Posts Tagged ‘FASTSAT’

NanoSail D überraschend aus FASTSAT geflutscht!

20. Januar 2011

Nachdem das – zunächst irrtümlich als Erfolg gefeierte – Aussetzen des Nanosatelliten NanoSail D aus dem FASTSAT offensichtlich nicht stattgefunden hatte („Keinerlei Kontakt …“), war die Ratlosigkeit groß. Aber zumindest war der Deckel aufgegangen, die anderen fünf Experimente auf dem FASTSAT arbeiteten einwandfrei, und dieser Satellit meldete regelmäßig seinen Zustand. Und am Morgen des 19. Januar, anderthalb Monate nach dem misslungenen Manöver, staunte die Flugkontrolle nicht schlecht: NanoSail war weg, hatte sich spontan selbst auf den Weg gemacht! Bald darauf wurden auch schon seine Funksignale von alarmierten Amateurfunkern in aller Welt empfangen (auch von solchen, die für die NASA arbeiten – und vor Freude unter der Decke hingen, wie sie in ihrem Blog erzählen). Wenn beim Verlassen des FASTSAT auch der Timer gestartet wurde, dann müsste sich das Sonnensegel gegen 4 Uhr MEZ morgen früh entfalten, während die Batterie des Funksenders nach etwa drei Tagen schlapp machen dürfte: Ab dann sind auch Amateurastronomen gefragt (siehe ISAN 124-2), das Schicksal des Experiments zu verfolgen. (NASA Release, WA4NZD, Universe Today 19., Centauri Dreams, NanoSail-Tweet 20.1.2011 – und ein ‚Dashboard‘ verrät den aktuellen Zustand, während eine Echtzeit-Grafik die Bahn des Satelliten zeigt)

Rosetta in der Mitte von einer enormen Bahnkorrektur

Um nach kurz vor dem großen Winterschlaf endgültig Kurs auf den Zielkometen Churyumov-Gerasimenko zu nehmen, führt dessen künftiger Orbiter Rosetta vom 17. bis 23. Januar eine starke Bahnänderung durch: Viermal wird sein Haupttriebwerk eingeschaltet, zusammen 17 Stunden lang, um insgesamt ein Delta–v von 778 m/s auszuüben. Das ist viel mehr als typischerweise bei solchen Deep Space Maneuvers nötig ist und passt eher zum Einschuss in einen Planetenorbit (Cassini z.B. bremste am Saturn mit 626 m/s). Erst wenn die vierte Zündung beendet und ausgewertet ist, soll das Ergebnis verraten werden: Die erste war einen Tick zu stark, aber das sollte am Ende wieder ausgeglichen sein. (Rosetta Blog, v.a. vom 18.1.2011; Planetary Society Blog 18.1.2011. Und ein ESA Release zu Tests an der nächsten großen ESA-Planetensonde BepiColombo)

Radaranlage des Lunar Reconnaissance Orbiter ausgefallen: Am 4. Januar hat das Mini-RF „eine Anomalie“ erlitten und liefert seither keine wissenschaftlichen Daten mehr – vermutlich ist der Sender ausgefallen. Auch wenn sich das Instrument nicht retten lässt: Mit über 400 Radarstreifen seit letztem September hat es seine Erfolgskriterien für den wissenschaftlichen Teil der LRO-Mission längst erfüllt. (Status 18.1.2011)

Akatsukis Orbit-Einschuss an schwindendem Treibstoff-Zufluss ins Triebwerk gescheitert

12. Dezember 2010

Das wäre Ihr Planet gewesen: Als der verhinderte japanische Orbiter Akatsuki diese Aufnahmen der Venus – bei 365 nm und 0.9 und 10 µm – am 9. Dezember im Rahmen eines Kameratests schoss, war die Sonde schon lange am Planeten vorbei gerauscht und bereits wieder 600’000 km entfernt. Zumindest ist seither klarer geworden, was schiefgegangen ist, wenn auch noch nicht endgültig warum – womit leider auch noch nicht gesagt werden kann, ob Ende 2016/Anfang 2017 ein zweiter Versuch einer Orbit Insertion möglich sein könnte. Die Informationen über den Zustand Akatsukis während des missglückten Manövers am 7. Dezember konnten inzwischen weitgehend herunter geladen werden, insbesondere zur Lage im Raum.

