Posts Tagged ‘Dnepr’

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

13. Juni 2010

Von-Kármán-Wirbel südlich der Kanarischen Inseln auf einem Envisat-Bild vom 6. Juni: Die Inselgruppe störte eine Luftströmung von Norden, was eine charakteristische Wirbelschleppe auslöste, benannt nach dem ungarisch-amerikanischen L&R-Ingenieur Theodore von Kármán.

Nächster Dnepr-Start am 15. Juni: Prisma-Paar und Picard

Und wieder wartet eine Dnepr-Rakete auf ihren Start, diesmal in einem Silo auf der südrussischen Militärbasis Yasny: Am 15. Juni um 16:42 MESZ soll sie den Sonnenforschungssatelliten Picard und die beiden Satelliten Mango und Tango (zusammen als Prisma bekannt) in den Orbit bringen. Diese trennen sich von einander und sollen dann im Laufe von 10 Monaten immer wieder zu einander finden und in Formationsflug gehen, wobei zahlreiche Technologien getestet werden. (Spaceflight Now 7.6.2010)

Schon 6 Tage später soll die nächste Dnepr starten, in Baikonur mit dem Satelliten TanDEM-X („Der deutsche Satellit …“), der zusammen mit dem betagten TerraSAR-X drei Jahre lang die Erde in 3D kartografieren soll – letzterer müsste gerade noch so lange durchhalten. (Astrium Release 8., DLF 9.6.2010; DLR-Start-Blog)

Das nächste Sonnensegel ist schon startklar: auf dem FASTSAT

Kaum hat der japanische Sonnensegler IKAROS die wichtigste Hürde genommen, darf sich auch das erste Modell made in USA auf den Weg zum Start machen: Das Nanosail D („Doch ein Wiederflug …“) ist eine von sechs Nutzlasten des FASTSAT („Fast, Affordable, Science & Technology Satellite) der NASA und des DoD, der im Mai die Erlaubnis für die Reise nach Alaska erhielt. Denn dort soll er – frühestens am 1. September – auf einer Minotaur IV starten. Außer dem Sonnensegel-Demonstrator (der als Nanosatellit aus dem Mikrosatelliten FASTSAT herauskatapultiert wird, was selbst schon ein wichtiges Experiment ist) sind zwei weitere Technologieexperimente und drei Instrumente zur Atmosphärenforschung an Bord. (NASA Feature 7., NASA Release 8.6.2010)

TacSat-3 ist jetzt operationell: Der im Mai 2009 gestartete militärische Forschungssatellit hatte zunächst ausgiebig seine Hauptnutzlast, das abbildende Spektrometer ARTEMIS, getestet, das sich u.a. bei der Planung von Hilfsmaßnahmen nach den Erdbeben in Haiti und Chile bewährte – aber seit dem 12. Juni untersteht der Satellit dem Air Force Space Command, das diese Technik auch nutzen will. (USAF Release 10.6.2010)

Startvertrag für IRIS, den nächsten Small Explorer der NASA

Der Interface Region Imaging Spectrograph soll im Dezember 2012 auf einer Pegasus XL starten: Als Ergänzung zum Solar Dynamics Observatory wird er den Energie- und Plasma-Fluss durch die Sonnenatmosphäre und Heliosphäre messen. Zusammen mit IRIS war vor einem Jahr auch der Gravity and Extreme Magnetism Small Explorer ausgewählt worden, der 2014 starten soll, wohl ebenfalls auf einer Pegasus XL. Beide Projekte dürfen maximal 105 Mio.$ kosten, zzgl. Start. (NASA Release 8., Space News 9.6.2010)

Neuseelands Rakete schaffte es tatsächlich bis in den Weltraum – jedenfalls hat die ATEA-1 bei ihrem Start im November 2009 nach Berechnungen die 100-km-Marke geknackt. Die erste Stufe konnte von einem Fischerboot aus dem Meer gezogen und gespeicherte Telemetrie ausgelesen werden: Danach hat sie stabil gebrannt und den meisten Treibstoff verbraucht, und die 2. Stufe trennte sich sauber – ergo sollte sie hoch genug gekommen sein, dass sich Neuseeland nun als Weltraumnation schmücken kann … (AstroSwanny´s 27.3.2010)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

14. März 2010

Vier europäische Satelliten warten auf ihre drei Dnepr-Starts auf zwei Startplätzen

