Posts Tagged ‘CCDev 2’

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

3. Mai 2011

Heute war Neumond – und eine partielle Sonnenfinsternis: natürlich nur für das Solar Dynamics Observatory, das hier den Mondrand (Berge inklusive; Standbild anklicken für eine große Version)vor dem solaren Plasma in kurzwelligem Licht zeigt. Noch ein anderes Standbild – und eine Amateuraufnahme der H-Alpha-Sonne heute mit 1.5 Mio. Pixeln!

Neufundland im Gegenlicht aus der ISS gesehen – hier ein weiteres Bild.

Liegt da ein geheimes Satelliten-Foto auf dem Tisch des Situation Room des Weißen Hauses während des Angriffs in Pakistan? Das Weiße Haus ließ das „Geheimdokument“ – so die BU – auf diesem berühmten Foto [NACHTRAG: tiefe Gedanken dazu …] verpixeln, aber ein Vergleich (wenn man es unschärfer oder viel kleiner betrachtet) mit Satellitenbildern des Komplexes in Abbottabad legt nahe (so sehen es auch viele Kommentatoren hier [NACHTRAG: und auch dieser Artikel]), dass es sich um eine etwas schräge Ansicht des Hauptgebäudes handelt. Entstanden entweder aus der Luft oder von einem Foto-Aufklärungssatelliten – jedenfalls soll die Welt wohl nicht erfahren, wie scharf es ist.

Dawns Anflug auf Vesta hat „offiziell“ begonnen

in 1.2 Mio. km Abstand von dem großen Asteroiden: Ab jetzt an Hand von Aufnahmen („Letzte Testaufnahmen…“) Vestas vor dem Sternenhintergrund navigiert (anstatt von Radionavigation und anderen Techniken, bei denen der Asteroid selbst nicht mitspielt), während sich die Sonde die nächsten drei Monate mit ihrem Ionenantrieb heran pirscht – der erste Teil der insgesamt 15 Monate währenden Vesta-Phase der komplizierten Mission. Am 16. Juli wird Dawn dann in 15’500 km Abstand in den erste, weiten Orbit eingefangen. Die Anflugphase wird für Test- und Baseline-Messungen der diversen wissenschaftlichen Instrumente genutzt – und für eine fotografische Suche nach Vesta-Monden; von der Erde aus wurden bisher keine entdeckt. (JPL Release, Dawn Journal, Planetary Society Blog 3.5.2011)

Die Jagd nach New-Horizons-Zielen jenseits von Pluto hat begonnen: Mit einigen der größten erdgebundenen Teleskope wird jetzt 2 bis 3 Jahre lang systematisch eine bestimmte Himmelsregion – leider nahe des Sternengewimmels um das Galaktische Zentrum – nach unbekannten Bewohnern des Kuiper-Gürtels abgesucht, von denen die Raumsonde nach ihrem Pluto-Flyby 2015 noch mindestens einen aufsuchen könnte. Mindestens 50 km groß sein sollte er schon. (New Horizons Release 20.4.2011)

Das NanoSail D bleibt 6 bis 12 Monate im Orbit

und nicht nur 70 bis 120 Tage, wie man zunächst gedacht hatte: Der experimentelle Sonnensegler ist nämlich eine flache Fluglage parallel zum Orbit gegangen („flat spin attitude“), wo er nur geringen Luftwiderstand erfährt. So ist die Bahnhöhe von den ursprünglichen 640 km erst um 45 km geschrumpft. Die exotische Orientierung des Segelchens im Raum führt zu sehr unterschiedlicher Sichtbarkeit vom Erdboden aus: Mal hell, zuweilen sogar mit negativer Größe, dann wieder schlicht unsichtbar, wenn der Blick auf die Segel-Kante fällt. Dem niederländischen Satellitenspezialisten Ralf Vandebergh ist am 24. März das wohl erste klar aufgelöste Foto des NanoSail D gelungen, und auch er dokumentierte die extremen Schwankungen der Sichtbarkeit (hier weitere Verarbeitung der Bilder). Derzeit gibt es für Deutschland jede Nacht zwischen 2 und 4 im Prinzip sichtbare Überflüge, von flach bis hoch – was aber kein Vorteil ist. (NASA Release 26., AstroBob 29.4.2011)

