arianespace und ESA Releases, eine Ariane Group PM, ein Foto, ein Clip aus der Live-Übertragung, der Start exzellent aus einem Flugzeug gefilmt [NACHTRAG: noch ein Video] und Artikel hier, hier, hier und hier. Auch der nächste Falcon-Starlink-Start voraussichtlich morgen (und Astro-Sorgen auch wegen der Amazon-Satelliten), weitere Entwicklungen bei der Electron hier und hier, gleich 11 Satelliten beim nächsten Versuch von Virgin Orbits LauncherOne, eine Doktrin für die ‚Space Force‘ (Artikel hier und hier), ein sehr langes Interview mit Rogozin zu vielerlei russischen Plänen (mit Crew-Dragon-Dissen, auch hier diskutiert), die NASA als Quelle für Soyuz-News – und erst 2021 die ersten Kunden-Flüge von Virgin Galactic, Branson selbst inklusive. [1:00 MESZ. NACHTRAG: ungewohnte Perspektiven des Ariane-Starts]

Beteigeuzes „Großes Verblassen“: fünf Papers …

16. August 2020

Mit der Helligkeit des roten Schultersterns des Orion (oben: vorgestern in Rumänien aufgegangen, von Valentin Grigore) geht es schon wieder erheblich bergab (Mitte: Messungen des Satelliten STEREO-A, während er von der Erde aus zu sonnennah war, unten Photometrie in grün und visuelle Schätzungen von Anfang August 2019 bis jetzt aus der AAVSO-Datenbank) – und dabei ist der große Helligkeitseinbruch, das „Great Dimming Event“, des vergangenen Winters noch gar nicht eindeutig verstanden. Aber es gibt schon eine ganze Reihe Papers mit speziellen Beobachtungen, die verschiedene Schlaglichter auf das Phänomen (ganz unten) werfen, ohne dass sich allerdings schon ein alle Daten erklärendes Gesamtbild geformt hätte.

Spatially Resolved Ultraviolet Spectroscopy of the Great Dimming of Betelgeuse von dieser Woche: Hier sind übereinander die V-Helligkeit während des großen und des vorangegangenen ’normaleren‘ Minimums und Messungen der Radialgeschwindigkeit der Photosphäre in km/s mit dem Teleskop STELLA auf Teneriffa (minus 21.9) aufgetragen – bis Herbst 2019 blähte sich der Stern demnach auf, und Photosphärengas bewegte sich Richtung Erde, dann zog er sich zusammen, während die Helligkeit in den Keller ging, und im April begann er wieder zu wachsen. Das ist alles im Prinzip „normal“, die seit Jahrzehnten präsente etwa 420-tägige Periodizität in der Helligkeit wurde schon länger einer ziemlich simplen radialen Pulsation zugeschrieben. Allerdings wurde Beteigeuze – Mitte Februar – finsterer denn je, mit 1.6 mag.(V) über eine Größenklasse schwächer als die ‚typischen‘ 0.42 mag. Interessant sind nun räumlich aufgelöste UV-Spektren mit dem Instrument STIS auf dem Hubble Space Telescope, deren Aufnahmezeitpunkte die roten Linien markieren.

Hier sieht man die Veränderungen der Magnesium-II-Linien (Fluss gegen Ångström) im südöstlichen Teil des Beteigeuze-Scheibchen mit der Zeit: im Oktober 2019 viel stärker als Anfang 2019 oder auch während des Great Dimmings. Da diese Linien Auskunft über die Chromosphäre des Sterns geben, muss diese vor dem Dimming in dieser Region deutlich heißer geworden sein. Dasselbe gilt für die Photosphäre darunter, denn auch das UV-Kontinuum wurde dort während dieser Phase deutlich heller: Die Temperatur stieg von 5000 auf etwa 5600 Kelvin. Und danach war die Elektronendichte erhöht, was Messungen an Kohlenstoff-II-Linen zeigen.

