Posts Tagged ‘Galaktisches Zentrum’

AAS 221: allerlei Strukturen in der Milchstraße

9. Januar 2013

waren gestern Thema der 5. Pressekonferenz der 221. AAS-Tagung (komplette Aufzeichung). Das gab es zu sehen:

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Der erste „Knochen“ der Milchstraße – denen auch gleich die eigene URL „MilkyWayBones“ gewidmet wird – ist diese 300 Lichtjahre lange und nur 1-2 Lichtjahre dicke Faser aus Staub und Gas, die auf dieser Spitzer-Aufnahme dunkel erscheint. Die Struktur könnte zu einem regelrechten ‚Skelett‘ der Galaxis gehören.

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„Radio-dunkle Wolken“ in der Milchstraße im Kontinuum sind ein überraschendes Phänomen, durchdringt doch Radiostrahlung normalerweise alles und erscheint hell. Doch in den radio-dunklen Wolken fehlt tatsächlich Emission: Es sind dichte Molekülwolken, die in heißes Gas eingebettet sind – das kann emittieren, sie nicht.

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So sieht die fliegende Sternwarte SOFIA den Quintuple Cluster und die Umgebung dieser links zu erkennenden heißen Sterne, die vor 4-6 Mio. Jahren bei einem Starburst 35 pc vom Milchstraßen-Zentrum entfernt entstanden: Die Sterne machen sich im Infraroten – Kamera FORCAST, 20 – 37 µm Wellenlänge – durch Staubhüllen bemerkbar, die die aufheizen; man erkennt aber auch noch viel anderes Interstellares.

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Eine massereiche Molekülwolke, die kaum Sterne machen will, obwohl sie die 25-fache Dichte von Orion A hat, ist G0.253+0.016 in der Nähe des Milchstraßenzentrums: Wie neue Untersuchungen ergeben haben, fehlt es ihr an besonders dichten Kernen, das Gas bewegt sich zu stark, und vermutlich kollidieren hier gerade mehrere Wolken. [NACHTRAG: ein später Press Release dazu.]

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Der Ring um das Galaktische Zentrum aus SOFIAs Sicht bei 20 bis 37 µm Wellenlänge: Der – schräg von der Seite gesehene – Circumnuclear Ring ist hier deutlich zu erkennen (darin sitzt ein Radioastronomen schon seit Jahrzehnten bekanntes „Y“ aus Gas, das wohl auf dem Weg in die Zentralmaschine Sgr A* ist). Mit FORCASTs Auflösung scheinen periodische und horizontale Strukturen im CNR sichtbar zu werden, die Rückschlüsse auf Prozesse in der Nähe von Sgr A* geben könnten – über deren Natur wurde auf der PK aber nicht mal spekuliert.

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Dreimal Galaxien, von nah bis (ganz) fern

24. November 2010

Das Zentrum unserer Milchstraße bei 1.7 bis 2.3 µm Wellenlänge aufgeommen mit der ISAAC-Kamera des VLT; das Bildfeld ist 2.5 Bogenminuten breit. Nur das (nahe) IR erlaubt einen Blick durch den vielen Staub in die Zentralregion, wo eine Menge passiert …

Die Zentralregion der Elliptischen Galaxie NGC 4150 im UV-Licht aufgenommen mit der WFC3 des HST: Die Streamer aus Gas und Staub und klumpen blauer Sterne zeugen von einem großen Starburst, der nur 50 bis 400 Mio. Jahre zurückliegt, während die meisten Sterne der Galaxie 10 Mrd. Jahre alt sind. Offenbar die Folge eines zuvor „verschluckten“ Zwerg-Begleiters: U.a. dank Beobachtungen des GALEX-Satelliten (siehe ISAN 117-6) wissen wir schon länger, dass die Sternentstehung in Elliptischen Galaxien noch lange nicht zuende ist.

Eine detailreiche Karte der Dunklen Materie im Galaxienhaufen Abell 1689 (bekannt aus ISAN 118-5!), berechnet – mit einem neuen, direkteren Algorithmus – aus seiner Gravitationslinsenwirkung auf 42 Hintergrundgalaxien, die in insgesamt 135 Bilder verformt werden. Die rekonstruierte Dichtekarte der DM (noch Zweifel …?) ist hier der in der Analyse verwendeten Aufnahme der ACS des HST (auf der man etliche der Linsen-Bögen ausmachen kann) überlagert: Die größte Konzentration gibt’s im Zentrum des Haufens.

Drei „Große Observatorien“ – ein Bild des Galaktischen Zentrums – 152 Riesenposter

10. November 2009

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Röntgendaten von Chandra in blau, Hubble-Bilder in nahen IR in gelb und Infrarotdaten von Spitzer in rot: Gemeinsam haben die drei „Great Observatories“ der NASA dieses Kompositbild des Zentrums unserer Milchstraße geschaffen (siehe auch hier und Links dort). Riesen-Ausdrucke davon wurden an 152 Wissenschaftsmuseen und Planetarien in den USA verteilt, zur Feier des International Year of Astronomy. Mehr dazu in Chandra, Hubble und Spitzer Press Releases und bei Cosmic Ray und Bad Astronomy.

Ein neues Chandra-Mosaik des Zentrums unserer Milchstraße

23. September 2009

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basiert auf 88 Pointings des zehn Jahre alten NASA-Weltraumobservatoriums von 2000 bis 2007 – mit einer Gesamtbelichtungszeit von über 26 Tagen! Diffuses heißes Gas ist zu sehen, das Sternwinde, SN-Explosionen und Sgr A* aufgeheizt haben, dazu tausende Punktquellen: Hier füttern normale Sterne kompakte Objekte wie Neutronensterne. Für dieses Falschfarbenbild wurden Röntgenstrahlung mit steigender Energie die Farben R, G und B zugeteilt; kürzlich wurden auch große Mosaike des Galaktischen Zentrums im sichtbaren Licht und Radiobereich veröffentlicht.