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US-Mondforscher-Star wollte Spion werden – und landete beim FBI (und dann im Knast)

28. Oktober 2009

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Noch grinst er einen auf den Mission Pages der NASA an, ist er doch führender Wissenschaftler des Mondradars MiniRF, das sowohl auf dem US-Orbiter LRO wie auch dem indischen Chandrayaan-1 installiert wurde: Bei ersterem ist Steward „Stu“ Nozette sogar der Principal Investigator, bei der indischen Version Co-Investigator. Auch der – fehlgeschlagene – Versuch, beide Instrumente gleichzeitig zur Eissuche auf dem Mond zu verwenden, war v.a. seine Idee gewesen. Und Mondfans werden sich an Nozette natürlich auch als einen der führenden Köpfe beim Mondorbiter Clementine erinnern, der 1994 Technologie von Interesse für eine weltraumgestützte Raketenabwehr im Rahmen einer Wissenschaftsmission testete (und auf dessen Mondkarte der 25-m-Mond im Gasometer Oberhausen basiert!) – aber jetzt kennt ihn die ganze Welt als verhinderten Spion!

Ob Nozette überhaupt jemals als geheim eingestufte US-Informationen, zu denen er im Rahmen militärischer Forschungsprogramme zeitweise Zugang hatte, illegal weitergegeben hat, ist keineswegs sicher – aber er war dazu offenbar bereit. Nachdem sich eine FBI-Frau ihm gegenüber als Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad ausgab, lieferte er zweimal Antworten, die als „secret“ bzw. „top secret“ galten, auf konkrete Fragen und nahm im Gegenzug insgesamt 11’000 US-Dollar entgegen, bevor er am 19. Oktober festgenommen wurde. Zuvor hatte Nozette u.a. jahrelang als externer Berater für den israelischen Konzern Israel Aerospace Industries gearbeitet, was durchaus nicht illegal gewesen zu sein braucht (schließlich arbeiten die USA und Israel auf militärischem Gebiet oft eng zusammen), aber gegenüber der falschen Agentin äußerte Nozette, er habe IAI immer schon für eine Tarnorganisation des Mossad gehalten! Und es sei ja geradezu an der Zeit gewesen, dass dieser sich ihm gegenüber mal offenbare. Zwar habe er inzwischen keinen Zugang zu aktuellen Geheimsachen mehr, aber von früher noch eine Menge im Kopf, was er auch gerne verkaufen würde – und ein israelischer Pass sei ja wohl auch drin.

Zu der filmreifen FBI-Stingoperation war es im Rahmen von Ermittlungen gegen eine (vermeintliche?) Nonprofit-Organisation gekommen, die Nozette 2000 gegründet hatte, und zuletzt hatte er sich im Januar verdächtig gemacht, als er mit mehreren Datenträgern in ein nicht näher genanntes Land geflogen und ohne sie zurückgekehrt war. Dabei hat es sich vermutlich um Indien gehandelt, wo Nozettes Verhaftung einige Aufregung ausgelöst hat: Als amerikanischer Chandrayaan-„Passagier“ war er öfters in den dortigen Medien aufgetreten und auch mehrmals in Einrichtungen der Weltraumbehörde ISRO unterwegs gewesen – aber dabei ständig bewacht, wie nun betont wird. (Dem Mitflug zweier US-Instrumente auf Chandrayaan war langes Tauziehen vorausgegangen, allerdings wegen Bedenken der US-Seite.) Über die Motivation von Nozette, 52, für die versuchte Karriere als Spion kann man nur spekulieren – vielleicht war es eine Midlife Crisis, die schon manchen Spitzenforscher auf Abwege geführt hat. Allerdings selten so gravierend: Im Falle einer Verurteilung droht Nozette bis zu lebenslange Haft …

Ein Press Release des Justizministeriums, eine Biografie und Artikel von Washington Post (früher, noch früher und noch früher), Wash. Examiner, NYT Blog, Astronomy, Space Movement, A Times, Deccan Herald, Times of India, TIME, Baltimore Sun, CSM, Nature Blog, Discovery, TPM, NASA Watch, Outlook, Independent und Space Today mit zusätzlichen Erkenntnissen oder Spekulationen.