Probleme mit der ukrainischen Trägerrakete halten derzeit gleich mehrere europäische Projekte der Weltraumforschung auf. Der Flugcomputer der Rakete für den CryoSat 2 („Russische Chirurgin …“) muss neu programmiert werden, um der 2. Stufe mehr Schub zu verschaffen: Diesen Monat wird wohl nicht mehr – in kasachischen Baikonur – gestartet. Das Satellitenpaar Prisma aus Schweden für Experimente im Formationsflug und der französische Sonnenforscher Picard sollen zusammen auf einer Dnepr im südrussischen Yasny starten, was frühestens um den 13. April gelingen dürfte – denn es gibt Zoff mit Kasachstan, auf dessen Territorium Raketenteile fallen werden. Und erst wenn CryoSat 2 unterwegs ist, kann – frühestens Ende Mai – eine Dnepr in Baikonur den deutschen TanDEM-X starten, der mit TerraSAR-X zusammen interferometrische Radarbeobachtungen der Erde machen soll. (Spaceflight Now 10.3.2010)

Zwei X-Flugzeuge vor Hyperschalltests: Dieses Jahr ist nicht nur der geheimnisvolle militärische Mini-Shuttle X-37B („Test des unbemannten …“) an der Reihe, sondern auch der Hyperschall-Demonstrator X-51, der schon Ende März das erste Mal fliegen könnte. Eine Art Nachfolger der X-43A, die zweimal 2004 für Sekunden Mach 7 bzw. 10 erreichte: Diesmal soll es vier Testflüge bis Herbst geben, nicht ganz so schnell, dafür aber unter realistischeren Bedingungen. Und wieder verschwinden die Scramjet-tragenden Flugzeuge anschließend jeweils im Meer. Fernziel dieser Forschungen könnte ein Single-Stage-to-Orbit-Vehikel für die Raumfahrt sein. (SpacePorts 14.3.2010 zum X-37B und Space News 26.2. = Space.com 9., Welt 5.3.2010 zum X-51) NACHTRAG: Die X-37B wird möglicherweise am 19. April fliegen – ein kurzer TV-Clip dazu.

Tatsächlich Wasser in den Gesteinsproben von Apollo

Nicht nur per Fernerkundung lässt sich Wasser auf dem Mond finden: Auch im bei den Apollo-Missionen eingesammelten Mondgestein gibt es signifikante Mengen, wie sich allerdings erst jetzt sicher nachweisen ließ. Nach ersten Hinweisen in vulkanischen Glasperlen 2008 ist jetzt deutlich mehr in Apatit-Kristallen in dunklem Basalt aus den Mond-Maria gefunden worden: Das Mondinnere muss zehntausende mal mehr Wasser enthalten haben als bisher gedacht, wenn auch immer noch Zehnerpotenzen weniger als die Erde – was eine Fülle von Fragen aufwirft. (Nature News 464150a, Nat’l Geogr., New Sci. 9., Space.com 11.3.2010)

Die Mission des ICESat der NASA ist vorbei, denn das letzten Oktober ausgefallene Laser-Altimeter – auch der letzte der 3 Laser hatte sich verabschiedet – hat sich nicht wieder einschalten lassen. Der Satellit hatte das polare Eis systematisch vermessen aber auch andere Daten über die Erde, von Baumhöhen bis Aerosolen, geliefert. Einen Nachfolger könnte es 2015 geben. (NASA Mission Page 24., Spaceflight Now 25.2.2010)

Ein Weltraumteleskop aus 88 Spiegeln à 2 m auf Satelliten in engem Formationsflug

mit 30 Metern effektivem Durchmesser: Das ist ein exotisches Konzept eines „strukturlosen Teleskops“ über das derzeit im Hinblick auf die nächste Generation von Weltraumsternwarten nachgedacht wird („Scharfe Bilder fremder Erden …“), die die Exoplaneten-Forschung vorantreiben könnten. Wie schon beim Hubble Space Telescope, das nächsten Monat 20 wird, stehen auch hier Konzepte aus der Welt der Aufklärungssatelliten Pate: Ein derartiger Riesenspiegel auf einer hohen Umlaufbahn wäre weniger angreifbar als die heute üblichen Fotosatelliten auf niedrigen Bahnen und würde doch dieselbe Bildschärfe auf der Erde liefern. (Discovery News 11.2.2010)

2009 wurden weltweit 68 Milliarden Dollar für die Raumfahrt ausgegeben, 36 Mrd.$ für zivile Projekte (+9%) und 32 Mrd.$ für militärische (+12%). Mit 49 Mrd.$ dominierten die USA bei weitem, gefolgt von Europa mit 8 Mrd.$ und Japan und Russland mit je 3, China mit 2 und Indien mit 1 Mrd.$. (Space News 25.2.2010)