Posts Tagged ‘ALMA’

Ein Entfernungsrekord für eine Gravitationslinse

17. Oktober 2013

G-Linse

scheint zugleich ein Schlaglicht auf die Sternentstehungs-Geschichte des Universums zu werfen – denn die mit dem LBT in Arizona und Hubble aufgespürte Konstellation, eine Galaxie mit einer Rotverschiebung von ca. z=1.5 exakt vor einer anderen mit z=3.4, sollte eigentlich extrem unwahrscheilich sein. Bei J1000+0221 handelt es sich um die erste klassische („starke“) Gravitationslinse mit z>1 überhaupt: Das Schwerefeld der ‚Vordergrund‘-Galaxie (etwa 80 Mrd. Sonnenmassen) bildet das wesentlich masseärmere Hintergrundobjekt mit sehr grob 250 Mio. Sonnenmassen als nahezu perfekten ‚Einsteinring‘ ab und verstärkt gleichzeitig sein Licht um einen Faktor von etwa 40. Dadurch wird auch eine starke Emissionslinie von [O III] nachweisbar: Sie zeigt, dass es damals – Weltalter ca. 1.9 Mrd. Jahre – in dem Galaxienzwerg einen starken Schub der Sternentstehung gegeben haben muss. Dieselbe Hubble-Suche („CANDLES“) hatte bereits früher eine recht ähnliche Galaxie mit z=1.8 aufgespürt (Weltalter 3.6 Mrd. Jahre), ebenfalls stark gelinst – aber nach der bisherigen Vorstellung über die Häufigkeit solcher Galaxien hätte das ganze CANDLES-Programm auf nicht mal einen solchen Fall statt nunmehr schon zwei stoßen dürfen. Das könnte bedeuten, dass es bei der Entstehung jeder Galaxie zu einer spitzen Phase der Sternentstehung mit entsprechender Emission kommt: das Paper als Preprint, Pressemitteilungen von MPG und MPIA und Press Releases von LBT und HST. [NACHTRAG: noch ein Artikel]

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Der erste Vorgänger einer Typ-Ib-Supernova scheint mit Hilfe der intermediate Palomar Transient Factory (iPTF) dingfest gemacht worden zu sein: Rund jede dritte Explosion eines massereichen Sterns ist von diesem Typ, aber bislang ist unklar, was diese Vorgängersysteme auszeichnet. Für die SN iPTF13bvn von diesem Juni konnte auf älteren Hubble-Aufnahmen nun ein Kandidat in NGC 5806 ausgemacht werden – vielleicht ein Wolf-Rayet-Stern, ganz klar ist das noch nicht: das Paper als Preprint und Press Releases von Carnegie [NACHTRAG: und LCOGT] und Caltech (sowie eine andere darin erwähnte Arbeit zum Afterglow des GRB 130702A).

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Außergewöhnlicher ionisierter Nebel um einen Überriesen

So etwas wurde noch nie gesichtet: Der Rote Überriese W26 (Typ M2-5Ia) im massereichen Sternhaufen Westerlund 1 (unten eine neue Aufnahme mit dem VLT Survey Telescope, in der H-Alpha grün erscheint) wird von einem Ring und einem dreieckigen Nebel umgeben (oben ein Ausschnitt des VST-Bildes), mit einer filamentären Struktur (in der Mitte HST-Bilder in zwei Nah-IR-Kanälen). Was diesen Nebel überhaupt zum Leuchten anregt, ist herzlich unklar, da Rote Überriesen gar keine dafür nötigen UV-Photonen ausstrahlen – auch dass W26 mit rund 350’000 Sonnenleuchtkräften einer der hellsten (und mit 1500 Sonnendurchmessern einer der größten) Sterne der ganzen Milchstraße ist, hilft da nichts. Das Gas hat der nahe dem Ende seines kurzen Lebens schon instabile gewordene Stern wohl selbst abgesondert, aber angeregt wird es vielleicht von einem unbekannten Begleiter, einem Nachbarn oder sogar auch mechanischem Wege: die Originalarbeit als Preprint und ein R.A.S. Press Release.

