Allgemeines Live-Blog vom 20. bis 22. Juni 2017

20. Juni 2017

22. Juni

Wenn sich Amateure an Juno-Daten zu schaffen machen

Dann kommt – bei Verwendung eines JunoCam-Bilds vom 19. Mai, als der Orbiter 33’400 km von den Wolken entfernt war – schon mal so was raus: Die ‚üblichen Verdächtigen‘ Gerald Eichstädt und Seán Doran waren hier zugange, und auch dieser Blogger hat das Ergebnis nochmal durch IrfanView gejagt. Auch der Komet C/2015 ER61 (PANSTARRS) mit seinem abgebrochenen Fragment am 21. Juni und 19. Juni – und überraschenderweise noch einmal die schmale Mondsichel im Morgengrauen heute in Deutschland und den USA und ‚morgen‘ in Japan, also heute Abend MESZ.

Noch ein Zeitraffer von NLC gestern Morgen aus Dänemark und Bilder mit dem Mond-Venus-Duo dahinter aus Bottrop (Teil dieser Serie) sowie ein weiter Blick aus Polen. Derweil entsteht das erste Astro-Resort in Indien, direkt neben dem Sariska-Tigerreservat.

Derweil zeigt neue Fotometrie von Bruce Gary (normalized flux vs. Juni-Tagesnr.), dass der zweite kleine Dip von Tabby’s Star in rascher Folge auch wieder vorbei zu sein scheint. Auch ein Upgrade der SETI-Technik in Parkes – und ein dramatisches Bild vom 18. Juni vom Frye Fire auf dem Mt. Graham, wo nach dem glücklichen Ende für die Sternwarte heute „mopping up“ angesagt war. [23:55 MESZ – Ende]


21. Juni

Hübsche Mond/Venus-Konjunktion am Morgen in 4° Abstand – auch der Anblick zuvor in Malaysia. Und die Nacht brachte auch wieder nette NLCs … für manche: z.B. auf Rügen (später), in Omsk, in Kühlungsborn, im U.K. oder in Dänemark (später und mehr). [5:20 MESZ. NACHTRAG: mehr NLCs hier, hier & hier, hier, hier und hier]

Ein außergewöhnliches Video aus Ungarn mit den NLC vor der Konjunktion im Zeitraffer! Auch einzelne Fotos in groß, ein Bericht und ein Zeitraffer der Nacht davor vom selben Ort. NLC und die Konjunktion zusammen wurden auch in Rumänien aufgenommen, weitere Bilder von den ersteren dort und anderswo und von letzterer anderswo hier (mehr), hier und hier. [17:45 MESZ]

ESA beschließt LISA und gibt grünes Licht für PLATOs Bau

Das Satelliten-Trio zur Messung von Gravitationswellen darf mit dem Ziel eines Starts 2034 entwickelt werden, hat das Science Programme Committe der ESA beschlossen (alt.), das zugleich den Bau von Planetary Transits and Oscillations of stars freigegeben hat: Dieser Exoplaneten-Jäger soll 2026 starten. Und das ESA-Wissenschaftsprogramm beteiligt sich an dem Technologie-Demonstrator Proba 3 mit künstlicher Sonnenfinsternis und der japanischen X-ray Astronomy Recovery Mission (XARM): Pressemitteilungen speziell zu PLATO hier und hier und Artikel hier und hier [NACHTRÄGE: eine PLATO-PM aus Wien und noch ein Artikel]. Auch das nahe Ende der Mission des LISA Pathfinder, ESA-Videos vom Aerosalon in Le Bourget von 3 Minuten (zu dieser ISS-Initiative), 5 Minuten, 45 Minuten, 65 Minuten und 80 Minuten – und eine Einladung Chinas an Russland, bei der Raumstation mitzumachen, der vermutliche Abschied der USA von bemannten Marsmissionen (womit dieser Artikel hinfällig wäre) und die angedachte Raumstation am Mond als ISS Nr. 2 verstanden.

Kuriose Erosionsmuster auf dem Mars, die Curiosity bei seiner Gale-Rundfahrt – bei der er von der Kamera HiRISE beobachtet wird – am 23. Mai aufnahm. Auch 1000 Tage Mars Orbiting Mission am Mars (mehr), ein Cassini-Bild mit Ring-Knick, NASA-Studien zu möglichen Missionen zu Uranus und Neptun irgendwann in den 2030-er Jahren, eine Obergrenze für Sauerstoff in der Pluto-Atmosphäre aus New-Horizons-Daten – und die Bilanz der Primärmission Keplers mit 4000 Planeten-Kandidaten: die Aufzeichnung einer Pressekonferenz, die Grafiken daraus, Press Releases hier, hier und hier, alle Entdeckungen Keplers bis jetzt, ein Paper über 2 Klassen von Sub-Neptunen, Press Releases dazu hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

China hat seinen ersten Röntgensatelliten gestartet, das Hard X-ray Modulation Telescope (HXMT): ein TV-Clip und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Derweil haben Indiens ASTROSAT ein elektromagnetisches Nachglühen einer Quelle von Gravitationswellen ausgeschlossen und Chinas „Quanten-Satellit“ einen Distanz-Rekord für verschränkte Systeme aufgestellt (mehr, mehr und mehr) – und eine britische Firma offeriert CubeSats extra billig: einen U3 samt Flug für £ 500’000.

Der experimentelle Roll Out Solar Array (ROSA) ist an der ISS entrollt worden: Videoclips hier und hier. Ebenfalls wurde das Röntgenreleskop NICER installiert: noch ein Videoclip. Auch besonders scharfe ISS-Bilder eines Amateurs animiert und einzeln hier und hier, ein zweiter Betankungstext mit dem Frachter Tianzhou-1, der auch ein 2. Mal andockte, der Fehlstart eines Satelliten in China, der auf einer zu niedrigen Bahn landete, Arbeiten von ESA und Orbital an Satelliten, die andere packen sollen, ein TV-Satellit, der zum Zombie wurde und nun herum driftet – ein indirektes Todesopfer des letzten Progress-Starts zur ISS, als fallende Trümmer ein fatales Feuer auslösten … [1:40 MESZ]


20. Juni

Waldbrand bedroht(e) Sternwarten auf dem Mount Graham

Ein gravierender Waldbrand bei Safford in Arizona, das „Frye fire“, ist dem Mt. Graham Observatory mehrmals nahe gekommen, aber energischer Feuerwehreinsatz hat das Large Binocular Telescope und seine Kollegen retten können: Das Bild unten stammt von einer Webcam auf dem LBT (anklicken -> Live-Ansicht) vor wenigen Minuten; auch aktuelle Artikel hier, hier und hier, ein Briefing, weitere Fotos hier, hier, hier, hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. Sowie erneut die Möglichkeit, Exoplaneten-Jägern bei nahen Sternen über die Schulter zu schauen, die Ankündigung eines Plans für die deutsche Astronomie 2017-2030, der im September vorgelegt werden soll (Seite 1) – und ein Nachruf auf Pat Thaddeus, einen Pionier der Radioastronomie.

Der wunderliche Stern KIC 8462852 – weitere Artikel hier und hier – erlebt(e) schon wieder ein 2%-Minimum, wie hier Fotometrie von Bruce Gary (normalized flux gegen Mai-Tages-Nr.) zeigt: auch LCOGT-Fotometrie und kühne Spekulationen, wie es weitergehen könnte, hier und hier. Ferner hochauflösende Amateuraufnahmen des Saturn vom 19. Juni, 16. Juni und 11. Juni, ein von PANSTARRS abgebrochenes Fragmentchen auf Bildern vom 17. Juni und 13. Juni und der Komet Johnson am 18. Juni (mehr und mehr) und 16. Juni.

Auch wenn sie hier in der Nacht 15./16. Juni im UK ganz ordentlich zu sehen waren: Die Zustände in der Mesosphären sabotieren schöne NLCs, und eine angebliche Besserung der Lage schlägt nicht durch. Impressionen der Nächte 19./20. Juni, 18./19. Juni (mehr und mehr), 16./17. Juni (mehr), 15./16. Juni (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 14./15. Juni (mehr) – und eine seltene Aufnahme eines Sprite vom Drachenfels … über der Schweiz. [3:05 MESZ] Heute früh auch in Deutschland und sogar Tschechien nette NLCs – und der Mond mit Venus sowieso. [5:10 MESZ] Letzterer Anblick hier und hier von anderswo – und mehr NLC-Bilder von heute früh hier, hier und hier. [15:15 MESZ] Ein weiterer Update zum Frye Fire: Den Teleskopen geht es weiter gut, zumal das Feuer dort lange ‚durch‘ ist. [21:55 MESZ] Animierte NLCs der letzten Nacht aus der Slowakei und Polen und Bilder aus Litauen und dem UK. Und der Mond und die Venus vor wenigen Stunden über (wahrscheinlich) Australien – in Europa wird morgen früh der Mond 4° unter der Sonne (statt 11° rechts von ihr heute) stehen, mit 13% (statt 22%) beleuchtet. [23:50 MESZ]

Heute vor 30 Jahren: die ersten Exoplaneten

18. Juni 2017

Na, feiert jemand? Heute jährt sich zum 30. Mal die Bekanntgabe der Entdeckung der ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems, die sich tatsächlich später als echt erwiesen haben. Nun weiß doch jeder, dass die ersten realen Exoplaneten 1992 bei einem Neutronenstern und dann 1995 beim normalen Stern 51 Pegasi präsentiert wurden – aber diese Version der Astronomiegeschichte ist falsch, umso erstaunlicher als die Ereignisse des 18. Juni 1987 seinerzeit für erhebliches Aufsehen gesorgt hatten. Und dann wurden sie kollektiv – von Öffentlichkeit, Journalisten und selbst den meisten Planetenforschern – wieder vergessen. Zu den seltenen Ausnahmen gehören die detaillierten 2008-er „Memoiren“ des leitenden Astronomen von damals, ein davon inspirierter großer kanadischer Zeitungsartikel ein Jahr später – oder auch ein Interview mit besagtem Astronomen in der aktuellen Ausgabe von Abenteuer Astronomie.

Der Schauplatz damals: Vancouver in Kanada. Hier hält die American Astronomical Society ihre Sommertagung ab, und traditionell präsentieren Astronomen der gastgebenden Stadt eine medienwirksame Entdeckung aus ihren Reihen auf einer Pressekonferenz. Die Wahl fällt – nachdem der erste Kandidat nicht mag – auf die Arbeitsgruppe von Gordon Walker, der die Ehre auch nur widerwillig annimmt: Das Abstract ihres regulären Konferenzbeitrages (Bild) ist schließlich aus gutem Grund betont vage gehalten. Wenn der Titel einer astronomischen Arbeit mit „A Search for …“ beginnt, ist eigentlich jedem klar, dass von einem eindeutigen Fund noch lange keine Rede sein kann. So auch hier: Von wenig signifikanten Hinweisen auf Sternbegleiter mit ein paar Jupitermassen ist da die Rede, die eine neue Messtechnik gefunden hat und die interessant sein könnten. Man hatte mit trickreichen – und gefährlichen – Apparaturen (Bilder unten, mit zwei der drei Astronomen) die Messung minimaler Schwankungen der Radialgeschwindigkeit wesentlich verbessern können.

