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Live-Blog zum nahen Erdbesuch von 2012 DA14

14. Februar 2013

Allerlei Animationen von 2012 DA14 in Erdnähe oder auch Strichspuren oder Serien von solchen sind inzwischen veröffentlicht worden, z.B. auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, dazu Sammlungen hier und hier und ein Artikel aus Heppenheim. Der kubanische Bolide scheint bestätigt, und zum russischen gibt es den Versuch einer Bahnanalyse aus den Videos und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MEZ am 16. Februar – Ende. NACHTRÄGE: besonders dynamische Videos hier, hier, hier und hier vom missverstandenen kleinen 2012 DA14, die Mühen seiner Verfolgung hier, hier und hier und wie die Erde seine Bahn verändert hat, sowie ein Stimmungsbild aus Russland, Zusammenfassungen hier und hier und bemerkenswerte Videos vom Boliden und dem ‚Einschlag‘ seiner Druckwelle, die Infraschall-Sensoren rund um den Gobusregistrierten]

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Energie des Airbursts noch größer: 500 kt TNT-Äquivalent

sind da gestern über Russland explodiert, hat die weitere Analyse von Infraschall-Daten ergeben, nach der der Körper – oben seine rekonstruierte Bahn – anfangs auch 10’000 Tonnen Masse und 17 m Durchmesser gehabt haben dürfte. Die Suche nach Meteoriten im See mit dem ominösen Eisloch verlief derweil ergebnislos und auch sonst wurden keinerlei Meteoriten gefunden, wilden Geschichten zum Trotz. Weitere Artikel hat’s auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – wo man mal eben das Wort „Meteorid“ erfindet und konsequent benutzt, aua! Dieses Video soll derweil eine weitere Feuerkugel zeigen, die gestern Abend über der San Francisco Bay gesehen wurde – während über den angeblichen kubanischen Boliden nach wie vor wenig bekannt ist. [14:15 MEZ]

Hier saust 2012 DA14 über den Himmel, aufgenommen mit einem simplen Teleobjektiv eine Stunde nach der Erdnähe! Und noch ein früheres Video aus Neuseeland, das hier näher beschrieben wird. [1:25 MEZ] Und noch ein Video, aus Italien – zeigt schön die Verlangsamung mit wachsendem Erdabstand. [2:10 MEZ] Nochmal vom russischen Airburst seismische Daten, Statements von Experten, noch ein Live-Blog (auch zu 2012 DA14) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [2:45 MEZ] Und wer immer noch nicht genug von 2012 DA14 hat: Bei SLOOH hat gerade noch ein Webcast begonnen. [3:05 MEZ] Ein Bericht über Beobachtungen in Singapur und Nachgedanken hier und hier. [13:25 MEZ]

Die harten Fakten über den großen russischen Airburst

hat inzwischen der kanadische Impakt-Experte Peter Brown zusammengetragen, aus „initial information gleaned for multiple instrumental sources“: Danach erfolgte die Hauptexplosion um 4:20:26 MEZ in 15-20 km Höhe, nach 30 Sekunden Ablation während sehr flachem Fluges durch die Atmosphäre (im Video vage simuliert), in die der Asteroid mit 18 km/s eingedrungen war. Die Explosionsenergie betrug grob 300 kt TNT-Äquivalent, sicher aber mehr als 100 kt, was über dem Indonesien-Airbust liegt, und der Asteroid hatte zuvor einen Durchmesser von 15 m und eine Masse von 7000 t – diese Zahlen werden sich aber gewiss noch verändern. Weitere Artikel zum „wohl schwersten Meteoritenunfall der menschlichen Zivilisation“ hier, hier, hier, hier und hier. Und noch Artikel hier, hier und hier zu 2012 DA14, den inzwischen das Clay Center in Mass., USA, trackt. [0:45 MEZ]

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2012 DA14 live von der La Sagra Sky Survey, die ihn vor einem Jahr entdeckte (es ist der helle Punkt unten nahe der Mitte): Dieser Webcast der NASA funktioniert weiterhin, während einer aus Italien leider clouded out und einer von der ESA wegen Teleskopproblemen ausgefallen ist. Visuell per Großfeldstecher ging’s jedenfalls. Und hier noch der „Moment“ der größten Nähe auf NASA TV, ein völlig undokumentiertes Bild und tiefe Gedanken … [23:15 MEZ am 15. Februar] Die beiden kosmischen Ereignisse heute haben bereits US-Politiker alarmiert – das Thema Planetary Protection ist wieder ‚in‘, und auch Deep Space Industries hat schon wieder was zu sagen. Auch ein animated GIF des Boliden, weitere Artikel hier, hier, hier und hier – und ein angeblicher weiterer Feuerball in Kuba. [23:35 MEZ]

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Und schon entfernt sich der Asteroid wieder von uns!

In der Mitte ein Schnappschuss aus der NASA-Sendung im Moment der größten Annäherung (mit einem Bild aus der Nähe von Perth), oben die Bahn relativ zu den Erdsatelliten, von denen keiner bedroht war, und unten ein Experte bei Phoenix, der immer schon wusste, dass alles gut gehen würde. [20:30 MEZ] In 5 Minuten gibt’s eine NASA-Telecon zu dem russischen Airburst, der nach dem „überstandenen“ Asteroiden-Besuchhier unten Bilder – wieder in den Mittelpunkt rückt und zu dem sich hier Heidi Hammel äußert. [21:55 MEZ] Auf der Telecon heißt es, der Russen-Asteroid sei aus dem Hauptgürtel gekommen, Apheldistanz ca. 2.5 AU, mit Annäherung von der Sonne her – daher wurde er vorher nicht entdeckt. Die Explosionsenergie – bestimmt aus den vier nächstgelegenen Infraschall-Stationen – war mindestens 4-bis-5-mal größer als bei dem indonesischen Airburst von 2009. Oh, und 2012 DA14 wird in Heppenheim beobachtet – allerdings per Remote-Teleskop in Südfrankreich. [22:25 MEZ. NACHTRAG: Aufzeichnung der Telecon]

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Noch eine knappe Stunde bis zur größten Erdnähe des Asteroiden, und über 270’000 gucken im Augenblick diesen NASA-Webcast aus Australien (der beim Anklicken des Bildes aufgehen müsste). Derweil zum Russen-Airburst weitere Artikel hier, hier – die dort behaupteten historischen Todesfälle durch Meteoriten sind m.W. allesamt kontrovers – und hier. [19:30 MEZ] Die Phoenix-Sendung läuft – und auch das NASA-TV-Special fängt jetzt an. Während das Meteosat-10-Bild des Russen-Airbursts auf eine Karte geplottet wurde und die NASA auch an einer Sonderseite dazu arbeitet. [20:00 MEZ] Oh, wie hier zu erfahren ist, sollen ab 21:00 MEZ auch Teleskope in Europa 2012 DA14 webcasten. Noch 10 Minuten bis … [20:15 MEZ]

War der heutige Airburst der größte seit Tunguska 1908?

