Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Gene Cernan, 1934-2017: letzter auf dem Mond

16. Januar 2017

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Jetzt lebt nur noch genau die Hälfte der 12 Männer, die 1969-1972 auf dem Mond gestanden haben: Eugene Andrew „Gene“ Cernan, der heute mit 82 gestorben ist, war zugleich der letzte überhaupt, da er das Landemodul Challenger am 14. Dezember 1972 als zweiter wieder bestieg. Vor Apollo 17 hatte der Ingenieur mit Apollo 10 an der Generalprobe für die erste Mondlandung – fast alles außer Aufsetzen – teilgenommen und 1966 mit Gemini 9A an den Vorbereitungen des Apollo-Programms.

Cernan ärgerte sich zeitlebens über seinen Titel als „letzter Mensch auf dem Mond“ und hätte ihn gerne noch wieder abgegeben – dass allerdings die nun schon Jahrzehnte währende Lücke nach Apollo 17 ein unerhörter Skandal sei, kann man nun wirklich nicht so sagen. Erste Nachrufe hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: ein Statement von Bolden, ein News-Clip (mehr),

aus dem NASA-Archiv, weitere Statements hier und hier und weitere Nachrufe hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier].

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Ein Amateur-verarbeitetes Jupiter-Bild der JunoCam vom 11. Dezember 2016 aus 469’000 km Entfernung – auch die künftigen Asteroiden-Missionen der NASA ARM und DART neu bedacht, vielleicht mit einer Art AIMlite nach dem Ausfall des erhofften ESA-Beitrags für DART.

Eine erstaunliche Riesen-Wolke in der Venus-Atmosphäre

wurde von Japans Orbiter Akatsuki 2015 beobachtet, vermutlich eine Schwerewelle: ein möglicher kleiner Verwandter des Phänomens und mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr. Auch die Suche nach dem Grund für den Fehlstart von Progress MS-04 letzten Monat, alle 84 Starts des letzten Jahres in einem Halbstunden-Video – und im JSC Oral History Project gibt’s jetzt auch 20 Interviews zum Orion-Programm, wie auch im letzten Newsletter der NASA-Historiker auf Seite 18 angekündigt.

Allgemeines Live-Blog vom 6. – 14. Januar 2017

6. Januar 2017

14. Januar

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Heute soll die Falcon 9 ihr Comeback erleben, mit dem Start von 10 Iridium-Satelliten in einem instantanen Fenster um 18:54:39 MEZ in Vandenberg: Die Wetter-Chancen sind 60%. Auch die Timeline mit wieder einem Landeversuch der 1. Stufe (auf der Just Read the Instructions im Pazifik), Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zum Start und hier, hier und hier zu anderen Aspekten, ferner die Aufklärung des letzten Progress-Disasters (mehr und mehr), eine ISS-EVA gestern (Bilder, Protokolle hier und hier und Artikel hier, hier und hier), eine Arbeitsplattform und ein Prüfstand für das SLS (Artikel hier und hier) – und heute Nacht auch der nächste Start-Versuch einer japanischen Mini-Rakete, der verschoben worden war: mehr, mehr, mehr und mehr. [13:20 MEZ] Der Falcon-Webcast mit Kommentar und ohne solchen: keine 10 Minuten mehr. [18:45 MEZ]

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Alles hat bestens funktioniert: Start, Stufen-Trennung (im Bild die Szene vom Boden), Landung der 1. Stufe auf dem Boot und Erreichen der Parkbahn durch die 2. mit den Satelliten – auch der Start von ferne, ein Blick von der 1. Stufe nach der Trennung, ihre Landung als Video und in weiteren Standbildern. [19:10 MEZ] Diese Manöver waren erst der Anfang: Weiter geht’s um 19:46 MEZ. [19:20 MEZ] Guter 2. kurzer Burn – Aussetzen der Satelliten folgt. [19:50 MEZ]

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Alle 10 Iridium-Satelliten sind ausgesetzt: Das konnte erst etwas verspätet bestätigt werden, weil eine Bodenstation ausgefallen war, aber inzwischen gibt es Bilder, die einen Dispenser vor und nach dem Deployment zeigen. Damit war die Mission ein kompletter Erfolg. [20:15 MEZ] Weitere Artikel hier, hier und hier. [20:25 MEZ] Und es besteht Kontakt zu allen 10 Satelliten! Auch ein Bild des Starts aus einigem Abstand – und hier gibt’s den japanischen Start zu sehen. [20:30 MEZ] Ein paar Start-Fotos hier plus „>“ und weitere Falcon-Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [21:45 MEZ. NACHTRAG: und hier, hier, hier und hier sowie die Orbits – und die Übertragung aus Japan läuft. NACHTRAG 2: und auf geht’s! Mehr Screenshots hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: ein Artikel – aber ob der CubeSat im Orbit ist, weiß man nicht, weil die Oberstufe keine Telemetrie senden kann. NACHTRAG 4: Der Start war ein Fehlschlag – Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch der Falcon-Start aus einem Flugzeug gefilmt und weitere Fotos (mehr mit „>“) und Artikel hier, hier und hier]

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Curiosity hat offenbar schon wieder einen Meteoriten auf dem Mars gefunden, den dieses Bild vom 12. Januar (Missions-Sol 1577) zeigt: Er wurde bereits beschossen mit dem Rover-Laser. Auch SHARAD-Messungen von Eis an den Polkappen des Mars in 3D, wo Opportunity rollt, was der 2020-er Rover erledigen soll – und mal wieder keine Venus für US-Planetenforscher über das Discovery-Programm.

Heute vor 12 Jahren landete Huygens auf dem Saturnmond Titan: hier, hier, hier und hier zeitgenössische Artikel dieses Bloggers sowie ein aktueller Press Release des JPL. Auch wie ESA-Schüsseln Cassini helfen, ein Farb-Mosaik von Dione und aktuelle Ring-Forschung – und Erkenntnisse zur Pluto-Atmosphäre und der Wirkung Charons.

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Die Radioteleskope FAST und Arecibo im gleichen Maßstab aus dem Orbit aufgenommen vom Satelliten Deimos-2, auch die ersten Erdbilder von Chinas neuen Satelliten, die erst auf einer falschen Bahn gelandet waren – und ein Paper mit Ergebnissen des kleinen Astro-Satelliten Odin, der schon seit 16 Jahren im Einsatz ist, obwohl der schwedische Satellit nur für zwei ausgelegt war. [1:15 MEZ] Erinnerungen an Huygens auch hier, hier und hier. [12:50 MEZ] Ein älteres Erinnerungs-Video und noch ein zeitgenössischer Bericht. Und siehe da, dieser Blogger auf einem ESA-Foto von damals – 4. Reihe, Videokamera hoch haltend … [13:05 MEZ. NACHTRAG: noch ein Erinnerungs-Artikel]


12. Januar

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Neue Adaptive Optik am Big Bear Solar Observatory erlaubt dem 1.6-m-Sonnenteleskop in Kalifornien jetzt die Schärfung größerer Felder gleichzeitig mittels dreier deformierbarer Spiegel im Strahlengang – auch die geplante AO für das TMT mit demselben Trick + mehreren Lasern und die teleskopischen NEO-Aktivitäten der ESA sowie die Kometen HMP am 10.1. und Johnson am 7.1., der endlich offizielle neue Komet C/2017 A3 (Elenin), der z.B. hier und hier zu sehen ist, die anhaltende große Helligkeit von CTA 102, wie die SoFi 2015 den Strommarkt durcheinander brachte – und norwegische Fototipps für Polarlichter. [4:35 MEZ. NACHTRÄGE: Venus beim Neptun heute (mehr) und gestern sowie die fleckenfreie Sonne 2017 bisher]


10. Januar

The Very Large Telescope and the star system Alpha Centauri

Breakthrough Starshot investiert in Instrument für’s VLT

Seltsame Wege geht die Astronomie dieser Tage: Aus den üppigen Privatmitteln der Breakthrough-Initiative „Starshot“, die Mini-Raumschiffe zu Alpha Centauri pusten will – auch hier, hier, hier, hier und hier diskutiert – wird ein Umbau des Instruments VISIR des Very Large Telescope finanziert, auf dass es ab 2019 mit besseren Wellenfront-Sensoren und Koronographen erdähnliche Planeten neben den Alpha-Cen-Sternen abbilden können möge, damit die Schiffchen auch ein Ziel haben. Auch ein geplantes Teleskop für primordiale Gravitationswellen in Tibet, bald Zeit für eine Entscheidung über den TMT-Standort, die Anwendung von Astro-Software für Tier-Erkennung auf Thermal-IR-Bildern von Drohnen, ein französiches Amateur-Teleskop mit Augmented Reality-Einblendung, über das die Firmen-Webseite noch nicht viel verrät, es aber in Artikeln hier, hier und hier Andeutungen gibt, Ärger mit Lichtverschmutzung in Monterey und Köln – und 750’000 Besucher 2016 bei der künstlichen 20-Meter-Erde von Oberhausen. [1:45 MEZ. NACHTRÄGE: mehr zum VISIR-Upgrade in einer PM der Uni Liège und Artikeln hier, hier, hier und hier – und hier und hier mehr zu Vortex-Koronographen]


9. Januar

Schon wieder ein schöner Bolide über Russland ist gestern gesehen und gefilmt worden – auch Experimente an Chelyabinsk-Meteoriten zwecks NEO-Abwehr, das Meteor-Kamera-Netzwerk CAMS, die Quadrantiden 2017 und eine modifizierte Hypothese zur Mond-Entstehung mit mehreren kleineren Impakten auf der Jungerde (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr). Sowie die Kometen HMP heute, gestern (mehr) und am 4.1. von STEREO HI1-A, NEOWISE vorgestern und am 6.1. und Johnson vorgestern (mehr) – und ein Skript einer „60 Minutes“-Sendung sowie ein 1-Stunden-Vortrag über Planet Nine. [23:50 MEZ. NACHTRÄGE: einige Standbilder aus dem Boliden-Video, noch jede Menge mehr letztens und hier, hier und hier weitere Artikel zur Mondhypothese]


8. Januar

Ein sehr frischer Impakt auf dem Mars, der sich zwischen Januar 2014 & August 2016 ereignet hat: andere Versionen dieses HiRISE-Bildes hier und hier sowie ein – allerdings stark bearbeitetes „Bild“ von Erde & Mond derselben MRO-Kamera. Auch was der UAE-Marsorbiter will, wie Sonnenstürme den Mondboden laden, eine große chinesische Mondkarte in Arbeit, das ‚bladed terrain‘ auf dem Pluto (die „Penitentes“), 15 Jahre Messungen von TIMED der oberen Atmosphäre, die ersten Daten von CYGNSS und dem Magnetometer auf GOES-16, der Start von Chinas TJS-2 auf einer Langer Marsch 3, wie soeben bestätigt frühestens am 14. Januar der nächste Start einer Falcon 9 mit Iridium-Satelliten (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), jetzt 103 Satelliten gleichzeitig auf einer indischen Rakete – und eine enge Begegnung zweier Satelliten blieb ohne Folgen.

