Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Allgemeines Live-Blog vom 12. bis 16. Mai 2018

12. Mai 2018

16. Mai

Vertrag ist signiert: Startschuss für ESERO in Deutschland

Die Bildungs-Initiative der ESA ist nun auch in einem 15. Mitgliedsland vertreten: viele Bilder eines Festakts heute in Bochum, ein Artikel dieses Bloggers, Pressemitteilungen von RUB (kurz und vorher: Echos hier, hier und hier), Uni Bonn und DLR (früher und noch früher zu Columbus Eye) und Tweets hier, hier und hier. [21:05 MESZ – Ende]


15. Mai

Erde und Mond, aufgenommen von MarCO-B alias Wall-E am 9. Mai aus über 1 Mio. km Entfernung mit einer Mini-Kamera an Bord des InSight-Begleiters, die das Entfalten von dessen High-Gain-Antenne (rechts angeschnitten) überwacht. Auch ein ESA-Video zum Arbeitsbeginn des ExoMars TGO, die erste globale Karte von Eis-Wolken vom Mini-Satelliten IceCube, was in der Datenflut diverser Astro-Satelliten (und irdischer Teleskope) stecken könnte, ein NASA-Tech-Experiment für den New Shepard, wie man Raketenstarts mit Remote-Kameras fotografiert, ein Zeitraffer und hier, hier, hier, hier und hier Fotos der Rückkehr des ersten geflogenen Block 5 einer Falcon 9 – und vage Überlegungen zu einer reduzierten Crew der ISS, weil sich Commercial Crew zu verspäten droht. [23:45 MESZ]

Freie Bahn für die Primär- und Ersatz-Crews von Союз МС-09

hat es heute formell gegeben: hier Сергей ПРОКОПЬЕВ, Александр ГЕРСТ und Серина АУНЬЁН-ЧЭНСЕЛЛОР von der Primärcrew, die am 6. Juni um 13:12:41 MESZ abheben soll, auch Artikel hier, hier, hier und hier und früher hier, hier, hier, hier und hier. Plus neuerlicher Ärger mit dem SLS, zwei Educational CubeSats der NASA, die Milchstraße von Planck & APEX – und eine kuriose Jupiter-„Karte“ aus Cassini- und Juno-Bildern, viele Jahre auseinander. [2:30 MESZ] Der Start des Relais-Satelliten für Chang’e-4 soll am 21. Mai sein (wobei seine Radioastronomie-Nutzlast erst viel später zum Einsatz kommen soll). Und heute vor 60 Jahren startete mit Спутнику-3 der erste große Forschungssatellit – während heute vor 400 Jahren Kepler in einem bestimmten Haus in Linz sein Drittes Gesetz der Planetenbewegung fand. [13:15 MESZ]

Auch der Star Tracker der Asteroiden-Sample-Return-Mission Hayabusa 2 hat – Mitte Mai – das Ziel Ryugu bestens erfasst (dessen bisher bekannte Eigenschaften ein dickes Paper und eine detaillierte Webseite beschreiben): Zuvor war er bereits im Blick der Optical Navigation Camera – Telescopic gewesen. Was auch Gegenstand des ersten Manga zur Mission war – die (und v.a. den deutschen Asteroiden-Hüpfer MASCOT) letztens ein Vortrag bei Geeks@Cologne 2017 erläuterte, der auch hier geschildert wird. [14:45 MESZ]

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Kommt ein Asteroid …

… an der Erde vorbei geflogen, mit praktisch denselben Parametern wie 2018 GE3 vor einem Monat (Absoluthelligkeit +23.5, Minimaldistanz vom Erdzentrum 0.0012566 au um 0:04 MESZ am 16. Mai) – und die Sichtgeometrie zumindest für Europa ist unterirdisch. Buchstäblich: Zwar sollte 2010 WC9 aus deutscher Sicht eine Maximalhelligkeit von +10.8 mag. erreichen, gegen 21:45 MESZ – aber bereits heute gegen 9:25 MESZ verschwindet der Asteroid (mit dann erst +13.2 mag.) unter dem Horizont, und da bleibt er dann auch permament, bis er Richtung Sonne davon eilt und im Gegenlicht für alle unsichtbar wird. Kurios ist höchstens, dass der Asteroid seit kurz nach der Entdeckung Ende 2010 verloren war und erst am 8. Mai wieder gefunden wurde – die Beobachtungen überdecken damit 7.5 Jahre: ein paar frühere Bilder hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Und der Jupiter am 12. Mai. [0:05 MESZ] Ein Live-Feed von 2010 WC9 – und eine Wetteranalyse für die Ring-SoFi in Juni 2020: viel festes Land, viel Sonne – vielleicht zu viel davon … [1:25 MESZ] Eine Fortsetzung und jetzt live ein anderer Live-Feed vom Asteroidchen. [2:00 MESZ] Ein Screenshot daraus. [2:25 MESZ. NACHTRÄGE: eine Lichtkurve mit starker Amplitude und kurzer Periode (früher), ein getracktes Bild und Video, ungetrackte Videos hier und hier und eine getrackte Animation des mal wieder übertrieben angepriesenen Besuchers]


14. Mai

Schon wieder 25 Papers mit Daten aus dem 2. Gaia-Katalog

sind seit der letzten Bestandsaufnahme erschienen! Zum Beispiel über die genaueren Umstände des ‚Besuchs‘ von Gliese 710 bei der Sonne in 1.3 Mio. Jahren: Bis auf etwa 4000 au sollte der Stern heran kommen. Es gibt einen L-Zwerg in nur 11 Parsec Entfernung (ein Brauner Zwerg von 30-80 Jupitermassen), der sich in der Milchstraße ‚versteckte‘ und bisher nur im IR gesehen worden war, einen Katalog von 151’761 langperiodischen Veränderlichen mit G-Amplituden über 0.2 mag. (jeder 5. ein Kandidat für einen Mira-Stern), Entfernungen, Alter und Masse von über 3,5 Mio. Sternen durch Kombination von spektrophotometrischen Daten mit Gaia-Parallaxen, die Distanzen von Luminous Blue Variables (9 bestätige und 14 Kandidaten), weite Doppelsterne, 30 Sterne mit extremen Raumgeschwindigkeiten > 480 km/s (bis zu 3 kamen wohl aus der LMC, 1-2 aus dem Zentrum der Milchstraße, wie auch hier diskutiert wird), 9575 Cepheiden und 140’784 RR-Lyrae-Sterne, eine Korrelation von Metallizität und Farbe von Red Clump Stars durch Einbeziehung externer Fotometrie u.a. vom GALEX-Satelliten und die Eigenschaften von sdA-Sternen zwischen Hauptreihe und Weißen Zwergen.

Es wurden automatisch neue offene Sternhaufen entdeckt (mit einem Artificial Neural Network) und reichlich Substruktur in der Galaktischen Scheibe im Wirkungs-Raum (physikalisch betrachtet), es gelangen der Nachweis der Verbiegung der Scheibe – ein Mini-Thread dazu – und Messungen der Sterndynamik im Halo der Milchstraße und der Anisotropie desselben sowie von die Eigenbewegungen von 7 Ultra-Faint Dwarf Galaxies und Bewegungen und Rotation der Galaxien M 31 und 33. Erfolglos war dagegen die Suche nach Zwerggalaxien in Richtung von Gamma-Quellen des Fermi-Satelliten, was gegen zerstrahlende Dunkle Materie als Erklärung letzterer spricht, am vielleicht interessantesten in der Woche dagegen die Entdeckung des leuchtkräftigsten Quasars im Kosmos durch Kombination von Gaias und anderen Daten, mit einer absoluten UV-Helligkeit um -30 [NACHTRAG: ein australischer Press Release dazu, ein ungeschickt verkürzter Tweet darüber – und die Folgen, etwa hier aber nicht hier, hier oder hier].

Recht zuverlässig gelingt die automatische Identifikation von Quasaren durch ihre Unbeweglichkeit, während Astrometrie von Quasaren den bekannten Offset der Gaia-Parallaxen von etwa 30 µas bestätigt, eine Analyse von Sternen im Kepler-Feld via Asteroseismologie derweil aber eher auf ~50 µas Offset und eine mit Doppelsternen auf 80 µas (für große Parallaxen) kommt. Und Gaia hat sogar bei der Bestimmung der Bahn des zweiten Ziels von New Horizons (486958) 2014 MU69 geholfen, zusammen mit dem HST! Das Bild oben ist eine Karte heißer Sterne und H-II-Regionen, mit Entfernungen aus dem DR2 – auch Animationen von HRDs aus Gaia-Daten (interaktiv: wahlweise für 47 meist Offene Sternhaufen gleichzeitig oder für einzelne, ein gelungenes didaktisches Tool!) und der Gaia-Karte mit Sternen nach Entfernungen sortiert, die Rotation der LMC farblich codiert, Artikel hier, hier und hier und ein Radio-Beitrag. [21:55 MESZ]


13. Mai

Allerlei Entwicklungen in Sachen optische Großteleskope: oben die ‚Wendelstein Laser Guide Star Unit‘ bei Experimenten mit dem William Herschel Telescope auf La Palma für die Adaptive Optik des Extremely Large Telescope der ESO, in der Mitte die Baustelle des letzteren auf dem Cerro Armazones in Chile und unten die Ankunft des Auxiliary Telescope für das large Synoptic Survey Telescope auf dem Cerro Pachón. Auch öffentliche Mittel für GMT und TMT in Aussicht, moderate Schadensmeldungen von Subaru (früher) und Keck nach dem Hawaii-Erdbeben vom 4. Mai, das 1000. ALMA-basierte Paper, ein Science Center in Pokhara, Nepal mit Planetarium und Freibad (um die Jugend zu locken), der Mars heute, der Saturn gestern, eine Sternbedeckung durch den Jupitermond Himalia in einer Woche, die Nova Per 2018 vor einer Woche (auch ein Spektrum), ein Röntgen-Pulsar mit Rekord-schnellem Orbit entdeckt von NICER auf der ISS, eine AAVSO-Lichtkurve von Tabbys Stern – und wie Bahnänderungen der Erde das Klima beeinflussen (Artikel hier und hier). [23:40 MESZ]

Ein wolkenfreies Nordeuropa aus Sicht des neuen Satelliten Sentinel-3B mit der 21-Kanal-Farbkamera (Ausschnitt) – auch der neue chinesische Erdbeobacher Gaofen-5 (mehr und mehr) und Experimente zu optischen Freistrahl-Übertragung. Und die Rückkehr des jüngsten Dragon, wie eine ISS-EVA vorbereitet wird, was ein Cold Atom Lab auf der Station soll, Gersts letzte Prüfung und die Zertifizierung von Maurer sowie zwei ‚visionäre‘ Bridenstine-Reden hier (Artikel hier, hier und hier) und hier (Artikel hier und hier), Updates zum SLS hier und hier und ein Geldregen vom Kongress für die NASA hier und hier in Aussicht. [12:25 MESZ]

Es gibt jetzt 100 ‚Dark Sky Places‘ mit Siegel der IDA, der International Dark Sky Association, nachdem ein Dark Sky Park in Arizona abgesegnet wurde – auch der Forschungsstand zu Lichtverschmutzung und Brustkrebs. Sowie ein Schiefspiegler-Kongress im Juni in Biberach & Laupheim (mehr und mehr), ein Artikel über den Astro-Tourismus-Unternehmer Alain Maury in Chile an unerwartetem Ort, das Snøhetta-Observatorium/Planetarium in Norwegen, ein kommendes Planetarium mit 30-m-Kuppel in Austalien, das sich mit 2 anderen den 3. Platz nach Kuppelgröße weltweit teilen wird (das ganz neue in St. Petersburg liegt mit 37 m vorn), immer noch Verwirrung um den Planetariums-Abriss in Halle, ein Paper über Astronomers‘ and Physicists‘ Attitudes Towards Education & Public Outreach an Hand der Dark Energy Survey – und ein bemerkenswertes Milchstraßen-Bild … mit einem Handy. [1:35 MESZ]


12. Mai

Ein weiterer Fan-Jupiter aus JunoCam-Daten vom 1. April, den Seán Doran aus 5 re-prozijierten Bildern vom 12. Periojovium Junos montierte – auch JunoCam-Bilder der Perijovien 1 bis 12, ein flauer GRF und Artikel hier und hier. Sowie weiter gute Karten für den Europa Clipper (nebst geleaktem Europa-Paper), Aachener Studenten-Forschung an Eismond-Bohrern, ein RocketCam-Video vom InSight-Start mit dem Aussetzen der Mars-Sonde bei 7:20 plus ihre Technologie aus der Schweiz und ein Deimos-Sonnentransit vom ollen Opportunity. Und ein Video über Arbeiten an CHEOPS, erwartete GW-Quellen für LISA in vielen Kugelsternhaufen, drei ESA-Finalisten für die Mission M5 der Cosmic Vision – und Widerstand gegen eine Verschiebung der nächsten Astrophysik-Decadal Survey der USA. [23:30 MESZ]

Jede Menge spektakulär deutliche Bilder des STEVE-Phänomens südlich des Aurora-Ovals sind in den letzten Tagen in Kanada und dem Norden der USA entstanden: eine VR-Aufnahme, eine Bilder-Serie, eine Animation und noch viel mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – auch ein normales Polarlichtchen über Deutschland und extremer Airglow in Chile. [21:10 MESZ. NACHTRAG: ein weiterer Zeitraffer eines (2016-er) STEVE]

NASA beschließt: Mini-Helikopter begleitet Mars-Rover 2020!

