Allgemeines Live-Blog vom 25.-31. Oktober 2016

25. Oktober 2016

31. Oktober

11-mag.-NEO zu Besuch, crasht beinahe in den Polarstern

Der wohl am irdischen Himmel hellste Near Earth Asteroid des Jahres kommt in diesem Minuten der Erde am nächsten: (164121) 2003 YT1 steht mit 10.9 mag. 5.2 Mio. km entfernt im Auriga, wo er vergangene Nacht mit 10.85 mag. auch seine größte Helligkeit erreichte. Besonders nah ist das zwar nicht, aber im ganzen 21. Jh. kommen nur 9 bekannte Asteroiden noch näher, die eine solche absolute Helligkeit haben. Kommende Nacht kulminiert der Asteroid mit noch etwa 11.1 mag. gegen 3:00 MEZ rund 70° hoch – und kurios ist auch seine weitere Bahn am Himmel, hier horizontfest animiert von Jost Jahn. Denn die Deklination steigt von jetzt +55° auf +89°36′ in der folgenden Nacht 1./2. November, wenn der dann auf 11.9 mag. gefallene und 6.3 Mio. km ferne Asteroid beinahe mit dem Polarstern „kollidiert“: Zu diesem Zeitpunkt (gegen 4:00 MEZ) steht er rund 51° hoch am dunklen Nachthimmel. Und hier noch ein Sprung von ganz nah – auch Venus & Saturn gestern – an den ‚Rand des Universums‘: Die Planck-Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung als 3D-Modell ausgedruckt hat was … [11:00 MEZ]

swp2010775

Das weiter gewordene Paar Venus / Saturn heute Abend über Bochum. [18:45 MEZ] Oha! La Palma ist jetzt die primäre ‚zweite Wahl‘, falls das Thirty Meter Telescope aus Hawaii rausgeekelt werden sollte. Die Kanaren-Sternwarte hatte sich bereits um das E-ELT beworben, war aber gegen Chile ausgeschieden – das TMT wäre ein bemerkenswerter ‚Trostpreis‘. [19:40 MESZ] Mehr Details zu der Option hier und hier. [20:20 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier] Eine Strichspur des Asteroiden von heute Abend und eine Animation – und eine bemerkenswerte Feuerkugel über Japan. [23:25 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die ganz junge Mondsichel heute in den USA und in Mexiko]


29. Oktober

Wenn unser Mond nicht gebunden rotieren würde

und der Erde im Laufe einer Rotation seine gesamte Oberfläche zeigte, dann sähe das so aus: eine Simulation aus Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiter, der auch weiß, wie es hinten aussieht. Ansonsten ist heute der 25. Jahrestag des 1. Asteroiden-Besuchs einer Raumsonde (Galileo bei Gaspra), plant Indien für 2017 einen Raketenstart von 83 Satelliten gleichzeitig, spricht SpaceX in einem seltenen Update von Fortschritten bei der Aufklärung der Falcon-Explosion (Artikel dazu hier, hier, hier und hier) – und kommen heute Nacht welche von der ISS zurück: Landung um 4:59 MEZ. [17:55 MESZ. NACHTRAG: Videos vom Abdocken, der Soyuz am Fallschirm und der Landung, viele Screenshots aus der Live-Übertragung hier, hier, hier, hier und hier – und alle sind glücklich draußen nach der Rückkehr nach Plan.

Expedition 49 Soyuz MS-01 Landing

NACHTRAG 2: die Landung aus einem Hubschrauber, auch gefilmt, sowie ein NASA-Blog-Report, mehr echte Fotos, die gelandete Soyuz hier und hier vor dem Ausstieg, ihre spätere Versorgung und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: NASA und JAXA Releases, Roskosmos-Bilder und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]


28. Oktober

canauro

Schwer Aurora über Kanada am 29. September auf einem Nachtbild des Satelliten NPP Suomi, der heute vor fünf Jahren startete – auch Aurora über Kiel am 25./26. Oktober, Venus, Saturn & Antares vorgestern aus Mexiko und Australien, aktuelle UV- und IR-Bilder der Venus, die Mondsichel beim Jupiter heute früh, die aktuelle Aktivität auf dem Jupiter, nunmehr 15’000 Near Earth Objects aller Größen (mehr und eine Grafik) – und ein Filmchen über Fulldome-Dreharbeiten bei der ESO. [2:55 MESZ. NACHTRAG: ein NASA Release zum Suomi-Jahrestag]

almapano

Die Venus – zwischen Antares (links) und Saturn (rechts) – tief im Westen mit der Webcam des ALMA-Observatoriums in Chile ‚abgeschossen‘: Der Kontrast wurde erhöht, gegen das Rauschen war kein Kraut gewachsen. Und für die bessere Paranal-Webcam steht leider so ein komisches 8-Meter-Teleskop im Weg … Zum Vergleich auch ein ‚richtiges‘ Foto ebenfalls aus Chile. [5:00 MESZ]

allskyimage000835482_2016-10-28_00-26

Ein drittes Bild der Dreier-Kette aus Chile, von einer All-Sky-Kamera am Danish 1.54-metre telescope auf La Silla, sowie eins aus Costa Rica – plus die Mondsichel beim Jupiter heute Morgen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und Jupiter im Detail heute früh mit den Effekten im NTB. [19:05 MESZ. NACHTRÄGE: die Ex-Kette heute Abend hier (samt der Nova im Schützen) und hier – und hier, hier, hier, hier und hier die superdünne Mondsichel sowie die Jupiter-Störung am Morgen drauf und die Konjunktion von Venus & Saturn am Abend hier sowie hier samt Mars weit links]


27. Oktober

hirise

Schiaparelli als Opfer eines „Ausschlags des Fallschirms“

Unruhige Bewegungen des Landedemonstrators an seinem Fallschirm werden jetzt – abermals vom ESOC-Chef, diesmal im Heute Journal des ZDF heute Abend – für die Irritationen des Bordcomputers verantwortlich gemacht, die zu seinem Absturz führten: eine Darstellung der Ereignisse, die zu (ziemlich verwirrenden) Aussagen des Vizepräsidenten von Thales Alenia (für den Lander hauptverantwortliches Unternehmen) gestern zu passen scheint. Ein „unerwartet heftiger Ausschlag des Fallschirms“, so der ESOC-Chef, habe die fatale Ereigniskette ausgelöst (in der er in zwei früheren Interviews die Software des Radar-Höhenmessers als Hauptproblem benannt hatte): Vor dem Start sei derlei „bei tausenden Versuchen einige wenige Male aufgetreten“ und deshalb wohl nicht ernst genug genommen worden. Nach Darstellung des Thales-Mannes wähnte der Bordcomputer ob seiner starken Pendelbewegungen das EDM zeitweise bereits unter der Marsoberfläche, weshalb sogleich der Fallschirm abgeworfen und die Triebwerke auch gleich wieder ausgeschaltet wurden. Vom Ergebnis gibt es jetzt auch hochauflösende Bilder von HiRISE auf dem MRO (oben), die eine überraschend asymmetrische Impaktstelle des EDM (Folgen einer Explosion?) sowie den Fallschirm und den Hitzeschild zeigen: weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier sowie zur Problematik von Marslandungen generell. [22:35 MESZ. NACHTRÄGE: ein Versuch einer Synthese der diversen Interviews diese Woche, U of AZ und ASI Releases, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein endloser Podcast, der erst ab 1:00 interessanter wird]

Die Seidenraupen auf Tiangong 2 sind schon bei der Arbeit und verpuppen sich brav – auch mehr zum Satelliten, der die Station umfliegt, den Vorbereitungen großer ISS-EVAs und einem neuen Tool für die Bahnberechnung von Raumsonden. [22:20 MESZ]

Eeendlich! Sämtliche Daten von New Horizons sind da

Der mühsame Download der wissenschaftlichen Daten der Raumsonde New Horizons vom Pluto-Besuch vor 15 Monaten ist am 25. Oktober abgeschlossen worden – auch das Ende des Safe Mode des Jupiter-Orbiters Juno, neue Karten von Ceres in hoher Auflösung von Dawn verfügbar, was der Orbiter GRAIL über das Mare Orientale auf dem Mond gelernt hat, wie GAIA ein µLensig-Ereignis entdeckte, dass dann andere weiter verfolgten – und der 1000. Gamma Ray Burst für den Satelliten Swift. [22:10 MESZ. NACHTRAG: Junos anderes Problem bleibt]


25. Oktober

tia

Tiangong 2 und Shenzhou 11 vorgestern von außen aufgenommen von dem kürzlich ausgesetzten Mini-Satelliten Banxing-2 (in chinesischen Medien als „Selfie-Stick-Satellit“ bekannt), der sich das Paar mit einer optischen und einer thermischen IR-Kamera anguckt. Auch eine 3D-Version davon, aus dieser und einer weiteren Aufnahme, die Montage der ersten CST-100-Kapsel für Astronauten-Transport zur ISS, ein weiterer zerbrochener Wettersatellit der USAF, die mühsame Aufklärung des Falcon-Unfalls, der 6. und 16. November als Starttermine für WorldView 4 (verspätet wegen Waldbrand) und GOES-R (verspätet wegen Hurrikan) – und der japanische Plan für ‚künstliche Meteore‘ für Spaß mit den ersten Versuchen 2018. [23:35 MESZ]

Am Donnerstag gibt es ein HiRISE-Bild von Schiaparelli

bzw. seinen Überresten mit hoher Auflösung, wurde heute bekannt, während die formelle Untersuchung des Absturzes morgen beginnt und es bis zu offiziellen Aussagen noch dauern kann. Die sehr klare Beschreibung des wahrscheinlichen Szenarios gestern in einem Radio-Interview hat die ESA heute immerhin auf ihren Social-Media-Kanälen verbreitet, aber nur den deutschsprachigen. Es gibt auch keinen Press Release dazu, weswegen die englischsprachige Presse – z.B. hier (plus ein Kommentar), hier, hier und hier – weiter im Dunkeln tappt, während es immerhin Erwähnungen in deutschen Medien hier, hier oder hier und auch in Kolumbien und in Spanien (jeweils aufgrund dieses Blogs) gibt. Anderswo im Sonnensystem ein Cassini-Bild der Saturnwolken und Farbänderungen seines Hexagons, beginnende indische Tests einer Mondlandung für Chandrayaan 2, 10 Jahre STEREO-Satellit(en) – und der nächste Schritt zu Detektoren im Weltraum für Gravitationswellen im Rahmen der L3-Mission der ESA. [23:25 MESZ. NACHTRAG: Ein vermeintlicher ESA-ExoMars-Update vom 26.10. – mit weniger Details zur EDM-Untersuchung als in diversen Interviews der letzten Tage verbreitet wurde, so hat der ESOC-Chef heute abermals ein Kommunikationsproblem Radar – Bordcomputer als Ursache des Crashs benannt – ist im Wesentlichen eine Nacherzählung des bereits verlinkten Euronews-Beitrags vom 24.10. Das Unbehagen über die Info-Politik wächst …]

alma

Eine paar ALMA-Antennen im Mondschein unter südlichem Himmel auf einer japanischen Aufnahme des Radio-Interferometers in Chile – auch eine neue Webcam daselbst sowie auf dem Paranal, die beide auch nachts was sehen, eine Nova im Schützen auf -27°, deren Helligkeit bei etwas mehr als 8.0 mag. bereits ihr Maximum erreicht zu haben scheint (mehr), ein Aufruf an Amateur-Beobachter zur Unterstützung von Akatsuki mit Venus-Beobachtungen in den nächsten Wochen, die steigende Bedeutung von Citizen Science u.a. in der Astronomie, Lichtverschmutzung in China auch ein Thema – und eine Aborigines-Anlage mit Mond-Bezug. [23:15 MESZ]

Live-Blog zu ExoMars, DPS und mehr Kosmischem

20. Oktober 2016

24. Oktober

swan_exomars1

Software-Bug des Radar-Höhenmessers crashte Schiaparelli

Wie schon bald vermutet, hat offenbar ein Software-Problem zum Absturz des ExoMars-Landedemonstrators Schiaparelli geführt – und zwar bei der Kommunikation des Rechners im Radar Doppler Altimeter, das mit vier Flachantennen (Abb.) die Höhe über dem Marsboden melden sollte, mit dem zentralen Bordrechner. Das hat der ESA-Direktor für Missionsbetrieb und ESOC-Chef heute dem Deutschlandfunk erzählt: „Soweit wir das bisher rekonstruieren können, hat die Software aus einem Radar-Höhenmessgerät mit der allgemeinen Navigations-Software nicht richtig gesprochen. Es hat einen Timeout gegeben, der dazu geführt hat, dass der Fallschirm etwas zu früh abgesprengt wurde, und der dazu geführt hat, dass das Gerät in dem Glauben war, es wäre bereits auf der Oberfläche, so dass es die Bremsraketen abgeschaltet hat. Und jetzt gehen wir davon aus, dass die Sonde aus ca. 2 bis 4 km im freien Fall abgestürzt ist. Wir hätten gerne gesehen, dass die Bremstriebwerke, dass die 60 Sekunden etwa gezündet hätten, tatsächlich haben sie aber nur drei Sekunden gezündet. Also das Bild fügt sich eigentlich nahtlos ineinander; es ist noch ein kleines bisschen spekulativ, wir erwarten aber in den nächsten zwei Wochen sehr genaue Aufschlüsse und Klarheit darüber, was passiert ist.“ Die Erkenntnisse werden auch in die Landung 2020 einfließen, und ein voller Erfolg des EDM wäre da natürlich erfreulich gewesen – „ich glaube aber, dass wir alles zusammen haben, um die Mission im Jahr 2020 zu einem Erfolg zu führen.“ Schriftliches zu den neuen Erkenntnissen gibt es von der ESA auch am Abend noch nicht, nicht mal einen Pieps (also Tweet) – derweil Beschreibungen der normalen Funktion des Radar-Altimeters in diesem Paper und diesem Artikel (im Kapitel „Guidance, Navigation & Control“) und von seinen Tests in diesem Paper und dieser ESA-Notiz. Sowie Artikel ohne die Aufklärung hier, hier, hier, hier, hier und hier nebst einem 8-Minuten-TV-Bericht – und ein weiterer Cartoon, der’s nicht ganz traf … [23:15 MESZ – Ende]

cyg1

cyg2

cyg3

Ankunft des 7. Cygnus an der ISS gestern: eine NASA-Blog-Notiz, mehr Bilder (Obacht, es sind auch falsche im Umlauf, die ein frühere Cygnus-Ankunft im alten Design zeigen und selbst von der NASA verbreitet wurden) und Artikel hier, hier und hier – derweil hat Tiangong 2 einen Mini-Satelliten ausgesetzt, der die Station von außen aufnehmen soll, und Chang’e-5 ist im Plan für eine Sample-Return-Mission vom Mond 2017. [0:55 MESZ] Ein Bild des besagten Satelliten von Tiangong & Shenzhou plus ein weiterer Artikel zum Cygnus. [6:25 MESZ] Ein NASA Release dazu und ein weiteres Bild des Mini-Satelliten, der von Tiangong ausgesetzt worden war. [22:50 MESZ]