Gegenstand dieses NASA-Wochenrückblicks ist zu Beginn die erste ISS-EVA des Jahres (früher und noch früher sowie mehr und mehr), offenbar Verzögerungen bei russischen Starts zur ISS nach dem Progress-Zwischenfall und ein schwieriges Jahr für den HSF der NASA nicht nur deswegen, was die Obama-Administration als ihr Weltraum-Vermächtnis sieht – und der Kosmonaut Igor Volk ist gestorben (mehr und mehr), der eigentlich mal Buran fliegen sollte. [15:25 MEZ. NACHTRÄGE: mehr zur Falcon-Verschiebung hier und hier]


6. Januar

The Orion A molecular cloud from VISTA

Der Orion-Nebel im Infraroten mit dem VISTA-Teleskop aufgenommen bei 1.3 bis 2.2 µm Wellenlänge, wobei drei IR-Farben RGB zugeordnet wurden – Teil eines großen Mosaiks der Molekülwolke Orion A.

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Die Galaxie PGC 1000714 – links in Falschfarben, rechts der Farb-Index B-I – besteht aus zwei Ringen um einen elliptischen Kern: eine Seltenheit, denn nicht mal jede Tausendste Galaxie ist von diesem Hoag-Typ, und auch die haben typischerweise nur einen Ring. Hier war wohl die Entstehungsgeschichte … kompliziert.

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Diese zwei besonders unattraktiven Bilder des Jupiter machen trotzdem was her: Sie zeigen den Planeten nämlich bei 18 und 33 µm Wellenlänge – was derzeit nur die fliegende Sternwarte SOFIA (mit ihrer Kamera FORCAST) erreichen kann, die für jeden Punkt gleich ein ganzes IR-Spektrum aufnahm. Seit den Voyagers (!) konnten solche Daten nicht mehr gewonnen werden. Auch dicke Papers über Verschwinden 2009-2010 und Wiederkehr 2010-2011 des South Equatorial Belt des Jupiter sowie ganz aktuelle Veränderungen auf demselben, der Nordpol des Mondes gut erfasst, Komet 45P/H-M-P am 5. Januar, 4. Januar und 3. Januar (mehr und mehr) sowie NEOWISE am 5. und Johnson am 3. Januar, eine Kometenvorschau 2017, mit Vorsicht zu genießen, das ZHR-Profil und Radioechos der Quadrantiden sowie die Suche nach Mondimpakten derselben, die aufwändige Renovierung des Pluto-Entdeckungs-Teleskops – und das Planetarium Bochum war das meistbesuchte in Deutschland 2016. [3:25 MEZ. NACHTRÄGE: ein Helligkeits-Hüpfer auf 6.3 mag. des Kometen 45P/H-M-P, eine mutmaßliche Kometen-Entdeckung durch Leonid Elenin, aber aber noch nicht offiziell ist, ein persistent train eines Quadrantiden, die Impakt-Suche auch in Finnland – und der Jupiter am 1. Januar samt Störung]

Notizen zu der 229. Tagung der AAS in Texas

5. Januar 2017

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Vom 3. bis 7. Januar findet im texanischen Grapevine das 229th Meeting of the American Astronomical Society statt, eine der größten regelmäßigen Astro-Tagungen überhaupt. Hier gibt es – nicht zwingend in chronologischer Reihenfolge aber bis auf Nachträge von oben nach unten fortgeschrieben über die nächsten Tage – anhand der zahlreichen Pressekonferenzen (die mit Zeitverzögerung hier gesehen werden können) und anderer online verfügbar gemachter Happen allerlei schnelle Facetten zu der Tagung, die bereits mit der ersten Verortung eines FRB („Fast Radio Burst in sehr ferner Zwerggalaxie lokalisiert“) auf der 1. PK gestern für Aufsehen sorgte. Wie üblich basieren viele der anderen PK-Präsentationen auf Papers, die entweder schon (manchmal lange) erschienen sind oder zumindest als Preprints präsent waren. Etwa heute in der 3. PK zur Physik des Verschmelzens der Galaxienhaufen Abell 3411–3412, das das obige Komposit zeigt (Hintergrund sichtbare, rosa Radio-, blau Röntgenstrahlung): Es zeigt sich, dass „fossile“ relativistische Elektronen aus den Aktiven Galaktischen Kernen vom Kollisions-Schock nachbeschleunigt werden.

75 Methoden zur Entfernungsbestimmung von Galaxien

ohne Zuhilfenahme von deren Rotverschiebung sind den ‚Verwaltern‘ der NASA/IPAC Extragalactic Database inzwischen untergekommen, woraus sie nun den Schluss ziehen, dass man davon auch Gebrauch machen sollte. Wie heute auf der 3. PK berichtet wurde, liegen inzwischen 166’000 Rotverschiebungs-unabhängige Entfernungs-Schätzungen für 77’000 Galaxien vor: eine explosive Zunahme gerade in letzter Zeit. Für Messier 106 – an keiner Galaxie haben sich so viele Astronomen abgearbeitet – kommt 7.5±0.7 Mpc heraus, wenn man die NED-Angaben mittelt.

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Ein 81 Tage lang belichtetes Röntgenbild des Himmels

ist das Chandra Deep Field South, das der gleichnamige Röntgensatellit letztens aufgenommen hat, über 7 Mio. Sekunden lang: die tiefste Röntgenaufnahme des Himmels überhaupt, auf dem 70% der Quellen Aktive Galaktische Kerne sind. Und auch das reichte noch nicht: trickreich wurden Bildteile gestackt, mit einer im Prinzip Amateurastronomen bekannten Technik, um auch extrem schwaches Röntgenglühen ferner Galaxien nachweisen zu können, das vom Betragen Supermassereicher Schwarzer Löcher in der Vergangenheit zeugt. Ebenfalls notierenswert von der Tagung bisher: eine 66-Seiten-Präsentation zum LSST und aktive Überlegungen zur Beobachtungs-Strategie mit dem Super-Himmelssauger, ein fescher Spruch, drei Folien hier, hier und hier aus einem Plenarvortrag zum Urknall, ein Bericht über einen Vortrag zum Galaktischen Zentrum, eine interessante Initiative zur Geschichtsschreibung per Oral History auch von jungen Astronomen – und die Aufzeichnung einer Session zu ‚Geoengineering mit leider miesem Sound.

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SDSS: mehr lebensnotwendige Elemente in innerer Galaxis

Was das bedeutet, weiß niemand, wurde auf der 4. PK betont, aber die APOGEE-Survey der Sloan Digital Sky Survey hat klar heraus gefunden, dass die für das Leben – wie wir es kennen – entscheidenden chemischen Elemente in der inneren Galaxis allesamt (Grafik oben) häufiger als in der Umgebung der Sonne sind: Dort war die Sternbildung effizienter, und entsprechend mehr „Metalle“ blieben übrig. Aus den unterschiedlichen Elementen-Mustern in der Milchstraße folgt auch, dass felsige Planeten ganz unterschiedlich zusammengesetzt sein sollten. Die SDSS ist in ihrer Stufe IV derzeit rein spektral tätig – mit APOGEE-2, eBOSS und MaNGA – und macht keine Pretty Pictures. Ein Klon des APOGEE-Instruments ist gerade auf dem Weg zur chilenischen Sternwarte Las Campanas, wo es am du Pont Telescope den Teil der inneren Milchstraße erfassen soll, der der SDSS-Sternwarte in New Mexico entgeht (Grafik unten). An der SDSS arbeiten über 500 Wissenschaftler in aller Welt, wobei der Anteil von Minderheiten aber größer sein könnte.

Zwei Pulsare, die oft bzw. fast immer „ausgeschaltet“ sind

mit „An“-Zeiten von 30% und 0.8% der Zeit (wobei es bei letzterem aber mit einem Mal 16% waren), sind mit den Arecibo-Radioteleskop entdeckt worden: Das deutet auf eine größere Pulsar-Population als vermutet hin. Andere Erfolge von Arecibo (das mal wieder bedroht ist), die auf der 2. PK erwähnt wurden, waren die Entdeckung einer neuen Art ‚Vordergrund‘ in der Milchstraße aus ‚kalten‘ Elektronen im ISM, die die Hintergrundstrahlung vom Urknall überlagern, eine weitere Bestätigung der Konstanz von Alpha, der Feinstrukturkonstanten, und Beobachtungen des Quasars 3C273 mit RadioAstron und seiner enormen Strahlungstemperatur. Auch viele Tweets von einer Session zum Regierungswechsel, von einem Plenar-Talk von Wendy Freedman über die ‚tension‘ bei der Hubble-Konstanten abfotografierte Slides hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und es gibt auch Teleskope für die Kleinen auf der Tagung …

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2022±1 Jahr wird ein neuer Stern im Schwan erscheinen

und mit bloßem Auge sichtbar sein: Diese Vorhersage einer Roten Nova, die ein Astronomen bereits 2015 auf einer AAS-Tagung gemacht und letztes Jahr nochmals bekräftigt hatte, ist nun weiter präzisiert worden, wie jetzt auf der 5. PK berichtet wird. In einem von Kepler entdeckten Doppelstern spiralieren die beiden Sterne aufeinander zu, genau wie 2015 berechnet – und wenn sie fusionieren, sollte das System um einen Faktor 10’000 heller werden – und im Sternbild Cygnus ein neuer Stern erscheinen, den jeder sehen kann.

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Sreenshots von der Pressekonferenz: Der Perioden-Verfall des Systems folgt genau der Prognose von vor zwei Jahren – und damit ist es sehr wahrscheinlich, dass in fünf Hahren einige Monate lang ein Stern 2. Größe im Schwan erscheinen wird: Mal eine astrophysikalische Prognose, die jeder mit eigenen Augen überprüfen kann. Ein Press Release zu den neuen Erkenntnissen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, von diesem Blogger hier und hier. In derselben PK ging es auch um einen Pulsar, der zum Magnetar zu werden scheint, Hubble-Spektren des ISM in Richtung der Reise der Voyager-Sonden und die besten Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung (ein paar Slides) – plus ein Bericht über den 2. Konferenz-Tag und ein 10-Minuten-Video u.a. mit Highlights.