Gerade ist die Entscheidung bekannt gegeben worden: Die 2015 erstmals erwähnte Möglichkeit, dem nächsten Marsrover der NASA einen kleinen Hubschrauber mit zu geben, wird Realität! Der Helikopter, seit 2013 in der Entwicklung, wird eine Masse von 1.8 kg haben – und zwei Paar Rotoren, die sich gegenläufig mit 3000 U/m drehen, um mit der dünnen Marsatmosphäre klar zu kommen: 10-mal schneller als auf der Erde üblich. Wenn ihn der Rover ausgesetzt hat, erfährt der Helikopter quasi eine Erdatmosphäre wie in 30 km Höhe – nie flog ein Hubschrauber höher als 12 km. Das Ganze – auch Artikel hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links] – ist eine Technologie-Demonstration, mit 5 Aufstiegen in 30 Tagen: Geht was schief, ist es für die Mission des Rovers selbst egal, der im Februar 2021 landen soll. Auch ein simulierter Flug über den Mars-Krater Neukum aus Bildern des Mars Express, neue Verarbeitung alter Bilder der Viking-Orbiter, die Ankunft von BepiColombo in Französisch-Guyana, Press Releases hier, hier, hier und hier zur Beobachtungen turbulenter magnetischer Rekonnektion in Erdnähe durch die MMS-Satelliten – und der alte IMAGE hat sich wieder gemeldet und reagiert mitunter auch auf Kommandos. [1:55 MESZ]

Ein Trans-Neptun auf einer völlig verrückten Bahn ist 2015 BP519, von dem es zwar Beobachtungen seit 2014 gibt, der aber erst vorgestern publik wurde: Seine Bahnelemente sind extrem, mit einer Großen Halbachse von 430 au (bei einer Periheldistanz von 35 au), einer Umlaufsperiode von 9000 Jahren, einer Exzentrizität von 0.92 (macht ein Aphel von 825 au) und einer Bahnneigung von 54°. Noch ist das Objekt 55 au von der Sonne entfernt und hat 22 mag.: Das Perihel wird Ende 2058 erreicht. Zwar gibt es unter den endgültig und v.a. vorläufig numerierten Transneptunen Exemplare mit größeren Halbachsen und Periheldistanzen (namentlich Sedna), Exzentrizitäten und Bahnneigungen, aber die Kombination bei 2015 BP519 ist schon ziemlich ungewöhnlich. Eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Objekt soll in ein paar Tagen folgen. [1:35 MESZ]

Das war der 55. (und 53. erfolgreiche) Start einer Falcon 9

vor drei Stunden, der zugleich der erste mit der neuen „Block 5“-Unterstufe war, die noch erheblich besser wieder zu verwenden sein soll – und schon mal die 25. weiche Landung einer 1. Stufe absolvierte: die Aufzeichnung des Webcasts, ein Video aus der Ferne, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die gelandete Stufe, das Aussetzen der Satelliten-Fracht aus Bangladesh und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. So wie die Aufzeichnung einer Medien-Telecon mit Musk vom Vortag (Notizen, ein problematisches Auto-Transkript und Artikel hier, hier, hier und hier), frühere Artikel zum Abbruch des Starts bei t-58 Sekunden danach (mehr, mehr und mehr) und Vorberichte hier, hier und hier. Der zweite Start einer Falcon Heavy ist derweil auf den Oktober gerutscht, womit auch das LightSail2 länger warten muss. [1:15 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Bilder vom Falcon-Start hier und auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein späterer Effekt am Himmel über Australien, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links – und ein Transkript der Telecon mit Musk vor dem ersten Startversuch]

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Nasca – Bonn: psychedelische Priester-Prozession

10. Mai 2018

So war das damals, vor rund 2000 Jahren, mit den riesigen Geoglyphen von Nazca oder Nasca in Peru: Man hatte die Scharrbilder auf Hochebenen quasi zwischen Himmel und Erde als Prozessionswege angelegt, auf denen immer wieder Priester unter Einfluss psychedelischer Drogen wie Mescalin und zum rhythmischen Klang zahlreicher Musikinstrumente in schwer verändertem Bewusstseinszustand wandelten, sich dabei zuweilen selbst wie fliegende Fabelwesen vorkamen und außerhalb von Raum und Zeit die Verbindung zu den Ahnen suchten aber auch für hinreichend Wasser sorgen sollten.

Das ist die Botschaft der peruanisch-schweizerischen Ausstellung „Nasca. Im Zeichen der Götter“, die nach Lima (über 86’000 Besucher) und Zürich (etwa 50’000) nun in die Bundeskunsthalle in Bonn gekommen ist (und im Rahmen der Eröffnung heute von 11 bis 14 Uhr kostenlos besucht werden kann), denn sie hat eine konkrete Schlussfolgerung, die die rund 200 oft spektakulären Artefakte – allesamt aus peruanischen Sammlungen und oft noch nie im Ausland gezeigt – in eine Geschichte bringt. Die in diesem Figurengefäß eines mythischen Ahnenwesens aus der frühen Nasca-Phase (50-300 CE; Stil Nasca 3) kulminiert, das von der Form her einem Grabbündel (einer Südamerika-typischen Mumie) entspricht und voller Symbolik ist – man beachte etwa die stilisierten Kakteen (= Quellen des Mescalins) auf den Schultern. Andere archäologische (Grab-)Funde zeigen, dass sich die Priesterschaft ähnlich ausstaffiert zu haben scheint und bei den Prozessionen die Mythen möglichst konkret nacherlebt haben dürfte, während Rhythmen und Drogen zu Synästhesie-Effekten in ihrer Wahrnehmung führten.

Peruanische Videokünstler haben das mal verspielt umgesetzt (was in Großprojektion den Besucher wieder in die Gegenwart entlässt). Dass es sich v.a. bei den schmalen Scharrfiguren um rituelle Wege handelt, wie schon lange vermutet wird, ist inzwischen archäologisch belegt: Der Boden dort ist von unzähligen Füssen festgetrampelt und kompaktiert worden. (Allerdings nur in der Mitte der Wege und mit Bedacht: Spekulationen über regelrechte Rennen in den Geoglyphen sind nicht belegbar.) Und die wesentliche Rolle von Musik ergibt sich aus der Feststellung, dass keine andere südamerikanische Kultur derart viele Instrumente – Trommeln, Flöten, Pfeifen – hinterlassen hat.

Die Prozessionen auf den Hochebenen, die in dieser kleinen Pilgerszene (ein Unikat aus gebranntem Ton, späte Nasca-Phase, 450-650 CE) dargestellt sein mögen, waren wohl vom bewohnten Tal aus zu sehen: Da es keinerlei schriftliche Überlieferungen gibt, kann über ihre konkreten Beweggründe derzeit nur spekuliert werden, aber die wenigen figürlichen Darstellungen haben meist irgendwie mit Wasser oder Quellen zu tun. Die Wirkung auf v.a. auch die Prozessierenden selbst muss jedenfalls bemerkenswert gewesen sein: Archäologen haben es ihnen mal nachgetan und auch schon ohne Drogen und Musik quasi psychedelische Erfahrungen gemacht, wenn sich die Gruppe in Spiralen in die Länge zieht und sich nach dem inneren Umkehrpunkt wieder selbst begegnet. Auch wenn der grundlegende Zweck der Geoglyphen jetzt geklärt scheint, harren noch unzählige Details der Klärung – und dem Boden darunter kann noch einiges entrissen werden: Ausgrabungen laufen, und viele aktuelle Funde sind noch nicht mal publiziert worden. Aber was in Lima, Zürich und nun Bonn bereits gezeigt werden kann, lässt eine der großen präkolumbianischen Kulturen – mit einem Kunst-Niveau, das es mit dem europäischen Altertum aufnehmen kann – ebenso schemenhaft wie dramatisch auferstehen.

Virtuell gibt’s in der Ausstellung aber auch: Projektionen auf 3D-Geländemodelle von Palpa und Nasca; anderswo kann per VR-Brille wie mit einer Drohne über die peruanischen Landschaften geflogen werden. Und in einer Kammer läuft in Dauerschleife diese arte-Doku:

Sie stellt den Stand der Forschung bzgl. der Geoglyphen fast deckungsgleich mit der Ausstellung [NACHTRÄGE: weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier – und ein Doodle] dar, was den Ausdruck eines tatsächlich erreichten Konsenses nach Jahrzehnten mitunter wilder Spekulationen festigt.

Eröffnungs-Pressekonferenz gestern Vormittag u.a. mit dem Kunsthallen-Chef und Kuratoren aus Lima und Zürich – der Züricher Peter Fux vom Museum Rietberg führte dann auch durch die Ausstellung und zog dabei einleitend wiedergegebenen Schlüsse, die durch ein Gespräch mit dem Nasca-Spezialisten Markus Reindel (bekannt aus obiger Doku) noch ergänzt wurden und auch durch eine Reihe Wandtafeln angedeutet werden.

Details aus – dem Wüstenklima sei Dank – erstaunlich gut erhaltenen 2000+ Jahre alten Textilien aus der initialen Phase = 200 BCE – 50 CE.

Und noch ein paar mehr der faszinierenden Keramiken der Ausstellung (auch sie vor allem als Grabbeigaben erhalten), chronologisch sortiert:

Eine Tasse mit Kameliden (Lamas; frühe Phase = 50-300 CE, Stil Nasca 3).

Eine Trommel mit einem Menschen fressenden Seelöwen (frühe Phase = 50-300 CE, Stil Nasca 3).

Großes Figurengefäß eines Orcas aus Cahuachi (frühe Phase = 50-300 CE, Stil Nasca 3).

Doppelausgussflasche eines Menschen fressenden Vogels (mittlere Phase = 300-450 CE, Stil Nasca 4)

Ein Krug mit der stilisierten Darstellung eines Orcas mit blutendem Maul (späte Phase = 450-650 CE, Stil Nasca 6). Und noch ein Gefäß mit festlicher Szene (späte Phase, Stil Nasca 7):

Allgemeines Live-Blog vom 30. 4. bis 6. 5. 2018

30. April 2018

6. Mai

Nach Gaia DR2: Astronomie weiter in angeregtem Zustand

Nach dem Data Release 2 der Gaia-Mission (mehr frühe Visuals) erscheinen im Schnitt mehrere neue Forschungsarbeiten pro Tag, die auch immer betonen, wie revolutionär dieser gigantische Datensatz ist. In diesem Paper z.B. wurde die Lage von 147’535 Sternen, die wegen Sternflecken und Rotation ihre Helligkeit verändern, in Gaias ‚HRD‘ (also absolute G-Helligkeit gegen Blau minus Rot) eingetragen, Farbe = Dichte der Datenpunkte. Und auch zu schnell variablen Sternen hat Gaia was zu sagen – während andererseits 3 neue Gravitationslinsen, die Quasare vervierfachen, im DR2 gefunden wurden: Insgesamt 1.8 Millionen Quasare und Quasar-Kandidaten haben Gegenstücke darin. Eine Auswahl weiterer früher Erkenntnisse:

Zur Gaia/Kepler-Kombination gibt es auch eine eigene Webseite, die hier beworben wird. Ansonsten gibt es noch neue nette Animationen, etwa zur Lage diverser Sterntypen im HRD Gaias und zu den Orten der Sterne verschiedener Helligkeit an Gaias Himmel, die Rotation der LMC aus Eigenbewegungen zahlloser Sterne, die erneute Bitte des Gaia-Projekts, erst die Tutorial-Videos zu gucken, bevor man Papers schreibt, die ständigen Gaia Alerts für Transients (durchweg sehr schwach), ein paar Folien aus einem Gaia-Vortrag gestern, Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier – und in aller Ausführlichkeit die Frühgeschichte von Gaias Vorgänger, dem (ebenfalls ESA-)Satelliten HIPPARCOS. [23:55 MESZ – Ende]

Pünktlicher Nebel-Start von InSight und MarCOs zum Mars!

Da hat sich die NASA nicht bremsen lassen – wie geplant um 4:05 Uhr morgens hat gestern eine Atlas V in Vandenberg den Marslander und seine beiden Begleit-CubeSats auf Marskurs gebracht: mehr neblige Bilder von ULA und NASA, mehr Durchblick aus der Ferne hier und hier, sehr ferne Strichspuren hier, hier und hier, rein gar nichts aus der Nähe, die Live-Übertragung (Finale), Kurzfassungen hier und hier, Videos vom Mount Wilson und aus einem Flugzeug, Press Releases von NASA [alt., alt.], ULA, JPL, LockMart und DLR, weitere Updates (eine Bahnkorrektur nach 10 Tagen ist das nächste Event) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [3:25 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie noch eine Strichspur und mehr Bilder. [19:15 MESZ] Die wohl beste Strichspur, Bilder von automatischen Kameras nahe an der Rampe und weitere Artikel hier und von diesem Blogger hier. [22:45 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und noch das …]

Beim James Webb Space Telescope hakt es schon wieder …

Diesmal sind bei Tests Kleinteile heraus gefallen: Artikel hier und hier und etwas früher. Auch der Bau des Exoplaneten-Satelliten CHEOPS, eine detaillierte Modellierung von Mond-‚Swirls‘ durch Sonnenwind-Effekte, die Umplanung der NASA-Mondmissionen (Artikel hier und hier), chinesisches Crowd-Sourcing beim Mondlander-Planen, BepiColombo in Kourou, was Curiosity und Opportunity treiben und bald eine Entscheidung über einen Mars-Helikopter 2020. Sowie ein weiterer chinesischer Start (mehr, mehr, mehr, mehr und Bilder [NACHTRAG: und mal wieder reichlich Schrott]), der nächste Falcon-9-Stern mit dem ersten Block 5, mehr Orion-Hardware (Bilder), die Mond-Orbit-Station und vielleicht bald ein Russe als Orion-Passagier dorthin, Australiens erste Raumfahrt-Behörde (mehr und mehr), Röntgen-Pulsar-Navigation bei der NASA bald operativ, ein möglicher Raumfahrt-Kernreaktor (mehr und mehr), Bürgerforschung mit NASA-Daten – und künstliche Intelligenz in der Raumfahrt Chinas. [2:45 MESZ]


5. Mai

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InSight bereit: Beginnt heute die nächste Reise zum Mars?

