Posts Tagged ‘Dawn’

Nachrichten aus der Asteroidenwelt kompakt

13. September 2012

Ein Rockvideo über einen ziemlich dicken Rock, von der NASA ‚komponiert‘ anlässlich der Abreise von Dawn in der Nacht zum 5. September: auch die letzten Bildprodukte – und das Citizen Science-Projekt Vesta Mappers, das bizarrerweise den einzigen Zugang zu weiteren Vesta-Bildern bietet, weil die Rohbilder der Mission nicht sofort öffentlich wie bei den Marsrovern oder Cassini sind und es überdies wegen Streit um Vestas Koordinatensystem Verzögerungen bei der Archivierung gibt …

Start des kanadischen Asteroidenjägers Anfang Dezember?

Vier Jahre verspätet könnte auf dem nächsten indischen PSLV u.a. auch der kleine NEOSSat (Ende des Artikels) starten, nachdem diese Rakete am 9.9. gut funktioniert hat, dem 100. indischen Weltraumstart übrigens. Der NEOSSat soll die Hälfte der Zeit nach erdnahen Asteroiden suchen und den Rest der Zeit – in militärischem Auftrag – Raumschrott und Satelliten im Erdorbit. (SpaceRef Canada 5.9.2012)

Eine Asteroidenkamera auf einem geostationären Satelliten mitfliegen lassen möchte die NASA: Vorschläge – bitte unter 50 Mio.$ – dürfen nun eingereicht werden, gestartet wird vielleicht schon 2016. Billiger als ein Extrasatellit wäre das allemal; das Ziel ist die Katalogisierung von Asteroiden auf besonders erdähnlichen Bahnen bis 30 m Durchmesser – vielleicht darunter ein leichtes Astronautenziel. (Spaceflight Now 28.8.2012)

Der NEA 2008 EV5 könnte ein günstiges Zielobjekt sein

für eine robotische Sample Return Mission oder auch einen bemannten Besuch, weil er mit besonders wenig „Delta-V“ zu erreichen wäre: Grund für eingehende Untersuchungen von der Erde aus. Viel gab dabei sein Spekztrum nicht her, und auch die Albedo konnte nur sehr vage auf 5 bis 20 % eingegrenzt werden. Am besten passt das Spektrum zu kohligen Chondriten des Typs CI wie dem Orgueil-Meteoriten: Dann läge die Albedo eher nahe dem unteren Ende des Bereichs. (Reddy & al., Preprint 6.9.2012)

Schüler – weltweit – dürfen das Ziel von OSIRIS-REx taufen, das bisher nur (101955) 1999 RQ36 heißt: Man darf höchstens 18 Jahre alt sein, muss den Namen gut begründen und sich bis zum 2.12. melden. Die Entscheidung über den Namen für das Asteroidenziels der ersten US-Sample Return Mission (ISAN 137-5) liegt natürlich bei der IAU; wurde der Gewinner-Name mehrfach vorgeschlagen, gewinnt die beste Begründung. (Planetary Society, NASA Releases 4.9.2012)

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Radiation Belt Storm Probes in ihren Orbits

30. August 2012

Nach mehreren Verzögerungen hat heute die Atlas V pünktlich die beiden RBSP-Satelliten auf ihre Umlaufbahnen gebracht: Ihre Mission durch die Van-Allen-Gürtel soll nun mindestens 2 Jahre dauern. Auch tolle Bilder vom Nachtstart und Artikel von Sky & Tel., AP und SPON (wegen schlechter Internetverbindung in einem Dolomiten-Dorf heute mal nur kurze Updates).

Dawn verlässt den Vesta-Orbit am 5. September: ab zu Ceres

Nach der überaus erfolgreichen Untersuchung des Kleinplaneten Vesta und zuletzt Ärger mit dem Ionenantrieb soll die NASA-Sonde Dawn nun in der Nacht zum 5. September den Einflussbereich des Asteroiden verlassen und Kurs auf den Zwergplaneten Ceres nehmen.

Curiosity ist erstmals auf ‚großer Fahrt‘ und hat Kurs auf Glenelg genommen: Der erste Drive war 16 m lang, Probleme gab es keine. Auch Artikel von BBC und Universe Today.

