Posts Tagged ‘Aeolis Mons’

Die neuesten Produkte von Curiositys Mastcam

27. August 2012

von einer weiteren MSL-Pressekonferenz heute Abend (während der noch ganz aktuelle Bilder einliefen – der Rover hat sich mit seiner ersten wissenschaftlich motivierten Fahrt gerade direkt über einer der Erosionsmarken von den Landedüsen platziert): Der Fokus der Farbkamera wird derzeit noch optimiert. Die Missionsplaner sind auch jetzt schon begeistert: Auf dem Aeolis Mons sieht man genau jene Schichten aus – unter Wassereinfluss entstandenen – Phyllosilikaten, die man binnen eines Jahres ansteuern will, während darüber nicht hydrierte Mineralien liegen. Das wusste man auch schon aus dem Orbit, aber von der Seite gesehen wird noch viel klarer, wie dieser riesige Sedimenthaufen die Marsgeschichte konserviert hat.

NACHTRAG: ein Bild mit der 100-mm-Optik der Mastcam (das Bild ganz oben war ein Ausschnitt daraus); bisher wurde meist die 34-mm-Optik mit ihrem größeren Bildfeld benutzt (wie im Bild darunter) – hier ist markiert, wie weit einzelne Features (noch) von Curiosity entfernt liegen. Auch ein JPL Release zur PK mit weiteren Visuals – und die erste Rede vom Mars. Auf der PK konnten sie allerdings nicht erklären, warum das etwas Bedeutsames sei, wo doch schon von 40+ Jahren Worte auf dem Mond gesprochen wurden. Von Leuten, die selber dort waren … NACHTRAG 2: Das komplette Mastcam-Panorama (im 3. Bild ein Ausschnitt) gibt’s jetzt in voller Auflösung „zoomable“ sowohl hier als auch hier – gute Reise! NACHTRAG 3: und noch eine Art der Darstellung.

Das komplette Bild (der Front) des Aeolis Mons

18. August 2012

ist seit wenigen Stunden bekannt, nachdem die Navcams von Curiosity endlich die lang ersehnten Bilder lieferten, die auch binnen Stunden die Erde erreichten – bisher gab es vom Aeolis Mons nur eine undeutliche Hazcam-Aufnahme, und die höheren Lagen fehlten in allen Navcam- und Mastcam-Panoramen. Leider sind die bisher vorliegenden JPEGs äußerst flau, so daß ein Stitching-Versuch dieses Bloggers nur mäßig erfolgreich war; ein britischer Marsfan kam etwas weiter, hier noch ein und noch ein Versuch. Wichtig zu wissen: Wir sehen hier nur die Front des Zentralgebirges im Gale-Krater (untere Absätze) – sie verdeckt den eigentlichen Gipfel (Bildunterschrift!), und es steht zu befürchten, dass ihn Curiosity auch im weiteren Verlauf der Reise nie erblicken wird. NACHTRAG: das beste Panorama bisher – weil die Sonne senkrecht drauf scheint, fehlt es an Schatten & Kontrasten. Oh, und der Stein im Fadenkreuz der ChemCam spricht jetzt und ahnt noch nichts … NACHTRAG 2: erweiterte Aeolis-Mons-Mosaike mit Vordergrund aus früheren Navcam-Bildern (auch hier und hier) – und in 3D, was auch andere versuchen. Und am 19.8. spricht der Mars Express mit Curiosity zum 1. Mal.

NACHTRAG 3: ein neuer MARDI-Film aus rund 600 scharfen Bildern der Abstiegskamera, die schon da sind, mit 6 Bildern/Sekunde 50% beschleunigt. Und eine handcolorierte Version des neuen Bildes von Aeolis Mons, den auch HiRISE wieder abgescannt hat.

NACHTRAG 4: ein erster Stitchversuch der NASA, mit hohem Kontrast und schlechtem Edge-Blending. NACHTRAG 5: und zum Einschätzen der Größe allerlei Eiffeltürme auf Aeolis Mons verteilt, jeder 324 m hoch und zwischen 2 und 75 km von Curiosity entfernt. Auch umfangreiche Erinnerungen an den Landetag von einer Curiosity-Frau, Teile eins und zwei. NACHTRAG 6: Derweil steht der erste Laserschuss auf das hilflose Steinchen wohl kurz bevor, aber noch sieht man nichts, und weitere ChemCam-Bilder haben mit der Zielübung offenbar nichts zu tun. NACHTRAG 7: Offensichtlich hat der Laser ein Kalibrations-Target beschossen, wo jetzt ein Loch mehr als am Vortag drin ist. Auch die neuen Aeolis-Mons-Bilder im Kontext von digitalen Höhen-Modellen – und wie es sich auf Mars-Zeit lebt, gleich die ganze Familie.

Why there is no „Mount Sharp“ on Mars (and why there can’t be one)

3. August 2012

ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Nocheinmal im Detail und mit allen Links die Begründung, warum der Berg im Mars-Krater Gale (hier ein coloriertes 3D-DTM auf der Basis von Mars-Express-Bildern) Aeolis Mons genannt werden sollte und sonst gar nichts – mit einem prominenten US-Planetenforscher als Kronzeugen: in einem Cosmos-4-U-EXTRA!

Weitere größere Artikel

Saturn – Spica – Mars: Geometrie am Abendhimmel in den kommenden Wochen.