Auf der großen Bühne aber, wo einen jungen Mitarbeiter die Begeisterung packt, wird de facto die erste Entdeckung von Planeten anderer Sterne daraus: Associated Press schreibt von „starker Evidenz“ für fremde Planeten und dass anderen Astronomen die „Daten vielversprechend erschienen“, und die Los Angeles Times feiert „einen gewaltigen Durchbruch bei der Suche nach Leben anderswo im Universum“ – weitere zeitgenössische Artikel sind auch hier, hier und hier erhalten. Schon damals werden aber auch abwartende Stimmen von Kollegen zitiert, und die Stimmung in der Fachwelt ist von Anfang an gegen die Kanadier, deren erste detaillierte Veröffentlichung ein Jahr später (Abstract unten, ganzes Paper dahinter) immerhin von „kleinen aber statistisch signifikanten Langzeittrends“ in den Daten spricht.

Eine allgemein ablehnende Haltung gegenüber angeblichen Exoplaneten (es hatte zu viele vermeintliche Entdeckungen gegeben, die sich als Messfehler entpuppten), die man sich heute kaum mehr vorstellen mag, das daraus folgende Desinteresse anderer Astronomen, die schwierigen Messungen zu wiederholen, und wachsende Krisen im Team (ein wesentlicher Mitarbeiter schied mangels Stelle aus und sabotierte vorher noch die gemeinsamen Arbeiten, sein Nachfolger war eher ein Planeten-Skeptiker) taten ein Übriges: Im Sommer 1995 widerriefen die Kanadier in einer großen Arbeit praktisch ihre Entdeckungen der 1980-er Jahre. Wenige Monate nur bevor ein Schweizer Team mit 51 Pegasi b dann einen „heißen Jupiter“ präsentierte, der die moderne Exoplanetologie begründete! Aber Jahre später dann das Erstaunliche: 2000, 2003 und 2006 bestätigte eine andere Exoplaneten-Gruppe um Artie Hatzes die Planeten von Epsilon Eridani, Gamma Cephei und Beta Geminorum, die bereits die Kanadier in ihren verrauschten Daten gesehen hatten (wobei der komplexe Fall Gamma Cephei schon immer Sorgen gemacht hatte)! Ein kurioses wenn auch allzu spätes Happy End einer tragischen Wissenschafts-Saga, die hier, hier, hier, hier und hier zumindest erwähnt wird.

Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 14. Juni 2017

10. Juni 2017

14. Juni

Omega-Nebel, Adler-Nebel und Sharpless 2-54 (von oben) auf einem – im Original – Gigapixel-Bild des ESO’s VLT Survey Telescope (VST). Auch der Tod des Designers der Keck-Teleskope Jerry Nelson, neu aufkeimende Hoffnung auf einen Beitritt Deutschlands zum Riesen-Radiointerferometer SKA und gestern der Planet Saturn und der Komet Johnson mit weiterhin zwei interessanten Schweifen. Und neue Berechnungen im CBET 4403 von gestern bestätigen die ältere Vermutung, dass es Meteore von Komet C/2015 D4 (Borisov) geben könnte, dessen einen Umlauf altem Staub die Erde sehr nahe kommen dürfte: am 29. Juli um 2:22 MESZ. Die nächsten Möglichkeiten wären erst wieder 2029 und 2042.

Immer noch keinerlei Ergebnisse der großen Kampagne zur Beobachtung einer Sternbedeckung durch 2014 MU69, das nächste New Horizons-Ziel, am 3. Juni enthält eine gestrige Mitteilung der NASA, und auch einer der Beobachter weiß angeblich von nichts über die laufende Analyse der Lichtkurven aus fernen Landen (das Video zeigt nächtliche Aktivitäten in Argentinien) – auch frühere Artikel in drei Sprachen hier, hier, hier, hier und hier. [18:05 MESZ – Ende]

Deutscher Radarsatellit TerraSAR-X seit 10 Jahren im Orbit

Seit dem Start am 15. Juni 2007 steht der Satellit „für herausragende Forschungs- und Entwicklungsleistungen und Satellitenbetrieb auf höchstem Niveau“, freut sich das DLR: „Bis heute setzt diese Satellitenmission Standards in Genauigkeit und Bildauflösung. Dank seiner weltweit einzigartigen Radartechnologie hat TerraSAR-X eine neue Ära in der Fernerkundung eröffnet und den Weg für die ebenso erfolgreiche Nachfolgemission TanDEM-X bereitet.“ TerraSAR-X und sein 2010 gestarteter Zwilling TanDEM-X fliegen seit 2010 im engen Formationsflug: Gemeinsam erstellen sie hochaufgelöste 3D-Bilder der Erdoberfläche („So sieht das Höhenmodell der Erde …“; hier Reykjavik von TerraSAR-X). Das spezielle Missionskonzept von TanDEM-X, mit der bistatischen Radarinterferometrie im Weltall, ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal – und TerraSAR-X war das erste Projekt, das als eine Public Private Partnership – kurz PPP – zwischen dem DLR und der Raumfahrtindustrie abgeschlossen wurde. Auch Bilder von Sentinel-2B via Laser, wie die Täler auf dem Mars entstanden, neue Daten-Software für Indiens ASTROSAT, der Satellit NuSTAR 5 Jahre im All und die Installation von NICER auf der ISS.

Der Start von Progress MS-06 zur ISS heute (ein Ausschnitt, Standbilder und Artikel hier und hier) – auch die Wiederaufnahme der Antares-Cygnus-Starts dieses Jahr, EVA-Training am JSC, ein ISS-Wurm mit zwei Köpfen, ein Service-Modul für die Orion für eine Flug ~2020, die Abwicklung der Asteroid Redirect Mission und das Krebs-Risiko für Mars-Flieger, das erhöht ist. [15:40 MESZ]


13. Juni

Die Lichtkurve der Supernova 2017eaw in der „Feuerwerks-Galaxie“ schaffte es nicht über 12.8 mag. hinaus, wie dieser Plot von der Uni Siena zeigt. Auch der Saturn vorgestern, der jetzt maximale Ringöffnung und Opposition hat, ein kurzfristig eingeplantes Hubble-Beobachtungsprogramm für Komet C/2017 K2 (PANSTARRS) (mehr), der schon in großem Sonnenabstand aktiv ist, ein Video und Standbilder weiterer toller Sprites, ein didaktischer Anbau der Stw. Recklinghausen, einige Erfahrungen mit dem „Twitter-Teleskop“ – und das ESO-E-ELT heißt jetzt nur noch ELT, u.a. da es auch wichtige außereuropäische Partner gibt. [3:55 MESZ]


12. Juni

Ballon-Panne: IR-Interferometer aus 41 km Höhe abgestürzt

Am Wochenende hat der erste testweise Ballonflug des Balloon Experimental Twin Telescope for Infrared Interferometer (BETTII, in diesem Paper im Detail beschrieben) ein katastrophales Ende genommen, als sich die Gondel mit dem 8-Meter-Interferometer – im Bild auf dem Startplatz in Texas – unplanmäßig vom Fallschirm löste und aus 41 km Höhe ungebremst zu Boden stürzte. Noch sind die Trümmer nicht geborgen, aber da wird wenig Brauchbares übrig geblieben sein … Weiterhin ist die Rakete, die leuchtende Wolken machen soll (mehr hier, hier und hier) abermals nicht weg gekommen, wegen Booten in der Verbotszone nach Problemen mit dem Wetter. [NACHTRAG: Der Start wurde wetterhalber auf frühestens die Nacht 16./17. Juni verschoben.] Ferner die weitere Asteroiden-Ausbeute von WISE, das glühende Ende des Cygnus (mehr und mehr) – und die ISS als Bäckerei … [15:15 MESZ]


11. Juni

Der Himmel über (und die Astronomie auf) La Palma: ein etwas wüst geschnittenes Zeitraffer-Video. Auf der Kanaren-Insel hat gerade der Cherenkov Telescope Array eine Baugenehmigung erhalten – im Gegensatz zu einer Sternwarte in Rheinhessen im Clinch mit … Winzern. Auch endlich ein Nachruf auf Mike A’Hearn, ein schöner Radar-Radiant der Taghimmel-Arietiden (Seite 9), 100’000 Beobachtungen einer Sternwarte von Asteroiden und Kometen, der Komet Johnson am 5. Juni, der Orbit des neuen PANSTARRS (früher und noch früher) – und eine angebliche Kometen-Erklärung des SETI-„Wow!“-Signals (ein früheres ‚Paper‘ dazu) ist mehr als dubios (auch hier und hier); auch ältere Artikel hier, hier und hier. [0:30 MESZ. NACHTRAG: viele offene Fragen an den Autor und endlich mal ein kritischer Artikel – in dem er gar keine gute Figur macht]


10. Juni

Die Entwicklung des Orion anhand von Gaia-Daten

kombiniert mit Tycho-Astrometrie seines Vorgängers Hipparcos 450’000 Jahre in die Zukunft gerechnet – auch ein Mars-Express-Bild mit einem Krater mit feuchtem Kontext, die Problematik der Planetary Protection beim Betreten des Mars, die Rümker-Vulkane als Ziel der Mond-Sample-Return-Mission Chang’e-5 Chinas (auch ein Video dazu und weitere Artikel hier und hier sowie die Planung für Chang’e-4 danach), wie Impakte die Mondoberfläche durchmischen und ein weiteres schön verarbeitetes Bild von der Juno-Mission am Jupiter.

Der erste Start einer Proton-Rakete seit einem Jahr ist gelungen und hat den schwersten Satelliten in den Orbit befördert: Videos hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch zwei weitere Galileo-Satelliten im System – und ein Flugzeug-Experiment zur Quanten-Kryptografie, das später auf einen Satelliten soll.

Der angekommene Dragon wird entladen, während der abgedockte Cygnus zahlreiche CubeSats ausgesetzt hat – auch CubeSats für den 1. SLS-Flug, die Bestellung eines weiteren Teils für die Rakete, mit der die NASA immer noch irgendwie wen zum Mars bugsieren will, vielleicht einige der neuesten Astronauten-Kandidaten, deren Destination nicht so klar ist (mehr und mehr). Auch China hat da große Pläne – und Russland Ärger mit dem neuen Weltraumbahnhof in Fernost. [2:55 MESZ]

Von den Pressekonferenzen der 230. AAS-Tagung

8. Juni 2017

Ein paar Erkenntnisse aus – und Visuals und natürlich Links zu – den fünf Pressekonferenzen während der 230. Tagung der American Astronomical Society in Austin, Texas, vom 5. bis 7. Juni (während die Tagung vom 4. bis 8. Juni ging); die kompletten Aufzeichnungen sind hier unter „AAS 230“ zu finden und hier die Viewgraphs hinter den Headlines sowie teilweise auch Press Releases:

• Chandra-Beobachtungen (blau; rot = optisch) des Systems R Aquarii, einem symbiotischen Stern aus einem Weißen Zwerg und einem Mira-Stern, über 17 Jahre verdeutlichen deren Interaktion der beiden zeigen Veränderungen des Jets – alle 20 bis 40 Jahre scheint eine neue Komponente dazu zu kommen, wohl immer dann, wenn die Interaktion stärker wird.

• Der prä-kataklysmische Stern mit der kürzesten Periode von 71 Minuten wurde in der Photometrie des Kepler-Satelliten während der K2-Mission gefunden – und das unabhängig auch von einer zweiten Gruppe: Der Begleiter des Weißen Zwergs ist vermutlich ein Brauner Zwerg, eine Rarität, den er aber im Laufe der weiteren Entwicklung verschlingen dürfte.