Vesta aus Dawns Low Altitude Mapping Orbit

27. Dezember 2011

Eine der ersten Aufnahmen aus der neuen niedrigsten Bahn (siehe ISAN 152-5), die den Teil eines frischen Kraters zeigt. Bereits aus größerer Höhe hatte Dawn durch Vermessung des Vesta-Schwerefelds eine grobe Dichtekarte des Kleinplaneten erstellt, die für einen markanten Eisenkern spricht – und die Analyse von Vesta zugeschriebenen Meteoriten deutet auf ein früheres Magnetfeld und damit einen Dynamo des kleines Himmelskörpers hin. Ob es das heute noch gibt, lässt sich leider nicht sagen: Aus Kostengründen durfte Dawn ein ursprünglich geplantes Magnetometer nicht mitnehmen … (Science 23.12.2011 S. 1616-7)

Vesta in falschen Farben: Im oberen und unteren Bild codieren sie – durch geschickte Wahl der Farbfilter – die Mineralogie der Oberfläche, in der Mitte die Topografie des Kraters Oppia.

Dione durch den Dunst von Titan vor dem Saturn – das hat zwar nichts mit Vesta zu tun, ist aber auch sehenswert

Erkenntnisse über – drei – Asteroiden kompakt

2. November 2011

Dawns Vesta-Impressionen in schreienden Falschfarben: Während in der Version links die Farben R, G und B Aufnahmen mit drei verschiedenen Filtern im nahen Infraroten zugeordnet wurden, sind es rechts jeweils die Intensitätsverhältnisse in zwei Spektralbändern – so kann man mineralogische Feinheiten heraus kitzeln. In Echtfarben würde Vesta dem Auge praktisch grau erscheinen.

Hayabusa-Teilchen zeigen klar: S-Asteroiden wie Itokawa sind gewöhnliche Chondriten – mit Weltraum-Verwitterung

Ein fundamentales Rätsel des Sonnensystems hat offenbar die winzige Menge Oberflächenstaub gelöst, die die japanische Raumsonde Hayabusa vom Asteroiden Itokawa zur Erde holen konnte: Das Material, aus dem dessen häufigste Kleinplaneten-Klasse S besteht, ist identisch mit dem der häufigsten Meteoritengruppe, der gewöhnlichen Chondriten – doch Einflüsse des Weltraums („space weathering“) sorgen für eine Rotfärbung der Asteroiden, die den Zusammenhang gründlich verschleiert. Mineralogisch sind die Itokawa-Partikel – keines größer als 0.2 mm, die meisten kleiner als 10 µm – von Meteoriten des Chondritentyps LL4-6 (mit besonders wenig Eisen) kaum zu unterscheiden. Aber im Detail erkennt man, wie sie ungeschützt auf der Asteroiden-Oberfläche dem Sonnenwind, Strahlung und Mikroimpakten ausgesetzt zu einer doppelten hauchdünnen Kruste gekommen sind, die ihre Farbe deutlich verändert. Selbst über die Vergangenheit und Zukunft Itokawas geben die Hayabusa-Teilchen – 1534 von 3 bis 40 µm Durchmesser wurden mit einem Spachtel aus der Probenkapsel gekratzt, 40 von 30 bis 180 µm heraus geklopft – Auskunft: So wurden sie anfangs bis zu 800°C erhitzt.

Das kann nur im Inneren eines mindestens 20 km großen Asteroiden mit genug radioaktivem Al-26 und seiner Zerfallswärme passiert sein – der dann später zerstört wurde: Itokawa ist sozusagen ein Geröllhaufen, der sich aus Teilen der Trümmer neu formte. Es fällt auch auf, dass in die Hayabusa-Teilchen kaum Ne-21 aus dem Sonnenwind eingelagert wurde: Sie befanden sich demnach nur ca. 8 Mio. Jahre auf der Asteroiden-Oberfläche. Was wiederum bedeutet, dass diese durch ständige Kollisionen mit interplanetarem Staub fortwährend erodiert wird (der 535 x 294 x 209 Meter große Brocken hat kaum Schwerkraft, um Ejekta zurück zu halten), um mehrere Dezimeter pro Jahrmillion: In einer Milliarde Jahren ist Itokawa weg … (Science 26.8.2011 S. 1081 + 1098-9 + 1113-31; AAAS, UCF Releases, Nature News 25., PSRD 31.8., Planetary Society Blog 20.9.2011. Und ein JAXA-Interview zu einem der Hayabusa-Kinofilme sowie zwei Papers 30.8.2011 mit fotografischen und spektroskopischen Beobachtungen des bis zu vollmondhellen Hayabusa-Reentry-Feuerballs über Australien – selbst die letzten Sekunden der Mission wurden noch wissenschaftlich genutzt!)