23. Oktober

Ein nettes Kurz-Video über den Meteoriten-Schauer von Sikhote-Alin in der Sowjetunion 1947 aus einer neuen wöchentlichen Web-TV-Serie – auch die Venus im Anflug auf Antares – und ein schlecht gefälschtes Feuerkugel-Video (mit dem angeblichen Boliden vor den Wolken), auf das viele reinfielen (dieser Blogger nicht …) und das die ‚Werbeaktion‘ eines „Künstlers“ ohne Skrupel war – pfui! [23:55 MESZ]


22. Oktober

ms02

Die Ankunft von Soyuz MS-02 an der ISS gestern mit drei Passagieren: Berichte hier, hier und hier im NASA-Blog, viele Screenshots, Videos vom Anflug und Einsteigen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Derweil bloggt(!) die Crew von Tiangong 2: Postings eins und zwei – auch ein unkommentierter Video-Clip und eine Amateur-Aufnahme von Station & Shenzhou.

In diesem Wochenvideo der NASA (das mit der Soyuz-Ankunft beginnt) werden auch die Probleme mit Juno diskutiert und der Safe Mode erklärt – auch Planeten-Entdeckungen um kühle Zwerge durch Kepler K2 und kleine Satelliten als Thema des Weißen Hauses und der NASA: ein WH-Blog-Report und Artikel hier, hier und hier. [3:05 MESZ]


21. Oktober

mro_image_of_schiaparelli_after

So endete Schiaparelli – nach Versagen des Bordcomputers?

Die Context-Kamera des Mars Reconnaissance Orbiters hat die Absturzstelle des ESA-Landedemonstrators gestern zufällig aufgenommen und dort – mit 6 m Auflösung – einen 15 x 40 m großen dunklen Fleck nahe der Mitte der Landeellipse sowie 1 km südlich einen hellen Punkt entdeckt: mutmaßlich die Explosionsspuren des EDM und sein vorher abgeworfener Fallschirm. Unabhängig von dieser Sichtung (der bald hochauflösende HiRISE-Bilder folgen sollen) formt sich bereits ein immer deutlicheres Bild der Ereigniskette, das dieser Artikel dieses Bloggers zusammen fasst: Es sieht danach aus, dass der Bordcomputer einen ungebremsten Absturz – aus 2 bis 4 km Höhe, mit zum Schluss über 300 km/h – auslöste, nachdem er Daten über den Zustand des Landers falsch interpretierte. Durch Simulationen am Boden sollte sich bald Klarheit schaffen lassen: frühere Press Releases von Thales, BDLI und INAF, ein Blog-Artikel des ESA-Chefs, der einen bislang 96%igen Erfolg von ExoMars 2016 ausrechnet, Interviews mit Ferri und Accomazzo, die das Bild abrunden, eine Sammlung von Erkenntnissen und Gerüchten und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und: Die erste Bahn des TGO ist perfekt, mit 4.2 Tagen Periode und 101’000 x 3691 km. [20:40 MESZ] Ein JPL Release, die ESA-PM auf Deutsch, die Nähe der Impaktstelle zum Ort von Opportunity, weitere Artikel hier (auch tiefe Gedanken zu den Folgen), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und subtile Scherze eines schrägen DLR-Feeds. [21:35 MESZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: eine mögliche Sichtung auch des Hitzeschilds auf dem CTX-Bild, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (mit heutigem ESA-Statement in Video) und ein Video-Report]

cerillen

Erstaunliche Rillen auf dem Zwergplaneten Ceres auf einer Dawn-Aufnahme vom Juni aus 385 km Höhe – die Folge einer Expansion vor einer Weile (es gibt sowohl ältere als auch jüngere Krater)? Auch die Veröffentlichung der letzten NavCam-Bilder Rosettas, ein Citizen-Science-Projekt zur Suche nach ‚Spiders‘ auf dem Mars – und was Indiens neuer Satellit INSAT-3DR für die Wetterüberwachung bringt. [1:30 MESZ]


20. Oktober

io-kacheln

Drei Jahre, 100 Nächte, 50 verschiedene Vulkane auf Io

In einem außergewöhnlich umfangreichen Beobachtungsprogramm überwachen Astronomen mit 8-bis-10-Meter-Teleskopen den Vulkanismus auf dem Jupitermond Io (hier eine kleine Auswahl verschiedener Daten und IR-Wellenlängen): Von 2013 bis 2015 – und das Programm geht noch weiter – sind so 100 Beobachtungsnächte zusammen gekommen, in denen 50 verschiedene Aktivitätsgebiete verfolgt werden können. Die Vulkane werden stärker und schwächer, gehören zu verschiedenen Typen, und manchmal „wandern“ sie scheinbar langsam in einer Richtung über die Mondoberfläche, wurde heute auf der letzten DPS-Pressekonferenz berichtet (mehr, mehr und mehr): Vielleicht triggert ein Vulkan den nächsten. Und auch innerhalb größerer Vulkangebiete wie Loki Patera wandert das Maximum der Aktivität auf wundersame Weise herum. Anderen Themen waren starke saisonale Veränderungen in der Atmosphäre des Saturnmonds Titan (Slides hier, hier, hier, hier und hier), das bereits laufende letzte Jahr Cassinis (Slides hier, hier und hier) und IR-Beobachtungen am „Metall-Asteroiden“ Psyche: ein Press Release, ein Artikel und Slides hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ]

irtf

Zwei große weiße Wolken im North Temperate Belt Jupiters sind kürzlich ausgebrochen und sollen beobachtet werden, denn solch eine North Temperate Belt Disturbance (NTBD) gilt als „very important event in the planet“ – diese Bilder entstanden gestern mit der 3-Meter-IRTF auf dem Mauna Kea im Infraroten. Auch Labor-Experimente zu Coronal Mass Ejections, kuriose Wellen in Sonnenflecken, eine Karte besonders gefährdeter Gebiete in den USA, ein chinesisches Meteoriten-Streufeld, der Riesen-Meteorit aus Argentinien ausgestellt (früher, mehr, mehr, mehr und mehr), der 2. Dark Sky Park der NL, ein US-Instrument für Mexikos großes Radioteleskop LMT (mehr und mehr) – und die Suche nach neuen Standorten für das TMT, das sich zugleich verspätet. [21:00 MESZ]

edm

Schiaparelli: Anomalie am Ende der Fallschirm-Phase

Die Telemetrie des ExoMars-EDM, die der -TGO empfangen hat, zeigt nach der ersten Analyse ein völlig nominales Bild des Atmosphären-Eintritts bis zum Abwurf der Backshell mit dem Fallschirm (der eigentlich schwierigste Teil von Entry, Descent & Landing, der enorme Abbau von Geschwindigkeit, hatte also funktioniert, insbesondere der Hitzeschild und der Fallschirm), doch ab dann stimmen die Daten von Schiaparelli nicht mehr mit den Erwartungen überein. Die Landetriebwerke haben noch 3 bis 4 Sekunden gebrannt, und das Boden-Radar war aktiv, aber etwa 50 Sekunden vor dem erwarteten Landezeitpunkt riss der Funkkontakt ab – und bei inzwischen zwei Überflügen hat der Mars Reconnaissance Orbiter nichts von Schiaparelli gehört, dessen Zustand mithin völlig unklar ist. Die meisten dieser Details musste die Presse am ESOC den Verantwortlichen regelrecht aus der Nase ziehen, die zunächst kaum mehr Schlüsse aus der Telemetrie ziehen wollten als was man schon gestern ohnehin schon aus dem Verhalten des reinen Trägers gelernt hatte.

Technisch gesehen ist das Experiment EDM eigentlich schon fast vorüber (und insbesondere die Atmosphärenforscher dürften aus der Abbremsphase manches Nützliche gelernt haben), und die Restlebensdauer beträgt nur noch ein paar Tage. In denen werden weiter Orbiter (der TGO kann da nicht mitmachen) nach dem EDM lauschen und auch noch einmal das indische Radioteleskop, aber blinde Kommandos zu schicken macht nur wenig Sinn. Die EDM-Telemetrie wird derweil weiter analysiert, um ein Gesamtbild des Abstiegs, bei dem alle Sensoren planmäßig arbeiteten, und dann der Anomalie am Schluss zu gewinnen, aber das kann Wochen dauern. Über politische Folgen des nur teilweisen Erfolgs der Landedemonstration für die Realisierung des immer noch unterfinanzierten ExoMars 2020 mit seinem Marsrover wollte sich auf dem Panel niemand konkret äußern, aber immerhin konnte versprochen werden, dass der TGO – mit dem es rein gar keine Probleme gibt – planmäßig als Funkrelais zur Verfügung stehen wird. [10:50 MESZ]

In einem keine halbe Stunde nach der PK herausgegeben ESA Press Release wird das Szenario der Anomalie plötzlich viel deutlicher als auf der Bühne vorgetragen worden war: Danach sieht es ganz so aus, als hätten sich Backshell und Fallschirm früher als geplant abgetrennt, die Triebwerke brannten zwar aber schalteten sich zu früh selbst ab (davon war auf der PK definitiv nicht die Rede gewesen, wo nur die Brenndauer genannt worden war), und es kam in der Folge zu einer Bruchlandung. Auch die offensichtliche Zerstörung des EDM – in welcher Höhe der offensichtliche freie Fall begann, ist noch unklar – war so deutlich nicht benannt worden, im Gegenteil … [11:15 MESZ] Eine weitere Schlüsselinformation wurde nur so am Rande gegeben: Der Funk riss erst 19 Sekunden(!) nach dem verfrühten Abschalten der Düsen ab. Ein paar Post-PK-Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [12:25 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [13:05 MESZ] Der ESA Release auf Deutsch, das detaillierteste Szenario, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein EuroPlanet Hangout, ein Newsclip und Cartoons hier, hier und hier. [20:45 MESZ]

Live-Blog zum Super-Weltraum-Tag 19. 10. 2016

19. Oktober 2016

juno

Der Jupiter in Schalen zerlegt mit dem Microwave Radiometer von Juno, das beim ersten Apojovium Ende August bis zu 400 km tief unter seine sichtbaren Wolken schauen konnte: Der Muster aus Bändern und Zonen setzt sich in die Tiefe fort, was bislang nicht sicher war. Dummerweise ist Juno letzte Nacht in einen Safe Mode geraten, so dass während des zweiten Apojoviums heute keinerlei Wissenschaft stattfand. Die Ursache des Safe Modes ist noch unklar – und das Ventilproblem des Motors bleibt auch noch zu lösen. Sollte das nicht gelingen, kann Juno auf dem 53-Tages-Orbit bleiben, hieß es gerade auf einer gemeinsamen DPS/NASA-PK: Die wissenschaftlichen Möglichkeiten sind dieselben wie beim eigentlich gewünschten 14-Tages-Orbit, nur kommen sie halt viel seltener – und mehr als 20 lange Umläufe sind wohl nicht drin. [23:50 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Ende des nächsten Winters ist der „Planet Neun“ gefunden!

Diese kühne Aussage wagte Michael Brown heute auf einer DPS-Pressekonferenz, basierend u.a. auf diesem Paper über ’seine‘ Rolle bei der Neigung der Sonnenachse gegenüber der Ebene der Planeten (Artikel hier und hier, Papers anderer Autoren hier und hier und frühere Artikel hier und hier): Das Suchgebiet habe sich gegenüber seinen früheren Arbeiten auf „nur“ noch 400 Quadratgrad halbiert, und da seines Wissens bereits mindestens acht Gruppen auf der teleskopischen Jagd seien, könne sich der postulierte Störkörper nicht mehr lange verstecken. Ebenfalls auf der PK argumentierte Renu Malhotra auf der Basis dieses Papers für bevorzugte Suchzonen. Weitere DPS-Fundstücke sind ein weiteres Objekt auf einer weiten Ellipsenbahn jenseits des Kuiper-Gürtels, ein Mond des großen KBOs 2007 OR10 („1500 km Durchmesser …“), Quantitatives zum Atmosphären-Verlust des Mars aufgrund von Beobachtungen von MAVEN – und Indizien für aktiven Venus-Vulkanismus (mehr und mehr). [23:40 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier zu ‚Planet 9‘ und zum 3. DPS-Tag allgemein]

da

Der TGO ist wieder da – und wohl im korrekten Mars-Orbit!

