Posts Tagged ‘Erde’

Drei – ziemlich – aktuelle planetare Ansichten

24. Juni 2010

Die Erde aus der Sicht des Lunar Reconnaissance Orbiter und der Narrow Angle Camera des LROC-Systems: ein Schnappschuss vom 12. Juni während einer Kalibrierungssequenz für die Wide Angle Camera, der die Erde als helle Quelle vor dunklem Hintergrund für die Charakterisierung ihres internen Streulichts diente. Die Erde war nicht ganz da, wo sie sein sollte, daher fehlt ein Stück. Der LRO ist nun ein Jahr im Mondorbit und hat dort schon eine Menge zu sehen bekommen. NACHTRAG: Das Bild gibt’s auch mit mehr Pixeln.

Der Mars gestern aus Sicht der Mini-Kamera auf dem Mars Express: Unermüdlich liefert die Visual Monitoring Camera einen Schwall nach dem anderen (aus dem man auch dramatische Filme machen kann) – dabei sollte sie doch eigentlich nur den Abflug des Beagle dokumentieren und dann für immer schweigen. Aber man hat sie später wieder in Betrieb genommen, worüber schon länger ein Blog und nun auch ein Twitter-Feed berichten.

Die Saturnringe und Prometheus vor Rhea am 9. April: Der 86 km große Prometheus, der zwischen den Hauptringen und dem F-Ring läuft, war da 1 Mio., die 1528-km-Rhea 1.6 Mio. km vom Cassini-Orbiter entfernt, der übrigens den engen Titan-Vorbeiflug am 21. Juni („Cassini wagt sich …“) problemlos absolviert hat, worüber das JPL kurioserweise bisher nur in einem Blog berichtete.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

20. Juni 2010

Wir haben wieder „Augen“ auf der Raumstation!

Mit der Rückkehr von S. Noguchi von der ISS war der monatelange Strom faszinierender „Live“-Fotos aus dem Orbit abrupt zuende – aber drei Wochen später ist er wieder da: Kaum mit Soyuz TMA-19 auf der Raumstation angekommen, hat der US-Astronaut Doug Wheelock die ‚Tradition‘ heute wieder aufgenommen. Seine ersten beiden Bild-Sendungen via TwitPic zeigen ein schönes Polarlicht und eine Gegenlichtansicht der ISS – und schon vor dem Start hatte er aus Baikonur einen ungewöhnlichen Blick auf ’seine‘ Rakete geschickt. NACHTRAG: Wie ein österreichischer Amateur-Archivist von Erdaufnahmen aus dem Orbit herausgefunden hat, waren die ersten Bilder nach Wheelocks Start alle alt, mal Monate, mal Jahre! (Persönliche Mitteilung 25.6.2010) Mißtrauen geweckt hatte ein falsches Mondbild („Wer hat …“) – und die Aurora könnte von O. Kotov stammen.

Vorbereitung des nächsten Falcon-9-Starts – und ein Riesenauftrag

Noch im Spätsommer soll das zweite Exemplar der schlagzeilenträchtigen Privatrakete („Nächste Falcon 9“) starten, dann mit einer vollwertigen Dragon-Kapsel, die zu 95% fertig ist: Vom Erfolg dieses ersten Tests im NASA-Auftrag wird entscheidend abhängen, ob bereits beim nächsten Mal direkt zur ISS geflogen werden darf. Der praktisch tadellose Erstflug der Rakete – der Zielorbit in 250 km Höhe wurde prozentgenau getroffen – hat jedenfalls schon Folgen: Vom Satellitenhandy-Betreiber Iridium Communications Inc. (dem einzigen, der die gesamte Erde abdeckt) gab es Startauftrag für den Großteil der 72 Satelliten der nächsten Generation. In den 492 Mio.$ ist auch die Entwicklung eines Adapters inbegriffen, der den gleichzeitigen Start mehrerer Satelliten erlaubt (weil noch gar nicht feststeht, wie groß und schwer die Iridium-NEXT-Satelliten sein werden, ist auch nicht klar, wieviele Falcon 9s zum Einsatz kommen sollen). Die Starts sollen zwischen 2015 und 2017 erfolgen – vorher sind noch 24 andere Flüge geplant. Den Auftrag bekam die Falcon, weil sie unschlagbar billig ist: Nur 7 Mio.$ pro Iridium-Satellit! Derartige Tarife gab es in den 1990-er Jahren mal in Russland und der Ukraine, heute aber nirgendwo mehr. (Space X Press Release 16.6.2010; Raumfahrer 19., peHUB 18., Space News, Space Today, 17., Spaceflight Now, Space.com, Nature Blog, Discovery, Spiegel 16., AW&ST, Raumfahrer 15.6.2010)