Rosettas Beobachtungen lassen Lutetia als übriggebliebenes Planetesimal erscheinen, aus der Bauphase des Sonnensystems: Der am 10. Juli 2010 im Vorbeiflug besuchte Asteroid (121 x 101 x ca. 75 km groß, mit dem Volumen einer 98-km-Kugel, und 1.7 Billiarden Tonnen Masse) hat eine mit 3.4±0.3 g/cm^3 ungewöhnlich hohe Dichte, eine bis zu 3.6 Mrd. Jahren alte Oberfläche – bestimmt aus der hohen Verkraterung – und eine komplexe geologische Vergangenheit. Die hohe Dichte (bestimmt aus der Bahnablenkung Rosettas) spricht für eine nicht-chondritische Zusammensetzung von Lutetias Innerem und Bestandteile mit hohen Atomzahlen, etwa Eisen, die Oberfläche ist allerdings chondritischer Natur (Enstatit oder kohlig) und eisenarm und bot Rosettas VIRTIS keinerlei Absorptionsfeatures von Silikaten oder von Wasser veränderten Mineralien. Zwar scheint Lutetia – im Gegensatz zu anderen von Raumsonden besuchten Asteroiden, die eher Trümmerhaufen sind – die Geschichte des Sonnensystems unbeschadet überstanden zu haben und auch bestenfalls partiell aufgeschmolzen und differenziert zu sein, aber manche ihrer Landschaften sind durchaus modern: geformt von Erdrutschen nach Einschlägen, z.T. erst vor 50 bis 80 Mio. Jahren. (Science 28.10.2011 S. 487-94; ESA, Academy of Finland Releases, PM der MPG 27.10.2011)

Vestas Natur: Einsichten aus dem Survey Orbit

14. Oktober 2011

Die erste systematische Erkundung des Kleinplaneten durch den Dawn-Orbiter aus 2700 km Abstand im Juli und August hat bereits die ersten fundamentalen Erkenntnisse gebracht, aber insgesamt wesentlich mehr neue Fragen aufgeworfen als beantwortet. Vesta hat bereits ein neues Koordinatensystem verpasst bekommen, da nun die Lage ihrer Rotationsachse erkennbar ist, und Volumen und Dichte des irregulären Körpers wurden ermittelt: Eine äquivalente Kugel hätte 524 km Durchmesser, und die mittlere Dichte liegt bei 3.34 g/cm^3. Monde hat Vesta offensichtlich keine: Zwar sichtete Dawn so manchen Asteroiden im Hintergrund, aber nichts im Orbit, so dass Begleiter größer als 10 Meter praktisch ausgeschlossen sind. Vesta selbst hat sich bereits als ausgesprochen komplexer Körper erwiesen, mit mehreren Einschlagsbecken größer als 100 km (wo wohl die diversen „Vestoid“-Asteroiden und auf der Erde gefundenen Meteoriten ihre Reisen begannen) – und vielen Überraschungen:

  • So liegt halb unter dem berühmten 475 km großen und kürzlich offiziell Rheasilvia getauften Impaktbecken am Südpol (Bild 1) offenbar noch ein älterer Krater mit 375 km Durchmesser (Bild 2). Und es scheint inzwischen so, dass das ausgeprägte System von Gräben in der Nähe des Äquators (Bild 3) eine direkte Folge des jüngeren Impakts ist: Große Einschläge auf terrestrischen Planeten – von denen Vesta eine Art Mini-Ausgabe ist – hinterlassen derartige Ringsysteme, und weil Vesta so klein ist, landete es halt eine halben Körper weit entfernt als regelrechter Gürtel. Aber die Geometrie stimmt: Rheasilvia liegt exakt zentrisch. Dasselbe gilt auch für den älteren Krater und ein zweites Grabensystem auf der Nordhalbkugel, was die Interpretation stützt. Kraterzählungen deuten an, dass Rheasilvia nur 1-2 Mrd. Jahre jung ist, während es die stark verkraterte Nordhemisphäre auf knapp 4 Mrd. Jahre bringt; diese Zahlen sind aber noch sehr vorläufig.