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Ein Schatten wandert über die Staubscheibe von TW Hydrae

Das zeigen Aufnahmen mit dem Hubble-Instrument STIS: Er dreht sich alle 16.9 Jahre einmal ganz herum, was eine physische Scheibenrotation ausschließt, und hat eher etwas mit einer präzidierenden Innen-Scheibe zu tun. Weitere Themen der 7. PK waren Bestimmungen der Masse der Milchstraße durch die Bahnen von 143 Kugelsternhaufen, wobei rund 620 Mrd. Sonnenmassen innerhalb von 200 kpc mit einer Unsicherheit von 480 bis 780 Mrd. heraus kommen, NuSTAR-Beobachtungen an IC 3639 und NGC 1448, die hinter Staub verborgene Supermassive Schwarze Löcher aufspürten, und Emission von O++ von jungen Galaxien als markant aus dem Rahmen fallende ‚grüne‘ Strahlung (die auffällt, wenn man die Spektren von 5161 Galaxien addiert). Auch der auf der Tagung ergangene Aufruf zu Beobachtungen mit dem JWST – und ein Bericht zum 3. Konferenz-Tag.

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Ein Bild von HR 8799 und seinen vier Planeten mit dem neuen Instrument SCEXAO am Subaru-Teleskop – das sich in den nächsten Jahren an die Abbildung von Exo-Erden heranpirschen soll. Ebenfalls von der 6. PK Simualtionen von Sternen am Galaktischen Zentrum, die von Gezeitenkräften zerrissen werden, wobei sich in den Trümmern Klumpen bilden können, von denen auch welche in Erdnähe angekommen sein könnten (mit dem nächsten ca. 200 Parsec entfernt; mehr und mehr), Simulationen nach denen der hypothetische Planet Neun ein eingefangener Freier Planet sein könnte und Beobachtungen der Hubble-Spektrographen von Gaswolken bei HD 172555, die etwas an die in Beta Pictoris stürzenden Kometen erinnern. Und in der 8. und letzten PK ging es um die ToSoFi 2017 in den USA, die von AAS wie NASA auch als erhebliches logistisches Problem gesehen wird: 324 Leute oder 99% der Bevölkerung wohnen höchstens 900 Meilen vom Totalitätsstreifen entfernt. Dessen Bevölkerungsdichte sich vielerorten verdoppeln und streckenweise sogar vervierfachen würde, so Projektionen der AAS Solar Eclipse Task Force. Auch ein Bericht vom vierten Tag, Bilder von der Tagung, von Aktivitäten der SDSS und noch mehr, die diversen Preisträger und der Auftritt von Jung-Astronomen – also richtig jungen.

Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 4. Januar 2017

2. Januar 2017

4. Januar

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2 NASA-Sonden zu Jupiters Trojanern und Asteroid Psyche

wird die NASA als die nächsten beiden Discovery-Missionen fliegen: Sie wurden aus fünf Finalisten ausgewählt (und zwei Venus-Vorschläge und das Asteroidenteleskop NEOCam nicht genommen, letzteres wird aber ein weiteres Jahr finanziert). Die Mission Lucy, benannt nach dem Urmenschen, soll 2021 beginnen und 2025 einen Asteroiden im Hauptgürtel und zwischen 2027 und 2033 gleich sechs jener Asteroiden besuchen, die den Riesenplaneten Jupiter in der Nähe seiner Lagrangepunkte L4 und L5 begleiten (Grafik): Dort hat sich noch nie eine Raumsonde umgesehen, nun kommen Instrumente zum Einsatz, die sich bereits auf New Horizons am Pluto bewährten bzw. auf OSIRIS-REx unterwegs sind. Die Mission Pysche geht 2023 zu dem gleichnamigen Asteroiden Nr. 16, der besonders metallreich zu sein scheint („Drei Jahre, 100 Nächte, …“ – letzter Satz): Nach Erd- und Mars-Gravity-Assists soll 2030 ein Orbit um Psyche eingenommen werden. [20:55 MEZ]

Auf einer Telecon zu der Auswahl wurde gerade mitgeteilt, dass zu den Zielen von Lucy die Trojaner Eurybates, der eine Kollions-Vergangenheit hat, und der Doppeltrojaner (617) Patroculus / Menoetius – Abstand 700 km – gehören, der besonders urtümlich sein sollte. [22:15 MEZ] Die Bilder von Psyche sollen sofort veröffentlicht werden, z.T. binnen einer halben Stunde! Das ist mal ’ne Aussage. [22:20 MEZ] Nachdem Lucy die Primärmission erfüllt hat, könnten weitere Ziele unter den Trojanern wie im Hauptgürtel angeflogen werden – darunter kurioserweise auch Psyche! Auch Artikel hier, hier und hier. [22:30 MEZ] Press Releases der zuständigen Institute zu Lucy und Psyche, ein NASA-Video und weitere Artikel hier und hier. [23:35 MEZ. NACHTRÄGE: weitere Press Releases hier, hier und hier, eine Slooh-Show zu Psyche und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

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Fast Radio Burst in sehr ferner Zwerggalaxie lokalisiert

Ein weiterer Schritt bei der mühsamen Aufklärung der Natur der Fast Radio Bursts, inzwischen 18 am Himmel bekannten Quellen, von denen 17 genau ein einziges Mal einen scharfen Radioblitz geschickt haben, FRB 121102 aber immer wieder blitzt. Das ermöglichte es dem Very Large Array, in nur 83 Beobachtungsstunden über 6 Monate des vergangenen Jahres verteilt gleich 9 dieser Blitze zu beobachten und so die Position auf 0,1 Bogensekunden einzugrenzen. Tiefe Aufnahmen mit dem 8-m-Gemini-Teleskop zeigten dann an dieser Stelle eine unscheinbare ferne Zwerggalaxie (Bild Mitte) mit nur 1/10 des Durchmessers der Milchstraße und 1/1000 ihrer Masse, die aber aktiv Sterne bildet und wegen ihrer Armut an schweren Elementen gerne kurzlebige massereiche, die bald wieder als Supernovae enden.

Das spricht für die Hypothese, dass junge Neutronensterne die Quelle des FRB-Phänomens sind (siehe z.B. hier und hier, „Fast Radio Bursts von jungen extragalaktischen Pulsaren?“), beweist sie aber natürlich noch nicht. Die Intensität der Blitze ist jedenfalls enorm und entspricht dem, was Aktive Galaktische Kerne zuweilen schaffen. An der vom VLA lokalisierten Stelle wurde auch eine permanente Radioquelle gefunden, deren Stärke ein wenig variiert und deren direkter Zusammenhang mit dem FRB unklar ist: Ihre Position konnte mit Interkontinental-VLBI wiederum auf 10 Millibogensekunden fest gelegt werden, identisch mit der zweier ebenfalls beobachteter Bursts und nicht im Zentrum der unscheinbaren Galaxie gelegen. Trotz der erfreulichen Lokalisierung der Ursprungsgalaxie eines FRB ist also noch vieles unbekannt, wie auch in der vergangenen Stunde auf einer Pressekonferenz in Texas (unten das Panel) klar wurde (das letzte Slide oben).

So bleibt neben der konkreten Natur der Quelle, die hier blitzt, zu klären, ob überhaupt alle FRBs dieselbe Art von Ursache haben – oder gerade der einzige bekannte Wiederholer unter ihnen vielleicht ein Exot ist. [19:00 MEZ] Die Schlussfolgerung eines Papers (wenn alle FRBs aus so unscheinbaren Galaxien kommen, helfen nur supergenaue Positionen bei der Zuordnung), weitere Press Releases hier, hier, hier und hier, mehr Visuals, ein Video und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [19:35 MEZ] Ein Paper über die Galaxie und ihre Rotverschiebung 0.193: Das bedeutet, dass das Licht 2.4 Mrd. Jahre unterwegs war bzw. die Quelle helligkeitsmäßig scheinbar 3.1 Mrd. Lichtjahre entfernt ist. Und ein Paper über die Astrometrie mit Interkontinental-VLBI. [19:50 MEZ. NACHTRÄGE: das VLA-Paper open access, weitere Press Releases hier und hier, wie die Quelle am Himmel steht, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und ein, äh, exotisches Paper zu den FRBs …]


3. Januar

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Der Uluru von einem ISS-Astronauten fotografiert letzten September – auch ein Safe Mode von Mars Odyssey, der Bohrer-Ärger Curiositys, der Status von Dawn, der Zweck von Chinas Mond-Programm, die Auswahl des Imaging X-ray Polarimetry Explorer (IXPE) als NASA-Mission, wo die Vibrations-Tests mit dem JWST inzwischen angekommen sind, langsame Fortschritte mit Spektr-RG, weitere kommerzielle Crew-Transport-Aufträge zur ISS, die erhoffte Rückkehr der Falcon 9 am 8.1. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), das chinesische White Papermit vielen Ideen, die Anhebung der Bahnen der zu tief ausgesetzten Satelliten – und die Start-Statistik 2006 im Detail. [23:55 MEZ. NACHTRAG: noch viel mehr Statistik]


2. Januar

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Komet C/2016 U1 (NEOWISE) dreht auf – aber zu spät …

Auf dieser Aufnahme von Michael Jäger von gestern früh hat der einst von vorsichtigen Hoffnungen begleitete Komet (2. Artikel) einen beachtlichen Gasschweif von über 70 Bogenminuten entwickelt – doch was hilft’s? Die Helligkeit hat immer noch eine 8 vor dem Komma, und auch wenn sie bis zum erwarteten Maximum zum Perihel am 14. Januar noch um ein paar Größenklassen ansteigen dürfte (die meisten gehen von nur noch 2 mag. Zugewinn aus), würde es dem Kometen nichts nützen: Die Höhe über dem Horizont bei Dämmerungsbeginn fällt von 11° heute auf 7° am 5. und 2° am 8. Januar, so dass jede Menge Licht und Kontrast durch Luftmassen im Weg verloren gehen, und selbst beim Beginn der nautischen Dämmerung steht der Komet am 8. Januar nur 7° bzw. 3° am 11. Januar hoch.