Aus diesen Beobachtungen wird folgendes Szenario entwickelt (das diese künstlerische Darstellung ‚von der Seite‘ zeigt): Von September bis November 2019 entstand, während der Stern noch expandierte, in der oberen Photosphäre und unteren Chromosphäre seiner Südhemisphäre eine helle, heiße und dichte Struktur, die sich nach außen bewegte. Solche Objekte wurden schon früher im Zusammenhang mit den ausgeprägten Konvektionsbewegungen des Riesensterns beobachtetet – und diesmal fiel die Entstehung mit der Expansionsphase des ganzen Sterns zusammen, wodurch der Effekt ungewöhnlich stark ausfiel. Das ausgeworfene Material kühlte sich dann ab, und es kondensierte eine Menge Staub über dem südlichen Teil Beteigeuzes: Der sorgte für den Absturz der visuellen Lichtkurve und könnte die Verdunklung nur des halben Sterns auf den berühmten Aufnahmen des SPHERE-Instruments am VLT erklären (die übrigens weiterhin lediglich über den Press Release publiziert sind).

Differential Speckle Polarimetry of Betelgeuse in 2019-2020: the rise is different from the fall kann ebenfalls mit räumlich aufgelösten Bildern aufwarten, oben ein Auszug und hier eine Animation: sie entstanden mit dem SPeckle Polarimeter (SPP) am 2.5-m-Teleskop des Caucasian Mountain Observatory vom SAI MSU und zeigen die Staubumgebung des Sterns etwa einen Beteigeuze-Radius über seiner Photosphäre in polarisiertem Licht. Die kommenden und gehenden Strukturen hängen wohl mit den großen Konvektionszellen von Beteigeuze zusammen, über denen sich Staubwolken bilden. Der polarisierte Gesamtfluss war noch bis Mitte Februar konstant, dann verdoppelte er sich: Die Staubwolke dürfte mehr Licht gestreut haben, als sich sich ausdünnte, während sie sich vom Stern entfernte, der dann dadurch wieder heller wurde.

Betelgeuse fainter in the sub-millimetre too: an analysis of JCMT and APEX monitoring during the recent optical minimum meldet dagegen starke Zweifel an, dass Staub überhaupt eine Rolle bei der Verdunklung von Beteigeuze gespielt hat: Messungen mit den Submillimeter-Teleskopen JCMT (grün: 450 µm, rot: 850 µm) und APEX (lila: 870 µm) zeigen nämlich, dass es auch bei diesen langen Wellen während der optischen Finsternis (blau) um etwa 20% bergab ging – und wenn letztere von Staub in der Sichtlinie verursacht worden wäre, hätte die Sub-mm-Helligkeit nicht betroffen sein sollen. Die Radioastronomen tippen daher auf Veränderungen der Photosphäre selbst als Ursache für den Helligkeitsabfall, sei es eine globale Temperaturabnahme um 200 Kelvin oder das Auftreten großer um 400 Kelvin kühlerer Sternflecken auf der halben Sternscheibe.

Betelgeuse Just Isn’t That Cool: Effective Temperature Alone Cannot Explain the Recent Dimming of Betelgeuse hatte sich dagegen noch während des Great Dimmings klar für Staubbildung als Ursache ausgesprochen: Die Titanoxid-Emissions-Linien im (hier normalisierten und Kontinuums-bereinigten) Spektrum, ein empfindlicher Anzeiger für die Sterntemperatur, hatten sich 2020 gegenüber dem Normalzustand so gut wie gar nicht verändert, die Temperatur war nur um 50±50 Kelvin niedriger – und grauer Staub damit die wahrscheinlichste Erklärung.

SOFIA-EXES Observations of Betelgeuse during the Great Dimming of 2019/2020 schließlich zeigten kaum Veränderungen an infraroten Linien zwischen dem hellen Zustand Beteigeuzes (Cycles 2 und 5) und während des Great Dimmings (Cycle 7), hier an der [Eisen-II]-Linie bei 26 µm. Das sind auch schon alle bisher erschienenen Papers mit konkreten Beobachtungen des Dimmings (sonst gab es noch Betelgeuse – A Century and more of Variation, ALMA and VLA reveal the lukewarm chromospheres of the nearby red supergiants Antares and Betelgeuse und Early Warning Signals Indicate a Critical Transition in Betelgeuse): Ein eindeutiges Bild zeichnen sie nicht, und wesentliche Schlüsse (dass es Staub war in den Papers 1, 2 und 4 bzw. dass es die Photosphäre war in Paper 3) folgen nicht direkt aus den Beobachtungen. Aber da kommt sicher noch mehr, und insbesondere SPHERE könnte einiges zu bieten haben: zum Paper 1 noch Press Releases hier, hier, hier, hier und hier, zum Paper 3 eine Pressemitteilung, ein Thread und die Ablehnung der Folgerungen durch einen Autor von Paper 4, zum Antares-Paper ein Press Release und Artikel vom 14. August (mehr, mehr und mehr), 13. August (mehr), 10. August, 29. Juni, 28. Juni, 28. April, 27. April, 18. April, 15. April und 11. April.