  • Der Berg genau in der Mitte von Rheasilvia muss nicht unbedingt ein klassischer Zentralberg des Kraters sein, wofür er eigentlich zu so groß ist. Und seine Höhe (Bild 4: Profil entlang der weißen Linie, Höhen in km) ist gewaltig: 22 km, vergleichbar dem Olympus Mons auf dem Mars und höher als der höchste Berg der Erde, der Mauna Kea (vom Pazifikboden aus gemessen). Überhaupt ist die Topografie Vestas – wenn man die Krümmung mal rausrechnet – enorm, mit einer Vollamplitude von 60 km. Dabei ist Vesta auch noch überraschend farbig, und das mit einer Nord-Süd-Dichotomie: Der Süden ist Basalt (wie von den Vesta-Meteoriten her zu erwarten), der Norden hat eine mehr neutrale Farbe.

  • Das gilt aber nur großflächig gesehen: Im Detail ist Vesta noch viel farbenfroher! Die Bilder 5 bis 7 des VIR-Instruments (Screenshots vom Webcast einer Pressekonferenz) zeigen einen Krater im sichtbaren Licht, im thermischen Infraroten bei 5 µm und in Völlig-Falsch-Farben, wobei R, G und B jeweils die Verhältnisse zweier Spektralbereiche zugeordnet sind: Impakte legen offenbar anders geartetes Material frei. Dies erkennt man auch auf den beiden schwarzweißen Bildern 8 und 9 aus der – im Mittel – 680 km hohen derzeitigen HAMO-Bahn, wo in einem frischen Krater helles und dunkles Material und anderswo überhaupt nur dunkles Material frei gelegt wurde. Letzteres überrascht nun sehr, pflegen Impaktejekta doch sonst immer hell zu sein.

Im 30-tägigen High Altitude Mapping Orbit – der Abstieg verlief problemlos – hat Dawn inzwischen die ersten zwei von drei Phasen abgeschlossen: Ein Umlauf dauert nun nur noch 12.3 statt 69 Stunden, und die Geschwindigkeit über dem Boden ist 135 statt 76 m/s. Zunächst schauten Dawns Instrumente 10 Orbits lang senkrecht nach unten, dann wurde gleichzeitig nach vorn und zur Seite geschaut – und inzwischen nach hinten und zur Seite. So wird dasselbe Gelände aus mehreren Richtungen erfasst und das 3D-Modell – auch im Hinblick auf eine noch größere Annäherung Anfang Dezember – weiter verfeinert. Parallel zu dieser topografischen Kartierung nimmt VIR auch weitere Spektren auf. PK während einer GSA-Tagung 12.10.2011; JPL Releases 12., 10., EPSC Release 3.10., JPL Release 30., Dawn Journal 27.9.2011; BBC 13., Nature Blog, Scientific American 4., Planetary Society Blog 3.10.2011. Und Japan Times 30.9.2011 über den ersten der drei Kinofilme über Hayabusa …

Dawn jetzt in 680-km-Orbit „HAMO“ um Vesta

8. Oktober 2011

Der High Altitude Mapping Orbit wurde am 18. September planmäßig erreicht, und seit dem 29.9. gibt es Daten, unten ein Bild kurz nach Erreichen der neuen Bahn, mit 65 m/Pixel. 60-mal wird Vesta umrundet und von allen Seiten erfasst. Darüber ein Bild aus 1390 km Höhe mit frischen Einschlagskratern, die an ihren hellen Ejekta zu erkennen sind, ganz oben noch erste wissenschaftliche Ergebnisse: von oben eine farbig codierte Höhenkarte der Südhemisphäre und ein Falsch- sowie ein ungefähres Echtfarbenbild desselben Kraters, gewonnen mit der Framing Camera bzw. dem VIR-Instrument.