Was von ihm bleiben wird, ist eher ein Schwall absurder Artikel mit Statements wie „Komet C/2016 U1 NEOWISE könnte mit bloßem Auge sichtbar sein“ (nicht von der BILD-Zeitung sondern einem großen deutschen Wissenschafts-Verlag verbrochen!): Die Ursache ist ein irreführender Press Release des JPL, der dann allerorten ohne Nachdenken kopiert wurde. Auch der Komet 45P/H-M-P gestern mit dem Mond hier genial getroffen aus Japan und auch hier zu sehen, mit dem Mond versteckt, eine Animation eines langlebigen persistent train (keine ‚Rauchspur‘ natürlich) nach einer Feuerkugel – und das drohende Ende des McMath-Sonnenteleskops, des Wahrzeichens des Kitt Peak National Observatory in Arizona. [0:45 MEZ. NACHTRAG: Standbilder des persistent trains] Noch ein Komet-Mond-Paar von vorgestern aus Korea: Bum-Suk Yeom am 31.12. um 9:58 UTC mit einem Nikkor 105 mm und einer EOS 6D bei ISO 800, f/5.6, 30 Sek. x 2. Und der Mond nahe der Venus heute, aus Japan, Indonesien, Australien und Malaysia. [14:25 MEZ]

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Der Mond, auch mit Erdschein, die Venus, ein Flugzeug und der Mars heute Abend aus Bochum von diesem Blogger. [18:45 MEZ] Der Mond, der Erdschein, die Konstellation hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier von anderen – und der Komet Johnson heute, der im Frühjahr noch besser werden sollte. [19:20 MEZ] Mehr Konstellationen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie der schwache Komet 43P/Wolf–Harrington heute – und ein sehr ungewöhnliches Bild von Messier 31 mit galaktischem Zirrus drumrum. [20:45 MEZ. NACHTRAG: viele Details zu dem Bild] Noch mehr Konstellationen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Mars bei Neptun hier und hier und Komet HMP heute hier = hier. [23:45 MEZ. NACHTRÄGE: die heutige Konstellation sehr tief belichtet und sogar mit dem Kometen im Bild, dieser mit langem Schweif trotz widriger Umstände, auch alle hellen mit Neptun im Bild sowie Medien-Reaktionen in China auf die Mond-Venus-Konjunktion und die Konstellation später über Honduras – und wieder später der Mond dicht beim Mars über Japan am 3.1.]

Bedeutendes am Himmel im Jahre 2017

1. Januar 2017

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Vom 1.-3. Januar zieht der Mond an Venus und Mars vorbei, wobei letzterer noch nahe am Neptun steht und Komet HMP unter allen nahe am Horizont.

3. Januar gegen 15:00 MEZ: Maximum der Quadrantiden, die eine ZHR von 120 erreichen könnten.

12. Januar: größte östliche Elongation der Venus mit 47° – und gleichzeitig Konkunktion mit Neptun.

Nacht 10./11. Februar: eine tiefe Halbschatten-Finsternis des Mondes, die gut zu erkennen sein sollte.

26. Februar: ringförmige Sonnenfinsternis in Südamerika und Südafrika mit sehr schmalem Ring – der Saros-Nachfolger dieser australischen.

25. März: untere Konjunktion der Venus – mit 8.3° ekliptikaler Nordbreite, so dass sie gleichzeitig Abend- und Morgenstern wird.

Letzte März- bis zweite April-Woche: Beste Abendsichtbarkeit des Merkur, während die der Venus gerade endet. Ein Dreieck Mond / Mars / Merkur am 29. März.

7. April: Jupiter in Opposition mit -2.5 mag.

Anfang Juni: Komet C/2015 V2 (Johnson) – Bilder von heute hier und hier – erreicht während einer langen Sichtbarkeit seine größte Helligkeit um 6 mag.

15. Juni: Saturn in Opposition.

Anfang August: ‚Höhepunkt‘ der Morgensichtbarkeit der Venus.

7. August: partielle Mondfinsternis, die kurz nach Aufgang endet.

21. August: totale Sonnenfinsternis quer über die USA – „Homepages“ z.B. bei der AAS, der NASA und Sonnenfinsternis-Info, auch ein Briefing bei der AGU, Press Releases von NASA und SIU, Animationen von NASA und Zeiler, ein Video über lokale Mythen und ein paar Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

5. September: Neptun in Opposition mit 7.8 mag.

16. September: Konjunktion von Mars und Merkur, der gerade die beste Morgensichtbarkeit erlebt.

5. Oktober: Konjunktion von Venus und Mars.

19. Oktober: Uranus – ein aktuelles Bild mit Wolken und Monden – in Opposition mit 5.7 mag.

25.-30. Oktober: Komet 96P/Machholz zieht durch das Bildfeld von LASCO C3 auf SOHO, etwa +2 mag. hell.

13. November: Enge Begegnung Venus / Jupiter am Morgen, Abstand 18 Bogenminuten.

14. Dezember: Maximum der Geminiden gegen 7:30 MEZ – ZHR um 120 möglich (Perseiden dagegen vom Vollmond gestört).

Weitere „kosmische“ Ereignisse für 2017 geplant

Cassini stürzt in den Saturn nach über 13 Jahren im Orbit, am 15. September um 14:07 MESZ – der Abstieg beginnt am 22. April.

China startet mit Chang’e-5 die erste Sample-Return-Mission zum Mond, voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte – die 3. Stufe des Mondprogramms.

Der 2. Data Release von Gaia im vierten Quartal enthält u.a. für jeden der über eine Milliarde Sterne eine Parallaxe und damit Entfernungsabschätzung: Die Milchstraße wird dreidimensional wie noch nie.

OSIRIS-REx holt sich einen Gravity Assist an der Erde am 23. September, um schneller zum Zielasteroiden Bennu zu kommen.

China startet Tianzhou 1 zu Tiangong-2 im April, das erste autonome Versorgungsschiff für eine chinesische Raumstation.

Die Falcon Heavy soll ihren Erstflug absolvieren – und beim zweiten Flug dieser Rakete soll LightSail 2 an Bord sein, im Idealfall noch im Herbst. Aber erstmal muss die Falcon 9 wieder fliegen …

Der NASA-Exoplaneten-Jäger TESS startet im Dezember, sofern mit der Falcon 9 wieder alles rund läuft. Was auch die Voraussetzung für einen Crew-losen Demo-Flug der Dragon-Crew-Kapsel für die ISS im November ist.

Die Ionosphären-Forscher ICON und GOLD starten, mit ICON im Juni auf einer Pegasus und GOLD am 30. September (schon wieder mit einer Falcon 9).

83 Satelliten auf einer einzigen Rakete will Indien mit dem PSLV-C37 starten, voraussichtlich Ende Januar – und im ganzen Jahr 103 Satelliten.

Eine Reihe mehr oder weniger gespannt erwartete Science-Fiction-Filme kommen ins Kino, darunter Passengers (D-Start 5. Januar), Life (US-Start 24. / D-Start 23. März), Guardians of the Galaxy Vol. 2 (5. Mai / 27. April), Alien: Covenant (19./18. Mai), War for the Planet of the Apes (14. Juli / 3. August), Valerian and the City of a Thousand Planets (21./20. Juli), Bladerunner 2049 (6./5. Oktober), Geostorm (20./19. Oktober) und Star Wars: Episode VIII (15./14. Dezember). Und das Doku-Drama Hidden Figures (6. Januar / 2. Februar).

Die Deadline für den Google Lunar X Prize ist am 31. Dezember, und ein paar Bewerber haben immerhin Raketen reserviert – aber ob da dieses Jahr (oder irgendwann) irgendwer abfliegt

Runde Jahrestage im Jahr 2017

Vor 400 Jahren

… versucht Galilei, die Parallaxe von Mizar zu messen, was aber nicht gelingt.

Vor 150 Jahren

… werden die ersten Wolf-Rayet-Sterne entdeckt.

Vor 125 Jahren

… entdeckt E. E. Barnard den 5. Jupitermond (9.9.1892), der von Flammarion Amalthea getauft wird.

… gelingt demselben Barnard die erste Spektroskopie einer Nova, die vom Ausstoß von Gaswolken zeugt.

Vor 100 Jahren

… wird die Entfernung der Andromeda-Galaxie mit verschiedenen Verfahren größenordnungsmäßig korrekt bestimmt.

… wird auf dem Mount Wilson bei Los Angeles ein 2.5-m-Reflektor, das „Hooker Telescope“, in Betrieb genommen.

Vor 75 Jahren

… erstellt Grote Reber die erste grobe Radiokarte des Himmels (erst Jahre später publiziert).

… beginnt mit einem Flug des Aggregat 4 über Peenemünde bis in 90 km Höhe in gewisser Weise die Raumfahrt (3.10.1942).

Vor 50 Jahren

entdeckt Jocelyn Bell den ersten Pulsar (6.8.1967; Nachweis von Pulsen im Gleichtakt am 28.11.1967).

… kommen bei den Katastrophen von Apollo 1 (27.1.1967) drei Astronauten und von Soyuz 1 (24.4.1967) ein Kosmonaut ums Leben.

… registrieren die Vela-Frühwarnsatelliten den ersten kosmischen Gamma Ray Burst (2.7.1967), von dem die Militärs den Astronomen aber lange nichts erzählen – die Entdeckung darf erst 1973 publiziert werden.

… entsteht das erste Bild der Erde von der Mondoberfläche durch Surveyor 3 (30.4.1967).

… erreichen Venera 4 (18.10.1967) und Mariner 5 (21.12.1967) die Venus: Es gelingen die erste In-Situ-Analyse der Atmosphäre eines anderen Planeten bzw. ihre Fernerkundung durch Radio-Okkultation.

Vor 40 Jahren

… starten die Voyager-Sonden ins äußere Sonnensystem: Nr. 2 zuerst am 20.8.1977, gefolgt von Nr. 1 am 5.9.1977.

… werden bei einer Sternbedeckung (10.3.1977) vom Kuiper Airborne Observatory aus die Uranus-Ringe entdeckt (10.3.1977).

… entdeckt Charles Kowal mit (2060) Chiron den ersten Centauren (18.10.1977).

… wird mit dem Radioteleskop Effelsberg die erste Wasserdampfwolke im Weltraum entdeckt, in der Galaxie M 33 – ein Maser-Effekt macht sie hell genug für den Nachweis.

… startet die Sowjetunion mit Salut 6 die erste Raumstation eines moderneren Typs (29.9.1977).

Vor 30 Jahren

… explodiert in der Großen Magellanschen Wolke die Supernova 1987A (am 23.2.1987 erreichen ihre ersten Photonen die Erde).

… werden im Galaxienhaufen Abell 370 die ersten Gravitationslinsen-Bögen entdeckt.

… wird die Entdeckung mehrerer Exoplaneten um Hauptreihensterne mit einer noch kruden Radialgeschwindigkeits-Technik bekannt gegeben (Juni 1987) – zwar wird die Entdeckung Jahre später wieder zurückgezogen, aber irrtümlich: Mehrere der Planetendetektionen waren echt! Die Story wird u.a. hier, hier und hier erzählt.

… wird mit Malin 1 die erste Low Surface Brightness-Galaxie bekannt.

… startet zum ersten Mal die sowjetische Superrakete Energia (17.5.1987).

Vor 25 Jahren

… wird das nach Pluto zweite Objekt im Kuiper-Gürtel entdeckt, der immer noch namenlose 1992 QB1 (30.8.1992).

… meldet der GALLEX-Detektor seine ersten Messungen von Sonnen-Neutrinos.

… fliegen die Raumsonde Giotto in einer Extended Mission am Kometen Grigg-Skjellerup (10.7.1992) und Ulysses am Jupiter (8.2.1992) vorbei.