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Und noch ein Nebel um einen Riesenstern, diesmal IC 2220 alias „Toby Jug Nebula“: Diesmal ist es allerdings ein Reflexions- und kein Emissionsnebel, den der Stern HD 65750 darin beleuchtet – und die Staubteilchen hat er auch selbst produziert. Eine kurze Phase im Leben massereicher Sterne, weshalb es nicht viele solche Fälle gibt.

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ALMA: Eine Spirale aus Kohlenmonoxid rotiert in NGC 1433

Erst das neue Radiointerferometer in Chile hat es mit 1/2 Bogensekunde Auflösung möglich gemacht, die CO-Verteilung und -Dynamik in der Seyfert-2-Galaxie NGC 1433 im Detail zu kartieren: Das Gas folgt der Verteilung von Staub auf Bildern des HST, die Spirale mündet in einer Art Ring um das aktive Zentrum der Galaxis. Zusätzlich sieht man in den Radiodaten aber auch rot- und blauverschobene Komponenten des Kohlenmonoxids: Hinweise auf einem Ausfluss, den Sternentstehung aber auch der Aktive Kern verursachen könnten. Ebenfalls mit ALMA – und unterstützt durch eine wohlplatzierte Gravitationslinse – konnte auch der Jet des viel weiter entfernten Blazars PKS1830-211 (z=2.5) untersucht werden: Die ungewöhnliche Geometrie dieses Linsensystems verspricht Erkenntnisse über den ‚Start‘-Prozess solcher Jets. Und sogar über Kosmologisches wie die Konstanz der Naturkonstanten: Preprints zu NGC 1433 und PKS1830-211 und ein

Wie Dünen Krater auf Titan verschwinden lassen

17. Januar 2013

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Cassini-Radar-Bilder des „frischen“ Kraters Sinlap (links) und des weitgehend erodierten Soi – beide etwa 80 km groß – demonstrieren, wie sich die Oberfläche des Saturnmonds Titan immer wieder verjüngt. Die halbe Titanoberfläche hat das Radar über die Jahre mit hoher Auflösung abgetastet und doch nur 60 Einschlagskrater gefunden, während die anderen Saturnmonde von Krater übersät sind: Driftende Sanddünen, von der dichten Atmosphäre geschoben, füllen sie rasch auf, bis sie nicht mehr zu erkennen sind.

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Ein Rohbild der Saturn-Wolken vom 24. Dezember 2012 durch die Cassini-Filter CB2 und CL2 aus 710’000 km Entfernung – mehr Wettergeschehen als man diesem Planeten oft zuschreibt.

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Vom Winde verweht: ein Impaktkrater auf dem Mars, den inzwischen Sanddünen fast unkenntlich gemacht haben, auf einem HiRISE-Bild des Mars Reconnaissance Orbiter.

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Reull Vallis auf dem Mars in künstlicher Schrägsicht, berechnet aus Bildern des – nun schon über 9 Jahre um den Planeten kreisenden – Mars Express von 2012: Dieses Tal, vermutlich von Wasser geschaffen, schlängelt sich fast 1500 km über die Oberfläche.

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Drei Einschlagskrater auf dem (Erd-)Mond, dicht nebeneinander und 125 bis 180 m groß; mit der Sonne ‚im Rücken‘ des Lunar Reconnaissance Orbiter treten die Ejekta deutlich hervor. Die drei sind wohl innerhalb von Minuten entstanden. Der LRO wurde kürzlich auch für ein Laser-Kommunikations-Experiment – das erste interplanetare? – benutzt, bei dem ein Bild von der Erde zum LOLA-Detektor geblitzt wurde.

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Soyuz TMA-07M nähert sich der ISS am 21. Dezember, von derselben aus aufgenommen unter einem zunehmenden Mond.

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Eine ISS-Aufnahme, die erst Rätsel aufgab und sogar Erdfoto-Experten verwirrte: Wieso ist die Raumstation so hell, während gleichzeitig – im Original jedenfalls – zahlreiche Sterne am Himmel über Nordafrika zu sehen sind? Die Lösung ist der Vollmond an diesem Tag, der ein unerwartet sanftes Licht auf die Module wirft.

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Die griechische Insel Rhodos aus der ISS aufgenommen vor ein paar Tagen.