Nachts mit Vollgas um die Erde: eine beschleunigte – und damit flimmerfreie – Version des berühmten ISS-Zeitraffer-Videos („Zur Einstimmung …“).

Polarlicht von der ISS aus gesehen, aufgenommen am 17. September.

Ein Autobahnkreuz am Airport von Salt Lake City – aufgenommen von einem Satelliten Nigerias, genauer gesagt dem im U.K. hergestellten NigeriaSat-2 mit 2.5 m panchromatischer Auflösung: vermutlich der schärfste Blick eines Satelliten made in Britain, der nur 30 Mio. Pfund kostete.

Ein Panorama der Adria, aufgenommen aus der Stratosphäre während des Ballonflugs StratoSpera 3 („Italien aus 39.3 km …“), von dem es auch dieses 13-Minuten-Video gibt – bitte anschnallen … NACHTRAG: jede Menge Messdaten des Fluges!

NASA sprachlos – aber eine neue Vesta pro Tag

16. August 2011

alle NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

wird seit dem 12. August in dieser August-Galerie Dawns veröffentlicht (das Komplettangebot ist hier zu finden): bislang fünf Aufnahmen der Framing Camera mit Clear-Filter vom 6. August aus dem 2700 km hohen Survey Orbit mit 260 m Auflösung. Und keinerlei Erläuterung, was da im Einzelnen zu sehen sein könnte, was gerade beim 2. Bild (im Ausschnitt & komplett gezeigt) durchaus interessant wäre …

Nachrichten aus der Planetenforschung kompakt

12. August 2011

Dawn hat mit drei Wochen Vesta-Kartierung begonnen

Am 11. August um 18:13 MESZ hat die erste von vier systematischen Beobachtungsperioden von Dawn im Orbit um Vesta begonnen: Aus dem „Survey Orbit“ in 2700 km Höhe – die bereits eine Woche zuvor am Ende der Anflugsphase seit dem 3. Mai erreicht worden war – wird der Kleinplanet nun 20 Tage = sieben Orbits à 69 Stunden oder fast 3 Tage lang ausgiebig kartiert. Hauptinstrument dafür ist das italienische VIR-Instrument, das im sichtbaren und IR-Licht arbeitet, um die Mineralogie Vestas zu bestimmen, aber auch die deutsche Framing Camera macht mit, um ein globales Bild Vestas für die folgenden Operationen zu liefern. Ebenso wird die Bahn Dawns im Schwerefeld des irregulären Körpers („Dawns Orbits …“) genau verfolgt, während die Gamma- und Neutronendetektoren den Hintergrund messen: Der wird später subtrahiert, wenn die Instrumente in geringer Höhe arbeiten, um Vestas Beitrag zu ermitteln.

Nach dem Survey Orbit wird das Ionentriebwerk am 31. August wieder eingeschaltet, um Ende September für einen Monat den High Altitude Mapping Orbit in 660 km Vesta-Abstand zu erreichen, wo ein Umlauf nur noch 1/2 Tag dauert. Der Eintritt in den allerersten Orbit war übrigens – das konnte nun berechnet werden – am 16. Juli um 6:48 MESZ erfolgt. (JPL Release, Dawn Journal 11.8.2011 – wo versprochen wird, dass in dieser Galerie während des Survey Orbits jeden Tag ein neues Bild erscheinen soll; laufende Rohbilder wie bei Opportunity oder Cassini oder in 5 Jahren bei Juni gibt’s hingegen nicht) NACHTRAG: oben das erste der versprochenen Bilder – zugleich das erste aus den 2700 km Abstand des Survey Orbits! Und Nature News 12.11.2010 zu Vestas Riesenkrater, der aus der Nähe ganz anders aussieht als nach den schwammigen Hubble-Aufnahmen erwartet worden war, und den mysteriösen Äquatorgräben – ob das alles zusammen hängt?

