Posts Tagged ‘Envisat’

Envisat schweigt beharrlich – sieht aber gut aus

20. April 2012

CNES

Fraunhofer FHR

EADS Astrium

So sehen der neue französische Erdbeobachter Pléiades 1A (oben; er hatte auch schon Spot 5 im Visier) und das deutsche Weltraumradar TIRA (Mitte) den großen ESA-Erdbeobachtungssatelliten Envisat (unten; Artikel 425) – der seit dem 8. April auf einmal nicht mehr mit der Erde spricht. Die ‚Fernbeobachtung‘ des wertvollen Satelliten, der gerade sein 10. Start-Jubiläum feiern konnte, hat keinerlei erkennbare Anomalien zu Tage gefördert, es ist noch alles dran, die Bahn ist stabil, die Orientierung im Raum allerdings unerwartet. Eine Hypothese ist eine Störung in der Stromversorgung, in deren Folge ein Safe Mode nicht korrekt eingenommen worden ist. Die Bemühungen um Kontaktaufnahme gehen zwar weiter, aber es ist „clear that the chances to recover the satellite control are slim, keeping in mind that the Envisat satellite has already doubled its expected operations lifetime.“ Auf seiner hohen Bahn dürfte der Riesensatellit jedenfalls noch 100 bis 150 Jahre verbleiben. ESA Release, BBC, KosmoLogs 20., Envisat Update 19., New Scientist, Space.com 16., Spiegel 14., Nature, BBC, Space News, KosmoLogs 13., ESA Release, Spaceflight Now, Space News, Daily Mail, Spiegel 12., Envisat News 10.4.2012. NACHTRAG: weitere Envisat-Ansichten von Pléiades 1A aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

5. September 2010

ESA-Satellit GOCE sendet – nach schwerer Störung – wieder Daten!

Schon Anfang des Jahres war der primäre, am 18. Juli auch der Ersatzcomputer an Bord des Erdvermessers („Das erste globale Modell …“) ausgefallen, der für die Übertragung von Daten sorgt, aber wenigstens blieb die Verbindung zur Erde erhalten. Durch trickreiche Softwareänderungen ist es nun schon Anfang September gelungen, den wissenschaftlichen Betrieb wieder aufzunehmen: Man hatte erwartet, dass dies mindestens bis Monatsende dauern würde. (Nature Blog 3.9., Spaceflight Now 29., Spiegel 24., Nature Blog 23., BBC 21.8.2010) NACHTRAG: Später hat auch die ESA was zu sagen. NACHTRAG 2: Dem Satelliten war wohl zu kalt geworden, und das schon am 8., nicht 18., Juli.

Envisat wird noch ein großes Problem – als Weltraummüll: Der 8 Tonnen schwere ESA-Umweltsatellit von 1992 (siehe Artikel 425) wird sich nach Missionsende noch etwa 150 Jahre im Orbit halten – und dort wegen seiner Größe und Ausleger (26 x 10 x 5 Meter!) ein „ideales“ Ziel für kleine Teilchen Raumschrott abgeben. Wobei jeder Treffer wieder eine Wolke neuer gefährlicher Partikel produziert. Einmal musste der Satellit schon einem bekannten Stück Raumschrott ausweichen, sonst wäre er wahrscheinlich getroffen worden. Eine gezielte Entsorgung des Envisat hat die ESA bedauerlicherweise einzuplanen vergessen, so dass womöglich eine eigene Spezialmission dazu erforderlich werden könnte. (Space News 26.7.2010)

Indischer 850-Gramm-Satellit, von Studenten gebaut, sorgt für Schlagzeilen

Der StudSat war der kleinste von 5 Satelliten, die am 12. Juli ein indisches PSLV in den Orbit beförderte – und doch hat er im Lande für ein größeres Medienecho gesorgt als die größte und dramatisch teurere Nutzlast, der Erdbeobachter Cartosat 2B: Indiens winzigster Satellit ist nämlich das Werk von Studenten („Erster indischer „Studentensatellit“ …“) von vier Colleges, die auch noch vor 3 Jahren spontan auf diese Idee gekommen waren, nachdem sie einem Raumfahrtvortrag gelauscht hatten. Funkkontakt mit dem StudSat – weitere ähnliche Projekte laufen an diversen indischen Unis, und allerorten will man es nun auch versuchen – konnte rasch hergestellt werden; ob der Picosatellit schon Erdbilder geliefert hat, wurde bisher nicht bekannt. Die sollten 90-93 Meter Auflösung haben, während Cartosat 2B 80 Zentimeter schafft; erste Proben hat er schon geliefert. (ISRO Releases 12., 21.7.2010; Trak 28., Hindu 27.8., Hindu 22., Economic Times 18., Hindu, PTI [more] 14., Deccan Herald, Eureka 13., Hindu, Space News, Space Today 12., Hindustan Times, Sify 2.7.2010)