Von 13:05 bis 15:05 MESZ dauert heute das erste Startfenster für den nächsten NASA-Marslander InSight mit einer Atlas V auf der Vandenberg Air Force Base – und obwohl kalifornischer Küstennebel die Sicht zu nehmen droht, die für die Sicherheit eigentlich erforderlich ist, wird dieses Kriterium möglicherweise fallen gelassen, wenn alle anderen Sensorsysteme für den Zustand der Rakete einwandfrei arbeiten. Ansonsten stünden noch jede Menge weitere Fenster bis zum 8. Juni zur Verfügung, und die Ankunft wäre stets am 26. November um 21:00 MEZ. InSight an sich ist ein Klon des erfolgreichen Phoenix von vor 10 Jahren (der wiederum aus dem unglücklichen Mars Polar Lander von 1999 hervor ging) – und kurios ist insbesondere, dass seine beiden wesentlichen Nutzlasten aus Frankreich (ein Seismometer, dessen Probleme zu einer zweijährigen Verspätung führten) bzw. Deutschland (ein „Maulwurf“ zur Messung der Wärmeleitung) stammen: Das Innenleben des Mars steht im Zentrum der Mission, auch über die Messung der Schwankung der Marsachse per Radio Science. Den Lander begleiten die beiden ersten interplanetaren CubeSats MarCO-A und -B, die – nach Tests mit sich selbst unterwegs – während des Abstiegs durch die Marsatmosphäre als (nicht InSight-essentielles) Live-Funkrelais dienen sollen.

Die Bilder zwischen den Videos zeigen InSight auf der Atlas am 3. Mai, den letzten Test seiner Solarzellen im Januar und den Lander in Mars-Konfiguration bei einem frühen Test im April 2015: auch das Press Kit als Webseite, im PDF-Format und zusammen gefasst, das Start-Profil, eine Live-Übertragung ab 12:30 MESZ, unabhängige Missions-Updates, NASA Releases vom 3. Mai, 30. April, 24. April, 19. April, 6. April, 29. März, 28. März und 22. Februar, Releases von DLR, CNRS, MPS, ESA, Helmholtz, ETHZ und (mit gewissem Bezug) Berkeley, Aufzeichnungen von Medien-Events vom 3. Mai (mit dem Ober-Maulwurf) und 29. März, ein deutscher Podcast, die Mission in Tweet-Threads 1, 2, 3, 4 und 5 und Artikel vom 4. Mai (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 3. Mai (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 2. Mai (mehr und mehr), 1. Mai (mehr und mehr), 30. April (mehr und mehr), 29. April, 27. April, 26. April, 12. April, 10. April (mehr), 9. April (mehr), 5. April, 31. März, 23. März, 13. März, 9. März und 6. März sowie zur Geschichte der Marsforschung und dem Planeten als ungastlichem Ort. [3:05 MESZ]


4. Mai

Da sinkt sie hin, die kuriose (Ex-Zwerg-)Nova im Perseus

Die Lichtkurve (grüne Quadrate = CCD-V-Helligkeiten, Kringel = visuelle Schätzungen) ist vergangene Nacht bei 8.7 mag. angekommen: auch Bilder über der Chinesischen Mauer und aus den Nächten 2./3. April (mehr und mehr), 1./2. April (mehr) und 30. April/1. Mai, weitere Astronomer’s Telegrams mit Photometrie und Spektren hier und hier, eine ganze Reihe Spektren (Grafiken hinter den „plot“s in der rechten Spalte) und Artikel hier und hier.

Besonders gut durch „Sehnen“ abgedeckt wurde der Kleinplanet (130) Elektra bei einer viel beobachteten Sternbedeckung im April. Auch eine eingehende Untersuchung von Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak bei seinem Perihel letztes Jahr, der Jupiter am 1. Mai (mehr und andere Filter), der Mars am 5. April, eine kuriose Merkregel für Sonne & Sonnenwind in Zahlen, ein langes Paper zu den Wellen in der Mesosphäre (die man in NLCs sieht; bald beginnt wieder die Nord-Saison!), eine Cherenkov-Kamera für den CTA, die alten Fotoplatten von Allen Sandage endlich zugänglich, etwas mehr Hoffung für das Yerkes Observatory, allmählich Einsicht bei Licht-Designern – und Deutschlands vierter amtlicher Dark Sky Place: der Sternenpark Winklmoosalm im äußersten Südosten des Landes (die Himmels-Qualität, eine PM und Artikel hier, hier und hier). [19:15 MESZ]


2. Mai

Der achte Testflug des New Shepard von Blue Origin ohne Probleme – und mit 107 km Gipfelhöhe und mehreren Nutzlasten, darunter einigen vom ZARM in Bremen – vor 3 Tagen: der komplette Webcast (daraus oben die Landungen von Rakete und Kapsel), eine kürzere Version, ein hektischer Zusammenschnitt, weitere Screenshots hier, hier und hier und Artikel (auch zu Bezos‘ Motivationen) hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (früher), hier (früher und noch früher), hier (früher, noch früher und noch früher), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: weitere deutsche Pressemitteilungen zu einzelnen Experimenten an Bord hier und hier – und auch das hier, ein bisschen NSFW …].

Der Rückgang der Gletscher Patagoniens von CryoSat-2 verfolgt – auch Tierbeobachtung aus dem Orbit, wie der Mensch das Weltraum-Wetter beeinflusst, die Ankunft des Satelliten ICON in Vandenberg (Start im Juni) und der CubeSat GTOsat für die van-Allen-Gürtel-Forschung. Sowie der Wiedereintritt des Röntgensatelliten RXTE [NACHTRAG: ein Nachruf der NASA], Vorbereitungen für Euclid und eine nun finanzierte Studie zu sich von selbst zusammen bauenden Teleskopen im All. Ferner das erste 3D-Mikroskop-Bild auf der ISS, was der Dragon – erst am Samstag, wegen schlechten Wetters in der Landezone – an Science zurück bringen soll, weitere Verzögerungen von Commercial Crew vom GAO befürchtet (und was Musk dazu zu sagen hat), wie es sich in der Orion lebt und die Problematik von Rauchdetektoren in der Raumfahrt. Und Beobachtungen des OSIRIS-REx-Ziels von der Erde, alte Daten der Galileo-Mission erst jetzt ausgewertet, ein Olympus Mons von Indiens Mars-Orbiter, InSight ohne Probleme wegen des Hitzeschilds – und Unzufriedenheit des GAO bzgl. großer NASA-Projekte. [23:45 MESZ]


1. Mai

Perseus-‚Nova‘ auf 7.4 mag. gefallen – aber Gamma-hell

Während die Helligkeit der ungewöhnlichen Stern-Eruption im Perseus (Foto letzte Nacht von Atkinson, links Capella und Almaaz) inzwischen nur noch auf 7.3 bis 7.5 mag. geschätzt wird (AAVSO-Lichtkurve: V-Helligkeiten vom Abend des 29.3. bis heute Vormittag, grün = digital), hat die Intensität der Emissionslinien in Spektrum (hier von Leadbeater, in Angstrom) deutlich zugelegt – und der Satellit Fermi sieht eine starke Gamma-Quelle! Auch die frühen Beobachtungen zusammen gefasst, weitere Fotos aus der vergangenen Nacht hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein später Artikel. Sowie Barnards Stern in Eile, der Jupiter gestern (mehr) und vor einem Monat – und es ist keine Umkehr des Erdmagnetfelds in Sicht: auch eine PM des GFZ und Artikel hier und hier [NACHTRAG: und hier und hier].

Ein winziger Ausschnitt aus einer älteren Durchmusterung des Milchstraßen-Zentrums mit dem VISTA-Teleskop der ESO: Stellenweise ist der Staub so dicht, dass es selbst im Infraroten keinen Durchblick gibt. Auch allerlei Animationen echter Teleskop-Bilder von Exoplaneten aus den letzten Jahren, ein Phased Array Feed für die Radioastronomie und mehr Kohle für Australiens Astronomen, um den Zugang zu Daten zu verbessern. [15:55 MESZ] In den „kommenden Monaten“ soll es „vorläufige Bilder“ vom Schwarzen Loch im Galaktischen Zentrum geben, heißt es in einem offiziellen Update des Event Horizon Telescope heute, der die Verzögerungen erklärt. Auch ein 12-m-Radioteleskop in Grönland als Teil des EHT – und Sonifikation astronomischer Daten im Monatsrhythmus. [20:35 MESZ] V392 Per heute Abend mit improvisierter Technik weiter gefallen bei nur noch ca. 7.8 mag. [23:25 MESZ]

Europa aus dem Weltraum … ganz ohne Wolken: Dieses Bild – Island-Fans mögen es zwecks weiteren Feldes anklicken – wurde aus Aufnahmen des Satelliten Sentinel-3A vom 1. März bis 20. Juli 2017 zusammen gestückelt. Auch ein Video dazu sowie der Mond als Kalibrator für Erdaufnahmen aus dem All und Papers zur Atmosphäre von Europa (dem Jupitermond) und Variabilität von Titans ‚detached haze‘. Plus das ESA-Video zum 3. ESA-Tag mit viel Zukunftsmusik zu Reisen jenseits des LEO, dito in den Interviews hier und hier – und die Mission CubeL, das kleinste je konzipierte Laser-Satellitenterminal. [3:25 MESZ]


30. April

Neuer 6-mag.-Stern bei Capella – Zwergnova auf Abwegen?

Was da soeben mit 6.2 mag. am Ort der Zwergnova V392 Persei aufgetaucht ist, gibt Rätsel auf – und läd zum selber Beobachten ein, wie u.a. hier schon geschehen! Erste Meldungen hier, hier, hier, hier und hier, die jüngsten Helligkeiten, Infos zu V392 Per, sein früheres Verhalten und ein ggf. verwandter Fall: Normalerweise scheinen Zwergnovae jedenfalls keine Nova-Explosionen zu erleben – was sie aber könnten, wenn dieses Szenario von 1992 zutrifft. [1:00 MESZ] Ein weiteres Bild. [2:45 MESZ] Und noch eins – plus einige weitere an nicht-öffentlichen Internet-Plätzen. [4:45 MESZ] Es gibt Spektren hier (Diskussion), hier (Diskussion) und hier, ein weiteres Bild, mehr Aufsuchkarten hier und hier – und einen langen Erlebnisbericht von letzter Nacht. [15:20 MESZ] Die Helligkeit ist bereits auf ~7.1 mag. gefallen, auch Foto von gerade [alt.] und Artikel auf Englisch und Schwedisch – und noch ein vielleicht verwandter Fall. [23:55 MESZ]

Die Delta IV Heavy für die Parker Solar Probe wird aufgerichtet: Bilder vom 17. April, los geht’s am 31. Juli. Auch ein Schaden am Hitzeschild des NASA-Marsrovers 2020 bei Tests, der aber den Starttermin nicht gefährden soll (mehr, mehr und mehr), die Reise von BepiColombo zum Startplatz, Umplanungen bzgl. der nächsten NASA-Mondlandung (kein eigener Rover mehr) – und die detaillierte Auswertung der JunoCam-Bilder vom letzten Perijovium am 1. April. [1:00 MESZ. NACHTRÄGE: mehr und mehr zur Mond-Umplanung der NASA]

Die erste FAST-Entdeckung eines Millisekunden-Pulsars

(also mit dem neuen chinesischen Riesen-Radioteleskop, Pulse links) ist gerade verkündet worden und auch schon einer Meldung in China wert: Er ist pulsiert auch im Gamma-Bereich (rechts). Auch wachsender Zuspruch für den Square Kilometer Array (mit der Erwähnung positiver Entwicklungen in Deutschland), ein Zeitraffer aus Teneriffa, der Jupiter gestern und am 27. April (mehr) und 24. April, der Saturn am 26. April und der Mars am 1. April – und diverse Impaktkrater der Erde aus dem Orbit aufgenommen und mit SRTM-Daten in 3D-Modelle verwandelt sowie die Entstehung des Chicxulub-Kraters im Detail simuliert. [1:00 MESZ]

Die Gaia-Revolution der Astronomie – in Grafiken

28. April 2018

Der Data Release 2 der Gaia-Mission verändert das Bild der Milchstraße – nicht wie sie aussieht natürlich, sondern auf höheren mathematischen Ebenen, wenn man die nun für (je nach Datentyp) Millionen bis Milliarden Sterne vorliegenden Zahlen verarbeitet und in Grafiken gießt.

