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Nochmal 3 1/2 Stunden Zittern – dann ein Ares-Flug wie aus dem Bilderbuch!

28. Oktober 2009

Immer wieder war auch am zweiten Tag der Start der Ares I-X verschoben worden, diesmal nur wegen – für das bloße Auge kaum wahrnehmbarer – Cirrus-Wolken. Aber die hätten zur elektrischen Aufladung der durchstoßenden Rakete führen können, was wiederum die Funkverbindung zur Selbstzerstörungsanlage stören könnte. Doch um 16:26 MEZ war es so weit: Ein Beobachtungsflugzeug meldete ausreichend klaren Himmel und zog sich zurück – und der bei t-4 min. stehende Countdown konnte wieder aufgenommen werden.

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Von unten nach oben der Verlauf des Ares-I-X-Fluges ab 16:30 MEZ: Die 1. Stufe hat dem Anschein nach perfekt gearbeitet, höchstens die Abtrennung der 2. (Dummy-)Stufe verlief etwas anders als in Computersimulationen. Nach eigen Minuten Unsicherheit war dann auch klar, dass die 1. Stufe im Ozean gesichtet wurde; ob allerdings die Fallschirme korrekt gearbeitet haben, konnte zunächst nicht bestätigt werden. NACHTRAG: Auf einer PK zwei Stunden nach dem Start wurde das Erreichen aller Missionsziele gefeiert – die Ares folgte perfekt und problemlos der geplanten Trajektorie. Die unerwartete Mechanik bei der Stufentrennung muss noch ergründet werden, und ob die Fallschirme funktionierten, weiß man auch noch nicht (aber da die 1. Stufe schwimmt, war das wohl so). NACHTRAG 2: ein Video und Bilder (v.a. dieses; der Effekt wird hier und hier diskutiert) vom und ein NASA Press Release zum Start – und die Fallschirme haben funktioniert: Da schwimmt sie, die Ares! NACHTRAG 3: Der Tag zusammengefasst.

Ares-Start nach 3 1/3 Stunden dramatischer „Seifenoper“ abgesagt

27. Oktober 2009

So spannend war ein Nicht-Start wohl selten gewesen: 3 Stunden und 20 Minuten durfte gehofft, geflucht und auch öfters mal gelacht werden, als heute von 13:00 bis 16:20 MEZ vergeblich auf den Start der Ares I-X gewartet wurde. Gehofft, weil mit der Rakete selbst alles im grünen Bereich war und es meist nur am sich andauernd ändernden Wetter lang, dass ein Startzeitpunkt nach dem anderen gekippt wurde, geflucht, weil als endlich mal alles passte, ein Frachtschiff in die Seeverbotszone vor dem Cape eindrang. Und gelacht, weil man eben diesem Schiff offenbar ganz buchstäblich „Dampf gemacht“ hatte und es statt in den zunächst angekündigten 90 Minuten blitzschnell aus der Gefährdungszone gescheucht werden konnte. Oder weil am Ende neue „allerletzte“ Startzeiten im Minutentakt nachgeliefert wurden, während ein Astronaut in einem Flugzeug durch die vorüberjagenden Wolken sauste, auf der Suche nach einem vielleicht doch noch passenden Loch. Denn durch Wolken starten wollte man nicht, wegen der Gefahr tribolelektrischer Effekte auf der Raketenhaut (einem relativ neuen Kriterium).

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Vor allem aber war es zuvor recht lustig geworden (für die TV-Zuschauer jedenfalls), als die Schutzverkleidung einiger Messinstrumente an der Raketenspitze längere Zeit nicht abgehen wollte und man zuschauen konnte, wie mit wachsender Verzweiflung am Seil gezerrt wurde (Bild). Als die „Socke“ dann plötzlich weg war, war die Freude um so größer, und in der Flugkontrolle wurde applaudiert, was sonst während Startvorbereitungen nie passiert. Doch was half’s: Morgen wird’s erneut probiert, die Wahrscheinlichkeit für schlechtes Wetter sinkt von den heutigen 60 auf dann 40%, mit insgesamt weniger Wolken und weniger Wind – aber immer noch genug Potenzial für Aufregungen, die heute selbst in einem NASA-eigenen Blog als wahre soap opera gesehen wurden. Vielleicht morgen nicht mehr ganz so vielen … NACHTRAG: andere Artikel über heute von BBC, Space.com und Universe Today. NACHTRAG 2: Was es mit den triboelektrischen Problemen auf sich hat … NACHTRAG 3: Und was bei Starts sonst schon passiert ist.