Die indische Turbopumpe war Schuld am GSLV-Disaster im April, als die erste selbstentwickelte kryogene Oberstufe nach Sekunden versagte („Weiter Konfusion …“): Die bisherige Untersuchung hat gezeigt, dass die Wasserstoffpumpe zwar sofort die vollen 34’800 U/m erreicht hatte – aber eine Sekunde später einfach stehen blieb. Damit war es um die Stufe und den ganzen Start geschehen. Um der genauen Ursache auf die Spur zu kommen, werden nun Bodentests durchgeführt; die nächsten beiden GSLVs benutzen derweil wieder russische Oberstufen. (ISRO Release, Spaceflight Now 9., Hindu, Space Today 10., Space.com 12.7.2010)

FASTSAT in Alaska angekommen – Start im November?

Der kuriose Satellit mit 6 Technologie- und Atmosphären-Experimenten („Das nächste Sonnensegel …“) ist am 10. August im Kodiak Launch Complex angekommen, wo er als eine von etlichen sekundären Nutzlasten einer Minotaur IV im Herbst starten soll – das hat sich immer wieder verschoben, weil ein minimales Softwareproblem bei der Rakete entdeckt worden war. Auch der Start einer anderen Minotaur IV mit dem ersten Satelliten des Space-Based Surveillance System (SBSS) in Vandenberg ist deswegen auf nunmehr den 24. September gerutscht. (NASA Release 11.8., Spaceflight Now 8.7., Discovery 14.6.2010) NACHTRAG: Ein anderer Passagier in Kodiak ist RAX.

Die Prisma-Satelliten haben sich getrennt, Picard sieht die Sonne, Proba 2 verfolgt CMEs: Die drei im Juni gestarteten europäischen Satelliten („Sonnensatellit …“) und der bereits seit November im All und seit Februar im Routinebetrieb befindliche gehen ihren Aufgaben nach. Während sich bei Prisma der kleinere Tango von Mango getrennt hat und ihm nun als Rendezvous-Ziel dient, hat Picard mit Aufnahmen der Sonne mit seinem 11-cm-Teleskop in rascher Kadenz begonnen, u.a. um etwaige Durchmesserschwankungen zu erkennen – und Proba 2 („So sieht der …“), der schon rund 100’000 Sonnenbilder im Kasten hat, verfolgt koronale Massenauswürfe weiträumiger als das Solar Dynamics Observatory. (Spaceflight Now 11.8., CNES Release 28.7., ESA Release 30.6.2010)

„Geheimshuttle“ X-37B änderte Bahn – aber Amateure fanden ihn bald wieder

Das mysteriöse wiederverwendbare Vehikel hielt bis zum 9. August seine 403 x 420 km hohe Bahn durch fortwährendes Ausgleichen des Luftwiderstands ein – aber dann wurde die Bahnhöhe plötzlich um 27.5 km angehoben, und die Amateurastronomen rund um den Globus, die den Shuttle verfolgen („Amateurastronomen fanden …“), verloren ihn zunächst. Bis ihn am 19. August ein Beobachter in Kapstadt wieder fand. Mit einer bevorstehenden Rückkehr hatte das Manöver vermutlich nichts zu tun, und über den Zweck des ganzen Unternehmens haben die Amateurbeobachtungen leider keine Erhellung bringen können … (Space.com, Raumfahrer 23., News.com.au 25.8.2010)

Prozess gegen mutmaßlichen Weltraumforscher-Möchtegern-Spion verzögert sich: Weil seine Anwälte erst entsprechende Sicherheitsstufen erlangen mussten, um überhaupt die relevanten Dokumente lesen zu dürfen, hat sich der Prozessbeginn gegen Stu Nozette um weitere Monate verschoben. Immerhin weiß man inzwischen, dass man ihm vorwerfen wird, er habe Geheimnisse über US-Satelliten, Frühwarn- und Abwehrsysteme verhökern wollen, die er – neben seiner bekanntere Tätigkeit als Mondforscher – gekannt haben soll. (CNN 11.8.2010)