Weiterhin Streit um die Schuld am koreanischen Raketenfehlschlag: Weder von der ersten noch der zweiten Stufen des KSLV-1 waren vor dessen plötzlichem Verlust irgendwelche offensichtlichen Signale gekommen, die auf ein Problem hingedeutet hätten, und so sind sich Korea und Russland weiter uneins („Russland und …“) über die Verantwortung, die nun eine gemeinsame Komission klären soll. Unklar bleibt daher auch, wie es mit dem KSLV-Programm weitergehen soll und ob Russland nun eine dritte 1. Stufe gratis liefern muss; eine weitere zweite hätte Korea noch übrig. Dort werden derweil Vorwürfe laut, der misslungene Start sei unter zu großem – selbstgemachtem – Zeitdruck erfolgt. (Novosti, LaunchSpace 18., Yonhap 16., Korea Times, Yonhap, Arirang 14.6.2010)

Kein Deutscher da: Dordain bleibt ESA-Generaldirektor

Eigentlich wäre nun Deutschland an der Reihe gewesen, aber dessen ESA-Delegation konnte keinen geeigneten Kandidaten finden (nachdem der DLR-Chef keine Lust hatte, nach Paris zu gehen): So bekommt der Generaldirektor der Europäischen Weltraumbehörde Jean-Jacques Dordain eine dritte Amtszeit bis 2014; vielleicht findet sich ja dann ein passender Nachfolger aus Schland. (ESA Release 17.6.2010; BBC Blog, Space Today 18., Space News, BBC 17., Spiegel 13., Spaceflight Now 8.6.2010)

Eine deutsche „Raumfahrt-Strategie“ bis Ende des Jahres verspricht der DLR-Chef – in Erfüllung des Koalitionsvertrages der Bundesregierung – in einem Interview: Ziel dieser Strategie müsse sein, längerfristige Perspektiven zu formulieren, die dann durch Einzelziele und daraus abzuleitende Projekte und Missionen umgesetzt werden. (Kowalski 7.6.2010. Auch Woerner-Blog, Parabolic Arc und Flight Global zu neuer deutsch-amerikanischer Raumfahrt-Nähe und Space News zu deutschem Drang nach optischen Aufklärungssatelliten)

Unsere „Augen“ sind nicht mehr auf der ISS …

2. Juni 2010

Wird die Internationale Raumstation mit der Rückkehr der 23. Stammbesatzung in der vergangenen Nacht nun der Vergessenheit anheim fallen? In den vergangenen Monaten hatte das ‚Image‘ des immer umstrittenen Milliardenprojekts erheblich zugelegt, dank des Bilderstroms von Soichi Noguchi, der den neu eingerichteten direkten Internet-Zugang einer perfekten Nutzung zugeführt und sich als Erd- wie Astrofotograf betätigte, begeistert verfolgt von einem weltweiten Publikum. Aber auch sein Orbitkollege Oleg Kotov hat eine Menge beeindruckende Bilder geschossen, v.a. von Polarlichtern wie im obigen Beispiel. Nun sind Noguchi und Kotov (zusammen mit Timothy Creamer) wieder auf der Erde – ob jemand ihre Arbeit weiter führt? Erdfotografie aus dem Orbit war immer schon eine wichtige (Neben-)Aufgabe von Raumfahrern gewesen, und es wurden im vergangenen halben Jahrhundert v.a. bei der NASA ein gewaltiges Bildarchiv angelegt. Aber es war die Direktheit, mit der Noguchi seine Bilder binnen Stunden präsentierte, die bislang einmalig war.

ESA-Chef wiederholt ISS-Einladung für China, Indien und Co.: Wie schon im Februar hat Jean-Jacques Dordain auf der Global Lunar Conference in Beijing die Bereitschaft der bisherigen Partner auf der Raumstation bekundet, auch China, Indien und Südkorea aufzunehmen. Wie das konkret aussehen könnte, etwas mit eigenen Modulen oder Transportvehikeln, scheint er nicht gesagt zu haben. (IAF Astro; Xinhua 1., Eureka 2.6.2010)

Erster Start der Falcon 9 an diesem Freitag?