Drei Prototypen für „Chip-Satelliten“ kommen auf die ISS, wenn die Endeavour endlich fliegen kann (was nun frühestens am 10. Mai möglich ist): Sie bringt unter dem Projektnamen „Sprite“ drei jeweils ein Quadratzoll große elektronische Gebilde zur Raumstation, die dort im Experiment MISSE-8 mehrere Jahre lang Weltraumbedingungen ausgesetzt werden sollen. Sie sollen einfache Messungen machen und zur Erde funken – und ganze Schwärme derartigen „Satelliten-Staubs“ könnten einst in den Raum entlassen werden, wo sie der Strahlungsdruck der Sonne wie auch der Sonnenwind zu anderen Planeten treiben könnten. (Cornell Chronicle 27., Centauri Dreams 28.4.2011)

Japanischer Erdbeobachter ALOS ausgefallen: kein Strom mehr

Dem Advanced Land Observing Satellite, auch Daichi genannt, ging am 22. April unerwartet und rapide der Strom aus, und der Satellit – der bei der Beobachtung der Tsunami-Folgen nach dem 11. März eine wichtige Rolle spielte – ist wohl verloren. 2006 gestartet und für 3 Jahre ausgelegt, war er allerdings schon in der Verlängerung gewesen. Der Stromausfall erinnert an das unrühmliche Ende des Satelliten ADEOS 2 (siehe Cosmic Mirror #263 Kurzmeldungen) im Herbst 2003. (JAXA Release, Space News, Spaceflight Now 22., SatTrackCam 23., Planetary Society Blog 25.4.2011 – und die neuesten ALOS-PALSAR-Daten aus dem Erdbebengebiet. Auch Xinhua 22.4.2011 zur gelungen Kontaktaufnahme mit dem verschollenen russischen [„Russischer Kartografie-Satellit …“] Geo-IK-2)

Indiens ResourceSat-2 hat die ersten Bilder geschickt, die allerdings noch nicht veröffentlicht wurden – und inzwischen gibt es auch ganz offiziell Bahnelemente des Satelliten („Eine Rakete …“), was gegen eine primäre Nutzung als Aufklärungssatellit spricht; die beste Kamera an Bord, LISS-IV, hat eh‘ nur 6 m Auflösung. (ISRO Press Releases 28., 25.4.2011; The Hindu 26., Indrus 27.4.2011. Auch Parabolic Arc 29.4.2011 zu einem möglichen Einstieg Indiens bei einer US-Mond-Sample-Return-Mission und IANS 25.4.2011 zur vermutlichen Aufklärung des letzten GSLV-Disasters [„Weiter Rätseln …“]: Die russische Nutzlastverkleidung sei Schuld gewesen)

Die Erklärung für die vier Gewinner der CCDev-2-NASA-Dollars

ist publik: Die Weltraumbehörde wollte bei dieser Ausschüttung von 270 Mio.$ („270 NASA-Millionen …“) für die Förderung kommerziellen Transports zur ISS die Entwicklung von Raumkapseln etc. stärker bedenken als die reiner Raketen, weil es davon schon einige in den USA gibt – deswegen hatten weder ULA noch ATK eine Chance. Am stärksten überzeugten Boeing und SpaceX mit ihren geplanten relativ klassischen Raumkapseln CST-100 bzw. Dragon, und um der Vielfalt willen gab es auch noch was für Sierra Nevada mit einem Mini-Shuttle und Blue Origins mit einer Kapsel, die aber auf Düsenstrahl und Füßen landet. Excalibur Almaz fiel dagegen (wegen eines konfusen Business-Plans) ebenso durch wie Orbital Sciences mit einer bemannten Cygnus-Kapsel, die dem Dream Chaser von Sierra Nevada in mehreren Punkten unterlegen schien. (Spaceflight Now 24., The Space Review 25.4., Houston Chronicle 1.5.2011. Auch ein Interview, in dem SpaceX-Chef ab 13:04 von Dragon-Flügen zum Mars fabuliert [auch von AFP berichtet] und ein NASA Release zum ESA-Bekenntnis zur ISS)