Plötzlich war das starke Signal da, auf dem Spectrum Analyzer im ESOC, und auch Telemetrie beginnt zu fließen: Der Trace Gas Orbiter ist in einem Marsorbit angekommen, und da das Timing stimmte, dürfte es auch ziemlich der richtige sein. Gegen 20:30 MESZ soll es Details geben – dito zum weiter unklaren Status des EDM. [18:40 MESZ] Über den vielleicht zuerst der MRO Auskunft geben kann, der ebenfalls lauschte. Die TGO-Telemetrie bestätigt derweil, dass der Insertion Burn des Orbiters genau nach Plan verlaufen ist. [18:45 MESZ] Und der AOS des Trägers wurde auch mit der Schüssel des IUZ in Bochum und von anderen Amateurfunkern verfolgt. Sowie im Festsaal des ESOC [NACHTRAG: anderer Winkel]: Hier die Aufzeichung der Übertragung von dort. [19:00 MESZ] Der Status von Schiaparelli bleibt ungewiss, denn denn Aufzeichung des Trägers durch den Mars Express war „inconclusive“, was immer das bedeutet. Nächste Chance: der Versuch einer Kontaktaufnahme durch den MRO, von dem man – gemäß den Updates – gegen 20:00 MESZ hören sollte. [19:20 MESZ] Derweil wird intensiv mit dem TGO gearbeitet – Europas zweitem Mars-Orbiter. [19:35 MESZ]

Man hört, dass das GMRT wie der Mars Express Schiaparellis Signal eine Minute vor der Landung verloren – wenn der MRO nichts gehört haben sollte, wäre das sehr bedenklich. [19:55 MESZ] Offenbar erfolgte der Kontakt-Abriss nach Lösen der Backshell: Dass die Triebwerke des EDM gezündet hätten, war aus dem Carrier nicht mehr erkennbar. [20:10 MESZ] Der TGO ist „nominal“ und in einem 4-Tages-Orbit, heißt es gerade im wieder begonnenen Webcast. [20:30 MESZ] Und der TGO hat ~20 MB Daten des EDM aufgezeichnet, die in der Nacht kommen: Daraus wird man – noch vor der PK morgen um 10:00 MESZ, hofft man – lernen, was passiert ist. Außer dass es der EDM durch den Großteil des Atmosphären-Abstiegs geschafft hat, das Signal aber – gleichzeitig für den MEX und das GMRT – noch vor der Landung verschwand, gibt’s keine Aussagen. [20:35 MESZ] Und dieser ESOC-Tweet klingt nicht, als würde es vor der PK Bekanntmachungen geben. [20:45 MESZ] Ein ESA Press Release ohne nennenswerte neue Erkenntnisse. [21:25 MESZ] Ein zusammenfassender Artikel dieses Bloggers. [22:00 MESZ] Und mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: der ESA PR auf Deutsch, Opportunity sah leider nichts am Marshimmel, und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Es bleibt zunächst unklar, ob die EDM-Landung geglückt ist

Nach Plan sollte der Sender Schiaparellis schweigen, aber das GMRT hat von der Landung bis zum Schluss nichts mehr empfangen. Nun wird auf die Übertragung der Aufzeichnung vom Mars Express gewartet. [17:15 MESZ] Bis die ausgewertet ist, dürfte es aber noch anderthalb Stunden dauern! [17:20 MESZ] Ein Statement von Accomazzo: Die ganze GMRT-Geschichte war ein Experiment, also keine voreiligen Schlüsse ziehen. Und vielleicht finden die Radioastronomen ja noch was in ihren eigenen Aufzeichnungen. Derweil ist der TGO hinter dem Mars verschwunden, auch dessen Bremsmanöver können wir also nicht weiter live verfolgen … [17:25 MESZ] … das inzwischen beendet sein sollte; erst in einer Stunde taucht der TGO wieder auf. Derweil wird auf den Mars Express gewartet, der zwar – wie die Inder – nur den Funkträger aufzeichnete, aber aus der Nähe viel klarer: Ob es was nach der Landung gab, sollte deutlich werden. [17:35 MESZ] Ein kurzer Artikel dazu – und wieder Webcast, jetzt wohl organisierter … [17:45 MESZ] … aber nicht unbedingt erhellender: Mal wieder nur via Twitter die Kunde, dass die Übertragung vom Mars Express jetzt läuft. [17:50 MESZ] Die Menge der Daten vom EDM entspricht den Erwartungen, aber die Entschlüsslung dauert. Derweil heißt es im Webcast, dass der TGO bis zum LOS hinter’m Mars einwandfrei gebremst hat und sich in einem Marsorbit befinden muss. Auch ein Statement von Accomazzo und ein Artikel zur EDM-Situation [18:00 MESZ]

esoc

Die Flug-Dynamiker des ESOC bei der Überwachung des TGO-Carriers wärend der laufenden Mars Orbit Insertion: Das Triebwerk schaltet sich selbst ab, wenn genug gebremst ist, daher macht seine geringe Overperformance nichts. Derweil ist das EDM bereits in der Mars-Atmosphäre, aber es dauert halt 9:47 bis zur Erde … [16:50 MESZ] Das GMRT konnte zumindest wichtige Teile des Abstiegs Schiaparellis durch die Atmosphäre verfolgen, wie einer Flut von Tweets aus dem ESOC zu entnehmen ist – aber von einer gelungenen Landung hört man noch nichts. Das Signal war nach dem Plasma-Blackout planmäßig zurück gekehrt, danach gab es noch Anzeichen für das Auslösen des Fallschirms. [17:00 MESZ] Der BBC-Weltraumexperte macht sich Sorgen: Bis kurz vor dem Boden hörte das GMRT was, dann aber nix mehr. Aber viele sagen auch: Warten wir die Aufzeichnung durch den TGO ab – und den Mitschnritt vom Mars Express, der bald gesendet wird. [17:10 MESZ]

Die Mars Orbit Insertion des ExoMars TGO hat begonnen!

Soeben ist die Bestätigung gekommen und auch im – noch reichlich chaotischen – ESA-Webcast verkündet worden: Die Doppler-Verschiebung des Funkträgers des Trace Gas Orbiters verrät, dass sein Triebwerk mit dem ca. 139 Minuten langen Brems-Burn begonnen hat! DerTGO agiert seit gestern autark und der abgetrennte Landedemonstrator schläft noch. Der zweite Höhepunkt des gemeinsamen Mars-Programms von ESA und Roskomos nach dem Start des Trace Gas Orbiters nebst Landetester im März erreicht nun also nach langer und turbulenter Vorgeschichte seinen nächsten Höhepunkt: Updates der ESA (wobei der Twitter-Kanal des ESOC noch schneller ist), unabhängige Live-Blogs auch hier, hier und hier, das ESA-Blog zur Funk-Verfolgung des Landers, Press Releases von CNRS und BDLI, eine Animation aller Landestellen auf dem Mars, was die Mini-Kamera auf dem ExoMars gerade sieht, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, und hier (mehr und mehr), die Ankündigung eines Webinars zu ExoMars morgen – und vom anderen Mars-Programm was die beiden NASA-Mars-Rover zur Zeit so treiben und die Story hinter Mars Odyssey. [15:20 MESZ] Die indischen Teleskope sind auf den Mars ausgerichtet und warten auf Schiaparelli, der gerade aufgewacht sein sollte – bisher noch kein Signal nachgewiesen, heißt es im Webcast. [15:40 MESZ] Yay, das GMRT hört ein schwaches Signal vom EDM: Schiaparelli ist aufgewacht! [15:45 MESZ] Im Webcast ist zu hören, dass der Insertion-Burn bestens voran kommt und das Triebwerk sogar etwas kräftiger als erwartet arbeitet. [15:50 MESZ]

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das indische Radioteleskop empfängt Schiaparelli „strong and clear“: Die Kollaboration zeichnet sich aus. [16:05 MESZ] Das GMRT sieht weiter ein gutes Signal vom EDM. Mittlerweise gibt es hier eine Aufzeichung des erratischen ESA-Webcasts der vergangenen Stunde zu sehen. [16:20 MESZ] Das ist das Signal vom EDM, wie es in Indien empfangen wird! Auch der TGO sollte inzwischen den kompletten Funk Schiaparellis aufzeichnen, aber das wird erst morgen übertragen, weshalb es heute auch keine Bilder der Abstiegskamera DECA geben kann. [16:25 MESZ] Eine improvisierte PK von Paolo Ferri, ohne zusätzliche Infos. In 2 Minuten beginnt der Entry des EDM am Mars; zur Erde brauchen alle Signale bekanntlich knapp 10 Minuten. [16:40 MESZ] Das Triebwerk des TGO arbeitet 1.6% zu stark, aber das macht nichts. [16:45 MESZ]

Expedition 49 Launch

Acht Raumfahrer sind jetzt im Low Earth Orbit, nachdem der Start von Soyuz MS-02 mit drei weiteren heute Vormittag gelungen ist: in diesem NASA-Album jede Menge Bilder mehr von der Expedition 49. [14:55 MESZ. NACHTRÄGE: ein cooles Bild vom Abheben und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]

tia1

tia2

tia3

tia4

tia5

Alle Mann an Bord: Chinas neue Raumstation nun bewohnt

In der vergangenen Stunde sind die beiden Yuhangyuan aus Shenzhou 11 nach gaaanz vorsichtigem Öffnen von drei Türen in die neue Raumstation geschwebt (die Bilder übrigens aus einer seit Stunden und immer noch laufenden Sondersendung im englischen Dienst des chinesischen Staats-TV) – und das ist erst der Anfang eines langen Weltraum-Tages: Um 10:05 MESZ soll per Soyuz eine Dreier-Besatzung zur anderen Raumstation starten, am Nachmittag erreichen die beiden ExoMars-2016-Teile den Mars und sollen in den Orbit eintreten bzw. landen – und um 22:00 MESZ gibt es eine NASA-Pressekonferenz zur Juno-Mission am Jupiter mit Ergebnissen und Problemen. [1:00 MESZ] Ein Zusammenschnitt der CCTV-Übertragung, Artikel hier, hier und hier zur Tiangong-Besiedlung und zum Soyuz-Start. [3:25 MESZ]

Live-Blog zu TGO, Antares, DPS & Shenzhou u.a.

14. Oktober 2016

18. Oktober

sw-dps01

sw-dps02

sw-dps09

Das alte und das neue Ziel von New Horizons waren die Themen der heutigen Pressekonferenz auf der DPS-Tagung: oben eine Albedo-Karte Plutos, die extreme Unterschiede zeigt, welche – Grafik Mitte – den Albedo-Bereich des ganzen Sonnensystems überspannt. Es gibt dort auch Andeutungen niedriger isolierter Wolken, deren Realität aber weiter nicht bewiesen ist – und keine Erdrutsche, die aber auf Charon gesichtet wurden (auch eine Animation des 3D-Geländemodells, die ersten im Kuiper-Gürtel. Den erforscht New Horizons um den Jahreswechsel 2018/19 weiter: Wie Zweifarb-Fotometrie mit Hubble zeigt, ist das 2. Ziel 2014 MU69 ziemlich rötlich und gehört damit zum ‚klassischen kalten‘ Gürtel. Und wie mag seine Oberfläche aussehen? Das Panel hat keinen Schimmer, aber es wurde darauf verwiesen, dass der Saturnmond Phoebe vermutlich auch aus dem Kuipergütel stammt: MU69 liegt in der Größe zwischen ihm und Komet C-G und könnte ein Mittelding sein – aber sicher nicht mit Oberflächenprozessen wie bei den viel größeren Körpern Charon und Pluto. Auch Papers zu Plutos Dunst und ALMA-Beobachtungen seiner Atmosphäre. [23:40 MESZ – Ende]

Antares Rocket Prelaunch

Heute Nacht der „Return to Flight“ der Antares-Rakete?

Hier steht sie gestern auf der Wallops Flight Facility in Virginia (ein Luftbild; auch eine Aufnahme am Morgen und ein Zeitraffer mit ‚Supermond‘ vom Abend davor), und alles ist bestens für einen Start um 1:40 MESZ mit einem neuen Triebwerk und jeder Menge Nutzlast für die ISS: der detaillierte Zeitplan (mehr) und ein detaillierter Artikel – auch das Rätseln um den Falcon-Unfall und wozu Deutschlands Radarsatelliten gut sind. [0:20 MESZ] Der Webcast hat begonnen; auf Wallops ist es bereits dunkel geworden. [0:50 MESZ] Alles o.k., aber man nimmt das Ende des Startfensters: 1:45:36 MESZ. [1:40 MESZ]

anta

Und die Antares ist unterwegs – ein ordentliches TV-Bild vom Abheben gab es nicht, daher hier eine späte Phase des Brennens der ersten Stufe; gerade hat die zweite übernommen. [1:50 MESZ] Auch die zweite Stufe hat gut gearbeitet – und der Cygnus ist ausgesetzt worden! Noch mehr Bilder hier, hier und hier vom Beginn des Fluges. [1:55 MESZ] Das chaotisches Start-Video, der Start aus DC, noch mehr Bilder und Artikel hier und hier. [2:05 MESZ]

Antares Rocket Launch

Foto ist auch schwierig … aus dem NASA-Album zur Mission, verarbeitet. Auch das NASA-Blog und ein weiterer Artikel zum Start. [2:15 MESZ] Eine Langzeit-Belichtung, ein anderes Start-Foto, der Start ordentlich gefilmt, noch eine Perspektive und ein weiterer Artikel. [2:40 MESZ] Eine Langzeit-Aufnahme mit Sternen, Bilder von ferne und weitere Artikel hier, hier und hier. [2:55 MESZ] Weitere Strichspur-Aufnahmen hier, hier, hier, hier und hier, eine längere Aufzeichnung des Webcasts, ein Roskosmos Release und weitere Artikel hier, hier und hier. [10:30 MESZ] Noch eine schöne Strichspur und mehr Visuals vom Start hier, hier und hier, Press Releases von NASA und Orbital, eine PK danach und weitere Artikel hier und hier. Und Shenzhou 11 hat Tiangong 2 erreicht: Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [23:15 MESZ]