Das wird hier behauptet, da Messungen eines Infraschall-Netzwerks eine Explosionsenergie des Airbursts von mehreren hundert Kilotonnen TNT-Äquivalent ergeben hätten: Das schlüge zumindest einen indonesischen Airburst von 2009. Aber da gibt es noch zwei mutmaßliche „Tunguskas“ 1930 & 1935, die der heutige russische Airburst – oben ein Best-Of der Videos – nicht übertroffen hätte. Auch eine Bildergalerie der Folgen, animierte MeteoSat-Bilder, ein russischer Polizei-Bericht zum ominösen Eisloch, weiterführende Artikel hier, hier, hier und hier, ein britisches Erklär-Video, allerlei Agentur-Meldungen des Tages hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und noch mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:30 MEZ] Erstaunlich: Phoenix macht eine Sondersendung ab 19:45 MEZ zum Russen-Airburst und NEA-Besuch! Zu ersterem weitere Notizen hier, hier und hier, vom letzteren neue Animationen & Bilder hier, hier und hier. [18:40 MEZ]

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Fast hätten wir den 2012 DA14 vergessen – da kommt er auf einer australischen Aufnahme von vor ein paar Stunden. Weitere Vorberichte zur größten Annäherung in vier Stunden hier, hier, hier, hier und hier. [16:20 MEZ] Die diversen geplanten Webcasts des Erdbesuchs beginnen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten: Ab 18:00 MEZ will das JPL hier Live-Bilder aus Australien und Europa streamen (inklusive einer halbstündigen Sondersendung von NASA-TV ab 20:00 MEZ), von 20:15-21:00 MEZ soll’s was von der Planetary Society geben, ab spätestens 21:00 MEZ wollen das Baraket Obs. aus Israel, ab 23:00 MEZ das Virtual Telescope aus Italien, ab Mitternacht das Clay Obs. aus den USA und ab 3:00 MEZ das NASA MSFC und SLOOH von den Kanaren und/oder aus den USA Live-Bilder streamen. [17:00 MEZ] Upps, die erste Live-Übertragung – aus Australien – hat schon begonnen! [17:20 MEZ]

Neues Mini-„Tunguska“ steht in keinem Zusammenhang

Ein gewaltiger kosmischer Airburst heute früh über dem Südwesten Russlands, dessen Druckwelle – v.a. über zersplitternde Fensterscheiben – über 500 Menschen verletzte (von Todesfällen ist nichts bekannt), hat absolut nichts mit dem nahenden Asteroiden zu tun: Die Bahngeometrie war eine völlig andere. Ein Bericht über angebliche Meteoriten harrt noch der Bestätigung, und es gibt bislang keine glaubhafte Evidenz, dass irgendetwas Physisches den Boden erreicht hat (dass dieses Eis-Loch eine Impakt-Folge war, scheint noch reine Spekulation zu sein). Aber Videos der Feuerkugel – insbesondere wegen der in Russland weit verbreiteten Dash Cams – und des Eintreffens der Druckwelle gibt es Unmengen: große Sammlungen hat’s hier, hier und hier sowie einen Zusammenschnitt; sogar ein MeteoSat sah den Contrail. Erste Überlegungen zur Häufigkeit solcher Events (die 10 Meter Durchmesser sind derzeit nur eine sehr vage Vermutung), Live-Blogs aus Russland und England, frühe TV-Berichte hier und hier, ein Audio-Interview und erste Artikel in Russisch, Englisch (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und Deutsch (mehr, mehr, mehr und mehr) sowie weitere Links – wie hier und hier zu sehen ist, zieht 2012 DA14 derweil weiter friedlich seine Bahn. [14:30 MEZ]

Noch eine dramatische Animation des Vorbeiflugs, diesmal aus der Perspektive Singapurs, das in der Nähe des Punkts der größten Annäherung liegt und viele Informationen zusammen gestellt hat. Auch weitere – noch wenig aufregende – Amateuraufnahmen des Asteroiden, verbreitet vom JPL, und eine weitere (unvollständige) Webcast-Liste. [20:30 MEZ am 14. Februar] Mehr Hinweise gibt’s hier und hier – und noch ein „Alles über …“-Artikel. [21:15 MEZ] Planetary Resources nutzt den NEA für Werbung für die Arkyd-Satelliten zur NEA-Suche. [21:25 MEZ] Mehr Vorberichte hier, hier und hier – und ungefragte Experten stehen Schlange, während noch ein Webcast angekündigt wird. [23:25 MEZ]

Die letzten Zahlen zur größten Annäherung des Asteroiden

lauten – soeben berechnet mit JPL Horizons – 20:25 MEZ mit 34’051 km vom Erdzentrum oder (minus den Äquator-Radius der Erde von 6378 km, da die Annäherung über Sumatra erfolgt) 27’673 km von der Erdoberfläche; die Geometrie visualisiert auch dieses Video von Analytical Graphics. Mittlerweile gibt es auch eine weitere Analyse, dass 2012 DA14 – ein n-tv-Filmchen und ein BR-Artikel – keinem Satelliten näher als 1000 km kommt. Oh, und die DPA hat diesem Blogger – auf einen geharnischten Tweet hin – versprochen, das misslungene Video zu 2012 DA14 nach zu bessern … [15:00 MEZ] Vielleicht gibt’s ein „Erd“beben auf dem Asteroiden in Erdnähe? Auch ein Video zur Beobachtung (man möge 2012 DA14 „auflauern“) und ein Artikel. Und eine Party in Florida. [19:10 MEZ]

Intermezzo: Soyuz-Oberstufe verglühte über Mitteleuropa! Zahlreiche Beobachter verfolgten gestern Abend den langsamen Reentry der Oberstufe einer Soyuz, die zuvor Progress 18-M in den Orbit gebracht hätte: Obiges Video – mit kuriosem Titel – hat das gut getroffen. [13:45 MEZ] Im Gegensatz zum „Weihnachts-UFO“ von 2011 blickten diesmal alle gleich durch. [14:11 MEZ. NACHTRAG: zumal der Reentry recht genau angekündigt worden war]

Die Fakten – nicht dass sie irgendwie neu wären …

Alles Wesentliche zum nahen Vorbeiflug des ca. 45 m großen Near Earth Asteroids 2012 DA14 am 15. Februar, der immer mehr Interesse erweckt, hat bereits hier vor einem halben Jahr gestanden, mit dank neuer Astrometrie aktualisierten Zahlen hier – aber hier noch mal die zentralen Fakten, die so mancher „professionelle“ Berichterstatter nicht zu begreifen scheint:

  • Es hat nie eine begründete Befürchtung gegeben („Mal wieder sinnlosen Asteroiden-Alarm …“), dass dieser spezielle NEA dieses Jahr unseren Planeten treffen könnte – jedwedes Gerede von einer „noch mal davon gekommenen“ Erde führt in die Irre. (Ungefähr alle 40 Jahre kommt ein NEA dieser Größe der Erde ähnlich nahe, und im Schnitte alle 1200 Jahre ist mit einem Impakt zu rechnen, der vermutlich von der „Tunguska“-Klasse wäre.)

  • Es handelt sich auch genau so wenig um die engste – vorher vorhergesagte oder auch nachträglich berechnete – Erdpassage eines Kleinplaneten: Listen wie diese oder diese verweisen auf sieben bekannte nähere Besuche (ohne Berührung der Erdatmosphäre). Allerdings alles kleinere Brocken: Für Asteroiden größer als ca. 25 m ist der Fall durchaus ein Rekord, was sich auch in der ungewöhnlichen Maximalhelligkeit von 7 mag. am Himmel äußert.

  • Unfug ist es schließlich auch, dass diese Asteroidenpassage eine in irgendeiner Weise nennenswerte Bedrohung für Erdsatelliten darstelle: 2012 DA14 schießt von Süden kommend durch den deutlich weiter von der Erde entfernten Ring der geostationären Satelliten und kommt keinem aktiven Satelliten näher als 8000 km (und keinem inaktiven näher als 1950 km). Selbst wenn übrigens mal ein NEA den GEO-Ring selbst ‚treffen‘ sollte, wäre die Wahrscheinlichkeit eines Impakts auf einen Satelliten immer noch verschwindend gering.