Raketenstarts in Japan jetzt das ganze Jahr möglich: Bisher darf aufgrund von Abkommen mit den örtlichen Fischern nur 190 Tage im Jahr vom Weltraumbahnhof Tanegashima aus gestartet werden, aber das hat man nun neu verhandelt. Die zeitliche Beschränkung wird demnach ab April 2011 aufgehoben, aber es sind weiter nur 14 Starts pro Jahr erlaubt. (JAXA Release 29.7.2010)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

13. Juni 2010

Von-Kármán-Wirbel südlich der Kanarischen Inseln auf einem Envisat-Bild vom 6. Juni: Die Inselgruppe störte eine Luftströmung von Norden, was eine charakteristische Wirbelschleppe auslöste, benannt nach dem ungarisch-amerikanischen L&R-Ingenieur Theodore von Kármán.

Nächster Dnepr-Start am 15. Juni: Prisma-Paar und Picard

Und wieder wartet eine Dnepr-Rakete auf ihren Start, diesmal in einem Silo auf der südrussischen Militärbasis Yasny: Am 15. Juni um 16:42 MESZ soll sie den Sonnenforschungssatelliten Picard und die beiden Satelliten Mango und Tango (zusammen als Prisma bekannt) in den Orbit bringen. Diese trennen sich von einander und sollen dann im Laufe von 10 Monaten immer wieder zu einander finden und in Formationsflug gehen, wobei zahlreiche Technologien getestet werden. (Spaceflight Now 7.6.2010)

Schon 6 Tage später soll die nächste Dnepr starten, in Baikonur mit dem Satelliten TanDEM-X („Der deutsche Satellit …“), der zusammen mit dem betagten TerraSAR-X drei Jahre lang die Erde in 3D kartografieren soll – letzterer müsste gerade noch so lange durchhalten. (Astrium Release 8., DLF 9.6.2010; DLR-Start-Blog)

Das nächste Sonnensegel ist schon startklar: auf dem FASTSAT

Kaum hat der japanische Sonnensegler IKAROS die wichtigste Hürde genommen, darf sich auch das erste Modell made in USA auf den Weg zum Start machen: Das Nanosail D („Doch ein Wiederflug …“) ist eine von sechs Nutzlasten des FASTSAT („Fast, Affordable, Science & Technology Satellite) der NASA und des DoD, der im Mai die Erlaubnis für die Reise nach Alaska erhielt. Denn dort soll er – frühestens am 1. September – auf einer Minotaur IV starten. Außer dem Sonnensegel-Demonstrator (der als Nanosatellit aus dem Mikrosatelliten FASTSAT herauskatapultiert wird, was selbst schon ein wichtiges Experiment ist) sind zwei weitere Technologieexperimente und drei Instrumente zur Atmosphärenforschung an Bord. (NASA Feature 7., NASA Release 8.6.2010)

TacSat-3 ist jetzt operationell: Der im Mai 2009 gestartete militärische Forschungssatellit hatte zunächst ausgiebig seine Hauptnutzlast, das abbildende Spektrometer ARTEMIS, getestet, das sich u.a. bei der Planung von Hilfsmaßnahmen nach den Erdbeben in Haiti und Chile bewährte – aber seit dem 12. Juni untersteht der Satellit dem Air Force Space Command, das diese Technik auch nutzen will. (USAF Release 10.6.2010)

Startvertrag für IRIS, den nächsten Small Explorer der NASA

Der Interface Region Imaging Spectrograph soll im Dezember 2012 auf einer Pegasus XL starten: Als Ergänzung zum Solar Dynamics Observatory wird er den Energie- und Plasma-Fluss durch die Sonnenatmosphäre und Heliosphäre messen. Zusammen mit IRIS war vor einem Jahr auch der Gravity and Extreme Magnetism Small Explorer ausgewählt worden, der 2014 starten soll, wohl ebenfalls auf einer Pegasus XL. Beide Projekte dürfen maximal 105 Mio.$ kosten, zzgl. Start. (NASA Release 8., Space News 9.6.2010)

Neuseelands Rakete schaffte es tatsächlich bis in den Weltraum – jedenfalls hat die ATEA-1 bei ihrem Start im November 2009 nach Berechnungen die 100-km-Marke geknackt. Die erste Stufe konnte von einem Fischerboot aus dem Meer gezogen und gespeicherte Telemetrie ausgelesen werden: Danach hat sie stabil gebrannt und den meisten Treibstoff verbraucht, und die 2. Stufe trennte sich sauber – ergo sollte sie hoch genug gekommen sein, dass sich Neuseeland nun als Weltraumnation schmücken kann … (AstroSwanny´s 27.3.2010)