Die Taurus 2 bekommt einen Testflug spendiert, bevor sie das erste Mal einen Cygnus-Transporter zur ISS bringen darf: Nachdem die NASA endlich einen Haushalt für das laufende Finanzjahr hat, konnte sie Orbital die Mittel – rund 100 Mio.$ – für den Test freigeben; die beiden Raketen starten vermutlich im Oktober und Dezember. Wenn beide und das Andocken der Cygnus an die ISS funktionieren, könnte sie bereits im 1. Quartal 2012 mit der Versorgung der Raumstation beginnen. Derweil soll sich die Orbital-interne Untersuchung des Versagens einer Taurus XL im März dem Ende nähern, ebenso die Untersuchung seitens der NASA. (Spaceflight Now, Space News 21.4.2011)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

21. April 2011

Die wechselwirkenden Galaxien Arp 273 mit Hubbles WFC3 aufgenommen und nun zum 21. „Geburtstag“ des Weltraumteleskops veröffentlicht: Die große Galaxie UGC 1810 ist vom Begleiter UGC 1813 deformiert worden, als diese – so legt es das kuriose Spiralmuster der 5-mal massereicheren großen nahe – off-center hindurch tauchte. Wobei in der kleinen allerlei Sternbildung getriggert wurde.

Enceladus im Gegenlicht am 30. Januar aufgenommen von Cassini aus 228’000 km Entfernung – und der Orbiter hat auch eine elektrische Verbindung zwischen Enceladus und den Saturn-Aurorae entdeckt sowie indirekte Hinweise auf einen unterirdischen Titan-Ozean, während erstmals Wissenschaftler von außerhalb berufen werden, bei der Saturnmission als ‚participating scientists‘ mitzumachen.

Ein junger Krater auf der Rückseite des Mondes, im Rahmen des MoonZoo-Projekts auf Bildern des Lunar Reconnaissance Orbiter gefunden: Scharen Freiwilliger haben bereits 2 Millionen Aufnahmen von 120’000 km^2 durchforstet, was doch nur 1/300 der Mondoberfläche ist. A propos Mond: Die Filmplakate für einen Spielfilm über Chandrayaan 1, Indiens ersten Mondorbiter, sind da! Der Film soll eine „faithful documentation of the moon project“ sein, gewürzt mit „some fictional elements“. Ein semi-dokumentarischer Kinofilm über ein unbemanntes reales Raumfahrtunternehmen – gab’s da je?

Eine Rakete, 3 Satelliten, 1.2 Mrd. Inder wieder glücklich

Nach mehreren Fehlschlägen, die an der Kompetenz der eigenen Raumfahringenieure zweifeln ließen, ist der indischen Weltraumbehörde ISRO gestern morgen der Start von drei Satelliten gleichzeitig auf dem Polar Satellite Launch Vehicle Nr. C16 gelungen, der 17. Erfolg eines PSLV in Folge: An Bord waren der dicke nationale Erdbeobachter Resourcesat-2, der indisch-russische Forschungssatellit Youthsat – für die Messung des Strahlungsflusses der Sonne, ionosphärischen Effekten und Aufnahmen des Airglows – und der kleine Technologie-Satellit XSat-1 aus Singapur. (ISRO Release 17., Spaceflight Now, The Hindu, BBC, Hindustan Times, Pradeep’s Blog, Economic Times, Space Today, Eureka 20.4.2011) NACHTRAG: Nanu, ist Resourcesat-2 etwa ein Aufklärungssatellit als Hauptaufgabe? NACHTRAG 2: Allen 3 Satelliten geht es gut, jedenfalls. NACHTRAG 3: Die ISRO dementiert alles Geheimnisvolle am ResourceSat-2.

