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Sandra gegen die Raumfahrt: „Gravity“ im Kino

3. Oktober 2013

Seit heute ist es also im Kino zu sehen, sogar einen Tag früher als in den USA, das lang ersehnte ‚Space-Drama‘ „Gravity“, über das selbst hier schon zweimal berichtet worden war, hier (unten) und hier (oben). Da mehrere Trailer – hier der neueste – und v.a. drei Schlüssel-Clips längst die Grundidee des Films verraten haben, kann hier spoilerfrei konstatiert werden: Er hätte auch „Sandra Bullock gegen die gesamte Technik der bemannten Raumfahrt des 21. Jahrhunderts“ heißen können. Letztere wird in einer phänomenalen Detailfülle und -treue ins dreidimensionale Bild und mit durchweg realistischer Physik in Bewegung gesetzt: Allein deswegen ist der Film ein absolutes Must-See für Weltraumfans, so wie es 1997 „Contact“ mit seinen üppig ins Bild gesetzten Radioteleskopen für Astronomiefreunde – oder 1969 „Marooned“ für die Raumtechnik der Apollo-Ära – war. Glaubwürdige Dramatik kommt freilich kaum auf, denn die Kette unwahrscheinlicher Wendungen in „Gravity“ erinnert eher an Katastrophen-Trash wie „2012“ und wirkt mitunter – sicher unbeabsichtigt – erheiternd.

(AB HIER HAGELT’S SPOILER!) Die erwähnte Weltraumtechnik nämlich, die nacheinander einen Space Shuttle (die fiktive „Explorer“), das (echte) Hubble Space Telescope, die ISS, eine Soyuz, eine (fortgeschrittene) Tiangong-Station und eine Shenzhou-Kapsel umfasst, wird im Laufe des recht kurzen Films in dieser Reihenfolge auch gnadenlos geschrottet, während Bullock verzweifelt einen Weg zurück zur Erde sucht. Schuld ist eine – immer exakt nach 90 Minuten – wiederkehrende dichte Wolke aus Raumschrott, die durch eine Kettenreaktion nach einem russischen Antisatelliten-Experiment entstanden ist. Und zwar binnen weniger Minuten, während einer EVA bei einer fiktiven zukünftigen Hubble Servicing Mission („STS-157“), deren filmische Umsetzung fast wie ein Sequel des 3D-Hubble-IMAX-Films anmutet. Mit erheblich abwechslungsreicheren Kameraperspektiven natürlich – und einem sinnlos mit einer Art MMU durch die Gegend kurvenden George Clooney, der nur deswegen den Orbiter verlassen hat, um einen russischen Freiflugrekord zu brechen.

Ein dritter EVA’ler albert derweil scheint’s auch nur herum, während sich lediglich Bullock – dafür mit feistem Akkuschrauber – um das HST und seine widerspenstige Elektronik bemüht. Man würde gerne länger in diesen ruhigen und geradezu hyperrealistischen Bildern schwelgen, doch plötzlich geht alles ganz schnell: Ein besonders großes Trümmerstück trifft eine Tragfläche des Shuttles, der in wilde (und für die 3D-Technik allzu dynamische) Rotation versetzt wird. Nur die beiden Darsteller überleben (und finden dank der MMU recht flott wieder zusammen; richtig einsam wird’s für Bullock erst gar nicht) – ihr Shuttle aber nicht. Dann eben: nichts wie auf zur ISS, praktischerweise ganz in der Nähe und in MMU-Reichweite. (Dass sich in der Realität Bahnneigung wie -höhe stark unterscheiden? Wen schert’s.) An der ISS kommt Bullock Clooney leider bald abhanden, diesmal endgültig, und nicht lange danach auch die Station selbst – samt einem andockten ATV übrigens, dem einzigen erkennbaren Stück ESA-Technik.

Erst brennt’s im japanischen Modul, und dann kommt natürlich die dumme Schrottwolke wieder. An der ISS indes ist trotz der geordneten Evakukierung ihrer Besatzung wundersamerweise noch eine Soyuz angedockt – mit der Bullock der in Trümmer fallenden Station zu entkommen versucht, nicht leicht mit dem dort verhakten Fallschirm (aber es gibt ja noch den coolen Akkuschrauber). Dann geht’s jedoch immer noch nicht weiter, denn … der Tank ist leer! Zum ersten und einzigen Mal wird es jetzt tatsächlich ein bisschen ruhig im Weltraum, denn das nächste(!) Ziel der Rundreise im LEO, eine chinesische Tiangong-Station offenbar der nächsten oder übernächsten Generation, ist zwar wieder ziemlich nah aber doch unerreichbar fern. Schon dem Tode nah und schwer suizidal rettet unsere Astronautin im letzten Moment – in dem (siehe „2012“) in „Gravity“ eigentlich immer alles passiert – eine Clooney-Vision: Zünde gefälligst die Feststoff-Bremsraketen, die eigentlich zum Abbremsen der Landung 3 Meter über dem Boden dienen!

Das klappt natürlich super, und an der Tiangong angehalten wird halt mit dem Rückstoß des Strahls eines Feuerlöschers – nur dumm, dass die Station in diesem Moment(!) im Begriff ist, in der Atmosphäre zu verglühen. Flugs die angedockte Shenzhou-Kapsel geentert (auch die Chinesen haben wohl derer zuviele – mit praktischerweise der gleichen Tasten-Anordnung wie in der Soyuz) und irgendwo auf der Erde gewassert. Um – Gus-Grissom-Style – beinahe am Schluß noch zu ertrinken. Bullock schleppt sich an Land, in einer Szene, die diesen Blogger heftig an den Beginn von „Planet of the Apes“ erinnerte: Nur erscheint statt eines Gorillas zu Pferde … der Abspann. Ist ja auch nichts mehr übrig zum Kaputtmachen. Und der Zuschauer hinreichend außer Atem … Eine Infoseite der NASA (während des Shutdowns via Google Cache), Kommentare zur wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit hier (TV-Clip), hier, hier (mehr und mehr), hier, hier, hier, hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Plus das $€-Ergebnis.

Der 2020-er NASA-Rover soll nach totem Leben auf dem Mars suchen – und schon mal Steine für (vielleicht) eine viel spätere Abholung sammeln

9. Juli 2013

2020a

Aus einem 154-Seiten-Bericht, einem Press Release (alt.), einer FAQ-Liste, einem 3-Min.-Werbevideo und einer Telecon (auch live gebloggt) konnte man heute lernen, wozu der letzten Dezember überraschend angekündigte Nachbau von Curiosity nach den Überlegungen seines Science Definition Teams gut sein soll: Mit seinen noch nicht näher definierten Instrumenten (für die es eine offene Ausschreibung geben wird) soll er nach Spuren vergangenen Lebens suchen. Und gleichzeitig bis zu 31 interessante Steine und Bodenproben in einem Behälter sammeln, auf dass sie irgendwann von irgendwem – frühestens Mitte der 2020-er Jahre einem anderen Roboter oder noch viel später gar Astronauten – auf einen Schlag abgeholt werden könnten. Auch diese oder jene Technik für bemannte Missionen soll bei der Mission erprobt werden, die etwa 1.5 Mrd.$ kosten soll, inklusive 80-100 Mio.$ für die Instrumente und zzgl. dem Start.

Selbst Marsfans schwer zu vermitteln ist dabei, warum die Suche nach Lebensspuren „der nächste logische Schritt“ sein soll und nicht endlich gezielt nach heutigem Leben auf dem Mars gefahndet werden soll (wie es einst 1976 die Vikings mal versuchten): Zum einen sei die zum Mars transportable Analytik für eindeutige Nachweise lebender Mikroben einfach nicht weit genug, hieß es dazu auf der Telecon – und jene seien, so es sie denn gibt, auch dünn gesät und v.a. in eher unzugänglichem Gelände zu vermuten. Für die Zielliste des Klons von Curiosity sind u.a. auch dessen Alternativen wieder im Rennen, aber dank einer verbesserten Version des Skycranes mit genauerem Zielanflug auch viele verdächtige Plätze, die bisher off limits waren: weitere Artikel auch hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier und hier]. Auch ein „Film“ von beiden Marsmonden aus Opportunitys Sicht.

2020b

So sieht der LRO die Landestellen von Surveyor 3 und Apollo 12, der 2. bemannten Mondlandung mit dem Lunarmodul „Intrepid“ nur 155 Meter von dem unbemannten Lander entfernt: Der Krater, in dem letzterer sitzt, ist heute heller als vor den Landungen, offenbar weil die Düsenstrahlen – auch die Intrepid flog dicht drüber hinweg – die Beschaffenheit des Bodens veränderten. Und die kuriose Rechtsfrage, ob die USA auf dem Mond einen Nationalpark einrichten könnten … [NACHTRAG: hier, hier und hier mehr Artikel dazu]

2020c

Der erste Italiener auf einem „Weltraumspazierung“

war heute Luca Parmitano, der bei einer 6-stündigen EVA auf dem kanadischen Robot-Arm herumfahren durfte und danach erstmal sprachlos war. Zusammen mit einer weiteren EVA am 16. Juli ging es v.a. um die Vorbereitung der Ankunft des russischen Multipurpose Laboratory Module evtl. noch dieses Jahr: weitere Artikel hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: noch ein Mini-ESA Release und mehr Links] Auch die vermutliche Ursache des Proton-Disasters (ein falsch herum montierter Sensor) und die nun von der ESA ausgewählte Konfiguration „Multi P Linear“ für die Ariane 6, die zwar weniger trägt als die Nr. 5 aber auch weniger kostet. NACHTRAG: mehr Links.

Während wir weiter auf das ISS-Foto warten …

31. Mai 2011

… gibt’s hier schon mal welche ohne Endeavour dran: entstanden von Bord derselbigen aus nach dem Abdocken am 29. Mai; außer um solche Pretty Pictures der – aus US-Sicht – nunmehr kompletten Raumstation (hat ja nur 13 Jahre gedauert …) ging es bei den Fotos auch um das Troubleshooting einer Antenne des ATV. Unten noch die andockte (und ‚geleerte‘) Endeavour über der nächtlichen Erde am 28. und eine nächtliche Impression der ISS vom 27. Mai – und zwei fischäugige Schnappschüsse eines Astronauten während der 4. und letzten EVA von STS-134 am selben Tag, während der die 1000-Stunden-Marke für Ausstiege im Zusammenhang mit dem ISS-Bau passiert wurde. Und sie dürfte zugleich die letzte EVA des gesamten Shuttle-Programms gewesen sein, denn beim letzten Flug STS-135 – der am 8. Juli beginnen soll – sind keine Ausstiege mehr geplant.