NACHTRAG: Die „Streifzüge durch das Universum“ Nr. 25 sind quasi die Verfilmung dieser Seite – auch ein Thread zur Frage, ob der neuerliche Abfall nun „unerwartet“ gekommen sei oder halt typisch Beteigeuze ist (der nunmal „halb-periodisch“ und nicht streng periodisch mit 400 Tagen oder so pulsiert) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie einer über die Rückkehr Orions an den Himmel, kurioserweise ohne jede Erwähnung des neuerlichen Einbruchs.

Allgemeines Live-Blog vom 9. bis 15. August 2020

9. August 2020

15. August

Die verschmelzenden Galaxien NGC 1614 aus Hubble-Sicht, wobei Aufnahmen mit der ACS und der WFC3 durch verschiedene Filter gemischt wurden. Auch ein Vortrag über den Solar Orbiter, zwei Jahre Parker Solar Probe unterwegs, die erste Bahnkorrektur von Mars 2020 [NACHTRAG: ein später Artikel], wo auch Ingenuitys Batterie geladen wurden, verschärfte Planungen für die Mars Sample Return Mission, 15 Jahre Mars Reconnaissance Orbiter und mögliche Umweltverschmutzung auf dem Mond durch zu viele Lander. Auch ein Astronauten-Chat über Fotografie auf der ISS, ein laaanger Film aus dem Fenster, aktuelle Forschung daselbst, ein orbitales Interview, die neue Astronauten-Kultur, der Crew Dragon am Cape, der nächste Start frühestens am 23. Oktober, die Abreise des HTV-9 am 19. August – und unerwartete Bahnmanöver der Starlink-Satelliten des letzten Starts. [23:45 MESZ – Ende]


14. August

Perseiden 2020 schlapp: Die ZHR kam kaum über 80 hinaus

in dieser automatischen Analyse visueller Berichte (ZHR vs. UTC) mit insgesamt 5169 Schnuppen, die bis gerade die IMO erreicht haben und in 36 Bins gesteckt wurden. Knapp 82 wurden dabei am Abend des 12. August erreicht, als z.B. 158 Perseiden in 5 Stunden gezählt werden konnten – aber in der Folgenacht konnten es ebenfalls 80 in 2½ Stunden sein, jeweils bei sehr guten Bedingungen. Auch ein schöner Perseide in Echtzeit (bei Sekunde 40), ein gutes Foto, eine Slideshow aus Radebeul, z.T. gewagte Summenbilder aus Videos (mehr, mehr, mehr und mehr und aus Fotos aus einem Flugzeug-Cockpit, vom Boden (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr (mit Tele, bei M 31) und hier (mit etwas Polarlicht und guten NLC, die auch in Schwerden auf 63°N zu sehen waren) und ein Artikel.

Die Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) und C/2017 T2 (PANSTARRS) am Abend des 12. August aufgenommen von Michael Jäger (L-3x4min RGB 5/5/5min Leica-Apo-Tele f-280/4.3): weitere Bilder des Paars hier, hier und hier, weitere NEOWISEs hier, hier, hier und hier sowie der neue NEOWISE animiert und Lemmon. Auch der Jupiter am 12.8., 11.8., 10.8. und 8.8., der Mars heute und bis heute, gestern, vorgestern (mehr und mehr), am 11.8. (mehr) und 10.8., die Venus am 11.8. – und ein Interview mit Mondmosaik-Spezialist R. Hempel.

