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„Another Earth“: Paralleluniversum mal anders …

14. November 2011

Nach „Melancholia“ und „Apollo 18schon wieder ein Spielfilm in den Kinos, der einen gewissen Bezug zur realen Astronomie und/oder Raumfahrt hat (was man von anderen diesjährigen SciFi-Filmen wie „Super 8“ oder „Cowboys and Aliens“ nun wirklich nicht behaupten könnte): „Another Earth“ spielt allerdings schon allein deswegen in einer anderen Liga, weil es sich um eine extrem preiswerte Produktion – Gesamtkosten unter 200’000 Dollar! – handelt, erkennbar auch am knappen Abspann, in dem viele Beteiligte gleich in einer ganzen Reihe von Funktionen auftauchen. Auf nennenswerte visuelle Effekte musste da verzichtet werden, was aber durch das starke Spiel der Hauptfiguren und z.T. experimentalfilmhafte Ideen recht überzeugend ausgeglichen wird. Die titelgebende zweite Erde ist indes einfach die unsrige, die am Himmel immer größer und … SPOILER AB HIER!

… von einer vagen Metapher für Selbstgespräche und Doppelgänger mehr und mehr zum realen Reiseziel mit womöglich einer zweiten Chance wird. Wobei man sich allerdings fragen muss, warum nach dem ersten Telefonat der SETI-Institute hüben und drüben – eine der stärksten Szenen des Films, durchaus dem ersten Kontakt im „Contact“ oder der ersten Sichtung der Invasionsschiffe in „Independence Day“ vergleichbar – nicht kräftig weiter kommuniziert wird. Woher diese zumindest bis zum Kontakt mit unserer offenbar in jedem Detail identische Kopie der Erde hergekommen ist, diskutiert der Film zwar nur ganz am Rande, aber im Original spricht den Off-Text immerhin der echte US-Astronom Richard Berendzen – übrigens interessanterweise selbst mit dramatischer persönlicher Vergangenheit, ganz wie die Hauptfigur, deren Karriere als Astrophysikerin gleich am Anfang ein jähes Ende findet, und ungewöhnlicher Veröffentlichungsliste.

Im Film ist Berendzen auch einmal kurz im TV zu sehen, und in zwei Promo-Videos der Produktion hier und hier zieht er Parallelen (no pun intended) zur populären Idee von Paralleluniversen. Und im TV-im-Film-Auftritt vertritt er die Hypothese, dass sich beide Welten nach der gegenseitigen Entdeckung unterschiedlich zu entwickeln begonnen haben könnten, was den Filmplot entscheidend voran treibt. Parallelen (sorry …) zu „Melancholia“ sind übrigens gleich mehrere vorhanden: nicht nur der ständig wachsende Planet am Himmel, auch die Beschränkung auf einige wenige Charaktere, die fast isoliert und ohne Kontakt zum Rest der Welt dem Phänomen ausgeliefert wird, das Nichtstellen von offensichtlichen Fragen, was den engagiert mitdenkenden Zuschauer auch mal nerven kann – und ein extrem abruptes Ende, das diesen mit den provokativen Ideen des Films (den übrigens Regisseur und Hauptdarstellerin zusammen schrieben, auch nicht alltäglich) allein vor der schwarzen Leinwand zurück lässt.

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