Noch 45 Minuten bis zum Ares-Startfenster

27. Oktober 2009

Mal abgesehen von der Frage, ob das Programm überhaupt weitergeführt werden wird, ist der möglicherweise in weniger als einer Stunde stattfindende Flug der Ares I-X ein Meilenstein(chen) der Raumfahrtgeschichte: Der ‚Stack‘ auf der Rampe 39B des Kennedy Space Center ist die derzeit längste Rakete der Welt und die erste große der NASA ist fast drei Jahrzehnten – aber auch eine kuriose Kombination aus übrig gebliebenen Teilen verschiedener Raketenprogramme, was ihr den Spitznamen „Lego-Projekt“ eingebracht hat. Im Prinzip handelt es sich um einen der Feststoffbooster des Space Shuttle mit ein bisschen „was drauf“: den Dummies einer zweiten Stufe und eines Abort-Systems aber auch über 700 Sensoren. Die sind am wichtigsten: Bei dem Flug handelt es sich gewissermaßen um einen Windtunnel-Test in freier Natur zum mechanischen Verhalten der ersten Stufe – oder auch nicht, denn der verwendete Booster hat nur die üblichen vier Segmente, während die erste Stufe der echten Ares noch ein fünftes haben soll (dessen Rolle jetzt ebenfalls ein Dummy spielt), und Experten sind sich uneins, wie gut die Ares I-X überhaupt dem ‚Original‘ entspricht.

Alles Wesentliche wird in nur zwei Minuten passieren: Viel schneller als ein Space Shuttle soll die überaus schlanke Rakete die Rampe verlassen, akustische und mechanische Belastungen erleben, die u.U. zu bedenklichen Vibrationen führen und dann nach 124 Sekunden bei Mach 4.7 in 39 km Höhe die mit Stahlplatten gefüllte Dummy-Stufe abwerfen – zumindest Telekameras sollten bei klarem Himmel diese Phase noch zeigen. Die erste Stufe kehrt dann (wie auch die normalen Shuttle-Booster) am Fallschirm zurück und wird geborgen, der Rest versinkt 236 km von der Rampe entfernt im Meer. Dann beginnt die Analyse der Datenflut der Sensoren – 12 MB/Sekunde – und der Vergleich mit den Modellen: Jeder echte Testflug verspricht ganz neue Erkenntnisse, weshalb auch die Augustine-Komission bei allen Zweifeln nie einen Verzicht auf die I-X in Erwägung gezogen hatte (und das nicht nur wegen der 445 Mio.$, die der Test kostet) – irgendwelche Erfahrungen wird man auf jeden Fall einmal nutzen können. Ob ein klarer Erfolg oder gravierende Probleme allerdings die anstehenden politischen Entscheidungen beeinflussen werden, darüber gehen die Meinungen schon vorher auseinander …

Eine TV-Liveshow von Spaceflight Now nebst schnellem Blog, das offizielle Blog der NASA und die letzten Artikel von Spaceflight Now, Orlando Sentinel und Orion.

Vielleicht in 2 1/2 Stunden: Teststart der „Ares“ ins Ungewisse

27. Oktober 2009

ARES I-X Launch Prep

Im Augenblick ist das Wetter über dem Cape – überraschend – grün: Wenn das so bleibt, könnte es bereits zu Beginn des 4-stündigen Startfensters ab 13:00 MEZ losgehen mit dem ersten Start einer neu entwickelten Rakete in Florida in Jahrzehnten. Die 100 m hohe Ares I-X (hier gestern abend zu sehen) soll nur einen zweiminütigen suborbitalen Testflug mit einer Dummy-Nutzlast aber über 700 Messgeräten an Bord absolvieren und unterscheidet sich auch deutlich von der Ares I, die nach offiziellem Plan 2015, nach Einschätzung der Augustine-Komission aber erst 2017 in der Lage sein würde, Astronauten in einen niedrigen Erdorbit zu befördern. Ob das Programm freilich jemals so weit kommen wird, ist alles andere als sicher: Kurz nachdem die Ares I-X vor einer Woche auf die Rampe gerollt war, hatten Augustine & Co. ihren Abschlussbericht vorgelegt – und auf den 157 Seiten „Seeking a Human Spaceflight Program Worthy of a Great Nation“ kommt gerade die Ares I nur am Rande vor, in zwei von fünf Szenarien und nicht unbedingt den bevorzugten.