Gegen die Zeit in Sekunden aufgetragen ist in der Grafik die Orientierung in drei Achsen gegenüber dem Soll. Man sieht zu Beginn der Triebwerkszündung leichte Schwankungen, aber nach 2 1/2 Minuten kommt es plötzlich zu einem gewaltigen Ausbrechen der X-Richtung (nach neuen Erkenntnissen um maximal 42°): In diese schauen die wissenschaftlichen Instrumente, senkrecht zur (Z-)Hauptachse der Sonde, entlang der auch die Düse angeordnet ist. Diese Entdeckung führte zunächst zu allerlei Spekulationen von einem Zerbrechen der neuartigen und angeblich nicht ausreichend getesteten Keramikdüse, das zu seitlichen Austreten des Düsenstrahls geführt habe, bis zu einer – extrem unwahrscheinlichen – Kollision mit etwas im Venusorbit.

Doch inzwischen haben weitere Daten gezeigt, dass der Treibstoffzufluss in das Triebwerk seit Beginn des Brennens immer geringer geworden war und schließlich fast ganz zum Erliegen gekommen war: Offenbar war der Druck von Helium, das den Treibstoff in die Brennkammer drücken soll, abgefallen, vielleicht durch ein Leitungsproblem oder defekte Ventile. Der immer schwächere Düsenstrahl jedenfalls war es, der nach 2 Minuten und 32 Sekunden zu der gravierenden Instabilität der Lage Akatsukis führte. Die wiederum erkannte der Bordcomputer, brach die Treibstoffzufuhr ganz ab und versetzte Akatsuki danach in jeden Safemode mit Spinstabilisierung und Kommunikation nur über die Low-Gain-Antenne, in dem die Bodenkontrolle die Sonde später vorfand.

Mindestens 9 Minuten und 20 Sekunden der vorgesehenen 12 Minuten hätte das Triebwerk mit voller Leistung brennen müssen, um eine Umlaufbahn zu erreichen: Das war bei weitem verpasst worden, und auch wenn noch rund 80% des Treibstoffs vorhanden sein sollten, war rasch klar, dass es für eine Art ‚Notbremsung‘ und einen improvisierten weiten Orbit niemals langen würde, selbst wenn man die Technik rasch wieder unter Kontrolle brächte: Der Orbit Akatsukis blieb heliozentrisch. Alle Systeme an Bord der Sonde – mit Ausnahme des Raketenantriebs; auch eine Beschädigung der Düse durch das missglückte Manöver scheint möglich – scheinen immerhin intakt zu sein, etwa die bereits (s.o.) getesteten Kameras. Was genau dem Triebwerk widerfahren sein könnte, soll nun auch in Bodentests ergründet werden.

Akatsuki umrundet die Sonne etwas schneller als die Venus und wird sich ihr im Dezember 2016/Januar 2017 wieder bis auf 3.7 Mio. km nähern (wie die Grafik in einem Venus-orientierten System auf einem von einem Fan gestalteten neuen Missionspatch zeigt): Da noch 80% des Treibstoffs vorhanden sein sollten, dürfte das für eine Bahnkorrektur unterwegs und einen erneuten Einschussversuch im Prinzip reichen – so die Fern-Reparatur des Triebwerks gelingt. Die 6 Extrajahre wird sich Akatsuki mit Beobachtungen des Zodiakallichts vertreiben, an der steigenden Sonnenaktivität leiden aber seine Drallräder und Batterien schonen: Daran wird ein zweiter Versuch wohl nicht scheitern. Yomiuri Shimbun, Planetary Society Blog 11., Mainichi Daily News, Yomiuri 10., Mainichi, Yomiuri 9., Mainichi, Physics World, Nature News, Space Today 8., KosmoLogs 7.12.2010

Nach dem Dragon-Erfolg: Nächster Flug gleich zur ISS?