Auch wenn die Wetteraussichten nicht besonders gut sind, peilt Space X nun den 4. Juni – ein vierstündiges Startfenster ab 17:00 MESZ – an, um die erste Falcon 9 („Die erste …“) von Cape Canaveral aus in den Orbit zu schicken. Letzte Fragen der ‚Range Safety‘, also der Selbstzerstörungsanlage, dürften bis dahin geklärt sein. Space X bittet zu beachten, dass dies ein Testflug ist: Ein Erreichen der Orbitalgeschwindigkeit wäre schön, aber es gibt auch schon viele Meilensteine auf dem Weg dahin, die abzuhaken sind. Der Erfolg ergäbe sich dann aus dem Prozentsatz der Meilensteine, die erreicht wurden; nur ein Versagen schon auf der Startrampe wäre ein echter Misserfolg. (Space X und Spaceflight Now Updates; The Flame Trench, NPR, The Space Review 1.6., SpacePorts, Raumfahrer 31.5.2010) NACHTRAG: Bilder vom Roll-Out am 2. Juni – und Spannung

Erster Flug einer X-51A „zu 95%“ erfolgreich: Zwar arbeitete der Scramjet des Waverider-Demonstrators („Zwei X-Flugzeuge …“) am 26. Mai nur 200 statt 300 Sekunden lang, und es wurde auch nur Mach 5 statt über Mach 6 erreicht, aber es war doch der bei weitem längste Test eines luftatmenden Hyperschall-Triebwerks. Drei weitere X-51A sind zwar gebaut, aber das Geld für das Testprogramm ist inzwischen alle … (Boeing Release 26.5.; AW&ST 1.6., Spiegel, TelePolis 28., Spaceflight Now, LA Times, Register, New Scientist Blog, Universe Today, Science Journalism Tracker 27., Register 21., Spaceflight Now 16.5.2010) NACHTRÄGE: ein Video – und sogar in Thema für The Onion

Amateurastronomen fanden den „Geheimshuttle“ X-37B im Orbit und haben auch die ersten – vage – aufgelösten Bilder geschafft: Das Vehikel befindet sich auf einer 401 x 422 km hohen und um 40° geneigten Bahn. Was sich in der Ladebucht befindet, zeigen die Bilder (noch?) nicht … (New York Times 21., Space.com 22., Telegraph, Facebook 23., Globe & Mail, Science Journalism Tracker 24., Universe Today 25., Discovery 26., Universe Today 28., Eureka 29.5.2010) NACHTRAG: Am Himmel werden häufig Flares des X-37B gesehen – von wegen geheim …

Fünf aktuelle Bilder aus dem Sonnensystem

1. Mai 2010

Die Milchstraße über der Erde, aus dem Orbit aufgenommen von Bord des Space Shuttle Discovery während der letzten Mission STS-131 – ist das das deep-sky-igste Bild eines Astronauten aus dem LEO?

Discovery & ISS huschen um die Erde, eine andere Langzeitaufnahme während der Mission STS-131.

Das erste IR-Bild der ganzen Erde durch den neuen US-Wettersatelliten GOES-15 entstand am 26. April – und hat ein deutlich besseres Signal/Rausch-Verhältnis als entsprechende Instrumente auf GOES-8 bis -12.

Opportunity sieht ferne Krater am Horizont: Auf einem Mosaik vom 28. April (Sol 2226 seit der Landung) sieht man links einen Teil des Randes des neuen Zieles Endeavour in 13 km Entfernung (Durchmesser: 21 km) und rechts den Rand des noch weiter entfernten Iazu. NACHTRAG: was man hier sehen könnte.

Im Anflug auf den Saturnmond Enceladus schoss Cassini am 26. April diese Aufnahme – einen Tag später flog die Sonde in nur 100 km Höhe vorbei und konnte dabei das Schwerefeld des Mondes vermessen: Aus den Daten erhofft man sich Rückschlüsse auf sein Innenleben, z.B. ob es tatsächlich flüssiges Wasser unter den Fontänen gibt („Die überzeugendsten Indizien …“) und ob in Enceladus‘ Tiefe Blasen aus wärmerem Eis wie in einer Lavalampe hochsteigen.

Wie die Astronomie in Chile das schwere Erdbeben überstanden hat

8. März 2010

Erst 9 Tage nach dem schweren Erdbeben in Chile am 27. Februar kann mit einiger Sicherheit gesagt werden, dass zumindest die in diesem Land besonders stark vertretene Astronomie keine gravierenden Verluste zu beklagen hatte. Da viele Kommunikationswege zunächst unterbrochen waren, dauerte es mitunter Tage, bis der Zustand der großen Sternwarten in der Mitte und im Norden Chiles ins Ausland gemeldet werden konnte, und noch schwieriger war es, das Schicksal der – auch deutschen – Astronomen von der Universität in Concepción (UdeC) zu ergründen. Da halfen auch Bilder aus dem Orbit nichts, und auch soziale Netzwerke wie Twitter lieferten mehr Fragen als (vereinzelte) Antworten.