17. Oktober

dps03sw

dps04sw

dps05sw

Prozesse auf der Oberfläche des Kerns von Rosetta-Komet C-G – oben eine OSIRIS-Nahaufnahme von diesem Jahr – auf der ersten Pressekonferenz der 48. DPS-Konferenz (per Webcast aus Pasadena verfolgt) diskutiert: in der Mitte das Stressmuster (geplottet eine skalare Größe für die Zerrkräfte), das sich tatsächlich durch wachsende oder neue Bruchzonen bemerkbar macht, unten ein Modell für die kurzlebigen hellen Jets des Kometen („Neben regelmäßig wiederkehrenden …“) mit Lawinen als Schlüsselmechanismus. Auch auf der PK präsentiert: die orbitale Vergangenheit von C-G weit in die Vergangenheit gerechnet, als er viel sonnenferner war.

dps99sw

xdpsx

dps5sw

Ebenfalls von der PK: So sieht der Imaging UltraViolet Spectrograph MAVENs den Mars – oben Wolken aus Wassereis über den Tharsis-Vulkanen, die im Laufe des Tages rapide zunehmen, in der Mitte Beobachtungen an Ozon, und unten die schwache Emission von NO auf der Nachtseite des Planeten, aus deren Muster sich auf atmosphärische Strömungen schließen lässt. [23:45 MESZ. NACHTRÄGE: ein Bericht über den ersten Konferenztag und die PK, deren Aufzeichnung hier zu finden ist, sowie ein Artikel zu C-G und ein weiterer Press Release zu MAVEN]

ExoMars-2016-Landetester und -Orbiter jetzt auf Kurs

Wie diesem Tweet und den laufenden Updates zu entnehmen ist, hat heute Morgen auch die letzte kleine Kurskorrektur des TGO geklappt, der jetzt nicht mehr wie Schiaparelli direkt auf den Mars zielt. Letzterem geht es gut, nach der überraschend unruhigen Abkopplung: auch eine neue Visualisierung seines Abstiegs in Echtzeit und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Sowie ein detaillierter Ausblick auf die Orbit Insertion in zwei Tagen und Vorschauen und Interviews hier, hier, hier, hier und hier – und eins zu Hitomi und dem Verlust von Japans Röntgensatellit.

launch

Planmäßig ist heute früh auch Shenzhou-11 gestartet, hier ein Screenshot aus den Launch-Replays in der technisch exzellenten Live-Sendung: weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Videos hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier und hier sowie Video-Highlights] – und der nächste Soyuz-Start zur ISS steht übermorgen bevor, während die NASA weiter keine neuen zu buchen gedenkt. [13:45 MESZ]


16. Oktober

Antares Rocket Prelaunch

Schiaparelli weg / Juno in Schwierigkeiten / Churyumov tot / Shenzhou startet heute Nacht / Antares aber erst später

In Kürze: Der Lande-Demonstrator von ExoMars hat sich heute pünktlich vom Trace Gas Orbiter getrennt, aber die erlösende Kunde darüber vom TGO kam erst deutlich verspätet – Updates der ESA und der weitere Zeitplan mit einer Bahnanhebung des TGO am 17.10. um 4:42 MESZ, damit er dem EDM nicht in die Mars-Atmosphäre folgt. Der Jupiter-Orbiter Juno kann seine Bahn zunächst nicht enger machen, weil es Sorgen um sein Triebwerk gibt, bei dem ein Ventil zu langsam reagiert – das Manöver ist frühestens am 11. Dezember möglich, dafür wird im Apojovium am 19. Oktober nun mehr Wissenschaft als eigentlich geplant betrieben. Der Co-Entdecker von Rosettas Komet Klim Churyumov starb unerwartet mit 79: Nachrufe von Roskosmos und ESA und weitere Artikel hier, hier und hier sowie Interviews zur Mission hier und hier. Der Start zweier Yuhangyuan mit Shenzhou 11 zu Tiangong 2 bleibt für den 17. Oktober um 1:30 MESZ geplant und soll live übertragen werden. Hingegen ist der Cygnus-Start auf der Antares – Bild: heute bei Sonnenaufgang – wegen eines Kabelproblems am Boden auf den 18. Oktober um 1:40 MESZ verschoben worden, sonst ist alles bestens. [23:45 MESZ]


14. Oktober

Letzte Bahnkorrektur des ExoMars TGO o.k. – noch 5 Tage

bis zur Ankunft des Trace Gas Orbiter (auch ein neues Press Kit) und Landung des Technologie-Demonstrators Schiaparelli am 19. Oktober, der sich am 16. vom Orbiter lösen muss: Hier gibt es Updates der ESA zum Verlauf der kritischen Manöver, dessen erstes heute früh problemlos verlaufen ist. Dazu die diversen Phasen der Mission (auch frühere Details dazu), der Kommunikations-Plan (auch auf Deutsch und die Webcasts dazu am 16., 19. und 20.10.), die Vorbereitungen Schiaparellis (auch das Absenden der Kommando-Sequenz und die Staubsturm-Gefahr) und was dessen Kamera liefern soll (deren technische Daten, eine irdische Testaufnahme und was eine identische Kamera sah, die das Aussetzen von Planck Herschel überwachte), Pressemitteilungen auf Deutsch hier, hier und hier, eine Test-Aufnahme des Rovers Opportunity, der vielleicht Schiaparelli sichten kann, die Homepage der Kamera des Orbiters, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und weitere Video-Clips hier, hier und hier.

Antares Rocket Raising

Die erste Antares-Rakete seit dem Start-Unfall vor zwei Jahren ist auf die Rampe in Wallops gefahren worden (mehr Bilder hier, hier und hier [NACHTRAG: und das Aufrichten der Antares im Zeitraffer]) und hat grünes Licht für den Start des nächsten Cygnus in der Nacht 16./17. Oktober: frühere Updates hier, hier und hier und ein CubeSat an Bord des Cygnus für die ISS.

reentry

Auf der ISS hat sich derweil Progress MS-02 verabschiedet, dessen Verglühen von Bord aus fotografiert werden konnte; auch neue Technologie für die Datenübertragung ISS – Erde, Chinas Pläne mit seinen Raumstationen und vielleicht schon 2017 der erste Blue-Origin-Flug mit Passagieren in der Kapsel. Sowie Untersuchungen an Asteroiden, die für die ARM geeignet wären, verschüttete Gletscher auf dem Mars, die Krater-Geschichte von Phobos – und indische Visionen eines Teleskops auf dem Mond, den auch China fest im Blick hat. [23:45 MESZ. NACHTRAG: mehr und mehr zum Teleskop]

Allgemeines Live-Blog vom 8.-12. Oktober 2016

8. Oktober 2016

12. Oktober

Heute vor 20 Jahren erregte eine Sonnenfinsternis Europa

drei Jahre vor der totalen von 1999 – der Zuspruch für die moderat tief partielle Finsternis bei öffentlichen Beobachtungen (leider keine deutschen Videos gefunden) ließ erahnen, was dann passieren würde: eine Übersicht und viele Links, Bilder hier und hier und ein Bericht sowie ein üppig bebildertes Paper über SoFis in der Kunst und SoFi-bezogener Aberglaube bei Eintracht Frankfurt. Auch die Sonne heute, gestern (mehr) und vorgestern (mehr), die Supernova 2016gkg in NGC 613, ein großer SN-Katalog, die Konjunktion von Jupiter & Merkur gestern (mehr, mehr, mehr und mehr), die Oktober-Camelopardaliden in Radio-Echos [NACHTRAG: auch optische Beobachtungen hier und hier], Pläne für einen weiteren Dark Sky Place in Deutschland östlich von Schwerin – und weiter energische Suche für gastfreundliche Standorte für das TMT angesichts des Hasses gewisser Kreise auf Hawaii. [23:45 MESZ – Ende]

Bisher nicht gezeigte HD-Videos aus dem Mondorbit von Kaguya wie dieses mit Lensflares und Erdaufgang sind überraschend von der JAXA veröffentlicht worden: Artikel hier, hier, hier und hier. Auch mehr Wissenschaft mit Hayabusa (1), die nächste Reise von Oppy und die neuartige Lande-Navigation des NASA-Rovers 2020 auf dem Mars, das kuriose „Project Blue“ eines privaten Alpha-Centauri-Anstarr-Satelliten und ein chinesischer Satellit mit Pulsar-Nutzung für die Lageregelung. Plus gestern überraschende Erklärungen von Obama sowie gemeinsam von seinem Wissenschafts-Berater & dem NASA-Chef zu Mars-Visionen der bemannten Raumfahrt (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier diskutiert), mögliche private USS-Module, eine weitere Verschiebung des Antares-Starts mit dem Cygnus, diesmal wegen Hurrikan Nicole (mehr und mehr) und eine Verspätung des CST-100 Starliner von Boeing mit dem Erstflug frühestens Ende 2018.

So ist es dem Kennedy Space Center beim Hurrikan Matthew ergangen: die Aufzeichnung einer Pressekonferenz von gestern und Erläuterungen dazu: „signifikant damage“ außen an etlichen Gebäuden, aber es hätte viel schlimmer kommen können. Das KSC ist inzwischen wieder offenen und in Betrieb: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:15 MESZ]

91 au: Der derzeit zweit-erdfernste bekannte Transneptun

(oder drittfernste, wenn man den Kandidaten V774104 [Links mitten im ersten Item] ernst nimmt) ist 2014-2016 mit dem 4-m-Teleskop auf dem Cerro Tololo in Chile entdeckt und verfolgt worden, 2014 UZ224 mit einer großen Halbachse von 109 au und einer Umlaufszeit von 1140 Jahren. Außer dass ‚hinter‘ ihm nur noch Eris mit einer sicheren Distanz von z.Z. 95 au bekannt ist, zeichnet sich die nun gesicherte Bahn des Scattered Disk Objects – auch Artikel hier, hier und hier – mit einem Perihel von 38 und einem Aphel von 180 au allerdings durch nichts Besonderes aus, wie sich durch Sortieren dieser TNO-Tabelle (Reiter anklicken) ergibt. Wobei seine absolute Helligkeit von +3.5 einem Durchmesser von etwa 800 km entsprechen mag: ein weiterer von zahlreichen Kandidaten für einen Zwergplaneten im Kuiper-Gürtel und dahinter. Auch die beginnende Untersuchung der neuen Bohrkerne des Chicxulub-Kraters in Mexiko, 100 Jahre Gründung des Steward Observatory in Arizona, ein prominenenter Planetenforscher (Rich Terrile) als Befürworter der wir-leben-in-einer-Simulation-Hypothese, über die sich füglich streiten lässt (mehr), ein kurioses Paper mit angeblichen SETI-Signaturen, die aber nach Ansicht von SETI-Experten hier und hier reichlich fragwürdig sind und auf SETI-Interessanz-Skalen nur sehr geringe Werte erzielen (mehr, mehr und mehr) – und passend zu den letzten beiden Themen eine bizarr veränderte Version des „Rogue One“-Trailers … [2:55 MESZ]


10. Oktober
(der 20. Geburtstag meines ersten Astro-Blogs – runter scrollen)

marsturm

Ein Turm auf dem Mars im Krater Eberswalde, den Wind-Erosion von Sedimenten geschaffen hat, auf einem HiRISE-Bild – auch ein stark verarbeitetes Bild von Indiens Mars Orbiter Mission und die unklare Zukunft des NASA-Mars-Programms nach dem 2020-er Rover. Plus eine 24-Stunden-Verschiebung des Antares-Starts mit dem Cygnus, die mühsame Untersuchung des Falcon-Unfalls – und hier und hier bizarre und jetzt geleakte E-Mails des Apollo-Astronauten E. Mitchell an John Podesta als Obama-Berater bzw. Clintons Wahlkampfleiter: Mitchell glaubte wirklich, dass Aliens vor der Tür stehen, um die Menschheit mit freier Energie zu beschenken, wenn wir brav sind … [21:45 MESZ. NACHTRÄGE: mehr und noch viel mehr zu dem Unfug]


9. Oktober

Nächtliche Video-Aufnahmen von einer Startparty mit 400’000 ISO, wobei die Kamera bis 4 Mio. ISO kann – und über 20’000 Euro kostet. Auch ein Zeitraffer-Video von einem Persistent Train, ein Echtzeit-Video von Polarlichtern und die Sonne heute (mehr und mehr), gestern und vorgestern (mehr), wobei die Gruppen alle nix tun. Plus ein Besuch im Dark Sky Reserve Rhön, das große Sonnenteleskop auf Hawaii weiter auf Kurs – und die Wieder-Eröffnung des Green Bank Observatory in einer neuen halb privaten Form der Finanzierung. [19:55 MESZ. NACHTRAG: ein später Artikel dazu]


8. Oktober

oppymap

Uralt-Marsrover „Oppy“ soll zu einem Mars-Gully fahren

Seit Anfang 2004(!) ist der NASA-Rover Opportunity bereits auf dem Mars unterwegs, seit 2015 im Marathon Valley am Westrand des Kraters Endeavour, von dem er diesen September ins Bitterroot Valley gewechselt ist – und das nächste (Fern-)Ziel wird ein Gully ganz unten auf dieser HiRISE-Aufnahme des Mars Reconnaissance Orbiter und keinen Kilometer entfernt: Noch nie besuchte ein Marsrover solch eine mutmaßlich von Wasser als Schmiermittel geschaffene Rutschstruktur. Am 1. Oktober begann die nächste zweijährige Verlängerung von „Oppys“ Mission, die eigentlich nur 90 Marstage dauern sollte: Jetzt sieht der Plan eine Fahrt durch den kompletten Gully bis auf den Boden des Kraters vor. Auch Modellrechnungen für große Mars-Staubstürme (kommt bald einer?), Kepler-Beobachtungen des Rosetta-Kometen 67P/C-G im September, als dieser für irdische Teleskope zu sonnennah stand (mehr und mehr), die Abschaltung von Rosettas Zwilling in Darmstadt, ein kurzer Düsentest von OSIRIS-REx anstelle der unnötigen 1. Bahnkorrektur (dito), Beobachtungen von Sonnenflares mit dem CubeSat MinXSS, der Status des LightSail 2, das mal wieder keinen Starttermin hat – und diesen Monat Starts von Besatzungen und internationalen wie zur neuen chinesischen Raumstation. [1:20 MESZ]