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Vulkane im Morgenlicht aus schräger ISS-Perspektive aufgenommen in Kamtschatka, im Rahmen intensiver russischer Erdbeobachtungen von der Raumstation aus. Der linke der Vulkane ist der z.Z. aktive Tobalchik.

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Nochmal Kamtschatka-Vulkanismus, aber jetzt im IR von Satelliten IO9: Ein Lavastrom des besagten Tolbachik am 1. Dezember, nachdem er zum ersten Mal in 36 Jahren wieder aktiv geworden war.

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Und noch ein Blick von unten nach oben: Strichspuren über ALMA, dem großen Radiointerferometer in Chile, das dieses Jahr fertig werden soll, mit dann 66 Antennenschüsseln – 54 mit 12 m und 12 mit 7 m Durchmesser.

Live-Blog zum Start der nächsten zwei Galileos

12. Oktober 2012

Ein weiteres ESA-Foto vom Start – weitere im Stream – und ein Video ab t-3 min. [22:25 MESZ] Die Fregat brennt wieder, wird bestätigt! [23:55 MESZ] Und auch, dass der 2. Burn erfolgreich war. Jetzt wird die Stufe in die richtige Orientierung gedreht. [23:57 MESZ] Die Satelliten sind ausgesetzt! Wenn die beiden neuen Galileos einsatzbereit sind, kann mit den nunmehr vier operationellen zum ersten Mal tatsächlich eine Position auf der Erde bestimmt werden. [24:00 MESZ – ENDE. NACHTRÄGE: ESA und Arianespace Press Releases, Artikel hier, hier, hier, hier & hier, ein Jubel-Tweet und noch mehr Start-Bilder im Stream. NACHTRAG 2: Die ersten 1 1/2 Stunden ist alles bestens gelaufen. NACHTRAG 3: Auch Tags darauf die Satelliten beide glücklich, und die EU auch]

Intermezzo! Radioastronomen sehen grün auf diesem bemerkenswerten japanischen Bild vom ALMA-Interferometer in Chile im Mondschein – derweil dürfte man in München eher blau sein, wo der 50. ESO-Geburtstag gestern Abend heftig begossen vornehm gefeiert wurde … [22:15 MESZ]

Ein echtes Foto vom Soyuz-Start hat die ESA gerade veröffentlicht, mit dem Hinweis, dass die Galileos um 23:59 MESZ ausgesetzt werden sollen. Zuvor soll die Fregat ab 23:49 MESZ ein 2. Mal 5 Min. lang brennen. [21:30 MESZ]

Intermezzo! Die allerletzte Reise der Endeavour hat begonnen, mit dem zwei Tage währenden Landtransport vom Flughafen LAX – oben die Abfahrt heute ganz früh – ins California Science Center: Das Interesse ist groß. Unten noch Überflüge des Hollywood-Zeichens von LA und der Golden Gate Bridge in San Francisco (ein Amateur-Video vom Boden) bei der Ankunft an der Westküste am 21. September; Artikel dazu hier und hier, mehr Bilder, auch hier, hier, hier, hier und hier – und von einem Satelliten aus. [21:15 MESZ]

Die Fregat & die Galileos sind im Orbit in ballistischem Flug: In gut drei Stunden wird die Oberstufe erneut gezündet, bevor die Satelliten ausgesetzt werden. Der Webcast soll um 23:25 MESZ wieder aufgenommen werden. [20:45 MESZ]

Intermezzo! Richtige Fotos von der Ankunft des Dragon an der ISS mit DSLR-Kameras sind – diesmal mit erheblicher Verspätung – veröffentlicht worden. Und SpaceX und die NASA untersuchen gemeinsam, wieso der Falcon-Start beinahe schief gegangen ist … [20:35 MESZ]

Weitere Screenshots aus dem Arianespace/ESA-Webcast; die Zeit läuft von unten nach oben. Die Oberstufe Fregat hat gerade zum 1. Mal gezündet und wird 13 Minuten brennen. [20:25 MESZ]

Keine 2 Minuten mehr bis zum Start. [20:13 MESZ] Gut weg gekommen! Schöner Start am Tag, mit strahlendem Sonnenschein; auch der Abwurf der Booster war gut zu verfolgen. [20:18 MESZ]