Bleibt also nur das ungewöhnliche Himmelsschauspiel eines rasanten Feldstecher-Asteroiden, für dessen Bahnberechnung am eigenen Himmel die Software sowohl mit der topzentrischen Parallaxe wie der starken Krümmung der Asteroidenbahn durch das Schwerefeld der Erde klar kommen muss: Heavens Above liefert nach Eingabe der eigenen Koordinaten nützliche Karten. Erste Sichtungen von 2012 DA14 gibt es schon, etwa diese von heute mit 18 mag. neben 47 Tucanae, auch hier und hier beschrieben, weitere Beobachtungshinweise sind hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier („nehmen Sie Kontakt zu einem Astronomieverband in Ihrer Nähe auf“ …), hier, hier (für Oz) und hier zu finden, während NASA TV ausgiebig berichten wird und Webcasts u.a. vom Baraket Obs., dem Clay Obs. und weiteren Orten geplant sind sowie öffentliche Beobachtungen z.B. in Singapur.

Allgemeine & nützliche Artikel gibt es z.B. vom Remanzacco Observatory, der NASA (früher; von ihr auch das Video oben und ein weiteres, zu dem es auch eine B roll gibt), der Planetary Society, dem JPL und der ESA. Spezielle Aspekte des Besuchs diskutieren das NRAO (Rotations-Analyse per Radioastronomie), das JPL (Radarplanung), AGI (allerlei Animationen), die Planetary Society (Entdeckungs-Umstände), die U of AZ (allgemeine Asteroiden-Begeisterung) und Deep Space Industries (was ist 2012 DA14 „wert“; Debatte darüber). Weitere Artikel gab es auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (Video), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mit offensichtlichen Fehlern (vgl. die Fakten oben) hier, hier, hier und hier (früher). [1:50 MEZ] Besonders grottig auch dieses DPA-Video und dieser Artikel mit dem Satelliten-Märchen. [13:30 MEZ]

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Na endlich: mehr von Chang’e 2 bei Toutatis!

20. Januar 2013

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Das – nach der aberwitzigen Curiosity-Landung auf dem Mars – größte interplanetare Ereignis des vergangenen Jahres war fraglos der Besuch der chinesischen Raumsonde Chang’e 2 am Asteroiden Toutatis, während dieser seinerseits der Erde nahe kam – aber die seltsame Informationspolitik Chinas beraubte die beachtliche Leistung leider des internationalen Ruhmes, der ihr gebührt hätte. Einen Monat später sind endlich neue Details bekannt geworden: in einem Vortrag von Chunlai Li, dem „Executive Chief Mission Designer“, auf dem 8. Meeting der NASA Small Bodies Assessment Group am 15. Januar. Gezeigt wurden nunmehr 11 Bilder des Asteroiden [NACHTRAG: aus einem langen Film mit hunderten] – mit der kleinen technischen Kamera zur Kontrolle der Solarzellen – nach der größten Annäherung aus geschätzten 38 bis 685 km Distanz (oben); die Entfernungen wurden aus der Größe des Asteroiden auf dem Chip ermittelt und dürften noch etwas revidiert werden. [NACHTRAG: Aber wie sie jetzt sind, bestätigt eine Analyse einen extrem nahen Vorbeiflug.]

Die schärfsten Aufnahmen zeigen den Asteroiden nur teilweise, weil der Rest von den besagten Solarzellen abgedeckt wird: die erste (2. Bild) entstand am 13. Dezember um 8:30:00 UTC aus ca. 40 km Abstand und hat etwa 4.6 m Auflösung. [NACHTRAG: Hier (unten) wurde es mit anderen der Bilder verschmolzen.] Die Bilder 3 und 4 (letzteres das erste mit dem kompletten Asteroiden, aus 85-90 km Abstand) entstanden um 8:30:03 und 8:30:04 UTC. Li war zu dem Meeting gekommen, um internationale Partner für die Auswertung der Flyby-Daten zu suchen: Man könnte zusammen mit den Radar-Daten das ultimative 3D-Modell bauen, die Features auf der Oberfläche und deren Albedo und Farbe – die Kamera lieferte RGB-Bilder! – analysieren, die Schwerkraft und das Rotationsverhalten von Toutatis modellieren und Vergleiche mit Hayabusas Ziel Itokawa und NEARs Ziel Eros anstellen. (Auf besagtem SBAG-Meeting wurden u.a. auch erste Planungen zu Komet ISON vorgestellt: von großen Sternwarten, vielleicht von einem Ballon – auch als Demo desselben – und aus dem Weltraum.)

Asteroid auf langperiodischer Kometenbahn entdeckt

Für einige Aufregung hat unter Small-Bodies-Fans die Entdeckung von 2013 AS105 gesorgt, ein Körper ohne kometare Aktivität – aber auf der Bahn eines langperiodischen Kometen, der freilich nie der Sonne nahekommt. Inzwischen konnte ein Link mit 2010 AO137 hergestellt und die Bahn wesentlich präziser bestimmt werden: Sie hat demnach eine Periode von 65 Jahren, eine Periheldistanz von 5.75 au und eine Apheldistanz von 26.6 au! Das Perihel war schon, und die Sonnendistanz ist bereits wieder auf knapp 7 AU angestiegen und die Helligkeit auf 20 mag. gefallen.

Noch ein Asteroid auf einer Kometenbahn – die in die Nähe der Erde führt – ist der ganz frisch entdeckte 2013 BC18, dessen Ellipse nach der ersten Analyse komplett innerhalb der von 2013 AS105 liegt: Periode 4.9 Jahre, Periheldistanz 0.6 au, Apheldistanz 5.1 au. Interessant die Nähe dieser Bahn zur Erdbahn (der Asteroid ist ein PHA), die zu einem Meteorschauer mit einem Maximum Anfang Januar führen könnte – denn 2013 BC18 ist gewiss ein (z.Z.) inaktiver Kometenkern, der aber früher was verloren haben könnte.

Allgemeines Live-Blog vom 14. Januar 2013

14. Januar 2013

Wie Huygens vor acht Jahren auf dem Titan aufsetzte

Ein Unikat in der nun schon 50 Jahre währenden Geschichte der interplanetaren Raumfahrt war die weiche Landung der Huygens-Kapsel der ESA auf dem Saturnmond Titan heute vor 8 Jahren: siehe den Artikel A00 und weitere Artikel dieses Blogges für Sky & Telescope und Space Daily. Und immer noch gibt es etwas Neues über die kurze aber heftige Mission von Huygens zu lernen, so letztes Jahr zur genauen Mechanik des Aufsetzens auf der Titan-Oberfläche: Danach drang der Lander erst 12 cm tief in den Boden ein, hüpfte wieder hoch und schlitterte 30-40 cm zur Seite, bevor er langsam zur Ruhe kam (und dann x-mal dasselbe Foto machte). Aus diesen Daten hat man nun anlässlich des Jubiläums eine neue detailgetreue Animation der Landung aus mehreren Perspektiven berechnet. Auch Theoretiker finden immer noch Neues über den Titan heraus, etwa die Möglichkeit von Eisbergen auf seinen Methan-Seen. [21:10 MEZ – Ende]

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So sieht der Bau des Anglo-Australian Telescope jetzt aus, am Tag nach dem Feuer. Die Mopra-Radioschüssel hat’s auch überstanden. Plus ein TV-News-Clip und ein Video mit einem längeren Statement der Feuerwehr: Es ist das schlimmste Feuer seit Jahren – und dass das AAT noch steht, sei „ein Wunder“. [4:40 MEZ] Auch ein Video aus der Luft von den heilen Kuppelbauten in versengter Landschaft, ein früheres Interview mit dem ANU acting vice-chancellor über die Lage des SSO, ein dramatischer Artikel, ein SMH-Video-Clip und ein weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [5:25 MEZ]