Live-Blog zu Hurrikan Matthew und dem KSC

7. Oktober 2016

hurr6

Der Hurrikan um 18:00 MESZ, gesehen vom Satelliten Terra mit dem Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) in natürlichen Farben: Seine „Spur“ lässt sich auch auf nächtlichen Satellitenbildern anhand von Stromausfällen an der Atlantikküste erkennen. Über weitere Folgen an der Space Coast ist nicht mehr viel bekannt geworden: Man kann sich aber auf dem KSC-Gelände wieder bewegen und die Lage inspizieren. Nach dem ersten Eindruck hat es nur Schäden an Gebäuden aber nicht an Flughardware gegeben. Im nahen Titusville hat der Wettersatellit GOES-R den Sturm heil überstanden, aber sein Start muss verschoben werden, da die Startrampe nun sehr genau inspiziert werden muss. Einziges bisher bekanntes ‚Opfer‘ aus dem lokalen Aerospace-Bereich ist ein vom Ständer gefallenes seltenes historisches Cruise Missile … [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: das KSC aus der Luft, ein Video dazu, ferne Spekulationen über Schäden bei SpaceX, mehr Satellitenbilder bei Nacht und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

hurr5

Die Sonne geht auf über Florida – und Matthews Auge

Ein erstes Bild im sichtbaren Licht von 13:37 MESZ, auch eins von 14:15 MESZ: Sie zeigen das Sturmzentrum vor der Space Coast. [14:35 MESZ] Eine weitere aktuelle Animation, der Radarnachweis eines Vogelschwarms im Auge und die Lage vor dem Cape. [15:00 MESZ] Ein erster offizieller Bericht aus dem KSC: „There are no reports of significant damage so far, mostly power outages around different parts of the space center.“ [15:30 MESZ] Wie hier analysiert wird, blieb der stärkste Wind 10 km vor der Küstenlinie der Space Coast, die nur dreimal von der neuen kompakteren Eyewall gestreift wurde: Daher kam es nur zu leichten Dachschäden am KSC und kaum Überflutungen; die Atlantis im Besucherzentrum wurde behütet. Auch ein Wärmebild von Matthew von Sentinel-3A … [16:30 MESZ] … und eins von Suomi NPP sowie die Sicht aus der ISS kommentiert (und andere ISS-News) – auch anderswo an der Space Coast keine größeren Schäden bekannt. [17:00 MESZ] Nachdem Matthew das Cape verschonte und nur wenig Schäden am KSC anrichtete, ist er bereits in Daytona angekommen – auch ein neues Modell im Test und um 19:00 MESZ wird es hier ein Live-Event zu Beobachtungen Matthews aus dem Orbit geben. [18:20 MESZ] Offenbar gibt es am KSC weiterhin Sorgen über steigendes Wasser; auch die Aufzeichnung eines NASA-Live-Events. [20:50 MESZ]

hurr4

Matthew in globalem Maßstab, aufgenommen heute um 10:45 MESZ von GOES-East – und animierte Satelliten-Messungen in 3D aus den letzten Tagen (und was da passiert ist). Derweil sitzt Cape Canaveral in der Eyewall, aber es ist nicht so schlimm wie befürchtet gekommen. [13:30 MESZ] Die Eyewall über dem Cape, wo es weiter Windstöße bis 160 km/h gibt, als Animation (man erwartet, dass es das KSC in 1 bis 2 Stunden hinter sich hat) – und um 14:50 MESZ gibt’s einen Live-Update des National Hurricane Center. [13:55 MESZ]

hurr3

Die Lage um 10:53 MESZ: Matthews Auge nahe am Cape

Das letzte Bild aus einem Radarfilm (anklicken für den neuesten) zeigt das Zentrum des Hurrikans im Anmarsch auf die Raumfahrt-Einrichtungen an der Küste nördlich von Melbourne – die der Westrand streifen könnte. [11:05 MESZ] Der genaue Weg bleibt aber unklar, und ein Sturm knapp vor der Küste wäre auch keine gute Nachricht, weil er gleichzeitig Energie aus dem Meer ziehen und an Land für Schaden sorgen würde. [11:20 MESZ] Die äußere Wand des Auges erreicht das Cape: Daher ist mit heftigen Windböen zu rechnen – und starken Überflutungen auch. Ein aktueller TV-Clip aus der Gegend zur volatilen Lage. [11:35 MESZ] Ein Satellitenbild von 11:30 MESZ – Florida ist unsichtbar geworden, während die outer eyewall das Cape attackiert, das Zentrum aber weiter weg bleibt. [12:05 MESZ] Stromausfälle aber bisher keine größeren Schäden am KSC, wo man konstante Windgeschwindigkeiten von 165 km/h und stärkere Böen erwartet. [12:35 MESZ] Eine 160-km/h-Böe wurde gerade gemessen, während die Eyewall über die Startanlagen zieht. [12:45 MESZ]

hurr2

Matthews Auge könnte Cape Canaveral knapp verfehlen und auf dem Atlantik bleiben: So sah es das North American Mesoscale Model (NAM) vor zwei Stunden für den Zeitpunkt 14:00 MESZ voraus, wie ein Live-Blog zur Lage der Space Coast meldet. Die Berechnungen bleiben aber weiter unsicher, und mit starker storm surge ist auch in diesem Fall zu rechnen. [4:00 MESZ] Ein Live-Bild von einer Webcam in Port Canaveral samt Ton. [4:15 MESZ] Matthew hat sich abgeschwächt. und das Auge ist deutlich kleiner geworden: Das Bild verfestigt sich, dass Cape Canaveral nicht direkt getroffen werden wird, aber stürmen wird’s natürlich trotzdem. [10:45 MESZ]

hurr

„… this will be unlike any hurricane in the modern era“

Ein bedrohliches Statement von vielen zu dem außergewöhnlich starken Hurrikan in der aktuellen Major Hurricane Matthew Briefing Situation Overview des National Weather Service in Jacksonville, Florida: „Major Hurricane Matthew is still expected to move DANGEROUSLY CLOSE the Florida First Coast and Southeast Georgia Coast Friday through Friday night into Saturday with catastrophic impacts expected along and near the coast. A major hurricane has not impacted this area in 118 years, since October 2nd 1898. There is NO local living memory of the potential of this event. If a direct landfall occurs this will be unlike any hurricane in the modern era. The western eyewall is expected to move along a portions of the coast with sustained winds 115 to 125 mph and gusts in the most affected areas!“ Wobei die „First Coast“ den äußersten Nordosten des Staates meint, aber die etwas südlichere „Space Coast“ wird ganz genau so von Hurrikan Matthew bedroht (hier auf einer Aufnahme von GOES-East von gestern 19:00 MESZ; auch der Anblick aus der ISS vor zwei Stunden) und muss sogar seinen stärksten Impakt fürchten – und damit auch das Kennedy Space Center, das bereits seit gestern geschlossen ist (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr): Generelle Updates gibt’s vom National Hurricane Center und Live-Blogs z.B. von der NASA und vom Wetterkanal. [1:00 MESZ] Aus letzterem: „Der aktuelle Lauf des amerikanischen Modells lässt Matthew nun keinen landfall mehr in Florida machen, sondern lässt ihn eng an der Küste nach Norden ziehen“ – aber ein anderes Modell sieht einen landfall an der Space Coast bei Orlando. [2:00 MESZ] Noch tut sich dort nichts: die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm … [2:30 MESZ] Ein weiterer Hinweis, dass Matthew knapp am Cape vorbei ziehen könnte: Hier kann man schnell schauen, was in den letzten Stunden passierte. [3:30 MESZ] Eine Infrarot-Aufnahme des Sturms vom Satelliten Aqua. Auch ein weiterer Artikel und demnächst Updates hier zur Lage des KSC. [3:45 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 2. bis 6. Oktober 2016

2. Oktober 2016

6. Oktober

arigo-sw

Der 74. erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge gestern

hat den entsprechenden Rekord der Ariane 4 eingestellt: Video-Highlights, Press Releases von Arianespace, ESA, NBN und ISRO und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch der Zustand der Falcon 9, zwei Jahre Indiens MOM am Mars [NACHTRAG: mehr Bilder], erste Vorbereitungen der Landung des EDM von ExoMars, die Mars-Augen des NASA-Rovers 2020, die generelle Mars-Planung der NASA, indische Übungen einer Mondlandung – und ein Musik-Video im Auftrag der NASA zur Feier des Lunar Reconnaissance Orbiter aus Anlass der Int’l Observe the Moon Night. [23:55 MESZ – Ende]


5. Oktober

sun5

Ein fetter Sonnenfleck ist auf der Sonnenscheibe erschienen, die Aktivitätsregion (1)2599, hier auf einer SDO-HMI-Aufnahme von heute 18:53 MESZ (Anklicken liefert das jeweils neueste Bild) – auch weitere Bilder von heute (mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr]) und gestern – und ein neues Video der ToSoFi vom März, mit Fliegenden Schatten am Ende. Auch mal wieder eine vielbeachtete Feuerkugel über den USA & Kanada sowie ein Bericht über eine Lichtverschmutzungs-Tagung in Rumänien und ein genereller Artikel zum Thema. [19:25 MESZ]

Blue Origin testet heute das Fluchtsystem des New Shepard

während eines möglicherweise destruktiven Fluges der schon mehrfach wieder verwendeten Suborbitalrakete: Ein Webcast soll hier in 5 Minuten beginnen, mit dem Start um 17:00 MESZ – und kurz darauf soll sich die Kapsel mit ihrem Rettungsmotor davon machen. [16:40 MESZ] Der Webcast läuft: Alles bestens. Dies ist der 6. Testflug des New Shepard und der 5. für die Rakete (bei ersten Test landete nur die Kapsel sanft)- aber der 7. für die Kapsel, die auch noch einen Bodentest des Escape-Systems hinter sich hat. [16:50 MESZ] Die einzige Aufgabe heute ist die „Rettung“ der Kapsel nach einer vorgegaukelten Fehlfunktion der Rakete (was sich nach 17:00 MESZ alles ganz schnell abspielen soll) – man wird zwar versuchen, sie abermals zu landen, geht aber von einem Verlust aus. [16:55 MESZ] Inzwischen 15 Minuten Hold bei t-1:13, während an der ‚flight readiness‘ gewerkelt wird – man „recycelt“ gerade, Details gibt’s keine. [17:15 MESZ] Der Countdown ist auf t-15 Minuten zurück gesetzt werden und zählt wieder! [17:20 MESZ]

bo1

bo2

bo3

Erfolgreiche „Flucht“ und Landung der Kapsel ! Und der Booster hat entgegen den – im Vorfeld publizierten – Erwartungen den Schock der davonrasenden Kapsel klaglos überstanden und führt einen normalen Suborbitalflug durch – gleich wird gelandet. [17:45 MESZ]

bo4

bo5

bo6

Auch das hat problemlos funktioniert – da steht er wohlbehalten (und ist bald auf dem Weg in ein Museum). [17:50 MESZ] Viele weitere Screenshots aus dem Webcast und Artikel hier und hier über den Erfolg sowie Videoclips des Aborts und der Landungen von Kapsel und Rakete. [18:05 MESZ] Die Aufzeichnung des Webcasts vorgespult zum Start und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [19:15 MESZ. NACHTRÄGE: die entscheidende Szene in Zeitlupe (dito) und in Endlosschleife, Standbilder hier, hier und hier und ein Zusammenschnitt des Tests, auch weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

nevada_testsite3

nevada_testsite2

nevada_testsite

So sieht das Höhenmodell der Erde von der Satellitenmission TanDEM-X aus, das mit einer Höhengenauigkeit von 1 m die Vorgabe 10 m erheblich übertrifft: drei Zoomstufen in ein 50-Mio.-Pixel-100-MB-Bild der Wüste von Nevada. Millimetergenauer Formationsflug der beiden deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X von 2010 bis 2015 hat das möglich gemacht: Die rund 150 Millionen Quadratkilometer Landoberfläche der Erde wurden mehrfach komplett mit SAR abgetastet, und das nun komplett berechnete Digitale Höhenmodell der Erde wird zahllose Anwendungen finden [NACHTRAG: mehr Details]. Auch der neueste US-Wettersatellit GOES-R vor dem Start, der Wiedereinstieg der NASA bei LISA, empfohlene Änderungen bei der Begutachtung laufender NASA-Missionen, der Mann hinter dem Wolter-Teleskop auf vielen Röntgen-Satelliten, wozu die politisch motivierte NASA-Riesenrakete SLS doch gut sein könnte – und der Hurrikan Matthew könnte das KSC bedrohen und auch den für den 13. Oktober geplanten Return zu Flight der Antares mit einem Cygnus auf Wallops gefährden. [2:15 MESZ. NACHTRÄGE: ein Live-Ticker zu Matthews Weg, eine NOAA-Warnung vom Abend – und das KSC ist bereits geschlossen worden]


4. Oktober

nobel

nobelbagel

nobelline

Nobelpreis für topologische Phasen(übergänge) der Materie

Nein, einen Physik-Nobelpreis für den Gravitationswellen-Nachweis – da wurde sogar schon über vermeintlich übersehene Gewinner gelästert – konnte es dieses Jahr noch gar nicht geben, weil die Nominierungs-Frist 2 Wochen vor der formellen Veröffentlichung gelegen hatte. Stattdessen werden „theoretical discoveries of topological phase transitions and topological phases of matter“ ausgezeichnet, z.T. über 40 Jahre alte Arbeiten, die man bei der Nobel-PK mit Hilfe von Brezeln und Co. zu erklären versuchte: mehr dazu aus Stockholm auf 5 Seiten und auf 28 Seiten – ein direkter astrophysikalischer Bezug ist nicht erkennbar. [12:30 MESZ] Erste Artikel mit etwas mehr als nur kopierten Zeilen aus der PM hier, hier und hier … [14:20 MESZ] … und weitere hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:10 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (mehr und mehr) – plus eine kompakte Info-Grafik]