Da sitzen sie drin: Fast exakt ein Jahr nach dem Start der ersten beiden operationellen Galileos („Der erste Start einer Soyuz in Französisch-Guayana“) warten nun die nächsten beiden auf ihren Start um 20:15 MESZ mit der 3. Südamerika-Soyuz. Ein Webcast hat soeben verspätet hier begonnen; mehr Artikel sind in dieser Sammlung und speziell hier und hier zu finden. [19:55 MESZ]

Early Science läuft! Die Welt mit ALMAs Augen

3. Oktober 2011

Seit dem 30. September laufen die Early-Science-Beobachtungen mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array in Chile: 16 der vorgesehenen 66 Antennenschüsseln sind schon dabei, und noch spannen sie nur ein virtuelles Teleskop von 400 m Durchmesser auf – wenn ALMA 2013 komplett ist, werden es 16 km sein. Die Empfindlichkeit wird sich durch die gewachsene Antennenfläche gegenüber jetzt also mehr als verdreifachen, die Winkelauflösung aber um einen Faktor 50 besser (bei 0.8 mm Wellenlänge jetzt 0.5, dann 0.01 Bogensekunden). Trotzdem sehen die ersten Ergebnisse aus der Commissioning & Science Verification schon gut aus: hier das Herz der „Antennengalaxie“ mit nur 12 Antennen bei 870 µm und 2.6 mm, wo Kohlenmonoxid-Emission von heftiger – und im sichtbaren verborgener – Sternentstehung als Folge der Galaxien-Kollision zeugt.

Das ALMA-Projekt ist im Prinzip rund 30 Jahre alt aber wirklich international – 20 Länder machen mit und stecken insgesamt 1.3 Mrd.$ hinein – erst seit ein paar Jahren: Während das amerikanische NRAO und die ESO 50 Teleskope à 12 m aufstellen, steuert Japan einen Compact Array mit 12 7-m-Schüsseln und 4 12-m-Antennen bei, der Bilder großflächiger Quellen verbessern wird, sowie Empfänger für drei weitere Wellenlängenbereiche, für 300 µm bis 10 mm wird ALMA zuständig sein, schon jetzt das beste Radiointerferometer in diesem Feld. In der Early Science-Phase, die 9-fach überbucht war und bei der nur die besten 10% der Anträge zum Zuge kommen können, wird es u.a. um das Galaktische Zentrum, den 25 Jahre alten Remnant der SN 1987A und die ersten Sterne und Galaxien gehen. NRAO, ESO, STFC, NAO Releases, NRAO, ESO Videos; BBC.

13 ziemliche aktuelle Bilder für Freitag, den 13.

13. August 2010

Sieben Schüsseln stehen schon auf dem ALMA-Plateau in Nordchile – und demnächst werden es schon 66 sein, die dann das größte Radiointerferometer der Welt („Schon fünf ALMA-Antennen …“) bilden werden. NACHTRAG: die NRAO e-News zum Stand des ALMA-Baus.

Fächer-artige Strukturen im F-Ring des Saturn werden wohl überwiegend durch die Schwerkraft des Mondes Prometheus verursacht, aber der schmale Ring ist so dicht, dass durch Eigengravitation auch kompakte Staubklumpen zusammen finden können. Die Lage des Rings nahe der Roche-Grenze bietet solchen Schneebällen gute Überlebenschancen.

Der Tarantel-Nebel in der LMC aus Sicht von VISTA, aufgenommen während der VISTA Magellanic Cloud survey: einer von sechs großen Nah-IR-Durchmusterungen am Südhimmel, die den Großteil der ersten 5 Jahre Betrieb des neuen ESO-Teleskops beanspruchen.

Der Sternhaufen NGC 3603 im Sternbild Carina in einer Aufnahme der neuen Hubble-Kamera WFC 3: Hier gibt es einige der massereichsten bekannten Sterne.

Die Starburst-Galaxie Haro 11 (vermutlich das Produkt einer Verschmelzung) in einer kombinierten Aufnahme von VLT und HST: 20 Sonnenmassen Gas pro Jahr werden hier in Sterne umgewandelt; 200 individuelle Sternhaufen wurden identifiziert.