Etliche kritische Artikel über den Zustand des indischen Weltraumprogramms waren im Vorfeld des PSLV-C16-Starts in den heimischen Medien erschienen, hauptsächlich wegen des Doppel-Versagens des GSLV 2010 („Weiter Rätseln …“), dessen Ursache wenigstens gefunden zu sein scheint. Und es kommt auch das merkwürdige Betragen der ISRO gegenüber Israel zu Wort, dessen Astronomiesatellit TAUVEX – zu dessen Glück – abrupt und ohne Rücksprache von einem GSLV geworfen worden war: Der Satellit mit einer Saga verpasster Startchancen wartet in einem Cleanroom in Bangalore auf Nachricht, ob es irgendwann doch noch was wird … (DNA 16., Forbes India 19., Parabolic Arc 21.4.2011. Und IANS 17.4.2011 zu den nächsten indischen Satelliten)

270 NASA-Millionen für vier Firmen, die bemannte Kapseln zur ISS zu schießen versprechen

The Boeing Company, die Sierra Nevada Corporation, Space X und Blue Origin erhalten im Rahmen der zweiten Commercial Crew Development Agreements (CCDev 2) zwischen 92.3 und 22 Mio.$ von der NASA, um ihre Projekte von Raumkapseln für die Versorgung der ISS voran zu treiben, während u.a. die United Launch Alliance (die derzeit die meisten amerikanischen Wegwerfraketen liefert), ATK (mit dem Liberty-Konzept [„Amerikanisch-europäische Billigrakete …“]) und Orbital Sciences (wie Space X mit Cargo-Auftrag zur ISS [„Erster Start …“] versorgt) unter den ingesamt 22 Bewerbern [„Mindestens 4 Bewerber …“] leer ausgehen. Mit der CCDev-Förderung hofft sie NASA, die Lücke zwischem dem letzten Shuttle-Flug diesen Sommer und dem ersten bemannten US-Start aus eigener Kraft zu minimieren: Space X z.B. – wo man das Geld v.a. in ein Astronauten-Rettungssystem für die Dragon investieren wird – verspricht eine bemannte Version binnen drei Jahren, die NASA hofft vager auf die „Mitte des Jahrzehnts“ für den ersten Start, welches Systems auch immer. (NASA Release 18., Space X Tweet 18., Press Release 19.4.2011; Space-com, Space News [früher], Scientific American, Cosmic Log, Space Policy Online, Parabolic Arc [später] 18., BBC, Discovery, AW&ST, Space Today, Spiegel 19.4.2011) NACHTRAG: wer hinter den Gewinner-Firmen steckt – und was sie vorhaben und warum Liberty leer ausging.

Space X darf auch teure Regierungssatelliten starten, sobald die Falcon-Raketen ihre Verlässlichkeit bewiesen haben: Ein entsprechendes Memorandum of Understanding gibt es jetzt mit der U.S. Air Force. Unterdessen zweifelt man in China, wo man es gewohnt war, westliche Startpreise locker zu unterbieten, an der Seriösität der Preiskalkulation für die Falcons – aber was will man machen … (Space News 14., AW&ST 15., Parabolic Arc 16.4.2011)

MOU zwischen Space Experience Curacao und XCOR

Einen Schritt weiter ist die Firma XCOR, die mit ihrem Raumschiffchen Lynx – wie schon kurz gemeldet – von der Karibikinsel Curacao aus dem vermutlich ersten kommerziellen Suborbitalflug-Anbieter Virgin Konkurrenz machen will: Die Absprachen mit dem lokalen Management stehen, die Tests der Triebwerke kommen angeblich gut voran – und schon nächstes Jahr will man den ersten bemannten Flug wagen. Zahlende Kunden kommen dann – laut den vollmundigen XCOR-Ankündigungen – ab 2013 zum Zuge (allerlei geheimnisvolle Promis sollen schon gebucht haben): Neben dem Piloten sitzt jeweils nur ein einzelner Passagier. (Parabolic Arc 16.4.2011. Auch ein BBC-Video von der Baustelle des Virgin-Weltraum-Bahnhofs in New Mexico und AW&ST und Universe Today zur Suche nach SpaceShipTwo-Piloten)

Wilde Briten-Vision von einem gigantischen Single-Stage-to-Orbit-Raumschiff: Einer überraschenden Wiedergeburt der Hotol-Idee aus den 1980-ern steht im Juni ein bedeutender Test des alles entscheidenden SABRE-Triebwerks bevor – wenn der gelingt, stehen offenbar genügend Investoren bereit, um das Projekt rein privat finanziert voran zu treiben. Alle staatlich geförderten Konzepte von Trägersystemen, die in einem Stück den Orbit erreichen, sind beiderseits des Atlantiks ausnahmslos wieder begraben worden. (Space.com 18.4.2011)