Dazu gibt es bereits ein paar wissenschaftliche Arbeiten – und viele quasi in Echtzeit über Social Media verbreitete Ergebnisse: so wie hier heute die Rotation der Milchstraße aus den Gaia-Daten zur Radialgeschwindigkeit, korrigiert für den Orbit der Sonne um das Galaktische Zentrum. Die Sterne bewegen sich – in einem galaktischen Bezugssystem – links mit im Schnitt bis zu knapp 200 km/s weg, rechts umgekehrt.

Die von Gaia gemessenen Radialgeschwindigkeiten in der Umgebung der Sonne (von -60 bis +60 km/s, rot bis blau dargestellt), von oben auf die Milchstraße schauend: Die Sonne ist der schwarze Punkt in der Mitte, das rechtwinklige Raster hat 2 kpc Weite, die Milchstraße rotiert im Uhrzeigersinn.

Auch hier sind Radialgeschwindigkeiten aufgetragen, allerdings die Azimutalgeschwindigkeit farblich codiert (Skala rechts) gegen den Abstand des Sterns von der galaktischen Scheibe (x-Achse) und die vertikale Geschwindigkeitskomponente (y-Achse): Die dabei sichtbar gewordene Spiralstruktur ist eines von zahlreichen Mustern, die in den DR2-Daten stecken und die auf eine dynamisch junge und gestörte Scheibe der Milchstraße hinweisen: Vor 300 bis 900 Mio. Jahren ist hier was passiert.

Auch diese Grafik aus demselben frühen Paper – die Azimutalgeschwindigkeit gegen den Abstand vom Galaktischen Zentrum zeigt viel mehr Struktur als in einer ruhigen Milchstraßenscheibe zu finden sein sollte: „Galaktoseismologie“ wird derartige Forschung neuerdings genannt, und Gaia macht sie überhaupt erst in dieser Klarheit möglich. Mehr dazu auch auf dieser Seite und in diesem Paper.

Die Qualität der Parallaxen-Messungen Gaias: Der Fehler in Mikrobogensekunden gegen die G-Helligkeit der Sterne. Die blaue Kurve gibt die Erwartungen nach 5 Jahren Messungen an, die die 22 Monate im DR2 (rosa Punkte) bei den schwachen Sternen schon fast erreicht haben, während es bei Sternen heller als 14. Größe noch einiges zu kalibrieren gilt. Oben links die Lage im DR1.

Die Verteilung der Sternparallaxen in der DR2 – man erkennt verblüfft, dass ein Viertel (unphysikalisch) negativ ist! Einfach mal den Kehrwert nehmen und als Entfernung des Sterns betrachten, würde also in vielen Fällen Blödsinn liefern!

Wo die Gaia-Sterne in der Milchstraße sitzen (Blick auf die Scheibe rund um die Sonne, Marken am Rand in 5-kpc-Abständen): der Versuch einer Rekonstruktion von 1.3 Milliarden Distanzen aus den Parallaxen und einem Modell der Milchstraße – mit einem mathematischen Verfahren, das je nach Qualität der Parallaxen ihnen bzw. dem Modell den Vorrang gibt. Der Katalog mit diesen Entfernungs-Schätzungen ist auch online, aber separat vom eigentlichen Gaia-Katalog DR2, bei dem man auf manuelle ‚Verbesserungen‘ verzichtet hat.

Bei nahen Sternhaufen sollte die Kehrwert-Methode aber gut funktionieren: so wie mit 970 Sternen der Plejaden mit G-Helligkeiten von 5 bis 20, die im Raum eine Art Kugel zu bilden scheinen.

Die Farben aller Sterne am Mittel bis zur 19. Größe: Farblich codiert ist hier die Differenz GBP-GRP, die zwischen 0.5 (violett darstellt) bis 3.5 (rot) reicht; jedes Pixel zeigt im Original gibt den Median-Wert aller Sterne darin wieder. Die Blau- und Rothelligkeiten Gaias sind dabei keine Extra-Messungen sondern aus Spektren integriert.

Ein Hertzsprung-Russell-Diagramm der Sterne der Sonnenumgebung aus den Farb-Daten und Distanzen des DR2: x-Achse = Differenz der beiden Farbkanäle bzw. Oberflächentemperatur, y-Achse = absolute G-Helligkeit links bzw. Leuchtkraft in Einheiten der Sonne rechts. Mehr Gaia-HRDs auf dieser Seite und in diesem Paper.

66’000 veränderliche Sterne verschiedenen Typs, die eine automatische Himmelsüberwachung fand, in ein Diagramm mit denselben Achsen geplottet – wobei die Entfernung zwecks Bestimmung der Absolut-G-Helligkeit in der y-Achse einfach durch Kehrwertbildung der Parallaxe berechnet wurde … was bekanntlich (s.o.) nicht unbedingt zuverlässig ist.

Diverse veränderliche Sterne aus anderen Quellen ebenfalls in einem Farben-absolute-Helligkeiten-Diagramm (also x-Achse = GBP-GRP, y-Achse = absolute G-Helligkeit) eingezeichnet: oben pulsierende von 18 verschiedenen Typen, in der Mitte Bedeckungsveränderliche verschiedener Sorten (bzw. mit Exoplaneten: gelbe Punkte) und unten 10 Typen Eruptive.

Der Anteil veränderlicher Sterne am nämlichen Farben-absolute-Helligkeiten-Diagramm: hellbeige = keine, grün = ein paar, gelb = ~1/5, rosa = ~ die Hälfe, hellblau = 85 bis 100 % sind variabel.

„Wanderungen“ ausgewählter Sterne im nämlichen Diagramm während der 22 ersten Monate der Gaia-Beobachtungen: Die gibt es auch als Animation und hier beschrieben.

Ein Farben-Helligkeits-Diagramm (mit der scheinbaren G-Helligkeit gegen die Farbdifferenz) für den Kugelsternhaufen Messier 13 – mal eben automatisch geplottet, was dank diverser Online-Tools für den DR2 kein Problem ist. Was hätte das früher gedauert, all diese Sterne einzeln zu fotometrieren …

Die Staub-Extinktion in Gaias G-Band am ganzen Himmel, je dunkler desto staubiger: abgeleitet über die Eigenschaften von Sternen, die wiederum aus den drei Farbinformationen Gaias (G-, B- und R-Helligkeit) gewonnen wurden – mehr auch auf dieser Seite.

Die Bewegungen von 75 Kugelsternhaufen: Richtung und Länge des Vektors geben die Komponente in der Himmelsebene, die Farbe die Radial-Komponente, von -200 (blau) bis +200 (rot) km/s – mehr auch auf dieser und erst recht auf dieser Seite sowie eine 3D-Animation.

Auch die Exoplaneten-Forschung bringt Gaia voran – indirekt jedenfalls: Die Sterndurchmesser, die sich aus den Farben und Entfernungen aus dem DR2 für Millionen Sterne ergeben, sind hier mit Transits vor den entsprechenden Sternen verknüpft worden. Und eine markante Lücke in den Planeten-Durchmessern wird in dem Histogramm sichtbar, während sie in den Kepler-Daten alleine allenfalls zu erahnen war.

Auch eine Kombination von Gaia und früheren Beobachtungen – und zwar von Microlensing durch Exoplaneten: Zu 25 solcher Fälle sind die Objekte im DR2 (für dessen Sternenhorden es bereits diverse Visualisierungs-Tools gibt) zu finden, und in 19 davon lassen sich frühere Analysen nun verifizieren. In der Grafik sind die Beteiligten mit ihren Gaia-Distanzen auf die Galaxis geplottet.

Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 26. April 2018

22. April 2018

26. April

Die Wissenschaft des ExoMars TGO beginnt übermorgen

Und hier schon mal die soeben präsentierte erste Aufnahme der Kamera CASSIS nach ihrer Aktivierung am 20. März, entstanden am 15. April: Der 10 km breite Streifen, hier etwas gekürzt, zeigt den Rand des Kraters Korolev bei geringer Sonnenhöhe, womit sie aber gut klar kam. Von den Instrumenten zur Methan-Suche, seit 5 Tagen aktiv, liegt so früh natürlich noch nichts vor. [14:55 MESZ. NACHTRÄGE: «Wir hatten in der ersten Testphase ein paar kleinere Softwareprobleme», so eine PM der Uni Bern: «Nun ist das Instrument aber wieder betriebsbereit. Es ist schon erstaunlich, dass man in einem Instrument, das in über 100 Millionen Kilometer Entfernung rund um den Mars fliegt, eine völlig neue Software aufsetzen und zum Laufen bringen kann.» Auch Releases von UKSA, Roskosmos und UWO und Artikel hier, hier, hier, hier und hier]

Ein Memorandum of Understanding über eine Studie zur Möglichkeit einer gemeinsamen Mars Sample Return Mission ist soeben auf der ILA – im Rahmen derselben Pressekonferenz, auf der zuvor auch das CASSIS-Bild enthüllt wurde – von Tom Zurbuchen von der NASA und Dave Parker von der ESA unterzeichnet worden. Sehr konkret wurde man heute nicht; einen Bericht soll es 2019 geben. [15:15 MESZ. NACHTRAG: ein Press Release zum MOU, mehr Fotos, prominente Erwähnung im ESA-Video zum 2. Tag der ILA, Interviews mit Parker und Zurbuchen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zur Kamera des NASA-Rovers 2020] Ansonsten noch ein Laser-Terminal für die ISS zwecks High-Speed-Datenübertragung, eine Laser-Station für Graz für Satelliten-Entfernungsmessung und ein paar Worte (mit geringem S/N-Verhältnis) zum deutschen Weltraumüberwachungsradar GESTRA, das bald TIRA ergänzt. [18:00 MESZ] Mal wieder eine Planänderung beim SLS, die die EM-2 betrifft – und die generellen HSF-Pläne jenseits vom LEO. [21:15 MESZ] Noch mehr erstaunliche Rosetta-Animationen – und Merkurs Krustendicke. [23:45 MESZ – Ende]

Der Start des ESA-Erdbeobachters Sentinel-3B auf einer Rockot in Plesetsk heute Nacht: ESA (deutsch) und DLR Releases, Aufzeichnungen hier und hier, Standbilder daraus hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier und vorher hier und hier. Auch Sorgen um Landsat-Kosten, die Verschiebung des nächsten Ariane-Starts, weil der indische Satellit kaputt ist, ein Gyro-Ausfall auf Hubble (ohne Konsequenzen), der bevorstehende Reentry des RXTE (eine FAQ), Science-Prognosen für das JWST, TESS in Erdnähe erwischt, große Weltraumforschungs-Pläne Chinas (mehr und mehr) und -Technologie-Entwicklungen bei der NASA – und der ExoMars-Rover wird verfrachtet (das STM nach Toulouse). [0:25 MESZ. NACHTRAG: eine Meldung zum Abtransport]

Hier gibt’s heute um 10:00 MESZ eine DLR-Pressekonferenz zum 25. Geburtstag der Spacelab-Mission D-2. Und auf einer DLR-L&R-PK gestern wurde mal wieder die Mission Eu:CROPIS erwähnt, mit der wiederum EDEN-ISS in der Antarktis verzahnt ist. Auch weitere Artikel zum Sentinel-Start hier, hier und hier. [2:15 MESZ] Und hier. Am interessantesten bei der DLR-PK waren wohl die Erzählungen von Hans Schlegel ab 15:45 und Jerry Ross ab 26:50 über ihre Erfahrungen mit dem Space Shuttle nicht nur bei STS-55 alias D-2, die heute vor 25 begann. [10:55 MESZ] Auch eine PM des DLR zum Jahrestag – und ein 5-Min.-Video der ESA über die ILA. [12:30 MESZ. NACHTRAG: ein Artikel über die D-2-PK]

Chinesischer Start von 5 Satelliten für die Zhuhai-Konstellation von Erdbeobachtern (mehr, mehr und mehr) – und OHB hat den Auftrag erhalten, den ESA-Exoplaneten-Satelliten Plato zu bauen, Details fehlen aber noch. [12:35 MESZ] Erstaunlicher Spin-Off der Planetenforschung: Maschinelles Lernen für Krater-Erkennung auf dem Mars hilft bei der Krebs-Bekämpfung (Linear Poisson Modelling). [12:50 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel zum China-Start hier und hier und die Bahnen der Satelliten] Der Sentinel-Start aus Fan-Perspektive – und um 14:15 MESZ schon wieder was live, diesmal zum Mars-Programm der ESA, Bilder vom ExoMars TGO inklusive. [13:50 MESZ] Ein paar Fotos vom Sentinel-Start. [14:40 MESZ. NACHTRAG: ein Copernicus-Artikel dazu sowie Highlights und alles in Bewegung]


25. April

In zehn Stunden ergießt sich eine Sturzflut von Gaia-Daten

über die Astronomie: der zweite Data Release der ESA-Astrometrie-Mission, der dramatisch über den ersten von 2016 hinaus geht. Diesmal werden nicht „nur“ die Positionen von 1.14 Milliarden Sternen der Milchstraße sondern die Positionen, Eigenbewegungen und Parallaxen von 1’331’909’727 Sternen bis 21. Größe aus den ersten 22 Monaten Messungen bis Mai 2016 enthalten sein (wobei brauchbare Entfernungen aber nur für einen Bruchteil der Sterne abgeleitet werden können). Dazu kommen noch über 300 Mio. Sterne mit nur Positionen und Breitband-Helligkeiten, so dass der Data Release 2 insgesamt die Orte und G-Helligkeiten von 1.69 Milliarden Sternen enthält – und für fast 1.4 Milliarden davon hat Gaia auch Blau- und Rot-Helligkeiten, für 160 Mio. die Temperatur und für 7.2 Millionen (bis 13. Größe) auch noch die Radialgeschwindigkeit gemessen. Würde man den kompletten Katalog in ähnlicher Weise ausdrucken wie einst den des Hipparcos-Satelliten (6 dicke Bände) wären es rund 70’000 Bände oder 17 Mio. Blatt Papier (wobei der finale Gaia-Katalog nochmal erheblich größer wäre).