Erst heute kann dank eines Press Release der Royal Astronomical Society aufgeatmet werden, die u.a. auf Listen in Heidelberg und Florida verweist: Alle Astronomen der UdeC sind wohlauf. Einer hatte sich bereits per Twitter gemeldet, und es hatte – am Ende dieses Artikels – immerhin schon indirekte gute Nachrichten gegeben. Das Universitätsgebäude ist allerdings erheblich beschädigt, wie insbesondere den Bildern in diesem Bericht zu entnehmen ist, wenn auch nicht komplett abgebrannt, wie Gerüchte gelautet hatten (doch bzgl. des chemischen Instituts waren sie leider korrekt) – und wie es deutschen Geodäten in Concepción erging, schildert diese dramatische E-Mail. Über die sonstigen Zustände in Concepción ist schon genug geschrieben worden.

Über das Schicksal der zahlreichen Sternwarten Chiles waren schneller Informationen nach außen gedrungen: Schon nach Tagen stand fest, dass keines der großen Instrumente Schaden genommen hatte. Bei Gemini Süd mussten die Beobachtungen nur 20 Minuten unterbrochen werden, auch auf dem Cerro Tololo und La Silla gab es nur kurze Unterbrechungen – und auf dem Paranal hat der VLT-Beobachter überhaupt nichts mitbekommen und erst nach 12 Stunden von dem Beben gehört! Keine Schäden gab es auch auf der Baustelle von ALMA, und die diversen Amateursternwarten in Chile haben es auch überstanden. Ebenso wie übrigens ein Satellit in Argentinien samt NASA-Instrument. NACHTRAG: Astronomen-Berichte aus Chile vom 8. und 10. März.

Relativ schwacher Tsunami zeigt Wissenslücken auf

Während der Tsunami nach dem Beben an der chilenischen Küste schwere Schäden anrichtete, fiel er im Rest des Pazifiks – wo es die erste ozeanweite Warnung seit Jahrzehnten gegeben hatte – nur schwach aus: Das zeigt (wieder einmal; siehe eine Notiz von einer Tagung Ende 2006!), dass nicht nur die Stärke eines Seebebens sondern eine Fülle anderer Faktoren eine Rolle spielen. Neben der Tiefe des Hypozentrums unter dem Meeresboden und der Höhe der Wassersäule darüber spielen offenbar sogar Resonanzeffekte in Meeresbuchten eine Rolle: Das soll z.B. erklären, warum in Hilo kaum etwas zu sehen war. (CU Boulder Release, Star Bulletin, Universe Today 28.2., Times, Professor Astronomy, New Scientist, SZ 1., AGU Blog, New York Times, AP 2., Science Journalism Tracker 3.3.2010. Und ein Bericht aus 1. Hand aus dem Tsunami-Warnzentrum)

Hat das Erdbeben an der Erdachse gedreht? Ein Press Release des JPL mit der Berechnung, dass die Tage nun 1.3 msec kürzer geworden und die Figurenachse um 8 cm verrutscht seien, wurde prompt allerorten aufgegriffen – aber ausgerechnet die BILD-Zeitung betrieb echten Journalismus und fragte bei deutschen Geophysikern nach, die die Zahlen für falsch halten. Unbestritten sind aber rekordverdächtige Erdverformungen in Chile selbst, um bis zu 3 Meter – und die ganze Erde wurde in langsame Schwingungen versetzt. (JPL Release, Business Week 1., Water Seems Inviting, PM der Bayr. AdW 3., Cosmic Log 5., OSU und SIRGAS Releases 8.3.2010) NACHTRÄGE: mehr zu Beben-Statistik, den chilenischen ErdVerschiebungen – und esoterischem Mißbrauch der aktuellen Erdbeben. NACHTRAG 2: In Sachen Erdachse hofft die NASA auf einen tatsächlichen Nachweis des berechneten Effekts. NACHTRAG 3: eine schnelle italienische Messung zeigt keine Verlagerung der Erdachse wie vom JPL berechnet.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

6. März 2010

Eine neue Version der „Blue Marble“ der NASA aus zahlreichen Bildern des MODIS-Instruments auf dem Terra-Satelliten aus dem Jahr 2001 (und noch anderen Daten) ist gerade veröffentlicht worden und gilt als detailliertestes Bild der Erde in echten Farben: Globen mit bis zu 21’600 Pixeln stehen kostenlos zur Verfügung. (BBC; Discovery, Universe Today 3.3.2010)