Eine Satelliten-Aufnahme des Radioteleskops von Arecibo vom 10. August, dem Tag an dem der Schaden entstand, der im Kontext der Größe der Schüssel – und auch auf weiteren Aufnahmen vom Boden – gar nicht mehr so dramatisch aussieht, und so sieht es inzwischen auch das Observatorium: Artikel hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier und hier] und emsige Spekulationen. Ferner gleich mehrere Aktivitätsregionen des neuen Zyklus auf der Sonne, die schwache Nova in der Cassiopeia wieder fallend, ein ausnehmend fetter Sprite, nette Strichspuren über einer Sternwarte – und auch eine deutsche Fassung des Trailers zu 100 Jahren Planetarium an sich. [23:35 MESZ]


13. August

Das war die Generalprobe der ‚Landung‘ von OSIRIS-REx auf dem Asteroiden-Bennu für die Probenentnahme im Oktober: hier das letzte Bild der Abstiegssequenz (die auch dahinter liegt und auch hier oder hier oder hier zu sehen ist) aus nach widersprüchlichen NASA-Angaben entweder 40 oder 44 m Höhe, jedenfalls ein Annäherungs-Rekord, bevor es wieder zurück ging. Auch das bedauerliche Zerbrechen der Fregat-Oberstufe von SpektrR (Seite 2), die schon mal Ärger machte – und die neueste Starlink-Kette gestern, vorgestern und am 10. August: Inzwischen werden 120 pro Monat hergestellt, und beim nächsten Start (für den 18. August ~16:30 MESZ geplant) wird eine besonders oft benutzte Falcon eingesetzt. [2:00 MESZ] Um halb vier kam die L9-Kette wieder vorbei: hell aber weit auseinander gezogen. [4:05 MESZ] Ein exzellentes Video dieser Passage und der folgenden im Morgengrauen aus der Schweiz, auch ein gestarlinkter NEOWISE aus dem Iran und ein Artikel. [18:55 MESZ. NACHTRAG: eine besondere Visualisierung von Bennus Landschaft]


12. August

Schwerer Schaden am Radioteleskop von Arecibo auf Puerto Rico is gestern entstanden, als ein Hilfskabel riss und eine 30 Meter lange Kerbe in die Schüssel schlug; auch andere Teile der Anlage wurden beschädigt. Derweil beginnt in diesen Minuten der Versuch einer Live-Übertragung der Perseiden, ein weiterer folgt um 6:00 MESZ, und um 20:00 MESZ beginnt einer per Radio-Backscatter: Eine einsame All-Sky-Cam in Spanien sah schon einen, und was visuell alles gegen die Perseiden arbeitet, macht auch dieser Thread klar (dessen Autor den Artikel hier „meaty“ findet). Auch NEOWISE hier und (mit anderen Kometen) hier, ein erster Versuch über die Chords vom TNO, der Jupiter am 7. August – und der schnellste Stern im Galaktischen Zentrum, der bei Sgr A* 24’000 km/s oder 8% der Lichtgeschwindigkeit erreicht. [0:00 MESZ]

Eine seeehr vorläufige Gesamtschau der Perseiden in der vergangenen Nacht = 1/2 Tag vor dem erwarteten Peak, ZHR gegen UTC – erfahrene visuelle Beobachter hatten an dunklen Orten in Europa z.B.108 Perseiden in knapp 6 Stunden oder 87 in gut 6 oder 80 in 4 1/2 oder 66 in 3 1/2 oder 62 in 3 oder 52 in 3 oder 30 in 1 1/2 Stunden (plus jeweils einige Nicht-Perseiden) gesehen. Auch ein Clip aus den Niederlanden (wo sie immer im Rücken des Beobachters fliegen …), ein paar Clips der ESA und 5 1/2 Stunden Radio-Echos – und der Schaden in Arecibo (mehr, mehr und mehr) sieht aus einer anderen Perspektive weniger dramatisch aus. [19:55 MESZ] Aber es muss viel neu justiert werden. Derweil ist der neuerliche Absturz von Beteigeuze bei +1.0 mag. angekommen, es gibt Bilder von NEOWISE mit PANSTARRS (mehr und mehr), allein und im kanadischen Rückblick, den Jupiter gestern (mehr) und am 9.8., den Mars heute (mehr), gestern und vorgestern (mehr) – und ein ungewöhnliches Paper zur Erreichbarkeit von US-Planetarien. [23:45 MESZ]