Der perfekte Erstflug einer Dragon-Kapsel auf der zweiten Falcon 9 („Der Start …“) – zusammen die erste Demonstration von Commercial Orbital Transportation Services (COTS) für die NASA – hat die Chancen erhöht, dass es letztere Space X erlauben wird, COTS-2 und -3 zusammen zu legen: Statt beim nächsten Mal im Sommer 2011 eine Dragon nur in die Nähe der ISS zu manövrieren, könnte dann eine Kapsel bis auf 10 Meter an die Raumstation heran navigiert werden, wo sie dann mit einem stationseigenen Roboterarm eingefangen und angekoppelt würde. (Der erste Testflug des 2. COTS-Kandidaten Taurus 2/Cygnus ist derweil für Ende 2011 angepeilt.) Vor einem ISS-Besuch muss die Dragon allerdings noch mit etwas mehr Redundanz in der Elektronik ausgestattet – und natürlich der Verlauf des Premierenfluges im Detail ausgewertet – werden; die Entscheidung treffen dann NASA-Spezialisten (der Chef Bolden hält sich da raus). Ebenfalls auf guten Weg sieht sich Space X nun auch bei der Option, die Dragon zu einem bemannten System für den Mannschaftstransport zur ISS weiter zu entwickeln: Ab Auftragserteilung würde das nur drei Jahre dauern.

Hauptmitbewerber wäre hier wohl die CST 100 von Boeing, und als Markt peilen beide nicht nur den NASA-Auftrag zum ISS-Verkehr an, was sich nur marginal rechnen würde: Auch private Raumstationen werden als fernere Ziele erhofft. Nachdem sie die Dragon im Orbit abgeliefert hatte, setzte die Falcon 9 übrigens noch ein paar Kleinsatelliten aus – und zündete dann das Triebwerk der 2. Stufe erneut, das bis in 11’000 km Höhe stieg: auch wieder eine verblüffende Leistung. Und das mit einer Düse der Stufe, von der man – nach der Entdeckung von zwei kleinen Brüchen – kurzerhand ein (aerodynamisch nicht relevantes) 1 m langes Stück mit einer Metallschere abgesäbelt hatte! Wenn die Dragon ein bemanntes Vehikel werden sollte, wird es wohl nicht mehr so leger zugehen können … (Houston Chronicle 11., Space.com, AW&ST, Fla. Today, Novosti [interessante russische Perspektive!], CollectSpace 10., Space Politics, Spaceflight Now, Space News, LA Times, Ars Technica, Wash. Post, Fla. Today, Orlando Sentinel, CNN, Space.com, Science Journalism Tracker 9., Atlantic, CSM, Space.com, AFP, Univ. Today, Planetary Soc. Blog, Space Today [früher] 8.12.2010 – und noch mehr Artikel & Bilder)

Keinerlei Kontakt zu NanoSail D – womöglich doch nicht ausgesetzt? Die NASA hatte zunächst keinerlei Zweifel erwähnt („NanoSail D von FASTSAT ausgesetzt …“), dass der Mikrosatellit den Nanosatelliten erfolgreich ausgestoßen hatte, doch seither sind keinerlei Signale von letzterem empfangen worden: Sein Status ist völlig unklar, und inzwischen gilt sogar als möglich, dass das Auswurfmanöver misslungen ist und er noch fest steckt. Die Halterungen für Nanosatelliten – konkret: CubeSats – sind zwar bewährte Technik, sitzen sonst aber immer direkt auf der Raketenoberstufe (wie zuletzt auch bei der Falcon 9): Hier war zum ersten Mal ein anderer Satellit der Träger. (Space Today 12., Spaceflight Now, Space.com 11., Universe Today, Centauri Dreams 10.12.2010) NACHTRAG: Die NASA scheint inzwischen sicher zu sein, dass NanoSail D noch im FASTSAT fest steckt.

Eine Rakete – sieben Satelliten – ein Sonnensegel

23. November 2010

Als am Morgen des 20. November (MEZ) eine Minotaur 4 von der Insel Kodiak in Alaska aus startete, erst der 2. Orbitalflug von dort, waren 16 militärische und zivile Experimente auf je nach Zählweise 6, 7 oder 8 kleinen Satelliten an Bord des Trägers, der aus Teilen der alten Peakekeeper-ICBMs und der Flügelrakete Pegasus besteht und der nunmehr bei allen drei Einsätzen funktioniert hat.

  • Hauptnutzlast war STPSat 2 mit zwei Experimenten des militärischen Space Experiment Review Board, die künftige Technologien erproben: Das Space Phenomenology Experiment testet Sensoren unter Weltraumbedingungen, und es geht um Daten-Relaisdienste.

