Posts Tagged ‘CHACE’

Nachrichten aus dem Planetensystem kompakt

17. Mai 2010

Sauwetter in Japan verhindert Dreifach-Start zur Venus

Sechs Satelliten sitzen in der H-2A-Rakete auf dem japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima, und drei von ihnen sollen auf den Weg zur Venus geschickt werden – doch ausnehmend schlechtes Wetter hat gerade (bzw. am Morgen des 18. Mai japanischer Zeit) zur Verschiebung des Starts geführt, obwohl man bis fünf Minuten vorher noch Hoffnung gehegt hatte. Bei den Venus-Reisenden in spe handelt es sich mit Akatsuki und IKAROS („Die nächste Mission …“) um Japans ersten Venus-Orbiter und einen Sonnensegler, und auch der experimentelle Nanosatellit UNITEC-1, einer von vier Kleinsatelliten an Bord, sollte das Paar Richtung Venus begleiten. Ein Termin für den nächsten Startversuch wurde zunächst nicht genannt; das Wiederbetanken der Rakete würde zwei Tage dauern, und die Konstellation der Planeten spielt natürlich auch eine Rolle. Das Startfenster reicht bis zum 3. Juni. (Status, Science 7.5.2010 S. 677; viele weitere Links im Cosmic Mirror #336) NACHTRAG: Der JAXA Release zum Scrub kommt wenigstens mit einem bunten Diagramm … NACHTRAG 2: Neue Zielstartzeit ist 23:58:22 MESZ am 20. Mai.

Der Venus Express maß die Dichte der Planetenatmosphäre durch ihre Reibung an den Solarzellen, die in 180 km Höhe in unterschiedlichen Winkeln zur Flugrichtung gestellt wurden: nicht die erste und nicht die letzte derartige ‚aerodrag‘-Kampagne. (Mission Ops Update #219 7., ESA Release 21., LichtEcho 22.4.2010. Und das Planetary Society Blog zu Wissenslücken in der Venusforschung)

Hayabusas Proben-Kapsel landet am 13. Juni gegen 17:00 MESZ in Australien

im Woomera Prohibited Area im Outback Südaustraliens: Obwohl Ort und auch Datum schon länger ‚in der Szene‘ bekannt waren, ist dies erst seit dem 21. April offiziell, nachdem Japan von Australien den „Authorized Return of Overseas Launch Space Object“ (AROLSO) erhalten hatte. Noch „zielen“ die Sonde Hayabusa („Asteroiden-Sampler …“) und die – vielleicht mit ein wenig Staub des Asteroiden Itokawa gefüllte – Kapsel knapp an der Erde vorbei, und erst die letzten beiden Bahnkorrekturen werden die Trajektorie Richtung Australien biegen: Während die Kapsel eine Stunde nach dem Atmosphäreneintritt am Fallschirm landen soll, verglüht Hayabusa selbst. Und auch dies soll noch einmal Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein, wird doch dieser ‚kontrollierte Meteor‘ mit immerhin 12 km/s von Instrumenten auf einem Flugzeug und vom Boden aus beobachtet werden. (Hayabusa Live, Science 30.4.2010 S. 565; zahlreiche Links im Cosmic Mirror #336)

Dawns Orbits um den Asteroiden Vesta werden „die bisher komplexeste operationelle Umgebung für eine NASA-Mission“ sein: Da kann es zu resonanten Einfängen kommen, und unterhalb von 400 km Radius kann nicht garantiert werden, dass Dawn während des Aufenthalts von Juli 2011 bis Juli 2012 nicht versehentlich auf die Oberfläche knallt. Die genaue Bahn um den Asteroiden kann überhaupt erst geplant werden, wenn Dawn in größerer Höhe erste direkte Messungen des Schwerefelds absolviert hat. (Tricarico & Sykes, Preprint 21.4.2010. Und Science@NASA zu Dawns Antrieb)

Kann Voyager 2 schon bald wieder Daten liefern?