Der Himalaya bei Sonnenuntergang aus Sicht der ISS, mit dem See Manasarovar, der ungefähr 4500 m über NN liegt (in fast jeder Wikipedia-Sprache wird eine andere Höhe genannt …) – eine der unzähligen spektakulären Aufnahmen, die der Astronaut S. Noguchi ununterbrochen aus dem Orbit schickt. Leider wird er voraussichtlich am 2. Juni zur Erde zurückkehren … (TwitPic 5., Japan Today 3.3., BILD 18.2.2010)

Die ISS, wie sie noch keiner sah – als Radarbild, das ebenfalls aus dem Orbit aufgenommen wurde! Und zwar am 13. März 2008 vom deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X aus 195 km Entfernung und bei einer Relativgeschwindigkeit von 9.6 km/s: Die ganze Begegnung dauerte nur 3 Sekunden und die Auflösung liegt bei etwa 1 m. Radarechos gibt es v.a. von Kanten und Ecken, wie sie die zentrale Gitterstruktur der ISS reichlich zu bieten hat, glatte Flächen bleiben meist schwarz. (DLR PM 4.3.2010)

Falschmeldung über einen „Plan B“ der NASA

Erst schwirrten die Gerüchte, der NASA-Chef habe heimlich seine Untergebenen angewiesen, eine Art Kompromissplan für die künftige Strategie der bemannten Raumfahrt auszuarbeiten, der im Kongress besser ankäme, doch das ist nicht der Fall, wie Bolden in einer Presseerklärung und einem ehemals internen Memo klar stellt: „The President’s budget for NASA is my budget. […] I did not ask anybody for an alternative to the President’s plan and budget.“ Nur eine Beschleunigung der Entwicklung der – vermutlich entscheidenden – Schwerlastrakete wird offenbar erwogen. Dürfen die Abgeordneten also weiter zetern – und aus einem Vorstoß aus ihren Reihen, den Shuttle noch mehrere Jahre länger fliegen zu lassen, wird sicher auch nichts … (Space News, Space.com, Space Politics 4., Universe Today, Space News 5.3.2010) NACHTRAG: Am 15. April wird Obama selbst erklären, was Sache ist.

Aufwind für das VASIMR-Antriebskonzept könnte der neue NASA-Plan bringen: Diese Variable Specific Impulse Magnetoplasma Rocket wird immerhin schon lange von der Privatfirma eines Ex-Astronauten entwickelt und könnte in etwa 4 Jahren erstmals im Orbit erprobt werden. Das Versprechen ist eine Reise zum Mars in nur 39 Tagen: Zwischendurch wird bis auf 55 km/s beschleunigt, bevor wieder gebremst wird. Die kurze Reisezeit würde viele gewichtige Probleme eines Marsflugs beseitigen. (AFP, Daily Galaxy 26.2., Space.com 5.3.2010)

Der indische Raumfahrt-Haushalt steigt gewaltig

Und zwar um rund 1/3 auf etwa 800 Mio. Euro für die Raumfahrtbehörde ISRO: Darin enthalten sind u.a. 25 Mio. Euro für Vorarbeiten für ein bemanntes Programm (das insgesamt auf 2 Mrd. Euro taxiert wird), 42 Mio. Euro für eigene Navigationssatelliten und 5,5 Mio. Euro für den Sonnensatelliten („Indischer Sonnenforschungs-Satellit …“) Aditya. (PTI, Sify 26., Times of India, Domain B 27.2., India Today, PTI 1., PTI 3. , Space Politics 4.3.2010) NACHTRAG: ein langes DPA-Feature zu Indiens Weltraum-Ambitionen.

Der erste in Indien gebaute Nanosatellit Jugnu wird am 6. März feierlich von der indischen Präsidentin Pratibha Devisingh Patil persönlich an die ISRO übergeben: Er wiegt weniger als 3 kg und trägt eine Kamera und einen GPS-Empfänger. Gestartet werden soll im August oder September auf einem PSLV. (Homepage; Times of India 3., PTI 5.3.2010)

Test der indischen Raketenstufe GSLV Mk III vorzeitig beendet

Statt 200 Sekunden brannte die Flüssigkeits-Kernstufe L110 der neuen indischen Rakete GSLV Mk III bei einem Test am 5. März nur 150 Sekunden, da einer von rund 500 Parametern aus dem Ruder gelaufen war. (ISRO Release, The Hindu, Deccan Herald 6.3.2010) NACHTRAG: Für die Überschriften-Dichter hier wie auch hier war’s ein glatter Fehlschlag.

