Posts Tagged ‘Exoplanet’

Kepler 10b: der erste „fraglos felsige“ Exoplanet

10. Januar 2011

Nimm das, CoRoT-7b: Einst als der Durchbruch in der Exoplaneten-Forschung gefeiert, ist die Masse dieses Fundes des europäischen CoRoT-Satelliten inzwischen so unklar, dass sie irgendwo zwischen Null und 10 Erdmassen liegen kann (s.a. ISAN 118-8 [NACHTRAG] und dieses Paper, S. 7), womit auch so ziemlich jede Dichte möglich ist. Hat gerade Natalie Batalha, die stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des US-Konkurrenten Kepler auf einer Pressekonferenz auf der 217. AAS-Tagung in Seattle erzählt (Screenshot eines geheimen Webcasts für Astrojournalisten) – die nun den „ersten fraglos felsigen Exoplaneten“ Kepler 10b präsentierte. Die Amerikaner hatten einfach mehr Glück mit ihrem Stern: Er verhält sich wesentlich friedlicher als der chaotische CoRoT-7, und so lassen sich Masse (ca. 4.6 Erden) und Dichte (8.8 g/cm^3; der mögliche Bereich soll nach anderen Angaben zwischen 6 und 11 g/cm^3 liegen) von Kepler-7b schärfer angeben.

Nach allen Modellen für den Aufbau eines Planeten muss er felsiger Natur sein, irgendwo zwischen einem erdähnlichen Aufbau und überwiegend Eisen. Exoplaneten-Guru Geoff Marcy (im Bild ganz rechts) fand das auf der PK „bewegend“. Mit 1.4 Erddurchmessern ist Kepler-10b auch der kleinste bisher entdeckte Exoplanet; er kreist – alle 0.84 Tage – um einen sonnenähnlichen Stern, der allerdings 8 Mrd. Jahre alt ist. Ob es noch mehr ähnliche Fälle unter den noch unveröffentlichten Kepler-Planeten gibt, wurde heute allerdings nicht verraten: Die nächste große Veröffentlichung gibt’s im Februar. NACHTRAG: Der oben verlinkte Screenshot des Diagramms wird bereits hier im Cosmic Diary verwendet! NACHTRAG 2: Im Gegensatz zu dieser Darstellung ist ein alter OGLE-Planet übrigens keine Konkurrenz für den Kepler-Planeten. NACHTRAG 3: hier noch das Paper zur Entdeckung, weitere Grafiken und ein 3-Minuten-Video mit heißer(!) Animation ab 1:30.

Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

25. August 2010

NJIT und Ciel & Espace

Ein Sonnenfleck mit ~80 km Auflösung vom neuesten Sonnenteleskop, dem NST (siehe ISAN 96-8) des Big Bear Solar Observatory: Eine erste Adaptive Optik mit ’nur‘ 97 Aktuatoren hat hier die Luftunruhe ausgeschaltet; 2011 wird ein System mit 394 Stempeln unter einem biegsamen Spiegel eingesetzt.

Die Außenbezirke des Ringnebels, siehe auch ISAN 97-6: hier mal mit dem Isaac Newton Telescope auf La Palma im Licht von H-Alpha, O III und S II.

Der Galaxienhaufen CLG J02182-05102 mit z=1.6 in einer kombinierten Aufnahme des Subaru-Teleskops (700 nm = blau) und des Spitzer-Satelliten (4.5 und 24 µm = grün & rot): Bei den „grünen und roten“ Galaxien findet noch viel Sternentstehung statt, auch im Zentrum des – auch aus diesem und diesem Press Release bekannten – Haufens statt, wo in jüngerer Zeit alte Sterne dominieren.

Sitzt der fernste Quasar in einem Proto-Galaxienhaufen?

Sieben Lyman-Break-Galaxien sitzen am Himmel in der Nähe des fernsten bekannten Quasars (mit z=6.4 Rotverschiebung), während anderswo in einem gleich großen Feld nur eine zu finden ist. Leider gibt es noch keine Spektren, die zeigen würden, ob die Galaxien gleich weit entfernt sind und damit zu dem Quasar gehören, aber verdächtig ist die Häufung schon. Und die Galaxien scheinen einen Ring um den Quasar zu bilden: Vielleicht unterdrückt er ihre Entstehung in seiner Nähe? (Utsumi & al., Preprint 4.8.2010)

Tiefste Himmelsdurchmusterung in harter Röntgenstrahlung abgeschlossen: Dank neuer Datenverarbeitung gibt es nun vom ESA-Satelliten INTEGRAL die tiefste Himmelskarte bei Energien von 17 bis 60 keV; Massenweise unbekannte Quellen sind zu erkennen. (ESA Science Release 11.8.2010)

Gammastrahlung während einer Nova-Explosion

hat der Fermi-Satellit während eines Ausbruchs des symbiotischen Doppelsterns V407 Cygni im März gesehen: mit 1-10 GeV, während man sonst höchstens Röntgenstrahlung von derlei thermonuklearen Explosionen auf der Oberfläche eines Weißen Zwergs kannte. Da hat wohl die Nova-Schale mit dem umgebenden Gas (vom Partner, einem Roten Riesen und Mira-Stern) wechselgewirkt. (Fermi-LAT Colloab., Science 329 [13.8.2010] 817-21; NASA Release, Uni Innsbruck PM 12., NRL Release 23.8.2010) NACHTRAG: Dann müsst’s auch Neutrinos mit hoher Energie geben, die nachweisbar wären.

Der 24. Sonnenfleckenzyklus begann um den 6. November 2008, womit der 23. mit 12.6 Jahren relativ lang war: Das schließen bulgarische Astronomen aus vier verschiedenen Messreihen solarer Daten. Und aus dem langsamen Anstieg der Aktivität seither folgern sie( anhand einer ziemlich verrauschten Korrelation), dass das kommende Maximum mit einer mittleren Fleckenzahl um 70 besonders mau ausfallen wird. (Komitov & al., Preprint 2.8.2010)

Ein Exoplanet mit schrumpfender Bahn?

Die Umlaufsperiode des Transitplaneten OGLE-TR-113b scheint um 60±15 Millisekunden pro Jahr abzunehmen: Entweder zieht da ein anderer (unbekannter) Planet mit langer Periode an ihm – oder aber die Bahn schrumpft, weil ihr Gezeiteneffekte mit der Stern Energie entziehen. So etwas gilt bei sternnahen Planeten wie diesem als denkbar, wurde aber noch nie direkt beobachtet. (Adams & al., Preprint 10.8.2010)

Neue Verwirrung um TMR-1C: Jenes schwache Himmelsobjekt, das die NASA 1998 allzu forsch als „erstes Bild eines extrasolaren (Ex-)Planeten“ anpries, bevor es 2000 zu einem Stern im Hintergrund erklärt wurde, ist möglicherweise doch ein planetarer Körper – aber das Spektrum macht immer noch keinen rechten Sinn. (Petr-Gotzens & al., Preprint 29.7., Rias & Martin, Preprint 6., Science News 12.8.2010) NACHTRAG: noch ein Artikel über die beiden Papers. NACHTRAG 2: und noch einer vom selben Autor.