Wie schon in der Vorab-Version macht der – bereits heftig diskutierte – Bericht vom 22. Oktober klar, dass beim augenblicklichen Etat nennenswerte bemannte Raumfahrt jenseits des Low Earth Orbit noch für Jahrzehnte nicht zu machen ist. Aus rund 3000 möglichen Szenarien hatte man die 5 grundsätzlichen Vorgehensweisen herauskondensiert, aus denen sich nun das Weiße Haus und natürlich der Kongress eine aussuchen dürfen, wenn sie wollen. Alles, was nicht die größtmögliche Sicherheit der Astronauten garantiert, wurde von vorneherein ausgeschlossen, so dass die Entscheidung nur vom gewünschten Ziel und den Finanzen abhängt. In zwei der 5 Szenarien bleibt das Finanzniveau, die ISS wird bis 2020 betrieben und danach geht es vielleicht – aber nicht vor 2030 – zum Mond. Wenn aber jedes Jahr(!) 3 Mrd.$ mehr zur Verfügung ständen, dann könnte man wahlweise mit dem aktuellen Constellation-Programm (also Ares I und V und Orion-Kapsel) weitermachen und (bei Versenkung der ISS 2016) immerhin 2025 den Mond erreichen, mit einem alternativen Trägersystem bei ISS-Betrieb bis 2020 den Mond um 2025 erreichen oder aber die ISS bis 2020 betreiben und – mit alternativen Raketen – einem „flexible path“ zu NEOs, den Marsmonden etc. folgen.

Letzteres Szenario wird zwar nicht ausdrücklich empfohlen aber als besonders attraktiv beschrieben: Immer wieder würden im Laufe der Jahre neue Ziele erreicht, es bliebe spannend, und einige Wissenschaft fiele auch noch dabei ab. Das Fernziel aller Bemühungen soll übrigens eine Landung auf der Mars werden, aber die hält die Augustine-Komission für derart schwierig, dass auf jeden Fall eine Reise zum Mond oder eben der flexible path davor absolviert werden müssten. Grundsätzlich sollten sich die USA auch bemühen, die Führung eines internationalen Programms zu übernehmen, privaten Anbietern möglichst große Freiräume geben (was am Ende Kosten senken könnte, aber auch riskant ist) und natürlich die Erfahrungen der vergangenen 50 Jahre optimal nutzen. Noch hat das Weiße Haus nicht wirklich erkennen lassen, wie es mit den Erkenntnissen der Komission zu verfahren gedenkt, und es könnte noch bis kommenden Januar oder Februar dauern, bis im Etatplan für das Finanzjahr 2011 drin stehen muss, was passieren soll. Beobachter vermuten aber, dass sich Obama schon früher äußern wird – und womöglich auch direkt in die Planungen eingreifen wird.

Ein Live-Blog zum Ares-Start, Bilder vom Roll-Out, auf der Rampe und mit künstlerischem Anspruch – und Artikel und Links zu Ares und Augustine zuhauf im Cosmic Mirror 332 im grünen Kasten!