Ein Sternentstehungsgebiet bei M 17, in dem man noch keine Sterne sehen kann, ist M17SWex (Ellipse rechts) auf dieser Aufnahme des Spitzer-Teleskops: Es hat dort zwar im IR warmen Staub gefunden, den 488 Sterne erwärmen, aber kurioserweise fehlen O-Sterne völlig – vielleicht brauchen die länger oder einen äußeren Anstoß, um sich zu bilden?

Der Sternhaufen AFGL 490 in Camelopardalis ist nur im Infraroten – hier von WISE – zu erkennen, während er im Sichtbaren hinter dichtem Staub versteckt ist.

Der Protoplanetare Nebel um den Stern IRAS 19475+3119 aus Hubble-Sicht: Vermutlich sorgt der sterbende Sterne mit Jets für die kuriose Form der Gashülle – wobei hier zwei längliche bipolare Blasen in einem Winkel zueinander entstanden sind.

Die Kleine Magellansche Wolke bei 3 bis 22 µm Wellenlänge von WISE aufgenommen: offenkundig eine Irreguläre Galaxie („Die Kleine …“). Allerdings mit Strichspuren zweier Erdsatelliten – die selbst einen Astrosatelliten ärgern können.

Kuriose Staubstrukturen im Zentrum der Elliptischen Galaxie NGC 4696 auf einem Bild, das mit zwei verschiedenen Hubble-Kameras entstand – die seltsame Form ist wohl ein Relikt der Galaxien-Kollision, bei der die Elliptische entstand.

Galaxien-Kollision extra-bunt … Hier wurden Aufnahmen der berühmten „Antennen“ im Röntgenlicht (Chandra), sichtbaren (Hubble) und IR (Spitzer) kombiniert: Die drei Satelliten betonen heißes Gas bzw. alte und neu entstandene Sterne bzw. warmen Staub, den letztere aufheizen.

Die Galaxie NGC 4911 im Coma-Haufen mit ausgeprägten Staub- und Gas-Strukturen: Mit diversen Nachbarn (hier nicht alle gezeigt) erlebt sie starke Schwerkrafteffekte.

Die erste Gesamtkarte des Himmel vom Satelliten Planck von 30 to 857 GHz zeigt im Wesentlichen „Vordergrund“ und die eigentliche Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, um die es geht, nur in hohen galaktischen Breiten angedeutet. Aber dank seiner vielen Messfrequenzen wird sich alles, was nicht dazu gehört, modellieren und wegrechnen lassen – und dann wird die Hintergrundstrahlung vom gesamten Himmel eine Menge Kosmologie verraten. Aber das wird noch bis Ende 2012 dauern.

Nachrichten von Teleskopen kompakt

14. Juni 2010

Ein Hubble-„Schnappschuss“ von einem kaum erforschten Nebel: Wenn zwischen zwei Beobachtungen des Weltraumteleskops noch etwas Zeit verbleibt, wird auf eine Liste vorbestellter Ziele geringer(er) Priorität zugegriffen – und hier hat es (mit dem Wide Field Channel der ACS) den Nebel IRAS 05437+2505 getroffen, über den wenig bekannt war. Vermutlich ein Sternentstehungsgebiet, wo die Strahlung junger Sterne den Nebel beeinflusst – aber da passiert wohl noch mehr: Der helle bumerangförmige Bogen deutet auf einen mit 55 km/s relativ zum Nebel ungewöhnlich schnellen Stern hin.

CoRoT hat schon 15 Exoplaneten entdeckt, darunter Exoten

Unter den neuesten sechs Funden des kleinen europäischen Satelliten CoRoT-8b, -10b, -11b, -12b, -13b und -14b ist mit CoRoT-11b z.B. ein Planet, der um einen Stern kreist, der sich alle 2 Tage um seine Achse dreht: Da lassen sich Exoplaneten überhaupt nur durch Transits nachweisen, weil das Signal der Radialgeschwindigkeit kaum auszuwerten ist. Von den 82 Planeten, die bisher per Transit entdeckt wurden, hat CoRoT 15 geliefert, dazu noch anderes wie jetzt einen Braunen Zwerg mit ca. 60 Jupitermassen, CoRoT-15b. (ESA Release 14.6.2010)