11. August

Zwei Laser auf einer französischen Sternwarte peilen hier den Lunar Reconnaissance Orbiter an, der einen (verglichen mit den auf der Mondoberfläche platzierten) winzigen Retro-Reflektor trägt: Trotzdem sind über die Jahre diverse Laser-Rangings des LRO gelungen. Auch endlich wieder Hoffnung für den InSight-Mars-‚Maulwurf‘, der erfolgreich in den Boden gedrückt wurde, wie Satelliten das Abschmelzen der Antarktis verfolgen, ein deutscher Erfolg beim Hack-A-Sat (mehr) – und ein Satelliten-Selfie ist in Australien geplant. [2:30 MESZ]

Der Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA hat seine Primärmission abgeschlossen, in zwei Jahren rund 75% des Himmels abgescannt und dabei mit der Transitmethode 66 neue Exoplaneten entdeckt, die bereits als bestätigt gelten, und fast 2100 weitere Kandidaten: Jetzt läuft eine Extended Mission bis September 2022. Auch ein neues Hubble-Bild einer bemerkenswerten Gravitationslinse (mehrere Bilder auf einem dünnen Ring) – und das letzte ISS-Modul Nauka ist auf dem Weg nach Baikonur, Start in ca. 9 Monaten. [18:45 MESZ] Die Generalprobe für OSIRIS-REx läuft, mit dem Sampler-Arm ausgefahren und dem Thermal Emission Spectrometer eingeschaltet – auch eine kuriose ‚Verbindung‘ von Hubble und Walhaien, die Manöver des CubeSat UWE-4, die beginnende Raumfahrt-Industrie in Rwanda und morgen 60 Jahre Riesensatellit Echo 1A. [23:05 MESZ]


10. August

Auf dem Weg zur 7. Größe – und immer noch sehenswert

für größeres Gerät ist der Komet NEOWISE, dessen Helligkeit zuletzt zwischen 6.5 und 6.8 mag. geschätzt wurde: Mit kleiner Technik ist er nur noch ein kleiner grüner Blob, aber mit mehr Aufwand macht er immer noch einiges her, wie das Bild oben vom 6. August von Michael Jäger (RGB 8/8/8min 12″/4 QHY600) beweist! Weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier eine Animation, ein prozessiertes Detail und eine Lichtkurve. Ferner die Kometen NEOWISE und PANSTARRS zusammen hier, hier, hier und hier, NEOWISE und PANSTARRS und Lemmon auf einem Bild hier, hier, hier, nur PANSTARRS und Lemmon quasi remote beobachtet, ein neuer NEOWISE (C/2020 P1; mehr, mehr und mehr, die Verkündung von C/2020 O2 (Amaral) – und die europäische Sternbedeckung durch das große TMO wurde gut erfasst.

Die realistische Bewertung der Perseiden 2020 nun auch als Video, auch linkenswerte Artikel hier und hier und (alle Jahre wieder) hier und schöne persistent trains hier und hier. Auch Atmosphären-LIDAR in der Antarktis, Atmosphären-Forschung per Rakete in Alaska, die Holocene global mean surface temperature nur rekonstruiert, Helium-Strukturen in der Sonnen-Atmosphäre, die Sonne gestern, der Jupiter vorgestern und am 6. August (mehr, mehr und mehr) und der Saturn gestern und am 6. August und 31. Juli.

Eine Mars-Bedeckung durch den Mond gestern, auch hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie der Mars heute (mehr), gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr), am 7. August (mehr, mit Beschriftung, mehr, mehr, mehr und mehr) und 6. August und die Venus vorgestern.

Der erste Trailer zur Hunderjahrfeier des modernen Planetariums 2023, der zusammen mit einer vorläufigen Webseite gerade im Rahmen der virtuellen Tagung der International Planetarium Society online ging: von dieser auch die Folien des letzten Vortrags der Session „Are Planetariums Still Relevant?“ und Aufzeichungen des 3. Konferenz-Tages hier und hier. Ferner virtuelle ESO-Touren von La Silla und Cerro Paranal, ein Video zur Venus-Bedeckung durch den Mond im Juni, die Geschichte der Asteroidenforschung im DLR-Astroseminar 2020, The Scottish Dark Sky Observatory, ein Interview mit Wally Pacholka, der 1-m-Spiegel des Observatoriums Hoher List wieder im Einsatz (für die Öffentlichkeit), das Radioteleskop von Parkes nun australisches Nationalerbe (mehr, mehr und mehr), ein seltsamer Kampf der NASA gegen Spitznamen von Himmelsobjekten – und ein neues Dark Sky Friendly Developments of Distinction in Oregon und mal wieder Krebs-Gefahr durch Lichtverschmutzung. [23:25 MESZ]