3. Oktober

msltrack

So weit ist der Mars-Rover Curiosity in 4 Jahren gekommen

in der zweijährigen Primärmission und der ersten 2-Jahres-Verlängerung: Die nächste solche hat am 1. Oktober begonnen und soll allmählich auf den Aeolis Mons hinauf führen (der wenigstens auf der Karte korrekt benannt ist, die auch den Aeolis Palus benennt), zu immer jüngeren Schichten. Auch die Klimageschichte des Mars, ein neuer Eintrag des Dawn Journal, ein möglicher Ozean von Dione, angebliche chinesische Pläne für eine Art Hubble in der Nähe ihrer Raumstation, warum die erste solche außer Kontrolle geriet, der bevorstehende erste New-Shepard-Test des Abort-Systems, zunehmend wilde Spekulationen zur Falcon-Explosion [NACHTRAG: von zweifelhafter Substanz], die nächste Soyuz zur ISS nun am 19. Oktober – und vom gestrigen Tag der Offenen Tür des ESTEC ein paar Impressionen und ein Interview und Vortrag zum AIM-Projekt. [20:40 MESZ] Wetterbedingt ist der Test mit dem New Shepard erst am Mittwoch um 16:45 MESZ angesetzt. [21:50 MESZ] Und MAVEN forscht seit einem Mars-Jahr im Orbit. [22:05 MESZ]


2. Oktober

memo

Eine spektakuläre Morgensichtbarkeit des Planeten Merkur

hat ungefähr jetzt ihren Höhepunkt, der sich durch die Kombination vom Sonnenabstand und damit der Höhe über dem Horizont und der Länge des Sichtfensters, bis die Dämmerung zu hell wird, und der Helligkeit ergibt. Letztere steigt ständig langsam weiter, von 0.0 mag. am 25. September über -0.6 mag. am 29. September (als die Elongation mit 17.8° maximal und der Planet ausgesprochen auffällig war, mit überdies der abnehmenden Mondsichel direkt daneben: Bild oben dieses Bloggers und weitere hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier; in Chile kamen sich die beiden sehr nahe, und in Brasilien bedeckte der Mond Merkur) auf -1.0 am 7. Oktober mit 14.6° Elongation. Die Helligkeit steigt danach zwar noch ein paar Zehntel weiter, aber das Sichtfenster verschwindet rapide und unterschreitet am 14. Oktober 10°. Auch ein Werbe-Hangout für die International Observe the Moon Night (InOMN) am 8. Oktober, ein bemerkenswerter Protonen-Bogen, ein Aurora-Zeitraffer aus einem Flugzeug – und Island macht das Licht aus für bessere Aurora-Sicht. [13:55 MESZ. NACHTRÄGE: Inzwischen nähert sich der Mond der Venus am Abendhimmel, was am 3.10. mit seiner Sichel dann so, so, so, so, so, so, so, so, so, so oder so aussah – und so geht es weiter mit Mond & Abendplaneten]

Live-Blog zum fatalen Finale der Rosetta-Mission

29. September 2016

1. Oktober

alice

Kometenforschung bis wenige Sekunden vor dem Aufschlag

hat Rosetta gestern betrieben, auch wenn die Welt davon – alle ESA-Kanäle sind kurz danach in Tiefschlaf verfallen – bis auf ein paar OSIRIS-Bilder fast nichts mitbekommen hat: hier immerhin direkt vom PI das allerletzte panoramische Spektrum des ALICE-Instruments Minuten vor dem Ende. Auch weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Rosetta am Anfang der BBC-Radionews, ein Bericht von ITV News – und wie das BBC-Fernsehen das Missions-Ende live komplett zerlabert und wesentliche Momente verpasst hatte … [14:55 MESZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, noch ein Ex-Live-Blog und ein Scherzchen. [19:35 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: was das ALICE-Spektrum zeigt. Das Plasma-Instrument erhielt Daten bis 12 Sekunden vor dem Ende – in der letzten Viertelstunde war die Plasmadichte stark gefallen, nachdem sie zunächst stetig gestiegen war. Und Überlegungen zur Landestelle, das Ende der zeitnahen OSIRIS-Bilder (also keine weiteren des Abstiegs in voller Qualität), drei späte ‚Nachrufe‘ hier, hier und hier – und das letzte Kommando]

process

Rosettas letztes Bild aus 20 Metern Höhe – stark geschärft von Roman Tkachenko mittels Entfaltung mit automatischer Detektion der Point Spread Function: Andere Verfahren lieferten ähnliche Details, die daher glaubwürdig seien. Auch deutschsprachige TV-Berichte hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine Aufzeichung des ESA-Webcasts vom Ende, das Statement zum LOS und weitere Artikel hier, hier und hier. [0:00 MESZ]


30. September

p2000162

Live-Auftritt von G. Schwehm, A. Accomazzo und D. Koschny aus dem ESOC (in der auch hier zu sehenden Kabine) während der u.g. Rosetta-Show im Planetarium Bochum heute Abend – auch ein JPL-Release, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein BBC-Update und ein Scherzchen. [21:45 MESZ]

comet_from_51_m_wide-angle_camera

Und da ist es, Rosettas allerletztes Bild – aus 51 Metern Höhe [NACHTRAG: später auf 20 Meter korrigiert] von der OSIRIS-Weitwinkelkamera aufgenommen, die trotz fehlender Fokussiermöglichkeit (schon mal ein schneller Versuch einer Entfaltung) eine Auflösung von 5 mm pro Pixel erreichte: Das Bildfeld ist 2.4 m groß [NACHTRAG: Da ein WAC-Pixel 101 µrad groß ist, sollten das m.E. 2 mm/Pixel und 97 cm sein. NACHTRAG 2: Die ESA gibt mir Recht! NACHTRAG 3: eine essbare Visualisierung]. Plus ein ESA Press Release und erste Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [14:15 MESZ] Hier und hier eine Sequenz der letzten Bilder, von einem Bildschirm abgefilmt. [14:30 MESZ] Zwei weitere andere abgefilmte Versionen der Landesequenz hier und hier und ein Artikel mit vielen Bildern. [14:40 MESZ. NACHTRAG: die Präsentation dieses und anderer Clips] Weitere Press Releases von DLR, Uni Bern und ESA in Deutsch, alle „amtlich“ veröffentlichten Bilder des Abstiegs – und ein erstes Fazit dieses Bloggers mit unamtlichem Aufmacherbild. [15:30 MESZ] Die Aufzeichnung einer Übertragung auf NASA TV (2 Stunden) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [16:45 MESZ]

sa1

sa2

sa3

Das war der Loss of Signal von Rosetta im ESOC-MCR

(Hauptkontrollraum) auf dem Display eines Spectrum Analyzers an der Wand. Details über den genauen Verlauf des Signalverlusts und was man daraus vielleicht über das Verhalten Rosettas beim Bodenkontakt lernen kann, wurden noch nicht kommuniziert. [13:25 MESZ] Wie High-End-Amateurfunker Rosetta empfingen bis zum Schluss – und die Szene aus dem ESOC-Festsaal nach dem LOS. [13:30 MESZ]

ros3sw

ros2sw

ros1sw

Die letzten OSIRIS-Bilder vor dem Impakt, unverarbeitet präsentiert vom PI (weiterhin mit der zeitlichen Abfolge von unten nach oben) – die letzten, aus wenigen Metern Höhe, sind natürlich nicht mehr scharf, aber da geht sicher noch was. Derweil in voller Qualität verfügbar ein recht scharfes Tele-Bild aus 1.2 km Höhe und wieder nur als Screenshot eine scharfe WAC-Aufnahme aus ca. 300 m Höhe – und eine andere Screenshot-Serie und ein Video-Clip vom LOS. [13:45 MESZ] Ein anderer Screeshot vom PI mit der allerletzten OSIRIS-Aufnahme, die nie bildfüllend gezeigt wurde. Sowas … [13:55 MESZ]

ros

Die neueste OSIRIS-Aufnahme aus dem Webcast zeigt offenbar Material, das erst kürzlich von einer Klippe abgebrochen ist. [13:10 MESZ] Und das Signal ist weg! Wie berechnet ist Rosettas Funkträger um 13:19 MESZ schlagartig vom Spectrum Analyzer verschwunden. Erst betretenes Schweigen im Kontrollraum, dann tosender Beifall. [13:20 MESZ] Die Missions-Operation ist soeben offiziell für beendet erklärt worden. [13:25 MESZ]

Keine Stunde mehr bis zum erwarteten Ende der Mission

aus Sicht der Erde: Der finale ESA-Webcast hat begonnen … [12:25 MESZ] Keine ESA-Show ohne große Reden: Der ESA-Chef spricht live aus Mexiko in Darmstadt. [12:35 MESZ] Der LOS auf der Erde wird jetzt für 13:19:11 MESZ erwartet, hieß es gerade im Webcast – während auf dem Kometen der Impakt soeben stattgefunden haben sollte. [12:40 MESZ] Genauere Zeiten, die Landestelle nun im Bild von OSIRIS – und es gibt auch schon ein Bild aus 2.5 km Höhe. [12:45 MESZ]

clipboard01

Das neueste OSIRIS-Bild, aus dem Webcast gegrabbt – die Veröffentlichung der Bilderflut im Web kommt längst nicht mehr mit. [12:55 MESZ] Eins der früheren Bilder in voller Qualität – und wie es mit den anderen zusammen passt. [13:00 MESZ] Und nun ein Mosaik zum Selberbauen aus etwa 1 km Höhe. Auch die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen bisher. [13:05 MESZ. NACHTRÄGE: Mosaike aus den Bildteilen hier und hier]

comet_from_5-8_km_narrow-angle_camera

Da waren’s nur noch 5.8 km Abstand vom Kometenkern: eine OSIRIS-Teleaufnahme von 10:18 MESZ. Ansonsten teilt die ESA keine Daten der aktiven Instrumente an Bord – hach wie toll war das 1992, als beim Giotto-Vorbeiflug an Grigg-Skjellerup ein Kamerateam in Echtzeit mit den Instrumententeams sprechen und deren Rohdaten von ihren Bildschirmen abfilmen durfte … [11:40 MESZ] Die letzten beiden veröffentlichten OSIRIS-Bilder gestitcht – die Landestelle ist noch knapp außerhalb des Bildfelds. [11:55 MESZ] Hey, Daten eines anderen Rosetta-Instruments von heute und fast in Echtzeit! Und ein Plot von ROSINA zeigt die Zunahme der Koma-Dichte. [12:10 MESZ]

clipboard01

So sollte es die nächsten drei Stunden im ESOC aussehen

im Hauptkontrollraum: Entscheidend ist das (im Live-Feed zweimal zu sehende) Display eines Spectrum Analyzers, das jetzt das starke Träger-Signal von Rosettas Funk zeigt. Und dann plötzlich nicht mehr … [10:15 MESZ] Ein OSIRIS-Bild aus 8.9 km Abstand von 8:53 MESZ – auch mehr Spectrum Analyzer, weitere Live-Blogs hier und hier, eine 5-Minuten-Periscope-‚Sendung‘, eine Infografik und Artikel hier, hier, hier und hier. [10:25 MESZ] Die Software ist nun umgeschaltet: Sollte es jetzt zu einem Safe-Mode an Bord kommen, würde sich Rosetta komplett abschalten – so wie es bei der ‚Landung‘ passieren soll. Plus ein kurzes Statement von Taylor. [10:40 MESZ]

comet_from_11-7_km_narrow-angle_camera

Der Abstand betrug noch 11.7 km bei der OSIRIS-Aufnahme mit der Telekamera (ein Ausschnitt) um 7:25 MESZ – die neuesten Bilder erscheinen hier, last first. [9:20 MESZ] Der ESA-Webcast ist wieder live: Um 10:00 MESZ gibt’s einen kurzen Update. [9:55 MESZ] Alles bestens an Bord, die letzten Kommandos sind längst oben, jetzt kann man nur noch zugucken. Der Video-Feed aus dem Kontrollraum bleibt an, Kommentar gibt es wieder ab 12:20 MESZ. [10:05 MESZ]

comet_from_15-5_km_wide-angle_camera

comet_from_17-4_km_navcam

comet_from_19-4_km_navcam

Die Landezeit: 12:38 MEZ -> Signal an der Erde 13:18 MESZ

Genauer gesagt soll Rosetta um 12:38:32 MESZ ±2 Minuten die Oberfläche berühren, mit dem Signalabbruch an der Erde entsprechend 40 Minuten später um 13:18 MESZ. Die letzten Kommandos sind bereits abgeschickt, und es gibt die Bestätigung, dass sie an Bord verarbeitet werden. Auf der OSIRIS-Weitwinkel-Aufnahme oben von 4:17 MESZ aus 15.5 km Abstand taucht gerade das Landegebiet am oberen Rand auf (es gibt auch eine Tele-Aufnahme von 3:20 MESZ), darunter zwei der letzten 5 NavCam-Aufnahmen aus 17.4 und 19.4 km Abstand um 2:59 bzw. 1:25 MESZ. Und von gestern Nachmittag gibt’s noch eine Fast-Totale von OSIRIS mit der Weitwinkel-Kamera aus 23 km Abstand. [8:55 MESZ]