Während ansonsten an Bord alles in Ordnung zu sein scheint, liefert die Raumsonde Voyager 2 seit letztem Monat keine verständlichen wissenschaftlichen Daten der immerhin noch 5 funktionsfähigen Instrumente mehr: Wahrscheinlich hat ein Teilchen der Kosmischen Strahlung ein einzelnes Bit im Programmspeicher ‚gekippt‘, keine Seltenheit in der interplanetaren Raumfahrt. Jetzt ist der Speicher komplett ausgelesen worden, und der Zustand der Bordsoftware wird überprüft: Wird das defekte Bit gefunden, kann es entweder wieder auf den richtigen Wert gesetzt werden, oder man lässt diesen Teil des Speichers unbenutzt. (Planetary Society Blog 13., Spaceflight Now 11., JPL Release 6.5.2010. Ist doch leicht zu verstehen – außer für gewisse Spinner, deren Bullsh*t dann auch noch die Runde macht …) NACHTRAG: Na bitte – es war ein geflipptes Bit, das nun gerichtet werden soll!

Zu wenig Anerkennung für Indiens Forscher bei der Entdeckung von Wasser auf dem Mond mit dem ersten Mondorbiter des Landes, Chandrayaan-1, wird jetzt beklagt, seien doch die entsprechenden Messungen des CHACE-Instruments („Chandrayaans Moon Impact Probe …“) den wässrigen Daten der Instrumente M3 und MiniSAR auf dem Orbiter zuvor gekommen – aber nur die Erfolge dieser beiden amerikanischen Geräte würden gefeiert. Allerdings war ein frühes CHACE-Paper im Frühjahr und Sommer 2009 bei Science bzw. Nature durchgefallen und ist erst kürzlich formell publiziert worden … (Times of India 15.5.2010) NACHTRAG: noch ein Artikel zu CHACE.

Der Kern des nächsten Kometen-Sondenziels Hartley 2 ist keine 2 km groß

Das haben Untersuchungen am Kern von 103P/Hartley 2 nahes seines Aphels von Mai bis Juli 2008 gezeigt, die ersten Beobachtungen dieses Kometen überhaupt mit – fast – keiner Kernaktivität. Ein bisschen Restkoma vom letzten Periheldurchgang war übrigens auch im Aphel noch nachzuweisen (siehe auch ISAN 88-6), die im Lauf der Wochen aber immer schwächer wurde, obwohl der Komet der Sonne sogar wieder ein wenig näher kam. Hartley 2 ist damit kleiner aber zugleich aktiver als Tempel 1, den 2011 das alte Stardust-Mutterschiff besuchen wird – an Hartley 2 wird dagegen am 4. November diesen Jahres das Mutterschiff von Deep Impact im Rahmen der EPOXI-Mission vorbeifliegen: Beobachtet wird der Komet von 60 Tagen vor bis 21 Tagen nach der größten Annäherung. (Snodgrass & al., Preprint 10.5., Discovery & New Frontiers News April 2010 S. 2)

Nachrichten vom Mond kompakt

9. April 2010

Die Entdeckung eines bisher unbekannten Minerals auf Mond in Daten des Moon Mineralogy Mapper (M3) der NASA auf dem indischen Mondorbiter Chandrayaan-1 belegen diese Bilder: Für die rechte Darstellung des linken Ausschnitts aus der Mondoberfläche wurde für jedes Pixel der Wert des bei 2 µm reflektierten Sonnenlichts durch den Wert bei 1 µm dividiert. In zwei Bereichen der Ebene Sinus Aestuum macht sich so ChromitSpinell bemerkbar: Insgesamt bedeckt dieses Mineral zehntausende Quadratkilometer der Vorderseite des Mondes – und wurde bisher übersehen, weil es keine Daten bei 2 µm gab. (NASA-Feature 8.4.2010. Auch: Mondkarten – u.a. in Principal Components – von M3)