9. August

Knapp 600: Hier kommen die nächsten 57 Starlink-Satelliten

nach einem Falcon-9-Start vorgestern früh, bei dem auch zwei BlackSky Global-Satelliten für einen Kunden an Bord waren: hier von unten der Start, eine Strichspur (mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier von zahlreichen Falcon-Fans), das Aussetzen der Satelliten aus der Live-Übertragung (Clips daraus hier und hier und ein weiterer Webcast von Fans), die sich sogleich zu trennen beginnen – und die frische Kette 22 Stunden nach dem Start über Bochum, aufgenommen von diesem Blogger (mehr Bilder in diesem Album, freihändig bei ISO 6400), was einige Diskussionen auslöste – auch Videos hier, hier und hier und Fotos hier und hier vom Europa-Überflug einen Orbit früher und Artikel zum Start hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Zum Komplex Mega-Konstellationen, bereits im Mai, Juni und Juli erörtert, gibt es allgemein und speziell in Sachen Starlink das schnelle Ende von Satellit 1440 und eines der Testsatelliten, klare Hinweise in Teleskop-Aufnahmen, dass die Verdunklung durch Drehen gut klappt, Abschätzungen hier und hier zur Statistik enger Begegnungen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, zur Auferstehung von OneWeb eine unergiebige Anhörung im House of Lords, Artikel hier, hier und hier und mehr Links – und zum FCC-Approval der 3236 Satelliten der Kuiper-Konstellation von Amazon Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Endlich mal wieder Bilder von der Kamera CASSIS des ExoMars TGO: oben ein Dünenfeld und Gullies in einer Impaktkraterwand, das Ganze noch teilweise vereist, unten dendritische Strukturen auf einem Kraterboden – auch MAVEN-Beobachtungen von Nightglow auf dem Mars, eine kontroverse Lichtkurve der Centaur von Mars 2020 (Diskussion hier, hier und hier). ein Paper üner Dust particle size, shape, and optical depth during the 2018/MY34 Martian Global Dust Storm retrieved by MSL Curiosity rover navigation cameras, was Insights Seismometer misst und das Erbe der MarCO-CubeSats.

Ein Wolkenwirbel Jupiters in energischer Amateur-Verarbeitung, auch Erkenntnisse von Juno zu Ammoniak & Gewittern in den Wolken Jupiters, ein mutmaßlicher Riesenkrater auf Ganymed, die Trojaner-Mission Lucy auf Kurs für einen Start im Oktober 2021, OSIRIS-REx nur noch einen Test entfernt vom Proben-Nehmen, die mögliche Extended Mission von Hayabusa 2 – und weitere chinesische Pläne im Sonnensystem. Sowie die Gestalt der Heliosphäre neu in 3D bestimmt, schon 20 Jahre Cluster-Studien der Magnetosphäre der Erde, Gerüchte aus Indien zum Verbleib des Rovers von Chandrayaan 2, das nächste Sentinel-Erdradar, die Demonstration des Hyper-Angular Rainbow Polarimeter (HARP) auf einem CubeSat, Chinas Start des neuesten Gaofen-9 (mehr, mehr und mehr), die Rolle von Erdsatelliten bei COVID 19 – und Nachrufe hier, hier und hier auf den NASA-Erd-Manager Mike Freilich. [1:00 MESZ]

Ein Video des Starlink-Europa-Überflugs von heute früh um 4 Uhr MESZ (die Aufnahmen dieses Blogger waren diesmal weniger überzeugend) und gleich noch eins sowie eine Reaktion: Die Kette – vom „Launch 9“, der aber der 10. mit großen Satelliten-Paketen war – ist länger geworden, und ein paar der Satelliten sind deutlich zurück gefallen, was auch mit dem Auge auffiel. Auch der Test eines Smallsats mit ‚grünem‘ Antrieb (es geht nun abwärts mit ihm), die Koordination von Rideshares für Smallsats, das open source satellite communication tool NyanSat, der Verbleib von Kosmos 2543 und der NROL-129-Nutzlasten – und die Suche nach Raumschrott über Stern-Lichtkurven. [15:55 MESZ]