Japanischer Geheim-Satellit voller Treibstoff vor dem Reentry

Vor drei Jahren zerstörte das US-Militär den außer Kontrolle geratenen Satelliten USA 193 mit einer Rakete (siehe zahlreiche Artikel in Cosmos 4 U im Februar 2008), mit der Begründung, der in den Tanks verbliebene giftige Treibstoff stelle im Falle eines Reentries eine Gefahr für Menschen auf dem Boden dar. Jetzt besteht – nach einer Analyse erfahrener Satellitenbeobachter – beim japanischen Aufklärungssatelliten IGS IB eine ganz ähnliche Situation: Auch er wird – im Frühjahr 2012 – unkontrolliert abstürzen, und auch sein Tank ist vermutlich noch halb voll. Offiziell verlautet ist noch gar nichts, aber man darf gespannt sein: Japan verfügt über dasselbe Raketensystem, und die USA würden sicher mit ihrer Erfahrung auch helfen. Sollte indes nichts unternommen werden, dann muss man sich zumindest fragen, ob die 2008-er Begründung wirklich die entscheidende für die umstrittene Aktion war … (SatTrackCam 16., NASA Spaceflight Forum 20.4.2011) NACHTRAG: Alles halb so wild?

Neuester US-Geheimsatellit auch wieder von Amateurastronomen gefunden: Der am 15. April gestartete NROL-34 – hier kurz erwähnt („Amateurastronomen …“) – ist nach drei Tagen im geostationären Orbit als Satellitenpaar erwischt worden und damit eindeutig als dem Naval Ocean Surveillance System zugehörig identifiziert. (SatTrackCam 19.4.2011. Und ein DARPA Release [NACHTRAG: und Nature News] und Space.com zu einem neuen Space Surveillance Telescope des US-Militärs – man kann die Satellitenbeobachtung ja nicht komplett den Amateuren überlassen …)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

23. Dezember 2010

„Pioneer Anomaly“ – ein Mythos wird (bald) beerdigt

Das haben jedenfalls die Recherchen einer populärwissenschaftlichen US-Zeitschrift ergeben: Ausgerechnet die bisherigen Wortführer einer angeblich völlig unerklärlichen Beschleunigung („Die ‚Pioneer-Anomalie‘ …), die die Pioneer-Raumsonden auf dem Weg ins äußere Sonnensystem erfahren sollen, arbeiten demnach an einem großen Abschlussbericht, der den Effekt allein durch die Wärmeabstrahlung der Sonden erklären kann und Mitte 2011 erscheinen soll. Nicht dass das irgendetwas Neues wäre: Unabhängige Forscher machten genau diese Erklärung schon vor einem Jahrzehnt plausibel – siehe Artikel 426 von 2002! Die vielen Fans „neuer Physik“, die in der „Anomalie“ ihre diversen Lieblingseffekte wieder zu finden glaubten (und rund 1000 Papers darüber schrieben), wird’s nicht freuen. Mit einigem Abstand sollte auch mal jemand die soziologischen Effekte hinter diesem spektakulären Irrweg der Wissenschaft beleuchten … (Popular Science, Cosmic Variance 15.12.2010)

Neil Armstrong schrieb einen langen Leserbrief über Details der EVA von Apollo 11 – der für seine extreme Schweigsamkeit gefürchtete erste Mensch auf dem Mond hat sich völlig überraschend zu Wort gemeldet, um einem Blogger (!) zu erklären, warum sich die beiden Astronauten damals kaum vom Lander Eagle weg bewegten: v.a. aus Sicherheitsgründen, weil man nicht wusste, wie gut dem ungetesteten Raumanzug die Mondbedingungen bekommen würden. Außerdem sollten die beiden immer im Gesichtsfeld der TV-Kamera bleiben, und für Improvisationen wäre eh‘ keine Zeit gewesen. (NPR Blog 8.12.2010)

Mindestens 4 Bewerber um NASA-Geld für ein privates Orbitalschiff – und Virgin verkauft die Tickets?