  • Bekanntester Passagier ist wohl der FASTSAT mit sechs Nutzlasten: drei Instrumenten zur Atmosphären- und Weltraumwetter-Forschung, einem Threat Detection System, einem Mini-Startracker – und dem Subsatelliten NanoSail-D (3.7 kg), der etwa 7 Tage nach dem Start ausgestoßen werden soll. (NACHTRAG: Das soll am 28.11. geschehen. (NACHTRAG: Nee, verschoben!)) Es handelt sich um den ersten Sonnensegler der NASA, der in 650 km Höhe allerdings noch so viel Luftwiderstand spüren wird, dass ein Effekt des Strahlungsdrucks der Sonne auf das kleine Segel – „von der Größe eines 6-Mann-Campingzelts“ – kaum zu messen sein dürfte. Im Gegensatz zum interplanetaren IKAROS geht es hier auch um grundsätzliche Technologietests wie das Freisetzen eines Nanosatelliten aus einem Mikrosatelliten, das extrem kleine Verpacken des Segels und seine rasante Entfaltung mit einer Art Federmechanismus – und die Untersuchung, wie schnell die Bahn durch die Luftreibung verfällt (man rechnet mit 70 bis 120 Tagen). Solcherlei Technik könnte gezielt zum Entsorgen ausgedienter Satelliten verwendet werden. Da NanoSail-D weitgehend passiv ist, sind Amateurastronomen aufgerufen, das Segel im Sonnenlicht zu verfolgen: Es könnte Flares wie von den Antennen der Iridium-Satelliten geben, und die reflektierende Fläche ist 6-mal so groß.

  • Die zwei FASTRAC-Satelliten (Formation Autonomous Spacecraft with Thruster, Relnav, Attitude and Crosslink) sollen autonomen Formationsflug vorführen, durch Navigation per GPS und Kommunikation untereinander.

  • Der FalconSat 5 erprobt eine kleine Hall-Effekt-Düse und misst mit einem Spektrometer die Auswirkung von Düsengasen auf die Umgebung. Auch ionosphärische Effekte auf Radiokommunikation werden untersucht.

  • Der Radio Aurora Explorer (RAX) ist so groß wie ein Laib Brot und soll Radiosignale messen, die von der Ionosphäre gestreut werden, um Aurora-Prozesse besser zu verstehen.

  • Der CubeSat O/OREOS schließlich (Organism/Organic Exposure to Orbital Stresses) betreibt Astrobiologie: Es wird untersucht, wie zwei irdische Mikrobenarten (SELSO) und auch organische Moleküle, die man aus dem ISM kennt (SEVO), auf die harte Strahlung und Schwerelosigkeit im Weltraum reagieren. (NACHTRAG: Die ersten Daten in Echtzeit liegen schon vor!)

Alles zusammen heißt auch STP-S26 als 26. des seit 1967 laufenden Space Test Program der USAF und kostet inklusive der Rakete ungefähr 170 Mio.$ (wobei das NanoSail-D mit weniger als 1 Mio.$ zu Buche schlägt). Nacheinander wurden die Satelliten problemlos auf einer um 72° geneigten Bahn ausgesetzt, dann führte die Raketenoberstufe HAPS selbst noch ein größeres Bahnmanöver aus, um zu demonstrieren, dass die Minotaur bei einem Start Satelliten in verschiedenen Höhen aussetzen könnte. Zahlreiche Links zur Mission im Header des Cosmic Mirror #339, weitere Infos von einer Telecon am 9.11.2010.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

5. September 2010

ESA-Satellit GOCE sendet – nach schwerer Störung – wieder Daten!

Schon Anfang des Jahres war der primäre, am 18. Juli auch der Ersatzcomputer an Bord des Erdvermessers („Das erste globale Modell …“) ausgefallen, der für die Übertragung von Daten sorgt, aber wenigstens blieb die Verbindung zur Erde erhalten. Durch trickreiche Softwareänderungen ist es nun schon Anfang September gelungen, den wissenschaftlichen Betrieb wieder aufzunehmen: Man hatte erwartet, dass dies mindestens bis Monatsende dauern würde. (Nature Blog 3.9., Spaceflight Now 29., Spiegel 24., Nature Blog 23., BBC 21.8.2010) NACHTRAG: Später hat auch die ESA was zu sagen. NACHTRAG 2: Dem Satelliten war wohl zu kalt geworden, und das schon am 8., nicht 18., Juli.