Die Milliarden Sterne des Data Release 2 der Gaia-Mission, visualisiert in der Kuppel des Hayden-Planetariums in New York: aus einem Vortrag von der IPS-Tagung (ab -2:30). Auch ein russischer Artikel über den Röntgen-Satelliten SpektrRG (PDF-Seiten 38-43), Erinnerungen an den ersten ESA-Satelliten COS-B, der Gamma-Astronomie betrieb, eine COVID-19-bedingte Startverschiebung des NASA-Smallsats IXPE (Imaging X-ray Polarimetry Explorer) – und schon wieder Starlink: Heute wurden Satellit 41 und Satellit 22 versenkt, und fünf weitere ebenfalls vom ersten 60-er Pack V0.9 dürften in den kommenden Tagen folgen. Oh, und der VisorSat-Effekt scheint zu funktionieren: Der erste Satellit mit dem Schattenwerfer har offenbar weniger als 1/10 der normalen Helligkeit in endgültiger Konfiguration. [23:25 MESZ]

Warum es keine 100 Perseiden pro Stunde gibt

8. August 2020

„Diese Nacht könnt Ihr hundert Sternschnuppen pro Stunde bewundern!“ So behauptete vor ein paar Tagen ein Tweet, und das verlinkte Video setzte noch einen drauf: Nämliche hundert Perseiden die Stunde seien „in den nächsten Tagen bis Mitte August“ zu sehen – während ein gewisses Nachrichtenportal „unzählige Sternschnuppen über den Nachthimmel“ schießen ließ, beim „Höhepunkt des astronomischen Jahres“. Und so weiter: Hype allerorten anlässlich der Perseiden scheint ein unabänderliches Naturgesetz zu sein.

Konkret lautet die Vorhersage im Meteorstrom-Kalender 2020 (Seiten 12 bis 13), dass die maximale ZHR = Zenithal Hourly Rate = Zenitstundenrate bei etwa 110 liegen sollte, zwischen 15 und 18 Uhr MESZ am 12. August, mit einer eventuellen Zugabe mit einer ZHR um 100 gegen 12 Uhr MESZ. Aber diese Zahlen gelten für einen Radianten im Zenit – doch dieser Punkt, in dessen Richtung die Erde in die Staubwolke des Kometen 109P/Swift-Tuttle hinein rast, befindet sich der Nähe des ‚Kopfes‘ des Perseus (in der Nähe des Sterns HD 19572; Grafik: VdS) und steht alles andere als 90° hoch.

Die Tabelle zeigt, wie die Radiantenhöhe im Laufe der Nacht allmählich steigt (Uhrzeiten für Bochum, im Osten früher) – und einen Korrekturfaktor, mit dem die ZHR multipliziert werden muss, um zur sichtbaren Rate zu gelangen (es handelt sich um den Sinus der Radiantenhöhe). Bereits in der Abenddämmerung steht der Radiant zwar über dem Horizont, aber noch bis etwa Mitternacht geht mindestens die Hälfte der ZHR verloren. Noch dramatischer ist freilich die Wirkung der Helligkeit des Himmels – denn die ZHR ist für einen de facto perfekten Himmel mit Stern-Grenzgröße 6.5 mag. definiert.