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Der Status der Mopra-Antenne: intakt, aber Gebäude verloren – und nochmal die ganze Situation in der Gegend in einem Stück. [6:05 MEZ] Langsam wird bekannt, dass etliche Astronomen ihre Wohnungen verloren haben. [7:35 MEZ] Astronomen konnten das SSO besuchen und melden, dass alle Teleskope unbeschädigt sind und lediglich etwas Asche und Rauch in die Kuppeln eindrang. Auch der Mopra-Antenne geht’s gut, ihrem Kontrollraum etc. leider nicht. Das Statement zur Lage wird weiter aktualisiert, auch eine Aufzeichnung der ANU-PK von vor 15 Stunden und weitere Artikel hier, hier und hier. [18:05 MEZ. NACHTRAG: Bauer hat inzwischen einen 3. Live-Blog begonnen]

Die letzten Mond-Videos der GRAIL-Orbiter vor ihrem kontrollierten Crash am 17.12.2012 sind erst jetzt als Film-Clips veröffentlicht worden. [4:35 MEZ. NACHTRAG: Die Nutzung der unzähligen MoonKam-Bilder für Schulen geht noch weiter – und die Impaktstellen der Orbiter bekommen keinen formellen Namen, Punkt. Wie dieser Blogger schon immer sagte … NACHTRAG 2: Und in den Orbital Debris Quarterly News wird erklärt, warum der Crash verpflichtend war]

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Qualmwolken der australischen Waldbrände aus der ISS fotografiert von einem Kosmonauten und weiter-gezwitschert vom neuen kanadischen Kollegen – über die gerade noch vermiedene Siding-Spring-Katastrophe auch eine erste Zusammenfassung; in diesen Minuten soll auch eine PK dazu beginnen. [3:15 MEZ] Die wird von der ANU live getweetet: Man glaubt nicht, dass es in den Kuppeln so heiß wurde, dass die Teleskope Schaden nahmen. [3:35 MEZ] Und im Day-After-Live-Blog ist noch zu lesen, dass die Sternwarte zwei Wochen geschlossen bleibt, aber genug Generator-Strom hat. [4:20 MEZ]

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Die Sylvia-und-Romulus-Bedeckung: Das kam heraus!

Soeben ist die erste Auswertung der Beobachtungen vom 6. Januar („Ein Asteroid und einer seiner zwei Monde bedeckten einen relativ hellen Stern“) vorgelegt worden: Trotz vieler Wetterausfälle sind inzwischen genug „Sehnen“ (oben) zusammen gekommen, um den Asteroiden (Mitte; 54±4 x 225±4 km; gegen das Modell ISAM, das im SW nicht passt) und den Mond Romulus (unten; 35 x 18 km) charakterisieren zu können. [2:55 MEZ. NACHTRAG: Mittleres Bild ausgetauscht, denn Sehnen und Modell passen perfekt zusammen – der Auswerter hatte letzteres aber falsch abgefragt!]

Nochmal drei unzusammenhängende Aktualitäten

7. Januar 2013

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Neue Kontroverse um Armstrongs 1. Satz auf dem Mond

So sah das aus, als Neil Armstrong 1969 vor ca. 2 Minuten aus der Landefähre „Eagle“ ausgestiegen war: ein bisher in dieser speziellen Form unveröffentlichtes(!) TV-Bild vor der massiv Qualität vernichtenden Scan-Konvertierung, ein Screenshot aus der australischen Bodenstation – siehe ISAN 23-5 – Honeysuckle Creek, der hier mal stark kontrastgesteigert wurde. Was der erste Mann auf dem Mond bei der Gelegenheit sagte, ist hinreichend bekannt, auch dass er das „a“ vor „man“ wohl wirklich unterschlug, obwohl er es eigentlich sagen wollte und es nur so semantisch Sinn macht. Aber wann dachte er sich den Satz aus – und hatten gar andere die Hand im Spiel? Über dieses kuriose Detail eines großen Weltraumereignisses wird auch über 40 Jahre danach mit erstaunlicher Inbrust diskutiert, neu angefacht gerade durch eine britische TV-Doku (z.Z. hier komplett zu sehen), in der der Bruder Armstrongs behauptet (im o.g. Video ab 40:20), Neil habe ihm den exakten Satz vor dem Start auf einem Zettel gezeigt und sich seiner Zustimmung versichert, die er natürlich bekommen habe. Weder nämlicher Bruder Dean noch Neil haben jemals etwas dieser Art zu Protokoll gegeben, noch ist nämlicher Zettel erhalten. Und so wachsen seither die Zweifel an der neuen Story (auch hier oder hier), während ein Versuch, alles unter einen Hut zu bringen auch nicht überzeugen kann.

Neil Armstrong selbst hat allerdings den Ursprung des Einen Satzes im Lauf der Jahre auch immer wieder etwas anders erzählt. 1969 auf der ersten Crew-PK nach der Rückkehr klang das so: „I did think about it. It was not extemporaneous, neither was it planned. It evolved during the conduct of the flight and I decided what the words would be while we were on the lunar surface just prior to leaving the LM.“ 1999 auf einer PK zum 30-Jährigen passierte vor der Landung gar nichts: „I didn’t think about that until after landing, but after landing I — actually having been somewhat surprised at the fact that we were able to make a successful touchdown, I realized I actually was going to have to say something. But it — there wasn’t anything very complicated: when you just think about stepping off, why, it seemed to follow.“ Und 2001 erzählte er die Geschichte dem Oral History-Projekt der NASA so (S. 80-81): „I thought about it after landing, and because we had a lot of other things to do, it was not something that I really concentrated on but just something that was kind of passing around subliminally or in the background. But it, you know, was a pretty simple statement, talking about stepping off something. Why, it wasn’t a very complex thing. It was what it was.“ Und nu? Der US-Historiker David Portree z.B. ist – im Gegensatz zu Armstrongs Versicherungen im selben Interview! – überzeugt, dass die NASA-PR-Abteilung überall ihre Finger drin gehabt habe und es kaum zu glauben sei, dass man sich nicht energisch auch um Armstrongs Einen Satz gekümmert habe. Aber beweisen kann er’s nicht, das sei mehr so ein Bauchgefühl auf der Basis verwandter Recherchen …

Immer neue Details der ersten indischen Mars-Mission

diesen Herbst sind in den letzten Tagen bekannt geworden, etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. So wurde beschlossen, die Nutzlast von 25 auf 15 kg zu reduzieren und auf exotische Experimente zu verzichten. Zu den Aufgaben des Orbiters, der noch nicht mal einen richtigen Namen zu haben scheint, soll die Suche nach Lebensindikatoren – v.a. mit einem Methan-Detektor – und den Verlustprozessen der Marsatmosphäre gehören. Die fünf Instrumente sollen im März angeliefert und ab April in den Bus integriert werden. Gestartet wird schließlich auf einem PSLV-XL im Oktober in eine Parkbahn um die Erde, die am 26. November verlassen wird: Die Reise soll dann 299 Tage dauern und der Mars am 22. September 2014 erreicht werden. Eigentlich war als nächste interplanetare Mission der ISRO eine weitere Mondreise zusammen mit Russland geplant, aber Verzögerungen infolge der Fobos-Grunt-Pleite führten zum Vorziehen des Marsprojekts, das Rs 470-crore = ca. 65 Mio. Euro kostet. Die Mondmission Chandrayaan-2 soll dann 2016 folgen – und 2018 ein „an asteroid orbit and comet flyby“!

Ein Asteroid und einer seiner zwei Monde bedeckten einen relativ hellen Stern, wobei die Schatten über Frankreich, Italien und Griechenland laufen sollten. Sehr viele Beobachter waren leider clouded out, andere sahen den Stern aber keine Bedeckung(en) und einige wenige eine Bedeckung durch (87) Sylvia selbst: So ist es seit 24 Stunden über die PLANOCCULT-Mailing-Liste zu hören. Die erfolgreichste Beobachtung bisher kommt vom TAROT-Teleskop in Südfrankreich: Dort sah man den Stern erst hinter Sylvia selbst 13 Sekunden lang verschwinden – und eine Weile später auch 1/2 Sekunde hinter dem Mond Romulus!