… wird The Spaceguard Survey: Report of the NASA International Near-Earth-Object Detection Workshop veröffentlicht (25.1.1992): die ersten harten Zahlen zum Risiko durch Impakte, im Wesentlichen heute noch gültig.

… fangen drei Astronauten während STS-49 mit ‚bloßen Händen‘ einen Satelliten ein (13.-14.5.1992).

… trifft der Meteorit von Peekskill ein Auto, nachdem der Atmosphärenflug vielfach gefilmt worden war (9.10.1992).

Vor 20 Jahren

…steht der Komet Hale-Bopp viele Wochen lang auffällig am Himmel, mit negativer Koma-Helligkeit aber wegen großen Erdabstands leider nicht so langen Schweifen (Frühjahr 1997, Perihel 1.4.).

… landet der Mars Pathfinder auf dem Mars (4.7.1997) und lässt später den Mini-Rover Sojourner frei.

Vor 10 Jahren

… wird der Komet McNaught der letzte ganz große Komet der Geschichte, leider nur für den tiefen Süden (Januar 2007).

… erleidet der Komet Holmes einen gewaltigen Ausbruch, der ihn um knapp 15 Größenklassen heller und mit dem bloßen Auge sichtbar werden lässt (23.10.2007).

… erreicht mit Chang’e-1 der erste chinesische Orbiter den Mond (5.11.2007).

Quellen und weitere Infos: Himmelsereignisse 2011 – 2020, Himmelshighlights 2017, Astronomische Jahresvorschau 2017, Planeten, keine richtige Finsternis und das Ende einer Dienstfahrt, 2017 ist wenig los am Himmel, Astronomische Phänomene 2017 über Krefeld, Top 7 Must-See Sky Events for 2017, IMO Meteorstrom-Kalender 2017, Eclipses Of 2017: A Sneak Preview, All The Incredible Astro Events You Can Look Forward To, All the Biggest Space News to Look Forward to, Moon in 2017, JPL Space Calendar, Spaceflight in 2017, 8 space reasons to look up in 2017, The Science Stories We’ll Be Watching, The world of physics in 2017 – und Paturi, Schlüsseldaten Astronomie sowie diese Seite vor einem Jahr.

Allgemeines Live-Blog vom 29. bis 31. 12. 2016

29. Dezember 2016

31. Dezember

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Heute begegnet die Mondsichel dem Kometen 45P/H-M-P

Von Deutschland aus gesehen, steht der Mond – hier eine Aufnahme dieses Bloggers von gestern (mehr und mehr und Bilder anderer hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) – heute Abend zu 5.7% beleuchtet 5.5° vom Kometen H-M-P entfernt: eine grobe Grafik, ein Artikel und der Komet mit kleinem Gerät gestern und mit größerem am 28.12. Die letzten Helligkeitsschätzungen liegen um 7.3 mag.: Das wird schwierig mit dem Mond im selben Bildfeld – und am 1.1. (dann lauten die Zahlen 11% und 8°) erst recht. Auch der Komet NEOWISE gestern mit Schweif aber nur 8.5 mag., eine enge Mars-Neptun-Konjunktion (richtig eng nur in Amerika, speziell Hawaii) und Bilder des Paares vom 29.12. und 28.12., neue Aktivität auf dem Jupiter, die weiter laufende Suche nach „Planet 9“ (mehr und mehr), eine Feuerkugel in der Zeitung, der Blazar CTA-102 mit nun 11.2 mag. extrem hell, Forschungen zum Aurora-Schall-Mysterium – und heute gibt’s mal wieder eine Schaltsekunde um Mitternacht UTC. [2:35 MEZ] Venus, Mond & Komet heute in einem Video aus Japan und gestern auf einem Bild (wobei H-M-P nur in einer Ausschnittvergrößerung erkennbar ist) – derweil hat der chinesische Präsident Xi in seiner Neujahrs-Ansprache ab 2:30 das Riesen-Radioteleskop FAST & mehrere Raumfahrtprojekte erwähnt. [15:45 MEZ] Die Mondsichel und ihre Konstellation mit der Venus heute aus Europa – leider ohne den Kometen, der auf diesem gestrigen Bild sehr schwach neben einer Wolke sitzt. [18:30 MEZ] Treffer! Der Komet heute neben dem Mond – dessen Erdschein fast weiß erscheint. [22:55 MEZ] Noch ein Erfolg mit kürzerer Belichtung sowie HMP tief belichtet und Venus & Mond. [23:10 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: weitere gelungene Paare hier, hier und hier sowie Mars bei Neptun und Triton – und ein toller HMP-Schweif vom 28.12.]


29. Dezember

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Vera Rubin, Stimme flacher Galaxien-Rotation, 1928-2016

Die am 25. Dezember mit 88 Jahren verstorbene US-Astronomin Vera Cooper Rubin wird in der astronomischen Öffentlichkeit weithin als die Entdeckerin der flachen Rotationskurven der Spiralgalaxien und damit deren Halos aus Dunkler Materie gesehen, die dafür sorgen, dass auch die Sterne weit draußen noch so rasant um das Galaxienzentrum sausen wie weiter innen. Aber wie so oft ist die Astronomiegeschichte mal wieder (wesentlich) komplizierter: In großen Review-Papers von 1979 und 1987 (ab Seite 432) ist sie keineswegs eine dominante Figur, und aktuelle Einschätzungen heute hier (mit Auszügen aus diesem Buch von 2014), hier und hier zeichnen ein äußerst differenziertes Bild der Beiträge vieler Personen zu einer der fundamentalen Entdeckungen der Astronomie des 20. Jahrhunderts. Rubins Verdienst scheint demnach in ihrer Hartnäckigkeit gelegen zu haben, die Rotationskurve erst der Andromeda-Galaxie dank dieses Spektrografen mit neuer Qualität gemessen und ihre Flachheit bestätigt zu haben (die sich zuerst 1939 angedeutet hatte) und dann die 1970-er Jahre hindurch entsprechende Kurven von immer mehr Galaxien zu bestimmen, bis deren kuriose Eigenschaften nicht mehr zu leugnen waren.

Das taten allerdings auch andere, wie eine kleine Auswahl von Originalarbeiten zeigt, von 1970 (Freeman ‚verlangt‘ Dunkle Materie), 1972 (Rogstad & Shostak sehen „sehr flache“ Kurven), 1974 (Ostriker et al. sehen überall massive Halos), 1976 (Roberts zum selben Problem) und 1978 (Rubin et al., die auf der letzten Seite Roberts als den Entdecker der flachen Kurven bezeichnen): Die relativen Beiträge einzelner Akteure heraus zu arbeiten, wäre eine Mammutaufgabe – der nicht einmal das Nobelpreis-Komitee gewachsen war. Nach der 2011-er Bekanntgabe des Preises für die Dunkle Energie wurde in der anschließenden Pressekonferenz als erstes gefragt, wo denn der Nobelpreis für die viel früher entdeckte Dunkle Materie und speziell Vera Rubin bliebe: Die Geschichte sei halt ziemlich kompliziert und müsse „noch ermittelt“ werden, war die – siehe oben: offensichtlich korrekte – Antwort. Zu den vielen Ehrungen, die Rubin erhalten hat, zählt aber z.B. der 2002 Gruber Cosmology Prize, dessen Citation auch ihre Wirkung über die reine Forschung hinaus betonte: „By example and gentle voice she has championed equal rights and revealed the incredible beauty of the universe.“ Eine Art Memoiren, ein langes historisches Interview und Auszüge daraus sowie zahlreiche Nachrufe hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:00 MEZ] Endlich ein historisch recherchierter Nachruf! [21:25 MEZ] Und noch mehr historische Links. [23:45 MEZ. NACHTRAG: Erinnerungen und weitere Artikel hier und hier]

sofia

Alle Flüge der fliegenden Sternwarte SOFIA in diesem Jahr. Auch die Bestätgung von Chinas Landung auf der Mondrückseite 2018 und was China dieses Jahr im Weltraum erreicht hat – der jüngste Start war allerdings nur ein 75%iger Erfolg, da der Orbit der zwei Erdbeobachtungs-Satelliten zu niedrig geriet: Artikel hier, hier und hier. Und es könnte sein, dass eine langsame mutmaßliche Feuerkugel über Mittelamerika damit zusammen hängt. [0:00 MEZ]

Ausgeprägtes Polarlicht über Kanada aus dem Weltraum

gesehen vom Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) auf dem Satelliten Suomi NPP am 22. Dezember. Auch Komet 45P, der inzwischen etwa 7.0 mag. erreicht hat, am 28.12., 27.12. (mehr, mehr und mehr) und 26.12. (mehr und mehr), wo C/2016 U1 steckt, eine Amateur-Remote-Beobachtung (einer Supernova) als Medien-Thema – und zu den öffentlich meist-diskutierten Papers des Jahres gehören der Nachweis von Gravitationswellen (Platz 3), das Postulat eines Neunten Planeten (Rang 4) und der neue Atlas der Lichtverschmutzung (Platz 10). [0:00 MEZ. NACHTRÄGE: HMP heute mit Disconnection Event (mehr, mehr, mehr und mehr Fotos und eine Zeichnung) und gestern mit viel Schweif-Detail (auch relativ zur Venus sowie Artikel hier, hier und hier) und NEOWISE heute (alt. und mehr) sowie dessen Sichtbedingungen und eine Erwähnung in einem JPL Release über NEOWISEs Entdeckungen]

Ein Monument für den „fränkischen Galilei“

27. Dezember 2016

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Von solch einer publizistischen Unterstützung kann ein historischer Astronom – ein Jahrhunderte lang verkannter zumal – nur träumen: Leben und Werk des Simon Marius (1573-1624) sind in einem viel-sprachigen Web-Portal und nun auch einem 481-seitigen Buch erschlossen, Simon Marius und seine Forschung. Die 16 Beiträge ebenso vieler Autoren unterscheiden sich in Länge und Stil gewaltig, was das monumentale Werk für Nicht-Historiker unter den Astronomie-Interessierten nicht eben leicht verdaulich macht. Aber es hat Lektüre und Verbreitung verdient, befasst es sich doch mit einer der dramatischsten Epochen der Astronomiegeschichte Ende des 16./Anfang des 17. Jh., als die Diskussion um das rechte Weltmodell – geozentrisch, heliozentrisch oder etwas dazwischen – in vollem Gange war, die moderne Physik schemenhaft in Erscheinung trat und das Fernrohr plötzlich auf der Bühne erschien.