Envisat wird noch ein großes Problem – als Weltraummüll: Der 8 Tonnen schwere ESA-Umweltsatellit von 1992 (siehe Artikel 425) wird sich nach Missionsende noch etwa 150 Jahre im Orbit halten – und dort wegen seiner Größe und Ausleger (26 x 10 x 5 Meter!) ein „ideales“ Ziel für kleine Teilchen Raumschrott abgeben. Wobei jeder Treffer wieder eine Wolke neuer gefährlicher Partikel produziert. Einmal musste der Satellit schon einem bekannten Stück Raumschrott ausweichen, sonst wäre er wahrscheinlich getroffen worden. Eine gezielte Entsorgung des Envisat hat die ESA bedauerlicherweise einzuplanen vergessen, so dass womöglich eine eigene Spezialmission dazu erforderlich werden könnte. (Space News 26.7.2010)

Indischer 850-Gramm-Satellit, von Studenten gebaut, sorgt für Schlagzeilen

Der StudSat war der kleinste von 5 Satelliten, die am 12. Juli ein indisches PSLV in den Orbit beförderte – und doch hat er im Lande für ein größeres Medienecho gesorgt als die größte und dramatisch teurere Nutzlast, der Erdbeobachter Cartosat 2B: Indiens winzigster Satellit ist nämlich das Werk von Studenten („Erster indischer „Studentensatellit“ …“) von vier Colleges, die auch noch vor 3 Jahren spontan auf diese Idee gekommen waren, nachdem sie einem Raumfahrtvortrag gelauscht hatten. Funkkontakt mit dem StudSat – weitere ähnliche Projekte laufen an diversen indischen Unis, und allerorten will man es nun auch versuchen – konnte rasch hergestellt werden; ob der Picosatellit schon Erdbilder geliefert hat, wurde bisher nicht bekannt. Die sollten 90-93 Meter Auflösung haben, während Cartosat 2B 80 Zentimeter schafft; erste Proben hat er schon geliefert. (ISRO Releases 12., 21.7.2010; Trak 28., Hindu 27.8., Hindu 22., Economic Times 18., Hindu, PTI [more] 14., Deccan Herald, Eureka 13., Hindu, Space News, Space Today 12., Hindustan Times, Sify 2.7.2010)

Die indische Turbopumpe war Schuld am GSLV-Disaster im April, als die erste selbstentwickelte kryogene Oberstufe nach Sekunden versagte („Weiter Konfusion …“): Die bisherige Untersuchung hat gezeigt, dass die Wasserstoffpumpe zwar sofort die vollen 34’800 U/m erreicht hatte – aber eine Sekunde später einfach stehen blieb. Damit war es um die Stufe und den ganzen Start geschehen. Um der genauen Ursache auf die Spur zu kommen, werden nun Bodentests durchgeführt; die nächsten beiden GSLVs benutzen derweil wieder russische Oberstufen. (ISRO Release, Spaceflight Now 9., Hindu, Space Today 10., Space.com 12.7.2010)

FASTSAT in Alaska angekommen – Start im November?

Der kuriose Satellit mit 6 Technologie- und Atmosphären-Experimenten („Das nächste Sonnensegel …“) ist am 10. August im Kodiak Launch Complex angekommen, wo er als eine von etlichen sekundären Nutzlasten einer Minotaur IV im Herbst starten soll – das hat sich immer wieder verschoben, weil ein minimales Softwareproblem bei der Rakete entdeckt worden war. Auch der Start einer anderen Minotaur IV mit dem ersten Satelliten des Space-Based Surveillance System (SBSS) in Vandenberg ist deswegen auf nunmehr den 24. September gerutscht. (NASA Release 11.8., Spaceflight Now 8.7., Discovery 14.6.2010) NACHTRAG: Ein anderer Passagier in Kodiak ist RAX.