Schon fünf ALMA-Antennen arbeiten als Interferometer zusammen: Das gewaltige Radiointerferometer in Chile („Meilenstein …“) wächst munter weiter, weitere Antennen sind unterwegs und 2011 wird es mit einem teilweise fertigen Array die erste Wissenschaft geben. 2012 sollte das derzeit größte Astronomieprojekt auf dem Planeten dann fertig sein, mit 54 12-m- und 12 7-m-Antennenschüsseln. NACHTRAG: die NRAO eNews zu den ALMA-Fortschritten – und ein Bild aus dem Orbit von der OSF von ALMA.

Formelle Einweihung von LOFAR durch die Königin der Niederlande

Das futuristische Radiointerferometer für lange Wellen, das sich über mehrere europäische Länder erstreckt, liefert zwar schon seit Jahren Bilder und wissenschaftliche Ergebnisse (weitere in MPIfR-PMn zu einem Quasar und Pulsar-Messungen), aber erst am 12. Juni drückte Königin Beatrix feierlich auf den „Start“-Knopf – schließlich befinden sich das Herz der Anlage und auch der Zentralrechner, in dem erst die Himmelsbilder entstehen, in den Niederlanden. Und LOFAR wächst immer noch: Derzeit sind 22 Stationen (die jeweils aus hunderten einfachen Dipolantennen bestehen) im Betrieb, und am Ende sollen es mindestens 36 in den Niederlanden und 8 in Deutschland (wo schon drei Stationen Daten liefern), Frankreich, Großbritannien (dazu Uni Portsmouth und STFC Releases, ein Blog und Artikel von BBC und Will Gater) und Schweden sein. (MPIfR PM 12., ASTRON Release [früher], Jacobs Univ. PM, Welt der Physik [mehr], Spiegel 14.6.2010.) NACHTRAG: Bericht vom Event.

Die ersten vier MeerKAT-Teleskope arbeiten als Interferometer in Südafrika: Die 12-m-Schüsseln gehören zum MeerKAT Precursor Array, mit dem sich die Republik Südafrika als Standort für den Square Kilometer Array empfiehlt. Insgesamt stehen 7 dieser Antennen in der Nördlichen Kapprovinz, die als besonders radioruhig ausgewiesen ist: Hier könnte der zentrale Teil der mehrere Länder umfassenden Anlage entstehen – wenn nicht der einzige verbliebene Mitbewerber Westaustralien den Zuschlag bekommt … (SKA South Africa Release 10.5.2010) NACHTRAG: Auf einer großen SKA-Tagung im Anschluss an die LOFAR-Einweihung wurde heftig für RSA & friends und Oz/NZ die Werbetrommel gerührt – sogar mit einem Comic über MeerKAT. Und es soll dem Vernehmen nach hoch her gegangen sein …

Kosmische Kuriosa kompakt

20. November 2009

Inbetriebnahme des LHC in diesen Stunden

Während sich Physiker und (durchweg) Nichtphysiker noch ein wenig darüber streiten, ob mit dem Large Hadron Collider unwägbare Gefahren für Genf, die Erde oder das Universum verbunden sind, wird der Teilchenbeschleuniger in diesen Stunden wieder hochgefahren, 14 Monate nach der schweren Panne kurz nach dem ersten Start – das konnte auch ein Kurzschluss in einem über der Erde gelegenen System nicht verhindern, den ein von einem Vogel verlorenes Stück Baguette ausgelöst haben soll. Soeben ist der Strahl einmal ganz herum gelangt, nun wird es auch in der Gegenrichtung ausprobiert. Laufende Updates liefert der Twitter-Feed des CERN.