Diese Epoche des Umbruchs wird in der populären Darstellung meist auf Brahe, Galilei und Kepler reduziert, die scheinbar geradlinig die moderne Astronomie begründeten und Antike wie Mittelalter endgültig begruben – aber so einfach war es keineswegs (und ist es fast nie in der Geschichte): Auch manch anderer Akteur verdient Beachtung. Darunter eben auch jener Simon Marius aus Gunzenhausen, Hofastronom des Ansbacher Markgrafen: Lange wurde er als Plagiator Galileis verdächtigt, erst vor einem Jahrhundert als gleichwertiger unabhängiger Entdecker der Jupitermonde und anderer Phänomene rehabilitiert und danach gleichwohl eher als ein fränkischer Lokalheld gehandelt, ohne Platz unter den Größen seiner Zeit. (Oben eine Zeichnung von Maria Dementeva auf der Basis des einzigen bekannten Portraits; s.a. ganz unten.)

Die Beiträge in dem gewichtigen Band zeigen überzeugend auf, dass Marius an wesentlichen Entdeckungen in der chaotischen Umbruchphase Anteil hatte, seine Leistungen aber weit weniger gut als insbesondere Galilei zu ‚verkaufen‘ verstand – und die geistige Landschaft vor 400 Jahren wird durch zahlreiche Facetten lebendig. Viel zu viele freilich für den eher allgemein interessierten Leser, der auf den Punkt kommen möchte. Die meisten Leser dürften deshalb gut daran tun, die Lektüre zunächst mit den Seiten 407-439 (!) zu beginnen, denn die „Priorität, Rezeption und Rehabilitation des Simon Marius“ von Pierre Leich – der treibenden Kraft hinter dem Portal, der aktuellen Marius-Renaissance und dem Buch, das aus einer Fachtagung hervor ging – bilden die ideale Einführung in Leben, Leistung und bewegte Wahrnehmung des Astronomen.

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Schon 1596 hatte sich Marius gegen das ptolemäische (und für das tychonische) Weltsystem entschieden, er war wahrscheinlich erste „Profi“-Astronomen außerhalb der Niederlande, der von der Erfindung des Fernrohrs Kenntnis erhielt, und er machte unabhängig – wie allerdings Historiker erst um 1903 endgültig klären konnten – etliche fundamentale Entdeckungen damit, namentlich der Jupitermonde, die er leider erst 1614 in seinem Hauptwerk Mundus Iovialis (drei Seiten in der Mitte und unten) im Detail publizierte. Seine Beobachtungen der Jupitermonde, von Sonnenflecken und Kometen beschreiben mehrere Artikel auf den Seiten 163-216 genauer – und die zwei im großen Kontext wichtigsten Beiträge des Buches untersuchen auf den Seiten 217-255, warum sich Marius klar für das nur scheinbar so absurde tychonische Weltbild (alle Planeten des Himmels kreisen um die Sonne, die wie der Mond aber die Erde umkreist) aussprach, das ja die Bahnschleifen und Venusphasen genau so gut wie das kopernikanische erklärt.

Die tychonische Interpretation passte nämlich zugleich deutlich besser zur Gesamtlage der Beobachtungen Anfang des 17. Jh., mit keinen messbaren Sternparallaxen und gleichzeitig vermeintlich als Scheibchen aufgelösten Sternen – die im kopernikanischen Weltbild sehr weit weg und unfassbar groß hätten sein müssen. (Was sie aber nicht waren, weil die „Durchmesser“ im Teleskop nur durch damals unverstandene Beugungseffekte vorgetäuscht wurden.) In diesem erstaunlichen Irrweg der Astronomiegeschichte, der noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jh. mit Verve vertreten wurde, liegt auch eine Botschaft für die Gegenwart: Gelegentlich sollte man sich schon fragen, ob das aktuelle Standardbild der Kosmologie, wo alles so schön zusammen passt (auch wenn Dunkle Materie und Energie noch der physikalischen Erklärung harren), nicht auch grob falsch sein kann. (Spoiler: Der Autor dieser Zeilen glaubt dieses nicht.)

Nach so viel Tiefsinn mag sich der Leser dann in die drei Biografien vertiefen, mit denen der Band beginnt (Seiten 13-161): Die bei weitem längste und vor Detailfülle aus allen Nähten platzende behandelt natürlich Marius‘ Leben selbst, belegt durch 478(!) Fußnoten und ich manchem Detail Neuland. Wiederum von allgemeinem Interesse ist die viel kürzere Biografie von Marius‘ Förderer – und Teleskop-Beschaffer – Fuchs von Bimbach, dessen sich der bekannte Astronomiehistoriker Wolfang Dick angenommen hat: Exemplarisch wird sichtbar, wie man mit Quellen kritisch umgehen muss und dass sich vermeintliche Wahrheiten in der Sekundärliteratur in Wohlgefallen auflösen, wenn man Informationen aus erster Hand zumindest näher kommt. (Diese Erfahrung machte auch der Rezensent immer wieder, z.B. hier und hier auf der Suche nach dem Entdecker der Venusatmosphäre oder im Zusammenhang mit dem Finsternis-Kometen von 1948.)

Die drei Aufsätze über Marius als Kalendermacher und Astrologe (Seiten 257-365) setzen einige Toleranz gegenüber esoterischem Aberwitz voraus, lassen den damaligen Zeitgeist aber auch besonders markant aufblitzen – und den feschen Stil Marius‘, der Kollegen in seinen Kalender-Texten schon mal als faul und Idioten bezeichnet, während er sich selbst im Besitz der besseren Ephemeriden-Mathematik wähnt. Altsprachler werden ihre Freude an den Seiten 367-405 haben, in denen Schlüsseltexte Marius‘ im lateinischen Original in Form gymnasialer Aufgaben erscheinen (mit Übersetzungen und Lösungen dankenswerterweise am Schluss!), und das Gesamtwerk wird auf den Seiten 441-481 abgerundet durch Details über den jüngst nach dem Astronomen getauften Asteroiden Nr. 7984 und Berichte über aktuelle Öffentlichkeitsarbeit zu Marius‘ Ehren. Die ist immer noch nicht zuende: Das Buch soll 2017 auch in Englisch erscheinen (drei seiner Kapitel sind ihrerseits Übersetzungen aus dem Amerikanischen) und sein Inhalt über das Marius-Portal verfügbar werden.

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Allgemeines Live-Blog vom 23. bis 25. 12. 2016

23. Dezember 2016

25. Dezember

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Dies sind Live-Bilder eines großen Polarlichts vor ein paar Minuten über Nordnorwegens Fylke Troms: Standbilder aus einer Übertragung in Echtzeit (eine frühere und eine noch frühere von heute sowie vor ein paar Tagen) – der Eindruck mit moderner High-End-Kameratechnik, nämlich dieser Kamera für ~22’000 Euro, ist tatsächlich realistisch, auch mit dem Kommen und Gehen der (heute Nacht ganz besonders dynamischen) aktiven Phasen. Ansonsten Komet 45P am 24.12. mit nur 4 Zoll, am 23.12. (auch die Schweif-Entwicklung 17.-23.12., dito im Negativ) und 22.12. (mehr und mehr) sowie Aufsuch-Karten, eine Vorschau und Überlegungen zur Konjunktion mit der Mondsichel zum Jahreswechsel, Komet C/2016 U1 (NEOWISE) gestern und mit schlechter Prognose, der Jupiter gestern von den Philippinen aus (trotz nahenden Super-Taifuns), ein PSF-Test mit einem CTA-Prototypen – und den SKA in Afrika zu bauen, ist nicht leicht. [21:15 MEZ – Ende. NACHTRAG: Die Polarlicht-Show ging in Kanada weiter – ein Schnappschuss und ein Mitschnitt (auch ein früherer) einer Echtzeit-Übertragung]

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Piers Sellers, Astronaut und Klimaforscher, 1955 – 2016

Vorgestern ist in Houston der Astronaut Piers Sellers gestorben, der 1991 zusätzlich zu seiner britischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, um – dreimal 2002-2010 mit dem Shuttle zur ISS – für die NASA in den Orbit fliegen zu dürfen. Zuvor hatte sich Sellers als Klimaforscher einen Namen gemacht, u.a. als Projektwissenschaftler für den Terra-Satelliten, und am Tag seines Todes wurde diese kurze Videomahnung von ihm verbreitet: auch Nachrufe vom NASA-Chef und vom GSFC und Artikel hier, hier und hier. Auch sämtliche Ausgaben der ISRO-Hauszeitschrift Space India von 1987 bis heute (also 30 Jahre indische Raumfahrt-Geschichte; auch noch frühere Facetten), die Kalibration von GOES-R, eine Fan-Verarbeitung eines Saturnbildes aus ungewohnter Perspektive, der Status von Curiosity mit dem streikenden Bohrer – und in diesen Stunden vor 13 Jahren trat der Mars Express in den Marsorbit ein, wo er immer noch arbeitet: Artikel dieses Bloggers von damals kurz in Deutsch und lang in Englisch. [2:05 MEZ] Weitere Sellers-Nachrufe hier, hier und hier. [20:25 MEZ]


24. Dezember

Und Tschüss, „Stern von Bethlehem“ … mehr und mehr setzt sich die Auffassung durch, dass es sich nicht um ein reales Himmelsphänomen gehandelt hat, wie in diesem Vortrag von 2014 und diesem Paper von 2012 gut erläutert wird. Auch die „moderne“ rein astrologische Molnar-Hypothese (von 1999) ist reichlich problematisch, von der Annahme astronomischer Erklärungen ganz zu schweigen: Was Wunder (no pun intended), dass in dieser Slooh-Show gerade alle „drei weisen (zugeschalteten) Männer“ dagegen argumentierten. [3:15 MEZ] Und gleich noch eine lange Diskussion, wieder mit Drei Weisen … [17:05 MEZ] … und Wortmeldungen auch noch hier, hier und hier. [23:50 MEZ. NACHTRAG: ein cleverer Nachschlag …]


23. Dezember

45p

Komet 45P/Honda–Mrkos–Pajdušákova knapp am Abend

Die letzten Helligkeits-Schätzungen liegen bei 7 bis 8 mag., tiefe Fotos – hier von Terry Lovejoy vom 21. Dezember mit einem C 14 – zeigen einen schlanken Schweif, und das Sichtfenster am frühen Abend ist nur kurz: Der Komet 45P sollte in den kommenden 2-3 Wochen noch etwa eine Größenklasse heller werden, Mitte Januar dann im Glanz der Sonne verschwinden und Anfang Februar am Morgenhimmel wieder auftauchen, dann aber schon wieder schwächer als jetzt. Bis Ende des Monats steht 45P (in Deutschland) beim Ende der nautischen Dämmerung noch rund 9° und beim Ende der astronomischen 5° hoch, in der ersten Januarwoche – wenn er vielleicht 1 mag. heller ist als jetzt – beginnt sich das aber zu verschlechtern, während sich zugleich die Mondsichel dazu gesellt: Am 31.12. und 1.1. mit 5.5% bzw. 11% Beleuchtung in nur 5.5° bzw. 8° Abstand! Am 7. Januar – inzwischen steht schon ein zu 70% beleuchteter Mond am Himmel – ist 45P beim Übergang nautische/astronomische Dämmerung noch 8°, am 12. Januar (Vollmond) 7° und am 15. Januar (der Mond ist wieder weg) 5° hoch, während gleichzeitig das Helligkeitsmaximum überschritten sein sollte. Nach zwei Wochen Pause geht es dann Anfang Februar am Morgenhimmel weiter, mit sich rasant verbessernder Sicht: Bereits am 4. steht 45P vor Beginn der Morgendämmerung 10° hoch, am 6. sind es 20° und am 8. über 30°, alles noch mondlos. Dann ist (Voll-)Mondpause bis Mitte Februar, wenn 45P – leider schon deutlich schwächer – abermals mondlos am Abendhimmel erscheint. Weitere Bilder des Kometen, der auch Gegenstand einer Pro-Am-Kampagne ist, vom 22. Dezember (mehr), 21. Dezember (mehr und mehr), 21. + 19. Dezember und 17. Dezember, eine Sichtvorschau für Australien, der andere potenziell hochinteressante (2. Item) Januar-Komet C/2016 U1 (NEOWISE) am 22. Dezember, 21. Dezember und 20. Dezember (mehr) und an diversen Tagen – und mal wieder klare Argumente gegen einen Impakt zu Beginn des Jüngeren Dryas, an den aber eh kaum jemand glaubt.