Raumfahrt kurz & bündig

18. Oktober 2009

In wenigen Tagen kommt der Augustine-Bericht

In der Woche ab dem 19. Oktober wird dem Weißen Haus die offenbar ziemlich umfangreich geratene Endfassung des Berichts der Augustine-Komission zugestellt, der eine Reihe von Optionen für die zukünftige Richtung der bemannten US-Raumfahrt aufzeigen wird. Bereits eine Zusammenfassung am 8. September hatte klar gemacht, dass bei der gegenwärtigen Etatlage überhaupts nichts Nennenswertes über den Low Earth Orbit hinaus machbar ist. Und bei einer gewissen Bewertung der Optionen für Größeres während der letzten Anhörung ergab sich eine leichte Führung für den „flexible path“, bei dem weder Landungen auf Mond oder Mars im Mittelpunkt stehen, sondern Besuche bei erdnahen Kleinplaneten oder den Marsmonden. (Das wiese gewisse Ähnlichkeiten mit NASA-Ideen um 2002 auf: siehe Artikel 555.) Wie das Weiße Haus und der Kongress reagieren werden (und ob es das Ares-I-Programm, dessen erster Demonstrationsflug noch diesen Monat stattfinden soll, noch länger geben wird), ist nicht abzuschätzen … (Space News 16.10.2009, CNN 12.10.2009 und New Scientist und Orlando Sentinel Blog 8.10.2009 sowie der Status des Ares-Tests) NACHTRAG: Den Bericht gibt’s am 22.10. um 19:00 MESZ – und der Ares-Testflug bleibt für den 27.10. geplant, während der nächste Shuttle-Start auf den 16.11. rutscht.

Navigationssystem Galileo erst um 2016 fertig

Es zeichnen sich wieder einmal Verzögerungen (und eine neuerliche Kostensteigerung) beim europäischen Galileo-System ab: Vermutlich werden die vier Verifikationssatelliten, bei deren Bau es zu Problemen – und 400 Mio. Euro Mehrkosten – kam, erst 2011 starten und die gesamte Konstellation erst 2016 fertig sein. Auch werden zunächst weniger der operationellen Satelliten bestellt, um ihr Design ggf. leichter ändern zu können. (Space News 16.10.2009)

Ein Nachfolger der Ariane 5 nach 2020 wird vermutlich weniger Power haben (und preiswerter sein): Bis auf das ATV wird die Startkapazität der europäischen Rakete kaum benötigt, weshalb meist zwei Satelliten gleichzeitig an Bord sind. (Spaceflight Now 16.10.2009)

Der erste Daten-Relais-Satellit geht in den Ruhestand

Der 1983 gestartete TDRS-1 hatte zuletzt v.a. die Südpolstation mit dem Rest der Welt verbunden, war aber vorher mehrfach Pionier bei der verbesserten Kommunikation mit Raumschiffen und Satelliten gewesen. Jetzt allerdings ist der letzte Verstärker an Bord ausgefallen, und er wird kommende Woche auf eine Parkposition verschoben. (Spaceflight Now 13.10.2009)

Kommunikationssatelliten für den Mars auf nicht-keplerschen Bahnen, die durch permanent aktive Ionentriebwerke möglich sind, könnten dereinst für eine ununterbrochene Funkverbindung zwischen Erde und Mars sorgen. (ESA Press Release 16.10.2009)

Die Gesamtkosten des JWST sind auf fast 6 Milliarden Dollar gestiegen

Der „Hubble-Nachfolger“ sollte einmal drastisch preiswerter werden als das berühmte Weltraumteleskop, aber „dank“ der jüngsten Startverschiebung um ein weiteres Jahr, mit die 300 Mio.$ extra zu Buche schlägt, ist allein der NASA-Anteil am James Webb bereits auf knapp 5 Mrd.$ geklettert. Dazu kommt noch der Beitrag der ESA zu Hardware, Start und Betrieb von rund 500 Mio. Euro … (Space News 14.10.2009)

Hubble-Pionier gestorben: Rodger Doxsey war fast drei Jahrzehnte lang am STScI für den wissenschaftlichen Betrieb des Weltraumteleskops zuständig gewesen. Und galt als einer der wenigen, die „Hubble als ganzes“ verstanden. (HST Release 14.10.2009, Baltimore Sun 15.10.2009, New York Times 18.10.2009)

Rosetta vor dem nächsten Erdvorbeiflug

Am 13. November wird die ESA-Kometensonde bis auf 2481 km an die Erde herankommen, größte Annäherung in der Nähe von Java, um die Bahn wieder etwas mehr derjenigen von Komet 67P anzupassen. (ESA Blog-Eintrag 16.10.2009) NACHTRAG: Was beim Flyby passieren soll.

Die Interpretation der Wasserdampffontänen von Enceladus bleibt kontrovers, da sie gleichermaßen mit und ohne – potenziell bewohnbaren – Ozean unter der Oberfläche des Saturnmondes erklärt werden können: Das kann als Argument für eine Raumsonde dorthin aber auch dagegen verwendet werden. (Space.com 13.10.2009)