Premiere für neue indische Höhenforschungs-Rakete: Das Advanced Technology Vehicle (ATV-D01) absolvierte am 3. März einen kurzen Flug bis in 46 km Höhe, womit die Grenze des Weltraums nicht touchiert wurde. War auch nicht nötig: Getestet wurde Technologie für einen passiven (luftatmenden) Scramjet, wofür 7 Sekunden lang mit Mach 6 geflogen wurde. (ISRO Release 3., The Hindu 4., Parallel Spirals 5., Jonathan’s Space Report #624 6.3.2010)

Luken auf: der neue Blick aus der ISS

17. Februar 2010

Gute Aussichten: das erste Bild vom Blick aus der fertig installierten Cupola auf dem Node 3, natürlich wieder getwittert vom japanischen Astronauten. Zum neuesten Teil der ISS auch ein ESA Press Release – der geheimnisvolle „Anwendungen für die Weltraumforschung“ erwähnt – und Artikel von Space.com, Universe Today, Cumbrian Sky (über dessen Sichtweise man streiten kann – hab‘ ich jetzt aber keine Lust zu …), Space Today und Spiegel.

ISS-Astronaut twittert Erdbilder aus dem Orbit

30. Januar 2010

Seit kurzem ist die International Space Station direkt ans Internet angeschlossen, was es der Besatzung u.a. auch erlaubt, direkt zu twittern. Soichi Noguchi macht davon nun auf besonders sinnvolle Weise Gebrauch: Via TwitPic schickt er beeindruckende Bilder der Erde aus der Umlaufbahn quasi live an seine Fans, deren es v.a. in Japan einige gibt – hier z.B. von Tokyo bei Nacht, aber auch von leuchtenden Nachtwolken über der Antarktis oder der Golden Gate Bridge. Na, da ist ja die bemannte Raumfahrt, deren geplantes Schicksal in den USA wir Montag-Abend mit dem NASA-Etat erfahren werden, ja doch zu was gut … NACHTRAG: Was Noguchi twittert, wird nicht zensiert. NACHTRAG 2: eine weitere Sammlung – der Mann twittert unaufhörlich! NACHTRAG 3: Noguchi übt schon mal, vor seinem Flug.

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

26. November 2009

Die gesamte Erdoberfläche – aus 9500 Landsat-Bildern

„Absolut gratis“ und „zugänglich für jedermann“ ist ein gewaltiges Mosaik aus Farbbildern der Landsat-Satelliten (und auch ein paar anderer, um Lücken zu schließen) von 2004-7: Auflösung durchgängig 30 Meter, nirgends Wolken, und jeder Punkt festen Landes ist dabei. Früher hätte solch ein Datensatz mal 36 Mio.$ gekostet! (NASA Earth Observatory 18.11.2009)

Grünes Licht für CryoSat 2: Die Startkampagne für den 25.2.2010 hat begonnen. Nach GOCE, dessen Inbetriebnahme am 23.11. abgeschlossen war, und SMOS, der seine ersten Testbeobachtungen mit der MIRAS-Antenne gemacht hat, wird CryoSat 2 der dritte Earth Exoplorer der ESA – mit dem ersten Platz hat’s nicht geklappt, weil der erste CryoSat einer versagenden Rakete zum Opfer fiel. (ESA Releases 19., 20., 25. 11.2009)

Meeressatellit QuikScat nach zehn Jahren ausgefallen

Seit dem 23.11. bewegt sich die Radarantenne des US-Satelliten nicht mehr, mit der er einen 1800 km breiten Meeresstreifen überstreichen und durch die Rückstreuung Windrichtung und -geschwindigkeit bestimmen konnte – dieses Verfahren erwies sich bald als so nützlich, dass es auch in die operative Wettervorhersage einbezogen wurde, v.a. für die Hurrican-Beobachtung. Eigentlich waren die Mission nur auf 2 und die Antennenmechanik auf 5 Jahre ausgelegt, so dass der Ausfall der letzteren nicht überraschend kommt. Sollte die Antenne starr bleiben, kann der ansonsten intakte Satellit vielleicht noch für andere Aufgaben eingesetzt werden; die Meteorologen aber müssen sich andere Datenquellen suchen. (JPL Release 23., Spaceflight Now, Sun Sentinel 24.11.2009) NACHTRAG: Space News zu den Konsequenzen.