• Die erste Massenbestimmung eines Weißen Zwergs durch Lichtablenkung eines Hintergrundsterns an ihm ist mit Hubble gelungen: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers, die erst danach aufgetauchte Originalarbeit, aus der diese Astrometrie der Verschiebung des ferneren Sterns stammt, Press Releases hier, hier und hier, ein Video dazu und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

• Im Archiv des UV-Satelliten GALEX sind zahlreiche Flares auf M-Sternen gefunden worden, darunter zahlreiche sehr schwache – die aber für hypothetische Bewohner von Planeten dieser besonders häufigen Sternkategorie trotzdem ein Problem darstellen könnten. Und sie (noch) weniger „habitabel“ machen würden.

• Ein Exoplanet, der mit 4600 K heißer als die meisten Sterne ist, wurde vom KELT-Programm entdeckt: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers zu KELT-9b, dazu Press Releases hier, hier, hier, hier und hier und andere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

• Überraschende Unterschiede zwischen den Wolken der Exoplaneten WASP-67 und HAT-P-38 b haben sich bei spektralen Beobachtungen mit Hubbles WFC3 gezeigt: vielleicht ein Hinweis auf eine unterschiedliche Entstehung.

• Die Grenze zwischen Braunen Zwergen und Sternen liegt bei 70 Jupitermassen, haben zeitaufwändige Bestimmungen etlicher Braunzwerg-Massen durch Astrometrie von Doppelsystemen ergeben (mehr und mehr): In der Grafik sind die Massen gegen den Spektraltyp aufgetragen, nach rechts wird’s wärmer.

• Ein „Tritt bei der Geburt“ könnte nötig sein, um die nicht parallelen Achsen der beiden Schwarzen Löcher hinter GW151226 zu erklären, für die es bei dem Gravitationswellen-Ereignis eine Signatur gegeben zu haben scheint – ein so großer Effekt durch eine Supernova ist allerdings schwer zu erklären.

• Möglicherweise verstecken viele Galaxien zentrale Schwarze Löcher in rotierenden Ringen aus Gas und Staub, die so undurchsichtig sind, dass sie die restliche Galaxie gut abschirmen: „obscured AGN“ wie hier NGC7582, wo das MUSE-Instrument am VLT (in grünen) einen starken Wind aus dem Zentrum nachweisen konnte.

• Der Wind aus Schwarzen Löchern aller Größenskalen – jedes akkretierende Schwarze Loch hat offenbar einen ähnlich gearteten Plasma-Ausfluss – scheint eine universale magnetische Struktur zu haben, den Felder in der Scheibe hervorrufen, die ihn antreiben: v.a. Beobachtungen an GRO J1655-40 stützen dieses Bild.

• Das Projekt GOALS hat rund 200 infrarot-helle Galaxien ‚in der Nähe‘ – LIRGs und ULIRGs – katalogisiert, die überwiegend das Ergebnis von Galaxienverschmelzungen sind: Von allen gibt es gut aufgelöste Bilder des Satelliten Herschel.

• Ausnahmslos alle solchen IR-Monster im fernen Kosmos sind durch Gravitationslinsen noch heller gemacht, hat eine noch laufende Hubble-Durchmusterung ergeben: eine ausführliche Darstellung dieses Bloggers und Press Releases hier und hier.

• Eine unerwartete heiße Region im Galaxienhaufen Abell 115 könnte durch turbulente Effekte der Verschmelzung von Sub-Clustern erklärt werden, zu der komplexe Temperatur-Muster wie Bögen und Ringe passen; eine Schockstruktur liegt jedenfalls nicht vor.

• Die immer wieder auftauchende Hypothese, dass ‚lokale‘ Messungen der Hubble-Konstanten zu groß ausfallen, weil wir uns in einer Void befinden, wurde auch hier vertreten, da das die ‚Spannung‘ zu H0 < 70 aus den Planck-Daten mildern würde: auch Artikel hier, hier und hier.

Ansonsten wurde noch Werbung für das Visualisierungs-Tool Blender gemacht – und zu den Pressekonferenzen und anderen Tagungsereignissen gibt es Artikel zum 5. Juni hier, hier und hier, zum 6. Juni hier, hier und hier und zum 7. Juni hier und hier. NACHTRAG: und hier und zum 8. Juni hier und hier.

Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 6. Juni 2017

2. Juni 2017

6. Juni

Ein besonders schönes neues Cassini-Bild der Saturnringe vom 4. Juni, von Kevin Gill von seinen kleinen Artefakten bereinigt: weitere aktuelle Bilder hier, hier und hier und eine verrückte Animation. Plus eine weitere Fan-Bearbeitung eines Juno-Bildes vom Jupiter, Sorgen der Planetary Society um das Mars-Programm der NASA, was Chinas Mond-Lander treibt, warum es WFIRST nicht gut geht, wieder ein Feuer-Experiment im Cygnus nach dem Ablegen, ein Miniaturized Particle Telescope für Strahlenmessungen in der Raumfahrt – und endgültig Dienstschluss für George Diller, den langjährigen Startkommentator des KSC. [23:55 MESZ – Ende]

Jupitermonde Nr. 68 und 69 vom Erdboden aus entdeckt

Die beiden neuen Jupitermonde S/2016 J1 und S/2017 J1 wurden beide schon letztes Jahr erstmals aufgenommen erst jetzt bestätigt bzw. entdeckt: Die neuen Jupitermonde haben beide 24. Größe. Auch die Kometen PANSTARRS am 5. und Johnson am 1. Mai, der neue Komet ATLAS, eine Meteoriten-Taufe in Arizona, Papers über die geringe Zahl großer Sonnenflares im 24. Zyklus, die Organized Autotelescopes for Serendipitous Event Survey (OASES), das Subaru Strategic Program, ein Tool zum Interferometrie-Lernen und wie man aktuelle Astro-Forschung in den Unterricht bringen kann, ein tolles Foto von Sprites (mehr, mehr und mehr), der 1. Data Release vomn SkyMapper mit über 300 Mio. Quellen, ein Datenzentrum für Astro-Big Data, wie es sich auf SOFIA als Besucher fliegt, ein kurioses SETI-Entschlüsselungs-Experiment, wie Zooniverse den Geist beruhigen kann – und der umstrittene deutsche Astronom Theodor Schmidt-Kaler ist mit knapp 87 gestorben. [23:50 MESZ]


5. Juni

Indiens GSLV Mark III vor dem ersten Start in den Orbit

Die neue starke Rakete der ISRO (ganz unten) soll nach einem Suborbital-Flug vor 2 1/2 Jahren heute um 13:58 MESZ zu ihrer ersten Orbital-Mission mit einem Satelliten an Bord aufbrechen: die Details des Vehikels und Vorberichte z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und hier gibt’s eine Live-Übertragung, während gegen 16:00 MESZ bereits der Einfang des Dragon ansteht. [12:55 MESZ] Ein alternativer Webcast – der Startschlüssel ist gedreht worden. [13:50 MESZ] Die Rakete ist gut weggekommen! [14:00 MESZ] Die – 2014 nicht getestete – kryogene Oberstufe arbeitet: Die „performance is absolutely normal“, heißt es gerade im Webcast. [14:10] Die Stufe hat fertig – und der Satellit ist ausgesetzt! Und schon beginnen die Festreden. [14:15 MESZ] Ein Videoclip vom Start und Indiens Raketen im Vergleich. [14:25 MESZ] Ein Bild vom Start aus der Ferne – und die Berichterstattung zum Dragon-Fang beginnt. [14:30 MESZ]

Da ist er ja schon (während in Indien immer noch die traditionellen endlosen Festreden laufen): live von der ISS – das NASA-Logo stammt natürlich vom NASA-Fernsehen und ist nicht auf die Solarzellen gemalt … [14:35 MESZ] Die Szene in Bewegung – und in Indien sind die Festreden nach fast 1/2 Stunde gerade zuende gegangen. [14:45 MESZ]

Der Dragon (dessen chinesische Fracht weiter Aufsehen erregt) gerade vor einer interessanten Wüstenlandschaft – Abstand etwa 150 Meter. [14:50 MESZ] Nur noch 30 Meter: Der Dragon hat’s eilig. Jetzt wird’s erstmal dunkel, und der Dragon muss zunächst bei 30 m warten. [15:05 MESZ] Der Dragon kommt näher, aber viel sieht man nicht im Erdschatten. [15:25 MESZ]

Gleich kann zugegriffen werden, sobald das Licht gut ist – und die Sonne geht gerade auf. [15:40 MESZ] Der Dragon in der richtigen Position für den Einfang, etwas vor der Zeit. [15:45 MESZ] Und der Einfang ist um 15:52 MESZ gelungen! [15:55 MESZ]

Die ersten Nahaufnahmen vom GSLV-Start – das Licht war schwierig – sind da! Auch weitere Artikel hier, hier, hier und hier – und eine NASA-Notiz zum Einfang des Gebraucht-Drachens. [16:25 MESZ] Der jetzt angeflanscht wird. [18:10 MESZ] Artikel dazu hier, hier, hier und hier sowie noch einer zur Stufen-Landung und vom GSLV-Start Videos hier und hier, Bilder hier und hier und Artikel hier, hier, hier und hier. [22:25 MESZ. NACHTRÄGE: ein Amateur-Video des Starts, das gut das Staging zeigt, ein ISRO Press Release und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – plus Fotos des Dragon frei und nach dem Einfang und ein ein weiterer Artikel zu Chinas Nutzlast]


4. Juni

Erster Gebraucht-Dragon im Orbit / Unterstufe heil zurück

Im zweiten Anlauf ist mit dem ersten Wiederflug einer gebrauchten Dragon-Kapsel – Vorschauen hier, hier, hier, hier und hier – vor einer knappen Stunde alles wie am Schnürchen gelaufen, in zwei Webcasts parallel zu verfolgen, wobei der von SpaceX zumindest auf YouTube 26 Sekunden schneller als der der NASA war: Videoclips von Start, Staging, Landung, Deployment und Array Deployment und weitere Screenshots von Start, Staging, Landung (auch hier und hier mit Extras), Deployment (mehr), Array Deploy und diverser Szenen. Auch NASA-Fotos, erste Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und als Krönung Amateur-Aufnahmen des Dragon samt drei anderer Teile über Europa hier und hier, was auch im Fernglas cool aussah. [0:00 MESZ] Ein Video der besagten vier Teile am britischen Himmel, kuriose Röntgen-Navigations- und Kommunikations-Experimente, die mit NICER geplant sind, und noch ein langer Artikel zum Start. [0:30 MESZ] Cooles Bild der Stufe auf dem Rückweg zum Cape und ein Foto und ein sehr kurzes Video der Rückkehr von ferne. [1:05 MESZ] Ein weiteres Video des Quartetts inklusive Düsengebrauch des Dragon! Auch weitere Fotos vom Cape hier und hier, diverse Webcast-Aufzeichnungen und Artikel hier, hier und hier. [2:40 MESZ]