LADEE hat die Mission Critical Design Review passiert

Damit kann der Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer der NASA tatsächlich gebaut und für einen Start 2013 vorbereitet werden (wobei an Teilen der Hardware schon seit mehreren Jahren geschraubt wird). Ab Januar 2012 wird LADEE im Ames Research Center montiert und getestet. Bei der Mission geht es um die Umweltbedingungen nahe der Mondoberfläche. (Project Manager Update 2.8.2011. Auch ein KSC Photo 10.8.2011 von den beiden GRAIL-Sonden der NASA, die bereits auf dem Adapter-Ring sitzen und am 8. September zum Mond starten sollen: Es geht um die Vermessung seines Schwerefelds. [NACHTRAG: auch ein JPL Release dazu.] Und ein NPR-Interview 11.8.2011 zum Google Lunar X Prize [NACHTRAG: wo es immer noch dicke Luft über die Regularien gibt])

Ein ungewöhnlicher vulkanischer Komplex auf der Mondrückseite, entstanden durch aufquellendes silikathaltiges Plasma, verät sich durch eine hohe Thorium-Konzentration und wurde bereits vom Lunar Prospector entdeckt – jetzt hat der Lunar Reconnaissance Orbiter neue Detaildaten geliefert, aber die Entstehung der Anomalie bleibt weiter rätselhaft. (WUStL Press Release 24.7.2011. Und Hauri & al., Science 333 [8.7.2011] 213-5, Carnegie, NASA, Case Releases, Welt der Physik 26., Space Today 27.5.2011 zu überraschend viel Wasser in Bodenproben von Apollo 17: Teile des Mondinneren sind so feucht wie der Erdmantel)

Enceladus‘ Fontänen sorgen für Wasser im Saturn

250 kg Wasserdampf pro Sekunde speien die Fontänen auf dem Saturnmond in den Raum, und 3 bis 5% davon landen in der Atmosphäre des Planeten selbst – der damit als einziger im ganzen Sonnensystem von einem seiner Monde chemisch beeinflusst wird. Die merkwürdigen Wasserspuren im Saturn hatte 1997 der IR-Satellit ISO entdeckt, die Fontänen sind eine Cassini-Entdeckung von 2005 (siehe Artikel B60′), und den direkten Zusammenhang stellen nun Beobachtungen mit dem IR-Satelliten Herschel her: Er hat den Wasserdampf-Torus in der Enceladus-Bahn direkt abgebildet, woraus sich wiederum die Verlustprozesse modellieren ließen – auch auf den Saturn hinab. (Hartogh & al., A&A 532 L2 14., ESA Release, Herschel Result 26.7.2011)

Wellen in den Saturn- und Jupiter-Ringen nach ‚Einschlägen‘ interplanetaren Staubs – so jedenfalls die bevorzugte Interpretation – sind aus Cassini- bzw. Galileo-und New Horizons-Bildern heraus gekitzelt worden: Was sie ca. 1983 beim Saturn auslöste, ist nicht bekannt, aber beim Jupiter könnte es gut der Staub gewesen sein, der den zerbrochenen Kometen Shoemaker-Levy 9 begleitete. (Hedman & al. / Showalter & al. / Salo, Science 332 [6.5.2011] 708-13 / 672-3; JPL Release, CICLOPS, Nature News 31.3., Cornell Chronicle, Welt der Physik 1.4.2011. Auch Khurana & al. / Coates, Science 332 [3.6.2011] 1186-9 / 1157-8, JPL Release 12., Gish Bar Times, Space Today 13.5.2011 zu Hinweisen auf einen globalen Magma-Ozean des Jupitermonds Io, das sich erst jetzt in Magnetometer-Daten Galileos verraten hat)

14 unbekannte Kuiper-Gürtel-Objekte am Südhimmel

sind bei einer Durchmusterung von 2500 Quadratgrad ins Netz gegangen, darunter drei mit Durchmessern von vermutlich mehr als 500 km (Tabelle 1 auf Seite 17): Die Autoren mutmaßen, dass sich diese Körper unter ihrer eigenen Schwerkraft zu Kugeln formen sollten und dann als Zwergplaneten zu gelten hätten. Allerdings liegen ihre Absoluthelligkeiten von 3.8 bis 4.3 weit unter der Grenze von 1.0, bei der gemäß IAU-Regularien von 2008 überhaupt erst der Prozess zur vorläufigen Anerkennung als Zwergplanet bzw. Plutoid eingeleitet wird. So oder so zeigen die Funde aber, dass v.a. der südliche Teil des Kuiper-Gürtels noch nicht gut durchsucht ist – und dass sich in jeder dynamischen Zone mindestens ein großer Brocken befindet. (Sheppard & al., Preprint 26.7., astrobites 2., Space.com 3.8.2011)