Neue Bewegung bei der Entwicklung von orbitalen Raumschiffen durch amerikanische Privatfirmen, die einmal Passagiere zur ISS – und Touristen tage- bis wochenlang in den Orbit – bringen könnten: Gerade war Bewerbungsschluss für die 2. Runde des Commercial Crew Development-Programms der NASA (CCDev 2), und mindestens vier Projekte wollen an der Ausschüttung der rund 200 Mio.$ partizipieren. Es sind eine bemannte Version der Dragon-Kapsel von Space X („Die Dragon-…“), die CST-100 von Boeing, die auf den Apollo-Kapseln basiert, ein noch namenloser Minishuttle von Orbital Sciences (auf der Basis des einst von der NASA geplanten Orbital Space Plane) und der Dream Chaser von Sierra Nevada (auf der Basis des NASA-Projekts HL-20). Mit den letzteren beiden Firmen hat wiederum Virgin Galactic Absprachen getroffen, die Raumschiffchen auch für orbitale Touristenflüge (unbekannter Dauer und unbekannten Ziels) zu vermarkten, was dann deutlich weniger pro Platz kosten solle als derzeit auf den Soyuz-Kapseln. In denen nach dem Ende des Shuttle-Programms eh‘ kaum mehr Platz für private Passagiere sein dürfte. (Orbital Press Release 14., Virgin Galactic Press Release 16.12.2010; Spaceflight Now, Reuters 16., Space Today 15., Space News 14.12.2010) NACHTRAG: noch ein Nachzügler zum Themenkomplex.

Der zweite X-37B-Shuttle der Air Force startet wohl im kommenden Frühjahr, das neue Orbital Test Vehicle ist schon im Bau. Was mit dem ersten Exemplar passieren soll, ist nicht bekannt: Immerhin wurde nun erwähnt, dass bei der Landung am 3.12. ein Reifen platzte. Umher fliegende Fetzen können für einige der kleinen Schäden verantwortlich sein, die man zunächst Kollisionen mit Raumschrott zuschrieb. Ansonsten sei der Flug „ein kompletter Erfolg“ gewesen – aber was man dabei trieb und wie es mit dem X-37B-Programm weiter gehen soll, ist nicht bekannt. (Spaceflight Now 12.12.2010; auch neue Bilder)

Die erste Neptun von InterOrbital startet erst im Frühjahr 2011

Aber man wird die Premiere des Billig-Trägersystems („Dänische Mondlande-Amateure …“) gleich mit der stärkeren Variante Neptun 45 durchführen, da es zahlreiche Buchungen für Cube- und TubeSats gegeben hat. Einer der letzteren Picosatelliten (200 Gramm Masse) ist das Project Calliope, bei dem Ionosphärenmessungen in Töne umgewandelt zur Erde gefunkt werden sollen – auf dass sich Musiker daran versuchen mögen! (365 Days of Astronomy 13.9., Science 2.0 9.11., Universe Today 14.12.2010)

Indiens StudSat war ein Fehlschlag: Der von erheblichem Medienrummel begleitete erste von indischen Studenten gebaute Satellit („Indischer 850-Gramm-Satellit …“) hat sich wohl ganz zu Anfang aus dem Orbit gemeldet, dann aber nie die erhofften Erdbilder geschickt und ist rasch verstummt – das hat (‚im Auftrag‘ dieses Blogs) ein indischer Weltraumenthusiast herausgefunden. An einem Nachfolger wird aber schon gearbeitet. (Parallel Spirals 19.12.2010)

Das Forschungs-Ballon-Programm der NASA läuft wieder

Nachdem die Vielzahl von Empfehlungen nach dem Disaster im April („Australischer Astro-Ballon-Fehlstart …“) umgesetzt worden ist, u.a. die Entwicklung eines speziellen Kranahrzeugs, das den Ballon vor dem Loslassen besser unter Kontrolle hält, hat die NASA ihr Programm mit Forschungsballons wieder aufgenommen. Als erster hat am 20. Dezember Cosmic Ray Energetics And Mass (CREAM VI) in der Antarktis abgehoben: der erste von fünfen, die bis Jahresende gestartet werden sollen. (NASA Releases 21., 15.12.2010)