Und während der Dragon bereits im Anflug ist, hat der Cygnus die ISS verlassen, um noch ein weiteres Saffire-Experiment durchzuführen, bevor er verglüht: ein langes und ein kurzes Video und viele Screenshots sowie Artikel hier, hier und hier. Auch weitere Fotos vom Dragon-Quartett am Himmel hier (Erläuterungen) und hier, Zeitlupen-Videos einer Düsenzündung hier und hier und eine visuelle Zufallsbeobachtung, eine Animation von Startfotos und weitere Fotos von Start und Landung und ein Ultrakurzfilm von derselben mit Knalleffekt plus weitere Artikel hier, hier, hier und hier. Außerdem eine Nachbetrachtung zum Satelliten-Besuch bei der ISS (der der geheimnisvolle Spion letztlich bis auf 4.4 km nahekam) – und die Wallops-Rakete flog wieder nicht und muss nun mindestens eine Woche warten. [18:55 MESZ] Gerade flogen zwei Objekte hinter der ISS am Himmel über Europa: vermutlich der Dragon und der freie Cygnus. [23:55 MESZ. NACHTRAG: reichlich Drama darum, eine Korrektur und Bilder davon. NACHTRAG 2: exzellente Tele-Aufnahmen von Start & Landung der Falcon – und der Abstand Satellit/ISS war vielleicht doch größer, eher 17 km. NACHTRAG 3: Nein, es waren wirklich rund 5 km Minimalabstand – auch ein stabilisierter Videoclip der Dragon-Ausgasung, ein Foto des Quartetts und ein Bericht über die ISS und ihre Begleiter am Himmel am nächsten Abend. NACHTRAG 4: noch mehr Bilder von Start & Landung]


3. Juni

22 dicke Dobsons & mehr helfen der Sonde New Horizons

Heute gilt es: Das kleine Kuiper-Gürtel-Objekt 2014 MU69, an dem am 1. Januar 2019 die ehemalige Pluto-Sonde New Horizons vorbei schießen wird, bedeckt einen schwachen Stern, was sowohl die Vermessung des Körpers als auch die Suche nach Begleitern aller Art erlaubt – wichtige Informationen zur Vorbereitung des ersten Sondenbesuchs eines typischen Kuiper-Objekts (denn Pluto als eins der größten ist das sicher nicht). Vorab zur Verfügung gestellte Astrometrie des Gaia-Satelliten hat geholfen, den Track des Schatten über der Erde besser zu verorten, aber die Unsicherheit bleibt groß, und 2014 MU69 ist klein: Deswegen sind – wie hier schon kurz erwähnt – gut 50 Beobachter mit mobilen Teleskopen, insbesondere 22 16-Zoll-Dobsons aber noch ein paar Teleskopen mehr, sowohl nach Argentinien (oben & Mitte) wie nach Südafrika (unten) geschickt worden, die sich senkrecht zum Streifen aufstellen werden: Wenigstens ein paar sollten eine Bedeckung des Sterns sehen (wofür es am 10. und 17. Juli noch zwei weitere Chancen gibt). Besonders ausführlich berichtet einer der südafrikanischen Beobachter, der gegenüber diesem Block auch die Nachführtechnik erläutert hat. Das Projekt hat auch in zwei Videos hier und hier berichtet, die auch dem alten Press Release hinzugefügt wurden.

Ferner weitere Curiosity-Erkenntnisse zu langen Warmphasen auf dem Ur-Mars (Artikel hier, hier und hier), ein vielleicht heute früh stattfindender Start einer Suborbitalrakete auf Wallops zur Freisetzung leuchtender Wolken, die Ablieferung des Co-Satelliten des 2. LightSails, dass immer noch auf einen Start vor Jahresende hofft, die Entwicklung einer „event-based camera“ für Satelliten-Beobachtung, „inspired by biological visual systems“, Fortschritte bei der Raumschrott-Entfernungs-Mission der ESA – und eine clevere Spekulation, was der Spionage-Satellit vor haben könnte, der heute sehr nahe an der ISS vorbei (Updates ganz unten) fliegen wird. [0:05 MESZ] Es gibt Meldungen z.B. hier, hier, hier und hier, dass während der Sternbedeckung durch 2014 MU69 letzte Nacht Daten gewonnen werden konnten – aber keine Aussagen, ob jemand den Stern auch verschwinden sah. Und der Raketenstart auf Wallops ist erneut um einen Tag verschoben worden: Das Wetter hätte jetzt gepasst, aber es waren mehrere (!) Boote in der Verbotszone … [12:10 MESZ] Die Bedeckungs-Beobachtungen waren erfolgreich in Südamerika wie Südafrika, aber es wird wohl lange dauern, bis man was erfährt. Derweil müsste vor ein paar Stunden die größte Annäherung des Satelliten an die ISS stattgefunden haben (Update 5 ganz unten): detaillierte Argumente für Plan vs. Zufall hier und hier. [19:55 MESZ]


2. Juni

Ariane 5 (79. Erfolg in Folge) startete 10 Tonnen Satelliten

Es war war ein neuer Rekord: Zwei Telekommunikations-Satelliten mit zusammen 9969 kg Masse (und 10.9 Tonnen inklusive zusätzlicher Hardware) hat letzte Nacht die 93. Ariane 5 bei ihrem 79. Starterfolg in Folge auf ihre Orbits gebracht, ViaSat-2 mit 6418 kg und Eutelsat-172B: das Launch Kit, eine DLR-Vorschau, das Video vom Start bei schlechtem Wetter (oben ein Screenshot) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Zuvor hatte eine H IIA einen japanischen Navigationssatelliten gestartet: ein Video und weitere Artikel hier, hier und hier – während China mehrere Starts diesen Monat plant. Wegen eines nahen Blitzeinschlags nicht weggekommen ist die Falcon 9 mit dem gebrauchten Dragon zur ISS: weitere Artikel hier und hier und frühere hier, hier, hier, hier und speziell zur ISS-Astro-Nutzlast NICER hier. Auch eine Verschiebung des ISS-Nauka-Moduls auf 2018, die Rückkehr zweier ISS-Bewohner (darunter des Franzosen) in den nächsten Stunden, ein Live-Interview mit Cristoforetti – und ein Projekt zur Archäologie der ISS … [12:35 MESZ]

Die Soyuz mit den Passagieren Minuten vor dem Abdocken. [12:45 MESZ] Und sie ist weg – damit hat um 12:47 MESZ die Expedition 51 geendet und Nr. 52 begonnen. [12:50 MESZ] Ein längerer Videoclip der Abreise, der Blick zurück und ein Artikel. [12:55 MESZ] Nach dem problemlosen Deorbit-Burn geht es jetzt abwärts. [15:35 MESZ] Und da hängt sie am Schirm! [16:00 MESZ] Und gelandet, was im EAC gebührend gefeiert wurde. Die Kapsel liegt auf der Seite, und der Crew geht’s gut. [16:15 MESZ] Die Landung im Video. [16:25 MESZ] Videoprobleme in Kasachstan – aber beide sind schon extrahiert: ungewöhnlich schnell, wohl weil’s nur 2 sind. [16:30 MESZ] Ein schemenhaftes Bild von Pesquet am Boden – und ein Artikel. [16:35 MESZ] Und ab ins Zelt (und dann ab nach Köln).. [16:45 MESZ] Im Replay die Landung aus einem Helikopter – ziemlich nahe an einer kleinen Wasserfläche übrigens. [16:50 MESZ] Ein ESA Release zur Landung. [16:55 MESZ] Fake News! Roskosmos hat in diesem Tweet zur Landung ein bekanntes altes Foto mit irreführender BU benutzt, auf das wiederum die NASA prompt reingefallen ist … [17:35 MESZ. NACHTRAG: … und dann irgendwann das Bild im Artikel mal eben ohne Entschuldigung austauschte – und den Tweet und das Facebook-Posting mit dem falschen einfach löschte. Sehr souverän …]

Aber jetzt: tolle Roskosmos-Fotos von der heutigen Landung (wobei im mittleren Bild im Vollformat auch die oben erwähnte Wasserfläche zu sehen ist. [17:50 MESZ] Von der ESA gibt’s auch ein paar Fotos. [18:15 MESZ]

Weitere schöne ESA-Aufnahmen der Landung aus dem Hubschrauber sind nun übertragen worden und im o.g. Album – und die mehrfach angesprochene Wasserfläche, die die Soyuz knapp verfehlte, ist nun bestens im Bild. [18:35 MESZ] Diese Bilder anders arrangiert und Artikel hier, hier und hier. [22:40 MESZ. NACHTRÄGE: Pesquets Ankunft am EAC in Köln und ein Mikro-Interview noch in der Nacht]

Planeten im Planetarium – zum Greifen nahe

1. Juni 2017

Die Nummer drei ist ausgeschlüpft: Heute feierte im Planetarium Münster die dritte Gemeinschafts-Großproduktion deutschsprachiger Planetarien nach „Ferne Welten – fremdes Leben?“ 2012 und „Zeitreise – vom Urknall zum Menschen“ 2014 Premiere. An „Planeten – Expedition ins Sonnensystem“ waren nun schon 19 Planetarien beteiligt: alle finanziell, mehrere bei der inhaltlichen Konzeption (deren Federführung erneut in Münster lag) und zwei an der visuellen Umsetzung, an der auch zwei Firmen sowie das Adler-Planetarium in Chicago Anteil hatten.

Und das ist das Konzept, wie es Regisseur Björn Voss vor der Uraufführung auf den Punkt brachte: Ausgewählte Aspekte des Sonnensystems sollten auf der Basis der neuesten Raumsonden-Erkenntnisse so realistisch wie möglich dargestellt werden. Mit (anonymen und nur in Apollo-Satzfetzen kommunizierenden) Astronauten vor Ort, die vor allem als Größenskala dienen, aber auch zuweilen für ein bisschen Action sorgen, um den Zuschauer in die Szenen zu ziehen. Mit futuristischen Raumschiffen und Vehikeln sind sie unterwegs, die in Münster mit GCI wie für einen Kinofilm entwickelt wurden.

Vor allem aber steckt eine ungeheure Menge an wissenschaftlichen Daten (insbesondere digitalen Geländemodellen), Informationen und weitergehenden Überlegungen in der Show, die in Münster ab dem 6. Juni und in den anderen 19 Institutionen (in Berlin sind gleich beide Großplanetarien dabei) bald darauf anlaufen wird – der Off-Kommentar spricht nur einen Bruchteil davon an. So gibt es zum Beispiel, wenn die ‚Expedition‘ durch die Jupiteratmosphäre schwebt, ein scheinbar kurioses Halo-Phänomen um die Sonne zu sehen – das aber akribisch für diese spezielle Atmosphärenchemie berechnet worden war. Ein wiederkehrendes und ausgesprochen gelungenes Element ist der virtuelle ‚Sturz‘ auf eine neue Welt hinab, bis unsere Astronauten bei der Forschungsarbeit klar erkennbar werden.

Nicht alle besuchten Objekte des Sonnensystems (auf Inspektionen von Merkur und Venus aus der Nähe wurde verzichtet, und so mancher interessante Planetenmond fiel der Schere zum Opfer – es gibt einfach zu viele) erweisen sich als gleich dramatisch. Den Erdmond wie den Mars aus der Nähe „kennt“ man einfach irgendwie schon, ersteren, weil wirklich mal jemand da war, letzteren aus zahlreichen Animationen und etlichen aufwändigen Kinofilmen. Aber so wie ein Churyumov-Gerasimenko nachempfundener Komet angesteuert wird, werden die „Planeten“ zu einem visuellen Hochgenuss: Die 3D-Grafik von Northdocks und elegante Illumination lassen den bizarr geformten Kleinkörper regelrecht lebendig werden. Was bald auch buchstäblich der Fall ist, wenn der Kometenkern auseinander bricht (und sich der Zuschauer fragt, was wohl aus dem Astronauten wurde, der dabei fort geschleudert wird).