Weitere Erkenntnisse aus der verunglückten Genesis-Mission sind inzwischen aus denjenigen Sonnenwind-Kollektoren gewonnen worden, die den Crash der Rückkehrkapsel 2004 (siehe Artikel 946) überstanden: So zeigt sich, dass die Sonne gegenüber den terrestrischen Planeten deutlich reicher an Sauerstoff-16 ist (letzteren muss also vor dem ‚Zusammenbau‘ etwas passiert sein, das O-17 und -18 anreicherte), und die Stickstoff-Isotopen waren im jungen Sonnensystem höchst unterschiedlich verteilt. Ingesamt kann man folgern, dass die Erde nicht aus ‚typischem‘ Material des Urnebels gebacken wurde. Und nebenher hat sich gezeigt, dass Untersuchungen kosmischer Proben im irdischen Labor doch wesentlich ergiebiger als ‚vor Ort‘ sind. (McKeegan & al. / Marty & al. / Clayton, Science 332 [24.6.2011] 1528-36 / 1509-10; JPL, LANL Releases 23., Welt der Physik 24.6.2011)

Komet Schwassmann-Wachmann 3 ist der primitivste

überhaupt, jedenfalls unter den Kometen, die genauer chemisch untersucht werden konnten: Das zeigen Untersuchungen seiner Fragmente B und C durch den Spitzer-Satelliten. Danach muss der Komet – die beiden Fragmente unterscheiden sich da nicht – entweder früher oder in größerem Sonnenabstand als alle anderen genauer studierten entstanden sein. (Sitko & al., Preprint 11.7.2011. Und ein NASA Release 28.7.2011 zum Rückgang der Wasserproduktion von Hartley 2 von 1997 bis 2010 um einen Faktor 3 – kein anderer bekannter kurzperiodischer Komet „verblasst“ so rasant)

Einige Moleküle von präbiotischer Bedeutung im Tagish Lake-Meteoriten entstanden unter Wasser-Einfluss, hat die andauernde Untersuchung seiner 2000 sofort geborgenen Teile des primitiven kohligen Chondriten (siehe Artikel 38) zu Tage gefördert. Dabei korreliert der Mix der komplexen chemischen Verbindungen mit dem Grad der Prozessierung: Mehr Wärme und/oder mehr Wasserkontakt sorgten für reichere Ausbeute. Und primitive Asteroiden empfehlen sich als ‚Öfen‘ für die Vor-Chemie des Lebens. (Herd & al., Science 332 [10.6.2011] 1304-7; NASA Release 9., Sky & Tel., BdW 10.6.2011)

Vestas Komplexität verblüfft die Dawn-Forscher

1. August 2011

NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

So könnte man die Quintessenz der ersten Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse der Dawn-Beobachtungen aus der Umlaufbahn zusammenfassen, die vor 1/2 Stunde am JPL zuende gegangen ist. Neben einer ersten Gesamtkarte (mit viel mehr Kratern im Norden als im Süden) und einem Rotationsfilm [NACHTRAG: gemorphte Fassung!] wurden dort auch die obigen Bilder der Framing Cameras gezeigt, allesamt aus 5200 km Entfernung: von oben ein „Schneemann“ getauftes Krater-Triplet, eine Falschfarbendarstellung der unterschiedlichen Mineralogie (aus dem NASA TV gegrabbt, daher ohne BU), verblüffene 10 km breite Rillen, die praktisch den Äquator nachzeichnen (der Südpol ist u.r.), Krater mit kuriosem Innenleben im Detail und ein Gesamtbild. NACHTRAG: erste Gedanken, was das alles bedeuten mag.

Ein erster Blick auf Vestas – finsteren – Nordpol

29. Juli 2011

ist Dawn am 23. Juli gelungen, nachdem die Sonde auf ihrer noch fernen Umlaufbahn – Abstand damals: 5200 km – auf die ‚andere Seite‘ gelangt war: Hier ist gerade Winter. Weitere Bilder und erste Interpretationen sollen am Montag um 18:00 MESZ geboten werden; die PK wurde überraschend um 2 Stunden vorverlegt.