Die Prisma-Satelliten haben sich getrennt, Picard sieht die Sonne, Proba 2 verfolgt CMEs: Die drei im Juni gestarteten europäischen Satelliten („Sonnensatellit …“) und der bereits seit November im All und seit Februar im Routinebetrieb befindliche gehen ihren Aufgaben nach. Während sich bei Prisma der kleinere Tango von Mango getrennt hat und ihm nun als Rendezvous-Ziel dient, hat Picard mit Aufnahmen der Sonne mit seinem 11-cm-Teleskop in rascher Kadenz begonnen, u.a. um etwaige Durchmesserschwankungen zu erkennen – und Proba 2 („So sieht der …“), der schon rund 100’000 Sonnenbilder im Kasten hat, verfolgt koronale Massenauswürfe weiträumiger als das Solar Dynamics Observatory. (Spaceflight Now 11.8., CNES Release 28.7., ESA Release 30.6.2010)

„Geheimshuttle“ X-37B änderte Bahn – aber Amateure fanden ihn bald wieder

Das mysteriöse wiederverwendbare Vehikel hielt bis zum 9. August seine 403 x 420 km hohe Bahn durch fortwährendes Ausgleichen des Luftwiderstands ein – aber dann wurde die Bahnhöhe plötzlich um 27.5 km angehoben, und die Amateurastronomen rund um den Globus, die den Shuttle verfolgen („Amateurastronomen fanden …“), verloren ihn zunächst. Bis ihn am 19. August ein Beobachter in Kapstadt wieder fand. Mit einer bevorstehenden Rückkehr hatte das Manöver vermutlich nichts zu tun, und über den Zweck des ganzen Unternehmens haben die Amateurbeobachtungen leider keine Erhellung bringen können … (Space.com, Raumfahrer 23., News.com.au 25.8.2010)

Prozess gegen mutmaßlichen Weltraumforscher-Möchtegern-Spion verzögert sich: Weil seine Anwälte erst entsprechende Sicherheitsstufen erlangen mussten, um überhaupt die relevanten Dokumente lesen zu dürfen, hat sich der Prozessbeginn gegen Stu Nozette um weitere Monate verschoben. Immerhin weiß man inzwischen, dass man ihm vorwerfen wird, er habe Geheimnisse über US-Satelliten, Frühwarn- und Abwehrsysteme verhökern wollen, die er – neben seiner bekanntere Tätigkeit als Mondforscher – gekannt haben soll. (CNN 11.8.2010)

Raketenstarts in Japan jetzt das ganze Jahr möglich: Bisher darf aufgrund von Abkommen mit den örtlichen Fischern nur 190 Tage im Jahr vom Weltraumbahnhof Tanegashima aus gestartet werden, aber das hat man nun neu verhandelt. Die zeitliche Beschränkung wird demnach ab April 2011 aufgehoben, aber es sind weiter nur 14 Starts pro Jahr erlaubt. (JAXA Release 29.7.2010)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

13. Juni 2010

Von-Kármán-Wirbel südlich der Kanarischen Inseln auf einem Envisat-Bild vom 6. Juni: Die Inselgruppe störte eine Luftströmung von Norden, was eine charakteristische Wirbelschleppe auslöste, benannt nach dem ungarisch-amerikanischen L&R-Ingenieur Theodore von Kármán.

Nächster Dnepr-Start am 15. Juni: Prisma-Paar und Picard

Und wieder wartet eine Dnepr-Rakete auf ihren Start, diesmal in einem Silo auf der südrussischen Militärbasis Yasny: Am 15. Juni um 16:42 MESZ soll sie den Sonnenforschungssatelliten Picard und die beiden Satelliten Mango und Tango (zusammen als Prisma bekannt) in den Orbit bringen. Diese trennen sich von einander und sollen dann im Laufe von 10 Monaten immer wieder zu einander finden und in Formationsflug gehen, wobei zahlreiche Technologien getestet werden. (Spaceflight Now 7.6.2010)

Schon 6 Tage später soll die nächste Dnepr starten, in Baikonur mit dem Satelliten TanDEM-X („Der deutsche Satellit …“), der zusammen mit dem betagten TerraSAR-X drei Jahre lang die Erde in 3D kartografieren soll – letzterer müsste gerade noch so lange durchhalten. (Astrium Release 8., DLF 9.6.2010; DLR-Start-Blog)