Hier ist der zusätzliche Korrekturfaktor berechnet, der mit dem obigen multipliziert werden muss und für praktisch jeden Beobachter die Meteorrate weiter kräftig drückt. Er berechnet sich als r^(Grenzgröße – 6.5), wobei ein r=2.2 angesetzt wurde, das im vergangenen Jahrzehnt und insbesondere auch im letzten mondlosen Jahr 2018 für die Perseiden galt. Schon geringe Lichtverschmutzung reduziert die Meteorzahl deutlich – und dummerweise scheint in den Nächten 11./12. bzw. 12./13. August um das Maximum auch noch der abnehmende Fast-Halbmond. Der ist noch zu 47% bzw. 37% beleuchtet und geht um 0:20 bzw. 0:40 MESZ (Bochum) auf, um dann dann bis zur Morgendämmerung etwa 30° Höhe zu erreichen: Die bessere Meteorausbeute infolge der steigenden Radiantenhöhe macht der wachsende Verlust durch den heller werdenden Himmel wieder zunichte. (Die ZHR gilt übrigens für einen Einzelbeobachter, dessen rund 100° großes Gesichtsfeld völlig frei von Obstruktion durch Gebäude oder Wolken und dessen Aufmerksamkeit ungebrochen ist – sonst sind weitere Korrekturen nötig … nach unten natürlich.) Die ZHR dürfte sich 2020 mithin selbst bei guten Bedingungen zweimal um einen Faktor von etwa 2 reduzieren – aus 110 mach 30 Perseiden die Stunde. Also erscheint einer alle 2 Minuten? Mitnichten!

Das sind Originalaufzeichnungen aus einer Perseidennacht vor 45 Jahren von Jürgen Rendtel und Hartmut Röllig, die – bei einer Grenzgröße von 5.9 übrigens – in 2½ Stunden 63 Perseiden („P“) sahen, also im Schnitt alle 2.4 Minuten einen. Doch wie die Tabelle zeigt, ist die zeitliche Verteilung von Meteoren während eines Schauers völlig zufällig, was bei einer grafischen Umsetzung noch deutlicher wird:

Hier sind für jede der 150 Minuten die Perseiden markiert, mit der Helligkeit als Anzahl der X codiert (X = 5 mag., XX = 4 mag. usw.). Da gibt es einmal 5 Perseiden in 3 Minuten – aber auch mehrmals Intervalle von 4 und 5 Minuten ohne jeden Perseiden! Das macht deutlich, welche Frustrationstoleranz ein visueller Beobachter selbst bei einem ordentlichen Meteorschauer besitzen muss: Die – rein zufälligen! – Häufungen mehrerer Meteore manchmal in Sekunden lassen ein Hochgefühl aufkommen, dem in der Regel eine lange Durststrecke folgt (nur bei den extrem raren Meteorstürmen mit ZHR-Werten über 1000 ist das anders, die die Perseiden aber nie schaffen). Dieser Aspekt fällt – neben den vielen negativen Korrekturfaktoren, die an den „100 Schnuppen pro Stunde“ angebracht werden müssen – bei den Anpreisungen der Perseiden in der Regel unter den Tisch.

Aber wie lange dauert das Maximum überhaupt? Die Perseiden sind da ziemlich variabel, aber das ZHR-Profil des gesamten Schauers aus dem Jahr 2010 mag als typisches Beispiel herhalten: Die maximale ZHR gibt es nur an einem Tag (oft nur ein paar Stunden lang), und schon in den Nächten vor- und nachher beträgt die Rate höchstens als die Hälfte. Hier in höherer Zeitauflösung – über das beste Binning kann man streiten, aber es kommt auf den Gesamteindruck des Verlaufs an – die ZHR-Profile der Maxima der vergangene zehn Jahre, von 2010 bis 2019:

Teilweise machten sich neben dem Hauptmaximum aus im Orbit des Kometen angesammeltem Staub jüngere Extra-Filamente bemerkbar, die mitunter auch korrekt vorhergesagt wurden, aber eine klare Ansage, ob 2020 die Nächte 11./12. oder 12./13. August für Europa vielversprechender wären, ergibt sich nicht, und die oben abgeschätzten realen etwa 30 Perseiden pro Stunde werden wohl in keiner Nacht erreicht. Trotzdem lohnt sich das Beobachten natürlich: Die individuellen Perseiden sind oft recht spektakulär, erscheinen bunt auf Fotos, haben Nachtleuchtspuren und nach Feuerkugeln auch schon mal Persistent Trains, die noch minutenlang am Himmel hängen können. Aber Geduld ist eben angesagt – sehr viel Geduld: detaillierte Hinweise zur sinnvollen visuellen Beobachtung, die ganz genauen Definitionen vieler Begriffe aus der Meteor-Astronomie, eine PM des DLR, ein Video aus Berlin, eine Seite der IMO, Press Releases von Lowell, IDA und S&T und mehr oder weniger korrekte bzw. nützliche Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.