GRACE-Satellit hilft bei Bestimmung der Meerwasser-Menge: Kurzzeitige Schwankungen in der räumlichen Verteilung der Ozeanwassermassen sind aus Messungen des Erdschwerefeldes des Satellitenpaares (siehe Artikel 447) und andere Daten ermittelt worden, was u.a. für bessere Klimamodelle wichtig ist. (Uni Bonn PM 11., NASA Earth Observatory, BBC 12.11.2009)

Neue Hinweise auf einen früheren Ozean auf dem Mars

Diesmal ist es eine halbautomatische Analyse von Flussbetten auf dem Mars, die für häufige Regenfälle in ferner Vergangenheit sprechen soll – und dafür, dass es damals auch einen (und zwar genau einen) substantiellen Ozean gab, während der Rest des Planeten eher wüstenhaft war. Das Netz der Flüsse ähnelt nun dem irdischen stärker als bisher. (Northern Illinois University Press Release 23.11.2009)

Neue Software soll den MRO schützen, bevor er aus seinem Safe Mode aufgeweckt wird: Der – riskante – Update des Flashspeichers soll verhindern, dass der Marsorbiter bei einer Verkettung unglücklicher Umstände auf einmal glaubt, er sei noch auf der Erde … Wann der MRO die wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen darf, ist noch völlig unklar. (JPL Release 24.11.2009)

Kaum zu glauben: Die „Mars-Bakterien“ sind wieder da. Oder?

Begleitet von abstrusen Schlagzeilen wird in areophilen Kreisen eine dicke Arbeit gefeiert, nach der die winzigen Magnetitkristalle im Marsmeteoriten ALH 84001 – das letzte verbliebene mögliche Indiz für Spuren vergangenen Lebens in dem Brocken – allein biologisch erklärt werden können. Neue Mikroskope hätten alle alternativen Erklärungen, wie sie sich schon vor 10 Jahren durchgesetzt hatten (siehe z.B. Artikel 171), vom Tisch gefegt. Unter den Autoren des Papers sind allerdings viele, die auch auf demjenigen Paper gestanden hatten, das den ALH-Wirbel 1996 ausgelöst hatte, und die danach immer mehr in die Defensive geraten waren. Da ist kaum zu erwarten, dass das Pendel in Sachen Marsbakterien nun plötzlich in die andere Richtung schwingt … (Spaceflight Now 24., IO9 25., Cumbrian Sky 26.11.2009) NACHTRAG: Ein Chemiker liest das Paper.

Keine „Fly-By-Anomalie“ bei Rosettas letztem Erdbesuch: Die Kometensonde folgte perfekt den Kepler’schen Gesetzen, wie auch beim 2. Flyby, während es beim 1. zu einer ungeklärten – winzigen – Abweichung gekommen war. Das finden die Auswerter nun irgendwie unbefriedigend. (Rosetta Blog 23.11.2009)

Eine größere Rolle der EU in der europäischen Raumfahrt

schwebt wohl EC-Präsident M. Barroso vor, der den Weltraum zu einer seiner Prioritäten seiner 2. Amtszeit machen will. Während Europa insgesamt rund 6 Mrd. Euro im Jahr für Raumfahrt ausgibt, beträgt der direkte EU-Anteil nur 700 Mio. Euro: Das soll ab nächstem Jahr anders werden, v.a. wenn sich in der 2. Jahreshälfte ein großer Weltraumgipfel in Brüssel die Weichen stellt. Bis dahin wird man auch wissen, wohin die US-Raumfahrt steuert und dann ggf. eigene Beiträge definieren können – an einigen Explorations-relevanten Technologien wird bereits gearbeitet. (AW&ST 2.+16.11.2009 S. 30/53)

Wichtigste Bodenstation für die Galileo-Satelliten eingeweiht: Im Guiana Space Centre bei Kourou entsteht die umfassendste der zahlreichen Bodenstationen für die Kontrolle der 30 europäischen Navigationssatelliten. (ESA Release 20.11.2009)

Braucht das Vereinigte Königreich eine eigene Raumfahrtbehörde?

Während das Science & Technology Facilities Council im Prinzip eine Umwandlung des British National Space Center (BNSC) in eine richtige Weltraumagentur befürwortet, ist das ebenfalls im BNSC involvierte Natural Environment Research Council dagegen und würde eine Earth Observation Partnership bevorzugen. (AW&ST 19.+26.10.2009 S. 32/23) NACHTRAG: Die Agentur wird kommen, steht seit dem 10.12. fest, wie BIS, BNSC, STFC, R.A.S., BBC, Space News, Nature Blog und Space Today berichten.