Chang’e 2 schon im Dezember bei NEA Toutatis?

17. August 2012

Es war einmal ein Mond-Orbiter, schon der zweite der VR China, aber dann hatte man Chang’e 2 wieder aus der Umlaufbahn heraus geholt (siehe ISAN 140-8) und schließlich in Richtung des des erdnahen Asteroiden (4179) Toutatis (ganz unten; oben 20 Jahre alte Radar-„Bilder“ von Goldstone) geschickt, an dem er laut offiziellen Angaben am 6. Januar 2013 vorbei fliegen soll. Mit 19.Größe lässt sich die Raumsonde derzeit gut am Himmel verfolgen, wovon Amateur- und Profi-Astronomen auch reichlich Gebrauch machen – und einem Bahnrechner ist dabei etwas aufgefallen: Chang’e 2 bewegt sich eindeutig auf eine Begegnung mit dem Asteroiden schon am 13. Dezember 2012 zu! Das würde auch deswegen mehr Sinn für Operationen in seiner Nähe machen, weil Toutatis Anfang Januar schon wieder viermal so weit von der Erde entfernt sein wird, just am 13. Dezember aber seine Erdnähe von 0,046 AE erreicht. Sofern China nicht doch noch eine Bahnkorrektur geplant hat, schließlich geht es bei der Mission inzwischen um Erfahrungen mit Tiefraumsonden, wird sich bald auch die Ankunftszeit aus der Astrometrie ermitteln lassen. NACHTRAG: Und zwar hier, zu 8:27 UTC.

Live-Blog zu einem exotischen Asteroiden-Besuch

29. Mai 2012

Wie der rasante NEA-Vorbeiflug direkt im Okular aussah

„In 40 years of sky watching, I’ve never witnessed anything beyond Earth move faster,“ berichtet Bob King aus den USA: „At 64x in the scope, 2012 KT42 moved about as fast as the space station does when viewed with the naked eye.“ Und die Helligkeit änderte sich ständig. [21:30 MESZ] Mehr Bilder und Videos des Asteroiden. [22:30 MESZ] Und noch ein Artikel mit Bild. [23:55 MESZ – ENDE]

Die größte Helligkeit und fast die Erdnähe erwischt

hat Patrick Wiggins, auf dessen Bildern kurz vor 9:00 MESZ man den Asteroiden innerhalb von 10 Minuten dramatisch schneller und schwächer werden sieht. Und Pasquale Tricarico diskutiert die ungewöhnlichen Umstände dieses Erdbesuchs, der schon wieder Geschichte ist. [14:35 MESZ] Der Asteroid kann möglicherweise mit dem Arecibo-Radar gegen 17 Uhr MESZ erwischt werden – wenn die Bahn genau genug bekannt ist. [15:10 MESZ] Weitere Bilder aus New Mexico von heute früh MESZ. [19:10 MESZ]

Kleinplanet zieht heute – 1/160″ groß – über die Sonne

Der nahe Erdvorbeiflug des frisch entdeckten erdnahen Asteroiden 2012 KT42 heute Vormittag ist nichts Besonderes: Mit einer Absoluthelligkeit von H=28.8 ist er nur grob 5 Meter groß und würde bei Berührung mit der Erdatmosphäre in einem netten Blitz harmlos untergehen, und seine geringste Annäherung an den Erdmittelpunkt von 0.000139 AU oder 20’800 km ist auf der Allzeit-Bestenliste nur Platz 7 (oder Platz 6, wenn man 2008 TC3 ausschließt). Mit einer Maximalhelligkeit am Himmel von 12 mag. wird 2012 KT42 auch nicht besonders hell, aber etwas macht ihn ungewöhnlich: Von einem Streifen durch Afrika, den Nahen Osten und Asien aus gesehen wird der Asteroid als ca. 1/160 Bogensekunden großes dunkles Etwas bis zu 12 Minuten lang über die Sonnenscheibe ziehen – aber ob so etwas beobachtet werden kann (wenn überhaupt entsprechend ausgerüstete Sternwarten in der kritischen Zone alarmiert werden können)? Der Fahrplan für heute, nach der gegen Mitternacht MESZ bekannten Bahn: größte Helligkeit von 12.1 mag. gegen 8:54 MESZ, größte Annäherung an Deutschland 21’250 km gegen 9:10 MESZ, größte Annäherung an die Sonne am Himmel dort gegen 12:09 MESZ mit 1° Abstand. Für z.B. Kairo ist der Sonnentransit gegen 12:05 MESZ zu erwarten – aber dann ist der Kleinplanet schon wieder 0.0011 AU oder 165’000 km von der Erde entfernt und der Durchmesser entsprechend nur noch 0.006 Bogensekunden … [1:00 MESZ]

Rosetta passiert Lutetia – endlich auch als Film

10. April 2012

Über die Ergebnisse des Rosetta-Vorbeiflugs an Lutetia (Header) wurde schon berichtet („Rosettas Beobachtungen …“; auch ISAN 150-5 und weitere Erkenntnisse) – aber jetzt sind endlich alle Daten frei verfügbar geworden, und die Fangemeinde hat sie schon veredelt: etwa zu dem Video oben, das etwas flackert, weil dauernd der Farbfilter gewechselt wurde. [NACHTRAG: eine weiter verschönerte Version.] Aber auch aus den Einzelbildern konnte noch eine Menge heraus geholt werden. Bonus-Link: Der Blogger, Stunden nach dem Flyby bei einem Spontanvortrag mit den allerersten Bildern im südargentinischen El Calafate am Vorabend einer gewissen Sonnenfinsternis …

Live-Blog zum Erdbesuch des NEA 2005 YU55

6. November 2011

Letzte Impressionen vom Asteroiden-Vorbeiflug: diesmal mit den Augen des Satelliten Swift, der natürlich keine Röntgenstrahlung sah, dafür aber UV-Fotometrie lieferte. Auch ein Video aus Deutschland von letzter Nacht und mehr, mehr und noch mehr Bewegtes – was sonst noch alles eintrifft, wird ggf. bei Twitter und auf jeden Fall später bei Cosmos 4 U verlinkt sein. Und die im Orbit gestrandete Fobos-Grunt-Mission, deren Schicksal die Asteroiden-Story arg in den Hintergrund drückte? Die weigert sich, mit der Erde zu sprechen, und die Hoffnungen schwinden von Tag zu Tag, wie man in epischer Breite, in einer Zusammenfassung und sehr kompakt nachlesen kann … [23:55 MEZ am 10. November – Ende]

Herschels Beobachtungen des Asteroiden sind im Kasten

Aber bis sie auch auf den irdischen Bildschirmen erscheinen, das dauert noch was: Projekt-Tweets eins, zwei und drei. Unter anderem geht es um eine unabhängige Durchmesserbestimmung – durchaus interessant, da die Keck-Beobachtungen mit AO (auch hier und hier erwähnt) einen kleineren Wert als die Radardaten zu liefern scheinen. Weiterhin noch Bilder und Videos aus der vergangenen Nacht hier (Einzelbilder), hier und hier und aus der vorangegangen Nacht hier, hier, hier, hier und hier – und ein Gedicht im Angesicht des Asteroiden … [19:10 MEZ]

Ein Video aus der Nacht der Erdnähe, entstanden auf Hawaii – und aus der jetzigen Nacht eine Bildmontage und ein Filmchen. Noch aus der vorigen Nacht dieser und dieser Film, ein paar Bilder, ein US-TV-Clip, Zusammenfassungen erster Erkenntnisse von Sky & Tel. und Cosmic Log – und ein Besuch in Goldstone bei der großen DSN/Radar-Antenne. [4:05 MEZ]