Eine andere besonders mitreißende Szene ist – von FrogFish – der Sturz in einen der „Tigerstreifen“ des Saturnmonds Enceladus hinein und geradewegs in den Ozean unter seiner Eiskruste, gemäß dem Postberg’schen Szenario („Die überzeugendsten Indizien für flüssiges Wasser im Inneren von Enceladus“), auf dessen Boden hydrothermale Quellen warten. Und eine weitere Augenweide: der Pluto aus der Nähe (vom Planetarium Bochum; den wissenschaftlichen Berater für diese Szenen hatte übrigens dieser Blogger vermittelt). Und erst die Saturnringe, in deren recht ungewohnt scheinende Modellierung die Erkenntnisse aus gleich mehreren Cassini-Papers gesteckt wurden … kurzum: Greifbarer – und auch unterhaltsamer – als in „Planeten – Expedition ins Sonnensystem“ wird man die Erkenntnisse der aktuellen Planetenforschung schwerlich serviert bekommen. Und den gesamten Halbraum über dem Betrachter füllend. NACHTRÄGE: nach der Premiere in Bochum eine PM und Artikel hier und hier.

Allgemeines Live-Blog ab vom 27. – 31. Mai 2017

27. Mai 2017

31. Mai

Ein Aurora-Zeitraffer vor ein paar Nächten aus Kanada, auch hier beschrieben, und gleich noch einer – auch eine überraschend Wiederkehr dieser NLC dieses Bloggers von 2014 auf einer Webseite des BR und sogar als Bild des entsprechenden Tweets, die (übrigens besonders große) Mondsichel vom 27. Mai hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, aktuelle Sonne im Kalzium-Licht und die Supernovae in NGC 6946 animiert. [23:55 MESZ – Ende]

Die ISS in sehr hoher Auflösung in den letzten Wochen vor Sonne, Mond und leerem Raum aufgenommen von Thierry Legault. Auch der Komet Johnson während der Querung der Bahnebene am 30. Mai, 29. Mai (mehr und mehr), 28. Mai (mehr, mehr und mehr), 27. Mai (mehr) und 26. Mai (mehr und mehr) – und der neue Komet C/2017 K2 (PANSTARRS), der z.Z. nur 20. Größe hat aber auf seiner Ellipsenbahn erst 2023 ins Perihel mit ~1.7 au kommt: Wer weiß, was das wird … [22:45 MESZ]

Man fasst es nicht: Ein allerletztes Bild von Rosettas Kamera OSIRIS vor dem Aufschlag auf dem Kometenkern am 30.9.2016 konnte aus dem dann abgerissenen Datenstrom rekonstruiert werden, aus 20 m Höhe, mit genau 1 Meter Kantenlänge und 2 mm pro Pixel! Hier ist es, etwas schräg aus diesem neuen ESA-Video über Rosettas wissenschaftliches Vermächtnis extrahiert – anderswo scheint es noch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt zu haben. Das bisher gezeigte „letzte“ Bild war demnach aus 25 m Höhe, hatte 1.2 m Kantenlänge und 3 mm/Pixel. [22:15 MESZ. NACHTRAG: andere Versionen des Bildes]

„Parker Solar Probe“: Sonde heißt nach lebendem Forscher

Das gab es noch nie: Die NASA hat die Solar Probe Plus – Start im Sommer 2018, dann sieben extrem nahe Vorbeiflüge an der Sonne – nach dem knapp 90-jährigen Pionier der Sonnenforschung Eugene Newman Parker getauft; Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (früher). Auch ein kurioses Paper über vier neue mögliche aktive Asteroiden, von denen einer das Hayabusa-2-Ziel Ryugu ist, weitere Hinweise auf Eis auf dem Mond in LRO-Daten, wie die ESA Chang’e-5 helfen will beim chinesischen Lunar Sample Return und das 100. Galaxy-Zoo-Projekt in 10 Jahren dieser Citizen Science, bei dem es um Galaxienjagd in HST-Daten geht. Und das Röntgenteleskop NICER für die ISS (ein Soundbite dazu), das mit dem nächsten Dragon übernächste Nacht starten soll und zu dessen Nutzlast z.B. auch ein Studentensatellit aus Singapur gehört – und der zu den nur sehr wenigen wiederverwendeten Vehikeln der Raumfahrtgeschichte gehört. [21:05 MESZ]

Wie es den Riesenteleskopen GMT, TMT und E-ELT z.Z. geht

Der Status der Riesen für die Astronomie im Sichtbaren wird auf Seite 30 dieser kanadischen Studie schonungslos aufgelistet: Das 24.5-Meter-Giant Magellan Telescope auf Las Campanas in Chile „does not have their funding in place and they are actively seeking new partners and philanthropists to enable construction“, weshalb ein First Light 2023 arg optimistisch sei, und beim Thirty Meter Telescope wird es wohl erst 2026 bis 2030 so weit sein, wobei die Entscheidung Mauna Kea vs. La Palma erst 2018 fallen soll und viele mit der zweiten Option unglücklich wären. Das 39.3 m große European Extremely Large Telescope schließlich optimistisch „envisions a 2024 first light for Phase 1, which is missing 20% of the mirror segments, largely negating the aperture advantage to TMT. There is no funding plan in place for Phase 2, though the recent announcement that Australia is entering into a strategic partnership with ESO may change that in the near future.“ Die ESO hat jedenfalls gestern den E-ELT-Hauptspiegel in Auftrag gegeben, bei Schott für die Rohlinge der Segmente und Safran Reosc für die Politur: genau wie einst beim VLT. Auch mit welcher Technik demnächst Exoplaneten charakterisiert werden sollen, ein offensichtlicher Erfolg beim Event Horizon Telescope, wo überall Fringes zu sehen sind (außer mit der Antarktis natürlich, die Daten frieren noch), ein Shaw Prize 2017 für den Astronomen Simon White – und ein Paper über die Messung der Himmelsqualität mit Kameras für effiziente Lichtverschmutzungs-Forschung. [1:45 MESZ]


30. Mai

Neuer geheimer US-Satellit weiter im Anflug auf … die ISS

Das gab es wohl noch nie: Da startet das National Reconnaissance Office der USA einen Satelliten, ohne dessen Zweck oder Orbit mitzuteilen (normal), Amateurastronomen finden den Satelliten trotzdem nach einer Weile am Himmel und bestimmen seine Bahn (inzwischen auch normal) – und dabei stellt sich heraus, dass der geheimnisvolle Satellit in ein paar Tagen extrem dicht an der Internationalen Raumstation vorbei fliegen wird (Animation), sofern er nicht doch noch seine Bahn ändert. Das wäre am 3. Juni, mit 20 km Minimalabstand. Und am 4. soll – wenn der Start am 1. Juni gelingt (beim Static Fire vorher hat seine Falcon 9 schon mal einen Waldbrand ausgelöst) – zum ersten Mal ein wiederverwendeter Dragon-Transporter die ISS erreichen, mit dem NRO-Satelliten immer noch in der Nähe: Das heizt Spekulationen über seinen Auftrag an, vielleicht soll er das Manöver von außen beobachten. Eine Soyuz ist dann gerade weg. [NACHTRAG: Nach einem aktualisierten Orbit sollte der Satellit bis auf 18 km an die ISS heran kommen.] Derweil sind einige wenige neue Details über den Erstflug der Electron-Rakete in Neuseeland bekannt geworden, aber immer noch nicht, warum es die 2. Stufe nicht in den Orbit schaffte.

Zwei neue Cassini-Bilder der Saturnringe aus der Zeit um das jüngste Durchstoßen der Ebene am 28. Mai, als Cassini dem Innenrand am nächsten kam, und eins vom Januar mit Effekten des Mondes Daphne auf den Innenrand der Keeler-Lücke. Auch ein Referat zum Missionsende, neue Überlegungen zu einem Kippen der Achse von Enceladus [NACHTRAG: mehr], ein von einem Fan stark verarbeitetes Jupiter-Bild aus JunoCam-Daten, mit 11’777 x 11’777 Pixeln Auflösung und eine Animation des letzten Perijoviums aus 31 Bildern, der Status von Dawn bei Ceres mit nur noch einem Drallrad aktiv – und ein Paper über diagenetic silica enrichment and late-stage groundwater activity in Gale crater auf dem Mars aufgrund von Curiositys ChemCam-Messungen, das in diesem Video und hier und hier zusammen gefasst wird.

Das James Webb Space Telescope am Johnson Space Center, wo es weitere Tests über sich ergehen lassen muss – und wieder gibt es Webcams, die zuschauen, wie es in der riesigen Testkammer „A“ verschwindet (aus der es keine Bilder geben wird) und wieder auftaucht. Plus neue Entwicklungen für besser UV-reflektierende Spiegel für künftige Weltraumteleskope. [23:45 MESZ. NACHTRÄGE: wie das JWST gereist ist – und nun sitzt es vor der Tür der riesigen Kammer, die eine lange Geschichte hat]


29. Mai

„Horizons“: A. Gersts 2. Mission weist über die ISS hinaus

Bereits das Video-Intro zu Beginn des Medienevents gerade am EAC in Köln war ‚anders‘: Zwischen Clips aus der ISS eingestreut simulierte Blicke aus der Nähe des Mondes. Und auch die Festreden anlässlich der Enthüllung von Name und Logo der 2. Mission von Alexander Gerst zur ISS auf der gut besuchten Veranstaltung deuteten immer wieder über den Low Earth Orbit hinaus, was mit „Horizons“ – nach dem erdbezogenen „Blue Dot“ der ersten – ausgedrückt werden soll. Mond, Mars, immer höher hinaus: „Was gestern Science Fiction war, könnte schon bald Wirklichkeit werden“, heißt es auch kühn im Missions-Trailer – angelehnt natürlich an den Vorspann einer gewissen TV-Serie, in der schon mal ein Deutscher Commander im Weltraum war. Auch Videoclips der Enthüllung (zusammen mit dem Designer des Logos) aus anderen Perspektiven hier und hier – und der detaillierte Bericht eines Piloten, der den Wiedereintritt einer chinesischen Rakete beobachten und fotografieren konnte. [11:05 MESZ] Aufzeichnung eines Live-Chats mit Gerst und zur Zeitkapsel, die mitfliegen soll, noch ein Gerst-Chat – und ein Kurz-Interview mit den Designern des Logos … das an den Pariser Nahverkehr erinnert. [11:45 MESZ] Und auch an das Ende von „2001“ … noch ein paar ESA-Fotos vom Event und Artikel hier, hier und hier. [12:50 MESZ] Eine PM des DLR mit Details der Horizons-Experimente und die ESA-PM auf Deutsch. [17:25 MESZ] Eine detaillierte Analyse der Reentry-Beobachtung, eine Message eines ESA-PR-Mannes zum „Horizons“-Outreach – und das aufgeblasene ISS-Modul funktioniert immer noch. Dessen Investor gerade mal wieder seinem UFO-Wahn freien Lauf gelassen hat, ab 6:45 … [21:55 MESZ.NACHTRAG: noch ein Gerst-Artikel]