DLR liefert Nasenkappe für EXPERT-Weltraumkapsel aus, eine europäische Testplattform für Wiedereintrittstechnologie (European eXPErimental Reentry Testbed), die im Auftrag der ESA Daten bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre sammeln wird. Im Herbst 2010 soll sie mit einer russischen Volna-Trägerrakete von einem U-Boot im Pazifik aus starten, einen suborbitalen Flug absolvieren. (DLR PM 19.11.2009)

Planung für bemannten Asteroidenflug läuft längst

Während noch gar nicht ausgemacht ist, dass die NASA-Raumfahrt künftig dem „flexible path“ folgen wird, laufen längst Studien, wie man mit Orion-Kapsel zu einem erdnahen Asteroiden fliegen könnte: LockMart hatte dazu mit der Studie „Plymouth Rock“ bereits Vorarbeit geleistet. Solch eine Reise – realistisch im Zeitraum 2020-25? – gilt als Mittelweg zwischen Mond (war’n wir schon) und Mars (weit weg): Sie würde etwa 1/2 Jahr dauern. (Space.com 23.11.2009) NACHTRAG: Auch die Huntsville Times hat davon gehört.

Die ESA hat Node 3 „Tranquility“ an die NASA übergeben, das letzte große Stück Euro-Hardware für die ISS: Die Lieferung war 1997 im Rahmen eines groß angelegten Tauschhandels beschlossen worden, geliefert werden soll per Shuttle im Februar 2010, inklusive der Aussichts-Cupola. (ESA Release 21.11.2009. Auch Spaceflight Now 21.11. zu den neuen Gyros für die ISS und Wired 18.11.2009 über den ersten bloggenden ISS-Kosmonauten)

Vorsichtige Annäherung USA – China in der Raumfahrt

„The United States and China look forward to expanding discussions on space science cooperation and starting a dialogue on human space flight and space exploration, based on the principles of transparency, reciprocity and mutual benefit,“ heißt es in einem U.S.-China Joint Statement vom 17.11. anlässlich von Obamas China-Besuch: „Both sides welcome reciprocal visits of the NASA Administrator and the appropriate Chinese counterpart in 2010.“ Wohin die Reise allerdings gehen wird, ist noch sehr unklar – insbesondere, ob Chinas lange gehegter Wunsch nach Zugang zur ISS in Erfüllung gehen kann. Auch der Augustine-Bericht hatte „signifikantes Potenzial“ Chinas bei einer Partnerschaft gesehen. (CNET, Space News 17., Space Today 18., Discovery 19.11.2009 sowie AW&ST 2.11.2009 S. 27)

Iran will einen Nachrichtensatelliten starten – Ende 2011, auf einer eigenen Rakete: Dieser Plan wird auch deswegen vorangetrieben, weil Italien wie Russland den Start des Satelliten verweigert haben. Und dass die eigenen Raketen orbitfähig sind, hatte der Iran bereits diesen Februar bewiesen, als ein Testsatellit 2 Monate im Orbit blieb. (MSNBC 20.11.2009)

Zivil-Kosmonaut und Raketenentwickler gestorben

Im Weltraum war Konstantin Feoktistov nur einmal gewesen, 1964 mit Voskhod 1, der ersten Kapsel für mehr als einen Passagier – aber er war der ersten Raketenwissenschaftler überhaupt, der sein Produkt auch persönlich testete. Und wie nur wenige war er kein Militär und auch kein Mitglied der KPdSU, doch seiner Karriere schadete das nicht: Noch bis 1990 war Feoktistov Chefentwickler bei Energia und an zahlreichen sowjetischen Raumfahrtprojekten der SU beteiligt gewesen. Am 21. November starb er mit 83. (CollectSpace, BBC 22., New York Times, Nature Blog 23., Space Today 24.11.2009)

Russischer Kosmonaut beklagt zielloses Programm: Mikhail Tyurin wurmt insbesondere, dass es immer noch keinen Soyuz-Nachfolger gibt, ja man sich noch nicht einmal über die grundlegende Technologie (Landung als Shuttle oder am Fallschirm) einig sei. (MSNBC 20.11.2009)

Die Erde bei Nacht aus Sicht der OSIRIS-Kamera auf Rosetta

13. November 2009

rosetta-usESA ©2009 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Jetzt kommen sie herein, die ersten Rosetta-Bilder der Erde noch vor der größten Annäherung: oben eine 10-sec-Aufnahme der USA von OSIRIS im Telemodus (einige Städte sind unter Wolken und erscheinen daher diffus) heute morgen, unten Südamerika und die Antarktis im „Gegenlicht“ gestern abend mit derselben Kamera.

rosetta-crescentESA ©2009 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA