Posts Tagged ‘Ariane’

So sieht der neue Satellit IRIS nun die Sonne

25. Juli 2013

iris-pic

im Licht von ionisierten Silizium (Si IV) aus der heißen Übergangsregion und angrenzendem Kontinuum aus der kühleren Chromosphäre darunter: Erste Ergebnisse des im Juni gestarteten NASA-Satelliten wurden heute in Goddard, CfA, NASA und LockMart Releases sowie auf einer Telecon (deren Live-Übertragung die NASA zwar komplett in den Sand setzte, deren Aufzeichung aber hier zu hören ist) vorgestellt. Noch nie war die dünne Übergangsregion zwischen Chromosphäre und Korona in dieser Schärfe zu sehen, hier in einer Aktivitätsregion am 18. Juli, 21 Stunden nach der Öffnung des Deckels: Sie ist zum einen wichtig für den erstaunlichen Heizmechanismus der Korona und zum anderen die Quelle u.a. klimarelevanter UV-Emission. Zwar sitzt nur ein Instrument auf IRIS, aber es spaltet den Strahlengang in die Kamera und einen Spektrographen. Die Winkelauflösung ist deutlich höher als beim AIA auf dem SDO. [NACHTRÄGE: Bei LockMart gibt’s auch was; weitere Artikel hier, hier, hier und hier]

WISE-Daten stützen die Verbindung von Centauren und Kometen: In einem Paper von Anfang Juni und NASA, PSI und JPL Releases heute werden Messungen des IR-Satelliten an diesen Objekten zwischen Neptun und Jupiter mit optischen Daten verglichen und festgestellt, dass kometengleiche geringe Albedos von rund 8% die Regel sind und mindestens 2/3 der Centauren offenbar Kometenkerne sind. Auch die Ablieferung der NIRCam für das James Webb Space Telescope an die NASA.

hexa

Das Hexagon am Nordpol des Saturn – gestern von Cassini gesehen. Und zu dem wunderlichen April-Hubble-Bild eines schwarzweißen ISON vor bunten Galaxien („Ein G+-Hangout zu Komet ISON …“) hat die NASA endlich harte Infos vorgelegt – und einen neuerlichen Artikel, dessen Inhalt korrekt ist, dessen Überschaft („Farbbild des Kometen …“) aber weiter krass in die Irre führt …

Der Beschleunigungsmechanismus von Elektronen in den Van-Allen-Gürteln auf 0.99c ist von den Van Allen Probes direkt beobachtet worden, doch die genaue Physik bleibt zu klären: „Chorus“-Wellen könnten eine Schlüsselrolle spielen [NACHTRAG: ein Artikel und mehr Links]. Auch ein Bericht von der Pluto-Konferenz – und Unmengen(!) mehr gibt’s in diesem Blog

ariane

Der 70. Start einer Ariane 5 heute Abend – der 56. Erfolg in Folge und der 214. Ariane-Start überhaupt – mit 8.8 Tonnen Nutzlast ist wieder wie am Schnürchen verlaufen: Erst wurde der europäische 6.7-Tonnen-Alphasat ausgesetzt, ein aufwändiger Nachrichtensatellit in PPP von ESA und Inmarsat, dann der indische Erdbeobachter INSAT-3D. Weitere Press Releases hier, hier und hier, Live-Berichte hier und hier und Artikel hier und hier. Und morgen vor 50 Jahren startete der erste geosynchrone Satellit Syncom 2 – geostationär war er mit 33° Bahnneigung nicht. NACHTRÄGE: Video, Bilder und mehr Bilder vom Ariane-Start, ein ISRO Release zu INSAT, erste Schritte mit AlphaSat, weitere Artikel zum Start hier, hier und hier und mehr Links.

Ein Kessel bunter Kosmos zum Jahresende

19. Dezember 2012

Dies ist keiner von diesen grässlichen Jahresrückblicken – dies ist ein Rückblick auf die vergangenen 30 bis 35 Stunden, in denen die NASA und die ESA besonders spendabel mit schönen Motiven waren. Und die vermutlich beiden letzten Weltraumstarts des Jahres erfolgten, beide heute.

ariane4sw

Vor einer Stunde startete die letzte Rakete des Jahres, eine Ariane 5 mit zwei Satelliten in Kourou: ein Screenshot aus der Live-Übertragung im Moment der Booster-Zündung. [NACHTRAG: ein ESA Release.]

The giant star Zeta Ophiuchi is having a "shocking" effect on the surrounding dust clouds in this infrared image from NASA’s Spitzer Space Telescope. Stellar winds flowing out from this fast-moving star are making ripples in the dust as it approaches, c

Der Bugschock des Sterns Zeta Ophiuchi im interstellaren Medium, durch das der mit 24 km/s schießt, aufgenomnen vom Spitzer Space Telescope: Eigentlich würde man das Glühen auch im sichtbaren Licht sehen (vgl. ISAN 76-4), das in diesem Fall aber von Staub blockiert wird. Bei 3.6 bis 24 µm kein Problem.

ariane4sw3

Ein neuer Saturn im Gegenlicht von Cassini aufgenommen am 17. Oktober während des 174. Orbits um den Planeten, als sich die Sonde 19° unter der Ringebene in seinem Schatten befand. 60 Bilder durch verschiedene Filter wurden hier kombiniert.

ariane4sw4

Der Planetarische Nebel NGC 5189 vom Hubble Space Telescope: Dessen WFC3 gelang das bisher detailreichste Bild der komplexen Struktur. Die dominante S-Form des Gases deutet auf einen Doppelstern im Zentrum hin, doch nur ein einzelner Weißer Zwerg wurde dort bislang aufgespürt.

ariane4sw5

Der Mars am 15. Dezember von der Visual Monitoring Camera des Mars Express gesehen, die nach längerer Unterbrechung wieder Bilder liefert, während des 11,396. Umlaufs. Mit dem Empfang dieses Bildes wurde gestern die neue ESA-Bodenstation in Argentinien eingeweiht.

ariane4sw6

Schon wieder etwas Neues bekommt Curiosity zu sehen, nachdem der Marsrover die „Yellowknife Bay“ erreicht hat; „Shaler“ wurden diese Platten getauft. Irgendwo hier wird Anfang 2013 auch der Bohrer ausprobiert, die einzige noch nie benutzte Hardware. Und das ganze Jahr hindurch wird dann Richtung Aeolis Mons gefahren.

Expedition 34 Launch

Der andere Start des Tages: Soyuz TMA-07M mit der zweiten Hälfte der Expedition 34 zur ISS: mehr dazu auch hier, hier (eine buchstäblich „coole“ Reportage vor Ort), hier und hier.

Raumfahrt kurz & bündig

18. Oktober 2009

In wenigen Tagen kommt der Augustine-Bericht

In der Woche ab dem 19. Oktober wird dem Weißen Haus die offenbar ziemlich umfangreich geratene Endfassung des Berichts der Augustine-Komission zugestellt, der eine Reihe von Optionen für die zukünftige Richtung der bemannten US-Raumfahrt aufzeigen wird. Bereits eine Zusammenfassung am 8. September hatte klar gemacht, dass bei der gegenwärtigen Etatlage überhaupts nichts Nennenswertes über den Low Earth Orbit hinaus machbar ist. Und bei einer gewissen Bewertung der Optionen für Größeres während der letzten Anhörung ergab sich eine leichte Führung für den „flexible path“, bei dem weder Landungen auf Mond oder Mars im Mittelpunkt stehen, sondern Besuche bei erdnahen Kleinplaneten oder den Marsmonden. (Das wiese gewisse Ähnlichkeiten mit NASA-Ideen um 2002 auf: siehe Artikel 555.) Wie das Weiße Haus und der Kongress reagieren werden (und ob es das Ares-I-Programm, dessen erster Demonstrationsflug noch diesen Monat stattfinden soll, noch länger geben wird), ist nicht abzuschätzen … (Space News 16.10.2009, CNN 12.10.2009 und New Scientist und Orlando Sentinel Blog 8.10.2009 sowie der Status des Ares-Tests) NACHTRAG: Den Bericht gibt’s am 22.10. um 19:00 MESZ – und der Ares-Testflug bleibt für den 27.10. geplant, während der nächste Shuttle-Start auf den 16.11. rutscht.

Navigationssystem Galileo erst um 2016 fertig

Es zeichnen sich wieder einmal Verzögerungen (und eine neuerliche Kostensteigerung) beim europäischen Galileo-System ab: Vermutlich werden die vier Verifikationssatelliten, bei deren Bau es zu Problemen – und 400 Mio. Euro Mehrkosten – kam, erst 2011 starten und die gesamte Konstellation erst 2016 fertig sein. Auch werden zunächst weniger der operationellen Satelliten bestellt, um ihr Design ggf. leichter ändern zu können. (Space News 16.10.2009)

Ein Nachfolger der Ariane 5 nach 2020 wird vermutlich weniger Power haben (und preiswerter sein): Bis auf das ATV wird die Startkapazität der europäischen Rakete kaum benötigt, weshalb meist zwei Satelliten gleichzeitig an Bord sind. (Spaceflight Now 16.10.2009)

Der erste Daten-Relais-Satellit geht in den Ruhestand

Der 1983 gestartete TDRS-1 hatte zuletzt v.a. die Südpolstation mit dem Rest der Welt verbunden, war aber vorher mehrfach Pionier bei der verbesserten Kommunikation mit Raumschiffen und Satelliten gewesen. Jetzt allerdings ist der letzte Verstärker an Bord ausgefallen, und er wird kommende Woche auf eine Parkposition verschoben. (Spaceflight Now 13.10.2009)

Kommunikationssatelliten für den Mars auf nicht-keplerschen Bahnen, die durch permanent aktive Ionentriebwerke möglich sind, könnten dereinst für eine ununterbrochene Funkverbindung zwischen Erde und Mars sorgen. (ESA Press Release 16.10.2009)

Die Gesamtkosten des JWST sind auf fast 6 Milliarden Dollar gestiegen

Der „Hubble-Nachfolger“ sollte einmal drastisch preiswerter werden als das berühmte Weltraumteleskop, aber „dank“ der jüngsten Startverschiebung um ein weiteres Jahr, mit die 300 Mio.$ extra zu Buche schlägt, ist allein der NASA-Anteil am James Webb bereits auf knapp 5 Mrd.$ geklettert. Dazu kommt noch der Beitrag der ESA zu Hardware, Start und Betrieb von rund 500 Mio. Euro … (Space News 14.10.2009)

Hubble-Pionier gestorben: Rodger Doxsey war fast drei Jahrzehnte lang am STScI für den wissenschaftlichen Betrieb des Weltraumteleskops zuständig gewesen. Und galt als einer der wenigen, die „Hubble als ganzes“ verstanden. (HST Release 14.10.2009, Baltimore Sun 15.10.2009, New York Times 18.10.2009)

Rosetta vor dem nächsten Erdvorbeiflug

Am 13. November wird die ESA-Kometensonde bis auf 2481 km an die Erde herankommen, größte Annäherung in der Nähe von Java, um die Bahn wieder etwas mehr derjenigen von Komet 67P anzupassen. (ESA Blog-Eintrag 16.10.2009) NACHTRAG: Was beim Flyby passieren soll.

Die Interpretation der Wasserdampffontänen von Enceladus bleibt kontrovers, da sie gleichermaßen mit und ohne – potenziell bewohnbaren – Ozean unter der Oberfläche des Saturnmondes erklärt werden können: Das kann als Argument für eine Raumsonde dorthin aber auch dagegen verwendet werden. (Space.com 13.10.2009)

Zwei „UFOs“ begleiten Herschel & Planck – und verschwinden allmählich

25. Mai 2009

hpl

Seit dem Start der beiden ESA-Astronomiesatelliten Herschel und Planck auf einer Ariane 5 am 14. Mai (Bild: feiernde Herschel-Forscher auf der Launch Party am MPIfR in Bonn) verfolgen eine Handvoll Astronomen auf der Erde all die künstlichen Himmelskörper, die dabei den Weltraum erreichten: Neben den Satelliten sind das die Sylda 5, auf der Herschel über Planck befestigt war, und die Ariane-Oberstufe ESC-A. Doch bald entdeckten die Beobachter, darunter auch bekannte Amateure aus der Asteroiden-Szene, noch mehrere weitere Objekte in der Nähe der vier, die dort nicht sein sollten.

Die Existenz von zwei der Begleiter steht inzwischen außer Frage – und sie verhalten sich absonderlich: Während die vier planmäßigen Körper eine völlig konstante absolute Helligkeit aufweisen, werden die anderen beiden immer schwächer und unterliegen auch nichtgravitativen Kräften, d.h. sie gasen aus. Das legt den Verdacht nahe, dass sich von der Ariane-Oberstufe Eisbrocken abgelöst haben, die nun vor sich hin sublimieren; vielleicht spielte der Riesenkryostat von Herschel eine Rolle bei ihrer Entstehung. Den beiden Forschungssatelliten geht es jedenfalls blendend: Dort ist sicher nichts abgebrochen …

Der jüngste Stand der Ermittlungen, eine etwas frühere Zusammenfassung mit Lichtkurven, ein früher ESA Press Release und ein KosmoLogs-Artikel sowie Amateurbilderseiten hier, hier und hier – viele weitere Herschel&Planck-Links auch im Cosmic Mirror #328!