Die Erwartungen in der Astronomie sind riesig, aber erstmal wollen Unmengen Dokumentation verdaut sein, die parallel mit der Freischaltung der Datenserver um Punkt 12:00 MESZ verfügbar werden sollen, die zahlreiche Events in etlichen Ländern begleiten werden, von denen mindestens die in Berlin und Paris auch live gestreamt werden. Auch der künftige Zugriff auf einzelne Quellen Gaias (der gerade eine Billion Einzelmessungen absolviert hat), eine Auswahl Wissenschaft mit dem 1. Data Release hier und hier, die auf Anfrage genannten Lieblingspapers zweier Gaia-Forscher hier und hier, eine weitere Arbeit, die hier beschrieben wird, zum Data Release 2 Ausblicke auf extragalaktische Eigenbewegungen und Messungen am Sternstrom Tucana III (Animation) sowie ein 2019 bevorstehender Gravitationslinsen-Effekt durch einen Weißen Zwerg und Entfernungsmessungen bestimmter Sterne mutmaßlich besser als mit Gaia plus erwartungsvolle Artikel hier und hier. Gaia hat schon jetzt 45 Monate Daten im Kasten: Der Data Release 3 wird derer 34 beinhalten, der finale dann volle fünf Jahre Messungen. [2:00 MESZ]

Der Himmel Gaias nach dem DR2, in Farbe: Wie das Bild entstand, wird hier beschrieben. Weitere Visualisierungen hier und hier. [11:45 MESZ] Und schon jede Menge Astrophysik: das HRD der Milchstraße, das (überraschende) Geschwindigkeitsmuster der Sterne in der Nähe der Sonne und die Bewegungen von Kugelhaufen, Zwerggalaxien und Sternen in der LMC – in dieser Nachbargalaxie verfolgt der Satellit über 7 Millionen einzelne Sterne. [12:00 MESZ] Diese und andere erste Ergebnisse werden auf mehreren Seiten hier im Detail diskutiert. Auch eine PM des MPIA, ein Interview und ein Artikel aus den Niederlanden. [12:15 MESZ]

Die radialen Sternbewegungen in der Umgebung der Sonne: ein Bild aus der weiter laufenden Gaia-Pressekonferenz in Paris, die viel mehr in die Tiefe als die (längst beendete) Berliner geht. Inzwischen sind auch neun kurze Animationen zur DR2 erschienen, die verschiedene Aspekte beleuchten, und ein langer ESA Press Release mit auch allerlei Visuals. [12:25 MESZ] Selbst in Randgebieten bringt der DR2 die Forschung rasant voran: Die Zahl der präzisen Positionsmessungen von Asteroiden ist enorm angestiegen. [12:40 MESZ]

Eine Reise zu den Hyaden mit dem DR2, eins der neun o.g. Videos. Und hier gibt’s die ersten wissenschaftlichen Papers zum DR2, 11 davon Open Access: Das hier fasst zusammen und schließt mit den Worten „we invite the reader to start exploring the magnificent survey that is Gaia DR2.“ Heute Nacht kommt dann noch mehr dazu – und eine lange Serie von Tutorial-Videos führt zudem in die Benutzung der Datenflut ein. [13:05 MESZ] Und da ist schon erste DR2-Science – auch Press Releases von STFC und CNRS, die Aufzeichnung der Berliner PK und ein Artikel. [14:20 MESZ] Und hier, hier und hier sowie Press Releases in Englisch hier und hier, Französisch und Katanalisch. [15:25 MESZ] Eine Zusammenfassung erster Eindrücke durch diesen Blogger, die Andromeda-Galaxie à la Gaia DR2, wie die 7 Mio. Radialgeschwindigkeiten gemessen wurden und weitere Press Releases hier und hier. [16:10 MESZ] Und hier und hier sowie Virtual-Reality-Material zum DR2 und weitere Artikel hier und hier. [17:15 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, noch ein Press Release, ein grafisches Interface – und der Impakt des DR2 aus erster Hand. [22:15 MESZ. NACHTRÄGE: DR2-Entfernungen von sehr nahen und prominenten und in den Plejaden stehenden Sternen, gleich 1000 Plejaden-Sterne geplottet, 50’000 nahe Sterne animiert, die Eigenbewegung der Kepler-Sterne, ein Kepler/Gaia-HRD, das FHD von NGC 5897, das HRD von M 13, noch ein FHD, Eigenbewegungen im Fornax-Zwerg, die Exzentrizitäts-Verteilung der Sternorbits der Milchstraße, die ersten unabhängigen Papers mit DR2-Daten, weitere Papers zur Parallaxen/Distanzen-Frage, der Rotation der Galaxis, dynamischen Details ihrer Scheibe, alten Microlensing-Fällen neu beleuchtet und Hypervelocity Stars hier und hier, die meisten Gaia-eigenen Papers open access, Berichte von den Tagen eins, zwei und drei eines Workshops mit den D2-Daten, Hinweise zu den Archiven, ein Diskussionsforum für Gaia-Nutzer, die ESA-PM auf Deutsch, ein 10-Minuten-Interview, ein paar Videos, eine neue Gaia-Sky-Version, ein TV-Bericht und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Eine Low Surface Brightness Galaxy, entdeckt von Amateuren, ist gestern publiziert worden: Sie wurde bei NGC 2655 mit einem 20-cm-Newton gefunden. Auch eine aktuelle Aufhellung des ‚Wundersterns‘ mit den Helligkeitseinbrüchen über sein Normal-Niveau, die Venus in der Nähe der Plejaden, der Jupiter gestern (mehr und mehr), vorgestern (mehr und mehr), am 21.4. und 31.3., die Chemie der Uranus-Atmosphäre geklärt (auch Gemini, JPL und AURA Released und Artikel hier, hier, hier, hier und hier), eine kuriose Aurora aus Tasmanien, das Oval aus dem Orbit, der weiter ausgebaute Murchison Widefield Array, große Erwartungen ans LSST, die Astro-Gesellschaft der Boston Univ., ein Meteoritenfall in einem Roman – und drei bekannte Deep-Sky-Objekte in ‚Lost in Space‘, in der 1. Episode der Original-Serie. [1:45 MESZ]


24. April

Erste Videoclips des privaten Erdbeobachters VividX2, den Earth-i im Januar gestartet hatte: auch Artikel hier und hier sowie die Startvorbereitungen für Sentinel-3b in Plesetsk morgen (mehr und mehr). Plus eine außergewöhnliche Animation von Rosetta-Bildern, der Abschlussbericht zur Cassini-Kamera, die Taufe des Chang’e-4-Relais-Satelliten und seiner zwei Mini-Begleiter (auch seine niederländische Nutzlast und Artikel hier und hier), der bevorstehende Transport von BepiColombo nach Kourou und die Manöver von TESS auf seiner ungewöhnlichen Bahn. Und Updates in Sachen Orion SM und SLS plus Astronauten-Suche in China – sowie ein Feature über ESA-Astronauten-Ausbildung, das das Astro-Training von Matthias Maurer im Planetarium erwähnt. [10:55 MESZ] Das Sternfeld im Rosetta-Clip ist identifiziert, auch ein neues Paper der RadioAstron-Mission – und Simulationen kollidierender Satelliten. [12:45 MESZ] Die Lage vor dem Sentinel-Start, was an ESA-Starts folgt – und das Manifest von SpaceX im Mai. [16:55 MESZ]


22. April

Der Jupiter gestern 18:29 MESZ von den Philippinen aus von Christopher Go auf der Insel Cebu aufgenommen, auch im IR und Methan-Band und um 18:16 MESZ aus Japan (plus Theoretisches zur Rotation des Planeten) – sowie der Saturn am 19.4. (mit den diversen Stürmchen markiert) und 18.4. und der Mars am 17.4. Ferner der Mond live vorgestern (später verarbeitet), die unerklärliche Aktivität des Asteroiden 311P/(2013 P5) PANSTARRS, das ZHR-Profil der Lyriden, die heute Nacht ihr Maximum erreichen aber schwach bleiben werden, und 20 Jahre Hockey Stick und das Klima mal berechnet bei angenommener Erdrotation anders herum.

Fortschritte beim 5. Hauptspiegel des GMT und helleren Laser Guide Stars der ESO, am Anfang und gegen Ende dieser NASA-Sendung etwas zum von Astro-Technik inspirierten Fluid Lensing zur schärferen Sicht auf den Meeresboden (eine frühere Seite) von Ved Chirayath, ein Riesen-Panorama der Milchstraße in Arbeit – und ein Paper zum Night-Time Environment und dessen Bedeutung in der Vergangenheit als Mahnung ans Heute. [1:35 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 20. April 2018

16. April 2018

20. April

Ein kleines Detail aus dem Lagunen-Nebel in einem Bild des Hubble Space Telescope, das bald seit 28 (!) Jahren im Orbit ist, mit der WFC3 im sichtbaren Licht: eine Animation inklusive Fake-3D, Press Releases hier, hier, hier, hier und hier und ein Artikel. Auch ein neuer Data Release von NEOWISE [NACHTRAG: ein Press Release dazu], ein Ergebnis der Microscope-Mission (Einstein gewinnt schon wieder), ein Versuch eines entzerrten GRF aus Juno-Bildern, kuriose Experimente auf Chinas Mondlander Chang’e-4, die ESA an kommerziellen Mondmissionen interessiert, Kollaboration zwischen Indien und Frankreich für Mars- und Venus-Missionen und das Einpacken von BepiColombo für die Reise nach Kourou. Sowie ein Proton-Start mit Militär-Satellit geglückt (mehr, mehr und mehr), der drohende Ausstieg Russlands aus dem Start-Business (und eine historische Fussnote in diesem Kontext), das Raketen-Triebwerk von Blue Origin, der Satellit CubeSat Radiometer Radio frequency interference Technology, das Weltraum-Radar bei Bonn, mehr Absprachen in Sachen Space Situational Awareness und der vornehm ausgedrückt umstrittene (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und trotzdem vom Senat bestätigte neue Administrator der NASA (weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Abschiedsworte des Acting Administrators). Und die letzte PK von Alexander Gerst vor seiner Abreise (Medien-Material, eine PM des BMWI und Artikel hier, hier, hier und hier) und ein TV-Auftritt mit Online-Fortsetzung, sein fliegender Roboter, der russische Teil der ISS, das DLR Earth Sensing Imaging Spectrometer für die ISS, der Diebstahl eines Gagarin-Relikts, bereits Training für den Mond im EAC – und weiter keine Finanzierung für „Die Astronautin“ in Sicht. [2:45 MESZ] Ein Besuch beim Structural Thermal Model des ExoMars-Rovers. [19:15 MESZ]

Die Sample-Return-Kapsel der Asteroiden-Mission OSIRIS-REx zeigt auf einer Aufnahme einer Kamera an Bord vom März eine neue Delle durch einen kosmischen Staub-Treffer, die aber keine Bedeutung hat. Auch ein Ergebnis des Mars-Rovers Curiosity zur Natur des ausgetrockneten Sees, wie ein Selfie von Opportunity zum 5000. Sol entstand und was der alte Rover gerade so sieht (auch mit intensivierten Farben), Merkur-Erkenntnisse von MESSENGER zum Magnetschweif (und irdischem Radar zu Eisvorkommen am Südpol), die bevorstehende Taufe des Relais-Mondorbiters für Chinas Lander Chang’e-4, der x-te Artikel mit der angekündigten Verschiebung des Starts von Indiens Chandrayaan 2 auf Herbst – sowie der aktuelle Status der ISS und der Station im Mondorbit, wo die Reise hin gehen soll und mögliche Kostensenkungen bei der Orion-Kapsel durch Wiederverwendung. [23:45 MESZ – Ende]