Das nächste Sonnensegel ist schon startklar: auf dem FASTSAT

Kaum hat der japanische Sonnensegler IKAROS die wichtigste Hürde genommen, darf sich auch das erste Modell made in USA auf den Weg zum Start machen: Das Nanosail D („Doch ein Wiederflug …“) ist eine von sechs Nutzlasten des FASTSAT („Fast, Affordable, Science & Technology Satellite) der NASA und des DoD, der im Mai die Erlaubnis für die Reise nach Alaska erhielt. Denn dort soll er – frühestens am 1. September – auf einer Minotaur IV starten. Außer dem Sonnensegel-Demonstrator (der als Nanosatellit aus dem Mikrosatelliten FASTSAT herauskatapultiert wird, was selbst schon ein wichtiges Experiment ist) sind zwei weitere Technologieexperimente und drei Instrumente zur Atmosphärenforschung an Bord. (NASA Feature 7., NASA Release 8.6.2010)

TacSat-3 ist jetzt operationell: Der im Mai 2009 gestartete militärische Forschungssatellit hatte zunächst ausgiebig seine Hauptnutzlast, das abbildende Spektrometer ARTEMIS, getestet, das sich u.a. bei der Planung von Hilfsmaßnahmen nach den Erdbeben in Haiti und Chile bewährte – aber seit dem 12. Juni untersteht der Satellit dem Air Force Space Command, das diese Technik auch nutzen will. (USAF Release 10.6.2010)

Startvertrag für IRIS, den nächsten Small Explorer der NASA

Der Interface Region Imaging Spectrograph soll im Dezember 2012 auf einer Pegasus XL starten: Als Ergänzung zum Solar Dynamics Observatory wird er den Energie- und Plasma-Fluss durch die Sonnenatmosphäre und Heliosphäre messen. Zusammen mit IRIS war vor einem Jahr auch der Gravity and Extreme Magnetism Small Explorer ausgewählt worden, der 2014 starten soll, wohl ebenfalls auf einer Pegasus XL. Beide Projekte dürfen maximal 105 Mio.$ kosten, zzgl. Start. (NASA Release 8., Space News 9.6.2010)

Neuseelands Rakete schaffte es tatsächlich bis in den Weltraum – jedenfalls hat die ATEA-1 bei ihrem Start im November 2009 nach Berechnungen die 100-km-Marke geknackt. Die erste Stufe konnte von einem Fischerboot aus dem Meer gezogen und gespeicherte Telemetrie ausgelesen werden: Danach hat sie stabil gebrannt und den meisten Treibstoff verbraucht, und die 2. Stufe trennte sich sauber – ergo sollte sie hoch genug gekommen sein, dass sich Neuseeland nun als Weltraumnation schmücken kann … (AstroSwanny´s 27.3.2010)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

11. Februar 2010

SDO gestartet: neue Phase intensiver Überwachung der Sonne – 6 Superbilder pro Minute

Ein regelrechter Film der gesamten Sonne aber mit der Auflösung des Satelliten TRACE und in 8 Farben, die Temperaturen von 6000 bis 15 Mio. Kelvin entsprechen – und das ist nur das, was wir von einem der drei Instrumente des Solar Dynamics Observatory erwarten dürfen, das heute mit nur einem Tag shuttle- und einem weiteren Tag windbedingter Verspätung auf einer Atlas V gestartet ist (Abb.). Diese Atmospheric Imaging Assembly (AIA) deckt den Spektralbereich von 9 bis 450 nm – also weiches Röntgen- bis sichtbares Licht – ab und liefert alle 10 Sekunden ein neues Bild mit 16 Megapixeln und 0.6″ Auflösung. Dies dürften die „fotogensten“ Datenprodukte des SDO sein: Um dieser Datenfülle überhaupt Herr zu werden, werden sich Mitarbeiter jeweils Zeitrafferfilme der vergangenen Stunden anschauen, um interessante Entwicklungen herauszupicken.