Ein weiteres Aurora-Video in Echtzeit, aufgenommen in Finnland mit einer Sony Alpha7s und einem Sigma 20 mm f/1.4. Auch ein Paper über eine stabilisierte Plattform z.B. für Stratosphärenballons aus Indien, wo bereits fleißig experimentiert wird, LED-Zoff auch in Chicago, ein neuer Receiver für ALMA, die Ehrenmitgliedschaft in der AG für Rudolf Kippenhahn – und der Radioastronom Fred Lo ist gestorben, mit nur 69. [0:00 MEZ]

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Ein Dreieck aus Mond, Jupiter und Spica heute Morgen, das als das „schönste Himmelstreffen des Monats“ angepriesen worden war: weitere Bilder dieses Bloggers und von anderen hier und hier. Auch Komet 45P heute (aus Japan) und gestern hier in Farbe und hier – und vor 5 Jahren wurde Komet Lovejoy nach seiner überraschend überlebten Sonnen-Passage der letzte Große Komet: dramatische Erinnerungen aus Australien, erste Bilder und weitere mit Links hier und hier. [15:55 MEZ] Wie sein Schweif wuchs, vom 21. – 25. 12. 2011 – und 45P ebenfalls ausschweifend heute Abend aus Teneriffa trotz Wolken-Ärger. [23:50 MEZ. NACHTRÄGE: ein paar der Bilder gestackt, für schöneren Schweif – und der Schweif am 24. über Japan sowie NEOWISE am selben Tag]

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Eins der besten Bilder Pandoras, die komplette Bahn Rosettas und kuriose saisonale Effekte auf dem Mars: Den 84 km langen Saturnmond lichtete Cassini am 18. Dezember aus 40’500 km Abstand ab (auch eine Animation weiterer Bilder, eine Farbversion eines Fans und noch härtere Bildverarbeitung …), das Video zeigt alle Manöver Rosettas am Kometen, und das HiRISE-Bild ist eines von vielen, die dunkle Fächer auf dem Mars zeigen, die CO2-Jets verursachten. Auch ein Mosaik aus MSL-Bildern kuriosen Gesteins und eine Galerie irdischer Wolken aus dem Weltraum, was New Horizons in zwei Jahren erleben soll – und ein 12-Seiten-Bericht und Einzelanalysen hier, hier und hier der jüngsten Jupiter-Aufnahmen der JunoCam während der Perijovien.

Festive nebulae

Der Nebel NGC 248 in der Kleinen Magellanschen Wolke, aufgenommen mit der ACS des Hubble Space Telescope – auch die Galaxie NGC 4707, die Vibrations-Anomalie des JWST (diskutiert hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier nach dem heutigen Update] sowie andere Status-Updates hier und hier), der Röntgen-Spiegel für den Satelliten SVOM, warum BIROS mehr kann als TET-1, das Exo-Brake-Experiment für die ISS und Artikel hier, hier und hier zu exotischer Weltraumforschung in China. [0:00 MEZ]

Live-Blog zu drei weiteren Starts Ende Dezember

20. Dezember 2016

21. Dezember

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VA 234: Auch die siebte Ariane des Jahres ist unterwegs

Und nach zunächst vielen Wolken im Bild nach dem pünktlichen Abheben um 21:30 MEZ war der Abwurf der beiden Booster um so besser zu verfolgen – und „tous les parametres sont normaux“ so weit. [21:35 MEZ] Der erste der beiden Satelliten ist ausgesetzt während der komplexen ballistischen Flugphase. [22:00 MEZ] Und der zweite ist auch weg – das war’s! [22:15 MEZ]

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Da kommt Stimmung auf … viele Manager in der Mission Control haben festliche Mützchen – mit blinkenden LEDs – aufgesetzt, man wartet aber noch auf Funkkontakt mit den Satelliten, bevor die Dankesreden geschwungen werden. [22:25 MEZ]

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Das hätte dann auch geklappt: Der Arianespace-CEO spricht. [22:30 MEZ] Und wie hier, hier und hier zu sehen, wird die Kleiderordnung auch weiter konsequent eingehalten … auch Ariancespace und ESA Releases, ein weiterer Artikel – und die Jahresbilanz für den Weltraum-Bahnhof, mit 27 gestarteten Satelliten ein Rekord. [22:50 MEZ] Ein Video vom Start. [23:55 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: ein Flug-Bericht und noch ein Artikel]

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Chinesischer Satellit zur CO2-Überwachung gestartet: Eine Live-Übertragung gab es nicht, aber Xinhua hat vor wenigen Minuten gemeldet, dass der TanSat den Orbit erreicht hat. Hingegen wird hier um 21:15 MEZ eine Sendung zum letzten Ariane-Start des Jahres – Details und Roll-Out-Bilder – beginnen. [21:00 MEZ] Ein weiterer Artikel zum TanSat. [21:15 MEZ] Der Start war um 20:22 MEZ – und den Webcast des Ariane-Starts gibt es auch hier und Updates hier und hier. [21:25 MEZ. NACHTRÄGE: ein Video und hier und hier Bilder vom Start des TanSat und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]


20. Dezember

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Premierenflug der neuen Epsilon mit dem ERG-Satelliten

Die Serie von Weltraumstarts in rascher Folge („Immer noch sieben Raketenstarts bis Ende des Jahres“) geht weiter, mit einem heute und zwei morgen! Um 11:40 MEZ soll hier eine Live-Übertragung beginnen: Das erste Exemplar der überarbeiteten Epsilon-Rakete Japans (Bild, auch ein Video vom Roll-Out) trägt den Satelliten Exploration of energization and Radiation in Geospace (ERG), der hier in überbordender Detailfülle und hier und hier sparsamer beschrieben ist. Das Startfenster geht von 12:00 bis 13:00 MEZ: Hier gibt’s Updates. [10:20 MEZ] Und auch hier und hier. Der Webcast läuft – und hier die Timeline des Starts: Aussetzen 13 Minuten nach dem Abheben. [11:45 MEZ]

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Und die Epsilon-2 ist gut weg gekommen, der Flug verläuft ohne Probleme, die ersten beiden Stufen haben ihren Job getan. [12:05 MEZ] Ein Foto und ein Video vom Nachtstart – auch die 3. Stufe hat fertig. [12:10 MEZ] Und ERG ist ausgesetzt! [12:15 MEZ] Strichspur-Aufnahmen des Starts hier und hier und ein Artikel. [12:35 MEZ] Erfolgreich im Orbit wurde ERG nach einem Fluss „ARASE“ getauft – auch noch ein Start-Video, weitere Artikel hier und hier und die beiden Starts morgen. [17:55 MEZ] Der Ziel-Orbit wurde genau getroffen. [22:50 MEZ. NACHTRÄGE: eine weitere Strichspur-Aufnahme und weitere Artikel hier, hier und hier]

Allgemeines Live-Blog vom 14. bis 18. 12. 2016

14. Dezember 2016

18. Dezember

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Geniale Echtzeit-Polarlicht-Videos von der Insel Senja in Nordnorwegen (wo dieser Blogger vor 2 Jahren Aurora-Spaß hatte) von einer dortigen Marketing-Firma – mehr solches Material auch hier mit Reaktionen im Soundtrack (mehr davon und anderes Format) und noch viel mehr z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Plus schon wieder Amateur-Nachweise der Uranus-Ringe, diesmal mit 51 cm und 36 cm Öffnung – und die Pläne für Shanghais Planetarium mit vielen Hintergedanken. [23:55 MEZ – Ende]

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Immer noch sieben Raketenstarts bis Ende des Jahres

stehen laut den Listen hier, hier und hier auf den Kalendern, allein vier an den kommenden vier Tagen. Den Anfang soll heute um 19:27 MEZ (Fenster bis 21:27 MEZ) eine Atlas V – Bild vom gestrigen Roll-Out, auch ein kurioses Video über die Logo-Maler und Updates – mit dem Nachrichtensatelliten EchoStar 19 machen. Es folgen am 20.12. um 12:00 MEZ eine japanische Epsilon-2-Rakete mit Exploration of Energization and Radiation in Geospace (ERG) und am 21.12. zwischen 20:00 und 20:30 MEZ eine Langer Marsch CZ-2D mit dem CO2-Kartierer TanSat und um 21:30 (Fenster bis 22:45) MEZ eine Ariane 5 mit Star One D1 & JCSAT 15. Eine Proton (vermutlich am 28.12.) und zwei weitere chinesische Raketen sollen ebenfalls noch kurz vor Jahresende starten. [11:00 MEZ] Um was es beim Atlas-Start geht, der 70% Wetterchancen hat. [13:15 MEZ]

Drohnen-Aufnahmen der Atlas auf der Rampe – Wetterchance weiterhin 70%. [16:10 MEZ] Die Live-Übertragung von ULA hat begonnen: Immer noch 70% und keine besonderen Vorkommnisse. [19:10 MEZ] Alles GO, der Start kann kommen! Der Countdown, bisher im planmäßogen t-4m-Hold, läuft schon wieder. [19:25 MEZ] Und wurde bei t-1m gestoppt und auf t-4m zurück gesetzt. Aber erstmal 15 Minuten warten, worauf auch immer. [19:30 MEZ] Start frühestens um 19:47 MEZ – und weiter keine Erklärung, woran’s fehlt … [19:35 MEZ] Es war eine abweichende IMU-Ablesung; der Start ist frühestens 1:52 MEZ. [19:45 MEZ] Die Lösung soll nahe, 20:02 MEZ möglich sein. [19:55 MEZ] Neue Startzeit: 20:13 MEZ! [20:05 MEZ] Und wieder GO, der Countdown läuft abermals. [20:10 MEZ]