19. April

Countdown für TESS, den nächsten Exoplaneten-Jäger

Heute um 0:51 MESZ soll, zwei Tage verspätet, auf einer Falcon 9 in Cape Canaveral das dritte Weltraumobservatorium – nach CoRoT und Kepler – starten, das systematisch mit der Transitmethode nach Exoplaneten suchen soll: Der Transiting Exoplanet Survey Satellite der NASA (TESS; oben fertig montiert, unten beim Einkapseln für die Rakete) wird Zeitserien von mindestens 85% des Himmels aufnehmen und dabei voraussichtlich 20’000 Sterne mit Exoplaneten finden, die durchweg wesentlich heller als Keplers sind. Damit wird TESS zum Scout für andere Teleskope – insbesondere das JWST – für spektroskopische Nachbeobachtungen, vor allem der Atmosphären: Die Zahl der geeigneten Ziele sollte dramatisch ansteigen und der TESS-Katalog der Wegweiser für zahlreiche Projekte werden. Zunächst für zwei Jahre finanziert, könnte TESS technikseitig über zwei Jahrzehnte arbeiten: Homepages hier, hier und hier, die TV-Planung der NASA (Übertragung ab 0:30 MESZ), der Webcast von SpaceX (beginnt ca. 15 Minuten vor dem Start), Updates hier, hier und hier, ein detailliertes Paper, noch mehr technisches Detail, Press Kits hier und hier, die Start-Timeline in Bildern, wie die Lichtkurven analysiert und die Daten verarbeitet werden sollen, die Mission als Tweet-Serie, wie der exotische Orbit aussieht (dessen Physik hier beschrieben wird), das Evryscope involviert und die Trajektorie Risiko-optimiert sind, die erwartete Planeten-Ausbeute, Press Releases hier, hier, hier, hier und hier, ein Podcast, ein AMA und ein Tumblr der NASA, Pressekonferenzen, Briefings und Chats vom 9.1., 28.3., 11.4., 15.4. hier, hier und hier und 16.4., ein längeres Radio-Interview und Artikel von gestern (mehr) und vorgestern sowie dem 16.4. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 15.4. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 14.4., 13.4. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 12.4. (mehr, mehr und mehr), 11.4. (mehr), 9.4., 8.4., 4.4., 29.3., 28.3., 26.3., 1.3., 22.1., 21.2. und 9.1. – und schon mal ein Blick auf den nächsten Exoplaneten-Satelliten CHEOPS, der 2019 starten soll. [0:00 MESZ]

Alles bestens gelaufen – inklusive der Landung der ersten Falcon-Stufe auf einem Drohenboot im Atlantik. Und auf der zweiten wartet TESS auf einen zweiten Burn, der den Satelliten auf seine komplizierte Bahn mit dem Mond im Spiel bringen soll. [1:05 MESZ] Die ersten Sekunden des Starts, ein Foto aus der Ferne und ein Amateurfilm. [1:15 MESZ] Tele-Aufnahmen des Starts hier – und ein Press Release schon vor dem zweiten Burn, der in 4 Minuten stattfinden soll. [1:30 MESZ] Was planmäßig geschehen ist: Freisetzung von TESS in wenigen Minuten! Auch weitere Fotos – und die zurückkehrende 1. Stufe aus der Ferne. [1:40 MESZ]

Und TESS ist ausgesetzt! In ein paar Minuten sollten sich nun die Solarzellen entfalten, so dass der Satellit so aussieht wie auf dem Foto ganz oben. [1:45 MESZ] Das Bild Sekunden später und eine Serie – und das erste Sonnensegel ist draußen. Auch mehr Fotos hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier und hier. [1:55 MESZ] Beide Sonnensegel sind entfaltet! Jetzt muss bloss noch die Oberstufe entsorgt werden. [2:00 MESZ] Und zwar auf eine heliozentrische Bahn – auch die TESS-Forscher danach, ein NASA Release, ein ferner Amateurfilm und weitere Fotos vom Start und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, von diesem Blogger hier, hier und hier. [4:45 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie die Details des Mond-Flybys am 17. Mai, ein Chat mit TESSologen und weitere Fotos hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie eine Animation]


18. April

Eine Art Vierfach-Konjunktion am Abendhimmel gab es heute zu sehen – mehr und größere Bilder aus Königswinter – mit dem Erdschein-verzierten Mond bei den Hyaden und im Dreieck mit der Venus und den Plejaden. Auch die Mondsichel größer, der Erdschein im Detail und andere Weitfeld-Bilder mit allem hier, hier, hier, hier und hier. [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier und hier sowie der Mond in den Hydaden später über Kanada und jenseits der Hyaden über dem Iran]


17. April

Ein Asteroidenbesuch mit seltener Parameter-Kombination

hat die Erde vorgestern beehrt: Als der sehr grob 50 Meter große und erst einen Tag vorher entdeckte 2018 GE3 am 15. April um 8:40 MESZ in 0.0012897 au Abstand oder 1/2 Monddistanz am Erdzentrum vorbei huschte, gab es nur einen anderen bekannten Fall, bei dem ein vermutlich gleich oder ein bisschen größerer Asteroid der Erde noch näher gekommen und dabei beobachtet worden war. Beider Durchmesser sind mangels Kenntnis der Albedo zwar unbekannt, aber 2002 MN war vor 16 Jahren mit 23.4 mag. absoluter Helligkeit ein bisschen heller als 2018 GE3 mit 23.6 mag. – und mit 0.00082 au auf jeden Fall deutlich näher gekommen. Mit 0.00201 au zwar weiter weg geblieben, dafür aber mit 22.6 mag. absolut deutlich heller und 50% größer im Durchmesser war dagegen der dieses Jahr schon vorbei geflogene 2018 AH: All dies kann man dieser Tabelle des Minor Planet Center entnehmen (wobei es hier und hier alternative gibt).

In Erdnähe dürfte 2018 GE3 etwa 13.1 mag. am irdischen Himmel gehabt haben, die größte Helligkeit wurde gegen 7:15 MESZ mit ~12.1 mag. erreicht, danach wurde die Beleuchtung ungüntiger: auch Artikel hier, hier und hier, oben eine Grafik der Asteroiden-Besuche der letzten 12 Monate – und Artikel über die Impaktkrater in Australien und auf dem Mond sowie zur Meteoriten-Suche in der Antarktis. Sowie der Mars am 14.4. und 31.3., der Jupiter am 16.4. (spezielle Filter), 15.4. (zur Abwechslung mal gezeichnet), 14.4. (Text), 12.4., 10.4. und 9.4., der Saturn am 12.4., 11.4. und 5.4. und ein Aufruf an Amateurastronomen zur 2018-er EPSC in Berlin. Ferner eine schwache Nova im Schützen (Bilder hier, hier und hier), die langlebige Supernova vom letzten Jahr – und wieder massig tolle Bilder des STEVE-Phänomens v.a. aus den letzten Tagen in Kanada (wo es sogar zur Tourismus-Werbung eingesetzt wird) hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Zugabe: Normal-Aurora aus dem Cockpit eines Linienflugzeugs.

Ein völlig verrücktes optisches System zur Überwachung des gesamten Himmels auf Nanosekunden-lange Blitze, mit denen Aliens kommunzieren könnten, wurde auf einer Tagung über „Life elsewhere“ präsentiert (Details hinter dem Bild) – die wurde von derselben privaten ‚Breakthrough‘-Initiative ausgerichtet, der z.B. das Radioteleskop Parkes neue Empfänger-Technik verdankt. Derweil gibt es mal wieder keine Entscheidung über den Standort des TMT (Artikel hier, hier und hier), ein Interview zur VIMOS Public Extragalactic Redshift Survey der ESO, bei der sich jetzt auch Australier tummeln, das DARK-speckle Near-infrared Energy-resolved Superconducting Spectrophotometer für das 5-m-Hale-Teleskop – und das Cherenkov-Teleskop H.E.S.S. ist 15 Jahre alt (weitere Press Releases hier und hier und Zugang zur H.E.S.S. Galactic Plane Survey). Plus Berichte von der großen Astro-Tagung EWASS in Liverpool diesen Monat hier und hier, Dark-Sky-Entwicklungen hier (auch gedruckt), hier und hier, ein Aufruf der IAU zum 100-Jährigen (es gibt Unterstützung für Projekte) – und eine schicke Briefmarke zum 50. Geburtstag des Planetariums in Buenos Aires. [1:40 MESZ] Ein Video von 2018 GE3 vor der Erdnähe – Gerhard Dangl mit Newton 1200/254, Atik314L+ B/W, Belichtungszeit je 1 Sek. Und natürlich wieder Doomsday-Gelaber, diesmal erst hinterher … [14:15 MESZ]

Der junge Mond bei der Venus heute Abend über Bochum: jede Menge Zeitschritte – und Bilder von anderswo hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie der Mond im Detail. [22:55 MESZ. NACHTRÄGE: eine Animation davon, die Sichel lang und hier und hier kurz belichtet und weitere Pärchen aus Europa hier (super-tief), hier und hier und später den USA hier, hier, hier, hier und hier, bevor wieder Europa dran sein wird – wo der Mond übrigens auch schon gestern extrem knapp ging]


16. April

Abendliches Abheben einer Atlas V zur USAF-Mission AFSPC-11 letzte Nacht – an Bord der Continuous Broadcast Augmenting SATCOM (CBAS) und das ESPA Augmented GEO Laboratory Experiment (EAGLE): weitere Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, der Webcast (Screenshots daraus hier, hier und hier), ein ferner Amateurfilm, ein ULA Release und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch der erklärte Erfolg der Mission des kleinen Astro-Satelliten-Demonstrators ASTERIA und ein paar seiner Messungen im Detail, Unmengen Details zu Chinas 2-Meter-Weltraum-Teleskop, das mehr an Euclid und WFIRST erinnert als an Hubble, neue Bildverarbeitung von Akatsukis Venüssen (am Ende angefügt), eine mögliche Umplanung des Fluges EM-2 von SLS & Orion, schon wieder eine Studie zu Weltraum-Waffen – und die Idee eines Raumfahrt-‚Museums‘ … im Orbit. [1:00 MESZ. NACHTRAG: noch mehr Atlas]

Ein relativ aktuelles Radar-Bild von Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding (MARSIS) auf dem Mars Express, das in Meridiani Planum in die Tiefe schaut: Das Echo aus dem Untergrund könnte von einer dicken Schicht porösen Sandes stammen, der ein Eis-Depot vortäuscht. Auch der ExoMars TGO auf seiner Zielbahn um den Mars, die Raketen-Frage für eine NASA-Europa-Mission, mal wieder vage Ergebnisse von AMS-02 auf der ISS, HD-Video aus dem Orbit vom Carbonite-Satelliten, die Ursache des Langer-Marsch-5-Debakels letzten Sommer, Spekulationen hier und hier über vage Musk-Andeutungen zur Rückkehr einer zweiten Raketen-Stufe – und morgen streamt die letzte Pressekonferenz von Alexander Gerst vor seiner Abreise nach Russland. [17:55 MESZ]

Der Software-Upgrade und der Reboot des Mars Express haben geklappt: Er hat sich soeben wieder gemeldet, wie dem Spektrum-Analysator unten rechts auf dem Monitor zu entnehmen ist, wo der Funkträger zuvor mit dem Herunterfahren planmäßig verschwunden war. [20:15 MESZ] Dagegen ist der für heute Nacht geplante Start des Exoplaneten-Jägers TESS verschoben worden, auf die Nacht 18./19. April: Probleme mit der Steuerung der Falcon 9. [22:25 MESZ] Eine NASA-Notiz dazu und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ]

„March for Science“ – heute kommt die 2. Runde

14. April 2018

der weltweiten Demonstrationen für die Wissenschaft (oben das deutsche Portal), die bei der Premiere vor einem Jahr immerhin 1.07 Millionen rund um den Globus auf die Straße brachten, wie natürlich streng wissenschaftlich ermittelt wurde („1.07 Millionen …“): Pressemitteilungen der Unis Bochum, Bonn und Köln und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und im späteren Nachklang vom letzten Jahr noch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:00 MESZ]

Und so sah es beim March for Science Rheinland/Köln heute auf dem Kölner Rudolfplatz aus – 136 Bilder in groß hier!

Eine Auswahl der gezeigten Transparente – und das waren ein paar der „Promis“ auf der Bühne:

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Enno Aufderheide, Biologe und Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Myrle Dziak-Mahler, Geschäftsführerin des Zentrums für LehrerInnenbildung an der Universität Köln – sie hielt die fulminanteste Ansprache, die komplett hier zu finden ist.

Reinhold Ewald, Physiker, ESA-Astronaut, Professor für Astronautik und Raumstationen an der Universität Stuttgart – hier seine Ansprache komplett.

Ranga Yogeshwar, Physiker und Wissenschaftsjournalist – und ein Urgestein der Wissenschaft im deutschen Fernsehen, Jean Pütz!

Mark Benecke, Kriminalbiologe, Spezialist für forensische Entomologie.

Thomas Grundmann, Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Köln.