Warum der LCROSS-Crash so unauffällig blieb

18. Oktober 2009

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Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Beobachtungen der Effekte, die der Einschlag der LCROSS-Centaur auf dem Mond auslöste (hier z.B. eine Bildserie der Kamera MIR1 mit der thermischen Signatur des Impaktblitzes; Auflösung 1 km/Pixel), aber insgesamt blieben sie weit hinter den geschürten Erwartungen zurück. Insbesondere blieb die Wolke aufgewirbelten Staubes extrem unauffällig und konnte erst nach einer Woche mit brutaler Bildverarbeitung sichtbar gemacht werden – doch im Nachhinein haben es viele im Projekt immer schon gewusst, dass dies ein mögliches Ergebnis sein konnte. Auf einer Planetenforscherkonferenz im März etwa hatte der Projekt-PI gegenüber Fachkollegen die großen Unsicherheiten bei der Vorhersage der Impakteffekte betont, und zuweilen wurde auch in Vorberichten auf die Unwägbarkeiten hingewiesen, wenn sich dies auch eher auf das Treffen isolierter Eisfelder und weniger die sichtbaren Effekte des Crashs bezog.

Jetzt nennt Impaktforscher E. Asphaugh das Modellieren der Vorgänge die „größte Herausforderung“ überhaupt, mit der er bisher konfrontiert war. Denn die Centaur war zwar massereich aber ein Zylinder (man rechnet sonst mit kugelförmigen Impaktoren) und hohl (sonst: homogen), und die physische Beschaffenheit der permanent schattigen Zielregion kannte man auch nicht. Offenbar sind die Raketenstufe und/oder poröser Mondboden beim Aufprall wie ein Stoßdämpfer kollabiert: Wenig kinetische Energie wurde auf das Bodenmaterial übertragen, das dann nicht hoch genug geschleudert wurde, um aus irdischer Perspektive gesehen zu werden. Andererseits sollte ein breiter aber flacher Krater entstanden sein, was sich am Ende sogar als Vorteil erweisen könnte: Schließlich vermutet man Mondeis, so es denn existiert, vor allen in den obersten 70 cm des Bodens. Irgendein Nachweis von H2O oder OH nach dem Impakt steht allerdings weiter aus.

Allerlei LCROSS-Bilder und -Daten vom Impakt und Artikel von New Scientist, LA Times und Spiegel sowie Science vom 16.10.2009 S. 353 (das Asphaug-Zitat gab es bereits hier).

Frische Marskrater legen reines Wassereis frei – auch fern der Pole

25. September 2009

marseis

Gestern abend sorgte nicht nur – molekülweise verstreutes – Wasser auf dem Mond für Wirbel: Auf dem Mars ist in mittleren Breiten eine Schicht zu 99% reinen Wassereises entdeckt wurden, nicht mal einen Meter unter der Oberfläche und freigelegt durch frische kleine Impaktkrater. In fünf Fällen wie dem abgebildeten konnte die Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter zuschauen, wie das strahlend weiße Eis dahinschmolz (genauer: davondiffundierte) – das eigentlich gar nicht da sein sollte; man vermutete nach den Mars Odyssey-Daten aus dem Orbit (siehe Artikel 500) ein 50:50-Gemisch aus Eis und Staub. Wie die Schicht klaren Eises entstanden ist, die sich unter weiten Bereichen der Marsoberfläche erstrecken dürfte, ist nun die Frage. Und die Antwort, egal wie sie ausfällt, scheint nicht ohne erheblich andere, feuchtere, Klimabedingungen zur Zeit ihrer Entstehung auszukommen.

University of Arizona und NASA Press Releases und Artikel von Scientific American, Cosmic Log, Wired und Alles was fliegt (dass Viking 2 nur knapp die Eisentdeckung verpasste, wusste man allerdings schon seit den Odyssey-Messungen). NACHTRAG: ein kleines Video dazu.