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Als der Mondmann nach Oberhausen kam

24. März 2010

Auch altgediente Weltraumfans waren sich einig: So etwas gibt es – auf deutschem Boden zumal – nur ganz selten. Der gerade 78 gewordene Apollo-12-Pilot Alan Bean erwies sich bei der Übergabe eines Mondsteins an das Gasometer Oberhausen heute Nachmittag als ungemein eloquent und witzig und ließ die 40 Jahre zurückliegenden Apollo-Missionen wieder lebendig werden. Zuerst wurde eine Kiste präsentiert (mit einem Schild: Eigentum der US-Regierung – falls Sie sie gefunden haben, bitte nach Houston schicken), auf die eigens ein spezieller Wachdienst aufpasste, dann der kleine Mondstein herausgehoben, der von der Mission Apollo 15 stammt: zwar ein „Wander-Exponat“, aber ein eher selten gezeigtes. Mit auf der Bühne (Bild) der deutsche Astronaut Thomas Reiter, als Vertreter des DLR als maßgeblicher Kraft hinter der Ausleihe aber auch Repräsentant der nächsten Generation von Raumfahrern.

Und auch die (vielleicht) übernächste hing an Beans Lippen, als er hernach zu einem kurzen aber fulminanten Vortrag über seinen Mondflug im November 1969 schritt: Und da hatte sich das DLR noch Sorgen gemacht, ob die heutige Jugend mit den Mondmännern ihrer Großelterngeneration überhaupt noch etwas anfangen könne. Auch mehrere Schulklassen waren im Publikum und merklich angetan, übrigens gleichermaßen von dem seltenen Gast wie dem seltenen Stein. Bean illustrierte seine anekdotenreichen Ausführungen fast nur mit seinen Gemälden, die mal auf Missionsfotos basieren, mitunter aber auch Szenen zeigen, die keine Kamera festhielt (etwa als einer der beiden Apollo-12-Mondmänner dem gestrauchelten anderen nur mit einem Finger wieder auf die Beine half).

In seinem Bildern verwendet Bean übrigens gerne ein paar Körnchen Mondstaub, in deren Besitz er überraschend gelangt war, nachdem ihm die NASA das kleine – schmutzige! – US-Fähnchen von seinem Raumanzug zugeschickt hatte. (Davon hat er im Lauf der Jahre immer mehr abgeschnitten, um den Staub herauszufiltern, so dass inzwischen von den Stars & Stripes nur noch die Stars übrig sind …) Am beeindruckendsten empfand Bean während der Mission die große aber doch so ferne Erde und dass dort wegen des Farbkontrasts nur große Wüsten, nicht jedoch vegetationsreiche Gegenden wie Florida (oder auch Deutschland) auffielen. Und den faszinierten Beobachter der Ereignisse in Oberhausen erstaunte am meisten der schon lange nicht mehr bei einem Weltraumereignis in Deutschland beobachtete Kampf etlicher Fotografen und Kameraleute um die besten Plätze, auch nachher noch, als sich alle um den kleinen Mondstein balgten: Der ist noch bis zum 13. April im Gasometer genau unter dem Südpol des 25-m-Mondes zu sehen.

Apollo-12-Astronaut bringt Apollo-15-Stein ins Gasometer in Oberhausen

19. März 2010

Die große Weltraumausstellung im Gasometer in Oberhausen, die als Top-Event des IYA begann und inzwischen bis Ende 2010 als nämliches der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 dient, wird vom 24. März bis 13. April noch um eine Attraktion reicher: ein 93.5-Gramm-Stück des 9.5-kg-Brockens „Great Scott“, den die Crew von Apollo 15 während ihrer 3. EVA einsammelte (Bild; auch der Stein auf dem Mond, aus dieser Sammlung). Präsentiert wird es bei einem Pressetermin vom Apollo-12-Astronauten Alan Bean (der inzwischen auch als Weltraumkünstler von sich reden macht) und dem deutschen Ex-Astronauten und DLR-Manager Thomas Reiter. Das DLR hat auch die Ausleihe vermittelt; der Stein kommt direkt aus dem zentralen Apollo-Lager in Houston. In Deutschland sind permanent mehrere Apollo-Steine zu sehen – es ist gar nicht leicht, den Verbleib („Verschenktes Mondgestein …“) allen Apollo-Materials zu verfolgen.

Das war das IYA in Deutschland: „Wir schreckten vor nichts zurück“

9. Dezember 2009

Eine erste Bilanz des Internationalen Jahres der Astronomie in Deutschland, gezogen auf einer Pressekonferenz heute morgen im Gasometer Oberhausen, dessen inzwischen bis Ende 2010 verlängerte Ausstellung „Sternstunden“ mit bereits 427’000 Besuchern den mit Abstand größten Einzelerfolg mit IYA-Label darstellt: Trotz der Weigerung der Bundesregierung, das immerhin von der UN-Vollversammlung deklarierte internationale Wissenschaftsjahr zu dem ihren zu machen, haben Freiwillige tausende von Veranstaltungen auf die Beine gestellt, deren Vielfalt ihresgleichen sucht. (Zählt man – etwas kühn – alle Planetariumsshows und ihre Besucher dazu, mögen es gar an die 40’000 mit zusammen 2 Mio. Beteiligten gewesen sein.)

Wer sich dabei auf das Ankündigen von öffentlichen Beobachtungen – durchaus ein Kernanliegen des IYA – beschränkt hatte, spielte Wetter-Roulette und konnte Glück haben wie in Stuttgart, wo alle angekündigten Termine klappten, oder Pech wie in anderen Orten, wo sie sämtlich ins Wasser fielen. Meist war das Bild sehr gemischt, und gelungene Aktionen wie etwa die Sommersonnenwende auf dem Horizontobservatorium gerieten zu besonderen Höhepunkten. Besonders gelobt wurde von den Organisatoren des IYA um den deutschen Single Point of Contact Michael Geffert (links auf dem Panel) das enorme Engagement der Amateurastronomen im Lande, von denen selbst wiederum viele, die noch nie „öffentlich“ tätig gewesen waren, der Zuspruch der ‚Kunden‘ überraschte und motivierte.

Was darüber hinaus IYA-Ideen ohne direkte Mithilfe des Himmels betraf, so brachte es Susanne Hüttemeister (2. von links) auf den Punkt: Wir – gemeint natürlich alle aktiv Gewordenen des Landes – „schreckten vor nichts zurück“, seien es SternenZelte und -Feste, verwegene Kunstaktionen, Theaterstücke, Konzerte oder gar eine Weinprobe … Auch wenn das über allem schwebene IYA-Label bald Geschichte sein wird: Vielerorts sind Wiederholungen erfolgreicher Aktionen geplant, und auch die zentrale Webseite bleibt, jetzt als zentrales Portal für die Astronomie in Deutschland ganz allgemein. Eine weitere Impression von der PK, eine neue PM dazu (auch hier kopiert), ein DLF-Beitrag, ein WAZ-Artikel und ein Gasometer-Tweet. NACHTRAG: ein weiterer WAZ-Artikel. NACHTRAG 2: ein relativ langer Artikel an exotischem Ort.