Weitere Fotos von der Rheinland-Ausgabe des Marsches sind auch hier und hier und hier zu finden. [18:30 MESZ]

Weitere Alben aus Köln (von dort auch weitere Fotos hier, hier und hier) und anderen deutschen Städten, ein Live-Blog von Science, deutsche Presse-Infos, Grußworte vom BMBF und aus der Antarktis, ein Interview, ein Kommentar und ein Artikel aus Tasmanien – und in DC geht’s los: Der Livestream läuft! [19:15 MESZ] Bilder aus diversen deutschen Städten – Köln voran. [20:35 MESZ] Allgemeine Artikel hier, hier und hier sowie speziell zu Köln & Münster und Bremen. [22:05 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: weitere Texte, Bilder und Videos global hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und national hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Allgemeines Live-Blog vom 4. bis 12. April 2018

4. April 2018

12. April

43. PSLV-Start bringt indischen Navigationssatelliten ins All

Heute bzw. gestern MESZ hat das PSLV C41 den Satelliten IRNSS-1I auf einen sub-geosynchronen Transferorbit von 282 x 20’730 km gebracht: Er soll später auf einer geosynchronen Bahn über 55° Ost mit 29° Neigung zur „Navigation with Indian Constellation“ (NavIC) alias „Indian Regional Navigation Satellite System“ (IRNSS) gehören. Auch Artikel hier und hier und Screenshots aus der Liveübertragung sowie eine dicke Studie zum Stand von Antisatelliten-Waffen weltweit (eine Zusammenfassung mit absurdem Bild), eine neue Software für den Mars Express, was Opportunity so treibt, ein Riesen-Paper über den Stickstoff-Zyklus auf Pluto, offizielle Namen von Features auf seinem Mond Charon, das Gewitter-Instrument ASIM auf der ISS, der komplette Vortrag eines NASA-Astronauten in Neuseeland – und allerlei Citizen Science mit NASA-Daten v.a. aus dem Sonnensystem. [4:05 MESZ. NACHTRAG: die ESA zu ASIM] Mehr zum PSLV-Start hier, hier, hier, hier und hier. [6:45 MESZ]

Die Vielfalt der Steine, vor denen der Mars-Rover Curiosity gerade steht. Auch ein neues superscharfes Bild von Opportunity, ein Marskrater vom Mars Express, der eine Impaktstruktur oder vulkanisch sein kann und wie Juno Jupiters Magnetfeld kartiert, die NASA auf die JWST-Krise reagiert, SpaceX bei Commercial Crew voran kommt und es bessere Tomaten dank Mars-Visionen gibt. Und vom PSLV-Start eine Langzeit-Belichtung und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. Bliebe noch die Frage, warum C41 der 43. PSLV-Start war, wo die C-Zählung doch 1997 mit dem 4. Start begann: Der Grund ist, dass es keine Mission C13 gab (obwohl sie in diesem Budget-Dokument noch in Fußnote 18 stand) – aber wie es dazu kam, konnten auch indische Kollegen nicht eindeutig klären … [22:35 MESZ – Ende. NACHTRAG: Der Zielorbit ist erreicht]


10. April

Ein Infrarotbild des Jupitermonds Io und seiner Vulkane von 2017 vom JIRAM-Instrument auf Juno, in Verarbeitung von Roman Tkachenko. Auch die NASA wieder mit einem Chef-Wissenschaftler, andauernde Bemühungen um IMAGE, der Magnetismus in den Ozeanen von Swarm beobachtet, GRACE-FO im Mai von Iridiums begleitet – und China startete unangekündigt drei weitere Yaogan-Satelliten, die wohl Schiffe überwachen sollen. [21:20 MESZ. NACHTRÄGE: die Identifikation der Vulkane auf Io – und der Jupiter-Nordpol im IR mit den 8 Wirbeln, auch animiert]

Ein „Einstein-Ring“, geschaffen von einem Galaxienhaufen

Das gemeinsame Schwerefeld von SDSS J0146-0929 hat auf diesem Hubble-Bild eine dahinter stehende Galaxie nahezu perfekt als Ring abgebildet – auch die Entdeckung eines Millisekunden-Pulsars durch NICER auf der ISS, ein mögliches Problem mit der Parker Solar Probe, der ExoMars TGO kurz vor dem regulären Betrieb auf niedrigem Marsorbit, noch ein weiteres Jahrzehnt für den Mars Reconnaissance Orbiter, Venus-Wolken aus dem Nachlass des Venus Express, die Taufe weiterer Features auf dem Merkur, ein Werbevideo für den Lunar Reconnaissance Orbiter und der Wert von Daten-Archiven. Sowie russischer Raketenschrott in Trinidad angespült, ein Riesen-Mandrel für die BFR, die Raketenstart-Foto-Szene – und der ins Meer gefallene Geheimsatellit „Zuma“ kostete 3.5 Mrd. Dollar, wofür auch immer. [1:15 MESZ]


6. April

Mehr JunoCam-Bilder von den Jupiter-Wolken aus der Nähe am 1. April, in Verarbeitung von Kevin Gill (oben und unten) und Seán Doran – der sich manchmal ganz schön anstrengen muss; auch Ergebnisse anderer hier, hier und hier sowie neue Erkenntnisse zu viel Wasser auf dem Mond und die ersten Daten des neuen Wettersatelliten GOES-17.

Die Mission des kleinen Astronomie-Satelliten PicSat musste gestern leider für gescheitert erklärt werden, da er sich seit dem 20. März einfach nicht mehr melden wollte – keine Seltenheit in der Welt der CubeSats, wo gerade im akademischen Bereich die Verlustraten beträchtlich sind. Dafür hat der dicke Röntgensatellit Chandra einen Rekord aufgestellt: 18.6 Jahre Astronomie im Orbit, ohne helfende Astronautenhände!

Der Rho-Ophiuchi-Komplex, „gezeichnet“ allein von unzähligen Sternpositionsmessungen des Satelliten Gaia über 14 Monate hinweg. Am 25. April gibt’s seinen zweiten Data Release, der hier im Detail beschrieben wird: auch ein Interview und ein Artikel. Und das Teleskop des nächsten ESA-Astronomie-Satelliten ist fertig: Die Optik von CHEOPS verlässt die Uni Bern zur Integration, gestartet werden soll 2019. [5:35 MESZ] Ein Artikel dazu. [19:05 MESZ. NACHTRAG: und noch einer]. Noch mehr JunoCam-Verarbeitungen vom 1. April, die Ankunft der Parker Solar Probe in Florida – und die Besetzung des Untersuchungs-Ausschusses zur neuen JWST-Krise. [22:15 MESZ. NACHTRÄGE: ein Artikel dazu, noch mehr JunoCam-Verarbeitung hier (schöne Serie) und hier sowie eine Animation von IR-Bildern Junos – und eine präzise Simulation des Gaia DR2, um schon mal zu üben]


5. April

Der erste Ariane-Start seit dem peinlichen Zwischenfall

im Januar – als die Rakete in eine um 20° falsche Bahnebene startete und das lange niemand mitbekam – hat soeben stattgefunden: Der Webcast erzählt, alles sei bestens (viele Screenshots), aber das war damals genau so gewesen. Auch die inkompetente Prognose der Lebenszeit des neuseeländischen Nonsense-Satelliten – und Wortklauberei zum Crash von Tiangong.

Die gestrige Ankunft des Dragon an der ISS (noch mehr Fotos hier und hier, die Ankopplung und Press Releases hier und hier zu Nutzlasten und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie die aktuelle Startfrequenz der Falcon 9), der Test-Plan für Commercial Crew zur ISS und der Status von SLS und Orion im Detail.

Der erste Raketen-Flug des neuen SpaceShipTwo „Unity“ heute: ein Foto und Artikel hier, hier, hier und hier – und eine ehemalige Chef-Wissenschaftlerin der NASA wird Chefin des NASM, des bekanntesten Weltraum-Museums der Welt. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: Diesmal hat’s geklappt: Press Releases zum Ariane-Start hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier sowie zur Commercial-Crew-Umplanung hier und hier und zum Unity-Flug hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier plus ein längeres Virgin-Galactic-Video]


4. April

Noch ein Zeitraffer-Video vom zweiten Aurora-Australis-Flug aus Neuseeland im März – auch synchronisierte Videos der Blicke aus Fenster links und rechts hier und hier, tolle Aurora Borealis früher bei einem Linienflug über den Atlantik, besonders fette STEVEs 2017 und ein Substurm in Echtzeit in einer Hurtigruten-Doku (in der auch die MoFi vom 31.1. vorkommt) – und ein Sprite mitten aus Singapur gesehen, ein Standbild aus einem Video. [1:00 MESZ] Eine interessante Diskussion zur Begriffs-Abgrenzung von STEVE und Artikel dazu hier und hier. Und die Fernsehdoku gibt’s auf YouTube (zum Substurm vorgesprungen). [19:05 MEZ. NACHTRAG: ein Zeitungsartikel über den Neuseeland-Flug]

Auf dem Saturn ist ein kleiner heller Fleck aufgetaucht!

Der Sturm wird hier näher vorgestellt und ist auf diesem Bild vom 1. April besonders deutlich zu sehen. Auch ein detailreicher Saturn von 2017, aktuelle Jupiters vom 1. April und 30. März [NACHTRAG: und von gestern (mehr)] sowie Mars und Saturn beim Kugelhaufen M 22 am 2. April [NACHTRÄGE: noch einer – und die Szene am 4. April], 1. April und 30. März. Derweil zeigt der aktive Asteroid (3552) Don Quixote jetzt erstmals Aktivität im sichtbaren Licht (eine kleine Koma und ein 30″-Schweifchen; CBET #4502 vom 29.3.), ist der noch sehr sonnenferne Komet C/2017 K2 relativ hell, was man wild extrapolieren mag oder besser nicht und hat der Asteroid A/2018 F4 eine leicht hyperbolische Bahn, die aber weder eindeutig ist noch auf eine interstellare Herkunft hindeutet: Kommentare hier, hier und hier. Auch eine neue Technik zur Meteoriten-Suche im Eis – und der Himmel im April.

Diese astronomische Kamera, die HIPERCAM, kann bis zu 1000 Bilder pro Sekunde aufnehmen, was am GranTeCan für spezielle Beobachtungsprogramme mit Sternüberresten benutzt wird! Auch ein astronomischer Bildsensor mit Technologie aus Kino-Projektoren, das Projekt „100 Earths“ (gemeint sind Exo-Erden) von Yale, ein langes Interview mit dem Astronomen von FRAM, einem Teleskop in Argentinien, das eigentlich nur ein Cherenkov-Observatorium unterstützt, sich aber auch anderweitig nützlich macht, ein Ausfall beim Preprint-Server ArXiv, eine Liste aller Jux-Papers dort, Strategien für die Fern-‚Teilnahme‘ an Konferenzen, eine Drohnen-Umfliegung des „Galileums“ in Solingen – und 2019 eine Art „Jahr der Astronomie“ 2.0 anlässlich des 100. Geburtstags der IAU. [1:00 MESZ]

Eine Trauerfeier für Stephen Hawking in Cambridge am 31. März vor der Beisetzung in der Westminster Abbey im Juni: auch Fotos hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zuvor ein Statement der ESA, sein letztes Interview, frühere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. [1:00 MESZ]

Ein Start einer Falcon 9 nach dem anderen …

3. April 2018

… findet derzeit statt: oben am 30. März mit 10 weiteren Iridium-Satelliten, wonach der Fang einer Nutzlastverkleidungshälfte noch vor der Wasserung abermals scheiterte, sie aber geborgen und zurück gebracht wurde, unten gestern mit einem Dragon zur ISS – und für den 16. April steht der Start des NASA-Exoplaneten-Satelliten TESS auf dem Programm. Der Iridium-Start – die Live-Übertragung, ein Video aus der Ferne und Bilder hier, hier, hier, hier, hier und hier und noch viele mehr – hatte v.a. durch den abrupten Abbruch des Webcasts Aufsehen erregt: SpaceX hatte keine Genehmigung (!), Bilder von der Kamera auf der 2. Stufe zu senden, weil da auch die Erde drauf wäre. Die verantwortlichen Bürokraten gaben sich erst ratlos, lieferten dann doch eine Erklärung und schließlich ein amtliches Statement [NACHTRAG: Nachwirkungen der Affäre]: auch Artikel hier (mehr), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Am nächsten Tag waren beim bereits 10. chinesischen Start des Jahres mit einer Langer Marsch 4 drei Gaofen-Erdbeobachtungs-Satelliten gestartet worden, gestern dann wieder mit Falcon der Versorgungsflug zur ISS, mit auch vielen Experimenten: weitere Press Releases von DLR (mehr), ESA (mehr) und CASIS, der NASA-Blog dazu, die Live-Übertragung, Standbilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Amateurfilm, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Ein Amateur-verarbeitetes JunoCam-Bild von Junos neuestem Perijovium vorgestern: auch Porträts dieses und anderer JunoCam-Fans hier, hier, hier, hier und hier und weitere ihrer Ergebnisse von jetzt [NACHTRAG: auch hier und hier] sowie die Rillen auf den Jupiter-Monden, das nahende Ende der Dawn-Mission und frühe Oberflächen-Prozesse auf dem Mars. Und schräge Satelliten-Bilder der Erde, dieselbe aus Sicht des Kepler-Satelliten, wie auch hier diskutiert – und der Status des Fermi-Satelliten, der nach einer Störung wieder zu sich kommt.

Und es gab letztens gleich eine ganze Reihe Fallschirmtests: mit einer Suborbitalrakete für künftige US-Mars-Missionen (ein Video und Screenshots von diesem ASPIRE-Experiment), für den ExoMars-Lander 2020 und für beide Commercial-Crew-Vehikel. Im Rahmen der geplanten Raumstation in einem weiten Mondorbit wird bereits an einer Lunar Sample Return-Mission gearbeitet. Der zunächst perfekt gestartete indische Nachrichtensatellit GSAT-6A ist in großen Schwierigkeiten [NACHTRAG: mehr dazu], aber es gibt wohl noch Hoffnung: Artikel hier (früher), hier, hier, hier und hier. Die Federal Commmunications Commission hat den Start von über 4400 Satelliten genehmigt: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und vorher zu den Implikationen in Sachen Raumschrott. Es gibt Ärger für’s UK bei Galileo, die Orbitaltests kleiner Comsats beginnen, ein Porträt einer alten Satelliten-Antenne in Stanford – und was das Weltraum-Radar bei Bonn für Aufgaben hat.