Schon nächste oder übernächste Woche könnte es die ersten Teilchenkollisionen geben (zu denen es 2008 erst gar nicht gekommen war): zunächst noch mit viel geringerer Energie als sie längst der große US-Konkurrent Tevatron schafft, aber die riesigen Detektoren rund um den Ring werden dann endlich etwas zum Detektieren haben. Und bereits im Januar könnte der LHC am Tevatron vorbeiziehen. (Cosmic Variance, Boston Globe, Discovery, Nature Blog, Tracker, BBC, Physics World 20., BBC, Telegraph 19., AP 17., Cosmic Log 13., eSkeptic 11., Cosmic Variance 8., Twisted Physics 6.11.2009) NACHTRÄGE: CERN, LBL Releases, BBC, AP, New York Times, Scientific American, Discovery, Tagesschau, BR, KosmoLogs, FAZ, WissensLogs, Welt der Physik (mit Twitter-Protokoll) zum Erfolg.

Auch Gewitterwolken funktionieren offenbar als Teilchenbeschleuniger: Wie schon andere Satelliten vor ihm, sieht Fermi „Terrestrial Gamma Flashes“, insbesondere mit einer Energie von 511 keV – da werden wohl Positronen und Elektronen annihiliert. Aber auch ein Mechanismus, bei dem die Wolken Elektronen beschleunigen, die dann mit Luftmolekülen kollidieren und Gammablitze erzeugen, ist denkbar. (Symmetry Magazine 6.11.2009) NACHTRAG: Hat’s noch wer mitbekommen … NACHTRAG 2: … aber es berichten nicht genug? NACHTRAG 3: Dafür gibt’s einen eigenen Mini-Satelliten, Firefly. NACHTRAG 4: Und gleich noch ein Artikel von Science@NASA. NACHTRAG 5: Auch Fermi guckt nach TGFs – ebenso wie der Satellit AGILE.

Auf der Jagd nach Dunkler Materie – am Himmel und im Labor

Während sie manche am liebsten loswerden wollen, glauben andere, direkte Spuren der Dunklen Materie bereits in astronomischen Daten gefunden zu haben. Oder sind überzeugt, die vermuteten Teilchen bald mit Detektoren auf der Erde einfangen zu können, seien es laufende oder vorgeschlagene (etwa mit Richtungsempfindlichkeit). Der Fermi-Satellit sieht Gammastrahlung aus Richtung des Galaktischen Zentrums, die darauf zurückgehen könnte, dass bestimmte DM-Teilchen mit normaler Materie annihilieren – die Daten könnten aber auch ‚konventionell‘ erklärt werden. (Diese Studie sorgte auch für Wirbel, weil die Autoren ‚von auswärts‘ Fermi-Daten analysierten, die die Fermi-Forscher selber noch gar nicht ausgewertet hatten.)

Derweil suchen eine ganze Reihe Experimente – meist unterirdisch – nach speziellen Kandidaten für die Dunkle Materie, namentlich Neutralinos und Axions, wobei die letzteren weniger populär aber womöglich physikalisch vielversprechender sind. Versuche, die umstrittene angebliche Detektion Dunkler Materie durch das Experiment DAMA unabhängig nachzuprüfen, hakt allerdings an der mangelnden Verfügbarkeit von zentnerweise hochreinem Natriumjodid. (Goodenough & Hooper, Preprint 11., Nature 5.11. 23, Scientific American 3.11., Physics World 29., Sky&Tel., Cosmic Variance 28., Nature News 2009.1018 19.10.2009 zu Fermi, Irastorza, Preprint 15., Ahlen & al., Preprint 1.11.2009 zu den Labors) NACHTRAG: mehr zu den Fermi-Daten.

Neues Untergrundlabor DUSEL wird weiter gefördert: Die NSF investiert 29 Mio.$ in Detailstudien für das tiefste Untergrundlabor überhaupt, das Deep Underground Science and Engineering Laboratory in South Dakota – der Bau könnte um 2013 beginnen. Derweil laufen im Baikalsee Experimente, um durchs Wasser schießende Neutrinos über akustische Effekte nachzuweisen. (Berkeley Press Release 15., Aynutdinov & al. Preprint 5.10.2009)

Das Vereinigte Königreich steigt aus dem Gemini-Projekt aus

Das scheint nun so gut wie sicher zu sein: Man will die 4 Mio. Pfund im Jahr Anteil an den Betriebskosten der beiden 8-m-Teleskope auf Hawaii und in Chile sparen. Bisher wurden 35 Mio. investiert, und das UK hat einen Anteil von 23% an dem Projekt. (Physics World 19.11.2009)

Meilenstein für das ALMA-Interferometer: Zum ersten Mal konnten zwei der Radioantennen am chilenischen Standort kohärent zusammengeschaltet werden. Da musste dann auch eine beteiligte deutsche Firma zur Feder, äh, Tastatur greifen und auf die besondere Rolle Nordrheinwestfalens bei ALMA verweisen … (ALMA News, Jodrell Bank Release, ThyssenKrupp PM 19.11.2009) NACHTRAG: ALMA Announcements und der NRAO Newsletter zu den First Fringes.