29. September

comet_on_29_september_2016_osiris_wide-angle_camera

Ein OSIRIS-Bild des Kometen von heute aus 23 km Abstand mit der Weitwinkel-Kamera. Derweil wird hier die Aufzeichnung des heutigen Briefings in Teilen hoch geladen. Auch ein kleines BBC-Updatechen, allerlei persönliche Bemerkungen zur Mission und Artikel hier und hier. Derweil laufen die Vorbereitungen für den Burn, der Rosetta auf Kollionskurs schicken wird. [21:35 MESZ] Rosetta dreht sich schon für den Burn, während Malargüe lauscht … [22:00 MESZ] Die Bestätigung des Beginns des Burns … [23:35 MESZ] … und von seinem Ende: 208 Sekunden brannte das Triebwerk. Auch ein CNRS-Interview, ein JPL Release, Artikel hier und hier – und hunderte Amateur-Beobachtungen von C-G im Rahmen einer koordinierten Kampagne. [23:40 MESZ] Jetzt macht Rosetta ein paar NavCam-Aufnahmen, um die Kollisionsbahn genauer berechnen zu können – in den nächsten Stunden keine Updates zu erwarten. [23:50 MESZ. NACHTRÄGE: sondern gegen 6:00 MESZ, wenn die 5 NavCam-Bilder am Boden und ausgewertet sind – auch ein zusammenfassender Artikel dieses Bloggers, Interviews mit dem Flugdirektor und dem Projekt-Wissenschaftler (gleich noch eins) und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]

rosetta93sw

Beobachtungen vom Boden: C-G verhielt sich ganz typisch

während des Periheldurchgangs, den Rosetta begleitete – der Komet 67P variiert kaum zwischen seinen Erscheinungen, und auch 2014-16 war das nicht anders. Was Rosetta also messen konnte, war „normal“. Hier aus dem Vortrag von Cecila Tubiana eine Lichtkurve aus zahlreichen Messungen von Teleskopen am Boden: R-Helligkeit gegen reduziertes Julianisches Datum. [16:55 MESZ] Zum Schluss noch etwas Big Picture – Kometen sind nicht bewohnt, aber könnten relevante Moleküle zur Erde gebracht haben. [17:35 MESZ. NACHTRÄGE: hier und hier Blog-Stories dazu] Und zahlreiche Rosetta-Beobachtungen bestätigen das hierarchische Wachstum von Kometenkernen im jungen Sonnensystem, was wiederum Auskunft über dessen Eigenschaften verspricht. [17:55 MESZ]

rosetta8sw

Wie die Aktivität des Kometen die Rotationsperiode von C-G verändert hat, nach Beobachtungen mit der OSIRIS-Kamera: ein Slide aus dem Vortrag von Jean-Baptiste Vincent auf dem Rosetta Science Briefing. [16:20 MESZ. NACHTRAG: eine andere Darstellung des Diagramms]

rosetta91sw

Die Produktionsraten verschiedener Moleküle während der Mission (Wasser: siehe unten) nach Messungen von ROSINA und viel Computermodellierung. Auch wichtig: Das Gas/Staub-Verhältnis blieb die ganze Zeit sehr konstant. [16:30 MESZ]

rosetta92sw

Diverse Plasma-Parameter des Kometen: alle sehr symmetrisch ums Perihel, was Charlotte Goetz freut – die auch eine neue Sonifikation dieser Daten präsentiert [NACHTRAG: auch eine PM der TU Braunschweig dazu]. Auch ein SwRI Press Release zu den Ergebnissen von ALICE und ein paar Artikel hier, hier und hier. [16:40 MESZ]

nac_2016-09-23t21-02-35-546z_id20_1397549900_f22

Pläne für die letzten Stunden – und Rosettas Vermächtnis

Nach den 2014-er Live-Blogs zum Aufwachen von Rosetta und Philae, der Ankunft Rosettas, der Landung Philaes und seiner hektischen Stunden vor dem Einschlafen ist es nun ein letzes Mal so weit: Gegen Mittag MESZ am 30. September endet die Mission wie hier, hier und hier beschrieben mit einer „Landung“ des Orbiters – Video ganz oben – auf dem Kern von Komet 67P/C-G (oben ein OSIRIS-Bild vom 23. September aus 4 km Höhe; noch eins), die zum sofortigen Kontaktverlust und zur Selbstabschaltung Rosettas führen soll. Die Stunden davor sollen allerdings noch für reichlich Wissenschaft genutzt werden, wobei die Downlink-Möglichkeiten natürlich stark begrenzt sind exakt zugeteilt sind – und einige der finalen Missionsphasen können auf diesem Kanal live miterlebt werden, auch das NASA-Fernsehen ist dabei. Bislang ist allerdings unklar geblieben, wie direkt die einlaufende Telemetrie und die letzten Daten dabei zu sehen sein werden: Ein echtes ‚Live-Gefühl‘ wurde bei Rosetta in all den Jahren nie vermittelt (wohl aber vorbildlich bei Giottos Grigg-Skjellerup-Vorbeiflug … im Jahre 1992).

Gemäß dem aktuellen Zeitplan gibt es zunächst heute 14:30 bis 17:30 MESZ ein paar Vorträge über Rosettas wissenschaftliches Vermächtnis (im Video oben z.B. eine Übersicht zur Staub-Forschung, mehr s. u.). Das finale Bahnmanöver erfolgt um 22:50 MESZ, und in einer kurzen Übertragung morgen 9:55 bis 10:05 MESZ soll es einen Update zur Aufsetzzeit geben, die z.Z. 12:40 MESZ Rosetta-Zeit = 13:20 MESZ Erdempfangszeit ±20 Minuten ist, dann aber – anhand der letzten NavCam-Aufnahmen – auf ±2 Minuten genau bekannt sein sollte. Die Übertragung des Missionsendes ist dann von 12:30 bis 13:40 MESZ geplant, wobei die finalen Bilder während des Abstiegs bereits ab dem frühen Vormittag sporadisch im Web erscheinen sollten: Zu beachten ist, dass OSIRIS‘ Telekamera unter 1 km Abstand und die Weitwinkelkamera unter 200-300 m Abstand mangels Fokusbereich keine scharfen Bilder mehr liefern kann – und dass alle Bilder dramatisch stärker komprimiert werden müssen als gewohnt, da sie ja alle vor dem Bodenkontakt gesendet werden müssen. Das letzte Bild soll 15 Sekunden vor dem Aufschlag aufgenommen und gesendet werden …

waterprod

In den gut zwei Jahren seit der Ankunft Rosettas an Churyumov-Gerasimenko sind eine Unzahl von wissenschaftlichen Arbeiten erschienen, meist unkoordiniert in zig verschiedenen Zeitschriften, mal open access, mal irgendwie frei lesbar, mal hinter anachronistischen Paywalls verborgen. Zu aktuellen und frei lesbaren Papers gehören dieses und dieses zur Wasserproduktion des Kometen (y: in Tonnen/Tag) bei Annäherung und Entfernung von der Sonne (x: in au), in die auch viele Messungen mit bodengebundenen Instrumenten einflossen. Zur Freisetzung von Wasserdampf trugen aber auch eisige Aggregate von 5 bis 50 µm Größe auf Staubteilchen bei: Nur durch deren Sublimation läßt sich das Aussehen bestimmter Staubjets auf OSIRIS-Bildern erklären. Und ebenfalls OSIRIS-Aufnahmen ist zu entnehmen, dass Komet C-G Dezimeter-große Aggregate ausspuckt, die teilweise auf den Kern zurück sinken, mindestens zu 10% aber auch sein Schwerefeld verlassen und zum einem Dusttrail entlang des Kometenorbits beitragen.

comet_outbursts

Neben regelmäßig wiederkehrenden Jets aus fixen Quellen hat Komet C-G in Perihelnähe im Schnitt alle 2,4 Kernrotationen extrem kurzlebige helle Jets produziert, die verschiedene Ursachen haben dürften: von Verformungen des Kerns am Morgen über Sonnenwärme, die in tiefere Eisdepots vorgedrungen ist bis zu einstürzenden Klippen, denn die Quellen sind oft in der Nähe von schroffen Übergangszonen zwischen Landschaften. Und ein Ausbruch am 19. Februar 2016 ist dank mehrerer Rosetta-Instrumente gleichzeitig besonders gut beobachtet worden. Inzwischen gibt es auch Arbeiten, die hinter der Flut von Einzelerkenntnissen Rosettas das große Bild suchen: etwa die nach Ansicht interdisziplinärer Wissenschaftler größten Überraschungen des Kometen. Und Indizien wurden zusammengetragen, dass C-G wirklich ein ganz ursprünglicher Körper des Sonnensystems ist – und Rosettas große Reise dorthin viel Sinn machte.

Mit dem nahenden Ende hat das Rosetta-Missionsblog noch einmal den Wasserhahn aufgedreht: Es gibt Artikel zu den Bodenstationen der finalen Wochen, den Befindlichkeiten der Instrumenten-Teams von MIDAS, GIADA, COSIMA, ROSINA, MIRO, CONSERT und ALICE, zu der Zufalls-Beobachtung Saturns 2010 und – in großem Detail – der kürzlichen Auffindung Philaes, woraus wiederum ein Fan dieses, dieses und dieses Anaglyphen-Bild kreierte. Auch ein Mini-Sequel zu dem Rosetta-Kurzfilm „Ambition“, eine Veranstaltung u.a. dieses Bloggers am Abend der ‚Landung‘ in Bochum (auch hier, hier und hier beworben) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (mehr und mehr). [3:30 MESZ] Der Beginn des heutigen Briefings hat sich auf 14:45 MESZ verschoben; derweil sind im Rahmen der Living with a Comet-Serie noch Beiträge von OSIRIS (auch ein MPG-Interview mit dem PI) und RPC erschienen – und es gibt Details zur Selbstabschaltung Rosettas nach dem Bodenkontakt. [14:35 MESZ] Aus Vorträgen über C-Gs Landschaften und sein Innenleben (mehr) – und hier, hier und hier geballte Erkenntnisse über CGs Staub. [15:45 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 20. bis 28. 9. 2016

20. September 2016

28. September

osiselfie

Eine Art Selfie von OSIRIS-REx zwei Wochen nach dem Start der Asteroiden-Sonde, als die StowCam am 22. September die Sample Return Capsule ablichtete – auch sonst ist alles bestens an Bord und der Kurs ist perfekt (weitere Artikel hier und hier). Auch ein Paper zur Inaktivität der Ceres-Oberfläche, wie Chang’e-3 die Halbschatten-MoFi am 16.9. für das UV-Teleskop nutzte (es gab weniger Streulicht von der Sonne), die koreanischen Mondpläne, der GLXP in Zeitnot, ein Paper zum Innenleben Saturns, doch etwas Aktivität auf Merkur (mehr) – und in Indonesien sind Teile einer Falcon 9 vom Himmel gefallen, während weiter nach der Ursache der Explosion auf der Rampe gesucht wird. [23:55 MESZ – Ende]

Night sky at La Silla

Der Himmel über der ersten ESO-Sternwarte auf La Silla – auch Bilder der Nova im Lupus (die wieder auf ~7.5 mag. gefallen ist) hier und hier, interessante Röntgenstrahlung von SN 2016gkg in NGC 613, eine Feuerkugel über Queensland (Artikel hier, hier, hier und hier, Fortschritte beim „Galileum“ in Soligne, wie Astronauten Komet Lovejoy gefiel, eine besonders gute Aurora aus dem Flugzeug und Reaktionen von US-Städten auf das LED-Problem nach der Warnung der AMA. [23:40 MESZ]


27. September

So möchte Elon Musk das Sonnensystem kolonisieren … In einer seit Monaten im Voraus verklärten und in der Ausführung dann ziemlich holprigen Rede vor ergriffenen Fans auf einer Raumfahrtkonferenz in Mexiko hat der SpaceX-Chef heute reichlich kühne Visionen ausgebreitet, die aber Sachkenner wenig begeisterten und weit mehr Fragen aufwerfen als beantworten: weitere frühe Artikel zu der Show (die wegen chaotischer Zustände beim Einlass in den Saal 1/2 Stunde verspätet begonnen hatte) hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: die 61 Slides des Vortrags, ein paar Ausschnitte, mehr Bilder aus dem Saal, alles offizielle Material und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier]


26. September

europa03-2up-1920x960-160922

europa07-3up-1920x640-160922

europa08-photoa-plumes1000x1000-160919

Mehr Hubble-Evidenz für variable Wasserwolken Europas

Bereits Ende 2012 hatte das Hubble Space Telescope transiente Wasserdampf-Wolken über dem Südpol des Jupitermonds nachgewiesen (mehr, mehr und mehr), jetzt gibt es neue Daten – aus dem Jahr 2014, denn die Analyse war sehr mühsam, mit dem Signal nur sehr knapp über dem Rauschen. Die Autoren halten es zwar für signifikant, formulieren aber außergewöhnlich vorsichtig und halten Artefakte durchaus für denkbar. Beobachtet wurde diesmal – abermals mit dem Instrument STIS – Europa vor der Jupiterscheibe im fernen Ultravioletten bei 150 nm: In drei von 10 Fällen (Mitte; der erste vom 26.1.2014 auch oben im Original und unten mit einem Europa-Bild dazu, jeweils bereits heftig verarbeitet) waren am Rand in einer ähnlichen Zone schemenhafte dunkle Fingerchen zu erkennen. Da Europa gebunden rotiert, hat Hubble immer dasselbe Randstück gesehen: Die lokalen Ausdünstungen kommen und gehen also, wobei diejenigen vom 26. Januar im selben Breitenbereich wie der Nachweis von 2012 lagen (aber über einer um 90° anderen Länge Europas). Ein Zusammenhang des Auftretens der Wölkchen mit Europas Bahn ist nicht erkennbar, und vieles andere bleibt auch jetzt weiter unklar, etwa ob dort direkte Kanäle zu dem allgemein angenommenen untereisigen Ozean Europas bestehen. Und angesichts des bescheidenen Erkenntnisfortschritts durch die neuen Daten kritisieren auch viele im Astrojournalismus und außerhalb die NASA für das Abhalten gleich einer großen Telecon nebst reißerischer Werbung dafür: Sollte hier bloß Stimmung für die wohl kommende Europa-Mission gemacht werden? Alle Visuals der Telecon, Press Releases von STScI und NASA und Artikel hier, hier und hier. [21:05 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und von diesem Blogger hier. [23:10 MESZ] Sowie hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: und hier]

view4

Erfolgreicher komplexer Start eines indischen PSLV heute, das acht Satelliten auf zwei verschiedene Orbits brachte: die Missionsseite, Screenshots einer Live-Übertragung hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [19:35 MESZ]