Live-Blog zum Wiedereintritt von Tiangong-1

31. März 2018

2. April

Hier endete die Reise des Himmels-Palastes: Der letzte Orbit führte über Südamerika (wo es noch Sichtungen gab, siehe 2:05 MESZ), Afrika und Asien in den Pazifik – und wie auch schon bei den anderen großen Reentry-Kampagnen 2011/12 (siehe ganz unten) gab es am Schluss keine Augenzeugen und keine Trümmer einzusammeln. Auch weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [5:35 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein Press Release aus Vandenberg und eine Notiz der ESA. Es gibt vielleicht ‚Bilder‘ des Reentry von einem Wettersatelliten. Und TIRA sah nichts mehr heute morgen … [12:30 MESZ] Statements von China und ESA ohne neue Details und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [16:35 MESZ] Und hier, hier, hier, von diesem Blogger hier, hier und hier sowie mehr zu Tianhe hier und hier, ein paar Nachbetrachtungen der ASI und eine bessere Karte. [21:55 MESZ] Und ein Vergleich mit verschiedenen Vorhersagen, nur den letzten und den Zentralzeiten. [23:55 MESZ – Ende]

Tiangong-1 ist gegen 2:16 MESZ über dem Pazifik verglüht

Das meldeten eine knappe Stunde später die chinesische Nachrichtenagentur, die sich vage auf „monitoring and analysis of the Beijing Aerospace Control Center and relevant organizations“ als Quelle der Erkenntnis beruft, und USSTRATCOM ganz ohne Erklärung, woher die minutengenaue Angabe stammt. Das lässt – mal wieder – nur den Schluss zu, dass es sich um die Beobachtung der Wärmesignatur des Reentrys durch Infrarot-Kameras auf Frühwarnsatelliten gehandelt hat, ein offenes Geheimnis, das aber einfach nicht zugegeben werden soll. [3:20 MESZ] Das wäre dann so ziemlich der unsichtbarste Ort auf dem Planeten gewesen. Auch eine PM der ASI und Artikel ohne weitere Erkenntnisse hier, hier, hier, hier und hier. [3:40 MESZ] Ein Vergleich mit den letzten Prognosen, eine kuriose Mitteilung der UAE und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [4:10 MESZ]

Die letzten Stunden haben für Tiangong-1 nun geschlagen

Oben in rot die aktuelle Bahn (mit Tiangongs Position genau zu Mitternacht MESZ) und dazu die Orbits, auf denen nach der neuesten Prognose der Aerospace Corp. 2:30 MESZ ±1.7 Stunden der Absturz passieren sollte (gelb = vor, grün nach dem wahrscheinlichsten Punkt), unten die Orbits, auf denen nach der letzten (aber schon ein paar Stunden alten) Vorhersage der US-Weltraumüberwachung 2:48 MESZ ±2 Stunden der Absturz erfolgen sollte, wobei weiße Punkte Millionenstädte darauf markieren – dieselben Tracks gibt es auch in 3D. Es gibt auch ganz neue Prognosen der ASI (2:44 MESZ ±1-2 Stunden) und von Langbroek (2:56 MESZ und 2:36 MESZ jeweils ±130 Minuten). Und schon mal die Erinnerung, dass – mangels Daten in Echtzeit! – keiner der „Live-Tracker“ eine beobachtete Position anzeigen kann: Es sind immer nur Berechnungen aus den letzten verfügbaren Bahnelementen. [0:25 MESZ] Noch noch einer mit derselben Meinung: 2:33 MESZ ±2 Stunden – Tiangong könnte also schon Geschichte sein, weshalb visuelle Beobachtungen sehr nützlich wären, positive wie negative. Auch ein Update der US-Weltraumwacht via Indonesien: 2:49 MESZ ±2 Stunden – der (formelle) Fehlerbalken wird einfach nicht kleiner. [1:20 MESZ]

Sofern TG-1 überhaupt noch im Orbit ist (es hat ewig keine neuen Bahnelemente mehr gegeben), fliegt die Station soeben über Nordkorea hinweg … Auch eine weitere Berechnung wie die anderen (2:43 MESZ ±2 Stunden) – und Konfuses aus China sowie ein Artikel über die nächste Station. [1:50 MESZ] Ein visueller Beobachtungs-Bericht aus Argentinien vor einer Stunde: „Er überquerte den ganzen Himmel und ging an den Zeigersternen vorbei. Hell wie Alpha Cen und sehr schnell.“ [2:05 MESZ] Sofern noch da, geht’s gleich wieder über Südamerika – und wenn es noch einen Orbit geben sollte, könnten Kameras auf Sternwarten einen Reentry sehen. [2:30 MESZ] Bisher keine Meldungen aus Südamerika, war aber auch schlechtes Wetter – gleich ist Afrika dran. [2:45 MESZ] Hmm, ein isolierter Bericht aus Argentinien über ein „blinkendes grünes Licht“ etwa zur rechten Zeit … [3:00 MESZ]


1. April

Das dürften die letzten Radarbilder von Tiagong-1 sein, entstanden mit dem TIRA-Radar bei Bonn heute früh – denn beim nächsten theoretischen Überflug am Montagmorgen könnte es schon um die Station geschehen sein, auch wenn ihre Bahn langsamer als erwartet sinkt. Die Grafik dazwischen zeigt das mögliche Absturzgebiet nach einer neuen Analyse von „Itzalpean“, die auf 2:12 oder 1:29 MESZ kommt, jeweils ±4 Stunden. Andere Prognosen der letzten Stunden sind 0:30 oder 1:20 MESZ, jeweils ± knapp 6 Stunden, 0:46 MESZ ±4 Stunden, 2:47 MESZ ±3 Stunden, 1:40 MESz ±5 Stunden, 3:17 MESZ ±5-10 Stunden und 3:49 MESZ ohne Fehlerangabe – und die ESA hat abrupt aufgegeben, genauere Prognosen zu versuchen. [14:55 MESZ]

Eine Karte der Bahnen, nach auf denen der Absturz passieren kann, nach der o.g. Prognose von 2:47 MESZ ±3 Stunden der US-Weltraumüberwachung (via Indonesien; andere Meinungen der letzten Stunden waren 2:10 MESZ ±2.5 Stunden und 23:59 MESZ ±2 Stunden): Danach wären bereits mehrere Kontinente ausgeschlossen, und in 3D sähe das so aus. Auch Artikel hier, hier, hier, hier und hier – und ein französischer Aprilscherz, bei dem auch SpaceX, das US-Militär und die NOAA mitspielen … [16:40 MESZ] Und es liegen wieder alle Zentralzeiten nach Mitternacht: 1:11 MESZ ±2 Stunden statt 23:59 MESZ. [18:00 MESZ] Die ESA meldet sich doch noch mal: 3:07 MESZ ±2 Stunden – während Aerospace Corp. nun 2:18 ±2 Stunden und Spaceflight 101 1:50 MESZ ±3 Stunden sagen. Plus Artikel hier und hier. [19:20 MESZ] Die neuesten Prognosen: JSpOC tippt auf 2:48 MESZ ±2 Stunden (mit Karte, auch hier), die ASI auf 2:39 MESZ ±2-4 Stunden, Elecnor Deimos auf 2:18 MESZ ±1.5 Stunden, Spaceflight 101 auf 2:08 MESZ ±2.5 Stunden, SatView auf 2:40 MESZ – nur Remis weicht mit 23:53 MESZ ±2 Stunden deutlich ab. [21:50 MESZ]

In etwa 24 Stunden könnte Tiangong-1 Geschichte sein

Denn die Berechnungen für den Absturz (in der Grafik von der ESA) aus den letzten Stunden konvergieren – mit mal wieder einer Ausnahme – alle auf grob Mitternacht MESZ: Es sind 23:23 MESZ ±6 Stunden, 0:19 MESZ ±6 Stunden, 0:34 MESZ ±5-10 Stunden, 1:08 MESZ ±8 Stunden, 23:57 MESZ ±8 Stunden, 0:47 MESZ ±7 Stunden, 4:00 MESZ ±7 Stunden und 22:49 MESZ ±6 Stunden. Auch Grafiken wie es ab 120 km Höhe in unter 1 Stunde zuende gehen wird und zur Masse von TG-1 im Kontext anderer Reentries sowie Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [0:45 MESZ] Die US-Weltraum-Überwacher glauben jetzt, dass es zwischen 20:00 und 8:00 MESZ passieren wird. [2:15 MESZ]

So wurde 1979 der Absturz von Skylab – rund 10-mal schwerer als Tiangong-1 – auch musikalisch erwartet … auch ein viel düsterer Song über Raumschrott, eine neue und immer noch sehr vage chinesische Prognose (2. April Beijing-Zeit, also 18:00 MESZ 1. bis 18:00 MESZ 2.4.), während die indonesische Regierung 2:15 MESZ ±6 Stunden nennt (wohl eine übernommene Prognose der US-Weltraumüberwachung), kuriose Aufregung in North Carolina – und vielleicht heute neue Radar-Bilder von TIRA. [4:30 MESZ]


31. März

Die Prognosen wandern in die Nacht 1./2. April, da die relevante Sonnenaktivität weiter sehr gering und der Verfall der Bahnhöhe mithin verlangsamt sind, auch wenn es 9.4 km in den letzten 24 Stunden waren: Die Aerospace Corp. (Grafik anklicken gibt den neuesten Update) geht jetzt von 22:30 MESZ ±8 Stunden aus, die ESA von 1:25 MESZ (Nachmittag 1. bis früher Morgen 2.4.), Langbroek von 23:15 oder 0:05 MESZ jeweils ±11 Stunden, Remis von 20:01 MESZ ±6 Stunden, Spaceflight 101 von 22:25 MESZ ±11 Stunden – und die Chinesen sagen nun 2. April ±1 Tag Beijing-Zeit. Und hier noch eine Tiangong-Spur unter dem Orion aus Neuseeland. [16:45 MESZ] Und ein neuer Langbroek: 0:55 oder 0:46 MESZ ±9 Stunden, während die italienische Weltraumbehörde auf 21:03 MESZ ±6 Stunden bzw. ±11.5 Stunden (80% bzw. 95% Wahrscheinlichkeit) tippt. Auch eine Anomalie bei der Exzentrizität – und ein unaufgelöstes Video von TG-1 heute, hier erläutert. [18:05 MESZ] Und die Aerospace Corp. ist bei 1:30 MESZ ±7 Stunden – auch eine visuelle Beobachtung und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und da wächst sie schon, die nächste Raumstation Chinas. [20:15 MESZ]

Es wird wohl am Abend MESZ des Ostersonntags passieren

Berechnungen aus den vergangenen Stunden deuten auf den 1. April 23:29 MESZ ±10 Stunden, 22:30 ±14, 20:00 ±13, 18:15 ±9, 18:45 ±15, 22:40 ±15, 13:06 ±10 oder 18:53 ±15 hin, bis auf einen Ausreisser also alle auf den Zeitraum 18:00 MESZ bis Mitternacht zentriert. Die Bahnhöhe (die untere Grafik zeigt den Verfall von Tiangongs Apo- und Perigäum in km) ist derzeit 174 x 187 km über der Erde (als Kugel gedacht) und in den letzten Stunden mit 11 km/Tag gefallen. Aber Prognosen bleiben schwierig bis zuletzt: Die ESA erläutert z.B., dass gestern ein Hochgeschwindigkeits-Strom von Sonnenteilchen nicht zu einem erwarteten Atmosphäreneffekt mit stärkerer Bremsung geführt hat, so dass sich das Absturzfenster etwas verspätet. Die Wechselwirkung von Sonne und Atmosphäre ist also reichlich kompliziert, wie auch ein zehn Jahre altes Paper klar macht: Der Sonnenwind ist wichtiger als die harte Strahlung.

Und er ist auch für Schwankungen des Luftwiderstands in der Thermosphäre etwa in Wochenrhythmus verantwortlich, die sich u.a. bei Tiangong-1 bemerkbar machten. Dazu der erste Autor des Papers, Jeff Thayer (Direktor des Colorado Center for Astrodynamics Research), zu diesem Blog: „The solar flux […] does not account for variations in the solar wind that cause geomagnetic storms resulting in thermosphere mass density change. During solar minimum solar coronal holes extend to lower latitudes on the sun and are sustained for many solar rotations. These holes consist of high speed solar wind streams that are directed towards earth. The structure of these holes varies with helio-longitude and when viewed from earth produce repeatable periodic high speed streams at subharmonics of the solar rotation rate. This effect has not been incorporated into operational models and so are not able to capture this variability.“

Die Bahn Tiangongs um die Erde kann z.B. hier in Echtzeit verfolgt werden, es gibt Update-Seiten zum Reentry etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, oft Updates in Twitter-Feeds hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, in einem anderen Live-Blog und zuweilen auf dieser Mailingliste. Auch eine aktualisierte FAQ der ESA, ein Papier der USAF und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Ähnliche Live-Blogs zu unkontrollierten Reentries großen Raumschrotts gab es 2011 und 2012 zum Ende von UARS, ROSAT und Fobos-Grunt (die am Ende alle sang- und klanglos verschwanden), andere interessante Reentries waren die Weihnachts-Soyuz 2011 (unangekündigt), GOCE 2013 („Der Satellit GOCE ist in der Nähe der Falklands verglüht“; auch damals waren Amateur-Analysten schwer in Aktion gewesen) und Progress M-27M 2015 – und auf der kontrollierten Seite natürlich das Ende der Mir 2001. [1:15 MESZ, mit späteren Updates der Quellen-Liste]