Was Radioastronomen alles über 2005 YU55 gelernt haben

in den vergangenen Stunden, hat gerade eine ‚Tania‘ vom NRAO atemlos gezwitschert: Danach berichtet Michael Busch, ein NRAO Jansky Fellow, dass das Green Bank Telescope „got temps 10 cms down into surface – we saw day/night changes w/EVLA, we got temps 1 meter into surface – we saw seasonal heat. […] Great data from all stations. It will take several months, however, to get asteroid’s true shape. […] Th/Fri/Sat VLBA begins radar speckle obs. We’ll learn how Earth affected #yu55’s spin and then calc. the orbit well past 2075. […] We needed GBT during close approach, cuz radar took only 3s roundtrip, but Arecibo needs 7s to shift between send/receive. It’s heading back out towards Mars, now, but ’scopes will keep obs through early next week. […] GBT back on #yu55 tonight, VLBA starts tomorrow.“ 2005 YU55 dürfte wohl einer der am besten untersuchten Asteroiden werden, der nicht von einer Raumsonde besucht wurde. [20:15 MEZ am 9. November]

Da saust der Asteroid über den Himmel, in der Nacht der größten Erdnähe, die viele Amateurastronomen für Bilder und Videosequenzen nutzen konnten: weitere Beispiele hier, hier, hier, hier, hier und hier und Sammlungen auch hier, hier und hier. Gerade ist es in Europa wieder Nacht geworden: 2005 YU steht nun höher als vor 24 Stunden, ist aber schwächer und der Mond stört erheblich (siehe Zeitplan unten). Die Fobos-Grunt-Krise ist derweil gerade hier umfassend aufgerollt worden: Noch besteht Hoffnung, in ein paar Stunden wieder die Kontrolle zu erlangen und doch noch gen Mars aufzubrechen … [18:00 MEZ]

So sah Keck den Asteroiden mit Adaptiver Optik! Dies ist freilich nur ein Rohbild, aus dem in den nächsten Tagen noch einiges heraus gekitzelt werden dürfte. Monde von 2005 YU55 wurden – auf Anhieb – auch keine entdeckt. [15:55 MEZ]

Ein Bild der „NellieCam“ in Oakland von vor 5 Minuten – und inzwischen ist auch Weiteres über die Keck-Pläne bekannt geworden: U.a. soll die Suche nach Monden von 2005 YU55 live übertragen werden. In Sachen Fobos-Grunt gibt es inzwischen auch offizielle Stellungnahmen: Danach hat keine der beiden Triebwerkszündungen in der Parkbahn stattgefunden – und nun wird nach dem Fehler gesucht, der ebenso in der Soft- wie der Hardware liegen könnte. Drei Tage habe man Zeit, um die Mission zu retten, heißt es noch in diversen russischsprachigen Agenturmeldungen, die der Blogger per Google Translate durchsah. [4:45 MEZ]

Jetzt laufen drei Webcasts mit dem Asteroiden gleichzeitig

Aber nur der vom Clay Center macht auf Anhieb Sinn, während ein neuerlicher bei SLOOH (jetzt aus Prescott, Arizona) möglicherweise zu lange pro Bild belichtet und der neue aus Oakland, Kalifornien erst recht nicht zu interpretieren ist. Ansonsten gibt es noch ein (mäßiges) Einzelbild und ein besseres von vor 10 Minuten, einen Erfolgsbericht einer Beobachtung mit Studenten und Artikel hier, hier, hier und hier. Und in Sachen Fobos-Grunt-Krise gibt es immer noch keine Klarheit: Angeblich – so eine anonyme Quelle aus dem Bodenstations-Wesen – ist die Marssonde in einen Safe Mode geraten und hat das erste von zwei Manövern in der Parkbahn verpasst. Damit wäre noch nicht alles verloren, aber die Lage scheint ziemlich ernst zu sein. [3:30 MEZ]

Die Radar-Astronomen rätseln über ihren kleinen Film

„The movie shows the small subset of images obtained at Goldstone on November 7 that have finished processing,“ sagt L. Brenner zu dem 6-„Bilder“-Clip (siehe gestern um 23:35 MEZ): „By animating a sequence of radar images, we can see more surface detail than is visible otherwise. The animation reveals a number of puzzling structures on the surface that we don’t yet understand. To date, we’ve seen less than one half of the surface, so we expect more surprises.“ Die Echos waren am 7. November zwischen 20:24 und 22:35 MEZ aufgefangen worden. Off Topic noch dies: Nach einem perfekten Start gestern um 21:16 MEZ ist möglicherweise ein Bahnmanöver von Fobos-Grunt in der Parkbahn um die Erde schief gegangen – und Amateurastronomen sind aufgerufen worden, nach der Marssonde zu suchen … [1:45 MEZ]

Und da entfernt er sich schon wieder von der Erde!

Vor 10 Minuten war die größte Annäherung – live übertragen vom Clay Center – von 2005 YU55 an die Erde, aber erst jetzt wird der Kleinplanet auch für optische Teleskope ein gutes Ziel: siehe den Zeitplan weiter unten. Die Live-Sendung aus Hawaii dürfte übrigens kaum vor 6:00 MEZ beginnen. [0:38 MEZ]

Ein exzellentes Live-Bild aus Massachussets liefert der 25-Zoll-Reflektor des Clay Center Observatory – Screencap von exakt Mitternacht MEZ anklicken! – mit einem ortsfesten Asteroiden, ein paar heißen Pixeln und dahinter her huschenden Sternen: Hier wird man wohl auch die größte Erdähe in knapp 25 Minuten mitnehmen können. Und noch mindestens ein weiterer Webcast aus Hawaii wird später beginnen. [0:05 MEZ]

Der erste Radar-Film-Clip des Asteroiden ist da

Die kurze Sequenz wurde aus sechs Delay-Doppler-„Bildern“ des Goldstone-Radars von gestern zusammen gesetzt. Nicht vergessen: Dies sind keine ’normalen‘ Helligkeit(x,y)-Bildern sondern Darstellungen der Laufzeit der Radarpulse (y-Achse) und des bei er Reflexion durch die Rotation des Objekts erlittenen Dopplereffekts (x-Achse) – erst später kann aus mehreren derartigen Datensätzen ein tatsächliches 3D-Modell des Körpers berechnet werden. Und die nächste optische Live-Übertragung hat hier begonnen, aus dem Clay Center Observatory an der US-Ostküste: Diesmal wird auf den Asteroiden nachgeführt, und die Sterne sausen im Hintergrund vorbei! [23:35 MEZ am 8. November]

Das ist 2005 YU55 im Anflug auf die Erde, für das 50-cm-Teleskop des SLOOH-Systems auf den Kanarischen Inseln bereits eine lange Strichspur! (Das diffuse Ding unten ist ein Artefakt.) Die „Show“ – Bild anklicken! – hat jetzt auch Ton: eine Talkshow mit Gästen, derzeit dem Entdecker des Asteroiden. [22:40 MEZ]

Die JPL-Radar-Astronomen feiern ihre bisherigen Erfolge

„I’m pleased to report that Goldstone radar observations of 2005 YU5 are going well. We obtained radar astrometry on Nov. 4, 6, and 7 and have already used it to update the orbit multiple times,“ schreibt Lance Benner: „The most recent solution is available in the JPL/Horizons online ephemeris system. 3-sigma plane-of-sky pointing uncertainties during the closest approach have shrunk from more than 80″ to about 10″.“ Und die beiden ‚Bilder‘ (s.u.) „achieve a resolution as fine as 3.75 meters and reveal a number of features that may be boulders on the surface, craters, and possibly ridges. Arecibo/Green Bank bistatic observations start today, so stay tuned for more results soon!“ [22:20 MEZ]