27. Mai

Als ein Meteoroid den Lunar Reconnaissance Orbiter traf …

… geriet 2014 seine Kamera LROC mächtig ins Schwingen, und da sie zeilenweise den Mond abtastet, wurden die Oszillationen in einem Bild verewigt. Ihre Frequenz lag im Bereich von Schall: Was liegt da näher, als das Signal hörbar zu machen. Auch eine Diskussion über Cassini, wie sich Saturns Hexagon verändert hat, erdgebundene Beobachtungen des zweiten New-Horizons-Ziels (mit Dobson-Teleskopen!), wenn 2014 MU69 drei Sterne bedeckt [NACHTRAG: mehr und mehr dazu], und mal wieder eine SoFi nur für das SDO beim letzten Neumond. Plus der erste Data Release der CYGNSS-Satelliten, der neueste Schwung CubeSats von der ISS und Artikel hier und hier zum kanadischen Ex-Alta 1, Probleme mit der Genehmigung für den RemoveDebris-Satelliten, wie die NOAA im Budget Request weggekommen ist – und was Amateurbeobachter über den neuesten Geheimsatelliten der NRO schon alles herausgefunden haben. [16:25 MESZ]

Eine neue dramatische Animation über das E-ELT anläßlich der Grundsteinlegung für das größte optische Teleskop gestern in Chile: besagter Grundstein selbst, der in Wirklichkeit eine Zeitkapsel ist, ein Vorab-Artikel und ein Erklärvideo. Auch das australische Radioteleskop ASKAP als erfolgreicher FRB-Jäger (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), der Tod des SKA Board Chairs G. Bignami, ein Datenzentrum für FAST – und ein Paper zum Status des Cherenkov Telescope Array.

Die extrem junge Mondsichel gestern Abend vom Berg Jebel Hafeet in den VAE an der Grenze zum Oman im Zusammenhang mit dem Ramadan von energischen Astronomen des Crescent Observing Projects aufgenommen, denen auch die direkte teleskopische Beobachtung gelang. Zuvor hatten sie am Tage die Sichel bereits klar nachgewiesen – was wiederum noch früher in Indonesien bereits an zwei Standorten gelungen war. Auch die ESA auf der Spur von Impakt-Blitzen auf dem Mond und die Kometen Johnson am 24. Mai (mehr) und 23. Mai und 41P am 23. Mai.

Ein Zeitraffer leuchtender Nachtwolken über Dänemark letzte Nacht, womit die Saison in Europa begonnen hat – auch eine Auswertung der Saison 2016, die Beobachtung zweier Sternbedeckungen durch den Mond in Italien am Morgen und Abend desselben 16. Mai, umfangreiche Berichte über den Zustand des Jupiter, eine große Protuberanz am 25. Mai und 24. Mai (mehr und mehr), die Supernova 2017eaw in NGC 6946 am 25. Mai, eine SN-Entdeckung von Citizen Scientists – und die Geschichte von SETI@Home. [1:55 MESZ] Die untergehende Mondsichel heute Abend (!) in Neuseeland hier, hier und hier und gestern Abend in Brasilien eingefangen – und noch ein italienischer Press Release und ein später Artikel zum E-ELT-Event. [11:45 MESZ] Eine beachtliche Fleckengruppe heute nahe dem Rand der Sonne. [15:45 MESZ. NACHTRÄGE: Die Kometen Johnson heute und PANSTARRS vorgestern – und gestern Abend hat sich wieder ein Impakt auf dem Jupiter ereignet, zu dessen Bestätigung dieser Blogger beigetragen hat]

Der Helligkeitseinbruch von Boyajians Stern ist Geschichte

Das zeigt die Amateur-Photometrie von Bruce Gary (V gegen Nummer des Mai-Tages), nach der die Helligkeit von KIC 8462852 nun wieder haargenau auf dem alten praktisch horizontalen Trend liegt, was LCGOT bestätigt. Was wir von dem kleinen Einbruch gelernt haben, hat Boyajian gestern in einem Online Q&A betont: 1. dass die Einbrüche kein Artefakt des Kepler-Satelliten sind und 2. dass vermutlich Staub der Absorber ist, der vor dem Stern vorbei zog. Gerade sind auch zwei neue – und radikal verschiedene – Hypothesen zu den Einbrüchen veröffentlicht worden: Nach der einen umkreist KIC 8462852 ein großer Planet mit Ringen sowie Schwärmen von Kleinkörpern auf Trojaner-Orbits, nach der anderen ist für die Einbrüche stattdessen ein ungleichmäßig mit Material gefüllter Ring in unserem äußeren Sonnensystem verantwortlich. Beide Modelle machen konkreten Vorhersagen für die Zeitpunkte kommender Einbrüche, im Trojaner-Szenario wäre der kleine Einbruch der letzten Tage durch das Verschwinden des Planeten hinter dem Stern verursacht worden (sekundäre Finsternis). Auch eine detaillierte Kritik beider Papers, ein Video mit einer älteren Hypothese (mit einem verschluckten Planeten), weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier – und die SETI-Freunde waren auch aufgeschreckt. [1:15 MESZ]

Live-Blog zu Raumfahrt-News vom 25. Mai 2017

25. Mai 2017

Jede Menge Ergebnisse der Juno-Mission vom Jupiter v.a. von den ersten beiden Perijovien sind soeben publiziert und auf einer Telecon vorgestellt worden (auch Press Releases von AGU, AAAS, NASA, SwRI, JPL, Riken, Univ. of Leicester und ASI und Vorab-Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier): von oben ein Blick auf den Südpol mit jeder Menge 1000 km großen Zyklonen (die keiner erwartet hatte), zwei ebenfalls amateurverarbeitete Bilder vom 19. Mai, eine Animation der südlichen Aurora (wo überraschenderweise Elektronen auch von unten in die Atmosphäre schießen, was das rote Glühen gibt), die Ringe des Planeten zum ersten Mal von „innen“ aufgenommen (mit dem Orion im Hintergrund), eine Sonifikation von Plasmawellen und das überraschend inhomogene Innere des Planeten aus Messugen des Microwave Radiometer. Schon die Kapsel von Galileo war ‚reingefallen‘, als sie in einer besonders trockenen Stelle der Atmosphäre niederging – aber solche exotischen Orte gibt es wohl viele. [20:45 MESZ] „The contributions from the amateurs are essential“ für das Pointing der JunoCam und die Verarbeitung der Bilder, heißt es noch in Q&A: Das Kamera-eigene Team ist sehr klein und könnte das alles gar nicht leisten. So eine große Rolle spielten Amateurastronomen noch nie bei einer NASA-Mission. [21:10 MESZ] Die Science-Papers über Atmosphäre und Magnetosphäre (beide open access, dito 12 der 44 weiteren Papers in den GRL) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Jupiters Schwerefeld visualisiert, stark verarbeitete JunoCam-Bilder des letzten Perijoviums als Video hier und hier – und Aufzeichnungen der Telecon hier und hier]

Die 1. Electron-Rakete hat es „in den Weltraum“ geschafft

Bisher gibt es nur diesen dürren Tweet (dessen Formulierung heißen könnte, dass ein Orbit nicht erreicht wurde) und einen Videoclip aus einem nicht öffentlich bekannten Webcast, aus dem hier kühn ein Bild gegrabbt wurde – aber die neuseeländisch-amerikanische Elektron-Rakete hat es nach drei Verschiebungen offenbar gerade ‚in den Weltraum‘ geschafft. Was dieselbe Firma übrigens bereits 2009 mit einer Suborbital-Rakete geschafft hatte. [6:45 MESZ] Der Start erfolgte um 6:20 MESZ, so sieht’s jedenfalls in dem Video aus. [7:00 MESZ] Auch ein Video von einer Kamera an Bord – aber ob ein Orbit erreicht wurde, ist weiter unklar. [7:15 MESZ]

Ein viel besserer Screengrab vom Start – diesmal aus dem ersten offiziellen Video der Firma. [7:30 MESZ] Ein erster Artikel: Die erste Stufe arbeitete tadellos, auch die Stufentrennung und die Zündung der zweiten gelang – aber der Orbit wurde nicht erreicht. Auch ein weiteres gutes Video des Starts und ein weiterer Artikel ohne neue Details. [8:00 MESZ] Ein Press Release von Rocket Lab: „We had a great first stage burn, stage separation, second stage ignition and fairing separation. We didn’t quite reach orbit and we’ll be investigating why, however reaching space in our first test puts us in an incredibly strong position to accelerate the commercial phase of our programme“. [8:25 MESZ] Wie hoch sie kamen, wissen sie selber nicht … wie 2009 übrigens. Und nochmal alle Videos des Starts zusammen. [8:35 MESZ] Weitere Artikel hier und hier – und auch in Russland ist gerade was gestartet. [8:55 MESZ. NACHTRAG: mehr Links dazu] Weitere Videos von Bord der Elektron hier und hier, noch mehr Visuals und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [14:35 MESZ] Ein Video der Firma zum Start und weitere Artikel hier, hier und hier. [20:05 MESZ. NACHTRÄGE: der Start aus der Nähe gefilmt, ein AK Aerospace PR, noch mehr Artikel hier, hier und hier und mehr Links]

Heute vor 40 Jahren kam der erste „Star Wars“-Film in die Kinos in den USA, erst nur ganz wenige (hier der originale Anfang) – später wurde er zur Episode IV und hat inzwischen 4 Prequels und 3 Sequels und bald gibt’s auf beiden Seiten noch mehr Zuwachs: So lange Disney die 2012 von George Lucas erworbene Kuh melken kann, daraus wird kein Hehl gemacht, ist die Zahl zukünftiger Filme in diesem Universum nach oben offen. Die Deutschland-Premiere von „Star Wars“ – als „Krieg der Sterne“ – folgte übrigens erst am 9. Februar 1978: Das waren noch Zeiten … [6:15 MESZ. NACHTRÄGE: ein antiker Trailer und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Warum Schiaparelli abstürzte: Software-Mängel aufgedeckt

Man hat es – nach vielen Monaten Grabesstille – kaum mehr erwartet, aber gestern ist tatsächlich ein gekürzter Abschlussbericht des Schiaparelli Inquiry Board (SIB) über den Absturz des Landedemonstrators bei der ersten ExoMars-Mission letzten September publik geworden: Was damals schief ging (Schiaparelli alias Entry Demonstrator Module oder EDM sendete munter die ganze Zeit, aber 43 Sekunden vor der erwarteten Landung war Schluss), ist nun sehr genau bekannt. Das EDM bestimmte seine räumliche Lage durch Integration der Messungen von Kreiseln in der Inertial Measurement Unit (IMU), die vor dem Atmosphärenabstief mit Hilfe eines Sonnensensors auf dem Backshield geeicht wurden: Danach wurde immer weiter addiert.