25. September

impactsite

Das ist Ma’at: Hier soll Rosetta in fünf Tagen niedergehen

Oben eine Animation der letzten Orbits, darunter eine NavCam-Aufnahmen der Zielregion von vor einer Woche: Der nominelle Auftreffpunkt liegt etwas rechts von der Bildmitte, in der Nähe der 130 Meter großen Grube Deir el-Medina weiter unten rechts. Die Uhr tickt: Es gab bereits die vorletzte Annäherung an den Kern – auch weitere aktuelle Bilder hier und hier, ein ESA Special in Deutsch und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch zwei Jahre Mars Orbiter Mission im Orbit (ein Manöver nächstes Jahr und ein möglicher Nachfolger), Erkenntnisse von SWARM über GPS-Ausfälle, eine Entscheidung über einen 2. Hitomi noch dieses Jahr – und der Orbit von Tiangong-2, wo nun die Nutzlast eingeschaltet wird. [15:25 MESZ]

135712124_14747807491261n

Chinas Riesenradioteleskop FAST ist seit heute in Betrieb, hier ein Luftbild von gestern: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein TV-Clip – und ein Besucherzentrum gibt’s auch. Derweil steigt eine Nova im Lupus auf nach letzten Beobachtungen 6.3 mag. heute – während Chi Cygni nahe des Maximums mit etwa 5 mag. verharrt. [15:05 MESZ. NACHTRÄGE: zu FAST ein australischer Press Release, weitere Videoclips hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und zur Lupus-Nova ein Foto aus Australien, weitere Fotometrie und Aufsuchtipps]


24. September

Heute vor 170 Jahren wurde der Planet Neptun entdeckt

(hier eine historische „Sky at Night“-Sendung zum ersten und einzigen Sondenbesuch am äußersten Planeten 1989 in entsprechender Bildqualität), was gerne als grandioser Triumph der theoretischen Astronomie gefeiert wird: Allein aus den Bahn-Residuen des Uranus sei seine Position am Himmel so präzise berechnet worden, dass Galle nicht lange zu suchen brauchte. Auf ein gerne übersehenes „Detail“ wurde hier indes schon vor fünf Jahren hingewiesen (letzter Absatz): Das klappte nur so gut, weil sich der Neptun 1846 zufälligerweise in der Nähe des Uranus befand. Die von beiden konkurrierenden Theoretikern berechnete Bahn des zusätzlichen Planeten war nämlich ziemlich falsch, da sie von einem starren Abstandsgesetz der Planeten ausgingen, das aber gerade beim deutlich sonnennäheren Neptun nicht zutrifft. Würde man jetzt nach dem Neptun suchen, stände er völlig woanders als vorgesagt mit den Bahnberechnungen von LeVerrier wie Adams! Ihre Idee war korrekt, die Ausführung aber nicht, und die Neptun-Entdeckung letztlich ein Zufall … Auch ein gravierender Stromausfall auf Puerto Rico vorher und nachher aus dem Weltraum gesehen, die auch unter Ingenieuren wachsenden Bedenken gegenüber blauen LEDs in der Straßenbeleuchtung, Polarlicht-Beobachtungsflüge als „Lustfaktor“ (!) – und das neue Ruhr Astroparticle and Plasma Physics Center (RAPP). [0:05 MESZ]


23. September

Altes Hubble-IMAX-Video in UHD 4K 16:9 wiedergeboren: Eine aufwändige 3D-Galaxienanimation von 2004 ist nun für ganz große Monitore umgesetzt worden. Auch die Mechanik des Sonnenschilds des JWST, ein Vortrag über Cassini, erste Spuren bei der Aufklärung der Explosion der Falcon 9 (Eintrag von heute; Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zur Sicherheit verschiedener Treibstoffe) – und schon wieder Bilder vergammelnder Burane in Baikonur; siehe hier bzw. hier für frühere. [22:15 MESZ]


22. September

Was die JunoCam vom 11. Juli bis 10. September sah: Das Perijovium ist bei 1:55; aus einem der Bilder der irgendwie allen gehörenden Orbiterkamera dabei machte ein Fan dies! Es mühen sich viele; auch die Funktion der Jupiter-Aurorae, die MMS-Satelliten in bisher engster Formation, Highlights von 10 Jahren Satellit Hinode, die Bestätigung Chinas, dass der Absturz von Tiangong 1 unkontrolliert erfolgen wird (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr; es darf wohl mit Informations- und Medienchaos wie bei UARS, ROSAT und Fobos-Grunt gerechnet werden), die Feuer-Lage bei der VAB – und Jack Garman ist gestorben, einer der unsung heroes von Apollo 11, da er bei dem Computerfehler durchblickte, kurz vor der Landung. [22:55 MESZ]


21. September

subaruball

Eine Feuerkugel gestern über dem Mauna Kea, aufgenommen von einer automatischen All-Sky-Kamera (man beachte auch die AO-Laser). Auch eine Supernova in NGC 613 mit diesem Spektrum, die rasch heller wird, ein besonders cooler Sprite, der prompt missverstanden wird, ein kurioser Artikel über einen Planetariums-Besuch aus Neuseeland, Probleme mit dem Dark Sky Park Eifel aus unverhoffter Richtung – und der SF-Autor H. G. Wells wurde vor 150 Jahren geboren: mehr & mehr. [23:45 MESZ. NACHTRAG: „In the Avu Observatory“, eine Kurzgeschichte von Wells, die auf einer Sternwarte spielt]


20. September

wac_2016-09-20t04-00-30-781z_id10_1397549100_f12

Der Komet Churyumov-Gerasimenko heute – genau 10 Tage vor Rosettas ‚Landung‘ – von der OSIRIS-Weitwinkelkamera aus 13.8 km Abstand aufgenommen: mehr Bilder der vergangenen Tage hier, hier und hier sowie ein einstündiger HangOut gestern, ein Behind-the-Scenes-Bericht, ein zweiminütiges Statement und ein Artikel zum Missionsende. Und der gute Zustand von OSIRIS-REx unterwegs und eine Analyse des ersten Bildes der Kamera sowie der Request for Proposals für den robotischen Teil der Asteroid Redirect Mission der NASA.

esp_045614_1330

Kaum zu glauben, aber das ist ein echtes Bild vom Mars: sublimierendes Eis auf Sanddünen im Krater Kaiser, aufgenommen von HiRISE auf dem MRO. Auch Curiositys Sicht, der PlanetServer für Bilder von v.a. Mond und Mars, ein möglicher Venus-Ozean ganz früh, was die JunoCam bereits an Jupiter-Details sah (analysiert von Amateurastronomen) und die erste Woche des letzten Jahres der Mission Cassinis, der enorm viel erreichte – zuletzt z.B. bgl. methangefüllter Canyons und ‚unmöglicher‘ Wolken auf dem Titan. [23:55 MESZ]

Die Rohbilder von Neptun, die Voyager 2 beim Vorbeiflug 1989 aufnahm, einfach hintereinander – der letzte Planeten-Besuch einer Sonde mal ganz anders und v.a. rund um den nächsten Punkt ein phychedelisches Pixelgewitter. Auch Erkenntnisse über Plutos Röntgenstrahlung, die Entstehung von Sputnik Planum (mehr) und die Rötung des Charon-Pols (mehr) – und eine Verlängerung der Mission des Sonnenbeobachters IRIS.

fire

Schwere Waldbrände bei der Vandenberg AFB in Kalifornien verhindern derzeit den Start von WorldView-4 auf einer Atlas V bis mindestens den 26. September. Auch das erste Infrarot-Bild der Erde des neuen indischen Satelliten Insat-3dr, ein indisches Teleskop zur Raumschrott-Verfolgung, ein neues Startfenster für den Return to Flight der Antares vom 9.-13. Oktober – und ein nordkoreanischer Triebwerkstest, der zu einer stärkeren Rakete führen soll. [23:35 MESZ. NACHTRAG: mehr dazu]

Start einer Vega-Rakete in Französisch-Guayana am 16. September in einer komplexen Mission mit fünf Satelliten – auch der Start von Chinas zweiter Raumstation (auch Bilder, ein Video, die ‚Landung‘ der Nutzlast-Verkleidung (mehr [NACHTRAG: und mehr]) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), Israels jüngster Satellit in Schwierigkeiten, die Zukunft von SpaceXs ISS-Service nach der Falcon-Explosion, eine Verschiebung des nächsten Soyuz-Starts zur ISS nach Elektrik-Ärger (mehr, mehr, mehr und mehr) – und die geringen Auswirkungen der Crew-Reduktion auf zwei auf der russischen Seite. [22:35 MESZ]

Eintauchen in Gaias Sternen-Milliarde: Messier 13

19. September 2016

sw_m13_a

sw_m13_b

sw_m13_c

Wie macht man sich klar, was die 1,14 Milliarden Punktquellen des Data Release 1 des Gaia-Projekts am ganzen Himmel eigentlich bedeuten? Bis auf ein paar Millionen extragalaktische Objekte sind es Sterne der Milchstraße, aber diese gern gezeigte Darstellung hilft nicht weiter, zeigt sie doch lediglich als „Helligkeit“ die Dichteverteilung all dieser Quellen – hier dieselbe mal mit einer Skala, in Objekten pro Quadratgrad, von der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in Bochum, wo es am 14. und 15. September gleich fünf(!) Veranstaltungen rund um den Data Release 1 gab:

swp1990736

Überraschenderweise hatten weder das Gaia-Projekt noch die ESA daran gedacht, einen Zoom in die Karte der einzelnen Quellen selbst anzubieten, sei es als interaktives Tool oder Serie von Bildern mit immer kleinerem Ausschnitt. Dieses ‚Aladin Lite‘-Webtool erlaubt zwar ein beliebiges Hineinzoomen in den DR1, doch die Quellen werden alle als identische Quadrate dargestellt, die von Gaia gemessene „G“-Helligkeit fehlt. Doch auf o.g. Tagung wurden manche Astronomen-Wünsche erfüllt: vom German Astrophysical Virtual Observatory (GAVO), in Echtzeit in einer Kaffee-Pause am 16. September. Und so entstanden mit Hilfe von Hendrik Heinl und dem Viewer der Software TOPCAT die drei Gaia-„Bilder“ des Kugelsternhaufens Messier 13 oben: Die vertikalen Raster-Abstände sind 5′, 2′ und 1′, die Größenzuweisung der Sternsymbole zur G-Helligkeit ist willkürlich. So also fühlen sich eine Milliarde Sterne bis 20. Größe tatsächlich an … aber auch die Grenzen von Gaia werden schon deutlich: Zur Haufenmitte nimmt die Dichte der erfassten Sterne nicht weiter zu, weil die Winkelauflösung der Gaia-Teleskope nicht besser als 1/4 Bogensekunde ist (die enorme Positionsgenauigkeit ergibt sich erst durch die Kombination zahlreicher Scans), und das Zentrum schlicht nicht aufgelöst werden kann. Auch konnte Gaia für den DR1 keine Sterne heller als 6. Größe erfassen, die die Chips sättigen (mit cleveren Tricks hofft man später doch noch auf 2.5 mag. zu kommen): Bei prominenten offenen Sternhaufen wie den Plejaden hätten bei solch einer Demonstration schlicht alle vertrauten Sterne gefehlt.

swp1990823

swp1990830

swp1990831

swp1990836

Wie man optimal mit dem DR1 umgeht, hatte das GAVO auch in einem Workshop auf der Tagung am 15. September demonstriert: Anstatt gleich die ganzen Daten – rund 800 Gigabyte – herunter zu laden, macht es viel mehr Sinn, mit Virtual-Observatory-Software wie o.g. TOPCAT auf die Daten zuzugreifen. Hier wurde z.B. binnen Minuten das Farben-Helligkeits-Diagramm eines Sternhaufens erzeugt, wobei die Farbinformationen der Sterne aus einem anderen Katalog beigemischt wurden.

swp1990843

swp1990848

swp1990852

swp1990854

Die zwei Millionen hellsten Gaia-Sterne, für die dank Beobachtungen schon durch den Hipparcos-Satelliten vor einem Vierteljahrhundert auch Eigenbewegungen und Parallaxen – und damit Entfernungen – bekannt sind (das Unterprojekt TGAS, das wissenschaftlich die nächsten 15 Monaten das Gaia-Ergebnis schlechthin ist), wurden dem Konferenzpublikum wie auch der Öffentlichkeit am Abend desselben Tages im Planetarium von Bochum präsentiert, jedenfalls jene 600’000 mit zuverlässigen Entfernungen: mit der Software Gaia Sky erzeugte Flüge durch die Sternenwolke zeigten Stefan Jordan (oben links) in Fulldome-Projektion und Toni Sagristà Sellés (unten ganz links) auf einem 3D-Monitor.

rave

Perfekt im Timing ist derweil der 5. Data Release von RAVE mit den Radialgeschwindigkeiten und Spektren hunderttausender Sterne erschienen, was in Kombination mit Gaias DR1 und speziell TGAS eine Menge neue Einsichten über die Milchstraße verspricht. Auch Notizen über das erste unabhängige Paper mit Gaia-DR1-Daten und die Rolle Gaias bei der Planung einer Sternbedeckung durch Pluto, ein älterer Vortrag über Gaias Rolle bei Sternbedeckungen durch Asteroiden, weitere Press Releases hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier] und ein TV-Clip – insgesamt bleibt der mediale Impakt des DR1 außerhalb einer um so begeisterteren Filter-Bubble aber eher bescheiden. Aber der DR2 Ende 2017 …