Noch dreieinhalb Stunden bis zur größten Nähe

des Asteroiden – und gerade sind erste optische Beobachtungen mit 16. Größe bekannt geworden: Bei hohem Phasenwinkel war er einfach unglaublich duster. Dafür sind bereits zwei Radarbilder veröffentlicht worden, vom 6. und 7. November aus 2.5 bzw. 1.4 Mio. km Entfernung; im Gegensatz zum neueren hatte das frühere wenig Verbreitung gefunden (eine Erklärung, wie diese Pseudo-Bilder entstehen, und die NASA-Asteroiden-Seite, wo’s dann wohl weitere gibt). Die optische Live-Übertragung von Slooh soll in einer Stunde beginnen und um 3:00 MEZ auch hier eine aus Kalifornien; ein Video-Feed aus Massachussets wird vermutlich auch online verfügbar gemacht. Ansonsten gab’s noch einen Chat von der NSF, Beobachtungspläne mit dem GBT, Aufsuchtipps am Himmel hier, hier und hier, Artikel speziell aus & zu Goldstone hier, hier und hier und weitere Vorschauen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:58 MEZ]

Noch genau 24 Stunden! Ein Fahrplan für den Asteroiden

Der JPL-Online-Ephemeriden-Rechner ist wohl das Tool, um sich – mit den neuesten Bahndaten, basierend auf den aktuellen Radarechos (oben ein Goldstone-„Bild“ von gestern 20:45 MEZ aus 1.38 Mio. km Entfernung) – einen Überblick zu verschaffen: In diesem Moment sind es noch genau 24 Stunden bis zur größten Annäherung von 2005 YU55 an den Erdmittelpunkt. Der Abstand von ihm beträgt jetzt noch 1.22 Mio. km, die Elongation von der Sonne 12.0°, der Asteroid steht in der Libra, der Phasenwinkel beträgt 168°, also fast Gegenlicht, und die Helligkeit ist entsprechend sehr gering, während der Abstand vom zu 93° beleuchteten Mond 137° beträgt. Diese Zahlen ändern sich nun immer schneller:

  • 5:20 MEZ: Erdzentrumsabstand genau 1 Mio. km.
  • 7:40 MEZ: Asteroid betritt Scorpio.
  • 9:30 MEZ: Elongation erreicht 20°.
  • 11:30 MEZ: Asteroid betritt Ophiuchus.
  • 16:45 MEZ: Erdzentrumsabstand genau 500’000 km.
  • 17:40 MEZ: Elongation erreicht 40°.
  • 18:10 MEZ: Eintritt der Astronomischen Dämmerung in Bonn, Asteroid – sehr schwach! – 21° hoch und sinkend.
  • 19:10 MEZ: Asteroid betritt Serpens.
  • 20:55 MEZ: Asteroid in Bonn auf 10° gesunken.
  • 21:15 MEZ: Elongation erreicht 60°, Phasenwinkel gefallen auf 90°.
  • 21:50 MEZ: Asteroid betritt Aquila.
  • 22:30 MEZ: Helligkeit erreicht 13.0 mag, Winkel zum Mond auf 90° gefallen.
  • 23:10 MEZ: Helligkeit erreicht 12.5 mag.
  • 9. November, 0:10 MEZ: Asteroid betritt Delphinus.
  • 0:20 MEZ: Helligkeit erreicht 12.0 mag.
  • 0:26 MEZ: Größte Annäherung an den Blogger (Bonn), Abstand 324,861 km.
  • 0:28 MEZ: Größte Annäherung an den Erdmittelpunkt, Abstand 324’956 km (Abstand von der Erdoberfläche ca. 318’590 km).
  • 0:40 MEZ: Asteroid geht für Bonn unter.
  • 0:55 MEZ: Elongation erreicht 90°, Phasenwinkel gefallen auf 60°.
  • 1:50 MEZ: Asteroid betritt Pegasus.
  • 2:00 MEZ: Helligkeit erreicht 11.5 mag.
  • 2:10 MEZ: Winkel zum Mond auf 60° gefallen.
  • 4:30 MEZ: Winkel zum Mond auf 45° gefallen.
  • 4:55 MEZ: Elongation erreicht 120°.
  • 5:30 MEZ: Helligkeit erreicht Maximum von 11.1 mag.
  • 7:40 MEZ: Winkel zum Mond (98% beleuchtet) auf 30° gefallen.
  • 8:10 MEZ: Erdzentrumsabstand wieder 500’000 km, Phasenwinkel gefallen auf 45°.
  • 10:20 MEZ: Asteroid betritt Pisces.
  • 11:35 MEZ: Helligkeit wieder auf 11.5 mag. gefallen.
  • 14:20 MEZ: Elongation erreicht 150°.
  • 15:10 MEZ: Winkel zum Mond (98.5% beleuchtet) auf 15° gefallen.
  • 17:50 MEZ: Helligkeit wieder auf 12.0 mag. gefallen.
  • 18:10 MEZ: Eintritt der Astrononomischen Dämmerung in Bonn, Asteroid 30° hoch und steigend.
  • 19:20 MEZ: Asteroid steht 40° hoch über Bonn.
  • 19:40 MEZ: Erdzentrumsabstand wieder 1 Mio. km.
  • 20:40 MEZ: Asteroid steht 50° hoch über Bonn.
  • 22:45 MEZ: Asteroid kulminiert 58° hoch über Bonn.
  • 10. November, 0:40 MEZ: Helligkeit wieder auf 12.5 mag. und Höhe über Bonn auf 50° gefallen.
  • 4:30 MEZ: Winkel zum Mond (99.6% beleuchtet) erreicht Minimum von 9.9°.
  • 6:30 MEZ: Asteroid betritt Aries und geht in Bonn unter.
  • 9:00 MEZ: Helligkeit wieder auf 13.0 mag. gefallen.
Fazit: Wer dem grellen Mondlicht in ziemlicher Nähe trotzen kann, der darf 2005 YU55 wenigstens in der übernächsten Nacht hinterher winken, während Beobachtungen in der Nacht der Erdnähe von Deutschland aus fast unmöglich sind – der Asteroid steht unter 10° hoch, dafür stört allerdings der Mond weniger. Noch ein paar neue Links: eine generelle NASA-Seite, ein Press Release der University of Arizona zur Entdeckung YU’s, ein JPL Release zum neuen Radarbild, ein privates Blog-Posting über NRAO-Pläne mit YU und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:28 MEZ]

Der Asteroid und die … Ottifanten? Weil 2005 YU55 der Erde so nahe kommt, dass er von jedem Ort aus auf einer etwas anderen Bahn am Himmel ziehen wird, hat sich Sky & Telescope etwas einfallen lassen: eine detaillierte Aufsuchkarte für Kansas – und darauf die seitenverkehrten USA mit Süden oben (die in dieser Darstellung den Blogger extrem an ein gewisses Rüsseltier erinnern). So kann sich zumindest jeder Beobachter in den USA die Bahn entsprechend der Parallaxe zu Kansas zurecht rücken. Neues vom Asteroiden selbst – den weiterhin nur Radar beobachten kann, da er sich aus Richtung der Sonne nähert – gibt’s nicht, aber jede Menge weitere Vorschauen in drei Sprachen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:40 MEZ am 7. November]

Das Goldstone-Radar hat die Bahn schon stark verbessert

Eben noch war die Position von 2005 YU55 am Himmel während der Erdnähe nur auf 86 Bogensekunden genau gewesen, aber dank des Goldstone-Radars und seiner Delay-Doppler-Messungen ist der Fehler bereits auf 14 Bogensekunden (3 Sigma) geschrumpft. [9:50 MEZ]