Das Disaster begann mit dem Öffnen des Fallschirms, durch das unerwartete Schwingungen des EDM mit 2.5 Hertz ausgelöst wurden: Eine eindeutige Ursache dafür konnte das SIB nicht bestimmen, die Entfaltung eines Fallschirms bei hoher Geschwindigkeit ist ein komplexer Vorgang. Aber bei neuen Simulationsrechnungen des Fallschirmverhaltens (durch Experten am JPL übrigens) kam es immer wieder mal zu Ausschlägen von einer Heftigkeit, dass sie die Kreisel einer tadellos arbeitenden IMU in Sättigung treiben konnten. Zu dumm, dass man diese Simulationen nicht vorher gemacht hatte – denn zu genau so einer Sättigung der IMU war es in der Realität rasch gekommen. Sie wurde dem Computer für Guidance Navigation and Control (GNC) des EDM auch mitgeteilt, mit einem Flag, das freilich durch einen Mangel der IMU-Programmierung zu lange auf „an“ stehen blieb: Der GNC integrierte so lange munter weiter den IMU-Wert am Anschlag, während das EDM in Wirklichkeit eben nicht immer weiter in einer Richtung kippte sondern hin und her schwang.

Bald ging der GNC von einer um sagenhafte 165°(!) falschen Lage des EDM aus, d.h. dass es beinahe auf dem Kopf stand, während es in Wirklichkeit nur ein bischen schaukelte! Diese Schwingungen dämpften sich in der Folge fast ganz weg, der Abstieg ging normal weiter, und ein Timer warf den Hitzschild ab: Damit konnte nun das Radar Doppler Altimeter (RDA) die Arbeit aufnehmen. Dessen Höhenmessung hängt natürlich vom Winkel des EDM zur Oberfläche ab, eine Verkippung, die zu längeren Laufwegen der Pulse führt, muss herausgerechnet werden – und die Information über diesen Winkel bezieht der GNC aus seiner bisherigen Integration der IMU-Messungen. Die aber war ja nun seit dem Fallschirm-Zwischenfall völlig falsch, so dass der GNC auf eine negative Höhe des EDM schloss (was natürlich Unfug sein musste, doch ein Konsistenz-Check fand nicht statt) und umgehend die Landesequenz einleitete: Backshell und Fallschirm wurden abgeworfen und das Landetriebwerb eingeschaltet.

Und nach 3 Sekunden schon wieder aus, denn der GNC wähnte sich schließlich bereits unter der Marsoberfläche: Die Folge war ein freier Fall des EDM aus etwa 3.7 km Höhe, mit einem etwa 150 m/s schnellen Aufschlag rund 35 Sekunden später. Verantwortlich waren also in letzter Konsequenz ein Fehler in der IMU-Software (das Sättigungs-Flag stand zu lange) und fehlende Checks der GNC-Software auf Konsistenz der Werte der IMU sowie der kombinierten Messungen von IMU und RDA: Das Messungs-Chaos durch die Schwingungen kurz nach dem Fallschirm-Entfalten hätte der GNC sonst wohl wegstecken können. Was wiederum zu diesen Versäumnissen geführt hat, deutet der gekürzte SIB-Bericht nur an: unzureichende Tests des IMU-Verhaltens und mangelnde Kommunikation zwischen dem IMU-Hersteller und dem Hauptkontraktor des EDM (die beide zudem eine mögliche IMU-Sättigung gar nicht auf dem Schirm hatten) spielten eine Rolle.

Wäre übrigens der Fehler mit dem IMU-Flag nicht gemacht worden, dann wären bei einer erfolgreichen Landung die anderen fundamentalen Probleme des Projekts – die krassere Fallschirm-Dynamik, die nicht ausreichende Fehlertoleranz der Bordsoftware und das stellenweise mangelhafte Management – vielleicht gar nicht erkannt worden. Entsprechende Lehren sollen nun gezogen werden: Der Fallschirm muss besser verstanden und das ganze Entscheidungssystem der Flugsoftware robuster werden, insbesondere mit „sanity checks“ der Daten und abgeleiteter Werte vor kritischen Schritten. Beim Lander von ExoMars 2020 wird die IMU zwar eine andere sein, aber nun weiß man genau, auf was sonst noch alles besser zu achten ist. Auch ein italienischer Press Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [3:05 MESZ. NACHTRAG: die ganze Geschichte noch mal, mit neuen Details zur fatalen saturation flag persistence]

Das James Webb Space Telescope im Clean Room des JSC in Houston, wo es noch einen Kältetest über sich ergehen lassen muss; auch ein Workshop zur Planung von Beobachtungen mit dem großen IR-Satelliten, dessen Start weiterhin für Oktober 2018 geplant ist – und vor 8 Jahren und 1 Tag landete die Atlantis nach der letzten Hubble Servicing Mission: Der inzwischen 27 Jahre im Orbit befindliche Satellit wurde in so gutem Zustand hinterlassen, dass er immer noch tadellos arbeitet. Derweil hat Gaia exklusive Daten des Release 2 rausgerückt, um die Beobachtung von drei Sternbedeckungen zu unterstützen.

So soll der – immer noch namenlose – NASA-Marsrover aussehen, der im Juli oder August 2020 starten soll. Auch eine Beschleunigung der Mission zu Psyche (Start 1 Jahr, Ankunft am Asteroiden 4 Jahre früher), noch mehr JunoCam-Verarbeitungen durch Fans hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier] – und was Cassini nahe der nördlichen Sonnenwende sieht, wie der nächste Durchflug noch dichter an die Ringe heran führen wird als die bisherigen, und ein nicht ganz frischer Enceladus in Sichelgestalt.

So soll der Raumtranspoter XS-1 alias ‚Phantom Express‘ aussehen, den Boeing für die DARPA bauen soll (Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und von früher hier): Es geht um den sehr schnellen Start kleiner Satelliten. Auch ein Teleskop-Netz für Satelliten-Verfolgung, wie Amateure endlich den jüngsten Geheimsatelliten fanden, wie Galileo gegen Geisterfahrer helfen könnte, was statt der ARM gemacht werden könnte – und schon wieder neue Kosten im Zusammenhang mit dem SLS. [1:15 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 21. bis 23. Mai 2017

21. Mai 2017

23. Mai

ISS EVA erfolgreich – und NASA FY 2018 Budget Request da

Die nur wenige Tage vorbereitete Reparatur an der ISS – Details hier, hier und hier – ist problemlos in 2 Stunden und 46 Minuten absolviert worden. Und der NASA Budget Request für das Fiscal Year 2018 ist bereits vor der Zeit im Web erschienen, darunter das ganze 734-Seiten-Dokument und Zusammenfassungen auf 12 Seiten und einer Seite (und schon vor Tagen waren diese 2 Seiten erschienen): Es soll ab jetzt jedes Jahr 19.1 Mrd.$ geben, diesmal mit 5.7 Mrd.$ für Wissenschaft, weitere Arbeit an einer Mission zu Europa inbegriffen (425 Mio.$), aber ohne einen Lander. Und die Asteroid Redirect Mission soll abgebrochen werden. Die nächsten Stunden gibt es jede Menge Live-Events dazu. In Neuseeland ist derweil der erste Elektron-Start abermals verschoben worden: zu viele Wolken. [17:55 MESZ] Mehr zu EVA hier und hier und zum Budget Request hier, hier, hier, hier und hier. [19:05 MESZ] Zur EVA noch dies, dies, dies, dies, dies, dies und dies, zum Budget Request (auch in anderen Forschungsfeldern und insgesamt) Slides einer Präsentation und Artikel und Statements hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Videos von einem „virtuellen Rundgang“ durch die NASA-Zentren von Glenn, Marshall, Stennis, Armstrong, Johnson, Ames, Kennedy, Langley, Goddard und JPL – und in Neuseeland Startvorbereitungen für die Elektron, die irgendwann fliegen soll. [23:55 MESZ- Ende. NACHTRÄGE: Der Start wurde erneut verschoben (mehr und mehr), alle NASA-Zentren-Clips auf einer Seite vereinigt und die Lage der NASA und anderer Behörden (mehr) nach dem Budget Request]


22. Mai

Der Einbruch von Boyajians Stern ist erst einmal zuende

Das zeigt jedenfalls diese Lichtkurve von drei Teleskopen, während die Amateur-Lichtkurve noch nicht wieder ganz auf den Ursprungstrend zurückgekehrt ist. Die Beobachter bleiben jedenfalls alert, denn es könnte ja sein, dass noch was nachkommt. Aber angesichts der völlig untypischen Lichtkurve des Sterns verbieten sind Prognosen. [NACHTRAG: ein Spektrum während des Minimums zur freien Verwendung.]

Die abnehmende Mondsichel heute früh bei der Venus von diesem Blogger aufgenommen: weitere Bilder aus Deutschland, dem UK, Brasilien, den USA und quasi jetzt aus Neuseeland (Kontext) und Australien – morgen dann wieder in Europa wird’s doch sehr knapp [NACHTRÄGE: aber ging selbst in Slowenien und sogar Deutschland – und später an der Ost– wie West-Küste der USA – noch]. Auch die Wetterstatistik für die Ring-SoFi 2019 mit dem Oman als ungewöhnlich klarem ‚Sieger‘ und die Kometen Johnson heute, gestern (mehr und mehr) und vorgestern (mehr, mehr und mehr) und Clark heute.

Das ist der 4.2 m große Rohling für den Sekundärspiegel des E-ELT, der gerade bei Schott in Mainz gegossen wurde: der zweitgrößte Sekundärspiegel und der größe konvex geformte Spiegel überhaupt. Der 3.5-tönnige Zerodur-Block muss sich nun langsam abkühlen und kann erst nächstes Jahr – in Frankreich, auf 15 nm genau – poliert werden: Seine starke und asphärische Krümmung sind besondere Herausforderungen. Derweil wurde ein weiterer E-ELT-Kontrakt – für Systeme der Adaptiven Optik – vergeben. [23:45 MESZ]

1.07 Millionen waren bei den „Marches for Science“ dabei, die vor genau einem Monat an über 600 Orten stattfanden: Das hat eine akribische Analyse durch die Veranstalter ergeben, die bereits selbst Aufsehen erregt. Ansonsten wird viel nachgedacht, was war und was nun kommen soll: ein paar Beiträge aus Deutschland hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und international hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:45 MESZ]

Juno war abermals im Jupiter-nächsten Punkt der Bahn

Und weil die Rohbilder der JunoCam reichlich kontrastarm sind, hier mal eine knackig prozessierte Version von Valmir M. de Morais: Press Releases hier und hier, Artikel hier und hier, weitere Fan-Bildverarbeitung hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein früheres Pretty Picture Junos.

Nicht neu aber sehenswert: eine Animation tausender Rohbilder Cassinis, mit eigens dazu komponierter Musik – auch ein Ringlet in der Encke-Teilung und die Gewinner von ‚Cassini scientist for a day‘ 2016/17. Sowie Curiosity-Messungen der Transparenz der Mars-Atmosphäre und MMS-Messungen von Elektronen-Tanz in der Erdmagnetosphäre.

Star einer Soyuz mit einem TV-Satelliten in Französisch-Guyana: Fotos und ein Artikel. Heute keinen Start wegen zu viel Wind gibt es dagegen für die erste Elektron-Rakete in Neuseeland: weitere Artikel hier, hier, hier und hier.

Ein neues Video über das Apollo-Programm aus alten Fotos – auch die Ausstellung der geborgenen Triebwerke von einigen Saturn-V-Raketen, Interviews mit dem Astronauten Massimino und dem Kandidaten Maurer, der am liebsten gleich zum Mond fliegen würde. Und übereinstimmende chinesische wie westliche Berechnungen, dass Tiangong-1 im kommenden Herbst oder Winter abstürzen wird.