Chandrayaans Moon Impact Probe registrierte H2O und CO2

mit dem Massenspektrometer CHACE, während die 35-kg-Sonde im November 2008 auf den Mond zustürzte: Das ist erst jetzt mit der Veröffentlichung eines Papers bekannt geworden. Der Partialdruck der beiden nachgewiesenen Gase – eine irdische Verunreinigung des Detektors soll ausgeschlossen sein – ist zwar winzig, aber es passt wohl ins (neue!) Bild des Mondes, dass der Boden allerlei Flüchtiges ausdünstet. (Sridharan & al., Plan. & Space Sci. 6., Parallel Spirals 22., 24., 30.3., Plan. Soc. Blog 7.4.2010)

Auch – dicht – unter sonnigem Mondboden kann Wassereis überleben, besagen neue Modellrechnungen, die die mysteriösen Daten des Instruments LEND (1. Item) auf dem Lunar Reconnaissance Orbiter erklären könnten, wonach es auch Eis in Kratern ohne ständig schattigen Boden gibt. Ein paar Dezimeter Mondboden sollten genügen, um Eis zu konservieren: Das wäre eine gute Nachricht für künftige Siedler, die zum Eisholen nicht immer zu den Polen fahren müssten. Die weitere Analyse der LCROSS-Daten hat derweil gezeigt, dass nicht nur Wasserdampf sondern auch Eisteilchen in der Ejektawolke aus dem Krater Cabeus waren: Das Wasser war also nicht nur an irgendwelche Mineralien gebunden. (Science 19.3.2010 S. 1448)

Dänische Mondlande-Amateure wollen Testsatellit in der Südsee starten

Die European Lunar Exploration Association (Euroluna) ist ein dänischer Bewerber um den Google Lunar X PRIZE, bei dem ein kleines Fahrzeug auf dem Mond abgesetzt werden soll – und Computer, Radio, Kamera und v.a. der Raketenantrieb sollen diesen Dezember mit dem Kleinsatelliten MiniRomit1 getestet werden. Der wiederum auf der ersten „Neptune 30“ der US-Firma Interorbital Systems gestartet werden soll. Die dafür eine Startanlage im Südsee-Königreich Tonga auf der Insel ‚Eua errichten darf und dort v.a. einen Markt für Kleinstsatelliten („TubeSats“) anpeilt, die als Bausatz inklusive Start nur 8000 US-Dollar kosten. MiniRomit1 ist da – als Doppel-CubeSat – schon etwas größer (10 x 10 x 20 cm) und wird sich die N30 mit weiteren CubeSats und 26(!) TubeSats teilen: Die werden alle in 310 km Höhe ausgesetzt, was bewusst ihre Lebensdauer begrenzt; MiniRomit1 jedoch soll dank seines Triebwerks bis auf 700 km Höhe steigen. Funkamateure in aller Welt sind aufgerufen, die Bilddaten des Satelliten aufzufangen, so dass in Dänemark aus den Einzelpixeln komplette Bilder zusammengesetzt werden können. (Pacific Islands Report 8.1., Space News 1.2., Euroluna Press Release 25., ORF Future Zone, Science Blogs 29., KySat 31.3.2010) NACHTRAG: Hat’s noch wer gemerkt.

Deutscher GLXP-Bewerber unschlagbar „preiswert“? In einem Radiointerview geben sich die „Part-Time-Scientists“ („Deutsche Computerfreaks …“) ungebrochen optimistisch, dass sie gute Chancen auf den Gewinn des Mond-Preises haben. Und dafür nur 15 Mio. Euro benötigen würden, während die Mitbewerber eher in der 80-Mio.-Euro-Zone lägen – das sei ja wohl zu machen. (MotoFM 30.3.2010, über diese Seite abrufbar) NACHTRAG: Die neue Wikipedia-Seite zu den PTS vermisst auch Details zur Raumfahrttechnik …