98,3% Erfolgschance für die Marslandung nach JPL-Simulationen …

Die meisten O-Sterne sind Doppelsysteme mit Massenaustausch der Komponenten.

Kürzere Artikel

Sonne (schon wieder) Motiv für “Superzooms” dank AR 1532.

Eine Sc-Spiralgalaxie – nur 3 Mrd. Jahre nach dem Urknall: Half ein Begleiter?

Auf der Jagd nach dem kosmischen Trapez Mars/Saturn/Spica/Mond.

Galaktisches Spiralen-Mysterium unabhängig bestätigt: Der Longo-Effekt geht nicht weg …

Ein dickes buntes Sonder-”Heft” zum Venustransit vom Sternkieker – frei im Web.

Noch rund 100 Stunden: „Curiosity“ vor dem Ziel

1. August 2012

Von 7:10 bis 7:17 MESZ dauern die vielbeschworenen „Seven Minutes Terror“ des Entry, Descent & Landung (EDL) des Mars Science Laboratory alias Curiosity, vom ersten Atmosphärenkontakt in 125 km Höhe bis zur Landung des größten Marsrovers aller Zeiten – auf dem Mars. Wegen der Signallaufzeit von 13 Minuten und 48 Sekunden zwischen Erde und Mars entspricht dies 7:24 bis 7:31 MESZ Earth Received Time: Am Morgen des 6. August – noch wenig mehr als 100 Stunden – wird sich herausstellen, wie der dramatische Abstieg (Video oben, darunter ein älteres Video ohne Kommentar und unten Erläuterungen zu den 16 Kameras des MSL, dem wissenschaftlichen Programm und den anderen Instrumenten) verlaufen ist. Bisher hat das MSL alle Phasen zwischen Erde (Start am 26.11.2011) und Marsnähe problemlos abgehakt, ein paar Bahnkorrekturen inklusive, und bereits die EDL-Timeline aktiviert. Millionen Mal haben Ingenieure die EDL-Minuten simuliert, wobei nur in 1,7% der Fälle etwas schief ging: Das übertrifft die Vorgabe der NASA von einem zu 95% garantierten Missionserfolg deutlich, aber simuliert werden konnten natürlich nur die bekannten Risiken durch Technik und Mars-Umwelt. „Probably the overall biggest risk is our lack of imagination“, was sonst noch passieren kann, sagt ein JPL-Manager.

Bis zu einer entscheidenden kleinen Bahnkorrektur von Mars Odyssey am 24. Juli war nicht sicher gewesen, ob die Flugkontrolleure und die von der NASA reichlich angefixte Welt überhaupt live dabei sein konnten: Die letzte Phase der Landung findet von der Erde aus gesehen hinter dem Marshorizont statt, so dass die schwachen direkten Funksignale (eine Serie von „Semaphores“, die vom Abschluss einzelner Phasen künden) des MSL unterbrochen sind. Dafür ist das Timing der Landung für drei Marsorbiter optimiert: Odyssey, der die direkte Weiterleitung („bent pipe communications“) des MSL-Funks übernehmen soll, und MRO und Mars Express, die die Signale für eine spätere Übertragung zwischenspeichern werden (letzterer übrigens nur die Trägerwelle und keine Daten). Odyssey schockte freilich erst mit dem Ausfall eines Drallrads am 8. Juni: Das seit 11 Jahren ruhende Ersatzrad wurde hochgefahren und konnte bald übernehmen – aber dann war Odyssey wieder gestört. Und wäre zu spät über das landende MSL geflogen, wenn nicht doch noch die entscheidende Bahnkorrektur gelungen wäre. Eine klare Antwort, ob die Landung mit dem ersten kontrollierten Sturzflug durch die Hochatmosphäre, ihren 76 pyrotechnischen Ereignissen und dem abgefahrenen Skycrane am Schluss – im Detail auf Deutsch hier und hier sowie hier beschrieben – gelungen ist, sollte es also in Echtzeit geben.

Wann es allerdings die ersten Bilder von der Oberfläche zu sehen geben wird, dazu spekuliert die NASA öffentlich kaum – eine entsprechende Pressekonferenz ist erst für die Nacht 6./7. August um 1 Uhr MESZ angesetzt. Hochkomprimierte Bilder der kleinen technischen Kameras an Bord könnten aber bei idealer Orientierung des abgesetzten Curiosity schon in den Stunden oder gar Minuten nach der Landung ihren Weg auf die irdischen Bildschirme finden. Die große Fahrt zum Sedimentberg Aeolis Mons inmitten des Lande-Kraters Gale beginnt aber sicher erst nach vielen Tagen eingehender Gesundheitschecks – dann allerdings sollte sie schneller gehen als usprünglich geplant, da die Landeellipse im Juni verkleinert und verlegt wurde: Ihr Zentrum liegt jetzt 7 km näher an dem Fuß des Berges. Den die NASA und viele MSL-Funktionäre übrigens fälschlicherweise „Mount Sharp“ betiteln: Dieser Vorschlag vom März war von Anfang an ein Irrtum, da auf dem Mars nur große Krater nach verstorbenen Marsforschern benannt werden. Nach Robert P. Sharp ist nun ein solcher Krater mit 152 km Durchmesser benannt, während der Gale-Berg in Anlehnung an historische Bezeichnungen in dieser Gegend Aeolis Mons heißt und das umgebende Flachland Aeolis Palus. Vielleicht kapiert’s die NASA ja noch, bis Curiosity dort ankommt …