Es sind wieder einige CubeSats aus der ISS geworfen worden: mehr dazu hier und hier sowie von Pesquet erzählt und in diesem Clip erwähnt. Weitere Deployments werden aber ersteinmal verschoben – denn morgen gibt’s eine überraschende EVA, die kurzfristig anberaumt worden war, nachdem eine Relais-Box plötzlich ausfiel: mehr dazu auch hier und hier. [3:45 MESZ]


21. Mai

Die totale SoFi in exakt einem Vierteljahr … als Attraktor

für autofahrende Amerikaner: Hier sind die kürzesten Fahrtstrecken von jedem County der USA zum nächstgelegenen Punkt in der Totalitätszone eingezeichnet, farblich nach Staaten codiert – Anklicken führt zu weiteren komplexen statistischen Analysen (während es hier eine Prognose von Verkehrsstaus gibt). Die Finsternis ist bereits ein massives Medienthema, hier ein paar weitere Fundstücke … etwa zu wissenschaftlichen Projekten: eine Übersicht geplanter Beobachtungen, ein Artikel und ein Videoclip dazu, was SOHO plant, das Eclipse Ballooning Project, Press Releases dazu hier und hier und ein Artikel, ein weiteres Ballon-Projekt und gleich noch eins, das Airborne Infrared Spectrometer, alte Bomber als Instrumenten-Plattform, ein Experiment zur Radio-Ausbreitung, das MegaMovie-Projekt und ein Press Release und ein Artikel dazu, das chinesische FASOT, was SoFis für die Wissenschaft schon gebracht haben und ob man das Einstein-Experiment nachvollziehen kann.

Desweiteren 31 Mini-Grants der AAS für SoFi-Projekte, Sorgen in Sachen Sonnenenergie (mehr), Crowd Control (mehr und mehr), Müllentsorgung und krummen Geschäften (mehr, mehr und mehr), eine Briefmarke zur SoFi mit Special Effects (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), ein 20-Minuten – und ein 3-Minuten-Film und diverse Statements über ToSoFis an sich, ein TV-Clip (mit Anmerkungen dieses Bloggers), ein 17-Minuten-Radiofeature, viele Stunden Vorträge eines Workshops, gleich noch einer, allerlei Ratschläge für Fotografen und speziell 360°-Kameras, Experimente mit Kindern, wie man den Rand der Zone berechnet, eventuelle Missverständnisse, ein Porträt von B. Tafreshi weitere Press Releases hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Weitere Link-Sammlungen zur SoFi gab es bereits bei t-1 Jahr, zu Jahresbeginn („21. August“) und bei t-1/2 Jahr („Noch ein halbes Jahr …“). [23:55 MESZ]

Tabby’s Star: So ging’s weiter mit dem Helligkeitseinbruch

Oben Photometrie des verrückten Sterns mit den LCOGT-Teleskopen und in der Mitte von einem Amateurastronomen (mit Helligkeit in V vs. Tage im Mai): Der Einbruch war definitiv nur ein sehr kleiner (und im Blauen etwas stärker als im IR), aber ganz zum Normalniveau zurückgekehrt ist die Helligkeit noch nicht. Unten schließlich aktuelle Photometrie aus mehreren Quellen – und darüber gelegt die alte Kepler-Lichtkurve eines kleinen Einbruchs: Wie in einem weiteren Live-Q&A festgestellt wurde, passt das ganz gut, sagt aber wenig über die weitere Entwicklung. Weiter sind keine Veränderungen am Sternspektrum bekannt bzw. spruchreif – und Sterne in direkter Nachbarschaft, die auch überwacht werden, zeigen keine vergleichbaren Helligkeitsschwankungen: Das ist ein wichtiger Test für die Hypothese, dass die Absorber durch den interstellaren Raum ziehen. [22:35 MESZ]

Komet C/2015 V2 (Johnson) am 17. Mai mit einem 12-Zöller von Michael Jäger aufgenommen: auch Bilder des Kometen, der mit seinen nach aktuellen Schätzungen 8.5 mag. bereits praktisch Maximalhelligkeit erreicht hat, vom 19. Mai, 18. Mai (mehr und mehr), 17. Mai, 14. Mai und 13. Mai sowie eine Feuerkugel über Neuseeland, ein Paper über UV-Sonnenbeobachtung mit der CLASP-Rakete, aktuelle Bilder des Aurora-Phänomens „Steve“ samt grünem ‚Lattenzaun‘ aus Kanada hier, hier und hier, Galaxien-Analyse mit FADO – und ein neues Blog über IR-Astronomie, dessen Autor nächste Woche mit SOFIA fliegen soll. [2:55 MESZ] Noch schöne Johnsons von gestern und vorgestern. [20:25 MESZ] Und ein Amateur-Spektrum der Supernova 2017eaw in NGC 6946, deren Helligkeit weiter bei 12.8 V hängt. [22:05 MESZ]

Es geht abwärts mit dem seltsamsten Stern im All

19. Mai 2017

Der Stern mit der kuriosen Lichtkurve und noch kurioseren Spekulationen darüber scheint nun den ersten seiner mysteriösen Helligkeitseinbrüche zu erleben, seit Astronomen wie Öffentlichkeit auf das Phänomen aufmerksam gemacht wurden: hier die aktuelle Lichtkurve ab dem 3. Mai im r‘-Band. Man darf erwarten bzw. hoffen, dass nun Helligkeitsmessungen in vielen Farben und Spektroskopie endlich aufklären können, was auf dem Stern, in der Nähe des Sterns oder im interstellaren Medium vor sich geht: Unter den zahlreichen diskutierten Möglichkeiten waren klumpige Absorber in der Sichtlinie fern des Sterns zuletzt favorisiert worden, wenn auch nicht mit großem Abstand vor all den anderen publizierten Spekulationen. Deren Stand vom letzten Sommer hatte eine lange Serie von Blog-Artikeln eines führenden Spezialisten für diesen Stern (Kapitel I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX und X) präsentiert, die auch hier zusammengefasst sind, gefolgt von einem systematischen Paper aus dem selben Haus, das die Kandidaten-Familien sortierte und hier und hier diskutiert wird.

Die interessanteste neue Erkenntnis seit dem anfänglichen Rummel Ende 2015 war gewesen, dass die Helligkeit des Sterns während Keplers gesamter Primärmission kontinuierlich gefallen war, erst langsam, dann schnell, wie auch in diesem Press Release und diesem, diesem und diesem Artikel zusammengefasst ist. Hingegen zeigen die historischen Fotoplatten der Sternwarte Sonneberg keine signifikante Helligkeitsänderung von 1934 bis 1995, und zusammen mit anderen Plattenarchiven lässt sich dieses Statement sogar für den Zeitraum 1895 bis 1995 erweitern. Ein angebliches kontinuierliches Schwächerwerden seit dem 19. Jh., das aus einer anderen Plattensammlung geschlossen worden war (und um das es geradezu erbitterten Streit gegeben hatte) spielte bei dem o.g. Ranking der Hypothesen eine gewisse Rolle, dessen Autor meint aber, dass der unbestrittene Kepler-Lichtabfall bedeutender war.

In Keplers jahrelanger Präzisions-Photometrie des Stern ließ sich aber außer diesem Trend und den kurzen Helligkeitseinbrüchen noch mehr finden: namentlich eine strenge Periode von 0.88 Tagen, in denen die Helligkeit der Quelle schwankte. Und eine leichte Verschiebung ihrer Position bei jedem der großen Einbrüche (variability-induced motion oder VIM): Das spricht für mehr als einen Stern, der hier betroffen ist, und passt zu einem „swarm of interstellar junk (comets and planetoids) crossing the line of sight to the star and its optical companions at approximately 7 mas per year“. Also ein weiteres Indiz für die interstellare Hypothese der Einbrüche. Andere Papers hatten dagegen das Verschlucken eines Planeten durch den Stern postuliert (Artikel dazu hier, hier, hier und hier) oder eine Handvoll staubige Objekte im Orbit um ihn (Artikel hier, hier und hier) – oder kuriose ‚Lawinen‘-Effekte in ihm selbst (ein Artikel). Auch ein Update vom April zur crowdfunded Überwachung, ein erneuter Beobachtungs-Aufruf der AAVSO, ein Berkeley Release zu SETI-Anstrengungen, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein TED Talk, ein lebendiger TV-Bericht aus Australien, ein langer HangOut, ein langer SETI Chat – und wie die Entdeckerin ausgesprochen wird.

NACHTRAG: ein Video-Chat mit o.g. Experten – der Stern ist um 3% eingebrochen, wie diese Lichtkurve des Fairborn Observatory in Arizona zeigt. Das war die vereinbarte „Alarmstufe Rot“: Ein großes Beobachtungsprogramm mit zahlreichen Teleskopen – etwa den Kecks und Hobby-Eberly für Spektren – wurde aktiviert. Definitiv der erste Dip nach den Kepler-Messungen (die Lichtkurve ganz oben basiert übrigens auf den ‚gekauften‘ LCOGT-Messungen) und der erste, der in Echtzeit gesehen wird: Es ist gut möglich, dass dieses Wochenende die Daten aufgenommen werden, mit denen das Rätsel des Sterns gelöst werden wird! Auch eine offenbar neu analysierte Lichtkurve von Kepler mit dem Abfall seit 2009, ein möglicher spektraler Vorgänger der aktuellen Verdunklung, weitere Artikel dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und vielleicht hier bald Updates.

NACHTRAG 2: Ein Astronomer’s Telegram zum Helligkeitseinbruch verweist auch auf ein Amateur-Projekt zur Überwachung des Sterns, von dem dieser Photometrie-Plot seit Ende 2016 stammt – es ging demnach die ganze Zeit langsam bergab, um ziemlich genau 1% pro Jahr, bis zum jetzigen plötzlichen Einbruch. Es war übrigens schon die ganze Woche „Alarmstufe Gelb“, sowohl wegen Anzeichen für kleine Einbrüche seit dem 24. April wie wegen des o.g. vagen spektroskopischen Ereignisses (das auf zirkumstellares Material hinweisen könnte): Deswegen war die Frequenz der Beobachtungen des Fairborn Obs. bereits erhöht worden. Auch ein aktuelles Bild des Sterns, die genaue Quelle der Lichtkurve aus Arizona, weitere Artikel hier (von diesem Blogger) und hier – und eine Art Vorhersage des aktuellen Einbruchs unter Annahme einer Periodizität der großen Kepler-Ereignisse …

NACHTRAG 3: Bisher sind keine deutlichen Veränderungen im Spektrum zu sehen – auch viele aktuelle Spektren selbst in diesem Thread und hier, eine Liste aktiver Observatorien, ein weiterer Beobachtungs-Aufruf, weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier und eine beginnende Meta-Analyse. Nach den erwähnten Amateur-Messungen ist der Einbruch vielleicht schon vorbei und war nur klein (aber da kann noch was kommen). Und zu ihrem oben gezeigten Langzeittrend teilt Huan Meng vom Steward Observatory diesem Blog mit: „Yes, we have detected long-term dimming from late 2015 to 2017 at a significant level from UV to IR with 3 independent telescopes, including two of NASA’s space telescopes, Swift and Spitzer. The dimming rate at the visible wavelengths is 1-2% per year. There are hints that the dimming rate may be variable, though our current data cannot say for sure. Anyway, the qualitative dimming trend has been confirmed with high confidence.“