Weitere Instrumente sind das EUV Variability Experiment (EVE) aus mehreren Spektrographen für extremes UV-Licht der gesamten Sonnenscheibe (keinerlei Ortsauflösung) und der Helioseismic and Vector Magnetic Imager (HMI), der mit extrem engbandigen Filtern 16-Megapixel-Bilder der Sonnenscheibe mit 1″ Auflösung liefert, aus denen sowohl über den Dopplereffekt Oszillationen als auch über den Zeeman-Effekt Magnetfelder abgeleitet werden können. In vielen Beziehungen dürfte das SDO ein Nachfolger des inzwischen 15 Jahre alten SOHO-Satelliten werden. (Homepages bei NASA HQ und GSFC, Bilder vom Start, NASA und STFC Releases, DLR PM, Spaceflight Now, Scientific American, Physics World, Sky & Telescope, Universe Today, Noisy Astronomer und Space Today 11., NASA-Pressekonferenz via NASA TV 9., Science@NASA, Jonathan’s Space Report 5., MPG PM 4., STFC PR 2.2.2010)

Drei Mini-Satelliten werden Glory begleiten, einen NASA-Satelliten zur Sonnenstrahlungs- und Aerosol-Forschung, der Ende November starten soll: Die CubeSats Explorer 1 Prime, Hermes und KySat sollen sich mit den Van-Allen-Strahlungsgürteln, Kommunikationstechnologie und Erdbeobachtung befassen. Wird einer nicht rechtzeitig fertig, nimmt ein Ersatzsatellit seinen Platz ein. Zusammen bilden die drei die ELaNA-Mission, was für Educational Launch of Nanosatellite steht. (NASA Release 26.1., MSU Release 3., Examiner 8.2.2010)

Zweite Verlängerung: Cassini darf bis 2017 weitermachen!

Die im NASA-Haushalt(swunsch) für das FY 2011 ernthaltene Missionsverlängerung – „Cassini Solstice Mission“ – reicht bis Mai 2017 und damit einige Monate nach der nördlichen Sommersonnenwende: 155 weitere Orbits, 54 zusätzliche Titan-Vorbeiflüge und 11 weitere Besuche bei Enceladus. Das kostet stolze 60 Mio.$ pro Jahr, und so wird regelmäßig überprüft, ob Cassini noch fit genug ist. Entsorgt wird der Orbiter wohl durch einen Sturz in die Wolken Saturns, damit er nicht versehentlich auf die (prä)biologisch interessanten Monde Titan oder Enceladus fällt. (JPL Release, Planetary Society Blog 3., Spaceflight Now 4.2.2010)

Der erste – und einzige – enge Cassini-Vorbeiflug an Mimas steht am 13. Februar bevor: Nur 400 km groß, ist er doch von einigem geologischem Interesse. Mit 50 bis 75 Metern Auflösung sollten die schärfsten Bilder die bisher besten um das etwa Fünffache übertreffen. (Dr. Schenk’s 3D House of Satellites 10., JPL Release 11.2.2010)

Doch ein Wiederflug des gescheiterten Sonnenseglers „NanoSail D“ in originaler Konfiguration

ist nun offenbar geplant, noch dieses Jahr und unabhängig von der Verwendung genau dieser Technologie beim LightSail 1 der Planetary Society vielleicht ebenfalls noch 2010: Der Experimentalsatellit FASTSAT-HSV01 wird neben fünf weiteren Nutzlasten auch einen neuen NanoSail D tragen, um das Auswerfen eines solchen Nanosatelliten zu demonstrieren. Dieser Kleinstsatellit selbst soll dann ein 10-m^2-Sonnensegel entfalten. (Huntsville Times 22.2., SatNews 8.12.2009, KySat Blog 2.2.2010) NACHTRAG: Drei FASTSAT-Experimente sind bereit zur Erforschung der Hochatmosphäre.

Iranischer Suborbitalflug mit Tieren an Bord gelungen: Anfangs war unklar, ob es sich womöglich um einen Orbitalflug handelte, aber inzwischen gehen Beobachter davon aus, dass der Iran am 3. Februar einer Ratte – namens Helmiz 1 – sowie zwei Schildkröten und Würmern einen kleinen kurzen Suborbitalausflug verpasst hat, genau wie es schon länger angekündigt („Iran plant …“) worden war. Ob die gemeinhin als Weltraum definierte Gipfelhöhe von 100 km von der Kavoshgar-3 erreicht wurde, ist nicht bekannt. (ISNA, Discovery, Space News, Nature Blog, CNN, Wash. Post, NY, LA Times, Space.com, AFP, Novosti [Deutsch], Tagesschau 3., Space Today 4.2.2010 und noch mehr Links) NACHTRAG: Laut diesem Artikel stieg die Rakete 200 km hoch – was aber nichts Besonderes sei.