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Und die Atlas ist gut weg gekommen, auch die Booster sind schon abgeworfen. [20:15 MEZ] Bilder vom Start hier (mal was Anderes!), hier, hier und hier und vom Abwurf der Booster hier, hier und hier – und ein Video der Stufen-Trennung. [20:20 MEZ] Nach dem ersten Centaur-Burn wird erstmal gecoastet – und noch ein Weitwimkel-Bild. [20:30 MEZ] Und schon ein Press Release zum Start, während die Centaur noch zugange ist. [20:40 MEZ] Und Separation! [20:45 MEZ] Artikel hier, hier und hier, viele Screenshots und Bilder aus der Ferne. [20:55 MEZ] Weitere Press Releases hier und hier, Bilder hier und hier und Artikel hier und hier. [22:10 MEZ] Und hier und noch mehr Bilder hier, hier, hier und hier. [23:20 MEZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier und hier, Videos aus Flugzeugen hier und hier – und das diesmal besonders gelungene ULA-Musik-Video zum Start]


17. Dezember

A closer look at IC 5201

Eine Hubble-Aufnahme der Balkenspirale IC 5201 mit der ACS, die trotz 40 Mio. Lichtjahren Distanz viele einzelne Sterne auflöst (jedenfalls in Originalgröße des Bildes). Auch ein erneuter Amateur-Erfolg mit den Uranus-Ringen, allerdings mit einem 1-m-Teleskop, das einst die NASA baute (der erste Erfolg ist unten auf dieser Seite beschrieben), der inzwischen auf tiefen Aufnahmen beschweifte Komet 45 P heute (mehr, mehr und mehr) und gestern sowie an mehreren Tagen, eine beachtliche Feuerkugel über Kolumbien noch unklarer Natur (mehr) – und neue bzw. eigentlich schon lange bekannte Empfehlungen für die Straßenbeleuchtung sowie zoombare Lichtverschmutzungskarten hier und hier. [23:15 MEZ]


16. Dezember

Vertrag zum Bau der 2. ExoMars-Hardware unterzeichnet

Während dem Trace Gas Orbiter die Einnahme der endgültigen Bahn um den Mars mittels Aerobraking 2017 hindurch noch bevorsteht (siehe auch das Video), bevor die Wissenschaft beginnen kann, wurde heute der Vertrag zwischen der ESA und Thales Alenia Space über die ESA-Beiträge für die 2020-er Mission unterzeichnet: den Rover und einen Teil der Hardware für die Ablieferung. Für den Start und die Landung sorgt hingegen Russland. Auch erneuter Kontakt mit Chang’e-3 auf dem Mond drei Jahre nach der Landung, ein Vortrag über NuSTAR und seine Entdeckungen am Röntgenhimmel, wie Cryosat und SMOS das Eis der Erde erkunden – und der Bau der ersten SLS-Rakete kommt voran. [23:55 MEZ]


15. Dezember

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Wo sich auf dem Zwergplaneten Ceres Wassereis befindet, im Regolith seiner Oberfläche, war heute u.a. Thema einer PK auf dem AGU Fall Meeting (ein paar Screenshots und Statistisches zu Dawn bei Ceres), eines Papers und der Press Releases hier, hier, hier und hier: oben die von Dawn-Instrument GRaND gemessene Wasserstoff-Konzentration (blauer = mehr, also an den Polen) und unten ein nordpolarer Krater mit permanent schattigem Boden, der als Kältefalle für Eisdepots wirken kann. In der Mitte dramatische Animationen vom Krater Occator und seinen hellen „Faculae“, deren genaue Entstehung immer noch unklar ist – weitere Animationen hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier und hier und eine PM der MPG]. Auch was Rosetta kurz vorm Ende am Kometen C-G fand (Kurzfassung), was die Top-Erkenntnisse insgesamt waren, und eine Begegnung mit Churyumov.

Ebenfalls heute wurden die ‚Initial Services‘ der Galileo-Satelliten aktiviert, drei Dienste (u.a. Navigation in Verbindung mit GPS), die noch nicht immer und überall zur Verfügung stehen, weil es erst 14 operationelle Satelliten gibt, aber das wird sich bald ändern: weitere Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier – und neue LED-Beleuchtung auf der ISS, die gleich zur Erforschung der Crew-Reaktion auf unterschiedliche Farben benutzt wird. [20:35 MEZ]

Abermals steht ein Startversuch mit den CYGNSSen bevor

Heute dauert das Startfenster für den Pegasus mit den acht Satelliten von 14:21 bis 15:21 MEZ, mit dem Abwurf um 14:26 MEZ angepeilt. Die Übertragung im NASA-Fernsehen beginnt um 12:00 MEZ, Updates gibt es hier und offizielle Worte hier. [2:30 MEZ]

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Alles Bestens so weit („nothing is unusual“): Die Wetter-Chance ist 90%, die L-1011 soll um 13:35 MEZ losfliegen, um 14:35 MEZ wird der Pegasus abgeworfen – und das passiert dann. [13:05 MEZ]

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Live-Bild: Die „Stargazer“ ist auf die Startbahn gerollt. [13:25 MEZ] Das Abheben ist jetzt für 13:38 MEZ geplant, aber der Abwurf bleibt bei 14:35 MEZ. Alles go for take-off! [13:35 MEZ]

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Und die L-1011 ist unterwegs! [13:40 MEZ] Das Bild in größer und weitere Screenshots hier und hier. [13:50 MEZ] Ein Video-Clip vom Abheben – die Abwurf-Flughöhe ist erreicht, 39kft; zuvor wurde der Pegasus inspiziert. [14:10 MEZ]

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Noch 10 Minuten – und der Abwurfmechanismus der Pegasus ist scharf! Das Wetter ist „grün“, und die CYGNSS-Satelliten sind auf interne Stromversorgung umgeschaltet worden. [14:25 MEZ] Und alles ist GO für den Abwurf in 5 Minuten. [14:30 MEZ] Der Abwurf soll nun 14:37 MEZ erfolgen – weiter alles GO. [14:35 MEZ]

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Und der Pegasus ist unterwegs, auch die ersten Flugphasen sind nach Plan verlaufen! Der Abwurf hatte sich um ein paar Sekunden verzögert, es sollte wohl spannend bleiben … [14:40 MEZ] Inzwischen brennt die dritte Stufe. [14:45 MEZ] Und der Orbit ist erreicht, genau wie geplant! Die 8 Satelliten sollen in den nächsten zwei Minuten ausgesetzt werden, in Paaren in jeweils 30 Sekunden Abstand. [14:50 MEZ] Applaus nachdem alle acht problemlos ausgesetzt wurden. [14:55 MEZ] Die entscheidenden Sekunden, weitere Screenshots und ein Artikel – und die L-1011 ist auch soeben wieder gelandet. Die Inbetriebnahme der Satelliten ist allerdings eine langwierige Prozedur. [15:15 MEZ] NASA und Orbital Releases, Videos vom Abheben, Abwurf und diversen Szenen, von Abwurf bis Ende und einem Interview am Schluss, Fotos vom Flieger in der Luft und der Crew und weitere Artikel hier, hier, hier und (von diesem Blogger) hier. [18:45 MEZ. NACHTRÄGE: Mit allen Satelliten wurde Kontakt hergestellt! Auch NASA und SNC Releases, Gedanken zum Start und weitere Artikel hier, hier und hier]


14. Dezember

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Das HTV-6 wird bereits entladen, nach seinem gestrigen Einfang (mehr Bilder sowie Videoclips und ein JAXA Release): NASA-Blog-Einträge von heute und gestern (früher), ein Artikel und ein Tweet. Auch eine Einladung für Studenten-Experimente auf der ISS, Verspätungen beim kommerziellen Crew-Transport zur Station (Artikel hier, hier, hier und hier), das Experiment DOSIS 3D auf der ISS, der Abschluss der Tests des SM für die Orion und die Rückkehr der Düse nach Europa, mehr Vages über eine ‚ISS‘ im Mond-Orbit, offenbar bizarre Experimente auf Tiangong-2 mit einem antiphysikalischen ‚Antrieb‘, eine AGU-FM-PK zur Ionosphären-Forschung mit NASA-Satelliten (ein ISS-Bild des Airglows und die Schlussfolgerungen) – und was bei der Bildschärfung geht mit Bildern aus dem Orbit und was nicht. [19:55 MEZ]

Alle terrestrischen Planeten erlebten True Polar Wander

wie auch unser Mond, wurde gestern auf einer PK auf dem AGU FM in San Francisco gezeigt: Die planetaren Körper verlagern sich um mitunter viele Grad relativ zu ihren Rotationsachsen, wenn Massenkonzentrationen oder Senken entstehen – auch dem Pluto ist das widerfahren. Ferner die Kometen 45P gestern mit dem Beginn eines Schweifs und C/2016 U! vorgestern sowie ein ALMA-Bild von Orcus im Kuiper-Gürtel samt Mond, der Mond gegen die Geminiden, drei solche von einem Stratosphären-Ballon aus gefilmt (Details in der Diskussion), ein Bolide in Spanien am 11.12. (mehr und mehr), weitere AGU-PKs zu der Bohrung im Chicxulub-Krater (ein Artikel dazu) und „Planetary Defense“-Fantasien (Artikel hier und hier; der erste Sprecher forderte doch glatt das Bereithalten und regelmäßige Testen [!] von Kernwaffen-bestückten Kampf-Satelliten, als Kontrastprogramm ein erfrischend nüchterner Artikel), eine Aldebaran-Bedeckung durch den Mond und indonesischer Sternhimmel. [16:05 MEZ]

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Jupiter vor drei Tagen aus 24’600 km Abstand von der JunoCam im letzten Apojovium Junos aufgenommen: auffällig einer der derzeit 8 White Oval Spots. Auch Rohbilder des Flybys, an denen sich schon Fans versuchen (mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr]), sowie die Aufzeichnung einer Pressekonferenz zu aktuellen Erkenntnissen von Curiosity auf dem Mars wie dem Nachweis von Bor (ein Video dazu und Artikel hier, hier, hier, hier und hier), der NASA-Beitrag zum UAE-Marsorbiter, die Fortsetzung der NASA-Asteroidenmission auch ohne ESA-Beitrag, ARTEMIS-Beobachtungen am Mond mit „lunar sonic booms“ – und animierte CO2-Strömungen in der Erdatmosphäre aufgrund von Daten von OCO-2. [13:30 MEZ]