Allerlei bewegte Bilder zum Besuch des Asteroiden: eine Einführung in die Radar-Pläne des JPL, diverse Animationen der Bahn zu Beethoven-Klängen und die Aufzeichung eines 62-Minuten-Videochats des JPL (auch hier archiviert) zur Radartechnik und allgemeinen Asteroidenfragen. Auch die Zeitschrift Science ließ chatten, was hier nachzulesen ist. Ansonsten noch die vage Ankündigung einer Live-Übertragung des Vorbeiflugs bei SLOOH, eine schöne Animation aus ‚Sicht‘ des Asteroiden und eine FAQ-Liste – die die Unzähligen besser gelesen hätten, die YouTube & Co. bereits mit absurdesten Verschwörungstheorien zu „YU55“ überflutet haben. Wozu hier natürlich nicht verlinkt wird … [2:35 MEZ]

Das Goldstone-Radar hat den Asteroiden bereits erfasst

und kann mit seiner Astrometrie – viel genauer als optische – schon die Bahninformation verbessern (und auch pretty pictures machen): Das hilft z.B. dem IR-Satelliten Herschel bei seinen Beobachtungen am 10. November, der noch nie ein so nahes kosmisches Objekt verfolgen musste. Zu dem mit Spannung von Profi- wie Amateurastronomen erwarteten Vorbeiflug des 400-km-Brockens am 8. November in 325’000 km Entfernung auch Artikel in ISAN 132-5 und 148-4, ein JPL Release (aus dem auch die obige Animation mit NEA, Erde und Mond stammt) und Beobachtungstipps – für Amateure: schwierig!! – von WAA, Dangl, BAA, Astroblog und S&T; viele weitere Links auch im heutigen Cosmos4U im 3. Absatz. [18:40 MEZ am 6. November]

Vestas Natur: Einsichten aus dem Survey Orbit

14. Oktober 2011

Die erste systematische Erkundung des Kleinplaneten durch den Dawn-Orbiter aus 2700 km Abstand im Juli und August hat bereits die ersten fundamentalen Erkenntnisse gebracht, aber insgesamt wesentlich mehr neue Fragen aufgeworfen als beantwortet. Vesta hat bereits ein neues Koordinatensystem verpasst bekommen, da nun die Lage ihrer Rotationsachse erkennbar ist, und Volumen und Dichte des irregulären Körpers wurden ermittelt: Eine äquivalente Kugel hätte 524 km Durchmesser, und die mittlere Dichte liegt bei 3.34 g/cm^3. Monde hat Vesta offensichtlich keine: Zwar sichtete Dawn so manchen Asteroiden im Hintergrund, aber nichts im Orbit, so dass Begleiter größer als 10 Meter praktisch ausgeschlossen sind. Vesta selbst hat sich bereits als ausgesprochen komplexer Körper erwiesen, mit mehreren Einschlagsbecken größer als 100 km (wo wohl die diversen „Vestoid“-Asteroiden und auf der Erde gefundenen Meteoriten ihre Reisen begannen) – und vielen Überraschungen:

  • So liegt halb unter dem berühmten 475 km großen und kürzlich offiziell Rheasilvia getauften Impaktbecken am Südpol (Bild 1) offenbar noch ein älterer Krater mit 375 km Durchmesser (Bild 2). Und es scheint inzwischen so, dass das ausgeprägte System von Gräben in der Nähe des Äquators (Bild 3) eine direkte Folge des jüngeren Impakts ist: Große Einschläge auf terrestrischen Planeten – von denen Vesta eine Art Mini-Ausgabe ist – hinterlassen derartige Ringsysteme, und weil Vesta so klein ist, landete es halt eine halben Körper weit entfernt als regelrechter Gürtel. Aber die Geometrie stimmt: Rheasilvia liegt exakt zentrisch. Dasselbe gilt auch für den älteren Krater und ein zweites Grabensystem auf der Nordhalbkugel, was die Interpretation stützt. Kraterzählungen deuten an, dass Rheasilvia nur 1-2 Mrd. Jahre jung ist, während es die stark verkraterte Nordhemisphäre auf knapp 4 Mrd. Jahre bringt; diese Zahlen sind aber noch sehr vorläufig.

  • Der Berg genau in der Mitte von Rheasilvia muss nicht unbedingt ein klassischer Zentralberg des Kraters sein, wofür er eigentlich zu so groß ist. Und seine Höhe (Bild 4: Profil entlang der weißen Linie, Höhen in km) ist gewaltig: 22 km, vergleichbar dem Olympus Mons auf dem Mars und höher als der höchste Berg der Erde, der Mauna Kea (vom Pazifikboden aus gemessen). Überhaupt ist die Topografie Vestas – wenn man die Krümmung mal rausrechnet – enorm, mit einer Vollamplitude von 60 km. Dabei ist Vesta auch noch überraschend farbig, und das mit einer Nord-Süd-Dichotomie: Der Süden ist Basalt (wie von den Vesta-Meteoriten her zu erwarten), der Norden hat eine mehr neutrale Farbe.

  • Das gilt aber nur großflächig gesehen: Im Detail ist Vesta noch viel farbenfroher! Die Bilder 5 bis 7 des VIR-Instruments (Screenshots vom Webcast einer Pressekonferenz) zeigen einen Krater im sichtbaren Licht, im thermischen Infraroten bei 5 µm und in Völlig-Falsch-Farben, wobei R, G und B jeweils die Verhältnisse zweier Spektralbereiche zugeordnet sind: Impakte legen offenbar anders geartetes Material frei. Dies erkennt man auch auf den beiden schwarzweißen Bildern 8 und 9 aus der – im Mittel – 680 km hohen derzeitigen HAMO-Bahn, wo in einem frischen Krater helles und dunkles Material und anderswo überhaupt nur dunkles Material frei gelegt wurde. Letzteres überrascht nun sehr, pflegen Impaktejekta doch sonst immer hell zu sein.

Im 30-tägigen High Altitude Mapping Orbit – der Abstieg verlief problemlos – hat Dawn inzwischen die ersten zwei von drei Phasen abgeschlossen: Ein Umlauf dauert nun nur noch 12.3 statt 69 Stunden, und die Geschwindigkeit über dem Boden ist 135 statt 76 m/s. Zunächst schauten Dawns Instrumente 10 Orbits lang senkrecht nach unten, dann wurde gleichzeitig nach vorn und zur Seite geschaut – und inzwischen nach hinten und zur Seite. So wird dasselbe Gelände aus mehreren Richtungen erfasst und das 3D-Modell – auch im Hinblick auf eine noch größere Annäherung Anfang Dezember – weiter verfeinert. Parallel zu dieser topografischen Kartierung nimmt VIR auch weitere Spektren auf. PK während einer GSA-Tagung 12.10.2011; JPL Releases 12., 10., EPSC Release 3.10., JPL Release 30., Dawn Journal 27.9.2011; BBC 13., Nature Blog, Scientific American 4., Planetary Society Blog 3.10.2011. Und Japan Times 30.9.2011 über den ersten der drei Kinofilme über Hayabusa …

NASA sprachlos – aber eine neue Vesta pro Tag

16. August 2011

alle NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

wird seit dem 12. August in dieser August-Galerie Dawns veröffentlicht (das Komplettangebot ist hier zu finden): bislang fünf Aufnahmen der Framing Camera mit Clear-Filter vom 6. August aus dem 2700 km hohen Survey Orbit mit 260 m Auflösung. Und keinerlei Erläuterung, was da im Einzelnen zu sehen sein könnte, was gerade beim 2. Bild (im Ausschnitt & komplett gezeigt) durchaus interessant wäre …