50 Jahre (modernes) SETI – 25 Jahre SETI Institute

Zwar haben sie immer noch keine Funk- oder sonstigen Signale fremder Zivilisationen vorzuweisen, aber wenigstens konnten die Fans der Search for Extraterrestrial Intelligence dieser Tage zwei runde Jubiläen begehen: Am 19. September 1959 veröffentlichte Nature ein Paper mit dem Titel „Searching for Interstellar Communication“, das dank renommierter Autoren die Radiosuche nach Aliens gewissermaßen legitimierte (während Frank Drake bereits heimlich auf der Suche war). Und am 20. November 1984 wurde das SETI Institute in Kalifornien eröffnet, das sich nach dem Wegbrechen staatlicher Förderung auf anderen Wegen um die systematische Suche und auch verwandte Forschungsgebiete kümmert, übrigens bis hin zur Meteorbeobachtung. Daher war dieser Blogger auch 2007 dort zu Gast, im Rahmen der Aurigiden-Kampagne. (Nature 17.9. 345-6 und 316, New York Times 6.10., Welt der Physik 16., Wired 20.11.2009) NACHTRÄGE: Wow – oder auch nicht … und was wir senden sollten. NACHTRAG 2: Die Washington Post sieht SETI heuer schwer im Aufwind … NACHTRAG 3: … und der New Scientist hofft auf ETs Anruf 2010.

Der ‚Preprint-Server‘ soll ein interaktives Medium werden

Kaum eine Forschungsarbeit aus der Physik (und der Astrophysik allemal) landet nicht früher oder später im „Arxiv“, einer offen zugänglichen Sammlung von schon rund 600’000 Forschungsarbeiten – manche referiert und publiziert, andere nie. Jetzt investiert die National Science Foundation 883’000$ in einen Ausbau der bislang reinen Paper-Sammlung in ein System, das die Kommunikation über die Arbeiten anheizen und diese auch selber auf neuen Wegen erfassen und zugänglich machen soll. Selbst die „Genealogie“ wissenschaftlicher Gedanken soll automatisch ergründet werden … (Cornell Press Release 17.11.2009)

Was war die „beste“ Astronomie des vergangenen Jahrzehnts? Geht man nur von den Zitaten durch andere Arbeiten aus, dann liegt die Kartierung der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung durch den Satelliten WMAP klar an der Spitze. Unterdessen hat der besorgte Neuseeländer bei den „fundamentalen Entdeckungen“ der Astronomie auch seine Ränge 26-51 nach der Zeit sortiert – und wieder geht es nach 1980 steil bergab … (We are all in the Gutter 17., Cosmic Diary 19.11.2009)

So haben Sie das Galaktische Zentrum noch nicht gesehen

1. Juli 2009

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So sieht die Zentralregion unserer Milchstraße aus, wenn man Infrarot-Bilder des Satelliten MSX aus den 1990-er Jahren (grün & blau) mit einer brandneuen Sub-mm-Karte (rot) des Radioteleskops APEX in Chile und seiner Kamera LABOCA kombiniert, die im Rahmen der Durchmusterung ATLASGAL bei 870 µm entstand. Diese APEX Telescope Large Area Survey of the Galaxy umfasst 95 Quadratgrad entlang der Milchstraßenebene, deren zentraler Bereich hier zu sehen ist, samt der Molekülwolke Sgr B2 etwas links der Mitte. ATLASGAL gilt als die größte Karte kalten Staubes in der Milchstraße und wird einst dem direkt neben dem Atacama Pathfinder Experiment entstehenden Radiointerferometer ALMA buchstäblich den Weg weisen.